Samstag, 18. Juli 2009

Drei, die sich mögen: IRIB, Felicia Langer und das BVK 1

Wenn jemand das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse bekommt, muss er schon etwas ganz Besonderes geleistet haben, nicht wahr? Felicia-Amalia Langer hat - und wie. Hier nur einer von vielen 'The-Federal-Cross-of-Merit-first-class-goes-to'-Gründen:

Das staatliche iranische Nachrichtenorgan IRIB hatte Frau Langer im Februar dieses Jahres zu einem Interview geladen (hier auch als mp3 ), das zu allerhöchster Zufriedenheit beider Beteiligten verlief: Frau Langer durfte wieder ihren Israel-Hass zum Besten geben und IRIB durfte die passenden Suggestivfragen stellen.


Ein paar Antworten Langers (Hervorhebungen von mir):

...Erstens, ich bin auch Jüdin und Israelin, und hoffe, dass Sie mich auch so vorstellen. Ich bin zudem Trägerin des alternativen Nobelpreises.
Nun eine interessante Feststellung. Macht’s Klick?
Sie wissen, "Selbstverteidigung muss Verhältnismäßigkeit Rechnung tragen".

Verhältnismäßigkeit besagt, man darf nur militärische, aber keinesfalls zivile Ziele angreifen.

Mein Mann und ich sind Holocaust-Überlebende. Das ist etwas, was leider Gottes missbraucht wird.
Wie wahr…wie wahr…wie wahr….
Israel ist Inbegriff von Gewalt und auch die israelische Besatzung ist Inbegriff von Gewalt.

Man muss auf Israel Druck ausüben. Das ist das Wichtigste, was man machen muss.

Es gibt in Israel eine starke Friedensbewegung und ich gehöre auch dazu. Ich mache deshalb alles, um Menschen aufzuklären und ihnen klar zu machen, dass sie mit ihren Taten Völkerrecht brechen, dass sie Verbrechen begehen, die strafbar ist.

Israel ist weltweit die 4. Militärmacht und diese 4. Militärmacht zerbombt ein kleines Stück Land mit 1,5 Millionen Einwohnern, darunter ist die Hälfte Kinder.
Israel zerbombt Kinder – und damit die Hälfte aller Einwohner? Und die perfide Logik hinterher...
Und wenn man behauptet, Hamas benutzt Kinder als Schutzschild, da kann man darüber nur lachen, weil Gaza zur Hälfte aus Kindern besteht...

Wie kam nun das Bundesverdienstkreuz auf die Idee, sich an Felicia Langers Fersen und schließlich an ihr Revers zu heften?


Gute Frage, aber es kann leider auch nichts dafür, dass es von zwei Wichtigtuern und Ignoranten missbraucht wird, siehe die beiden Personen links und rechts auf dem Foto in diesem Beitrag.

Wenn jetzt jemand daherkommt und sagt "Nu' Bernd, lass' mal Butter bei die Fische", weil das doch alles nicht so schrecklich tragisch sei, dem empfehle ich, diese Zitatsammlung in aller r Ruhe durchzugehen. Wer dann noch Felicia einen Orden umhängen will sollte schnell zum Arzt gehen. Den alternativen Nobelpreis und den anderen Kram kann sie ja gerne behalten, aber das BVK setzt ein falsches Zeichen, denn wie Dieter Graumann völlig richtig bemerkt:
Nun bekommt Frau Langer plötzlich das Bundesverdienstkreuz - das ist ein fatales Signal, mit dem die völlig einseitige Hetze gegen Israel belohnt und legitimiert wird. [...] Wird damit nun etwa eine neue Mode eingeleitet: Wer, am besten noch als Jude, Israel am lautesten beschimpft, bekommt als erster das Bundesverdienstkreuz?
Gut auf den Punkt gebracht!

Donnerstag, 16. Juli 2009

Dina & Dahlan

Bei der Betrachtung des Videos einer Fatah-Kundgebung von Al-Filistina TV am 9. Juli in Qalqilya vor versammelter Fatah-Prominenz inklusive Fatah-Führer Mohammed Dahlan kann man eigentlich nur zu einem Schluss kommen: Der Showdown zwischen Hamas und Fatah im Westjordanland lässt nicht mehr allzu lange auf sich warten.

Ärgerliches Detail am Rande dieser ansonsten sehr emotionalen, 7:22 dauernden Aufzeichnung: Die sehr talentierte Rednerin Dina Ghanem aus Gaza weist (bei 2:35 ff) spöttisch darauf hin, dass Gilad Shalid von der Hamas verwöhnt werde....

Zum Abspielen hier oder auf die Abbildung klicken

Quelle: MEMRI

China - Zukünftiges Trumpf-As des Iran bei Wirtschaftssanktionen

Der Iran könnte ein As aus dem Ärmel zaubern, falls westliche Regierungen zusätzliche Sanktionen wegen der brutalen Niederschlagung der oppositionellen Demonstranten in Erwägung ziehen sollten. Welche Karte wird Teheran wahrscheinlich spielen?

China.

