Montag, Januar 14, 2008

Mister Everest


Als Edmund Hillary am 29. Mai 1953 (Der „Sir“ kam einen Tag später hinzu) mit seinem Begleiter, dem nepalesischen Sherpa Tenzing Norgay, auf dem höchsten Punkt der Erde stand, wird er wohl ein wenig bereut haben, dass sein Gefährte nicht wusste, wie man den Fotoapparat richtig bedient. So blieb von der Sekunde, in der Hillary und Norgay der Erde ihren „letzten weißen Fleck“ nahmen, keine Bilddokumentation erhalten. Das Foto (rechts) wurde geschossen, als die beiden Bergsteiger wieder im Basislager ankamen. Später kokettierte der „Grand seigneur des Bergsteigens“ ein wenig damit, dass der Gipfel des Mount Everest in jenem Moment „nicht der geeignete Ort für einen Lehrgang“ gewesen sei und er in diesem Moment nicht daran gedacht habe, plötzlich „weltberühmt“ zu sein. Man sollte ihm diese Aussagen abnehmen. Der Mann neigte nie zu Übertreibungen.

Eigentlich war der knorrige, hoch aufgeschossene Schlacks nicht als Erstbesteiger des höchsten Gipfels der Welt vorgesehen. So zumindest lautete die Regie der britischen Expedition, die pünktlich zur Krönung Königin Elizabeths II. am 30. Mai 1953 eine Seilschaft am Gipfel stehen haben wollte. Als die Briten Tage vorher unterhalb des Gipfels aufgeben mussten war der Weg für Hillary und Norgay frei und sie erklommen den Gipfel über die ansonsten einfachere Südroute, die kurz unterhalb des Gipfels aber noch mit einer Schwierigkeit aufwartet, die selbst heute noch für alle "Everest-Touristen" ein unüberwindbares Hindernis darstellt - eine 70% geneigte Felswand (siehe Abbildung links) später Hillary-Step genannt.

Manche Touristen, die sich heute für mehrere zehntausend Dollar oder mehr bis unterhalb des Gipfels „hochtragen“ lassen, müssen spätestens hier kapitulieren und wieder umkehren, falls die Sherpas noch keine neuen Seile gezogen und Steighilfen installiert haben sollten.

Hillary hat zeitlebens den zunehmenden Massentourismus auf den höchsten Gipfel der Erde und mit mittlerweile mehr als 200 Leichen gepflasterten Routen beklagt. Wer wollte ihm seine Bitterkeit verdenken, wenn - wie am 23. Mai 2003 - 88 „Gipfelstürmer“ gleichzeitig den „Stern des Himmels“ „eroberten“ und die ganze Region des Everest als Müllhalde missbrauchten? Geändert hat sich bis heute an diesen Zuständen leider kaum etwas. Die durchaus ernst gemeinte Forderung Hillarys an die nepalesische Regierung, für 5 Jahre keine Besteigung mehr zuzulassen, erscheint in diesem Lichte nachvollziehbar. In den mehr als 50 Jahren seit seiner Erstbesteigung ist von alpiner Kletterfaszination zudem wenig übrig geblieben: Everest-Besteigungen u.v.a. sind zu "Events" einer aufgeblähten Bergsteigerindustrie verkommen, in der ein Gipfelstürmer einen Tross von mehreren Dutzend Helfern benötigt, um sein Ziel so bequem wie möglich zu erreichen. Doch war diese Entwicklung spätestens dann abzusehen, nachdem aus den Erfahrungen in den Alpen seit den 1970er Jahren genügend Negativbeispiele bekannt wurden. Man denke z.B. nur an die teilweise wahnwitzigen Geschwindigkeitsrekordversuche an den Furcht einflößenden Eiger Nordwand oder Grand Jorasses, die sich ebenso wie Everest, K2 oder die Rupal-Flanke am Nanga Parbat, der mit 4500 Meter höchsten Gebirgswand der Erde, mit schöner Regelmäßigkeit ihren Tribut in Form von Menschenleben holen, auch wenn die Besteigung nicht mehr im Entferntesten mit der Anfang des letzten Jahrhunderts vergleichbar ist, was Ausstattung und Logistik betrifft.

Hillary, der in leitender Funktion im Worldwide Fund for Nature (WWF) tätig war, machte sich auch einen Namen als Gründer der nach ihm benannten Stiftung, die Projekte für Kinder in Nepal fördert. Der Mann, der ebenso wie Tenzing Norgay auch in späteren Jahren wenig Interesse daran zeigte, seinen Ruhm zu vermarkten, konnte jedoch nicht vermeiden, dass, wie immer bei solchen Anlässen, andere versuchten, den Erfolg der beiden für ihre Zwecke auszuschlachten. So funktionierte Königin Elizabeth im fernen London den Aufstieg als Teil ihrer Krönungsfeierlichkeiten um, was aus dem Edmund sobald einen „Sir Edmund“ machte. Glauben konnte der 33-jährige Bienenzüchter das allerdings erst, als ihm versichert wurde, dass die sonst in anderen Dingen leider sehr unausgewogen berichtende BBC den "Knight Commander of the British Empire" bestätigte. Hillary soll sich zeitlebens nie so richtig mit dem Ritterschlag angefreundet haben…

Anders die Menschen im damals (bald wohl wieder) von den Kommunisten beherrschten Nepal: Wie Hillary berichtet, hatte Nepal unmittelbar nach ihrer Rückkehr vom Gipfel darauf bestanden, man solle sofort registrieren, „dass Tenzing noch vor Hillary auf der Dachspitze der Welt eingetroffen sei.“ Doch Hillary ließ verlauten, dass er und Tenzing ein Schweigegelübde über den „genauen Zieleinlauf“ vereinbart hätten. So viel Eitelkeit muss sein: Den Vorbehalt, er selbst sei, nach Aussagen von Tenzing, im entscheidenden Moment zwei Meter voranmarschiert, bestätigte er im Interview dann später.

Wichtiger als das Geheimnis um die zwei entscheidenden Meter - Hillary und Tenzing blieben ihr Leben lang enge Freunde - könnte für Hillary in den letzten fünfzig Jahren eine andere Frage gewesen sein: Waren er und Tenzing denn wirklich die Erstbesteiger des Mount Everest? 1924 waren die beiden Briten George Mallory (im Bild rechts) und Andrew Irvine zuletzt auf über 8.500 Meter Höhe durch das Fernglas gesehen worden und seither verschollen. Verunglückten sie beim Aufstieg tödlich oder erreichten sie den Gipfel und starben erst beim Abstieg? "Ich weiß es nicht", so die souveräne Antwort des Geadelten, der zudem von Reinhold Messner Unterstützung erhält, frei nach dem Motto „Es ist nicht sicher, dass Mallory und Irvine es geschafft haben und es spricht mehr dagegen als dafür". 1999 erlebte Hillary die Bergung der Leiche Mallorys, doch der Fotoapparat, in dem die Anhänger Mallorys das noch unentwickelte Foto vom Gipfel vermuten, blieb bis zum heutigen Tag verschwunden. Und wie das in der Yeti-Welt so ist, dient das Fehlen des Fotoapparats natürlich dazu, dass die Spekulationen weiterhin ins Kraut schießen werden.

Sir Edmund Hillary hat seinen festen und mehr als verdienten Platz in der Entdeckergeschichte, noch dazu, wo doch die Bezwingung des Mount Everest nicht seine einzige und letzte Großtat war. Über all seinen Ehrungen und Annehmlichkeiten, die ihm sein Ruhm bescherte, hat er jedoch Eines nicht verwinden können: die Queen verweigerte seinem Freund und Gefährten Tenzing Norgay, der 1986 starb, den Adelstitel.

Freitag, Januar 11, 2008

Wer brachte die meisten Zitate?


Nein - nicht Nahost, Welt-, Innenpolitik oder Islam

Wirtschaftsthemen bringen auch 2007 die meisten Zitate

Das Media Tenor Zitate-Ranking 2007

Aus dem Original übernommen von Castollux

Ereignisse aus der Wirtschaft bestimmen immer stärker die Medien-Agenda: mit dem HANDELSBLATT, dem WALL STREET JOURNAL und der FINANCIAL TIMES kamen gleich 3 Wirtschaftstitel im Jahr 2007 unter die Top 15 im Media Tenor Zitate Ranking. Gleichzeitig schaffte das WALL STREET JOURNAL erstmals den Sprung an die Spitze als meistzitiertes Auslandmedium – knapp vor der NEW YORK TIMES. Das HANDELSBLATT konnte in der Kategorie „meistzitierte Tageszeitung“ seinen zweiten Platz hinter der unangefochtenen BILD verteidigen.

