Samstag, Juni 12, 2010

Die (fast) Rustenburg Tea Party*

Ganz hat es zwar nicht geklappt, aber ein Unentschieden der USA gegen England ist mehr als beachtlich. Spiel-Ticker hier.


Englands Torhüter Robert Green krabbelt vergeblich einem harmlosen Schuss des US-Mittelfeldspielers Clint Dempsey nach...; ein kapitabler Torwartfehler.

Die Briten werden es wohl schwer haben gegen Algerien, denn diese Mannschaft ist für mich jetzt Favorit für Platz 1 in der Gruppe. Auf den Gruppenersten könnte die deutsche Mannschaft im Achtelfinale stoßen, wenn sie denn so weit käme.

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*Rustenberg war Austragungsort des heutigen Spiels England gegen USA (1:1). Die Anspielung "Tea Party" bezieht sich mit einem kleinen Augenzwinkern auf dieses Ereignis.

Trötenalarm: Die Tinitus-Weltmeisterschaft

Seit Eröffnung der Fußballweltmeisterschaft in Südafrika sind die nervenden Vuvuzela-Tröten in aller Munde bzw. liegen in aller Ohren.

FIFA-Chef Sepp Blatter, der leider weitere vier Jahre an der Spitze des Fußball-Weltverbandes verharren will, hatte das Blasen auf den unsäglich dämlichen Plastiktröten als kulturell schützenwert und Kritik daran als Beleidigung für die südafrikanischen Gastgeber apostrophiert.

Wird endlich Zeit, dass man diesem Funktionärsdespoten die Rote Karte gibt - nicht nur deshalb übrigens.


Zum Thema Vuvuzela-Plage hat Der Lindwurm einen exzellenten Beitrag geschrieben (besonders die Ergänzung gefällt mir). Das heftige Leserbriefecho auf seinem Blog zeigt, dass er voll ins Schwarze getroffen hat. Beinahe logisch auch, dass er sich indirekt dem Rassismusvorwurf ausgesetzt sah. Aber Der Lindwurm und Rassismus vertragen sich etwa so wie Hamas und Friedensnobelpreis.

Hier die Beiträge:

- Scheiß Vuvuzela
-
Scheiß Vuvuzela, Ergänzung (ausführlicher)

Apropos Rassismus und Fremdenhass: Gibt es in Südafrika übrigens auch.

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P.S.:
Ich gespannt darauf, ob der Druck seitens der großen Fernsehanstalten auf Sepp Blatter in den nächsten Tagen zunehmen wird. Auszuschließen ist das nicht.

Tracking the Sixties

Ganz ehrlich: Arte ist nicht mein TV-Sender, wenn es um politische Themen geht, aber von Kultur versteht man dort etwas.

Sehen Sie sich einmal diesen Abspann-Clip zu einer Folge von "Summer of Sixties" an: Eine Cover-Version des legendären Ohrwurms "I get around" von den Beach Boys. Alternativ auf die Abbildung klicken.



Irgendwie erinnert mich die Gestaltung an eine Mischung aus "Yellow Submarine" und den schier unglaublichen Scherenschnitt-Illusionen des heute schon legendären Dance Theater
Pilobolos.

Samstag, Juni 05, 2010

Deutsche SPIEGEL-Halluzination mit verklärender Bildunterschrift

So untertitelt der SPIEGEL zu einem Bild um 12:53 Uhr
 
"Leute, die nicht mit der Hamas dicke sind, sehen gar nichts von den Hilfsgütern, von den Geldgeschenken"...sagt Zaed Khadar. Er ist seit dem Gaza-Krieg im Januar 2009 arbeits- und hilflos. Sein Haus wurde zerstört, mit seiner Familie lebt er in einer Notunterkunft. (Link zum Artikel)


Unser herzlichstes Bedauern, dass er Hamas oder Fatah gewählt hat. Besonders ausgezehrt sehen er und seine Familie aber nicht aus, oder? Das Foto ist gestellt; da gehe ich jede Wette ein.

