Donnerstag, Januar 08, 2009
Bielefelder Burleske, Teil 2
Heinz Gess' "Verbrechen": Er hatte am 7. April 2008 auf seiner Internetplattform Kritiknetz einen Artikel von Clemens Heni und Peter Bierl veröffentlicht, der veranschaulichte, dass in der Öko-Pax-Bewegung antisemitisch grundierte, völkische und konservativ-revolutionäre Ideologien verwurzelt sind. In einem weiteren erklärenden Beitrag hatte Gess darauf hingewiesen, dass Werner Haverbeck (1909-1999), ehemaliger Professor für Sozialwissenschaften und ausgestattet mit höchsten NS-Funktionen, an der FH Bielefeld Karriere machen konnte, nach dem Krieg dieser Lebensabschnitt unberücksichtigt blieb bzw. Haverbeck an der FH Bielefeld ungehindert und ungefragt weiterarbeiten konnte.
Schlimm genug, dass ein Dozent, der Differenzierung im Umgang mit Israelkritik anmahnt und auf die Verlogenheit des sich als Antizionismus gerierenden Antisemitismus aus der linken Ecke und seine Schnittmengen zur rechten und islamistischen Gesinnung verweist, permanent Anfeindungen durch Kollegen und Studenten ausgesetzt ist.
In zwei Beiträgen (darunter ein mit ihm geführtes Interview) habe ich die Hintergründe etwas näher beleuchtet.
Doch hier zum neuen Unterstützungsaufruf von Clemens Heni und Peter Bierl für Heinz Gess. Weitere Informationen sowie Kontakt zu den Autoren unten.
Peter Bierl und Clemens Heni
Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Freunde und Kollegen,
Die Rektorin der Fachhochschule Bielefeld, Beate Rennen-Allhoff, scheint das angekündigte Disziplinarverfahren gegen Professor Heinz Gess weiter zu betreiben (wer den Fall noch nicht kennt, finden Informationen am Ende dieses Schreibens).
Das ist ein Skandal, weil Gess nichts anderes getan hat, als publik zu machen, dass in den 70er Jahren an der Fachhochschule der vormalige hochrangige NSDAP-Funktionär und rechtsextreme Aktivist Werner Georg Haverbeck unterrichten konnte.
Die Presse hat über den Fall berichtet, viele Menschen aus dem In- und Ausland haben bei der Rektorin und bei Wissenschaftsminister Andreas Pinkwart protestiert, die Grünen im Landtag von NRW eine Anfrage gestellt.
Die Antworten Pinkwarts sind unbefriedigend: In der Personalakte Haverbecks sei kein Hinweis auf dessen NS-Vergangenheit zu finden, heißt es, und der Minister erklärt sich für nicht zuständig, obwohl er die politische Verantwortung trägt. Die Rektorin der FH hat ein Gefälligkeitsgutachten bestellt. Dessen Autor, der Bielefelder Stadtarchivar Bernd J. Wagner, bilanziert, Haverbeck sei bis 1945 und nach 1980 ein aktiver Nazi gewesen, nicht aber in den 1960er und 1970er Jahren, als er für die FH und deren Vorläuferin gearbeitet habe. Wagner unterstellt ein rechtsextremes „Coming Out“ Haverbecks erst seit den 1980er Jahren (Bericht, S.9).
Demnach war Haverbeck seit 1967 für die Vorgängerin der FH, die staatliche Ingenieurschule Bielefeld, und von 1972 bis 1975 für die FH tätig, Systematisch blendet Wagner die rechtsextreme Betätigung Haverbecks zwischen 1945 und 1980 aus. Fälschlich suggeriert er, der „Weltbund zum Schutz des Lebens“ (WSL), dessen Präsident Haverbeck von 1974 bis 1982 war, und das von ihm betriebene „Collegium Humanum“ hätten sich erst im Verlauf der 1980er Jahre rechtsextrem betätigt.