Auch Magazine wie WIRTSCHAFTSWOCHE oder FORBES konnten mit exklusiven Nachrichten ihre Position deutlich ausbauen: die WiWo stieg von 212 Zitaten im Jahr 2005 und 346 in 2006 nun auf 407, bei FORBES gelang mit 289 Zitaten in den 39 deutschen überregionalen Meinungsführermedien ein Anstieg um 40% in der Wahrnehmung im Vergleich z u 2006. „Aufschwung und Skandale boten ausreichend Stoff für Nachrichten“, so Roland Schatz, geschäftsführender Chefredakteur des Forschungsinstitutes Media Tenor. „Während zu unserem Start vor 15 Jahren nur gelegentlich Unternehmensnachrichten für so wichtig erachtet wurden, dass sie auch von den TV-Nachrichten aufgegriffen wurden, haben die Verantwortlichen für Arbeitsplätze inzwischen ihren festen Platz neben Politik, NGO’s und Wissenschaft.“

Unverändert auf Platz 1 im Gesamtranking liegt die Redaktion des SPIEGEL: nachdem in den Vorjahren Werte um 2200 Zitate für die Spitzenposition ausreichten, legten die Hamburger 2007 noch einmal 300 Zitate zu, um die erste Nachrichtenquelle für ihre Kollegen aus den überregionalen Print-, TV- und Radiomedien zu bleiben – im ersten Halbjahr sah es nocht so aus, als könnte BILD dem Spiegel den Spitzenplatz streitig machen. Die Dominanz strahlte auch auf das Ranking bei den Online-Medien aus: SPIEGEL ONLINE kam mit 183 (Vorjah r 127) Zitaten in dieser Rubrik auf Platz 1 und verdrängte damit den Gewinner aus dem Jahr 2005, NETZEITUNG.DE, deutlich. Andere Online Medien spielen unverändert kaum eine Rolle im Generieren von exklusiven Nachrichten, die dann von den 39 deutschen Meinungsführermedien aufgegriffen werden würden.

Ebenfalls unverändert stark positioniert, konnte BILD im Gesamtranking Platz 2 mit 1720 Zitaten (2006: 1644 Zitaten; 2005: 1668) verteidigen und bleibt damit Deutschlands meistzitierte Tageszeitung. Zusammen mit der BamS, die 2007 auf den 3. Platz im Gesamtranking kam, kann Springers rote Gruppe sich nicht über mangelnde Wahrnehmung in den deutschen Meinungsführermedien beklagen. Auf dem vierten Platz im Gesamtranking abgerutscht lag FOCUS mit 945 Zitaten. Dieses Resultat führte die Münchner auf den dritten Platz in der Kategorie Wochenmedien. Der STERN zählt zu den Verlierern im Jahr 2007 mit 594, nochmals 10% weniger als 2006. Deutlich verbessert dagegen BUNTE mit ein er Verdoppelung auf 129 Zitate im Gesamtjahr.

Auffallende Resultate sind auch aus der Kategorie TV-Sender zu melden: N24 hat 2007 mit 183 Zitaten seinen auf Platz 1 unter den privaten Anbietern verteidigt, N-TV konnte mit 102 Zitaten als Newslieferant wieder zulegen (Vorjahr 73 Zitate). ARD und ZDF dominieren in dieser Kategorie jedoch weiterhin die Zitate in den 39 deutschen Meinungsführermedien. Beim Radio blieb DEUTSCHLANDRADIO / DEUTSCHLANDFUNK unverändert der beste Nachrichtenlieferant: allerdings konnte die insgesamt 407 Zitate aus 2006 in 2007 nicht ganz erreicht werden: 383 wurden Themen aus Köln bzw. Berlin aufgegriffen.

Insgesamt wurden von den Media Tenor-Researchern in Remagen für das Jahr 2007 in den Politik- und Wirtschaftsteilen der 39 deutschen Meinungsführermedien 31.327 Zitate (30454 in 2006) ausgewertet. Das Qualitätsergebnis im Validitätstest (damit wird vierteljährlich die Übereinstimmung in der Analyse hinsichtlich der Themen, Personen, Quellen, Bewertungen etc. gemessen) lag bei 89,2%.

Ausgewertet wurden jeden Tag im Jahr 2007 die 39 deutschen Meinungsführermedien Berliner Zeitung, Bild-Zeitung, Die Welt, Frankfurter Allgemeine Zeitung, Frankfurter Rundschau, Sächsische Zeitung, Süddeutsche Zeitung, taz, Tagesspiegel; ARD Tagesschau und Tagesthemen, ZDF Heute und Heute Journal, RTL Aktuell, SAT.1 News, ProSieben Newstime, Bericht aus Berlin, Berlin direkt, Fakt, Frontal 21, Kontraste, Monitor, Panorama, Plusminus, Report (BR), Report (SWR), WISO; Die Zeit, Focus, Rheinischer Merkur, Spiegel, Stern, Super Illu; Bild am Sonntag, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, Welt am Sonntag; Financial Times Deutschland, Handelsblatt sowie die 7-Uhr-Nachrichten vom Deutschlandfunk.

Ergebnisse bitte hier herunterladen.

Media Tenor / InnoVatio Verlag

Risse im Schweigekartell


Türkische Behörden im Erklärungsnotstand?

Wenn einer eine Reise unternimmt, dann kann er was erzählen - oder vor Antritt beweisen, dass er von der innenpolitischen Lage in der Türkei nichts, aber auch gar nichts versteht. Manche mögen den schweren Lapsus des US-Präsidenten vor seiner Reise in den Nahen Osten und die Golfregion als Ausrutscher bezeichnen, aber so ganz einfach zur Tagesordnung überzugehen nach Sätzen wie "die Türkei" sei ein „fantastisches Beispiel für Nationen in aller Welt, dass es möglich ist, eine Demokratie zu haben, die zusammen mit einer großen Religion wie dem Islam existiert“ ist auch nicht geboten.

George W. Bush muss nicht unbedingt wissen, dass im Ideologiesystem Islam Religion, politischer und juristischer Machtanspruch als Einheit angestrebt und in einigen Fällen, besonders in der wahabitischen Variante der Saudis und der Klerikaldikatur der iranischen Mullahs, schon größtenteils verwirklicht sind. All das muss er nicht auswendig lernen, aber - verflixt noch mal - sein Foreign Office bzw. die Dienste sollten wissen, dass die Türkei keine erkennbaren Anstalten macht, sich Europa anzunähern. Das genaue Gegenteil ist der Fall. NATO hin, NATO her; wer ist denn hier auf wen angewiesen - die Türkei auf die Investitionen Europas und der USA samt Militärbasen oder die NATO/USA auf die Türkei? Der letzte Irakkrieg hat gezeigt, dass die USA auch ohne die Basen in der Türkei auskommen, abgesehen davon, dass der "Bündnispartner" Anzeichen von Unzuverlässigkeit nicht ausräumen kann. Muss das Axiom, die Türkei gehöre zur NATO, automatisch dazu führen, dass das Interesse der USA zur Menschenrechtslage in der Türkei von je her gegen Null tendiert? Ich meine nein.

Der eloquente Staatspräsident Abdullah Gül (Bild oben rechts, vor einer Abbildung von Kemal Atatürk) kann nicht verschleiern, dass die Türkei sich nicht auf Europa zu-, sondern immer deutlicher davon wegbewegt. Er gehört der Partei AKP an, die sich zum Ziel gesetzt hat, mittelfristig die säkularen Kräfte zugunsten einer islamisch dominierten Republik zurückzudrängen, auch wenn das nicht aus allen öffentlichen Verlautbarungen herauszuhören ist. Und der Anflug von Arroganz und Hartleibigkeit, mit dem Regierungschef Erdogan, Weggefährte Güls seit islamistischen Studentenzeiten, von Beginn seiner Regierungszeit an dem „Christenclub“ Europa gegenüber auftritt, weckt nicht gerade euphorische Stimmungen im Westen, was das Entgegenkommen der Türkei für weitere Beitrittsverhandlungen mit der EU betrifft.

Zudem kommt auch die Laxheit, mit der die türkischen Behörden nach den Morden an Christen in der Türkei hier und dort ermitteln, eigentlich nicht allzu überraschend - auch die ausbleibende Empathie bei der Bestattung der Opfer -; keine Kondolenz der Regierungsvertreter. Schutz für mögliche zukünftige Opfer? Fehlanzeige. Erdogan dürfte seine Seele wohl ganz weit geöffnet haben, als er nach der Festnahme des mutmaßlichen Mörders eines katholischen Priesters seine Worte so wählte, dass sie an Unmissverständlichkeit kaum Zweifel aufkommen ließen, wenn man genau hinhörte: "Einen Priester zu ermorden, und das auch noch an einer Gebetsstätte, ist inakzeptabel, und ich verurteile es vorbehaltlos".

„Inakzeptabel“ und „vorbehaltlos“. Diese Terminologie ist für mich nicht nachvollziehbar, ebenso inakzeptabel und an Hohn kaum zu übertreffen. Klingt wie „Fehler“ oder so ähnlich. Wir kennen das aus der politischen Alltagsverbalakrobatik. Vergessen Sie jetzt einfach, wo Sie politisch stehen und jemand sagt Ihnen, dass ein Mord (an Freunden z.B.) „inakzeptabel“ ist. Steht in diesem Fall der Begriff nicht für peinlichen Euphemismus und Verächtlichmachung des Opfers?

Doch zurück zur Gegenwart: Wie HMK in seiner jüngsten Printausgabe berichtet, hatten die mutmaßlichen jugendlichen Mörder dreier Christen in Malatya vor der Tat offenbar intensiven Kontakt zu hochrangigen Mitarbeitern der türkischen Sicherheits- und Justizbehörden. Wie es weiter heißt, ergab „die Auswertung der Telefonkontakte, dass diese [Die mutmaßlichen Täter; Castollux] in den Wochen vor der Tat unter anderem vom Hauptquartier der polizeilichen Spezialeinheiten in Ankara angerufen wurden. Sowohl mit einem Soldaten in Malatya als auch mit einem Parlamentskandidaten telefonierten die Tatverdächtigen wiederholt.“

Grund für intensivere Nachforschung der türkischen Justizbehörden oder beredtes Schweigen? Dass auch Einiges für eine rege Involvierung der Justiz spricht, belegen die „Kurzmitteilungen, die mit einem Staatsanwalt per Mobiltelefon gewechselt wurden“, wobei die mutmaßlichen Täter und Beteiligten ihre Telefongeräte immer wieder gegen andere eintauschten „und dabei in den 6 Monaten vor den Morden 105 Telefonnummern“ registriert wurden.