Und jetzt mal so, wie es parallel in den Köpfen vieler Deutscher rumschwirren könnte:


"Deutsche, die nicht mit den Nazis dicke waren, sahen gar nichts von den Hilfsgütern, von den Geldgeschenken",
sagt Adolf Bleibtreu. Er war seit der Invasion der Allierten am 6. Juni 1944 in der Normandie arbeits- und hilflos. Sein Haus wurde zerstört, mit seiner Familie lebte er in einer Notunterkunft.


Ein Zufall, dass der SPIEGEL gerade heute sein Bild so untertitelt - am 5. Juni?

Glaube ich nicht.

André Marti und seine Rasselbande*


Kennen Sie André Marti?

Ja, wenn Sie das Journalismusgeschäft einigermaßen verfolgen, nehme ich an.


Nominiert für den Online-Grimme-Award; tatsächlich!


*Am Ende des Beitrages News von 12:53 heute, 5. Juni.


André
Marti, der seit 2004 schwerpunktmäßig für das Schweizer Fernsehen SF arbeitet, auch für Radio DRS (Schweiz) und Fachzeitschriften im Nahen Osten und von 1999 bis 2004 mit Stationen in Italien, ist ein besonders gern gesehener Gast bei Judenhassern und links orientierten christlichen Antisemiten.

Er gibt sich als das „Gute Gewissen“ der Schweiz aus und
führt selbstverständlich auch einen Blog. Ich gebe zu, dass ich den bis vor etwa einem Jahr nicht kannte. Warum auch?

Eher zufällig bin ich auf seinen Namen gestoßen, weil er von einer höchst unappetitlichen Seite zitiert wird, auf die ich höchst selten komme.


„Brücken bauen - Verständnis schaffen – Informieren - Finger drauf halten“
, so lautet
André Martis treuherzig formuliertes Credo.

WOW!


Brücken einreißen, Hass säen, Desinformation streuen und mit schmutzigen Fingern hantieren wäre wohl angebrachter...

Was es mit seinem oben fett zitiertem hehren Axiom auf sich hat, möchte ich hier kurz anstoßen, denn so gut ist es damit wahrlich nicht bestellt.
André Marti ist ein Kommunikations-"Künstler" der verlogensten Art, wie in seinen Ping-Pong-Spiel mit Journalistenkollegen zum Ausdruck kommend.

Seine eigentlich leicht durchschaubare Masche:


Er arrangiert mit Kollegen ein Interview und verkauft dies als „seriöse“ Meinungsbildung nach dem Motto: „Ich kenne dich nicht besonders gut, will also nur wissen, wie du tickst. Deshalb stelle ich dir ein paar unverfängliche Fragen zur 'Realität' vor Ort“.


Dass Marti aber mit nahezu allen Gesprächspartnern eine innige Israel-Feindschaft teilt, ist natürlich reiner Zufall.

Noch vorgestern hatte ich mir überlegt, ob ich einzelne Auszüge aus dem Schriftverkehr Martis mit seinen Kollegen zitiere. Mache ich aber doch nicht, weil a) zu langatmig für den Leser und b) intensive Reinigung in der Wohnung eines unanständigen Zeitgenossen nicht in mein Spezialgebiet fällt. Und: Warum sollte ich mir wegen eines sophisticated auftretenden Provokateurs so viel Arbeit machen?


Deshalb hier die Liste aller
Gesprächspartner Martis. Das sagt eigentlich alles, auch wenn das eine oder andere Echo mancher Befragter auf den ersten Blick vertrauenswürdig erscheinen mag.

Martis
Korrespondenz gleicht (teilweise) der Zusammenstellung eines Gruselkabinetts.

So viel noch zur Information: Ich habe die Namen nicht willkürlich kopiert, sondern alle Briefwechsel komplett durchgelesen und nach Datum aufgelistet. Keine einzige Stellungnahme war dabei, die konsequent „Pro Israel“ war.


Einfach nur runterscrollen. Viel “Vergnügen!“


Hier auszugsweise ein paar Namen
derer, die sich von André Marti am Gängelbändchen führen lassen....