(Abb. rechts: Gasförderplattform von South Pars im persischen Golf)


Am 13. Juli verkündete das iranische Ölministerium, dass China zugesagt hätte, etwa 40 Milliarden Dollar in iranische Raffinerieanlagen zu investieren. Das Abkommen würde die Finanzierung der neuen Hormoz-Raffinerie im Südiran mit einschließen, die täglich etwa 300.000 Barrel Benzin und Kerosin produzieren soll, wenn das Bauvorhaben nach vier Jahren abgeschlossen sein wird. China würde auch die in die Jahre gekommene Raffinerie Abadan im Süden gründlich instand setzen, damit ihre Produktion um 29% gesteigert werden kann, so das Statement von Funktionären aus dem Ölministerium, die für dieses Projekt noch keinen Fertigstellungstermin angeben können.


Das Abkommen ist noch nicht unterzeichnet worden (und China muss es noch bestätigen), aber wenn es der Iran durchzieht, würde es dem Land die größten Kopfschmerzen ersparen. Trotz riesiger Erdölreserven und Ausfuhren importiert der Iran über 130.000 Barrel Benzin pro Tag, weil er zu wenige und dazu alte Raffinerien besitzt, die die Binnennachfrage nicht befriedigen können. Der Deal mit China würde buchstäblich die Fabriken, Häuser und Autos im Iran - in der Tat eine Nation von 66 Millionen Menschen - am Leben erhalten.

Noch sind die iranischen Benzinimporte nicht von US-Sanktionen oder internationalen, also UN-initiierten Sanktionen betroffen. Aber die Bereitwilligkeit anderer Länder, Benzin an den Iran zu liefern, schwankt, da wegen des iranischen Nuklearprogramms der politische Druck zunimmt. Indien, einer der Hauptlieferanten, hat neulich entsprechend der in Paris ansässigen Internationalen Energiebehörde seine Exporte in den Iran für einen kurzen Zeitraum unterbrochen.

"Wenn Sie wirklich einschneidende Sanktionen durchsetzen wollen, müssen Sie die Treibstoff-importe kappen“, sagt Erica Downs, Expertin für chinesische Energiepolititik am Brookings Institute in Washington. „Falls die Chinesen 40 Milliarden Dollar investieren und damit die Fördermöglichkeiten der iranischen Raffinerien dramatisch erhöhen, würde dies definitiv eine der Waffen im US-Arsenal untauglich machen."

Chinas Beziehungen zum Iran, die im letzten Jahrzehnt ständig intensiviert worden waren, haben sich in den letzten 18 Monaten noch einmal rapide entwickelt. Im Dezember 2007 unterzeichnete der chinesische Ölriese Sinopec Group ein Abkommen in Höhe von 70 Milliarden Dollar, um im iranischen Yadavaran-Fördergebiet, dessen Reserven auf ungefähr 17 Milliarden Barrel geschätzt werden, mit Bohrungen zu beginnen. Im Januar dieses Jahres erklärte sich Chinas größter Energieproduzent CNPC bereit, das Ölfeld Nord-Azadegan zu erschließen - ein Deal im Wert von etwa zwei Milliarden Dollar. Und letzten Monat, als Demonstranten mit Paramilitärs auf Teherans Straßen kämpften, flogen iranische Ölfunktionäre nach Peking, um mit CNPC über ein Abkommen in Höhe von 5 Milliarden Dollar für die neueste Erschließungsphase von South Pars zu verhandeln, des riesigen Erdgasfeldes im Persischen Golf. Schwer gezeichnet durch den Fall des Ölpreises von 147 Dollar/Barrel im Juli letzten Jahres auf 64 Dollar diese Woche "haben die Iraner einen immer akuter werdenden Kapitalbedarf“, so Erica Downs.

Und China schwimmt in Geld. Darüber hinaus legt das Land, das zig Milliarden Dollar in den iranischen Energiesektor investiert hat und stetiges Mitglied des UN-Sicherheitsrates ist, mit ziemlicher Sicherheit ein Veto gegen neue harte Iran-Sanktionen ein. Demgegenüber gibt es in den USA und Europa zunehmende Ängste wegen des iranischen Nuklearprogramms sowie Empörung über die Gewaltanwendung des Regimes im letzten Monat.

Große westliche Ölkonzerne, die im Iran operieren, darunter Total, Royal Dutch Shell und der italienische Konzern ENI, haben sich für einige Monate abstinent gehalten, was Verträge mit iranischen Ölfunktionären betrifft, weil sie vielleicht abwarten, ob Obamas Angebot an Teheran, Gespräche aufzunehmen, aus der politischen Sackgasse herausführt. Das Abkommen mit China über South Pars wurde unmittelbar nach TOTALs Absage (fürchtete politische Auswirkungen) geschlossen.

Diese Sorge trieb Peking selten um, und daran wird
sich so schnell auch nichts ändern.

Crossposting mit FreeIranNow!

