Dienstag, Juni 24, 2008

Wenn das Heinrich Heine wüsste!

Ausgerechnet er wird von Rechten als „Kronzeuge“ gegen Ausländer angeführt

Im Bild links Heinrich Heine mit seiner letzten Liebe Mouche (
Elise Krinitz) Copyright: akg

Wenn tumbe Nationalisten über Fußball reden, kann es schon vorkommen - wie auch sonst nicht allzu selten -, dass sie ganz weit vom Thema abweichen und sich dem Sujet Kultur widmen, von dem sie in der Regel „Limes gegen Null“ verstehen, um in der Sprache der Integralrechnung zu sprechen. So geschehen im Forum des bekanntesten deutschnationalen Blogs (Namen brauche ich wohl nicht zu erwähnen, oder?), der zum Spiel Kroatien-Türkei ein Diskussionsforum anbot.

Dass die Zahl der Beiträge immer dann sprunghaft in die Höhe schnellt, wenn es gegen „Die Ausländer“ per se geht, meistens aber die Türken, versteht sich von selbst. Wie es dann in der Ausländer- und Judenbewertungsskala weiter gehandhabt wird können Sie sich wahrscheinlich ausmalen bzw. in den "Kommentaren" nachlesen.

Dabei gibt es auch die einen oder anderen Schmankerl zu bestaunen - nein, diesmal nicht gespielte Empörung und fast schon zur Gewohnheit gewordene Paranoia, wenn den Öffentlich-Rechtlichen ein idiotischer Lapsus bei der grafischen Darstellung der Deutschlandfahne unterläuft. Ich denke an Redebeiträge im Forum, die von der Blog-Redaktion schlicht ausgeblendet oder ignoriert werden, und bei denen es sich weit mehr lohnt, einmal genauer hinzusehen.

So meint z.B. ein Leser mit dem Pseudonym 1Eternia, ein "Zitat Heinrich Heines" in die Manege werfen zu müssen und so den Eindruck zu erwecken, ausgerechnet (!) Heine habe sich für Fremdenfeindlichkeit ausgesprochen. Perfides Spielchen mit der Dummheit anderer Leser, meinen Sie nicht auch?

Hier geht’s zum Tatort. Orthografie unverändert:

#156 1Eternia

"Türken, Inder, Hottentotten sind willkommen alle drei,
wenn sie leben, lieben, lachen, fern von hier - in der Türkei.
Wenn sie aber scharenweise, wie die Maden in dem Speck,
über unser Land herfallen, ist die Sympathie bald weg!"
(Zitat von Heinrich Heine)

Da ich Heinrich Heines Werk und Biografie ein wenig kenne und ihn verehre, war ich doch überrascht, so etwas zu lesen. Also machte ich mich daran, Informationen zu sammeln. Was lag also näher, als bei der Heinrich-Heine-Gesellschaft in Düsseldorf nachzufragen, einer Institution, die alle Fragen zu Heinrich Heine quasi im Schlaf beantworten könnte. Fehlanzeige.

Natürlich fallen auch sonst auf Anhieb Ungereimtheiten auf: Zu Heines Zeiten gab es keine Türkei, Jürgen Rüttgers unsäglich dämliche Phrase „Kinder statt Inder“ aus dem Jahr 2000 könnte sich höchstens mittels Zeitmaschine bis Heinrich Heine herum gesprochen haben; Hottentotten kannte Heine auch nicht, er wusste sicher auch nichts vom Gemetzel, das Wilhelm II’s Truppen unter ihnen im heutigen Namibia (Zu seligen Kolonialzeiten Deutsch-Südwestafrika) angerichtet hatte. Auch da hätte er H.G. Wells Zeitmaschine ankurbeln müssen. Und zu guter Letzt - warum sollten Inder und Hottentotten in einer Türkei, die es so nicht gab, Wohnsitz nehmen?

Auch wenn man sich bei Hardcore-Überzeugungstätern und Ultrarechten wie Altermedia umsieht, erfährt man, dass der oben aufgeführte Vierzeiler nicht von Heine stammen kann. Die rechtsextreme Rasselbande kann sich allerdings nicht verkneifen, nebenbei einen Seitenhieb gegen Heines Gedicht "Himmelfahrt" zu führen. Wer das Gedicht im Ganzen liest wird schnell dahinter kommen, dass es eine ganz andere Diktion hat als das oben von 1Eternia angeführte und mit Rassismus nichts zu tun hat.

Konsequentes Recherchieren führt zu Hinweisen, die Licht in die schmutzige Kampagne dieses Pseudonyms 1Eternia bringen.

Wie mir die Heinrich-Heine-Gesellschaft bestätigte, handelt es sich bei dem Vierzeiler um eine Fälschung. Das Institut war damit schon öfter konfrontiert worden.

Hinweis zum Schluss: Der oben erwähnte „Gottfried Eibe“ verehrt auf seiner Webseite Theodor Körner, den „Godfather“ vieler Rechtsextremisten, (Ex-) DDR-Soldaten (Ja, das passt tatsächlich zusammen, auch wenn Sie es vielleicht nicht glauben) und Stichwortgeber für Joseph Goebbels. Von Körner stammt (fast wortwörtlich) das dröhnende "Nun, Volk steh auf und Sturm brich los!" aus der berüchtigten "Sportpalastrede" Goebbels am 18. Februar 1943 vor Tausenden Zuhörern in Berlin. Alles nur Zufall?

*Aktivitäten zwar mittlerweile eingestellt, aber ein neues Bündnis sicher schon geschmiedet.