Die Staatsanwaltschaft scheint bei ihren Ermittlungen auch nicht mit „übertriebenem“ Ehrgeiz bei der Sache gewesen zu sein, wie die Hinterbliebenen der Opfer zu ihrem Leidwesen schon seit längerer Zeit feststellen müssen. Verschleppung des Verfahrens, Geheimniskrämerei und Rückhaltung von Beweismitteln oder beweisrelevantem Material stand und steht bis jetzt auf der Tagesordnung - nicht nur in diesem Mordfall. So sei die Anklagebehörde „einem anonymen Brief nicht weiter nachgegangen, wonach die Täter von einem Armeeoffizier und einem islamischen Theologie-Dozenten in Malatya angestiftet worden seien.“

Die protestantischen Gemeinden der Türkei befürchten Spurenverwischung und, dass die „mögliche Verwicklung des ultra-nationalistischen Milieus im Prozess ausgeklammert werden könnte“, so besorgte Stimmen. Sind diese Sorgen nicht mehr als berechtigt? In einer Türkei unter Erdogan und Gül haben christliche Kläger in diesem Mordfall kaum Chancen auf Gerechtigkeit - so scheint es zumindest bis jetzt. Die türkischen Behörden können jetzt beweisen, ob sie bei der Aufklärung von Morden an Christen gewissenhaft vorgehen, auch wenn hohe Stellen involviert gewesen sein sollten. Aber sie können keinen Bonus Malus für ihre sophisticated Policy beanspruchen.

Hattip: HMK

Samstag, Januar 05, 2008

Jesus Get Your Gun


Wem Quäker Waffen zugestehen…und wem nicht

Haben Sie schon einmal einen opulenten Western aus den 1950-er oder 1960-er Jahren gesehen? Ganz sicher. Und in dem einen oder anderen Streifen werden bestimmt auch „Quäker“ (Zitterer), auch Religiöse Gesellschaft der Freunde genannt - dargestellt worden sein. Der Begriff „Quäker“ ist mehr als eine historische Randnotiz wert: 1681 hatte der Quäker William Penn (Abbildung rechts; 1644-1718) die Besiedelung des später nach ihm benannten Pennsylvania im Nordosten der USA begründet und den verfolgten Glaubensbrüdern aus Großbritannien eine neue Heimat geschaffen. Quäker gelten im Protestantismus als Inbegriff des Pazifismus und der mystischen Versenkung. Die Umschreibung „Zitterer“, mit der die vormals Ernsten Sucher, Verkünder der Wahrheit oder Kinder des Lichts bedacht wurden, bezieht sich auf die konvulsionsartigen Erregungszustände, die bei ihren Versammlungen als Zeichen innerer Ergriffenheit gedeutet wurden. So kurz zur Historie und Umschreibung des Sujets.

Nun sind mehr als 300 Jahre seit der Kolonialisierung Pennsylvanias vergangen und längst hat wieder eine Quäker-Missionsbewegung, von den USA kommend, den europäischen Kontinent erreicht. In Hebron existiert eine Gruppe namens Christian Peace Teams (CPT), die behauptet, eine Denomination der Quäker zu sein. Was liegt also näher, als ihr zumindest gleiche Ziele und Verhaltensregeln wie der Gründergruppe zu unterstellen? Strikter Pazifismus - ohne Parteinnahme für die eine oder andere Gruppe? Dass CPT es mit dieser Prämisse nicht allzu ernst zu nehmen scheint, beweist ihre Haltung gegenüber der IDF („schwere Kriegsverbrechen“) und der laxe Umgang mit der Frage, ob denn palästinensische Kinder zum Frieden erzogen werden sollen oder nicht:

Hier - in Richtung Israel - der Vorwurf, Waffen zu tragen. Dort - vertretend für die Palästinenser - die Ermunterung zur schlechten Erziehung. Hier die Verweigerung des Rechts auf Selbstverteidigung - dort die Verharmlosung terroristischer Aktivitäten und das Hantieren mit Horrorzahlen, die keiner sachlichen Überprüfung standhalten. CPT "diagnostiziert" des Weiteren, „dass palästinensische Kinder nicht fern zu sehen brauchen oder gewalttätige Videospiele zu spielen, um von Schusswaffen begeistert zu werden“, denn, so lautet die „logische“ Schlussfolgerung der selbst ernannten christlichen Denominations-Pazifisten, „patrouillieren hier in Hebron den ganzen Tag über bewaffnete israelische Soldaten in den Straßen (manchmal auch nachts). Palästinensische Kinder sind täglich mit bewaffneten Soldaten an Straßensperren konfrontiert, wenn sie zur Schule oder nach Hause gehen. Sie sehen ständig bewaffnete Siedler in den Straßen zwischen den Siedlungen und der Synagoge.“

CPT ist auch schnell mit einem äußerst „einleuchtenden und praktikablen“ Vorschlag zur Hand, wie alle Probleme zu lösen sind. Und das geht so: „Schwer bewaffnetes israelisches Militär oder Siedler auf den Straßen“ sind „überflüssig“, da es doch „ungefährlicher sei, wenn sie nicht mit echten Waffen in Palästinensergebiet herumliefen.“ Jetzt stellt sich nur noch die Frage, ob der berechtigte Einwand der israelischen Soldaten, dass „wir unsere Zivilisten schützen“ müssen, obsolet ist oder nicht. Ich denke, die Frage ist sehr schnell zu beantworten. Das Argumentationsmuster CPT’s ähnelt in frappanter Weise demjenigen, wie es in einem Beitrag über die NGO’s schon angesprochen wurde.

Ami Isseroff vom Zionism & Israel Center hat in seinem kurzen Einwurf auf die offensichtliche Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit bei Christian Peace Teams (CPT) hingewiesen. Heplev hat den Artikel entdeckt und war so freundlich, ihn für Castollux zu übersetzen.


Jesus Get Your Gun

Quäker für Waffenbesitz

Ami Isseroff

Wir wissen, dass evangelikale Christen oft etwas gegen Waffengesetze haben. Es überrascht daher zu erfahren, dass die Christian Peace Teams (CPT) in Hebron, die behaupten, den Quäkern nahe zu stehen, sich dafür aussprechen, dass Kinder Kriegsspielzeug haben dürfen.

Sie haben schwere Menschenrechtsverletzungen durch die IDF aufgedeckt: Das israelische Militär verletzt das Recht, Spielzeugwaffen zu tragen. Sie schreiben:

Während des muslimischen Id al-Fitr-Festes (das Festes des Fastenbrechens), das am Ende des muslimischen heiligen Monats Ramadan statt findet, erhalten Kinder Id-al-Fitr-Geschenke: Neue Kleidung, Spielzeug und Süßigkeiten.

Übliches Id-al-Fidr-Geschenk für Jungen sind Spielzeug-Schusswaffen. Einige sind Wasserpistolen, andere verschießen kleine Plastikkugeln; und ein paar sehen richtigen Waffen verhängnisvoll ähnlich.

[...] Für das israelische Militär, so scheint es, sind echte Waffen in den Händen von Israelis akzeptabel, aber Spielzeugwaffen in den Händen palästinensischer Kinder sind inakzeptabel.

Vor ein paar Wochen sahen CPT-Mitglieder, wie schwer bewaffnete israelische Soldaten palästinensischen Geschäftsinhabern befahlen, die Spielzeugwaffen aus ihren Läden zu entfernen. Im Verlauf der letzten Woche haben Palästinenser von Vorfällen berichtet, bei denen israelische Soldaten Kindern Spielzeugwaffen abnahmen. Vor zwei Tagen sah ich mit Erstaunen, wie ein israelischer Soldat einem kleinen palästinensischen Kind eine kleine Waffe aus den Händen nahm. Als ich versuchte, den Vorfall zu fotografieren, versuchte ein weiterer Soldat, mich davon abzuhalten.

Er sagte mir: „Es ist gegen das Gesetz, dass ein Palästinenser eine Schusswaffe hat, die aussieht wie eine Schusswaffe oder so klingt, wie es Kracher tun. Das ist gefährlich. Die Kinder zielen damit auf uns. Wenn wir auf sie schießen, ist das ihr Fehler.“

(Derzeit steht der Text auf der Internetseite der CPT, und wurde am 23. Oktober 2007 eingestellt [Ami Isseroff]).

Weiter Isseroff:

Wie konnten diese fiesen militanten Juden sich in das Recht palästinensischer Kinder einmischen, Spielzeugwaffen tragen zu wollen? Schande!!

Palästinensische Araber brauchen dringend echte oder Spielzeugwaffen, um ihre Kinder in der Lehre Jesu zu bilden. Also bitte, wenn Sie irgendwelche Wasserpistolen, Lugers, Kracher und Spielzeug-Handgranaten, AK-47 und ähnliches entbehren können, stellen Sie sicher, dass diese an die CPT Hebron geschickt werden (cptheb@palnet.com). Nach Angaben des Christian Peace Teams ist das die christliche gute Tat, die Sie tun sollten. Sie können einen kleinen palästinensisch-arabischen Jungen richtig glücklich machen. Er kann eine Spielzeug-Handgranate (oder eine echte) auf einen bösen, kriegsverbrecherischen IDF-Soldaten werfen, und wenn der IDF-Soldat ihn ohne jeden Anlass erschießt, kann CPT Hebron erklären, dass es sich nur um ein Spielzeug gehandelt hat. Inzwischen wird der Junge als Märtyrer im Himmel sein und - wenn er alt genug ist - sicher seine 72 Jungfrauen bekommen.

