Samstag, März 26, 2011

Altbundeskanzler Helmut Schmidt hat sich gestern bei mir beschwert. Zu Recht?

Ich hatte in meinem vorletzten Beitrag den ehemaligen Herausgeber der ZEIT, Theo Sommer, scharf angegriffen. Mehr dazu hier.

Daraufhin schrieb mir Altbundeskanzler Helmut Schmidt einen sehr kurz gehaltenen Leserbrief:
Ihre authentischen Tränen und Sommers Krokodiltränen. Den Kontrast finde ich echt scharf.

Gut, dann sprechen wir doch darüber, wenn Herr Altbundeskanzler Helmut Schmidt darauf Wert legt

Helmut Schmidt kann meine Emotionen genauso in Zweifel ziehen wie ich die von Theo Sommer. Warum sollte ich diese Tatsache bestreiten?

Da steht Emotion gegen Emotion oder Empathie kontra eruptive Gegenwartsbetroffenheit, die sich im Fernsehstudio spontan (und vielleicht ungewollt)
entlädt.

Theo Sommer hat in einer dezidiert manipulierten Medien-Situation, die allein von Anne Wills Redaktionsteam zu verantworten ist, spontane Regung gezeigt - an einem Sonntag, wie er dutzende Male im Jahr zelebriert wird; ich bin aber heute noch emotional bei 9/11 beteiligt, wie wenn es gestern gewesen wäre; und ich richte meine journalistische und politische Arbeit seit über einem Jahrzehnt konsequent nach meiner Überzeugung aus, wie man jederzeit nachlesen kann.

Wird Theo Sommer in ein, zwei Monaten oder in ein, zwei Jahren sein Engagement ebenso emotional vorantreiben wie er es bei Anne Will anzudeuten schien?

Um Helmut Schmidt ein wenig entgegen zu kommen: Wer kann schon in die Herzen und Köpfe anderer Menschen hineinsehen?


Aber hier ging es um einen Sachverhalt, der eingehender betrachtet werden muss.

Und das habe ich in meiner Antwort an Helmut Schmidt ausführlich
so formuliert:
Ja, der Kontrast ist scharf. Und manchmal muss man auch zugespitzt formulieren. Sicher waren auch Theo Sommers Tränen authentisch - von seinem Standpunkt aus gesehen.

Aber sie waren völlig unangebracht in diesem Fall, weil seitens der ARD ein (medialer) Zusammenhang zwischen einem kühl kalkulierten Massenmord und einem Reaktorunglück hergestellt wurde, bei dem bisher kein(!) Mensch umgekommen ist.


Und was hat eigentlich Anne Will mit ihrem NDR-Einspieler „Ground Zero“ gemacht? War das nicht zugespitzt? Forderte dieser Trailer keinen Widerspruch heraus? Ist es ethisch gerechtfertigt, sich entspannt zurücklehnen und den bestialischen Mord an fast 3.000 Menschen in den Twin Towers in einen moralischen Zusammenhang mit einem Reaktorcrash zu stellen?


Ich interpretiere Sommers Gefühlslage vollkommen anders als Sie, was seine Reaktion bei Anne Will betraf.


Ihren Kommentar, Herr Schmidt, respektiere ich formal. Er passt aber nicht ins Bild.


Und wenn Sie schon moralisch argumentieren konfrontiere ich Sie mit einer Frage, der Sie sich eigentlich stellen sollten:


Warum haben Sie in diversen Talkshows dem Iran zugestanden, dass er ein "ziviles Atomprogramm" verfolgen dürfe, obwohl doch auch Ihnen klar ist, dass Ahmadinejad alles andere als ein ziviles Atomprogramm verfolgt und er Israel nuklear auslöschen will? Als Elder Statesman wissen Sie doch, was das Mullah-Regime wirklich beabsichtigt

Haben Sie (indirekt) den Ajatollahs das Recht auf atomare Aufrüstung zugesprochen oder nicht?

Wie steht’s mit der Verantwortung Deutschlands für Israels Sicherheit?
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Vorsicht:
Nicht alles ernst nehmen, was der Castollux schreibt, auch wenn seine Intention stimmt. Aber wenn sich schon jemand als Helmut Schmidt ausgibt und sein Späßchen mit mir treiben will, lasse ich einmal darauf ein. Was ich aber oben über Helmut Schmidts Beurteilung des iranischen Atomprogramms geschrieben habe, trifft zu. Und das habe ich wirklich aus seinem eigenen Mund gehört.