Quelle: TIME

Übertragen ins Deutsche von Castollux

Mittwoch, 15. Juli 2009

Barenboim: Musik verbindet - manchmal aber auch nicht

Zu dumm: Wie Israelnetz berichtet, sind Daniel Barenboim und Leonhard Cohen mit ihren Konzertplänen bei palästinensischen Aktivisten abgeblitzt. Die Begründungen sprechen eine mehr als deutliche Sprache. Ob Barenboim jetzt darüber nachdenkt, seinen palästinensischen Pass zurückzugeben? Und wie groß ist das Gewicht palästinensischer Aktivisten in der PA, wenn solch' eine Entscheidung zustande kam?

Barenboim war übrigens nicht angeeckt, weil er eine militärische israelische Gegenwehr nach dem jahrelangen Kassambeschuss auf Israel befürwortete, sondern weil er das Recht Israels auf Eigenschutz ohne Gewaltanwendung ansprach. Selbst das war den Aktivisten noch zu heftig!


Keine Auftritte von Barenboim und Cohen im Westjordanland

RAMALLAH (inn) - Die Musiklegende Leonard Cohen und der Pianist Daniel Barenboim werden nicht, wie geplant, in Ramallah auftreten. Zuvor hatten palästinensische Aktivisten dazu aufgerufen die anstehenden Veranstaltungen zu boykottieren. Barenboim sollte am Freitag eine von palästinensischen Künstlern aufgeführte Oper dirigieren. Wie die Tageszeitung "Die Zeit" am Dienstag berichtete, hatten sich Palästinenser über Äußerungen des Musikers zur israelischen Operation "Gegossenes Blei" erbost. Barenboim hatte die Blockade des Gazastreifens durch Israel kritisiert. Er betonte jedoch, dass der jüdische Staat ein Recht habe, seine Bürger gegen palästinensische Raketenangriffe zu schützen - nicht jedoch mit Gewalt. Nach diesen Äußerungen hatten palästinensische Kritiker zum Boykott der Aufführung unter Barenboim aufgerufen.

Anfang vergangenen Jahres war Barenboim von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas für sein Engagement für einen Palästinenserstaat mit der Ehrenstaatsbürgerschaft der Autonomiebehörde ausgezeichnet worden.

Palästinensischer Veranstalter sagt Cohen-Auftritt ab

Das für den 26. September in Ramallah geplante Konzert Leonard Cohens wurde von den Organisatoren, dem "Club Palästinensischer Gefangener" (PPC), abgesagt. Pro-palästinensische Aktivisten hatten dem Kanadier zu verstehen gegeben, dass er in Ramallah nicht willkommen sei, solange er auch in Israel auftrete. Das berichtet die Tageszeitung "Jerusalem Post". Cohen will am 24. September in Tel Aviv ein Konzert geben.

"Wir können die Veranstaltung organisieren - es ist nicht schwierig oder unmöglich - aber wir ziehen es vor, nicht diese mühsamen Diskussionen zu führen", sagte Kadura Fares, Präsident des PPC. Das Konzert sollte vor etwa 1.000 Zuhörern stattfinden - unter ihnen sollten Angehörige palästinensischer Gefangener, Menschenrechtsaktivisten und Behinderte sein. Es sei eher eine symbolische Geste als ein Auftritt vor Fans, da Cohen nicht viele davon in den Autonomiegebieten habe, heißt es weiter.

"Wir brauchen Menschen wie Leonard Cohen, die seine Unterstützung für die Palästinenser teilen und es bedeutet viel, aber die Boykottkampagne glaubt, es ist wie bei den Erfahrungen in Südafrika - dass jeder, der den palästinensischen Kampf für Freiheit unterstützen möchte, nur Palästina und nicht Israel besuchen darf", so Fares.

Leonard Cohen wurde 1934 in einer jüdischen Familie geboren. Bekannt wurde er unter anderem durch die Neuaufnahme des Liedes "Hallelujah" von 1984. Das Originalstück erzählt die Geschichte des biblischen Königs David. Nach seinem Rückzug in ein buddhistisches Kloster wurde Cohen 1996 zum Mönch ernannt. 2001 wagte er ein musikalisches Comeback und steht nun wieder auf der Bühne.

Quelle: D. Nowa, Israelnetz

Montag, 13. Juli 2009

Wollen die Palästinenser wirklich einen eigenen Staat?

Bei der Überlegung darüber, ob dies wirklich zutrifft, ergeben sich jede Menge Fragen. Ich beginne mit Robert Malley und Hussein Agha.

Die Palästinenser begannen Ende der 1980er-Jahre, über die Zweistaatenlösung nachzudenken, wenn auch recht widerwillig. Eigenstaatlichkeit bedeutete auch die Annahme von Fallstricken und Unwägbarkeiten, die eine nationale Sache mit sich bringt. Echte nationale Bestrebungen gab es aber nicht. Für die meisten war es eher eine taktische Überlegung - keine, die von Herzen kam; es war wohl dienlicher, ein größeres Ziel anzupeilen, nie aber das Ziel um seiner selbst willen.

Anders als beim Zionismus, für den die Eigenstaatlichkeit das Ziel schlechthin war, ging es beim Kampf um die palästinensische Sache immer wieder um andere Dinge. Das Fehlen von staatlicher Souveränität war nicht die Ursache ihres ganzen Unglücks, und die Schaffung eines palästinensischen Staates würde auch heute nicht als vollwertige Lösung angesehen werden.