Dabei wurde der WSL 1959 von dem ehemaligen NSDAP- und SA-Mann Günther Schwab gegründet, dessen rechtsextreme Ansichten der WSL publizierte. Nach Ansicht Schwabs führt die moderne Zivilisation mit ihren Giften zur Degeneration der weißen Rasse, weshalb die Amerikaner nicht in der Lage seien „das kleine tapfere und gesunde Volk der Vietnamesen zu besiegen“. Schwab verlangte eine eugenische Selektion von Menschen und wollte „Farbige“ zur Geburtenbeschränkung zwingen. Der WSL war schon in den 1970er Jahren die bedeutendste Organisation rechtsextremer Ökologen, das Collegium Humanum mit dem WSL immer eng verbunden. Im Verfassungsschutzbericht von NRW aus dem Jahr 2003 heißt es: Das Collegium Humanum unterhalte eine Bildungsstätte, „die seit Jahrzehnten auch von Rechtsextremisten unterschiedlicher ideologischer Ausrichtung genutzt wird“ (ebd., S.61).
Während das Ministerium behauptet, niemand habe von der NS-Vergangenheit und rechtsextremen Betätigung Haverbecks gewusst, könnte Wagners skurrile Expertise dazu dienen, eine Rückzugslinie aufzubauen oder das Disziplinarverfahren gegen Gess zu fundieren, mit der Lüge, Haverbeck sei zwischen 1945 und 1980 gar kein Nazi gewesen.
Diese Manöver hat der emiritierte Professor Peter Pott durchkreuzt. Er hat inzwischen die Rektorin aufgefordert, das Verfahren gegen Gess einzustellen. Pott war damals Dekan an der Fachhochschule. Ihm sei die rechtsextreme Gesinnung von Haverbeck nicht unbekannt gewesen, er habe sein Wissen aber nicht an die große Glocke hängen wollen, um den Ruf der Fachhochschule nicht zu gefährden. Pott schreibt, ihm sei die Nähe Haverbecks zu Ernst Jüngers menschenverachtendem „Heroischen Realismus“ aufgefallen und er habe daraufhin über dessen braune Vergangenheit recherchiert. Pott hat auch das Werk „Das Ziel der Technik“ (1965) von Haverbeck auf seinen faschistischen Gehalt hin analysiert, das Wagner als Ausweis für dessen Abkehr vom Nationalsozialismus missinterpretiert.
Interessant ist der Hinweis Potts, er habe seinerzeit Einsicht in Haverbecks Bewerbungsunterlagen nehmen wollen, diese aber „nicht bekommen“. Auch das ist ein Hinweis darauf, dass etwas vertuscht werden sollte. Wagner schreibt in seinem Gutachten, eine Dissertation Haverbecks wäre nicht aufzufinden (Bericht, S.2). Haverbeck promovierte nach Angaben von Gess 1937 bei Hermann Wirth, im SS-Ahnenerbe.
Dass alte Nazis ihre Karrieren an deutschen Universitäten nach 1945 fortsetzen konnten, war der Normalfall. Außergewöhnlich ist, dass im Fall Haverbeck eine solche Karriere nach Jahrzehnte später von Ministerium und Hochschulleitung vertuscht und Kritiker mundtot gemacht werden sollen.
Wir bleiben deshalb bei unseren Forderungen, ein Disziplinarverfahren sofort einzustellen und die Archive und Akten zum Fall Haverbeck, der inzwischen ein Fall Fachhochschule Bielefeld ist, öffentlich zugänglich zu machten. Wir bitten Euch, in diesem Sinn weiter zu protestieren und auch diese E-Mail weiter zu verbreiten. Sinnvoll wäre, sich direkt an den Landtag von NRW zu wenden, direkt Abgeordnete und Journalisten anzusprechen. Die Journalisten unter Euch bitten wir nochmals, den Fall publik zu machen,
Hier die Adresse des Ministeriums: Ministerium für Innovation, Wissenschaft und Technologie des Landes Nordrhein-Westfalen, Völklinger Straße 49, 40221 Düsseldorf
Für Rückfragen stehen wir zur Verfügung.
gez. Peter Bierl und Clemens Heni
Der Sachverhalt in Kürze:
Vorgeworfen wird Gess, seine Pflichten als Beamter verletzt zu haben. Er habe dem Ansehen der Behörde geschadet und insbesondere gegen die Verschwiegenheitspflicht verstoßen. Es geht um einen Artikel, den wir beide verfasst haben, und den Heinz Gess auf der von ihm betrieben Homepage kritiknetz.de unter dem Titel „Grün-braune Liebe zur Natur: Die NSDAP als „grüne Partei“ und die Lücken der Naturschutzforschung“ veröffentlicht hat. Das Disziplinarverfahren bezieht sich auf eine Nachbemerkung von Gess.
