Sonntag, Oktober 07, 2007

Wiedergekäute heidnische Mythen

Tarik Armagan gehört zu jenen Autoren und Ex-Muslimen, die auf der Webseite Islam Watch kritische Artikel über den Islam schreiben. Gestern hat er in einem lesenswerten Aufsatz herausgearbeitet, wo für ihn die theologischen Eckpunkte in der Auseinandersetzung mit dem Islam zu sehen sind und wie wichtig es ist, aus der Sicht eines Ex-Muslim an Themenstellungen und Motivationen heranzugehen, wie sie so nur Apostaten (Glaubensabtrünnige) zu leisten vermögen.

Wir, die es gewohnt sind, die Thematik von außen zu sehen, können dank Tarik Armagan auch einen Blick in die Seele eines Apostaten werfen.

Castollux hat den Aufsatz Tarik Armagans übersetzt.


Muslime: Die ersten Opfer Allahs
Tarik Armagan

5. Oktober 2007


Lassen Sie mich damit beginnen, dass ich wie viele Autoren, deren Zeugnisse diese Sammlung füllen, ehemaliger Muslim bin, ein Abtrünniger und liberaler weltlicher Humanist. Im Westen geboren, als Sohn einer gemäßigt sunnitischen Familie türkischer und persischer Abstammung, identifizierte ich mich vollständig mit den Ansichten, die in den diversen Aussagen über kafiri (Unglauben) manifestiert worden sind.

Man gebraucht ziemlich selten den Begriff Ex-Muslime, weil Apostasie für die meisten Muslime jenseits ihrer Möglichkeiten liegt - es einerseits gegen alles verstößt, was einem gelehrt wurde und zum anderen die Todesstrafe nach sich zieht. Ich war einmal Sklave dieser Anschauung, obwohl ich nie Fundamentalist war oder irgendeine Hassrhetorik vertreten habe wie jemand, der mit extremistischen Muslimen Umgang hat.

Ich kehrte dem Islam nach dem Studium des Heiligen Koran den Rücken - einem Buch, das sich als nichts anderes als eine Sammlung umgearbeiteter biblischer Geschichten entpuppte (mit wiedergekäuten heidnischen Mythen), gepfeffert mit stets präsenten Drohungen von Allahs Zorn. Meine ersten Zweifel am Islam kamen, als ich mich in einen Mann verliebte (der Jude war, ja wirklich!) und auf der Suche nach einem Ausweg, der mir erlauben sollte, meine Homosexualität mit menschlicher Würde zu leben. Wie viele religiöse Menschen, die auch nicht dumm sind, versuchte ich, dies mit der offensichtlichen Irrationalität meines Ahnenglaubens zu vereinbaren, aber Logik und Mitgefühl obsiegten.

Leaving Islam ist wahrscheinlich die leserfreundlichste von allen antiislamischen Unternehmungen Ibn Warraqs*. Sie bietet nicht nur eine historische Beschreibung der ketzerischen Lehren und Verfolgung der bekanntesten Islam-Apostaten, sondern auch einen umfassenden und globalen Überblick darüber, warum eine stetig wachsende Anzahl von Muslimen dem Glauben abschwört, entweder zugunsten anderer Religionen (oft dem Christentum) oder - was häufiger vorkommt - atheistisch wird. Die Berichte kommen aus allen Ecken der Welt - dem Iran, der Türkei, Bangladesch, Marokko, Tunesien, Malaysia, Indien und sogar den USA. Ein unverhältnismäßig großer Prozentsatz der Berichte kommt aus Pakistan. Man fragt sich, warum das so ist. Neigen Pakistanis mehr zu Zweifeln als andere Muslime?

Ungeachtet verschiedener nationaler Abstammungen der Autoren gibt es einen gemeinsamen Faden, der sich durch alle Geschichten zieht und sie verbindet: tradierter (selbst fundamentalistischer) Glaube verwandelt sich nach genauerem Studium der islamischen Texte und Glaubenssätze in tiefe Enttäuschung. Sie mögen sich fragen: Wenn das alles ist, was Muslime dazu veranlasst, dem Islam den Rücken zu kehren, warum haben dann nicht mehr diesen Schritt gewagt? Es gibt dafür viele komplexe Begründungen und jeder Autor erklärt auf seine Weise, warum für ihn die Apostasie (Glaubensabfall) die einzige Wahl war.

Obwohl ich nicht erwarte, dass viele geneigt sind, es zu lesen, würde ich jedem praktizierenden Muslim dieses Buch empfehlen. Viele der traditionellen islamischen Argumente bezüglich Glaubwürdigkeit (des Islam) wurden in dieser sehr persönlichen und zutiefst logischen Zusammenstellung zerlegt. Obwohl ich enttäuscht war, keinen persönlichen Bericht über Ibn Warraqs eigene Apostasie zu finden, faszinierten mich doch auch die anderen enthüllenden und oft herzzerreißenden Schilderungen.

Alle Berichte sind lesenswert; aber herausragend waren für mich jene von Ali Sina, Abul Kasem, Parvin Darabi, Azam Kamguian, Taner Edis, Nadia, Denis Giron, Faiza und Ben Hoja.