Heute existiert die Idee einer palästinensischen Eigenstaatlichkeit hauptsächlich außerhalb „Palästinas“. Diesen Staat zu errichten hatte für die Europäer immer höchste Priorität, weil sie diesen als entscheidend für die Stabilisierung einer Region und die Eindämmung von Extremismus betrachtet haben, und für die Amerikaner, weil er für sie im Zentrum ihrer Bemühungen stand, das iranische Regime und die radikalen Islamisten zurückzudrängen sowie eine Koalition zwischen den so genannten gemäßigten arabischen Staaten und Israel zum Wohle beider Seiten schmieden; und selbst für viele Israelis, die zu der Meinung gelangt sind, dass dieser Staat die einzig wirksame Antwort auf die demografische Bedrohung darstellt, die von den arabischen Staaten ausgeht.

Alles triftige Gründe, obwohl keiner von ihnen bedeutende Relevanz für die Palästinenser hat; und jeder weitere entfremdet sie von einer Vision der Eigenstaatlichkeit, der vorgegebenen Prämisse ihres Kampfes.


Die allgemeine Befürwortung hat eine Kehrseite. Je mehr die Zweistaatenlösung einem westlichen oder amerikanischen Modell entspricht (von der israelischen Vorstellung ganz zu schweigen, sic!), desto weniger entspricht sie der palästinensischen Vorstellung.
Der israelische Kolumnist Sever Plocker beurteilt den Sachverhalt so:
Die Botschaft, die in diesem Artikel übermittelt wird, entspricht in großem Maße dem Argument, das Benny Morris, der führende Historiker des arabisch-israelischen Konflikts, in seinem neuen Buch anführt. Das Buch mit dem Titel One State, Two States (Yale University Press, 2009) beschreibt detailliert die Idee von „zwei Staaten für zwei Völker“, beginnend mit den Anfängen des Zionismus bis heute. Die Conclusio lautet wie folgt:

Die Palästinenser nahmen nie die Idee eines unabhängigen und souveränen palästinensischen Staates neben Israel auf, unabhängig vom Grenzverlauf; in ähnlicher Weise haben die Palästinenser auch die Vorstellung eines bi-nationalen Staates zurückgewiesen....

Der von Agha und Malley verfasste Artikel, der eher die linke Position widerspiegelt, offenbart ebenso wie Morris’ Buch ernüchternden Pessimismus. Die Palästinenser sind weder dazu bereit, das Land aufzuteilen noch es gemeinsam (mit Israel; [Anm.: Castollux]) zu besitzen. Sie hängen weiter ihrem revolutionären Traum „der nationalen Befreiung“ nach, und bis diese unrealistische Befreiung Gestalt annimmt, ziehen sie es vor, als nationale statt als politische Einheit zu existieren - eine Einheit, die keine Verpflichtungen kennt und sich stets als Opfer betrachtet sehen will - in eigener Sichtweise und in den Augen der Welt.
Anfang dieses Jahres sprach Professor Jakub Grygiel die gleiche Frage in einem sehr lesenswerten Beitrag an:
Der Staat wird nicht mehr länger als einziges Medium gesehen, das große gesellschaftliche Gruppen zu organisieren und führen in der Lage ist. Neue Technologien vermitteln (neue) Bindekräfte und stärken in zunehmendem Maße eine größere Zahl einzeln agierender Individuen.

Die Proliferation von Waffen und Dual-Use-Technologien fordern das Gewaltmonopol des Staates heraus, wenn sie Einzelpersonen oder kleinen Banden die Möglichkeit eröffnen, größtmögliche Sicherheit und strategisch-aggressive Herausforderung zu garantieren.

Die Präsenz von Großmächten heute, und speziell der amerikanische Machtfaktor zusammen mit zunehmenden militärischen Kapazitäten, andere Staaten zu vernichten, dient als starker Anreiz, ein niedrigschwelliges eigenes und staatenloses Profil zu halten: Keinen eigenen Staat zu haben bedeutet, den eigenen Fußabdruck zu minimieren oder beinahe unkenntlich zu machen (und die eigene Verantwortung für Fehlentscheidungen; [Anm.: Castollux]); das heißt auch, dass die Wahrscheinlichkeit, Ziel eines Vergeltungsangriffes zu werden, minimiert und damit die eigene Überlebenschance erhöht wird.