Hans-Christian Rössler [Bitte Abonnements sofort abbestellen!], Frankfurter Allgemeine Zeitung, Jerusalem, 5. Juni 2010

Esther Saoub [150-prozentige Konvertitin], ARD Radio, Kairo, Donnerstag, 27. Mai 2010
Yves Kugelmann, tachles [Wischiwaschi-Journalismus], Zürich, Sonntag, 25. April 2010
Clemens Verenkotte [No Comment], ARD Radio, Tel Aviv, Donnerstag, 15. April 2010
Daniel Ammann, Autor, Zürich, Dienstag, 16. März 2010
Ethan Bronner, New York Times, Jerusalem, Montag, 16. November 2009 [Auf die Frage "Gehst Du davon aus, dass Obama sich ernsthaft im Nahen Osten engagieren will? "Daran besteht kein Zweifel"]
Andreas Mink, tachles, New York, Freitag, 25. September 2009
Jürg Bischoff, Neue Zürcher Zeitung NZZ, Beirut, Dienstag, 07. Juli 2009
Heiko Flottau, freier Journalist [Gibt sich als Broder-Freund aus], Kairo, Montag, 11. Mai 2009
Kristina Bergmann, Neue Zürcher Zeitung NZZ, Kairo, Montag, 06. April 2009
Gudrun Harrer [Warum muss ich immer an den gleichnamigen Bergsteiger denken?], Der Standard, Wien, Freitag, 06. März 2009
Hugo Stamm, Tages-Anzeiger, Zürich, Samstag, 14. Februar 2009
Bettina Marx [Küsschen!], ARD - Radio Tel Aviv/Berlin, Freitag, 07. November 2008
Tomas Avenarius, Süddeutsche Zeitung [Toilettenpapier ist sinnvoller eingesetzt], Cairo/Teheran, Samstag, 27. September 2008
Torsten Teichmann [No Comment], ARD Radio Tel Aviv/München, Sonntag, 14. September 2008
Tania Krämer, Deutsche Welle [Garantiert Deutsch!], Jerusalem, Montag, 30. Juni 2008
Karin Wenger, NZZ Freelancerin Damaskus/Gaza, Sonntag, 27. April 2008
Luc Walpot [PSL-Kopie], ZDF Kairo, Samstag, 12. April 2008
Richard C. Schneider, ARD Fernsehen [Nur Stromlinien fließen besser], Tel Aviv, Samstag, 15. März 2008
Ulrike Putz, Spiegel Online [No Comment; einfach bei SoE im Suchfeld nachsehen], Beirut, Samstag, 23. Februar 2008
Carsten Kühntopp [Israel-Hasser vor dem Herrn], ARD Amman, Montag, 04. Februar 2008
Pierre Heumann ["Ich achte die Hamas..."], Weltwoche, Sonntag, 27. Januar 2008

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----NEWS----(5. Juni, 12:53):


Kommandoaktion: Israelische Spezialkräfte entern Gaza-Hilfsschiff.

Der SPIEGEL natürlich wieder mit einer "tollen" Fotoserie....

Sonntag, Mai 30, 2010

Die Erfindung der Null

Der liberale syrische Autor Nidhal Naisa bei Al-Jazeera mit einer nüchternen, wenn auch etwas vereinfachenden Feststellung in der Hitze des Gefechts. Als Moderator fungiert übrigens derselbe Mann, der schon vor Jahren versucht hatte, Wafa Sultan aus dem Konzept zu bringen.

Zum Abspielen des Videos bitte hier oder auf die Abbildung klicken. Das Transkript kann man hier durchlesen.


Quelle: MEMRI TV

Donnerstag, Mai 20, 2010

Anschlag in Worms und die SPIEGEL-Reflexkamera

Ist schon komisch, was einem so alles auffällt, wenn man eine Mailingliste zusammenstellt - so wie ich vor zwei Tagen.