Ahmadinedschads Vernichtungsrede

Oder: Frau Katajun Amirpurs „Freie Übersetzung“ und deren Richtigstellung

Frau Dr. Katajun Amirpur (Bildmontage rechts) hatte in einem Beitrag in der „Süddeutsche Zeitung“ behauptet, dass der iranische Präsident Ahmadineschad das Wort „Ausradieren“ nicht verwendet, sondern in Bildern gesprochen habe.

Sie hat damit bei naiven Appeasern und Altstalinisten viel freudige Verwirrung und Genugtuung ausgelöst und ein gewisses Verständnis für Ahmadinedschad geweckt.

Und sie hat sich dabei - wie auch schon des Öfteren bei Fernsehauftritten - so sophisticated in ihrer verquasten Semantik verhakt, dass Widerspruch* nicht ausbleiben konnte.

Die nonchalant vorgetragene „Exegese“ in einem ihrer früheren Beiträge in der SZ aus dem Jahr 2004, in dem sie die Hängung eines 16-jährigen Mädchens im Iran als humanen Fortschritt im Vergleich zur Steinigung bezeichnete (H.M. Broder sprach es an) war fast schon ein Ritterschlag für die „Iran-Expertin“, die sich seit ihrer „Auslegung“ der Auslöschungsrede Ahmadinedschads vor Anfragen wohl kaum retten kann. Aber sie will ja habilitieren….

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Die israelische Botschaft hat Kenner der persischen Sprache zu Rate gezogen, was das diskutierte Zitat des gemeingefährlichen Irren aus Teheran betrifft, die entscheidenden Textpassagen noch einmal einer sorgfältigen Prüfung unterzogen und mit Transliteration veröffentlicht (Die Grafik lässt sich leider nicht vergrößern, ohne dass die Schrift undeutlich wird. Vielleicht kann mir da jemand helfen. Ich ändere das dann).

Ich gehe davon aus, dass man in der israelischen Botschaft gewissenhafter arbeitet als Frau Amirpur an ihrem Laptop. Schließlich hat man dort einen guten Ruf zu verteidigen….

Unten also die Mitteilung der Botschaft mit Übersetzungstabelle. Das braucht man nun wirklich nicht zu kommentieren:

Iranische Drohungen im Wortlaut

Im Iran wird offen mit der Vernichtung Israels gedroht. Jedoch sind sich auch in der westlichen Welt gewisse Experten nicht zu schade dafür, diesbezügliche Aufrufe, v. a. von Präsident Mahmoud Ahmadinejad, herunterzuspielen.

Das Jerusalem Center for Public Affairs hat nun einige der wichtigsten Zitat in genauer und fachkundiger englischer Übersetzung zusammengestellt.

Mahmoud Ahmadinejad auf der Konferenz „Welt ohne Zionismus“ am 26.10.2005 in Teheran. Bitte auf die Abbildung klicken und aufzoomen:

Die deutsche Übersetzung wurde von der Botschaft des Staates Israel in Berlin angefertigt.

Hier noch mehr Informationen (pdf). Frau Amirpur wird's wohl ignorieren...

*Auch: Wahre Lügen

Quelle: Jerusalem Center for Public Affairs, 2008

Donnerstag, Juni 19, 2008

Get Back - To Where You Once Belonged

Nicht U2 stand das erste Mal auf einem Hausdach und ließ es krachen.

Die Beatles waren es. Im Januar 1969.

Unkenntnis in dieser Angelegenheit und die darauf folgenden falschen Berichterstattungen in den Jahren danach hatten mich schon immer wahnsinnig genervt. Und viele „Musikfreaks“ hielten dieses Missverständnis über Jahrzehnte aufrecht - sei es, weil sie zu spät geboren waren oder schlicht keine Ahnung hatten.

U2 reicht an die Beatles einfach nicht ran: In jeder Beziehung nicht - kompositorisch, gesanglich und intellektuell nicht. Ja, prügelt mich jetzt. Aber hätte U2 jemals ein Album wie Sgt. Peppers herausgebracht?

NEIN!

Die Aufzählung der anderen Beatles-Alben erspare ich mir.

Wer sonst als die Beatles hätte zuerst die Idee gehabt, dem Londoner Publikum so richtig soundmäßg einige Takte vom Dach zu geben? Und das im Januar 1969? Die Jungs spielten in Winterkleidung auf dem Dach der Apple-Studios in der Londoner Savile Row mit Billy Preston unter freiem Himmel ihr letztes öffentliches Konzert. Und das mit klammen Fingern. George Harrison hat später noch darüber geklagt.

Für die etwas jüngeren Zeitgenossen: Paul McCartney mit Vollbart (links). Steht ihm nicht schlecht, finde ich.

Das Video lässt sich (aus Urheberrechtsgründen?) bei YouTube leider nicht vergrößern. Es geht aber über den Real Player, der beim Anklicken als Alternative angeboten wird. Wenn man von dort runterlädt kann man in den Vollbildmodus umschalten.

Text von „Get Back“ in diesem Link abrufbar.

Sonntag, Juni 15, 2008

Neudeutsche Zensoren: Im Zweifel für die Mullahs

Unten stehendes Zitat eines von mir ganz und gar nicht verehrten Philosophen ist in den Redaktionsstuben des Neues Deutschland (Quelle Bild links: Neues Deutschland) sicher nicht eingerahmt zu finden:
„Zensur ist Mord an der bürgerlichen Meinungs- und Informationsfreiheit.“ (Ludwig Feuerbach).
Matthias Küntzel, Politikwissenschaftler, Journalist und ausgewiesener Iran-Kenner, hat nach Ansicht eines ND-Redakteurs ein Sakrileg begangen. Er besaß die Chuzpe, dem in Berlin "weltweit bekannten" Schreiber Christian Klemm von Neues Deutschland (nachfolgend meistens ND genannt), der ehemaligen Haus- und Leibpostille des SED-Staates, deutlich mitzuteilen, wie er sich einen erhellenden Kolumnenbeitrag zum Iran vorstellt. Und das auch noch auf Anfrage von ND bzw. Klemm selbst!