Er verweist darin auf die Tatsache, dass Werner Haverbeck (1909-1999) ab 1972 mehrere Jahre lang an der FH Bielefeld als Professor für Sozialwissenschaft wirken konnte. Haverbeck war Mitglied der NSDAP-Reichsleitung, des NS-Studentenbundes und der SA sowie Leiter des NS-Reichsbundes für Volkstum und Heimat. In der Bundesrepublik war Haverbeck von 1974 bis 1982 Präsident des rechtslastigen Umweltverbandes „Weltbund zum Schutz des Lebens“ und Mitunterzeichner des so genannten Heidelberger Manifestes von 1981, in dem die Forderung „Ausländer raus“ pseudoökologisch verbrämt erhoben wurde. Haverbeck war Mitbegründer des so genannten Collegium Humanum in Vlotho in Ostwestfalen, einer rechtsextremen Tagungsstätte, wo sich unter anderem 1984 das „Komitee zur Vorbereitung der Feierlichkeiten zum 100. Geburtstag des Führers“ (KAH) traf.
Wir halten es für einen Skandal, dass jemand deswegen mit einem Disziplinarverfahren überzogen werden soll. Damit soll ein Wissenschaftler mundtot gemacht werden, der einen solchen Vorgang öffentlich benennt. Verschwiegenheitspflicht kann nicht heißen, die Anstellung eines alten Nazis als FH-Dozenten zu vertuschen und das nach über 30 Jahren. Pikant ist, dass einen Monat zuvor, Anfang Mai 2008, Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) das von Haverbeck gegründete Collegium Humanum wegen rechtsextremer Umtriebe verboten hat.
Peter Bierl
Journalist
peterbierl@gmx.de
Clemens Heni
Post-Doc Associate, Yale Initiative for the Interdisciplinary Study of Antisemitism, Yale University, New Haven, Conneticut, USA
clemens_heni@web.de
Sonntag, August 17, 2008
Bielefelder Mobbingkultur, Teil 2 (Interview mit Heinz Gess)
In der ZEIT-Ausgabe vom 14. August hatte Evelyn Finger einen Kurzkommentar (Nur Print-Version verfügbar) zu den Vorkommnissen um den Bielefelder Soziologieprofessor Heinz Gess geschrieben und dabei deutlich zum Ausdruck gebracht, was sie vom Maulkorberlass hält, der ihm in Form eines Disziplinarverfahrens auferlegt wurde. Castollux berichtete in diesem Beitrag über den unerhörten Vorgang, in dem einem Wissenschaftler seitens der Rektorin untersagt wird, Forschungsergebnisse über die Tätigkeit des nazistischen Wissenschaftlers und hochrangigen ehemaligen NSDAP-Funktionärs Werner Haverbeck, der ab 1972 an der FH Bielefeld "lehren" durfte, öffentlich zu thematisieren.
Herr Prof. Dr. Gess, wie beurteilen Sie das gegen Sie eingeleitete Disziplinarverfahren?
Castollux: Wie erklären sie sich das erstaunliche Verhalten der Hochschulleitung? Wie konnte es dazu nur kommen?
Heinz Gess: Dafür gibt es meines Erachtens von der Sache her mehrere Gründe:
Das Gesetz beschränkt unter dem irreführenden Namen „Hochschulfreiheit“ die Freiheit der Hochschullehrer drastisch. Es ist insofern ein antidemokratisches Gesetz. Das Rektorat wird nun nicht mehr von den Mitgliedern der Hochschule gewählt, sondern vom Hochschulrat bestimmt. Auch der Hochschulrat ist kein gewähltes Organ, sondern von der nicht gewählten Hochschulleitung bestellt. Die Hochschullehrer sind keine Landesbeamten mehr, sondern nur noch Hochschulbeamte und damit unmittelbar und ausschließlich der demokratisch nicht legitimierten Hochschulleitung unterstellt sind. Solch ein Machtzuwachs muss jenen, die es immer schon mit der Macht hielten und denen Argumente und Kritik immer nur ein lästiges Beiwerk waren, wie ein Geschenk des Himmels erscheinen. So ist es kein Wunder, dass ich z.B. nur eine Woche nach meiner Zwangsübernahme zum Hochschulbeamten, gegen die ich rechtliche Schritte einleitete, aus nichtigem Anlass mein erstes Disziplinarverfahren erhielt, das freilich von der Disziplinarkammer nicht angenommen wurde.