Freitag, März 25, 2011

Wie eine Fukushima-Havarie in Pakistan oder Indien aussehen könnte

Der pakistanische Nuklearphysiker Pervez Hoodbhoy gibt Einblick in ganz spezifisch-pakistanische und indische Standortfragen- und Gefährdungsszenarien [In Englisch].

Bitte hier oder auf die Abbildung klicken.



Anmerkung:


Hierzulande hatten Öko-Pazifisten bereits einen Tag nach der Havarie in Japan von einer Kernschmelze gesprochen.

Unverantwortliche Panikmache - und politisch ausgeschlachtet.

Das entsprach nicht der Wahrheit, wie sich schnell herausgestellt hatte: wenn einzelne Brennstäbe problematische Reaktionen zeigen heißt das noch lange nicht, dass ein Super-Gau bevorsteht, abgesehen davon, dass mit dem Terminus Super-Gau semantisch insinuiert wird, auf Brand folge zwangsläufig eine Feuersbrunst. Und SPON versucht jetzt sein Bestes, die Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz mit einer neuen Horror-Story zugunsten von Rot-Grün zu manipulieren.

Interessant in diesem Zusammenhang auch, dass etliche überregionale deutsche Tageszeitungen das Thema Fukushima von der Titelseite ihrer Printausgaben genommen hatten. Und meine Heimatzeitung, die Augsburger Allgemeine, ist eine der auflagenstärksten Deutschlands. Nichts, aber auch gar nichts war auf der heutigen Titelseite zum Thema Fukushima auffindbar.

Was sagt uns das?

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Quelle: MEMRI

Dienstag, März 22, 2011

Theo Sommers Ground Zero und seine Hirnschmelze

Ich will meinem Kommentar eine persönliche Erinnerung vorausschicken:

Als ich am 11. September 2001 gegen 15.00 Uhr aus unserer Münchner Redaktion kommend am dortigen Hauptbahnhof eintraf (in New York war es etwa 9.20 h), war die Vorhalle gefüllt mit Menschen - wie ich es vorher
noch nie erlebt hatte. Sie starrten alle auf eine große Videotafel, auf der das ZDF Live-Kommentare aus New York sendete.

Die BILD-Zeitung hätte von einer Menschentraube gesprochen - wie von Bienen, die an einem Wabenstock herumschwirren, Informationen saugen und wieder wegschwirren.


Als ich mich dazugesellte, wurde mir schnell bewusst, dass etwas ganz Schreckliches passiert war: Der zweite Twintower (Süd) wurde angesteuert und vernichtet. Die Menschen um mich reagierten entweder versteinert oder sensationsgeil aufgeladen: „Ahhh…Ohhh“.


Da ich schnell meinen Anschlusszug nehmen wollte, um mich zuhause weiter zu informieren, verließ ich den Hauptbahnhof und bestieg den Zug nach Augsburg.
Dort sprach ich aufgeregt und weinend etliche Mitreisende an: „Haben Sie mitbekommen, was da passiert ist“?

Null Reaktion. Die meisten hatten einen Walkman auf…so, als wäre der DAX um 0,1 Punkte gesunken oder gestiegen…also nichts.


Ich sag’s ganz ehrlich: Für mich war das der erste Moment in meinem Leben, in dem ich für etliche meiner deutschen Mitbürger nur noch abgrundtiefe Verachtung verspürt hatte. Das hat sich bis heute kaum verändert, weil sich auch diese Leute nicht verändert haben.


10 Jahre später:


Anne Will, Deutschlands hübscheste und heimtückischste sozialistische Scharfrichterin, lädt zum Fukushima-Atom-Bankett bei der ARD ein und sorgt selbstverständlich für "ausgewogenstes" Tête-à-Tête.


Arnulf Baring hatte schon Recht, wenn er sich beschwerte, was die unfaire Zusammensetzung der Gesprächsrunde betraf, auch wenn ich ihm seinen unterirdischen Auftritt von damals zur Holocaust-Debatte niemals verzeihen kann.


Doch sehen Sie sich die Sendung vom letzten Sonntag noch einmal an.