Viele dieser neuen Gruppierungen stützen radikale Ideen, gefärbt durch fromme und/oder extreme Ansichten und lassen sie als wenig interessiert an Bildung von Staaten erscheinen. Staaten müssen irgendwie geartete Kompromisse eingehen, und selbst wenn sie autoritär oder totalitär geführt werden, können sie selten die Erwartungen von Extremisten vertreten oder bündeln, die dazu neigen, politische Lösungen rundweg abzulehnen, weil sie ihre Existenz überflüssig erscheinen lassen.
Der Essay verdient es, vollständig gelesen zu werden. Aber das letzte Wort soll hier Robert Kaplan (The Atlantic) haben (und eigentlich hätte es mir auch den Beitrag erspart):
Aber die USA sollten sich auf einen nie endenden israelisch-palästinensischen Konflikt vorbereiten, weil die Palästinenser bereits haben könnten, was sie sich wünschen.
Quelle: HonestReporting Media BackSpin

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Sehr wichtiger Hinweis:
Bitte unterstützt Free Iran Now! durch eure Beteiligung.
Wie ist egal, wenn es sachlich bleibt.
Das iranische Terror-Regime hat etliche Regimegegner durch Inhaftierung, Folter und Mord zum Verstummen gebracht. Wir sind eine der wenigen Stimmen, die sie jetzt noch haben.
Bitte unterstützt uns dabei!
Wir nehmen eure Anfragen (Mails) auf und machen sie (natürlich anonym) publik.
Herzlichen Dank!
Euer
Bernd Dahlenburg (FIN)

Donnerstag, 9. Juli 2009

Jordanische Palästinenser?!

Schon peinlich, auf welch’ abenteuerliche Ideen Leute kommen, die Israels jüdischen Staat hassen und im Prinzip nicht wissen, wie sie mit historischen Fakten umgehen sollen.

Sie nutzen das Google Earth-Szenario mit seinen (oft willkürlich und politisch) editierten Grenzverläufen, errichten darauf ihre Hypothese des „Israel nimmt alles und Palästina verliert alles“ und stürzen sich in das nächstbeste Forum, in dem über den „Land fressenden Moloch Israel“ hergezogen wird – am besten im SPIEGEL-Netzwerk, wo alles seinen „seriösen Touch“ bekommt nach dem Motto: „SPIEGEL-Leser wissen mehr“.

Diese „Spezialisten“ denken, dass all das, was sie sehen oder über anti-israelische Querverweise bekommen, Ewigkeitscharakter habe.

Wenn aber über Geschichte Hof gehalten werden soll müssen Fakten herhalten. Und da sieht es nicht allzu gut aus, was die palästinensische Geschichtsschreibung betrifft. Oder gibt es überhaupt eine originär „Palästinensische Geschichtsschreibung?“

Diese Frage könnten wir später diskutieren - wenn sie denn (überhaupt) notwendig wäre und sich nicht nur am britisch mandatierten Substantiv Palestine orientierte; sei es über „sensationelle“ archäologische Ausgrabungen oder islamisch interpretierte „Textgeheimnisse“ aus Ausgrabungsschätzen, die angeblich schon vor der Sumererzeit existierten; also eine Art Ur-Islam, oder Verwüstungen alter jüdischer (heiliger) Stätten in Jerusalem durch die heute als Verhandlungspartner so geschätzten Haschemiten.

Wo bleiben da die Juden in der Geschichtsschreibung?

Dr. Tilman Tarach, der ein engagiertes und intensiv recherchiertes Buch zur Geschichte Israel-Palästinas und dem islamisch motivierten Antisemitismus in den letzten 100 Jahren geschrieben hat, kommt zu einem Ergebnis, das so verblüffend wie einfach ist: „Warum wurde Jordanien nie in die Zweistaatenlösung einbezogen?“

Er hat in der Jerusalem Post einen Artikel verfasst, der an Deutlichkeit, was die sorgfältige Rekapitulation der Ereignisse von 1928 bis in die Zeit nach 1948 betrifft, kaum Fragen unberücksichtigt lässt.

Castollux veröffentlicht diesen Beitrag auf seiner Webseite im Original [In Englisch] unten.

Deutsche Übersetzungen gibt’s bei Castollux innerhalb der nächsten 14 Tage ab heute. Natürlich kostenlos wie immer, weil ich meine Zeit von G’tt geklaut habe. Und der hat von mir noch nie etwas verlangt, außer dass ich so oft wie möglich die Wahrheit sage.


Why a two-state solution?

Tilman Tarach

Former MK and journalist Uri Avnery alleges that in 1981 defense minister Ariel Sharon had planned "to encourage the Palestinians to trigger off a revolution in Jordan and to dethrone King Hussein" so as to "transform Jordan into a Palestinian state under Yasser Arafat and to negotiate the future of the West Bank with the Palestinian government in Amman."

At that time, Avnery was still a member of the Knesset. He has since become rather popular as a Jewish anti-Zionist (and anticommunist, by the way), particularly in Germany. The plan, into which he claims to have been initiated by Sharon personally, outrages him today, as if he was a confessing monarchist to whom the throne of the king of Jordan is sacred.

What would, in fact, have been the arguments against the "Jordanian option"? And what would be the arguments against it today? Jordan, like the remaining Palestinian areas, was originally part of theMandated Territory of Palestine governed by the British Empire, an area that would have offered sufficient space for a Jewish and an Arab state. Jordan covers 78 percent of this area, and was separated by the British as "Transjordan" in 1922. The remaining Palestinian areas, however, which today comprise Israel plus the West Bank plus the Gaza Strip, and whose total area is not much larger than Kuwait, will hardly support two sovereign states, even less if these are hostile to each other.