Da bekam ich Dutzende Beiträge zum Brandanschlag auf die Wormser Synagoge rein, wertete sie aus und las immer wieder, dass es keinen konkreten Tathintergrund gäbe - und wenn, dass ein Bekennerschreiben existiere, aber auch nicht abschließend zu beurteilen, so der verantwortliche Oberstaatsanwalt Klaus-Peter Mieth in Worms.


Es hieße, so die
Rhein-Neckar-Zeitung:
"Sobald ihr nicht den Palästinensern Ruhe gibt, geben wir euch keine Ruhe."
Als gelernter Print-Redakteur und blutrünstige Datenzecke mag’ ich ungesicherte Vorabmeldungen ebenso wenig wie emotionale Schnellschüsse. So auch diesen nicht. Uns wird doch immer gesagt, dass wir auf Teufel komm raus recherchieren sollen, oder nicht?

Deshalb meine Nachfrage: Kann sich der SPIEGEL eine journalistische Entgleisung wie diese leisten?


Nein!


Die Bildunterschrift "Die Wormser Synagoge wurde an mehreren Stellen angezündet" ist wegen des Screenshots ein wenig verrutscht (besser ging es leider nicht).

Noch heute existiert aber der Link:
Empörung über Anschlag auf Synagoge unter der hauseigenen Rubrik „Rechtsextremismus“ (siehe Screenshot oben links).

Und ich weiß auch, dass etliche extreme Rechte feixen, wenn ich auf diesen Umstand aufmerksam mache. Darauf kann ich aber jetzt keine Rücksicht nehmen.

Im letzten Absatz heißt es, wie Ministerpräsident (Talibanversteher) Kurt Beck sagt:

Der Anschlag werfe zudem ein Schlaglicht auf das Erstarken* rechtsextremistischer Gruppen in der Pfalz und in Worms selbst.

Sicher ist Castollux nicht so naiv, dass er einen Agent Provocateur irgendeiner politischen Gesinnung ausschließen würde. Aber warum wird beim SPIEGEL vorschnell geurteilt und eine ganze Kolumne/Rubrik mit dem Anschlag in Worms vereinnahmt und nicht einmal nach 36 Stunden (!) korrigiert?

Dürfen extreme Linke und fanatische Muslime ums Verrecken keine Antisemiten und Täter sein?
***

Wer zum Brandanschlag in Worms einen interessanten Kurzkommentar lesen will ruft bitte die Webseite „Zeitung für Schland“ auf.


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*Zum Erstarken rechtsextremistischer Gruppen: Die Linksradikalen haben 2010 zugelegt (die Rechten allerdings auch, wenn auch nicht so stark in der Relation insgesamt). Dazu kam vorgestern ein Bericht im Deutschlandfunk. Im Internet ist nur die Statistik von 2009 erhältlich. Man kann aber nachfragen. Die Telefonnummer von Wiesbaden ist bekannt.

**Bitte nach dem Aufrufen des Links nach unten scrollen und die Rezensionen ansehen.
Ich besitze das Buch seit 15 Jahren. M.E. eines der besten H. M. Broders neben diesem hier (zweite Rezension von oben; die zu Tilman Tarach (darüber) kann man ruhig mitlesen. Sein Buch ist auch sehr empfehlenswert).

Samstag, Mai 15, 2010

Lahmender Schimmel NRW: Zurück in die Sozen-Steinzeit?

Ein paar hektisch durcheinander gewürfelte Gedankenschnipsel eines CSU-Bayern mit Bonus Malus zur letzten Landtagswahl in NRW - "weit weg vom Schuss" -, deshalb ohne Ahnung und nur emotional kommentierend:

Zurück in die Steinzeit mit Stalinisten, Herz-Jesu-Sozialisten und linken Protestanten

Oder verheißen die neuesten Nachrichten bessere Kunde?

Für mich steht fest: Die sich jetzt anbahnende Rot-Rot-Grün-Koalition reflektiert im bevölkerungsreichsten Bundesland gewissermaßen einen sich stetig verstärkenden Trend in der Anti-Israel-Debatte:

Der Terminus "Antizionismus" wird in Zukunft nicht nur ein verschämtes Judenhasser-Label für rechtsradikale Falschparker und konservative Heuchler abbilden, sondern auch ein Freifahrtschein für offenen Antisemitismus in der links dominierten parlamentarischen Debatte sein - zuerst im Landtag, dann bundesweit. Wir werden uns auf das Schlimmste gefasst machen müssen.


