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Mittwoch, Juli 15, 2009

Musik verbindet - manchmal aber auch nicht

Zu dumm: Wie Israelnetz berichtet, sind Daniel Barenboim und Leonhard Cohen mit ihren Konzertplänen bei palästinensischen Aktivisten abgeblitzt. Die Begründungen sprechen eine mehr als deutliche Sprache. Ob Barenboim jetzt darüber nachdenkt, seinen palästinensischen Pass zurückzugeben? Und wie groß ist das Gewicht palästinensischer Aktivisten in der PA, wenn solch' eine Entscheidung zustande kam?

Barenboim war übrigens nicht angeeckt, weil er eine militärische israelische Gegenwehr nach dem jahrelangen Kassambeschuss auf Israel befürwortete, sondern weil er das Recht Israels auf Eigenschutz ohne Gewaltanwendung ansprach. Selbst das war den Aktivisten noch zu heftig!


Keine Auftritte von Barenboim und Cohen im Westjordanland

RAMALLAH (inn) - Die Musiklegende Leonard Cohen und der Pianist Daniel Barenboim werden nicht, wie geplant, in Ramallah auftreten. Zuvor hatten palästinensische Aktivisten dazu aufgerufen die anstehenden Veranstaltungen zu boykottieren. Barenboim sollte am Freitag eine von palästinensischen Künstlern aufgeführte Oper dirigieren. Wie die Tageszeitung "Die Zeit" am Dienstag berichtete, hatten sich Palästinenser über Äußerungen des Musikers zur israelischen Operation "Gegossenes Blei" erbost. Barenboim hatte die Blockade des Gazastreifens durch Israel kritisiert. Er betonte jedoch, dass der jüdische Staat ein Recht habe, seine Bürger gegen palästinensische Raketenangriffe zu schützen - nicht jedoch mit Gewalt. Nach diesen Äußerungen hatten palästinensische Kritiker zum Boykott der Aufführung unter Barenboim aufgerufen.

Anfang vergangenen Jahres war Barenboim von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas für sein Engagement für einen Palästinenserstaat mit der Ehrenstaatsbürgerschaft der Autonomiebehörde ausgezeichnet worden.

Palästinensischer Veranstalter sagt Cohen-Auftritt ab

Das für den 26. September in Ramallah geplante Konzert Leonard Cohens wurde von den Organisatoren, dem "Club Palästinensischer Gefangener" (PPC), abgesagt. Pro-palästinensische Aktivisten hatten dem Kanadier zu verstehen gegeben, dass er in Ramallah nicht willkommen sei, solange er auch in Israel auftrete. Das berichtet die Tageszeitung "Jerusalem Post". Cohen will am 24. September in Tel Aviv ein Konzert geben.

"Wir können die Veranstaltung organisieren - es ist nicht schwierig oder unmöglich - aber wir ziehen es vor, nicht diese mühsamen Diskussionen zu führen", sagte Kadura Fares, Präsident des PPC. Das Konzert sollte vor etwa 1.000 Zuhörern stattfinden - unter ihnen sollten Angehörige palästinensischer Gefangener, Menschenrechtsaktivisten und Behinderte sein. Es sei eher eine symbolische Geste als ein Auftritt vor Fans, da Cohen nicht viele davon in den Autonomiegebieten habe, heißt es weiter.

"Wir brauchen Menschen wie Leonard Cohen, die seine Unterstützung für die Palästinenser teilen und es bedeutet viel, aber die Boykottkampagne glaubt, es ist wie bei den Erfahrungen in Südafrika - dass jeder, der den palästinensischen Kampf für Freiheit unterstützen möchte, nur Palästina und nicht Israel besuchen darf", so Fares.

Leonard Cohen wurde 1934 in einer jüdischen Familie geboren. Bekannt wurde er unter anderem durch die Neuaufnahme des Liedes "Hallelujah" von 1984. Das Originalstück erzählt die Geschichte des biblischen Königs David. Nach seinem Rückzug in ein buddhistisches Kloster wurde Cohen 1996 zum Mönch ernannt. 2001 wagte er ein musikalisches Comeback und steht nun wieder auf der Bühne.

Quelle: D. Nowa, Israelnetz

Dienstag, Januar 13, 2009

Von der SA gut gelernt

Es ist noch nicht allzu lange her, als sich ganz Betroffenheits-Deutschland zum 70. Jahrestag des Gedenkens an die Reichspogromnacht im Jahr 1938 in Synagogen, Kirchen und auf öffentlichen Plätzen versammelte.