Dumm nur, dass es in Küntzels Beitrag in erster Linie um die Haltung der Partei Die Linke zur Vernichtungsrhetorik der Mullah-Nomenklatur inklusive Ahmadinedschads gegenüber Israel und der halbherzigen und verlogenen Sanktionspolitik des Westens ging.

Zum Hergang:

Christian Klemm hatte Matthias Küntzel am 29. Mai 2008 um einen Gastbeitrag gebeten, den er auf der Debattenseite des Blattes einstellen und mit einer Gegenposition in Form einer (indirekten) schriftlichen Disputation konfrontieren wollte.

Die schriftlich formulierte Zusage Klemms „wir verändern die gelieferten Beiträge redaktionell nicht“ wirkt auf den ersten Blick großzügig, ist aber eine Selbstverständlichkeit, wenn Positionen als das stehen gelassen werden sollen, was sie sind - nämliche subjektive Beiträge, die durch belegbare Fakten untermauert werden [können] und keinerlei nachträglichem „Feinschliff“ eines ND-"Redaktionsfunktionärs" bedürfen. Worin bestünde sonst der Sinn einer schriftlichen Disputation? Technische und andere Fragen zum Umfang der Arbeit werden sowieso immer zwischen Autor und Redakteur abgestimmt.


Am 11. Juni schickte Matthias Küntzel
seinen Beitrag an die ND-Readktion. Wie er auf seiner Webseite vermerkt, dauerte es keine 50 Minuten, bis sich Christian Klemm durch die Arbeit Küntzels gebeamt hatte, um dann jovial-herablassend zu antworten, dass „nach der Lektüre des Beitrages sich die Redaktion entschieden [hat], Ihren Text nicht zu drucken. Nach unserer Auffassung behandelt er erstens nicht das gestellte Thema, und zweitens fehlt ihm jede journalistische Seriösität. Christian Klemm, Neues Deutschland“.

Abgesehen davon, dass Ignoranz, Hochnäsigkeit und unterentwickelte Rechtschreibfähigkeiten in manchen Redaktionsstuben nicht selten eine unheilvolle und zumeist auch peinliche Allianz eingehen (Seriosität statt Seriösität [von lat. seriositas, wie es richtig heißen müsste] und noch einige Fehler mehr im Schriftverkehr mit Matthias Küntzel), hat die Antwort Klemms ganz deutlich aufgezeigt:

Er hat Küntzels Beitrag keinesfalls aufmerksam gelesen und - was noch deutlicher Klemms Oberflächlichkeit in dieser Angelegenheit dokumentiert - er scheint sich auch vor dem Angebot, Küntzel im Blatt zu Wort kommen zu lassen, nicht oder nur höchst selten und peripher mit Küntzels Arbeiten zum brachial-religiösen Regime im Iran, dem Atomwaffenprogramm dort und der hysterisch aufgeblasenen Mahdi-Erwartung, die zusammen mit dem diktatorischen Regime eine höchst explosive Mischung darstellt, beschäftigt zu haben - ganz zu schweigen von der sträflichen Vernachlässigung der existentiellen Gefahr, die Israel durch das iranische Rüstungsprogramm sowieso droht.

Wahrscheinlich hatte der gute Herr Klemm nach Querlesen des Beitrags - mehr als ein Drüberhuschen war es sicher nicht - beschlossen, stellvertretend für Die Linke und das Redaktionsteam den Beleidigten zu geben.

Außerdem kann der mehr oder weniger aggressiv zur Schau gestellte Antizionismus des Blattes, den von Antisemitismus oft weniger als die Breite einer geschliffenen Rasierklinge trennt, sowie die Gleichsetzung Israels mit einem gewalttätigen Apartheidstaat (Siehe Abbildung rechts) für die abwertende Entscheidung Klemms nicht von vornherein als Antrieb ausgeschlossen werden. Oder wie soll man schwammige Formulierungen wie diese von Klemm sonst interpretieren: „Einige Kritiker des Iran unterstellen, dieses Land beabsichtige die Vernichtung Israels.“

Die plump daher kommende Diktion dieses Satzes springt einen geradezu an:

1) Den (angeblich „einigen“, oder „wenigen“?) Kritikern wird mit der Formulierung “des Iran“ unterstellt, sie würden die Bevölkerung ebenso wie das Klerikal-Regime kritisieren. Genau das Gegenteil ist der Fall: Niemand hat das Wohl der Bevölkerung und der oppositionellen freiheitlich-demokratischen Kräfte mehr im Blick als die Kritiker des iranischen Regimes. Und auf niemanden hoffen die Regimegegner im Iran zu Recht mehr als auf die Dissidenten und Unterstützer im Ausland. Im Gegensatz dazu stützen die Appeaser (aus welchen Gründen auch immer) einen Terrorstaat und tragen indirekt dazu bei, dass die Bevölkerung weiter in großer Angst und Bedrängnis lebt.

2) „Unterstellen“: Wenn ich dieses Wort im Zusammenhang mit der iranischen Führung höre wird mir übel. Dieser mehr oder weniger ungeniert deutlich ausgestellte Blankoscheck lässt entweder auf Durchzug in gewissen Journalistenhirnen während der letzten Jahre oder Überzeugungstäterschaft schließen. Vielleicht sollte ich das „entweder...oder“ in diesem Satz aber auch streichen und durch ein "und" ersetzen.