Zwei Drittel der Sendung waren abgelaufen, und dann kündigte Frau Will diesen Trailer an.


Schäbiger und heimtückischer geht’s kaum noch:


In diesem Video wird von „Ground Zero“ gesprochen“ - unterschwellig mit UUUH-Begleitmusik, als wären in Japan Terroristen am Werk gewesen. In Japan ist kein einziger Mensch an den unmittelbaren Folgen eines Anschlages gestorben.


Ausnahmsweise zitiere ich Wikipedia:
Ground Zero bezeichnet im englischsprachigen Raum ursprünglich einen Punkt auf der Erdoberfläche, auf oder über dem eine Bombenexplosion stattgefunden hat oder stattfinden soll.

Der Ground Zero ist somit der Punkt mit den (wahrscheinlich) höchsten Schäden durch die Bombenexplosion. Das „Zero“ (Null) steht für den Abstand zum Detonationsschwerpunkt.

Die deutsche Bezeichnung „Bodennullpunkt“ wird auch außerhalb der militärischen Fachsprache verwendet.
Der Begriff stammt aus Fach- und Militärkreisen und wurde seit dem Manhattan Project fast ausschließlich im Zusammenhang mit nuklearen Explosionen verwendet, jedoch auch für die beiden nicht-nuklearen Explosionen Minor Scale und Misty Picture, die Kernexplosionen simulierten.

Die Terroranschläge am 11. September 2001 in den USA in New York haben den Begriff erweitert: Seitdem wird er als Synonym für das Areal des zerstörten World Trade Centers weltweit verwendet. Deshalb steht heute der Ausdruck Ground Zero nicht mehr nur für die japanischen Opfer der Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki, sondern auch für die Opfer von New York (9-11), einer Explosion gänzlich anderer Art.
Abgesehen davon, dass bei Fukushima kein einziger Mensch durch unmittelbare Erdbebenfolgen ums Leben gekommen ist, was das Atomkraftwerk betraf (zwei Kraftwerkarbeiter wurden durch den Tsunami ([20,5 Meter hoch vor Ort; es gab unterschiedliche Höhenangaben] weggeschwemmt), stellt sich die Frage, wie sich deutscher scheinheiliger Irrationalismus mit japanischem Pragmatismus verträgt.


Als das widerliche NDR-Video abgelaufen war, fand man den ehemaligen ZEIT-Herausgeber Theo Sommer (rechts im Bild) live in Tränen aufgelöst vor und das Publikum applaudierte (Geht's noch perverser?). Und mir wurde gleichzeitig speiübel ob solcher Dummheit, Ignoranz und Selbstverliebtheit.

Hat Theo Sommer, ehemaliger Schüler der Adolf-Hitler-Schule, wegen 9/11 geweint?


Nein, er hat geweint, weil er (bei Fukushima) etwas betrauert, das überhaupt nicht stattgefunden hat. Und er sieht keine japanischen Opfer vor Ort. Kein Wort hat er darüber verloren! Er beweint eine eventuelle Gefährung Deutschlands in 8000 Kilometer Entfernung!


Ich denke, dass sich der ehemalige Adolf-Hitler-Schüler Theo Sommer sehr, sehr schämen sollte. Wenn Menschen wie er Krokodilstränen vergießen wird mir schlecht!


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Zur Atomdebatte generell hier ein ganz vorzüglicher Link, der zum Abkühlen dar Emotionen beiträgt:
Die Redaktionsschmelze im deutschen Presse-Fall-Out (Die Leserbriefe sind qualitativ auf höchstem Niveau!).

Nachträglich noch herzlichen Dank an Zettels Raum.

Montag, März 21, 2011

Das unfreiwillige Eingeständnis des Penzberger Imam Benjamin Idriz

Ob das der Süddeutsche-Redakteur Matthias Drobinski tatsächlich so gewollt hatte?

Er zitierte nämlich in diesem Beitrag zu einer Podiumsdiskussion an der Evangelischen Akademie Tutzing den höchst umstrittenen Penzberger Imam Benjamin Idriz, dessen Verein vom bayerischen Verfassungsschutz beobachtet wird, indirekt mit folgenden Worten:
Am Samstag sagt dann der Penzberger Imam Benjamin Idriz, dass er sich für einen toleranten, friedfertigen, demokratieverträglichen Islam einsetze.
Was heißt das im Umkehrschluss?