Seien Sie im wahrhaft christlichen Geist großzügig und unterstützen Sie auch die Werte der amerikanischen National Rifle Association!

Ami Isseroff

Nachtrag in eigener Castollux- und Medien BackSpin-Sache: Besuchen Sie doch einmal die Webseite Teach Kids Peace und empfehlen Sie sie weiter. Danke!

Hattip: Heplev, U. Sahm

Donnerstag, Januar 03, 2008

Wenn Gott im Pfarrhaus abhanden kommt


Evangelium ohne Gott?

Pfarrer oder Theologen haben’s nicht leicht. Geben sie zu erkennen, welchem Beruf sie nachgehen oder welche Ausbildung sie haben, folgt nicht selten ein „Ja, dann müssen Sie ja einen besonders guten Draht zum lieben Gott haben“. Schreien könnte man ob solcher abgrundtief oberflächlichen Fragen und darauf erwidern, dass Anliegen wie diese nicht nach Dienstleistungskategorien „abgefertigt“ werden können. Und wie sieht es mit dem Fragesteller aus? Kann er seine Privatangelegenheiten mit dem Gott, an den er zu glauben vorgibt, nicht selbst besprechen, indem er sich betend die Bibel vornimmt? Oder einfach einen Mitchristen bitten, für ihn zu beten - oder mit ihm zusammen?

Nicht wenige evangelische Pfarrer empfinden ihre Berufung, die im „Tagesgeschäft“ natürlich auch „Beruf“ genannt wird, als schwere Bürde. Neben den vielen Aufgaben, die sie gleichzeitig zu bewältigen haben, schleichen sich im Laufe des Berufslebens Anfechtungen und Zweifel ein. Nun sind Zweifel und Glauben Geschwister. Und daran ist überhaupt nichts auszusetzen. Man würde sich in die eigene Tasche lügen, wenn man abstreitet, dass der Spagat zwischen beiden Polen ein Leben lang geübt werden muss. Ein Mensch, der von sich behauptet, er habe seinen Glauben zu diesem oder jenem Zeitpunkt oder da oder dort empfangen oder angenommen und ihn bis heute in der gleichen Form bewahrt, löst bei mir erst einmal skeptisches Kopfschütteln aus, weil dies m.E. nicht nur (geistlichen) Stillstand bedeutet, sondern auch deshalb, weil diese Haltung ein „Verwalten“ und „Verfügen“ des Glaubens impliziert, das sehr viel mit Werkgerechtigkeit zu tun hat. In diesem Fall sieht man den Glauben als Eigenleistung und setzt seinen (falschen) Stolz darauf.

Bei Pfarrern wird oft vorausgesetzt, dass ihr Gottesbild fest im biblischen Fundament verankert sei. Doch wie verhält es sich, wenn ein Pfarrer seinen Glauben an Gott verliert und in eine Sinnkrise stürzt? In den Niederlanden wurde anhand einer Untersuchung festgestellt, dass ein gutes Fünftel aller Pfarrer und Theologen an der Existenz des biblischen Gottes zweifelt. Man kann davon ausgehen, dass sich die Studie auf Deutschland übertragen lässt.

Deutschlandradio Kultur hat das Thema aufgegriffen und in einem Beitrag verarbeitet. Castollux hat den Text unbearbeitet übernommen.


Atheisten auf der Kanzel

Niederländische Pfarrer zweifeln an Gott

Von Michael Hollenbach

Wer die Worte Christi verkündet, der muss sich sicher sein. Zweifel an der Existenz und Allmacht Gottes sind in dem Beruf des Pfarrers nicht vorgesehen. Doch eine niederländische Studie zeigt, dass Theologen damit häufig Probleme haben. 16 Prozent der Pfarrer sind sich Gott nicht sicher, 2 Prozent gestehen ein, nicht zu glauben.

Wir bekennen unseren christlichen Glauben: Ich glaube an Gott, den Vater.

"Ich bringe es für mich immer so auf die Formulierung: Ob es einen Gott gibt, kann ich nicht sagen, ob es einen Gott nicht gibt, kann ich nicht sagen, die Frage, ob es einen Gott gibt oder nicht, stellt sich für mich nicht mehr. Mir sind andere Sachen wichtig geworden", sagt der Hamburger Mario Buletta. "Ich bin gelernter evangelischer Pfarrer und ich mache jetzt Kabarett, Moderationen, rhetorische Schulungen und führe Regie im Bereich Kleinkunst." Mario Buletta ist einer von Hunderten von Theologen, die ihren Glauben verloren haben. Mario Buletta hat die Konsequenzen gezogen und seinen Talar an den Nagel gehängt:

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde.

Viele, die als Pastorinnen und Pastoren von Berufs wegen an Gott glauben müssten, wissen nicht mehr so recht, woran sie glauben sollen, sagt der niederländische Religionssoziologe Hijme Stoffels. Er hat den Glauben holländischer Pfarrerinnen und Pfarrer untersucht. Eines seiner Ergebnisse: Für die meisten Theologen ist Gott so etwas wie Licht, Kraft oder eine Vaterfigur, aber ein allmächtiger Schöpfer des Himmels und der Erde ist er nur noch für 40 Prozent der evangelischen Theologen. "Die Leute zwischen 35 und 65, das ist nur eine Minderheit, die sich darin finden kann mit der Deutung: Gott als Allmächtiger." "Ich bin ein Pfarrer und ein Atheist", sagt Klaas Hendrikse. Er ist Pastor der evangelischen Gemeinde im niederländischen Middelburg.

Ist er auch ein Christ? "Ich bin ein Christ, aber ich fühle mich nicht sehr christlich. Ich bin ein christlicher Pfarrer, deshalb ist es schon heftig zu sagen: Ich bin kein Christ. Ich bin hier in einer christlichen Kultur aufgewachsen, ich arbeite in einer christlichen Kirche, aber ich bin mir ziemlich sicher, wenn ich zum Beispiel in Thailand geboren wäre, dann wäre ich kein Christ." Damit zählt Klaas Hendrikse zu jenen Theologen, die gar nicht oder nicht mehr an Gott glauben. Der holländische Religionssoziologe Hijme Stoffels hat bei seiner Untersuchung festgestellt, dass ein erheblicher Teil der niederländischen Pfarrerinnen und Pfarrer Probleme mit dem Glauben hat: "Dann haben wir gefunden, dass 16 Prozent Zweifel an Gott hat und sogar zwei Prozent, die gesagt haben: Ich glaube nicht, dass es einen Gott gibt."

Immerhin: Wenn man die Prozentangaben hochrechnet, bedeutet das: Unter den evangelischen Pfarrern der Niederlande gibt es rund 70 Atheisten und der Amsterdamer Wissenschaftler ist überzeugt, dass sich die Ergebnisse seiner Studie auf die deutsche Pfarrerschaft übertragen lassen. Das würde bedeuten, das es hierzulande rund 450 atheistische, protestantische Pastoren gibt. "Ich hatte nicht erwartet, dass so viele Pastoren einen so existenziellen Zweifel an Gott haben würden, eine kleine Gruppe schon, aber das einer von sechs Pastoren sagt: Ich bezweifle, dass es Gott gibt. Das hat auch einen kleinen Sturm in der Kirche verursacht, dass Gemeindemitglieder ihren Pastor gefragt haben: Sind Sie auch ein solcher, der nicht an Gott glaubt?"

Klaas Hendrikse ist so einer. "Ich glaube nicht, dass Gott existiert, aber ich glaube an Gott." Der evangelische Pfarrer ist sich sicher: "Gott ist der Name für eine Erfahrung." Hendrikse unterscheidet zwischen eher belanglosen Erfahrungen, die nicht weiter bedeutend sind, und jenen Erfahrungen, Erlebnissen, die einen Menschen tief bewegen: "Was kann alles auf der Ebene der zwischenmenschlichen Erfahrungen passieren? Eines der Worte, mit dem man das beschreiben kann, ist Gott. Das ist es, wie ich Gott sehe: Es ist der Name für etwas, was man nur schwer begreifen kann, aber es ist nur ein Wort für Gott." Dieses Göttliche passiere zwischen den Menschen: nicht unbedingt in Gesprächen, sondern auch durch Schweigen, durch Gesten, durch Berührungen. "Du kannst das Gott nennen. Ich nenne es Gott."

Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben.

Nein, Klaas Hendrikse glaubt als atheistischer Pfarrer nicht an die Auferstehung der Toten und das ewige Leben
. Allerdings glaubt er daran, bald Ärger mit seiner Kirche zu bekommen. Der Grund: In diesen Tagen erscheint sein Buch, in dem er begründet, warum er nicht an die Existenz Gottes glaubt.