Sinas Bericht ist insofern besonders bemerkenswert, weil er die verschiedenen Phasen skizziert, durch die jemand geht, der sich für die Apostasie entschieden hat (Glaube, Ablehnung, Verwirrung, Schuld, Zorn, Trauer und schließlich Aufklärung). Ich denke, dass ich mich noch im Zustand der Betrübnis befinde, der ständig die verlorenen Menschenleben und das vergeudete Potential betrauert.

Fünf der im Buch beschrieben Zeugnisse stammen von Konvertiten, die mit dem Islam nur aufgezogen wurden, um ihn zu verlassen. Girons Geschichte ist außergewöhnlich geistreich und komisch. Das Kapitel über Hoja mit dem Titel "Schwarze Komödie", ließ mich glucksend und laut auflachen (die Anmerkungen sind zum Schreien komisch), nur um mir einen Tiefschlag zu verpassen und mich am Ende in Tränen aufgelöst zurückzulassen. Seine Geschichte allein ist den Verkaufspreis wert.

Wie alle Bücher Warraqs wird auch dieses Wut und Empörung hervorrufen, weil es den wachsenden Skeptizismus und Selbsthass unter Muslimen zeigt, die zufällig nicht Ibn Warraq, Salman Rushdie oder Irshad Manji heißen. In seiner Einführung bezeichnet Warraq die verschiedenen Berichte als "Kassandra-Rufe", die den Eindruck erwecken könnten, dass diese Abtrünnigen sich als hilflose Opfer sehen; sie sind alles andere als dies. Jeder Autor bringt mächtige und brennende Anklagen gegen den Islam, Mohammed, den Koran und Allah vor, die nicht ignoriert oder abgetan werden dürfen.

Es ist keine Kleinigkeit, zu behaupten, dass Muhammad ein Vergewaltiger, Kriegshetzer, Massenmörder und Pädophiler war. Wenn Sie diese Vorwürfe aufzählen kommen Ihnen augenblicklich Bilder von Hitler, Idi Amin oder Dschingis Khan in den Sinn und nicht die ehrwürdigen arabischen Sagen, die die Herzen von Milliarden besetzen. Wie kann es sein, dass der Gründer einer der "großen“ Religionen von solch einer Brutalität erfüllt war?

Doch jede ausgewogene und ehrliche Lektüre der islamischen Tradition kann nur zu diesem Ergebnis führen. Entweder akzeptieren wir, dass die Geschichte bezüglich Muhammad lügt oder dass wir uns selbst belügen, was ihn betrifft. Werden wir als Menschen nach der selektiven Erlösungsreligion trachten oder wollen wir die Wahrheit suchen? Wie Sina am Ende seiner Geschichte verkündet: "Die Wahrheit ist ein unwegsames Land".

Was mich immer wieder perplex macht ist die Standardantwort von Muslimen auf Kritik an ihrem Glauben: Statt rationale Techniken der Debatte, Argumente und folgerichtigen Verteidigung zu verwenden, antworten sie mit Gewalt und Morddrohungen, um Andersdenkende zum Schweigen zu bringen. Dies charakterisiert Handlungen von Menschen, die entweder keine gute Ausbildung haben, um ihre Lehrsätze verteidigen zu können, oder von jenen, die wissen, dass der einzige Weg, diese doktrinären "Wahrheiten“ aufrechtzuerhalten, der ist, dass niemandem erlaubt wird, diese anzuzweifeln. Beliebiger Faschismus?

Aber es wäre falsch, den Muslimen selbst die Schuld dafür zuzuweisen; eher sind dafür die "leeren Versprechungen“ dieser Gottheit verantwortlich zu machen. Die, die den Koran gelesen haben, werden zugeben, dass Allah alle seine Forderungen zum "einen wahren Glauben“ in gleicher Weise geltend macht: Nicht, indem er an Vernunft oder Logik appelliert, sondern wenn er mit Gewalt und Drohung herrscht. "Glaub' dies, benimm dich dementsprechend, oder du verbrennst im ewigen Höllenfeuer".

Dies ist das Thema des Koran. Es zeugt von extremer Ironie, dass all diesen Drohungen immer wieder der Standardsatz "im Namen Allahs, des Erbarmers, des Barmherzigen" vorangestellt ist. In der Tat. Wie also können wir erwarten, dass Muslime anders planen und leben als mit Gewalt und Irrationalität, wenn Allah selbst ihnen die Lebenswahrheiten in gleicher Weise diktiert? Wenn überhaupt, dann ahmen sie höchstens Allahs Vorbild nach - etwas, das jeder tun würde. Muslime sind die ersten Opfer Allahs.

Ich muss auch sagen, dass dieses verhältnismäßig unbekannte und kleine Feld der Islamkritik Freidenkern wie Ibn Warraq, Salman Rushdie, Ali Sina und Irshad Mannji großen Dank schuldet. Es ist unsere Pflicht als Freidenker, Reformer, und ja - gerade als Ex-Muslime - eine bedeutende Rolle einzunehmen, wenn der Islam sich der schrumpfenden modernen Welt bemächtigen will. Wir sind uns im Grunde darin einig, dass wir direkt die Extreme benennen, mit denen der Islam betrieben werden kann und er seine Anhänger antreibt. Dennoch haben wir, die Apostaten, Widerstand geleistet, und in dieser "Rückgewinnung unseres Seins" haben wir bewiesen, dass die Vernunft in der Lage ist, genauso stark zu sein wie eine Offenbarung.