Nichts anderes, als dass Idriz (sich) selbst eingesteht, der Islam sei intolerant, aggressiv und demokratieuntauglich. Wenn er das nachträglich bestreitet, muss er seine obige Aussage als Täuschung bezeichnen.

Punkt.

Freitag, März 18, 2011

NUHR die Ruhe!

Wenn es einen Grund gibt, an der selbstgerechten und versifften Trotteligkeit des linken deutschen Kabarettbetriebes nicht ganz zu verzweifeln, dann lieferte ihn gestern Abend wieder einmal Dieter Nuhr, als er bei den großen Themen der letzten Tage (Sie wissen schon) die Heuchelei von "Radikalpazifisten" wie Westwall-Westerwelle sowie die Sonnenblumen-Hammer & Sichel-Fraktion am verstrahlten Nasenring vorführte.

Wenn man diesem Mann zuhört, wird einem erst recht und noch viel schmerzlicher bewusst, wie viel in den letzten drei Jahrzehnten versaut wurde.

Man sollte ihm jetzt schon ein Denkmal setzen!


Zum Abspielen des gestrigen Satiregipfels bitte
hier oder auf die Abbildung klicken. Sehr gut auch Nuhrs Mitstreiter Frank Lüdecke und Andreas Rebers.

Eine mehr als überfällige Frage....

Patrick Sánchez del Solar fragte bei der achgut-Redaktion nach und Henryk M. Broder antwortete.

Dienstag, März 15, 2011

Itamar-Massaker: Obamas rhetorischer Kniff

Ohne Worte

Hab' ich wieder einmal von Heplev geklaut. Er übersetzte die Originalsprechblasen des unvergleichlichen Yakoov Kirschen ins Deutsche.


Sonntag, März 13, 2011

SPON-Frühstücksbericht über fünffachen Mord an Juden: Wer war der Drecksack vom Dienst?

Wir alle haben noch bestens in Erinnerung, wie akribisch SPIEGEL-Online [SPON] geforscht hatte und welch' gigantischer redaktioneller Aufwand betrieben wurde, als es darum ging, einen Verteidigungsminister wegen einer schlecht gefakten Dissertation zu demontieren.

Tatortwechsel - diesmal zu einem grauenhaften Kapitalverbrechen in realiter, das bei SPON diminuierend zu einer Bagatelle umgebogen wurde.

Gestern übernahm das Hamburger "Edelblatt" eine AFP-Kurzmeldung zum Mord an 5 Mitgliedern einer Siedlerfamilie in Itamar (südöstlich von Nablus) und versah sie - wie meistens üblich - mit einem kleinen Teaser (Vorspann), siehe hier:


[....]

Abgesehen davon, dass es eine Dreistigkeit ohnegleichen ist und auch hier, wie bei den meisten Medien seit gestern praktiziert, in der Headline das Passiv getötet statt des einzig zutreffenden ermordet verwendet wurde, ist an Geschmacklosigkeit kaum noch zu überbieten, wie es im Teaser weitergeht:

Von einem Angreifer wird gesprochen, nicht von einem Killer - so, als wäre ein trotteliger Randalierer am Werk gewesen. Von einer Attacke ist die Rede, nicht von einem bestialischen und feigen Mordanschlag. "Attacke" suggeriert meistens emotionales und spontanes Gewalthandeln - die beiden Mörder hatten sich aber auf ihre Metzelei gut und eiskalt vorbereitet, wie die bisherige Rekonstruktion des Mordes beweist.

Mit der hinterhältig eingeschobenen Phrase "es könne sich [vielleicht] um eine Familie handeln
", wird insinuiert, es handele sich um einen wirren Haufen von Individuen, die sich parasitär im Westjordanland eingenistet hätten. Die unredliche politische Positionierung ist spätestens hier leicht zu durchschauen, und die "Rechtfertigung" bzw. ein gewisses "Verständnis" für den Mord auch. Wir wissen warum.

Und jetzt kommt's: die Opfer wurden nicht viehisch abgeschlachtet, sondern sind sanft entschlafen, weil verstorben. Ein Baby, zwei kleine Kinder und die Eltern (beide Mitte 30) beschlossen also, dem unausweichlichen Ende eines natürlichen Alterungsprozesses Rechnung zu tragen und dem irdischen Jammertal Ade zu sagen - ohne terroristische Gewaltanwendung von außen natürlich.