Sonntag, Dezember 30, 2007

Die "DDR-Keule"


Oder: Ohne Bildung fand (fast) keine Geschichte statt

Man wäre fast geneigt, die in der Unterüberschrift aufgestellte These grundsätzlich so zu vertreten, gäbe es nicht immer wieder Ausnahmen. Vielleicht zählte sich aber der hessische Gymnasiast aus Wiesbaden, der während der Weihnachtsferien seine Schulakte zerstören wollte und dabei einen Millionenschaden verursachte, nicht zum Kreis derer, die noch daran glauben, dass sie die berühmte Kurve kriegen. Sehr schade - abgesehen davon, dass sein Verhalten noch viel schlimmere Folgen haben und Menschenleben hätte fordern können.

Wer hat wann die Mauer gebaut? Ich gehe einmal davon aus, dass der Schüler das weiß - wenigstens, was den „Bauherrn“ betrifft. Wenn ja, hätte dieses erhabene Gefühl, Geschichtswissen in sich zu tragen, ihn dann von seinem Vorhaben abgebracht?

Eines konnte er mit Sicherheit nicht wissen - und das hätte ihn mit ziemlicher Sicherheit von seinem leicht pyromanischen Drang abgehalten: Er kannte die Untersuchungen der Freien Universität Berlin (FU) zum DDR-Bild von Schülern in Berlin und Nordrhein-Westfalen nicht, die im November 2007 durchgeführt wurden. Hätte er die Zeilen zum Bildungsstand der angesprochenen Schüler eingehend studiert, wäre ihm vielleicht nicht in den Sinn gekommen, solch’ gefährlichen Unsinn zu veranstalten. Er hätte sich ob seines Wissens glücklich geschätzt und halt’ eine Ehrenrunde gedreht. Ist schon so manchem Nobelpreisträger passiert. Im zweiten Anlauf kapiert man den Lernstoff umso besser.

Die Studie des
FU-Forscherteams hatte diagnostiziert, dass bei den Schülern - zum Entsetzen der Bildungsministerien der untersuchten Länder - ein erschreckendes Defizit an Geschichtswissen herrscht. Was die Wissenschaftler zu lesen bekamen, liest sich wie das „Who is Who“ aus der Klippschule. Entschuldigung an alle Klipp-ABC-Schützen! So glaubte jeder zweite brandenburgische Schüler, „dass der SED-Staat keine Diktatur gewesen ist“, jeder dritte hält Konrad Adenauer und Willy Brandt für DDR-Politiker und 25% glauben, dass das Ministerium für Staatssicherheit ein Geheimdienst wie jeder andere gewesen sei. Bei so viel Schönfärberei konnte natürlich auch die gepfefferte Dosis Hochmut nicht ausbleiben, die jedem innewohnt, der sein Scheitern nicht eingestehen will, dies aber a posteriori gerne als Sieg deklariert: „Unser DDR-Wirtschaftssystem war […] dem der alten […] Bundesrepublik überlegen.“ Nun kann man dem lieben Nachwuchs nicht unbedingt gram dafür sein, wenn er nicht weiß, dass die DDR 1989 vor dem wirtschaftlichen Kollaps stand (trotz eines von F. J. Strauß 1983 eingefädelten Milliardenkredits), denn die heute etwa 16-Jährigen könnten sich im Notfall auf nostalgische Reminiszenzen ihrer Eltern berufen. Aber nicht nur darauf….

Zwischenzeitlich liegen Ergebnisse für Brandenburg vor. Sie beziehen sich auf 750 Schüler der 10. und 11. Klassen in Potsdam, Neuruppin und Frankfurt/Oder. Man mag jetzt einwenden, dass der repräsentative Querschnitt zu klein für eine aussagekräftige Erhebung sei; andererseits lässt sich aber auch ins Feld führen, dass die Studien an drei verschiedenen Orten für die gleichen Jahrgangsstufen durchgeführt wurden. Also ist davon auszugehen, dass auch eine größere Zahl Befragter das Ergebnis nicht verändert hätte.

„Das Land Brandenburg hat sich nicht mit seinen pädagogischen Altlasten auseinandergesetzt“, so das vernichtende Urteil des für die Studie verantwortlich zeichnenden Politologen Klaus Schroeder. Dabei hätte man nach der Wende Reformbewegungen einleiten können, wenn man die gut 200 eigens zu diesem Zweck zusätzlich in Geschichte ausgebildeten Lehrer in den Staatsdienst übernommen hätte. Dass es dazu nicht kam, liegt im Zuständigkeitsbereich des brandenburgischen Bildungsministeriums, das sich, so der zuständige Sprecher Stephan Breiding, über die Studie „nicht gefreut" hat. Gleichwohl weist er aber entrüstet die Feststellung Klaus Schroeders, dass „die alten Seilschaften das verhindert“ haben, mit der „Entschuldigung“ zurück, dass es zur Wendezeit „zu viele Lehrer im System“ gegeben hätte. Warum wurde dann nicht ausgetauscht, als die 200 Lehrer ihre Zusatzausbildung hatten? Nur mal so gefragt.

Höchst interessant jedenfalls, wie die Reaktionen brandenburgischer Spitzenpolitiker auf die Ergebnisse der Studie ausfielen. Hier zwei Beispiele: Während Parlamentspräsident Fritsch (SPD) forderte, „Fakten über die DDR zu vermitteln, aber nicht zu indoktrinieren“ (sic), lässt Innenminister Schönbohm (CDU) konstatierend-konsterniert vernehmen, dass das Ergebnis der Studie „bestürzend“ sei. Ach je, was bewegt Herrn Fritsch dazu, gleich im Vornherein „Indoktrination“ zu wittern - er, der vor ein paar Wochen kräftig der Verkündigung des neuen „Demokratischen Sozialismus“ zustimmte? Warum kann er nicht sachlich bleiben?

Jedenfalls muss es mehr als bedenklich stimmen, wenn eine falsch verstandene Sozialromantik die Schrecken der DDR-Diktatur immer mehr verblassen lässt. Das Statement "Gut, dass in der DDR jeder einen Arbeitsplatz hatte, auch wenn der Staat die Löhne bestimmte und der Wohlstand gering war" weckt falsche Assoziationen und verlängert die Halbwertzeit der deliriös verklärten, rückwärts gewandten Nabelschau, und irgendwoher kennen wir dieses Statement schon, nicht wahr? Oder wenn Fritsch und SPD-Generalsekretär Klaus Ness vor pauschalen Schuldzuweisungen warnen, denn es helfe nicht, so Ness, „reflexhaft die DDR-Keule herauszuholen, weil das nur das Gegenteil auslöse, 'nämlich Abwehrreflexe’". Auch das kennen wir. Und wie schlimm - es „löst Abwehrreflexe“ aus. Danke auch schön, sehr geehrter Herr Ness....

Nein, der ehemalige Stasi-Beauftragte Joachim Gauck trifft es schon richtig, wenn er darauf hinweist, dass die Unkenntnis über die DDR vor allem mit der persönlichen Verstricktheit der Ost-Lehrer zusammenhänge, die „zu lange selbst Diener der Diktatur“ gewesen seien und darum das Thema im Unterricht, so weit es geht, aussparen. Warum stellt man sich dieser Tatsache nicht? Der CDU-Abgeordnete Dieter Dombrowski, jahrelang in der DDR aus politischen Gründen inhaftiert, fügt Gauck ergänzend hinzu, dass „es nicht länger im Ermessen der Lehrer liegen dürfe, ob und wie die DDR behandelt werde“, sondern vom Bildungsministerium über die Schulämter durchgesetzt werden müsse. Es sei „eine Schande“, wenn in der Stasi-Gedenkstätte Hohenschönhausen mittlerweile 15.000 Schüler aus Bayern waren, „aber nur einige Hundert aus Brandenburg“. Dem ließe sich hinzufügen, dass die Täter, die den Ort ihrer früheren Wirkungsstätte besuchen, sich auch noch ausnehmend schlecht und uneinsichtig benehmen.

Googelt man im Internet unter „ddr“, werden gut 115 Millionen Einträge angezeigt. Natürlich sind einige dabei, die
sich dem Sujet auf satirische Weise nähern. Was mir jedoch auffiel: Die Verharmlosung des totalitären Unrechtstaates DDR ist einfach nicht aus den Köpfen zu bekommen. Und woher kommen 115 Millionen Einträge?

Kleines DDR-Quiz: Ab 32 richtig beantworteten Fragen von 40 (80%) attestiert die WELT ein solides Wissen über die DDR. Bitte nicht schummeln.

Mittwoch, Dezember 26, 2007

Und sie fanden keinen Raum in der marokkanischen Herberge


Wie in Marokko an Weihnachten Schwarzafrikaner abgefertigt werden

In den Hirnen manch selbst ernannter Islamkritiker und verkappter Ausländerfeinde mag zurzeit der fiebrig-schwüle Fremdenhass fröhliche Urständ feiern und gut zum selbstgerecht-vergessenen Verzehr der Weihnachtsgans und der üblichen Völlerei passen. Jedem das Seine. In meine Überlegungen zur Weihnachtszeit passt das definitiv nicht.

Wenn in den wirren Phantasien mancher rechtslastiger „Retter des Abendlandes“ wider besseren Willen von der apokalyptischen Vision einer Sturmflut islamistischer Heerscharen in zweistelliger Millionenzahl die Rede ist, statt sich mit dem politischen Islam ernsthaft und seriös auseinanderzusetzen, dann kann ich nur fünf Fakten attestieren: Blanke Unkenntnis, billige Scharfmacherei auf Kosten der wirklich Bedürftigen, grenzenlose Heuchelei, Ignoranz und dumpfer Hass.