Im Zentrum der neuen Hochschule steht ihre Selbstvermarktung oder "Außendarstellung". Ob wahr oder falsch wird dabei zweitrangig. Wichtig ist, bei der Herrschaft gut anzukommen. Herrschaft heiß in diesem Fall: bei den Industrieführern, der Kulturindustrie, den Chefs der Verwaltungen. Unter diesen Bedingungen wird der Konformismus Trumpf. Und nun kommt da ein Hochschullehrer aus der eigenen Hochschule und macht ohne Not der Öffentlichkeit bekannt, dass an der Bielefelder Fachhochschule in den siebziger Jahren ein Nazi und bekannter Rechtsextremer gelehrt und in einem bewusst unauffällig gehaltenen Einstellungsverfahren (also keinem normalen Berufungsverfahren) angestellt worden sei und anschließend seine verdorbenen Früchte unter die Leute gebracht habe. Das muss doch die lediglich an der Außendarstellung interessierte Hochschulleitung empören, nicht wahr? Nicht der negative Sachverhalt selbst stört die FH Leitung, sondern dass er an die Öffentlichkeit gerät und kritisiert wird. Der Bote wird für die schlechte Botschaft bestraft, weil sie der Reklame schadet. Aber das ist hierzulande ja nichts Neues mehr.
Drittens: Die in Deutschland übliche Form der Erinnerungs- und Schuldabwehr
Die öffentlichen Schuldeingeständnisse deutschet Amtsinhaber etwa zum 8. Mai, dem Tag der Befreiung von der Herrschaft der Nazis, die viele Deutsche immer noch für die größte Niederlage des deutschen Volkes halten, sind Makulatur. Sie sind durchweg zu Inszenierungen der Außendarstellung, des Selbstmarketings Deutschlands geworden. Viele wissenschaftliche Untersuchungen der letzten Jahre belegen, dass die Enkel und Enkelinnen aktiver Nazis ihre Großväter allesamt für unschuldig halten, selbst dann, wenn sie in der SS oder in der Gestapo waren, halten daran fest, dass die Großväter Opfer des Systems oder sogar heimliche Widerstandskämpfer waren. In der Fachhochschule wurde mit derselben Geistlosigkeit stets davon ausgegangen, dass alle Fachhochschullehrer im fraglichen Alter nichts mit dem Nationalsozialismus zu tun hatten, und gerade dieser kollektive Mythos wird durch den Verweis auf Haverbeck, der zeitlebens ein Nazi geblieben ist und als moderner Nazi an der Fachhochschule praktizierte, Lügen gestraft. Das ist für die Mythengläubigen sehr ärgerlich und weckt ihre Aggression.
"Im Rahmen des unauffälligen Einstellungsverfahrens hat Herr Professor Haverbeck die üblichen Erklärungen unterschrieben, mit denen er u. a. bestätigt, dass er keiner Organisation angehört und keine Organisation fördert, deren Tätigkeit sich gegen die verfassungsmäßige Ordnung richtet oder die darauf ausgeht, die freiheitlich demokratische Grundordnung zu beeinträchtigen oder zu gefährden.
Auch aus den Unterlagen und seinem Lebenslauf ergaben sich keine Hinweise auf einen Sachverhalt, der einer Einstellung widerspricht.
Unter Hinweis auf § 2 Abs. 3 und § 9 Informationsfreiheitsgesetz NRW bitte ich um Verständnis, dass ich keine weiteren personenbezogenen Daten offenbaren kann und verbleibe mit freundlichen Grüßen ...."
Castollux: Das Rektorat unterstellt in seiner Einleitung des Disziplinarverfahrens nach den vorliegenden Informationen, es ginge Ihnen lediglich um die Diskreditierung von Personen in der Hochschulleitung.