Zurück in die reale
Welt.de von heute und das große Fressen:
Nun ist es endgültig: Eine Ampelkoalition von SPD, Grünen und FDP wird es in Nordrhein-Westfalen nicht geben. Nordrhein-Westfalen könnte schon bald von einer rot-rot-grünen Koalition regiert werden. Nachdem die FDP nicht mehr mit SPD und Grünen reden will, planen diese nun erste Treffen mit der Linken. Nächste Woche geht es los. Die Linke deutet bereits eine Abkehr von allzu radikalen Positionen an.
Ja wirklich? Und wer nähert sich wem an?
„Die FDP kann die Einladung von SPD und Grünen zu Sondierungsgesprächen über eine mögliche Koalition nicht annehmen“, sagte FDP-Landeschef Andreas Pinkwart. SPD und Grünen fehle offensichtlich „jede Ernsthaftigkeit“. Sonst wäre nicht am selben Tag auch eine Einladung an die Linkspartei erfolgt, sagte Pinkwart.
Pinkwart ist nicht jedermanns Freund (meiner sicher auch nicht), aber er ist wenigstens in diesem Fall konsequent, wenn auch taktisch agierend.

Und weiter die Welt:

Eine Woche nach der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen bleiben damit für die Regierungsbildung in dem größten Bundesland nur noch zwei Koalitionsoptionen. Eine große Koalition von SPD und CDU oder ein rot-rot-grünes Bündnis mit SPD, Linkspartei und Grünen. SPD-Landeschefin Hannelore Kraft reagierte mit Unverständnis, dass die FDP sich einem Gespräch unter Demokraten verweigere.
Hannelore Kraft reagierte mit Unverständnis, dass sich die FDP einem Gespräch mit Stalinisten verweigere! Wie soll man das auslegen?

Ypsilanti-Syndrom? Ich sage, ja!


Und weiter im Welt-Text:
SPD und Grüne hatten sich am Freitag in Düsseldorf zu einer zweiten Sondierungsrunde getroffen. Man habe der FDP schriftlich zwei Gesprächstermine Anfang kommender Woche angeboten, sagte Kraft anschließend. Der Linkspartei habe man einen Gesprächstermin für Ende der Woche angeboten, ergänzte Grünen-Fraktionschefin Sylvia Löhrmann. Genau das aber war der Grund für die FDP, Koalitionsverhandlungen mit Rot-Grün nun endgültig auszuschließen....
Kann man es Andreas Pinkwart übelnehmen (zu ihm habe ich übrigens noch etwas in der Fußnote anzumerken*), dass er rote Lichter sah?

Man braucht nicht viel Menschenkenntnis, wenn man in die Gesichter von Hannelore Kraft und Sylvia Löhrmann blickt: Machtgeilheit pur. Wie bei Ypsilanti damals.


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*Zu Andreas Pinkwart:


Er hatte sich in einer sehr wichtigen Angelegenheit gegen den Soziologie-Professor Heinz Gess gestellt, als es um dessen Reputation in einer Forschungsarbeit ging (Gess untersuchte die NS-Vergangenheit des Lehrstuhls der FH Bielefeld ein wenig zu penibel für den Geschmack der Hochschulleitung) . Und das werde ich nicht vergessen. Ich habe jetzt bewusst keinen weiteren Link gesetzt. Diejenigen, die mitbekommen haben, wie Heinz Gess von der FH Bielefeld auf übelste Weise gemobbt worden ist, werden sich einen Reim darauf machen können.

Donnerstag, Mai 06, 2010

Goldstones Leichen im Keller und Heuchelei pur

Ich habe den von mir übersetzten Text aus dem Media Backspin von HonestReporting der Einfachheit halber hier 1:1 eingestellt, damit er mehr Leser erreicht.

Wer ist Goldstone, dass er über Israel urteilen darf?