Um es an dieser Stelle vorweg zu sagen: Bei den meisten Schwarzafrikanern, die ohne Rechtsstatus in Marokko leben, handelt es sich um Christen - nicht, damit mir auch noch schelmisch unterstellt wird, ich würde einer islamischen „Invasion“ das Wort reden, weil ich mich für das Wohl von Flüchtlingen einsetze. Aber was soll’s - Menschen, die prinzipiell gegen Ausländer und Flüchtlinge sind, machen da mittlerweile keinen Unterschied mehr und werden mir auch diesmal und in Zukunft das Wort im Munde verdrehen. Es ist höchste Zeit, dieser ganz speziellen Gattung „Islamkritiker“ etwas entgegenzuhalten, bevor der Ruf der gewissenhaften und ernsthaften Islamkritiker, die keine Menschenhatz betreiben und meinen größten Respekt verdienen, und zu denen ich mich auch zähle, vollends ruiniert wird.

Castollux hat einen Beitrag der Deutschen Welle vom 20. Dezember transkribiert (mit sehr wenigen Änderungen an der Textstruktur, ohne den Inhalt zu verändern). Das war es mir mehr als wert. Wenn ich jetzt Freunde verliere, dann waren es eh’ die falschen. Manchmal muss man eben seine Hosentaschen ausleeren und nachsehen, was dabei herauskommt. Es gibt ein afrikanisches Sprichwort: Für einen falschen verlorenen Freund kommen 10 echte hinzu, wenn du deinem Gewissen treu bist.

Ganz herzlichen Dank an Jan Tussing von der Deutschen Welle, auch wenn er von meinem Dank nichts weiß. Aber er hat mich zu diesem Beitrag animiert. Was es so alles gibt....

Wie Marokko in der Weihnachtszeit mit den schwarzafrikanischen Flüchtlingen umspringt.

Transkription aus einem Beitrag der Deutschen Welle vom 20. Dezember 2007


In vielen Teilen der Welt freuten sich die Menschen auf ein paar fröhliche oder ruhige Festtage im Kreise ihrer Lieben. Doch was für die einen die schönste Zeit des Jahres ist, bedeutet für die anderen der blanke Horror. Für schwarzafrikanische Flüchtlinge in Marokko z.B.; denn dann schlägt für sie die Stunde der Angst. Dann schlägt die marokkanische Polizei zu. Sie kommt in die ärmeren Stadtteile der Hauptstadt Rabat, sammelt die Flüchtlinge dort ein, um sie im Norden in den Bergen wieder auszusetzen. Bei Nacht und Nebel, fernab der Öffentlichkeit.

Jan Tussing von der Deutschen Welle mit Einzelheiten:

Immer um Weihnachten bekommt Paul Angst, denn immer im Winter führt die marokkanische Polizei eine Razzia durch. Sie kommt hier ins Viertel und nimmt alle schwarzafrikanischen Flüchtlinge fest. „Es ist Dezember und wir müssen in eine andere Stadt fliehen, um Weihnachten zu feiern.“ Paul verhaspelt sich vor Aufregung immer wieder. „Wenn du hier in Rabat bleibst, ist das Risiko zu groß und wir werden nach Oujda abgeschoben.“ Nach Oujda, das ist das Schreckenswort. Dort sind in den vergangenen Jahren schon viele Flüchtlinge in den Wäldern erfroren. „Ich war zweimal in Oujda“, sagt Paul, „2005 und 2006.“ Dort musste er ohne Decken in der Kälte aushalten. Jetzt habe er Asthma bekommen, in der Kälte dort in Oujda. Warum schlägt die marokkanische Polizei immer an Weihnachten zu? Ganz einfach. An Weihnachten verlassen die meisten Ausländer Marokko. Dann feiern die Journalisten und Mitarbeiter internationaler Organisationen bei sich zuhause in Europa. Niemand schaut zu, wenn bei Nacht und Nebel Hunderte von Flüchtlingen in den kalten Norden des Königreiches verschleppt werden.

Paul Mango ist Christ, kommt aus dem Kongo und lebt seit zwei Jahren in Rabat. Der 26-Jährige brauchte zwei Jahre, um nach Marokko zu kommen und hat sich beim Flüchtlingswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) registrieren lassen. Eigentlich wollte Paul nach Europa, aber seit die Grenzzäune in den spanischen Enklaven Ceuta und Melilla von drei auf sechs Meter aufgestockt wurden, kann er sich die Weiterreise abschminken. Hinzu kommt, dass das UNHCR ihm seinen Flüchtlingsstatus aberkannt hat. Paul hat nun nichts mehr, was er der marokkanischen Polizei vorzeigen kann. Keinen Pass, keine Aufenthaltserlaubnis, nichts, was ihn als Flüchtling ausweist.

„Ohne Papiere kann ich mich nicht mehr fortbewegen, und auch wenn man mit den Papieren ja sowieso nicht mehr viel anfangen kann, so geben sie einem doch eine gewisse Sicherheit. Die vom UNHCR wissen doch, dass die Marokkaner keine Schwarzen mögen.“ So wie Paul geht es rund 10.000 Afrikanern in Marokko. Sie haben das El Dorado gesucht und die Hölle gefunden. Heimatlos, staatenlos und mittellos. Endstation Marokko. „Ich lebe von der Güte Gottes. Und ich habe keine Papiere. Wenn ich durch die Gegend gehe, oder irgendwohin gehen muss, oder in den Bus steige, dann habe ich Angst.“

Es riecht scharf in seiner Dreizimmerwohnung, die er sich mit 12 weiteren Flüchtlingen teilt. Direkt nebenan wohnt seine Nachbarin Mamie. Die 36-jährige Kongolesin lebt hier mit ihren 4 Kindern auf 12 Quadratmetern. Vor drei Jahren, während der Unruhen im Kongo, starb ihr Mann. Ihre Eltern waren bereits tot. Die junge Mutter entschied sich daraufhin, wegzugehen.

Über Benin und Algerien kam sie nach Marokko. Im Dezember - der Zeit der Razzien. Sie wurde in den Norden des Landes deportiert, nach Oujda. Und dort kam es noch schlimmer. Zwei Männer haben sie vergewaltigt - ebenso vertrieben aus Afrika. „Schließlich kam noch ein dritter Mann“, sagt sie in schlechtem Französisch. „Er war die ganze Nacht bei mir.“ Doch konnte Mamie ja nicht zur Polizei gehen. Die hatte sie ja erst im Wald zur Grenze nach Algerien ausgesetzt. Mamie wurde also schwanger. Ohne ärztliche Betreuung. Sie kam mit dem Leben davon. „Dieu Merci“, Gott sei Dank. „Dieu Merci“ heißt auch der Junge, den sie schließlich zur Welt brachte. Dieser steht still neben ihr und verzieht keine Miene, sein ernstes Kindergesicht unter einer braunen Wollmütze. „Die Marokkaner leben doch selbst überall auf der Welt. Sie sind doch selbst die größte Gruppe an illegalen Immigranten. Ich versteh’ das nicht. Dieses Land mag keine Schwarzen. Dies ist ein Land von Rassisten.“

Wenn Sie an die deutsche Botschaft einen dringenden Appell richten wollen, um die Lage der schwarzafrikanischen Flüchtlinge in Marokko zu verbessern, dann bitte ich Sie, das hier zu tun:

Deutsche Botschaft Rabat

Hattip: Deutsche Welle

Freitag, Dezember 21, 2007

Award: Unehrenhaftester Reporter des Jahres

Wie jedes Jahr hat HonestReporting auch diesmal einen "Preis" für den unehrenhaftesten Reporter des Jahres ausgelobt.

Er geht dieses Jahr an Christiane Amanpour von CNN.


Preis für den unehrenhaftesten Reporter des Jahres 2007

Die zum siebten Mal verliehene jährliche Auszeichnung zur verzerrtesten und voreingenommensten Berichterstattung des Nahost-Konflikts.


Ein Jahr voller Überraschungen.

Die Hamas putschte sich im Gazastreifen an die Macht. Ehud Olmert und Mahmoud Abbas führten Friedensgespräche und saudische sowie syrische Würdenträger waren anwesend. BBC-Journalist Alan Johnston befand sich fast vier Monate in Geiselhaft. Als Israel eine nicht näher benannte syrische Industrieanlage unter Beschuss nahm, kam lediglich aus Nordkorea nennenswerter Protest.

Und da war noch Farfur, die Hamas-Maus.

Wer hätte das gedacht?

Selbstverständlich gab es andere, nicht überraschende Entwicklungen. Kassam-Raketen wurden weiterhin auf Sderot abgeschossen. Drei beklagenswerte Todesfälle in diesem Jahr: Oshri Oz, Shirel Friedman und Chai Shalom.

Die israelischen Soldaten Gilad Shalit, Ehud Goldwasser und Eldad Regev beendeten das Jahr in Gefangenschaft, so wie weitere israelische Soldaten vorher.

Das Buch Die Israel Lobby wurde zum Verkaufsschlager, während The Man From Plains Jimmy Carters umstrittene Promotions-Tour (für sein Buch) dokumentierte.

Doch nun zu den Auszeichnungen. . .

Der schlechteste Nachrichtenchef: Larry Register, ehemals bei Al-Hurra-TV

Kompliment an Joel Mowbray für eine Reihe von Beiträgen, die offenlegten, wie der von amerikanischen Steuerzahlern finanzierte Sender al-Hurra TV seinen Auftrag, die amerikanische Demokratie zu präsentieren, ins Gegenteil verkehrte. Unter Direktor Larry Register buhlte al-Hurra um arabische Sympathien und fungierte als Sprachrohr für Terrorpropaganda und Holocaustleugnung. Register identifizierte sich mit Leuten wie Yasser Arafat und Bashar Assad.