3) “Diese Land beabsichtige die Vernichtung Israels“: Abgesehen davon, dass Klemm hier konjunktivisch hervorzaubert, was Küntzel übrigens konsequent und zu Recht vermeidet, nämlich die iranische Bevölkerung mit dem Klerikalregime gleichzusetzen - entwickelt Klemm hier in einer Suggestionsformel und durch Hinzufügung des „Vernichtung Israels“ den Eindruck, all jene wie Küntzel u.a., die das iranische Schreckensregime seit Jahren präzise beobachten, sähen Gespenster - oder schlimmer noch, sie seien nicht zurechnungsfähig.

Dass man sich beim ND in der Bewertung des iranischen Regimes weitgehend bedeckt bzw. konziliant bis zum Erbrechen gibt, steht dabei im krassen Gegensatz zur unerbittlichen Schärfe, die Israel entgegengebracht wird.

Schon 2005 hatte der Jüdische Kulturverein in einem offenen Brief an die ND-Redaktion darauf hingewiesen. Und an der Berichterstattung bzw. Kommentierung der ND zur Haltung der Linken in der Iran-Frage bzw. der Bedrohung Israels hat sich bis heute kaum etwas geändert. Daran ändert auch Gysis eher halbherziger "Appell" nichts, der dazu aufrief, die Haltung der Partei Die Linke zum israelischen Staat und ihre Variante des Antizionismus neu und kritisch zu hinterfragen. Es darf gelacht werden (besser geweint).

Matthias Küntzel wird’s verschmerzen: Eine Nichtveröffentlichung im ND ist kein Beinbruch, eher ein Ritterschlag, und die Zusammenarbeit mit journalistisch unseriös (diesmal mit „ö“, weil Adjektiv, lieber Herr Klemm) arbeitenden Redakteuren ist auch nicht unbedingt erstrebenswert. Aber vielleicht geschehen ja selbst unter der Ägide des Herausgebers Lothar Bisky noch Zeichen und Wunder. Bei dieser Personalie und der Vergangenheit allerdings schwer vorstellbar.

Freitag, Juni 13, 2008

Freedom From Fear - Gedanken an Freunde

Ich möchte eine kleine Bemerkung zu der Webseite loswerden, die für mich den Anstoß gab, das Logo "Freedom From Fear" links oben auf meine Seite zu stellen:

Der Inhaber der Domain war Student an einer amerikanischen Universität, der es sich zusammen mit wenigen Freunden zur Aufgabe gemacht hatte, Rassismus und Antisemitismus an amerikanischen Hochschulen zu bekämpfen.

Als ich das erste Mal seine Webseite über einen Link von HonestReporting besuchte (funktioniert heute nicht mehr), war ich sofort vom Engagement überzeugt, das dort an den Tag gelegt wurde.

In der Folgezeit (bis Ende 2007) waren er und seine Mitstreiter von rechts- und linksradikalen Kommilitonen und Islamisten aber derart eingeschüchtert und bedroht worden, dass er beschloss, den Blog zu löschen. Seine Gründe waren einleuchtend, weil er darauf verwies, dass seine Familie gefährdet sei, wenn er weitermache. Es gibt den Blog nicht mehr - und eine Stimme weniger, die gegen Fremdenhass, Antisemitismus und den politischen Islam ihre Stimme erhebt. Ich kann ihn gut verstehen - weniger aber diejenigen, die Morddrohungen quasi als Gütesiegel vor sich hertragen, um mehr Aufmerksamkeit zu erheischen.

Er hat mir etwas hinterlassen, das neben seinem aufopferungsvollen Engagement bleibenden Eindruck hinterlassen hat. Eine wunderschöne Grafik. Zum Glück habe ich sie sofort kopiert und auf meinen Blog gestellt.

Ein sehr aussagekräftiges Bild: Es zeigt einen Ritter, auf dessen Schild die Stars and Stripes und in der Mitte des Schildes der Davidstern zu sehen ist. Im oberen Teil des Schildes der Schriftzug "Anti-Racist-Blog". Leider lässt sich das Bild aus technischen Gründen nicht vergrößern - oder weiß jemand Rat?

Ich denke, dass man selten so gut in Worten bzw. Bildern erfassen kann, um was es geht, wenn man den Begriff "Menschlichkeit" definieren will und dabei auf religiöse oder ideologische Symbole verzichtet.

Lust auf einen antisemitischen stalinistischen Blog?





Kleine Kostprobe gefällig, präsentiert von einem Alibijuden wie David Mandelzys, der auf der unsäglichen Seite politblog.net so gerne nachgefragt wird, wenn sie "getrennt-vereint" mit Antisemiten jeglicher Couleur auf Juden losprügelt?

Und wieder - wie so oft bei totalitär Gesinnten - kann man aus fast jedem Satz herauslesen, dass die Saalschlachten zwischen Thälmanns und Hitlers Idioten heute wieder eine Entsprechung im gemeinsamen Ergebnis finden, nämlich dem des fanatischen Judenhasses.

In diesem einen Punkt widerspreche ich Henryk M. Broder: Geschichte wiederholt sich eben doch - wenn auch in verschiedenen Facetten.