LET US look at the facts: Jordan's territory is more than four times Israel's, and its population density is only one sixth of Israel's. The majority of the Palestinian refugees who fled during the wars of 1948 and 1967 live in Jordan, and about 60 percent of all Jordanians call themselves Palestinians. Until 1967, the West Bank was occupied by Jordan: it was actually formally annexed, and the Palestinian Arabs living there were considered Jordanians (and, even today, they often hold a Jordanian passport). But, tellingly, none of them called for an intifada against Jordan to create a Palestinian state in the West Bank, and none of the Palestinian Arabs ever fought against the Egyptians in Gaza, who had occupied the Gaza Strip since 1948. The fighting has always and exclusively been directed against Israel's existence.

When the PLO was founded in 1964, it did not call for the liberation of the territories occupied by Jordan and Egypt, but for the destruction of Israel; nobody within the PLO talked about a Palestinian state at that time, not even Ahmed Shukeiri, until 1967 chairman of the PLO. In Article 24 of its 1964 Charter, the PLO still explicitly renounced any sovereignty claims to the West Bank and Gaza Strip. The strategy did not change until after 1967, when these territories were no longer occupied by Jordan or Egypt but by Israel. As early as in 1965, the PLO boasted of having killed 35 Jews, and the number increased as the years went on.

This shows the dishonesty of the lamentation, repeated like a mantra, that the assaults on Jews are only a reaction to the Israeli occupation of the West Bank, which took place only in the course of the Six Day War.

As is well known, that very same year Israel offered to negotiate the return of all the occupied territories in exchange for genuine peace, but at the Khartoum Conference the Arab states answered with the famous triple "no": "no" to peace with Israel, "no" to recognition of Israel, "no" to negotiations with Israel. Tunisian president Habib Bourguiba was the only Arab leader who, as early as 1965, supported an agreement with Israel. The Khartoum Conference restated the old position of the notorious mufti of Jerusalem: Not an inch of sacred Muslim soil would be allowed to make up a sovereign Jewish state. In this context, it should be recalled that Jimmy Carter was the first to propose a Palestinian state in the West Bank and Gaza Strip; not until then did the PLO seize this suggestion.

In reality, the only viable option, which not even the Palestinians can raise reasonable objections against, is the following: The West Bank (or large parts of it) is united with Jordan, and Gaza with Egypt. (When, in February 2008, the Palestinians overran the Egyptian border fortifications into Sinai, their rallying cry, addressed to the Egyptians, was: "We are one people.")

According to surveys, 30% of Palestinians living in the West Bank are in favor of such a solution. But it meets with resistance from the Hashemite dynasty of Jordan, which fears for the loss of the throne; it therefore renounced any territorial claims to the West Bank back in 1988. As reported by the Jordanian newspaper Al-Ghad, King Abdullah considered a confederation between Jordan and the West Bank a "conspiracy against his kingdom and against the Palestinians."

All the well-known Palestinian groups demonize such a plan: The creation of a second Palestinian state next to Jordan has always been just a pretense for them to conceal their anti-Israel policies, and the recognition of Jordan enlarged by the West Bank as the state of the Palestinians would deprive them of this pretense.

Their real objective has always been the destruction of Israel and, with their phony anger at the "Zionist arrogance," they would still pursue this goal even if the Jews of Israel retreated all the way to Masada or Tel Aviv.

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http://tilmantarach.blogspot.com

The writer is a lawyer in Germany and recently published The Eternal Scapegoat: Holy War, 'The Protocols of the Elders of Zion' and the Dishonesty of the So-Called Left in the Middle East Conflict.

This article was recently printed in German in the monthly Konkret. (Translation: Dr. Margret Szymanski-Schikora)

Grauenhaft: Ein ranghoher Taliban-Anführer ist bei Kämpfen verletzt worden

That's the SPIEGEL-News we "prefer" impulsively (;-):

Armee berichtet von Schlag gegen Taliban-Anführer
*

Wer trägt sich in die Kondolenzliste für den verletzten Maulana Fazlullah ein?

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*Quelle: SPIEGEL

Mittwoch, 8. Juli 2009

Sheik Raed Sallahs Hakenkreuz-Anekdote

Vorbemerkung: Sheik Raed Sallah vertritt viele der 20 % arabischen (loyalen?) Bürger in Israel!

Sheik Raed Sallah von
Islamic Movement Israel grinst sich zusammen mit dem Moderator schmierig einen ab, während er stolz über eine "Lausbubengeschichte" erzählt, die er in seiner Schulzeit erlebte. Dazu gehörte auch, dass man nach Ende des Jom Kippur-Krieges, den israelische Araber schelmisch auch Ramadan-Krieg nennen, also des hinterhältigen Angriffs der arabischen Staaten auf Israel an seinem höchstem Feiertag, sich diebisch darüber freute, dem jüdischen Hebräischlehrer ein riesengroßes Hakenkreuz an die Tafel gemalt zu haben. Allein schon das dämliche Grinsen der beiden Video-Protagonisten ist einen Hingucker wert - oder besser vielleicht keinen, wer so einen Mist nicht ertragen kann.