Wie also heißt der Schmutzfink, der so viel antisemitischen Dreck in drei Zeilen unterbringt?


Wie Sie am Screenshot oben unschwer erkennen können (zum Vergrößern bitte draufklicken), wurde vor die abschließende Quellenangabe AFP das Kürzel eines SPON-Mitarbeiters gesetzt, in diesem Fall suc.
Ich habe mich gleich auf die Suche gemacht und das SPON-Impressum durchgelesen. Dort taucht unter diesem Kürzel allein der Chef vom Dienst (CvD) auf, nämlich Jörn Sucher, der immerhin ein Grundstudium in Politikwissenschaften vorzuweisen hat, also höchstens 4 Semester. WOW!

Nehmen wir einmal an, er wäre der Verfasser des Teasers, worauf vieles, wenn nicht alles hindeutet:

Hätte er dann eigentlich nicht verdient, dass man ihn wegen der Verharmlosung eines fünffachen Mordes juristisch belangt?

Was ich sonst noch über ihn zu sagen hätte, kann sich jeder denken, nur so viel noch: Beim SPIEGEL weiß man, wie und wo die
moralischen Prioritäten zu setzen sind und wo nicht, siehe meine ganz kurze Anspielung auf zu Guttenbergs Abservierung oben. Der Verfasser des Teasers zeigt jedenfalls eines ganz deutlich: eine komplette Ignorierung menschlicher Schicksale, so weit sie etwas mit jüdischer Identität zu tun haben.

Und er befindet sich mit dieser Einstellung in bester Gesellschaft.

Samstag, März 12, 2011

5 Israelis ermordet: Verhaltene Reaktion in den Medien

Bei Heplev gefunden:

Fünffach-Mord in Itamar – und unsere Medien?

In der Nacht drang einer oder mehrere Araber in die bei Nablus gelegene israelische Siedlung Itamar ein, töteten fünf Mitglieder einer achtköpfigen Familie (die Eltern, zwei Kinder im Alter von 11 und 3 Jahren, sowie ein Kleinkind, das je nach Meldung einen oder drei Monate alt war. Die 12-jährige Tochter konnte zwei ihrer Brüder (6 und 2 Jahre alt) retten, weil sie mitten erst in der Nacht nach Hause kam.

Kommt dieser Terroranschlag in unseren Medien vor?


Ja, er ist gelegentlich zu finden – wenn man danach sucht.


Die ARD hat im Videotext einen Eintrag „Fünf Tote im Westjordanland“, bei dem erst im zweiten Absatz erklärt wird, wer die Mörder sind – als „Polizeiangabe“. Die Meldung beginnt: „Bei einem Überfall auf eine jüdische Siedlung im Westjordanland sind fünf Israelis getötet worden.“ Wie feige der Mord ist (fünf im Schlaf erstochene Menschen, drei davon Kinder) wird nicht erwähnt, dafür folgt im dritten Absatz eine Erklärung der Tat: „In den vergangenen Tagen ahtten sich die Spannungen zwischen palästinensischen Bauern und jüdischen Siedler in der Region nahe Nablus verschärft.“


Auf tagesschau.de muss man schon das Stichwort „Itamar“ eingeben, um eine Information zu bekommen, die in keiner Übersicht vermerkt ist: „Ein palästinensischer Attentäter hat im Westjordanland fünf Mitglieder einer Siedlerfamilie getötet. Der Mann drang in das Haus ein und erstach die Eltern und drei Kinder. Drei weitere Kinder entkamen. Die israelische Armee sucht nach ihm und errichtete Straßensperren.“


Das ZDF hat im Videotext nichts zum Mord stehen. Auf heute.de ist ebenfalls nichts zu finden.


n-tv
wagt es tatsächlich, im Bereich Politik (ganz oben in einer Spalte, aber man muss schon gut hinsehen) den Mord einen Terroranschlag zu nennen. Dort ist auch die Überschrift eindeutig: „Palästinenser tötet Siedler“. Auch die zunehmenden Spannungen werden erwähnt, von Verletzten Anfang der Woche, ohne allerdings zu erwähnen, wie diese Spannungen entstanden und wer da verletzt wurde. (Die Videotextseite 119 ist ein Ausschnitt der Meldung auf der Website.)