Mist wie den unten stehenden kommentiere ich nicht, sondern lasse ihn für sich sprechen:

Liebe jüdische Eltern, eure Kinder sind Non-Zionisten

(via Philip Weiss)

David Mandelzys, Autor im kanadischen Culture Magazine und in Kanada lebender jüdischer Mensch, schreibt seinen Eltern - und damit seiner Elterngeneration - diesen offenen Brief:

“Liebe Mutter, lieber Vater,

Ich hab Neuigkeiten für Euch. Die Zeiten ändern sich! Erinnert Ihr euch an das letzte Pessach-Fest? Erinnert Ihr Euch daran, als wir alle am Sederabend um unseren Tisch herum saßen, und Euren Tiraden über Israels Opferrolle zuhörten? Eure Tiraden darüber, dass ethnische Säuberungen doch nicht so schlimm seien? Und dass wenn sie nochmal die Juden töten wollen, dass wir sie dieses mal wenigstens alle mit in den Tod reißen werden? Erinnert Ihr Euch daran, dass meine Cousins alle die Augen verdrehten und wir und alle Blicke zuwarfen und dachten ihr spinnt doch?

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Hier geht's weiter im stalinistischen Antisemitismus-Sumpf des "Politblog".

Sonntag, Juni 08, 2008

Das Johnston-Syndrom der BBC

HonestReporting

BBC-Reporter: Glaubhafter Augenzeuge oder Propagandist für die Palästinenser?

Für welche Form der Darstellung von Ereignissen steht ein BBC-Journalist?

Die BBC-Sendung „Von Korrespondenten aus unserem Haus“, ausgestrahlt auf Radio 4 und veröffentlicht auf BBC Online, gibt BBC-Journalisten die Gelegenheit, über ihre eigenen Wahrnehmungen eines bestimmten Ereignisses an einem bestimmten Ort zu berichten. Nicht selten enthüllt dies die Scharade von Objektivität, die die BBC für sich aufrechterhält - am augenfälligsten bei Barbara Pletts Tränenausbruch kurz vor Arafats Tod.

Dann berichtet BBC-Reporter Aleem Maqbool aus Ramallah, wo er diese dramatische Geschichte mit einfließen lässt:

An einem ganz gewöhnlichen Wochentag im letzten Jahr, etwa 3 Uhr nachmittags, drangen gepanzerte israelische Fahrzeuge ins Stadtzentrum von Ramallah vor und bezogen vor dem beliebten Hummus-Cafe Stellung.

Für alle Passanten sichtbar, darunter Kinder, die sich auf dem Heimweg von der Schule befanden, schleiften die Soldaten einen knapp Dreißigjährigen aus dem Cafe. Er war ein gesuchter Militanter. Sie schossen auf ihn - zuerst in die Beine, dann in den Bauch und schließlich in den Kopf.

Innerhalb von Minuten setzte der „palästinensische Reflex“ ein. Schuljungen füllten den Platz und bewarfen die Soldaten mit Steinen, bis diese das Weite suchten. Als wir eintrafen feuerten die Soldaten mit scharfer Munition und verletzten vier Menschen, bevor sie in ihren Jeeps aus der Stadt rasten.

Im nächsten Absatz gibt Maqbool zu verstehen, dass er Augenzeuge des Geschehens gewesen sei, das als „Hinrichtung“ durch die IDF beschrieben wird:

Sobald die Soldaten verschwunden waren - das muss ich wirklich sagen - war ich ein klein wenig überrascht, erwachsene Palästinenser weinend und sich umarmend am Straßenrand zu sehen, und Jugendliche zusammenbrechen, die vorher noch Steine geworfen hatten.

Maqbool scheint den Tod des palästinensischen Terroristen Omar Abdel-Halim zu beschreiben. CAMERA hat jedoch die Medienberichterstattung zu diesem Vorfall unter die Lupe genommen und zahllose Widersprüche zwischen den Berichten so genannter palästinensischer „Augenzeugen“, palästinensischer NGOs und Medienunternehmen festgestellt, die sich nicht einmal auf den richtigen Namen des Terroristen verständigen konnten.

Während Maqbool behauptet, dass der Mann aus dem Cafe geschleift worden wäre, berichteten Haaretz, New York Times und AFP übereinstimmend, dass zwischen den israelischen Streitkräften und den palästinensischen Bewaffneten ein Schusswechsel stattgefunden hatte. Die Financial Times berichtete gleichzeitig, dass „Augenzeugen gesagt hätten, Halim habe Zivilkleidung getragen, dazu eine Dienstwaffe im Holster und ein AK-47, als er das Nazareth-Restaurant in Ramallah verlassen habe“. Wurde Halim aus dem Restaurant gezerrt, wie Maqbool behauptet?

Maqbool betont zudem, dass „gepanzerte israelische Fahrzeuge“ zugegen gewesen seien. Der Bericht der Financial Times bezieht sich jedoch auf „einen weißen Lieferwagen mit palästinensischen Nummernschildern“, aus dem israelische Soldaten entstiegen.

Die Darstellung der IDF:

Die Einsatzgruppe nahm wahr, dass Abdel-Halim mit seinem AK-47 auf sie zielte und eröffnete das Feuer auf ihn. Abdel-Halim versuchte, vom Kampfplatz zu fliehen. Die Einsatzkräfte feuerten ein weiteres Mal auf ihn und vergewisserten sich, dass sie ihn getroffen hatten. Die Soldaten haben das Feuer in dem Augenblick eingestellt, als klar war, dass Abdel-Halim für sie keine Bedrohung mehr darstellte...

Während der Operation wurden auf die Soldaten Schüsse abgefeuert und Steine geworfen; sie gaben daraufhin Warnschüsse ab und nahmen eine eindeutig lokalisierte Schussquelle unter Feuer. Die IDF hat keinerlei Informationen erhalten, was zivile Schäden betrifft und beim DCO (District Coordination Office) wurden keinerlei Schadensersatzansprüche registriert.