HonestReporting Media BackSpin, 6. Mai 2010


Die hebräischsprachige Ausgabe von Yediot Ahronoth berichtet, dass Richter Richard Goldstone 28 schwarze Südafrikaner in den sicheren Tod schickte, als sie während der Apartheid-Ära vor ihm im Gerichtssaal erscheinen mussten.

Und nun, da Yediot und die Blogosphäre Fragen aufwerfen, “was Goldstone eigentlich dazu berechtigt, mit seinem einseitigen Bericht über den Gazakrieg Israel zu verurteilen“, gießt der Jurist mit seiner Replik weiteres Öl ins Feuer.


Zunächst zu Yediots Nachforschungen, die in der morgigen Printausgabe (Freitag) komplett veröffentlicht werden. Jerusalem Central (via Israel Matzav) mit Details vorab:
Yediots Ermittlungen zufolge bestätigte Goldstone die Todesurteile an mindestens 28 angeklagten Schwarzen, die Einspruch gegen ihre Strafen eingelegt hatten (die meisten wegen Mord), und er bekräftigte seine Beihilfe für die Todesurteile in seinen Entscheidungen so, wie er es im Falle eines jungen schwarzen Mannes, der wegen der Erschießung eines weißen Restaurantbesitzers zum Tode verurteilt worden war, schriftlich begründete: “Die Todesstrafe muss den Forderungen der Allgemeinheit genügen, dass Vergeltung für Verbrechen geübt wird, die die Menschen mit Fug und Recht als grauenhaft ansehen”.

Goldstone “erklärte, dass der Galgen die einzige abschreckende Bestrafung in solchen Fällen gewesen ist“, und er schrieb:
“Zorn ist ein relevanter Faktor bei der Auferlegung einer angemessenen Strafe”.
Wow! Ein international prominenter Jurist sagt, dass Zorn ein “relevanter Faktor” bei der Entscheidung für eine angemessene Bestrafung ist? Oh, das klingt wirklich unangemessen, oder nicht? Wenn ein israelischer Richter so eine Behauptung von sich gäbe, könnten Sie sich dann nicht lebhaft vorstellen, welche Empörung dies beim UN-Menschenrechtsrat oder bei Human Rights Watch auslösen würde?

Goldstone antwortete im Gespräch mit Haaretz, dass er nur ein braver Junge gewesen sei, der sich an die Vorschriften gehalten habe:

“Damals ging das Gesetz davon aus, dass bei strafverschärfenden Umständen die Todesstrafe obligatorisch sei”, so Goldstone. “Mein Bedauern bezüglich der Vorgänge damals gilt genauso wie heute und meine Haltung dazu hat sich nicht geändert. Es war [für mich] unangenehm, an einem Prozess mit Todesstrafe beteiligt zu sein – damals wie heute. Und ich war immer gegen dieses Strafmaß. Aber als ich mein Richteramt annahm war ich dem Amtseid verpflichtet.”
Das stinkt ganz gewaltig nach Heuchelei. Erst gestern schaltete Goldstone in der Comment is Free-Rubrik* (CiF) des Guardian auf stur:
“Meiner Meinung nach würde ich heucheln, wenn ich mich weiterhin gegen Verletzungen des Internationalen Rechts und für die Straffreiheit bei Kriegsverbrechen weltweit ausspräche, gleichzeitig aber den Mund hielte, wenn es um Israel ginge, nur weil ich Jude bin.“
Entschiedener Widerspruch!

Goldstones Heuchelei bestand in der aktiven Teilnahme - und das auch noch sehr penibel - in einem Prozess, der in sehr unfairer Weise Schwarze zum Tode verurteilte, und darüber hinaus darin, dass er scheinheilig Israel verurteilte, weil es sich gegen 8 Jahre Raketenbeschuss wehrte.


Yediots am morgigen Freitag (vollständig) erscheinender Bericht wird die Leser sicher nachdenklich stimmen. Bleiben Sie also bitte dran.