Mit der seiteninternen Suche kann man auch bei N24 einen leicht ausführlichen Eintrag finden: „Überfall auf israelische Siedlung im Westjordanland.“ Und auch hier muss man erst einmal in den Text hinein lesen, um das hier zu finden: „Nach Angaben der israelischen Nachrichtenwebsite Ynet gelang es dem palästinensischen Angreifer, in die Siedlung Itamar in der Nähe von Nablus einzudringen. Dort habe er eine fünfköpfige Familie getötet, die Eltern sowie ihre drei Kinder. Eine Armeesprecherin bestätigte, dass es in der Siedlung einen Angriff eines Palästinensers gab.“

„Nach Angaben von“ – also wird die Glaubwürdigkeit nicht unbedingt angenommen. Und im dritten (letzten) Absatz wird auch wieder auf die „verschärften Spannungen“ mit „mindestens elf Verletzten“ bei Zusammenstößen verwiesen. (Im Videotext ist nichts zu finden.)


„Der Nachrichtensender“ Phoenix hat keine Informationen im Videotext. Gleiches gilt für RTL und Sat1, ebenso für die Nachrichtensendungen im Radio.


DIE WELT
hat sich getraut: „Radikaler Palästinenser ersticht fünf Israelis“ heißt die Meldung, deren Link auf der Eingangsseite nicht versteckt wirkt. Woher die wissen wollen, dass der Araber radikal war, erschließt sich nicht; es wird im Text nicht wiederholt. Die Meldung ist in klaren Worten zu den Fakten verfasst. Darunter befindet sich dann ein großes Foto mit folgender Bildbeschreibung: „Jüdische Siedler in einem Haus in Hebron feiern im Jahr 2008 den Beginn einer neuen Bauwelle im Westjordanland. Die jüdischen Siedlungen im Palästinensergebiet sind ein ständiger Zankapfel zwischen den beiden Konfliktparteien.“ Das spricht dann doch wieder Bände: DIE WELT muss ein drei Jahre altes Foto bemühen, um eine angebliche Bauwelle zu attestieren (die es so nun gar nicht gibt).

Bei SPON muss man auch wieder die interne Suche bemühen; der Artikel versteckt den Täter auch erstmal irgendwo im ersten größeren Absatz, wiederum als „Angabe der israelischen Nachrichtenwebsite YNet“ – es handelt sich um denselben Text wie bei N24.


Der Focus hat auf der Eingangsseite eine Verlinkung etwa in der Mitte der Seite zwischen zwei anderen kleinen Links; es handelt sich wieder praktisch um dieselbe AFP-Meldung wie bei N24 und SPON, die die israelischen Angaben im Konjunktiv vermerkt.


Bei der Süddeutsche Zeitung muss man wieder die Suchfunktion bemühen. Dann prangt in der Überschrift ein palästinensischer Täter, den man im Text nur einmal und als „vermutlich“ findet. Dafür wird auf dem Begriff „Siedler“ herumgeritten, die drei geretteten Kinder ausgelassen und sich im Übrigen auf scharfe israelische Reaktionen konzentriert. (Grundlage des Textes sind Reuters und dpad.)

Frankfurter Allgemeine Zeitung – Fehlanzeige.
Frankfurter Rundschau – nichts
Der Tagesspiegel – große Leere
Kölner Stadt-Anzeiger – nichts zu finden
Rheinische Post – nada
DIE ZEIT – Pustekuchen.

Westerwelle: Doktortitel garantiert keine außenpolitischen Qualitäten

Er kann es einfach nicht, der Guido.

Achten Sie bitte auf die Überschrift und den zweiten Absatz in diesem Screenshot. (Hinweis: Die Tafelnummern ändern sich natürlich im Laufe des Tages ....)

Westerwelles Statement heute ist ähnlich hilfreich wie sein im Januar 2010 geäußerter Vorschlag, "gemäßigte Taliban" mit Geld zum Ausstieg zu bewegen.

Der gute Mann mag seinen Doktortitel ja ehrlich erworben haben, aber wie wir hier wieder einmal deutlich veranschaulicht bekommen, reicht das nicht unbedingt für qualifizierte Außenpolitik.

Dumm daherlabern kann ich auch.