Zum Ansehen bitte hier oder auf die Abbildung klicken. Die eingeblendete englische Untertitelung ist leicht zu verstehen und muss hier nicht übersetzt werden. Die Aufnahme stammt vom 5. Mai 2009, wurde aber erst jetzt von MEMRI eingestellt.


Quelle: MEMRI

Samstag, 4. Juli 2009

Bernie Ecclestones Totalcrash

Knallharte Macher wie Formel-1-Zirkusdirektor Bernie Ecclestone haben naturgemäß ein Faible für andere brutale Typen.

Bei Bernie muss es jedoch ein ganz besonderer Brocken sein - Adi höchst persönlich hat er sich ausgeguckt, denn seine Fähigkeit, "Dinge zu erledigen", sei bei ihm besonders gut ausgeprägt gewesen.

Und so vergeigt er in einem Interview mit der Times jeden Reifenwechsel, lässt die Zapfsäulen in Flammen aufgehen und baut einen Totalcrash nach dem anderen:

Ich vermute, es ist schrecklich das zu sagen, aber - abgesehen von der Tatsache, dass Hitler mitgerissen und überredet wurde, Dinge zu tun, von denen ich nicht weiß, ob er sie tun wollte oder nicht - konnte er viele Menschen führen und war fähig, Dinge zu erledigen
Natürlich bekommt wie jeder halbwegs vernünftige Diktator auch Hitler bei Bernie ein wenig Kritik ab, denn er war
kein wirklich guter Diktator, weil er am Ende die Orientierung verloren hat
Wahrscheinlich so wie hier.

Das Pius-Benedikt-Syndrom wird von Mister Senil gleich frei Haus hinterher geliefert, weil er
"Entweder (...) wusste was passierte und beharrte darauf, oder er hat sich dem einfach angeschlossen - in beiden Fällen war er kein Diktator."
Dass Demokratie das Böse schlechtin in dieser Welt bedeutet, ist für ihn ausgemachte Sache, da sie
vielen Ländern nichts Gutes gebracht [hätte].
Großbritannien eingeschlossen.
Politiker machen sich zu viele Gedanken über die Wahlen und [...] Saddam Hussein zu stürzen, war ein Fehler,
denn
Er war der Einzige, der das Land kontrollieren konnte
Mehr zur Kloake des Tages auch beim SPIEGEL.

Michael Jacksons Juden

Damit wir uns richtig verstehen: Als Woodstock-„Geschädigter“ interessiert mich Michael Jackson musikalisch nur marginal, mal ganz abgesehen davon, dass er Prince, der oft mit ihm verglichen wurde, musikalisch nie das Wasser reichen konnte. Auch der Budenzauber, der allerorten und nicht nur hier um ihn veranstaltet wird, lässt mich kalt. Ehrlich gesagt konnte ich den Mann nie ausstehen.

Ja, was bleibt? Ein Mensch, das nie erwachsen werden wollte, vielleicht auch deshalb, weil man ihm in seiner Kindheit übel mitgespielt hatte. Aber diese Geschichten kennen wir alle in der einen oder anderen Variante - und haben wir nicht auch unsere ganz speziellen Entschuldigungen, wenn wir uns weigern, Verantwortung für eigene Verfehlungen zu übernehmen?

Apropos Verfehlungen: „Jackos“ streng riechende antisemitische Seite sollte bei all dem Hype, der um seine großartige Karriere veranstaltet wird, nicht vergessen werden: Einen seiner surrealen Skandale provozierte er im Jahr 2005, als Tonbandaufnahmen aus der Zeit der Gerichtsverhandlungen auftauchten, auf denen er sich antisemitisch äußerte*. Er bezeichnete Juden als „Blutsauger“ und sprach davon, dass „die Juden gezielt ein Komplott“ gegen ihn initiiert hätten. Die Anti-Defamation Legue (ADL) hatte Jackson damals aufgefordert, sich von seinen Aussagen zu distanzieren und für den „verletzenden und hassgetränkten“ Inhalt zu entschuldigen. ADL-Vorsitzender Abraham Foxman damals: „Es ist traurig, dass Jackson mit den klassischen Vorurteilen über Juden infiziert ist, sie seien allmächtig, geldgierig und manipulativ.“

Auch Rabbi Eric Yoffie sieht Jacko ein wenig anders als ungezählte und unkritische Fans weltweit das gerne hätten. Sein Kommentar spricht mir aus der Seele. Castollux hat ihn ins Deutsche übertragen.



Michael Jackson und die Juden
Eric Yoffie

Michael Jackson war ein Musiker mit unerschöpflichem Talent und vielleicht der größte Solist unserer Zeit. Er erfand die Popmusik neu und produzierte die bestverkauften Alben weltweit. Er war auch ein Mann mit riesigem Vermögen, der eigenen Angaben zufolge seine Prominenz dazu nutzte, Kinder zu sich einzuladen und das Bett mit ihm zu teilen. Auch wenn er niemals des Kindesmissbrauchs überführt worden war offenbarte die Gerichtsverhandlung gegen ihn und die Zeit danach sein absolut verwerfliches Verhaltensmuster den eigenen Kindern und anderen gegenüber, die ihm anvertraut worden waren.