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*Hinweis [Castollux]: Bei CiF treiben jede Menge schmutziger Antisemiten ihr Unwesen. Und der Guardian denkt nicht im Traum daran, diese Rubrik endlich auszumisten. Warum sollte er auch, passt es doch in sein Konzept.

Sonntag, Mai 02, 2010

Antisemitismus: Unterschätztes Web

Übernommen aus Medien BackSpin:

Antisemitismus und die neuen Mainstream-Medien

Alex Margolin, HonestReportings Redakteur für Soziale Medien, trägt gelegentlich mit Beiträgen zu relevanten Themen bei. Er zeichnet für HonestReporting bei Facebook verantwortlich.


Andre Oboler, führende Autorität zum Thema Antisemitismus im Internet, forderte kürzlich eine größere Haftungspflicht derjenigen Sozialen Medien, die antisemitische Inhalte auf ihren Webseiten zulassen.

Oboler betont, dass sich die Standards vertretbarer Sprachregelungen zwischen herkömmlichen Medien und Internet unterscheiden. Während offenkundiger Antisemitismus in den Mainstream-Medien inakzeptabel wäre ist auf einigen Internetseiten „Rassismus nicht schlimmer als das falsche Fußballteam zu unterstützen“.


Dieser Normenverlust, so Oboler, stellt eine Gefahr dar, der man sich stellen muss: „Wenn die Online-Gesellschaft fortfährt, ein moralisches Vakuum zu erzeugen, kann der Verlust an Achtung vor der Menschenwürde bald auf die ‚reale’ Welt ausstrahlen“.


Oboler hat Recht – nicht nur bezüglich Hasspredigten. Jede Webseite, die Raum für Beleidigungen und Falschdarstellungen zu Israel gibt, sollte genauso zur Rechenschaft gezogen werden wie die traditionellen Medien. Wie Oboler unterstreicht, erfahren einige dieser Plattformen eine bisher nie dagewesene Aufmerksamkeit:
YouTube z.B. hat eine fünfzigfach höhere Zugriffszahl als die Verbreitung der 10 größten amerikanischen Tageszeitungen zusammen. Darf ein solch machtvolles Medium wirklich ohne Aufsicht des Gesetzgebers existieren? Ist mit der Macht, die Unternehmen wie Youtube ausüben, nicht auch eine Verpflichtung der Gesellschaft gegenüber verbunden?
Staatliche Aufsicht ist ein Aspekt der Lösung. Zweifellos sollte Material, das in Sozialen Medien wie Facebook und MySpace veröffentlicht wird, oder Inhalt auf kommerziellen Dienstleistung wie Flickr mit zigmillionen Nutzern, ebenso einer Aufsicht unterliegen wie jedes Mitglied der Mainstream-Medien.

Ändern muss sich aber auch die allgemeine öffentliche Haltung gegenüber Sozialen Medien und dem Internet. Solange die Öffentlichkeit eine Trennung zwischen „traditionellen“ und „neuen Medien“ wahrnimmt, wird Doppelmoral überwiegen. Eine bessere Benennung wäre „Die neuen Mainstream-Medien“, bezogen auf die größten Mitglieder beider Gruppen, die nach den gleichen Standards funktionieren.


Die neuen Mainstream-Medien würden traditionelle Konsumenten der NY Times und des Wall Street Journals neben Facebook-, Twitter-, YouTube-Nutzern und denen anderer riesiger Sozialer Medien einreihen. Dasselbe gilt für enorm viel besuchte Webseiten wie Huffington Post, die auf dem besten Wege ist, die NY Times schon 2010 bei den Online-Zugriffen zu überflügeln. Und wie es aussieht findet der Umbruch gerade statt. Zum ersten Mal wurde mit ProPublica eine rein online betriebene Medienplattform mit dem Pulitzer-Preis für Berichterstattung ausgezeichnet.


Diese Form der Anerkennung könnte mehr Übernahme von Verantwortung für alle Online-Plattformen nach sich ziehen – aber nur, wenn die Öffentlichkeit das auch fordert.


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Kürzlich bei Alex nachzulesen: Nichts mehr gratis?