Möglicherweise wird nicht deutlich, was genau während dieses Vorfalls stattgefunden hat. Eindeutig ist aber nach der Untersuchung durch CAMERA die offenkundige Unglaubwürdigkeit palästinensischer Augenzeugen und Quellen neben der augenfälligen Bereitschaft, Vermutungen als Tatsachen zu berichten.

Ist BBC-Reporter Maqbool also ein glaubwürdiger Augenzeuge dieser Geschehnisse in Ramallah vor einem Jahr? Und wenn doch, zu welcher Version dieser widersprüchlichen Geschichte steht er? Oder wiederkäut er einfach die palästinensische Version, die dazu gedacht ist, Israels Ansehen mit einem Minimum an Sätzen maximal zu schaden?

Typisch für die Berichterstattung der BBC ist deren Unterschlagung passenden Kontextes oder die fehlende Überprüfung unzuverlässiger Quellen. Wenn BBC bereit ist, die so ernste Anschuldigung einer „Exekution“ durch die IDF zu bringen, dann sind wohl harte Fakten und Hintergrundinformationen, die in diesem Fall fehlten, das Mindeste, was ihre Reporter leisten sollten.

Die Praxis der chronologischen Umkehrung durch BBC

Der 51-jährige Amnon Rosenberg wurde am 5. Juni getötet; der dritte Todesfall innerhalb eines Monats, der auf Granatenbeschuss durch Palästinenser aus Gaza zurückzuführen ist, als Terroristen den Kibbuz Nir Oz im westlichen Negev beschossen. In Erwiderung darauf nahm die israelische Luftwaffe palästinensische Terroristen in Gaza ins Visier, was tragischerweise das Leben eines 4-jährigen palästinensischen Mädchen forderte, als ein Luftschlag sein Ziel verfehlte.

Aber in einer eindeutigen Manier von chronologischer Zeitumkehrung titelt die BBC mit „Zwei Tote in Gaza nach israelischen Angriffen“, um lediglich weit unten im vierten Absatz anzumerken, dass „der Angriff, bei dem auch zwei Frauen verletzt wurden, nach dem Beschuss eines israelischen Kibbutz durch palästinische Bewaffnete erfolgte, bei dem ein Zivilist getötet und vier weitere verletzt wurden“.

Warum lässt es die BBC an der klaren zeitlichen Einordnung der Ereignisse fehlen? Zudem unterschlägt die BBC die Unterscheidung zwischen Terroristen, die vorsätzlich einen Angriff mit der Absicht durchgeführt haben, Zivilisten zu töten, und jenen, die aus der Selbstverteidigung heraus handelten, um ihre Zivilbevölkerung zu schützen.

Hattip: CAMERA

Mittwoch, Juni 04, 2008

Selbstkritische Töne aus der arabischen Welt? Das gibt es wirklich!

Eigentlich müsste schon Weihnachten auf Ostern und Chanukka fallen, bis aus der arabischen Welt Töne zu vernehmen sind, die man als selbstkritisch bezeichnen könnte, was das eigene innenpolitische Handeln oder die Sicht auf den Nahostkonflikt betrifft.

Letzteres lässt natürlich wegen des aktuellen Stands der Dinge auf sich warten, aber Ehud Olmerts politische und persönliche Krise und seine „Ich-fahr-doch-gegen-die-Wand-Politik“ schien doch den einen oder anderen arabischen Redakteur dazu bewogen haben, über den eigenen Schatten zu springen und die Vorzüge der einzigen Demokratie im Nahen Osten - nämlich Israel, was für jeden einigermaßen aufgeklärten Menschen eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein müsste - ein wenig fairer als bisher zu beleuchten. Und das fiel in manchen Kommentaren ziemlich deutlich und positiv für Israel aus.

Lizas Welt war natürlich fix und fleißig wie immer und hat ein paar Stimmen gesammelt, die mehr als deutlich das widerspiegeln, was die meisten Araber von ihren Potentaten halten, aber bisher diskret zurückgehalten haben - nämlich wenig bis gar nichts.

Herzlichen Dank an Lizas Welt für die Informationen und die Erlaubnis zur Veröffentlichung.

Hier sein Beitrag:

Lizas Welt

Abweichler!

Vielleicht hat die derzeitige Korruptionsaffäre um Ehud Olmert auch ihre guten Seiten: Zum einen werden die Israelis durch sie womöglich den von ihnen wenig geschätzten Premierminister los, und zum anderen scheint es in der arabischen Welt teilweise einen gewissen Respekt vor der Offenheit zu geben, mit der die Vorwürfe gegen den Kadima-Politiker sowie die Konsequenzen beleuchtet und debattiert werden. Einem Beitrag der israelischen Tageszeitung Jerusalem Post zufolge haben zahlreiche arabische Medien über die Causa Olmert berichtet und dabei Leserreaktionen ausgelöst, die nicht selten vernehmliche Forderungen nach ähnlicher Transparenz und Diskussionsbereitschaft auch in den eigenen Ländern enthielten. Repräsentativ mögen sie nicht sein, doch angesichts der sonst obligatorischen Hasstiraden gegen den jüdischen Staat lohnt es sich allemal, diese dissidenten Stimmen der Vernunft bekannt zu machen. Sie zeigen, dass die autoritären und zutiefst korrupten arabischen Regimes durchaus keine ungeteilte Zustimmung in ihrer Bevölkerung genießen. Nachfolgend eine Auswahl aus den Zuschriften, auf die Khaled Abu Toameh bei seiner Recherche gestoßen ist:*

„Zeig mir ein arabisches oder islamisches Land, in dem ein Premierminister oder ein Regierungsmitglied jemals wegen Korruption oder Bestechung verhört worden ist.“ (Majed, Nachname und Land unbekannt)