Heinz Gess: Das ist falsch, weit hergeholt und eine Umkehrung des wirklichen Sachverhalts. In Wahrheit geht es dem Rektorat um mich, meine Arbeit an der kritischen Theorie und insbesondere das Kritiknetz - darum, zu diskreditieren, zu ruinieren und aus der Hochschule zu entfernen. Die Kritische Theorie wird von der Rektorin zur unwissenschaftlichen Privatsache erklärt und am liebsten von der FH verbannt, indem man ihrem Verfechter mit immer neuen Sanktionen droht. Der Täter inszeniert sich in diesem Fall gewissermaßen als Opfer, um sich das Recht zu geben, zuschlagen zu können, und das nicht das erste Mal.
Was meinen Vorspann zum Artikel von Bierl und Heni über Haverbeck angeht, so habe ich darin ausdrücklich festgestellt, dass es mir um die Kontinuität einer Praxis der Hochschulleitung als Institution geht und hervorgehoben, dass das nicht ad personam gemeint ist. Deshalb ist dieser Vorwurf völlig unverständlich. Die Kontinuität, um die es mir geht, liegt darin, dass jedenfalls im Fachbereich Sozialwesen dem konformistischen Jargon der Eigentlichkeit oder dem esoterisch- ökosystemischen Jargon, der sich konstruktiv kritisch gibt - eben so wie es Haverbeck in den siebziger Jahren tat - stets der Vorzug gegeben wird vor der kritischen Theorie der Gesellschaft. Während jene, die sich konformistischer Jargons bedienen, beinahe machen können was sie wollen, wird die kritische Theorie in jeder ihrer Variationen bekämpft - mit der erkennbaren Intention, sie aus der Hochschule zu entfernen. Darauf zielt vermutlich das neue Disziplinarverfahren gegen mich hin.
Ich hoffe, dass die Hochschulmitglieder sich diese autoritäre, konformistische Praxis nicht länger gefallen lassen, gehe aber davon aus, das sie sich lieber heraushalten, um sich nicht den Mund zu verbrennen.
Castollux: Sie sagten zuvor, es existieren von der Sache her mehrere Gründe. Soll das heißen, dass es daneben auch noch persönliche Gründe gibt?
Heinz Gess: Das kann ich nicht sicher wissen. Denn falls es sie bei der Rektorin gibt werden sie vollständig verleugnet. Ich vermute aber, dass Sie völlig Recht haben und mit Ihrer Frage ins Schwarze treffen. Denn die Begründungen für die Sanktionen - auch schon die früheren - waren und sind von der Art her weit hergeholt und fadenscheinig, sodass diese Vermutung sehr, sehr nahe liegt. Ich habe in der Vergangenheit in einem sehr persönlich gehaltenen Schreiben an das Rektorat die Vermutung auch schon geäußert und darum gebeten, eine Gesprächsform zu wählen, die es uns ermöglichte, über Kränkungen und Verletzungen miteinander zu sprechen, damit sie verheilen können. Aber der Gedanke wurde ziemlich brüsk abgewiesen.
Castollux: Herr Professor Gess, Dank für die offenen Worte und alles Gute für die Zukunft.
Mittwoch, August 13, 2008
Bielefelder Mobbingkultur
Heinz Gess, Professor für Soziologie an der FH Bielefeld, nimmt seine Profession sehr ernst. Das schließt mitunter nicht aus, dass seine Forschung unschöne Fakten aufgreift, nicht zuletzt auch, was die Personalhistorie der eigenen Lehranstalt betrifft. Dass Heinz Gess schon seit Jahren gemobbt wird, weil er die konsequente und wahrhaftige Umsetzung seines Lehr- und Forschungsauftrages lebt, ist mir bekannt.Schlimm genug, dass ein Dozent, der Differenzierung im Umgang mit Israelkritik anmahnt und auf die Verlogenheit des sich als Antizionismus gerierenden Antisemitismus aus der linken Ecke und seine Schnittmengen zur rechten und islamistischen Gesinnung verweist, permanent Anfeindungen durch Kollegen und Studenten ausgesetzt ist.