Wie viele der Gedenkenden sich pflichtschuldigst Krokodilstränen abgerungen haben kann ich nicht beurteilen – steht mir auch nicht zu.

Aber ich brauche nicht viel Fantasie zu entwickeln, um mir auszumalen, dass viele derer, die wieder einmal die toten Juden so in Herz geschlossen haben, in den letzten Tagen abseits standen, als antisemitische Demonstrantenhorden ganz ungeniert zum Judenmord aufriefen. Das bezieht sich sowohl auf die fehlende physische als auch die mediale Präsenz. Und wer weiß, vielleicht standen sie nicht einmal nur abseits, sondern zündelten auch fleißig mit, wie
hier zu lesen ist.

Zum Bild rechts oben: Auf den ersten Blick scheint die Intention auf dem Plakat eindeutig zu sein: Eine Anklage. Aber auf den zweiten Blick sagt sie mehr aus - nämlich die Drohung mit einem zweiten Holocaust gegenüber Israel. Und das ist die wahre Intention, denke ich.


Nein, nicht den 9. November 1938 schreiben wir: Wir schreiben die ersten Januartage des Jahres 2009.

Der „gerechte Volkszorn“ bricht sich Bahn, und er kommt ebenso wie 1938 nicht aus heiterem Himmel, wie schon Goebbels damals glauben machen wollte, sondern er hat einen Vorlauf, der sich seit Jahren sozusagen auf kaltem Weg Bahn über die Mainstream-Medien brach, zusammen mit kooperierenden Verbänden, Politikern, Kirchenvertretern und nicht zuletzt den nervenden Verlautbarungen von Alibijuden, die von Antizionisten/Antisemiten als Koscherstempel für ihren geistigen Dünnpfiff genauso dringend benötigt werden wie die tägliche Ration Luft zum Überleben.


Natürlich gibt es (noch) einen quantitativen Unterschied zu den SA-Trupps der 1920er- und 1930er-Jahre, aber der qualitative Unterschied zur Allianz aus linken, rechten und islamistischen Antisemiten ist nur noch marginal erkennbar - wenn überhaupt. „Kauft nicht bei Juden“ wird schon seit Jahren von diversen Akademikerverbänden gefordert, wenn auch hübsch frisiert mit dem Slogan „Boykottiert Israel“, was natürlich an die berechtigte Boykottbewegung gegen das ehemalige Apartheid-Südafrika erinnern soll und so eine Unbedenklichkeitsbescheinigung suggeriert. Dass heute in Südafrika schwarze Rassisten ihr Unwesen treiben interessiert in diesem Zusammenhang natürlich wenig. Doch das nur am Rande….

Wenn der aufgebrachte - meist linksextremistische und islamistische - Mob* durch die Straßen der Städte in Deutschland und Europa zieht, erinnert das Verhalten der Staatsmacht teilweise an das der Reichspolizei damals, nur dass sich diesmal die rechten Nazis meistens bieder geben und die ultralinken und islamistischen Nazis (jawohl, das sind sie) jeden niederbrüllen und physisch angehen (dürfen), der sich ihnen in den Weg stellt.

Saalschlachten zwischen SA und Kommunisten? Das war einmal.
Heute kassiert die Polizei vorsorglich Israelfahnen und bricht dabei gelegentlich auch in Wohnungen von Israel-Sympathisanten ein, damit der linksextreme und islamistische Volkszorn nicht noch mehr angeheizt wird, weil wegen einer am Balkon angebrachten Israelfahne im dritten Stock (!) angeblich Gefahr im Verzuge sei. Und während die Demonstranten unten „Tod Israel“ brüllen wird der Mieter aus seiner Wohnung verwiesen.

Wie weit sind wir in diesem Land eigentlich, dass, wenn man absolut friedlich von seinem demokratischen Recht auf Willensäußerung Gebrauch macht, indem man schüchtern lediglich die Fahne des einzigen demokratischen Staates in Nahost zeigt, die Ordnungsmacht einschreitet, um dem Mob Rosen zu streuen? Die Erklärung fällt oft ebenso grotesk wie hilflos aus: Man setze auf Deeskalation, so die offizielle Verlautbarung.


Interessante Deeskalationsstrategie: Wenn der Mob neben dir „Juden ins Gas“ grölt und brave bürgerliche Israelhasser Transparente hochhalten, die optisch eine Gleichung zwischen Davidstern und Hakenkreuz herstellen, dann schreitet nicht die Staatsmacht ein - nein, das Gegenteil passiert. Man entfernt diejenigen, die beim Happening stören. „Bitte rollen Sie die Fahne ein und gehen Sie“. Man meint es ja nur gut, heißt es dann seitens der Polizei. So eine Art sanfte Schutzhaft also. Und wie ist es mit dem Straftatbestand der Volksverhetzung, der in den vergangenen Tagen seitens Tausender linker und islamischer Demo-Teilnehmer erfüllt war? Schweigen im (Blätter-) Wald.