„Bevor wir Israel verfluchen, müssen wir von seinem demokratischen und juristischen System lernen. Dort steht niemand über dem Gesetz.“ (Abdel Karim, Saudi-Arabien)

„Wir hätten diese Art von Rechenschaft und Transparenz gerne auch in der arabischen und islamischen Welt.“ (Mahmoud al-Bakili, Jemen)

„Ich glaube nicht, dass wir jemals den Tag erleben werden, an dem die Polizei einen arabischen Führer wegen sexueller Belästigung seiner Sekretärin oder wegen Bestechung verhört. Und auch unsere Kinder und Enkel werden diesen Tag nicht erleben. Was in Israel geschieht, wird niemals in einem arabischen Land geschehen.“ (Abdel Aziz Mahmoud, Ägypten)

„Es gibt Korruption sowohl in Israel als auch in der arabischen Welt. Der Unterschied ist, dass die Israelis ihre Politiker zur Rechenschaft ziehen, während wir Araber einfach schweigen.“ (Abu Hadi, Irak)

„Es heißt, Olmert habe etwa 3.000 Dollar pro Jahr erhalten. Das zeigt, dass er ein anständiger Mann ist. Diese kleine Summe bekommt jedes arabische Regierungsmitglied täglich als Bestechungsgeld. Unsere Führer stehlen Millionen Dollar, und niemand wagt es, sie zur Rechenschaft zu ziehen.“ (Abu Atab, Marokko)

„Unsere Führer in der arabischen Welt nehmen weniger als eine Million Dollar an Bestechungsgeld gar nicht erst an. Und das Geld muss dann auf einem geheimen Konto in der Schweiz deponiert werden. Olmert ist ein Narr, wenn er bloß so einen geringen Betrag angenommen hat.“ (Ein Leser aus Algerien, Name unbekannt)

„Nur ein paar tausend Dollar? Was für ein Narr! Das ist der Betrag, den ein ägyptischer Minister an einem Tag bekommt, ein saudischer Firmenchef in 45 Minuten, ein kuwaitisches Regierungsmitglied in fünf Minuten und der Arzt eines Emirs in Katar alle 30 Sekunden.“ (Ahmed, Nachname unbekannt, Jordanien)

„Warum beantragen Sie nicht eine arabische Staatsbürgerschaft, Herr Olmert? Hier können Sie so viel Geld annehmen, wie Sie wollen. Und selbst wenn man den Diebstahl entdeckt, wird man Ihnen ein Denkmal auf einem öffentlichen Platz errichten.“ (Jasser Abdel Hamid, Land unbekannt)

„Israel ist ein Staat, der es verdient, zu existieren. Er verdient unseren tiefen Respekt. Ich wünschte, ich wäre ein Bürger dieses Staates.“ („Israel Lover“, Name unbekannt, Saudi-Arabien)

„Das ist echte Demokratie! Schluss mit den Diktaturen in der arabischen Welt! Wir sollten uns ein Beispiel an Israel nehmen und von seiner Demokratie profitieren.“ (Hani, Nachname unbekannt, Ramallah)

„Ich schwöre, Israel ist ein Staat, der weiterhin Erfolg haben wird. Dort verurteilt man den Premierminister wegen einiger zehntausend Dollar. Was ist mit den Millionen, die Mahmud Abbas und die Palästinensische Autonomiebehörde veruntreut haben? Wie kommt es, dass das palästinensische Volk immer noch hungert?“ (Rashid Bohairi, Kuwait)

* Übersetzung und Hattip: Lizas Welt

Montag, Juni 02, 2008

Baba O'Riley

The Who 1974: Unglaublich stark!

Ohne Dope schien es allerdings damals bei Pete Townshend, dem Leadgitarristen (links im Bild), nicht abgehen zu können.

Und auch später hatte er nach seiner Soloveröffentlichung „Give Blood“ wohl einige Probleme mit dem Staatsanwalt.

Sei’s drum: Ein gigantischer Hit mit „Baba O'Riley“

Wer einmal Pete Townshend an der Sologitarre live gesehen hat - und ich habe das des Öfteren, weiß, dass Geschwindigkeit keine Hexerei ist. Und meisterhaftes Können auch nicht.

Sonntag, Juni 01, 2008

Herzoperation an irakischen Kindern: Warum Geschenke ablehnen?

Eltern irakischer Babys mit angeborenen Herzfehlern befinden sich in einem Dilemma: Sollen sie ihr Einverständnis für die Behandlung ihrer Kinder in israelischen Krankenhäusern geben, wenn Ihnen selbst von Kindheit an eingeimpft wurde, dass Israel ihr Todfeind wäre?

Die Feindschaft der Iraker gegenüber dem jüdischen Staat ist so ausgeprägt, dass viele Eltern es ablehnen, nach Tel Aviv zu reisen, um eine lebensrettende kostenlose Operation in Anspruch zu nehmen. Manche nehmen das Angebot an, verschweigen aber, wo ihre Kinder behandelt wurden, obwohl spezielle und komplizierte Herzoperationen wie diese seit dem Einmarsch der Amerikaner im Jahr 2003 nicht mehr möglich sind, als die führende Herzklinik durch einheimische Plünderer abgebrannt wurde (Bild rechts oben: Erster Check im Wolfsohn Medical Center).

Die Mehrzahl der betroffenen Eltern sieht sich jedoch trotz der für irakische Verhältnisse horrenden Behandlungskosten ab etwa 20.000 Euro aufwärts für eine Herzoperation in der arabischen Welt um, denn das „Stigma“, seine Kinder in Israel behandelt haben zu lassen, wiegt ungleich schwerer als jeder finanzielle Kraftakt.