In unserer auf VIP-Rummel fixierten Epoche überrascht es nicht, dass wir niemals daran dachten, Michael Jackson nach Standards zu beurteilen, die wir uns selbst auferlegen. Jackson wurde (wird) von seinen Fans heftig verteidigt; sie sehen in ihm ein Symbol der Unschuld und beharren darauf, dass er mehr Opfer als Täter (wenn überhaupt) war. Nun, da er tot ist, ist es dann für jene, die im Namen der jüdischen Gemeinde sprechen, wirklich angebracht, sich der Lobhudelei anzuschließen und nach Entschuldigungen für seine Verfehlungen zu suchen?

Jacksons Beziehung zur jüdischen Gemeinschaft war kompliziert - gelinde gesagt. Einige haben behauptet, er sei Antisemit gewesen, doch das ist unklar. Er war jedoch ein cleverer Marketingspezialist und Opportunist, der antijüdische Kommentare zu seinem Vorteil nutzte. Sein 1995 veröffentlichter Song "They Don't Care About Us" enthielt die Zeile: "Jew me, sue me, everybody do me, kick me, kike me." (Sinngemäß: "Macht es auf die jüdische Art, verklagt mich, alle von euch, schlagt mich, saugt mich einfach aus.” Protest blieb nicht aus, da jeder wusste, dass eine (juristische) Klage fällig war.

Zunächst flüchtete sich Jackson in eine umständliche Erklärung mit dem Argument, der Songtext habe nicht gemeint, was er doch ziemlich deutlich aussagte. Schließlich bot er eine Entschuldigung an, was ihm Beifall einer dankbaren jüdischen Gemeinde einbrachte. Im Verlauf der Kontroverse generierte der Vorfall dann immense Werbeeffekte und hohe Verkaufszahlen. Dieses Muster sollte sich noch mehrere Male wiederholen.

Nach Jacksons Tod war die jüdische Presselandschaft und Blogosphäre voll mit stolzen Berichten jüdischer Autoren und prominenter Persönlichkeiten, die Jackson einmal begegnet waren, mit ihm die Synagoge besucht, über jüdische Musik gesprochen und ihm ihre Kinder vorgestellt hatten. Es wurde sogar behauptet, dass seine zweite Frau und zwei seiner Kinder jüdischen Glaubens seien. Ein Blogger, bekannt für seinen einfühlsamen und besonnenen Kommentarstil, verglich Jackson mit dem biblischen Joseph.


Der mit Abstand am häufigsten gelesene Artikel über Michael Jackson aus einer jüdischen Quelle stammt von Shmuley Boteach, einem orthodoxen Rabbiner und Freund Jacksons. Darüber hinaus wurden Boteachs Kommentare auch über einige Fernsehshows verbreitet. Der Artikel in der Jerusalem Post war schwer zu ertragen und für einen Rabbiner unentschuldbar.

Boteach beglückwünscht sich dazu, dass er mit Jackson mehrmals Shabbat gefeiert und er ihn Elie Wiesel vorgestellt habe. Boteachs Jackson war auch weit davon entfernt, Schändlichkeiten zu begehen. Alles was er tat scheinen Einzelne des inneren Zirkels um ihn zu verantworten. Jacksons Angriffe auf Juden werden nicht erwähnt.

Sein Umgang mit den eigenen Kindern wird nicht aufgegriffen – so z.B., dass er sie bei Auftritten hinter Masken und Schleiern verbarg oder dass er ein Kind in höchst fahrlässiger Weise über eine Balkonbrüstung baumeln ließ.

Höchst interessant auch, dass Jacksons Umgang mit Kindern anderer Menschen, die von ihm in Haus und Bett eingeladen worden waren, mit keiner Silbe erwähnt wird; und eigentlich unnötig auch der Hinweis darauf, dass ein Umgang wie dieser mit fremden Kindern nach jüdischem Recht und jüdischer Tradition strengstens untersagt ist.

Boteachs sah Jackson zwar mit kleinen Makeln behaftet, aber zuerst als sympathische Person und allenfalls tragische Erscheinung, die sich durch einen „edlen Geist“ auszeichne.

Nein, das entspricht nicht der Wahrheit. Keine einzige jüdische Schule in den USA würde über Jacksons Leben jüdische Kinder so unterrichten wie Boteach es sieht. Sicher war Jackson ein großer Musiker und die Trauer über seinen Tod wird von Millionen geteilt; aber in Zeiten wie diesen wäre es für Rabbi Boteach und andere in unserer Gemeinschaft angebrachter, den Mund zu halten.


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*Der SPIEGEL spricht natürlich in der ihm eigenen Tonlage davon, dass die ADL "unterstellt" habe und beteiligt sich damit indirekt an Jacksons Verteidigung.
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Rabbi Eric H. Yoffie ist Präsident der Union for Reform Judaism. Mehr zu seiner Kurzvita am Ende des Originalartikels in der Jerusalem Post.

Dieser Artikel erschien erstmals in RJ.Org - News and Views on Reform Jews.