Die qualitativen Gemeinsamkeiten zwischen der SA damals und den Horden, die wir in den letzten Tagen sehen mussten, sind schnell aufgezählt: ein hoher Organisationsgrad; unverblümt demonstrierte Absicht, Juden zu töten; die Macht über die Straße (ja, leider!) und der unbedingte Wille, alles aus dem Weg zu räumen, was sich in den Weg stellt; die Verbreitung von Angst bei Anwohnern, auch bei Gesinnungsgenossen oder islamischen Glaubensbrüdern; mehr oder weniger offen gezeigte Sympathiebezeugungen durch die Staatsmacht, indem man „gewähren“ lässt, um den "Frieden" nicht zu stören.


Es gibt noch einen qualitativen Gleichklang, der meines Erachtens sehr wichtig ist - wenn nicht sogar der Wichtigste:

Die SA damals war durch die religiös-verquaste pseudogermanische Ideologie des NS-Systems inspiriert und wurde dementsprechend effektiv in Szene gesetzt (man denke nur an Leni Riefenstahls Propagandaschinken).

Die überwiegend durch islamistische Hetzer geprägten und organisierten Demonstrationen der letzten Tage tragen einen ideologisch-religiösen Keim in sich, der sich nur in der theoretischen Ausprägung von dem der 1930er-Jahre unterscheidet, nicht aber in der Zielsetzung und der Radikalisierung auf den Straßen.

Das bedrohliche und hasserfüllte Allah u Akbar-Gebrüll war schließlich nicht zu überhören. Wie oben schon angesprochen - es gibt heute keine Saalschlachten. Sie werden auch nicht stattfinden, denn wie schon Lafontaine sagte:
"Sozialismus und Islam haben einige [interessante] Schnittmengen"
, was den überwiegenden Teil der Linken als Gegner für die Islamisten (vorerst) uninteressant macht. Mit dem Antisemitismus der Rechten kommt eine weitere Schnittmenge dazu - also sind wir bei dreien. Das wahrhaft Schlimme an der heutigen Situation ist, dass die Staatsorgane in vorauseilendem Gehorsam dem linksextremen und islamistischen Mob
(unausgesprochen) ein weiteres verhängnisvolles Zeichen gegeben haben:
“Ihr dürft, wenn ihr nur wollt. Wir werden die Letzten sein, die euch im Wege stehen“.
Vor zwei Tagen hörte ich im Radio wieder einen Ausspruch des Diwan-Dirigenten Daniel Barenboim, der stellvertretend dafür steht, wie dämliche Äquidistanz zu den Nahost-Konfliktparteien (Eine Spezialität Barenboims), wenn von Alibijuden ausgesprochen, begierig von der antiisraelischen Öffentlichkeit aufgesogen wird.
„Kriminelles Versagen der Vernunft auf beiden Seiten
attestiert er logischerweise und darf sich sicher sein, dass die nächste Konzertreihe schon vorgebucht ist, da einen deutschen Antisemiten nichts so sehr freut wie ein Vorzeigejude, der dessen Hunger nach gepflegter Muse stillt und gleichzeitig den Clown für den Koscherstempel abgibt.

„Friedensnobelpreis für Barenboim“ flötete gestern im Antisemiten-Chat für Linke „2254-2254“ bei Dradio Kultur eine Dame, und eine sich outende Verehrerin Felicia Langers schob anschließend hinterher, dass „Gaza ein Riesen-KZ“ sei. Zur Ehrenrettung der Moderatorin M.v.B: Sie hat zaghaften Widerspruch eingelegt. Na prima!

Ausgerechnet Daniel Barenboim, der stets betont, sich nicht für Politik zu interessieren, dient als Stichwortgeber für die Feinde Israels, weil er nicht in der Lage oder willens ist, den palästinensischen Terror als Ursache für den Unfrieden in der Region zu benennen. Hat Barenboim ein einziges Wort über die widerlichen antiisraelischen Demonstrationen der letzten Tage verloren? Ich kann mich nicht erinnern.

Dieses Schweigen und die ungehemmte Lust eines Großteils der europäischen Medien am Judenbashing wird den Feinden Israels weiteren Auftrieb verleihen.


Es bleibt viel zu tun.


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*Z.B. wie in Duisburg Milli Görüs, die vom Verfassungsschutz beobachtet wird.