Aria, ein 18 Monate altes Baby aus Kirkuk im Nordirak, wartete vor gut zwei Wochen nach einer erfolgreich verlaufenen Operation im Edith Wolfson Medical Center in Tel Aviv, wo vorher schon 11 irakische Babies behandelt worden waren, auf seine Heimreise. Der Eingriff war von Save a Childs Heart (SACH) gesponsered worden - einer 1996 in Israel gegründeten Hilfsorganisation, die von privaten Gruppen, darunter auch christlichen Wohltätigkeitseinrichtungen, unterstützt wird. Simon Fisher, in Liverpool geborener Leiter von SACH, kennt keine Einschränkungen, was das Aufnahmeprozedere für die Klinik betrifft: „Wir heißen jedes hilfsbedürftige Kind willkommen, gleich wo es geboren ist“.

Arias junge Mutter Paiman zollte dem leitenden Arzt Dr. Lior Sasson und der Klinik großes Lob, denn „Er rettete das Leben meines Kindes“, und alleine darauf kommt es an.

Diese Einsicht teilen viele Menschen im Irak nicht. Sobald sie erfahren, dass eine dringend notwendige Operation auch noch kostenlos in Israel stattfinden könne, lehnen sie ab - wie im Fall der zweijährigen Sara, die dringend operiert werden musste, weil eine Herzklappe funktionsunfähig war (Bild links unten: Rezeption im Wolfsohn Medical Center). Nachdem man sie vom Irak aus ins benachbarte Jordanien gebracht und voruntersucht hatte ließ ihre 37-jährige Mutter Shatah die anschließende Behandlung im Wolfson Center abbrechen. Auf Nachfragen gab sie an, sie habe nicht gewusst, dass die Operation in Israel stattfinden würde: „Wir sind Feinde Israels von Geburt an und ganz fest davon überzeugt, dass dies so ist. Das kann man nicht über Nacht ändern.“

Nun will sie die Operation in Algerien durchführen lassen: Ihre Regierung sagte zu, die Kosten für den Eingriff von insgesamt 14 irakischen Kindern dort übernehmen zu lassen, wenn sie denn schon nicht in Israel behandelt werden sollten. Shathas Lebensgefährte, irakischer Kurde aus Kirkuk, der aus Angst vor Repressalien seinen Namen nicht angeben wollte, reiste nach Jordanien, um Shathas Sohn Ahmed am Herzen untersuchen zu lassen. Auch in diesem Fall entschied Shatha, die von SACH angebotene kostenlose Behandlung auszuschlagen.

„Jetzt kann ich ruhigen Gewissens abends schlafen gehen. Ich muss meinen Kopf nicht senken und mich schämen, weil mein Sohn in Algerien behandelt wird“, so die selbstgewisse Folgerung der Mutter, und unwillkürlich denke ich an die Worte Golda Meirs: "Wir werden erst Frieden mit den Palästinensern haben, wenn sie ihre Kinder mehr lieben als dass sie uns hassen."

Wenn man realisiert, dass Araber meistens wegen ihrer Vorurteile nicht zulassen, dass ihre Kinder in Israel behandelt werden und ihnen somit ein gesundes Leben verweigern, frage ich mich gleichzeitig, wie viele dieser Eltern es wohl ablehnen, Medikamente zu nehmen, die von jüdischen Wissenschaftlern und Medizinern entwickelt worden sind, die sich wohl kaum Gedanken darüber gemacht haben, welcher Nation oder Ethnie derjenige angehört, der auf das Medikament einmal angewiesen sein wird.

Ein großes Herz für das kranke seiner 22 Monate alten Tochter Souz zeigte Mohammed, ein 37 Jahre alter kurdischer Hilfsarbeiter. Er lieh sich Tausende Dollar aus, um Souz im Irak oder in Jordanien behandeln zu lassen, aber die Ärzte teilten ihm mit, dass sie für seine Tochter nichts tun könnten. Als er davon hörte, dass sie in Israel behandelt werden könnte, zögerte er nicht lange. Heute ist seine Tochter operiert und macht gute Fortschritte in der Rehabilitation. Sie wird mit großer Wahrscheinlichkeit wieder völlig gesund werden.

„Ich sage ihnen ganz ehrlich, dass ich mir keine Gedanken darüber machte, wo oder von wem meine Tochter operiert werden würde“, so der überglückliche Vater. „Die Reaktion meiner Familie und Verwandten hat mich auch nicht besonders gekümmert. Jeder, der mich jetzt angreift, sollte sich in meine Lage versetzen und ebenso wie ich zwei Jahre mit ansehen, wie die eigene Tochter vor seinen Augen langsam stirbt und mir dann erzählen, wie er sich verhalten würde.“

Seine Frau, die Souz nach Israel zur Operation begleitet hatte, nickt zustimmend: „Die Ärzte waren hilfsbereit, verständnisvoll und zeigten Mitgefühl für unser Leid“. Von ihr wurde keine Gebühr verlangt - nichts, und sie konnte wieder mit den gut 1350 Euro nach Hause reisen, die sie von ihrem Mann für die Operation erhalten hatte.

Die Befürchtung, dass man im Heimatland feindselig behandelt wird, sobald sich herausstellt, dass man das eigene Kind in Israel operieren ließ, ist unter den Familien allerdings - wen wundert’s? - weit verbreitet. Die ebenfalls aus Kirkuk stammende Mutter des vierjährigen Mustafa, der schon zwei Herzoperationen über sich ergehen lassen musste: „Meine einzige Sorge trotz der Freude über die Rettung meines Sohnes ist die Rache, die meine Familie erwartet, wenn sie in den Irak zurückkehrt.“

Quelle: Times Online