Er trat im Juni zurück.

Der schlimmste Missbrauch von Steuergeldern (Großbritannien): BBC

Die BBC gab 200,000 £ für Anwaltsgebühren aus, um den internen Bericht zur Nahostberichterstattung des Nachrichtensenders zu vertuschen. Was die Belange des öffentlich finanzierten Senders betrifft war das Geld gut ausgegeben; die Beeb (Verballhornung für BBC, [Castollux]) hat eine Klage des Londoner Anwalts Steven Sugar abgewiesen, der bei Freedom of Information Act eine Kopie angefordert hatte.

Sugars Erfolg in einer früheren Phase juristischer Schritte führte zu einer Lawine von ähnlichen Anfragen bei FOI (darunter eine von HonestReporting). Alle wurden abgelehnt.

Der lächerlichste Campusartikel: Linda Quiquivix, The Daily Tar Heel

Linda Quiquivix, Studentin an der University of North Carolina, die mit ihrem „zionistischen“ Freund während des zweiten Libanonkrieges Schluss gemachte hatte, beschreibt den Lesern von Daily Tar Heel ihre Suche nach Liebe: Jungs, geht nicht mit Diamanten oder Blumen auf die Nerven.

Die merkwürdigste Bildunterschrift: Associated Press

Militante von Reporter ohne Grenzen (RSF) inszenierten nahe des Eiffelturms (Paris) eine Protestdemonstration, um ihre Solidarität mit dem entführten britischen Journalisten Alan Johnston zu bekunden; Mittwoch, 22. Juni 2007. Intensive Verhandlungen sind im Gange, um die Freilassung des BBC-Journalisten Alan Johnstons zu erreichen, der vor drei Monaten in Gaza entführt wurde, so ein hoher Funktionär der Hamas am Dienstag. (AP Photo/Christopher Ena)

Die dümmste nicht unterdrückte Diskussion: Die Doha Debatte

Oxford-Studenten, die kürzlich die Doha-Debatten veranstalteten, überwanden die mythische Unterdrückung durch die Pro-Israel-Lobby und stimmten mit einer eindrucksvollen Zweidrittelmehrheit folgendem Antrag zu:

“Dieses Haus glaubt, dass die Pro-Israel-Lobby die westliche Debatte über Israels Einfluss erfolgreich abgewürgt hat.”

Schon die schiere Beschränktheit des Themas war die Anstrengung der Unterdrückung nicht wert - wäre der Antrag gescheitert, hätte er als besserer „Beweis“ dafür gedient, dass die Frage zutreffend war.

Schlimmste Anzeigenwerbung: International Herald Tribune

Im April sorgte die International Herald Tribune für Aufsehen, als sie in ihrem Blatt für die iranische Ausschreibung von zwei Atomkraftwerken warb. Ironisch genug, dass die Anzeige auch in Israel erschien, wo Haaretz ein Beiheft zur International Herald Tribune (IHT) herausgibt. Die IHT befindet sich in Besitz der New York Times.

Besondere Leistung in Verbalgymnastik: Jeremy Bogen

Der Nahost-Redakteur der BBC gewinnt mit diesem Satz:

„Es gibt keinen Dialog mit diesen mörderischen Terroristen“, sagte Herr Abbas, indem er auf die Militanten der Hamas verwies.



Der offensichtlichste Fall von Foto-Opportunismus:

Die führenden christlichen Vertreter Gazas wurden nicht nur eingeschüchtert, einer Ansprache Ismail Haniyehs im November beizuwohnen, sondern der Hamas-Boss setzte Pater Manuail Musalam sprichwörtlich für ein gestelltes Photo unter Druck, das wir von Reuters erhielten.



Die dümmste Reaktion auf Alan Johnstons Kidnapping: Nationale Journalistengewerkschaft

Nachdem BBC-Reporter Alan Johnston von einem Gaza-Clan entführt wurde, der Verbindungen zur „Armee des Islam“ unterhält, empfahl sich die Nationale Journalistengewerkschaft Großbritannien (NUJ) - durch einen Boykott Israels. Dieses NUJ-Statement lieferte die Begründung:

Wir arbeiten über den internationalen Journalistenverband eng mit der palästinensischen Gewerkschaft zusammen und der Boykott war eine Geste der Unterstützung für das palästinensische Volk - besonders jene, die unter der Belagerung des Gazastreifens leiden, einer Gemeinschaft, der Alan Johnston durch seine Berichterstattung so sehnlichst helfen wollte.

Der mieseste Filmredakteur: Charles Enderlin

In seinem Rechtsstreit wegen des Videos zu Mohammed al-Dura zwang der französische Medienanalyst Philippe Karsenty France 2 TV zur Veröffentlichung des unbearbeiteten Filmrohmaterials, das Kameramann Talal Abu Rahma aufgenommen hatte.

Als die Richterin Korrespondent Charles Enderlin fragte, warum nur 18 Minuten der Filmmaterials eingereicht wurden - statt der erwarteten 27 Minuten -, sagte der renommierte Reporter vor Gericht, dass er (seiner Meinung nach) irrelevantes Material manipulierte, bevor er es für den Gerichtstermin auf DVD überspielte. Obwohl für Ende Februar eine weitere Verhandlung anberaumt ist, offenbaren die bisherige Entwicklung und das Video die Unglaubwürdigkeit der Mythen zu Mohammed al-Dura.

Die schlimmste moralische Gleichsetzung: Ed O’Loughlin

Ed O’Loughlin vom Sydney Morning Herald gebührte die „Ehre“ wegen seines verniedlichenden Hintergrundberichts zu Kassam-Raketen:

Seit dem Abbruch der Friedensgespräche im Jahr 2000 starben 12 Israelis, darunter drei Kinder, durch palästinensische Kassam-Raketen in einem tödlichen Spiel des „Wie du mir so ich dir“ an der Grenze zwischen Israel und Gaza.

Hunderte von palästinensischen Zivilisten und Kämpfern, darunter fünf Kinder in den vergangenen vierzehn Tagen, sind durch Artillerie-, Panzer- und Luftangriffe getötet worden, wobei Israel sagt, dass es nur auf Terroristen zielt.

Einer IDF-Studie zufolge wurden in den vergangenen 6 Jahren geschätzte 2380 Raketen auf das Gebiet des westlichen Negev abgefeuert, die 10 Menschen töteten. Darüber hinaus wurden 1.600 Menschen wegen Schockzuständen behandelt. Die Hälfte aller Raketen ging in Sderot nieder.

Der schlechteste Experte: Abd Al-Bari Atwan

Bari Atwan, ständiger Kommentator und Analytiker bei BBC und Sky News, erzählte dem libanesischen Fernsehsender ANB, dass er am Trafalgar Square Freudentänze aufführen würde, wenn jemals iranische Raketen Israel treffen würden. Er ist noch immer TV-Sprecher für beide Nachrichtensender.

Die besten neuen Mitglieder der Pro-Israel-Verschwörung: Walt und Mearsheimer

Wir machen uns über die Leute nicht lustig, die Ihnen „Die Israel Lobby“ brachten. Darum.

Schlechteste Karikatur: Jonathan Shapiro alias Zapiro

Zum 40. Jahrestag des Sechstagekrieges stellte der südafrikanische Karikaturist beim Mail & Guardian die Geschichte auf den Kopf:

Ein Blogbeitrag von Fadi Abu Sada, den wir ernst nehmen hätten sollen:

Nach dem Selbstmordanschlag in Eilat im Januar bat der palästinensische Journalist Israel, den Gazastreifen zu bombardieren. Warum…?

Es dürfte die einzige Lösung sein, die blutigen Kämpfe zwischen Brüdern im Gazastreifen zu beenden.

Unehrenhaftester Reporter des Jahres

Die Wahl zum unehrlichsten Reporter dieses Jahres bringt für die Leser von HonestReporting eine Veränderung. Vorherige Preise gingen an große, unpersönliche Nachrichtenagenturen. In diesem Jahr ist das anders. Eine Journalistin fungierte 2007 so sehr als Blitzableiter, dass sie locker BBC und Reuters ausstach - zwei der üblichen Kandidaten.

Die Ergebnisse überraschten uns nicht, aber tiefsitzender Ärger und nachbleibende Verstimmung zeigen, dass die Leser nicht nur wegen der Arbeit unserer Gewinnerin empört waren; in gewisser Hinsicht wurden sie persönlich beleidigt in einer Weise, die sämtliche Nahostberichterstattung der Mainstream-Medien in diesem Jahr übertraf - weshalb der Preis für die unehrlichste Berichterstattung 2007 an Christiane Amanpour geht - für ihr umfangreiches, aber tragisch fehlerhaftes CNN-Special Gotteskrieger.

Die Serie versuchte, jüdischen, islamischen und christlichen Extremismus genauer zu untersuchen. Wir beabsichtigen nicht, Gotteskrieger wieder anzusprechen. Die Leserkritik kann jedoch in vier Punkten zusammengefasst werden. In aller Kürze zur Serie Amanpours:

• Sie setzte Jahre zurückliegende Einzelfälle jüdischen Extremismus’ mit islamischem Terror gleich, der Tausende Menschenleben in New York, London, Madrid, Bali, Amman etc. forderte.