Seine vorerst letzte Zuspitzung erfuhr der Konflikt zwischen Heinz Gess und seinen Gegnern, letztere in höchster Instanz verkörpert durch Rektorin Professor Dr. Beate Rennen-Allhoff, als er am 7. April 2008 auf seiner Internetplattform Kritiknetz einen Artikel von Clemens Heni und Peter Bierl veröffentlichte, der veranschaulichte, dass in der Öko-Pax-Bewegung antisemitisch grundierte, völkische und konservativ-revolutionäre Ideologien verwurzelt sind. In einem weiteren erklärenden Beitrag1) hatte Gess darauf hingewiesen, dass Werner Haverbeck (1909-1999), ehemaliger Professor für Sozialwissenschaften und ausgestattet mit höchsten NS-Funktionen, an der FH Bielefeld Karriere machen konnte, nach dem Krieg dieser Lebensabschnitt unberücksichtigt blieb bzw. Haverbeck an der FH Bielefeld ungehindert und ungefragt weiterarbeiten konnte (Zu seiner weiteren “Karriere“ weiter unten im Aufruf).
Diese Information löste bei der oben erwähnten Rektorin eine unangemessen aggressive Reaktion aus. Sie überzog Professor Gess mit einem Disziplinarverfahren, weil er (angeblich) seine Verschwiegenheitspflicht (!) als Beamter verletzt habe. Dabei konnte "Werner Haverbeck an der FH Bielefeld trotz Nazi-Karriere und neofaschistischer Aktivitäten ungestört seinen ideologischen und politischen Geschäften nachgehen und seine verdorbenen Früchte als ’Professor für Sozialwissenschaft’ unter die Studierenden bringen.“
Aufklärung dieses Sachverhalts bzw. dessen wissenschaftliche Auswertung an der FH Bielefeld durch einen sorgfältig und akribisch arbeitenden Professor, der das “Pech“ hatte, an derselben Einrichtung lehren zu „dürfen" wie der kulturrassistische Nazi Werner Haverbeck, ist nicht erwünscht. Ja, richtig gelesen - sie ist nicht erwünscht. Deshalb soll Heinz Gess ein Maulkorb umgehängt werden.
Dass diese Situation so nicht hingenommen werden kann versteht sich von selbst, denn der Wissenschaftsbetrieb - insbesondere auch in einer Disziplin wie der Soziologie - darf nicht dem Dünkel und der Gönnerhaftigkeit von Institutionen oder Personen ausgesetzt werden, die für sich in Anspruch nehmen, Geschichte verdunkeln zu müssen.
Die Autoren
Wir wenden uns an Euch mit der Bitte um Hilfe und Solidarität wegen eines Disziplinarverfahrens, das die Rektorin der Fachhochschule Bielefeld, Professor Dr. Beate Rennen-Allhoff, Anfang Juni gegen Professor Heinz Gess eingeleitet hat. Vorgeworfen wird Gess, seine Pflichten als Beamter verletzt zu haben. Er habe dem Ansehen der Behörde geschadet und insbesondere gegen die Verschwiegenheitspflicht verstoßen.
Das Disziplinarverfahren bezieht sich auf eine Nachbemerkung von Gess. Er verweist darin auf die Tatsache, dass Werner Haverbeck (1909-1999, Abb. rechts mit strammem Hitlergruß) ab 1972 mehrere Jahre lang an der FH Bielefeld als Professor für Sozialwissenschaft wirken konnte. Haverbeck war Mitglied der NSDAP-Reichsleitung, des NS-Studentenbundes und der SA sowie Leiter des NS-Reichsbundes für Volkstum und Heimat. In der Bundesrepublik war Haverbeck von 1974 bis 1982 Präsident des rechtslastigen Umweltverbandes "Weltbund zum Schutz des Lebens" und Mitunterzeichner des so genannten Heidelberger Manifestes von 1981, in dem die Forderung "Ausländer raus" pseudoökologisch verbrämt erhoben wurde. Haverbeck war Mitbegründer des so genannten Collegium Humanum in Vlotho in Niedersachsen, einer rechtsextremen Tagungsstätte, wo sich unter anderem 1984 das "Komitee zur Vorbereitung der Feierlichkeiten zum 100. Geburtstag des Führers" (KAH) traf. Die Einleitung des Disziplinarverfahrens begründet Rektorin Rennen-Allhoff mit folgender Passage des Textes von Gess:
Mit freundlichen Grüßen
clemens_heni@web.de
peterbierl@gmx.de
1) Hochschulpraxis in der Kritik
Wie Aufklärung über den esoterischen Öko-Nazi Werner Haverbeck durch die Hochschulleitung der FH Bielefeld behindert wird
http://www.kritiknetz.de/?position=artikel&aid=435
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