• Sie behauptete fälschlicherweise, dass jüdische Randgruppen weltweit erfolgreich die amerikanische oder israelische Politik bestimmten und an sich rissen.

• Sie fasste den radikalen Islam mit Glazéhandschuhen an

• Sie verniedlichte religiösen Fanatismus im Allgemeinen.


Religiöser Extremismus ist ein berechtigtes News-Thema, und sorgfältiger, ehrlicher Vergleich der drei großen monotheistischen Religionen würde zweifellos eine positive Wirkung auf die öffentliche Debatte haben. Leider müssen unsere Leser und wir feststellen, dass Amanpour nicht ein Jahr zur Erforschung des religiösen Extremismus aufbrachte, sondern dafür, ihre Weltsicht zu verstärken.

* * *

Wir haben im abgelaufenen Jahr viel aufgedeckt. Und mit Hilfe unserer Leser werden wir die Medien weiter beobachten und deren Verantwortung ansprechen.

HonestReporting.com

Hattip: HonestReporting

Dienstag, Dezember 18, 2007

Religiös beleidigt



Schon ein paar Tage her, aber es lohnt sich...; und bitte auf das Ergebnis an der Anzeigetafel sehen...

Und den passenden Beitrag dazu gibt es hier, falls Sie ihn noch nicht gelesen haben sollten.

Sonntag, Dezember 16, 2007

Und Waffenstillstand auf Erden….

Ein Leser schrieb mir gestern zu meinem letzten Beitrag und fügte einen Link hinzu, auf dem Gründe angeführt werden, die belegen sollen, warum Friedensverhandlungen mit den Palästinensern nichts nutzen würden. Die Argumente, warum Gespräche mit einem Gegner, der dich vernichten will, schon vorab zum Scheitern verurteilt sind, kann ich nachvollziehen. Ich wollte es etwas modifizieren und antwortete dem Kommentator auf seiner Seite Samson Blinded (Kommentar 31) mit dem Hinweis darauf, dass - schon bevor Friedensverhandlungen stattfinden - Waffenstillstandsverhandlungen (Hudna) mit islamisch motivierten Gegnern sinnlos sind, weil sie Aufbau und Erholung seiner Kräfte dienen, um danach umso heftiger zuschlagen. Thomas Sowell hat im Sommer 2006 auf Real Clear Politics einen sehr lesenswerten Aufsatz dazu verfasst, der an Aktualität nichts verloren hat. Deshalb bringe ich ihn jetzt noch einmal, und gerade (!) auch, weil falsch verstandene Friedenssehnsucht immer wieder in der Vorweihnachtszeit die seltsamsten Blüten treibt.

Viele Christen im Gazastreifen und im Westjordanland wissen ein Lied davon zu singen - nicht zuletzt aufgrund ihrer jahrzehntelangen Konspiration mit den Palästinensern gegen die Juden. Jetzt richtet sich ihre Anbiederei gegen sie selbst. Sie nutzt ihnen nichts mehr, weil der islamische Feind ihre Mitwirkung gegen die Juden nicht mehr braucht. Der Eine oder Andere mag mir jetzt Unversöhnlichkeit attestieren. Um es klarzustellen: Ich bin für Friedensverhandlungen, aber die radikalen Palästinenser - und die haben nun mal das Sagen in der PA bzw. im Gazastreifen - sollten durch ihre Taten bezeugen, dass sie an echten Friedensverhandlungen interessiert sind. Dem ist leider nicht so. Am besten erkennt man es daran, wie sie ihre Kinder erziehen.

Waffenstillstand auf Erden…und niemandem ein Wohlgefallen.



Pazifisten gegen den Frieden
Thomas Sowell

Eine der schwerwiegenden Verfehlungen unseres Bildungssystems ist, dass es Menschen produziert, die den Unterschied zwischen Rhetorik und Realität nicht kennen. Sie haben nicht gelernt, Ideen systematisch zu analysieren, daraus ihre Schlüsse zu ziehen und diese Schlüsse dann gegen die faktische Wirklichkeit zu testen.

Die "Friedensbewegungen" gehören zu den Gruppen, die aus der weit verbreiteten Unfähigkeit der Menschen, Rhetorik zu durchschauen, ihre Vorteile ziehen. Nur sehr wenige scheinen überhaupt daran interessiert zu sein, sich die Historie solcher so genannter "Friedens"- Bewegungen genauer anzuschauen. Im Speziellen: Der Frage nachzugehen, ob solche Bewegungen tatsächlich Frieden oder womöglich Krieg produzieren.

Nehmen wir den Nahen Osten. Die Menschen rufen nach einem Waffenstillstand im Interesse des Friedens. Im Nahen Osten jedoch hat es mehr Waffenstillstände gegeben, als irgendwo sonst auf der Welt. Wenn Waffenstillstände tatsächlich Frieden produzieren würden, wäre der Nahe Osten die friedlichste Region der Welt. Und nicht die gewalttätigste. Wurde der 2. Weltkrieg durch einen Waffenstillstand beendet, oder durch die Vernichtung weiter Teile Deutschlands und Japans? Damit kein Missverständnis aufkommt: Dies kostete viele unschuldige Zivilisten das Leben. Tatsächlich starben sogar amerikanische Kriegsgefangene durch die Bombardierung Deutschlands.

Es gibt einen Grund dafür, dass General Sherman vor über einem Jahrhundert sagte: "Der Krieg ist die Hölle." Aber er half mit seinem zerstörerischen Marsch durch Georgia, den amerikanischen Bürgerkrieg zu beenden - und nicht durch einen Waffenstillstand, oder durch Kniefälle vor der "öffentlichen Meinung". Und es gab auch keine korrupten Gschaftlhuber wie die Vereinten Nationen, die den Ersatz von Militärischer Macht durch die Diplomatie forderten.

Es gab mal eine Zeit, in der es einem Selbstmord gleichgekommen wäre, ein Land mit wesentlich stärkerer militärischer Macht zu bedrohen, geschweige denn anzugreifen. Denn eine der möglichen Gefahren für den Angreifer war die Aussicht darauf, ausgelöscht zu werden. Die "öffentliche Meinung", die Vereinten Nationen und die "Friedensbewegungen" haben diese Abschreckung zunichte gemacht. Heutzutage weiß ein Aggressor, dass er für den Fall des Scheiterns seiner Aggression vor einem vollen Vergeltungsschlag und der Wut des Angegriffenen beschützt wird, weil es jede Menge Gutmenschen gibt, die nach Waffenstillstand, Verhandlungen und Zugeständnissen rufen.

Dies ist die Erfolgsformel für die nicht enden wollenden Angriffe auf Israel im Nahen Osten. Die desaströse Historie dieses Prinzips führt zu ganz anderen Zeiten und Orten zurück - aber wer interessiert sich schon für die Historie? Erinnern Sie sich noch an den Falkland-Krieg, als Argentinien Truppen auf die Falkland-Inseln schickte, um die kleine britische Kolonie zu erobern? Argentinien hatte seit über einem Jahrhundert behauptet, der rechtmäßige Besitzer dieser Inseln zu sein. Warum hatte es die winzigen Inseln nicht früher angegriffen? Zu keiner Zeit hatten die Briten ausreichend Truppen dort stationiert, um sie zu verteidigen.

Bevor es "Friedensbewegungen" oder die UN gab, hätte ein argentinischer Truppeneinsatz auf den Falklands leicht dazu führen können, dass die Briten Bomben auf Buenos Aires geworfen hätten. Nun aber verurteilte die "öffentliche Meinung" die Briten schon dafür, dass sie überhaupt Streitkräfte in den Südatlantik schickten, um ihre Inseln zurückzuerobern.

Beschämenderweise gehörte auch unsere (die U.S.-, Anm. d. Red.) Regierung zu denen, die gegen den britischen Einsatz von militärischer Gewalt stimmten. Doch glücklicherweise ignorierte die britische Premierministerin Margaret Thatcher die "öffentliche Meinung" und eroberte die Falklands zurück.

Das katastrophalste Ergebnis von "Friedens"- Bewegungen war der 2. Weltkrieg. Während Hitler Deutschland bis an die Zähne bewaffnete, betrieben "Friedens"- Bewegungen in Britannien die Entwaffnung ihres eigenen Landes als "Beispiel für andere". Mitglieder der Labour Party stimmten fortwährend gegen militärische Ausgaben und britische Studenten schworen öffentlich, niemals für ihr Land kämpfen zu wollen. Wenn "Friedens"- Bewegungen Frieden brächten, hätte es niemals einen 2. Weltkrieg gegeben.

Dieser Krieg führte nicht nur zu Dutzenden Millionen Toten, er brachte auch einen niederschmetternden Sieg der Nazis in Europa und des japanischen Kaiserreichs in Asien in ziemlich greifbare Nähe. Und heute wissen wir, dass die Vereinigten Staaten bereits auf Hitlers Terminplan für die Zeit danach standen.

In den ersten beiden Jahren dieses Krieges verloren die westlichen Demokratien nahezu jede Schlacht auf der ganzen Welt, weil vor dem Krieg "Friedens"- Bewegungen dafür gesorgt hatten, dass sie mit unzureichenden militärischen Kapazitäten ausgestattet waren, davon vieles auch noch unbrauchbar. Die Nazis und die Japaner wussten das. Darum begannen sie den Krieg.

"Friedens"- Bewegungen bringen keinen Frieden. Sie bringen Krieg.

Copyright: 2006 Creators Syndicate