Der Islam ist ein Beduinenmärchen - eine arabische Stammesmythologie; geschaffen, um den islamischen Imperialismus des 8. und 9. Jahrhunderts für rechtsgültig zu erklären. Irgendwann jedoch entwachsen wir diesen moralischen "Tu-dies-oder-jenes"-Märchen und lernen - hoffentlich - in Würde statt aus Angst zu leben. 1.400 Jahre Selbstvernichtung und Selbsttäuschung sind genug. Die Kassandras haben endlich Mut bekommen.

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*Die Beschreibung auf Wikipedia muss sich nicht immer zwangsläufig mit der Interpretation des Autors dieses Artikels decken, weil bei Wikipedia manchmal Eingriffe vorgenommen werden, die der unabhängigen redaktionellen Überprüfung bedürfen.

Hat tip: H. Eiteneier, Lizas Welt; Abbildung: Amazon

Freitag, Oktober 05, 2007

Islamische Apologetik

Wenn vom Begriff Apologetik ("Verteidigung, Rechtfertigung") die Rede ist, denken viele interessierte Laien und Theologen wohl zuerst an den theologischen Kampf, den die frühchristliche Kirche in den ersten Jahrhunderten gegen Gnostiker wie Marcion (85-160 n. Chr.) führte. Gegen ihn richteten sich die meisten apologetischen Schriften.

Wer aber könnte mit dem Begriff Islamische Apologetik etwas anfangen - noch dazu, wenn er nur oberflächliche Kenntnisse über den Islam, geschweige den Koran besitzt?

Und wer würde im zweiten Schritt die Feststellung treffen können, dass die christliche Historisch-Kritische Methode (Exegese) das Einfallstor für islamische Apologetik sein könnte? Doch mehr dazu weiter unten....

Die Frage der Apologetik stellt sich unausweichlich immer dann, wenn gemeinsam erfahrene und gelebte (in diesem Fall christliche) Glaubenssätze durch Entstellungen und nachträgliche Verfälschungen, die oft genug aus den eigenen Reihen kommen, in ihrer Substanz gefährdet sind. Dies galt in besonderem Maße für die junge Kirche, die neben der Verfolgung durch Rom auch mit Angriffen von ihren Rändern her (Gnostiker u.a.) konfrontiert war.

Deshalb mussten verbindliche Glaubenssätze formuliert und ein Kodex der Heiligen Schrift erstellt werden. Auf den Konzilien (auch: Synoden) wurden deshalb allgemein verbindliche Bekenntnisse formuliert.

Doch wie kam es zu einer Islamischen Apologetik?

Fest steht zumindest, dass zu Beginn der Begegnung Mohammeds mit Christen und Juden die biblischen Schriften von ihm nicht in Frage gestellt, sondern in manchen Fällen sogar hervorgehoben wurden, so in Sure 3,3-4:

"Er hat auch die Torah und das Evangelium herabgesandt, früher, als Rechtleitung für die Menschen" oder noch überbietend in Sure 5,46: "Und wir ließen nach ihnen her Jesus, den Sohn der Maria folgen, dass er bestätige, was vor ihm da war, nämlich die Torah. Und wir gaben ihm das Evangelium, das Rechtleitung und Licht enthält und das bestätigt, was vor ihm da war, nämlich die Torah, und als Rechtleitung und Ermahnung für die Gottesfürchtigen".

Diese frühen (noch nicht abrogierten) Koranzitate müssen jedoch in erster Linie im Lichte der Selbsteinschätzung Mohammeds gesehen werden. Er verstand die Beziehung zu Juden und Christen als die zwischen altem und neuem Prophetentum, wobei das neue und endgültige Prophetentum (also seines) die Anerkennung durch Juden und Christen einfordern kann bzw. diese Anerkennung vorausgesetzt wird. Zu diesem Zeitpunkt ging Mohammed (fälschlicherweise) noch davon aus, dass seine Vorstellungen und seine fragmentarischen Kenntnisse über die Bibel miteinander vereinbar wären bzw. mit der Vorstellungswelt der Menschen in seiner Umgebung in Einklang zu bringen wären.

Da aber diese Kompatibilität von Juden und Christen abgelehnt wurde, schlug seine anfängliche Achtung gegenüber den Juden und Christen in Feindschaft um. Ab diesem Zeitraum (etwa 622. n. Chr.) kann man streng genommen von den Anfängen einer islamischen Apologetik sprechen - jedoch der Apologetik eines Missverständnisses, der Ahnungslosigkeit und Eitelkeit. Nun erklärt Mohammed den Islam kurzerhand zur Urreligion (Ur-Islam) und Juden sowie Christen zu Schriftverfälschern eben dieser. Er bricht mit der vorher positiven Haltung zu den biblischen Schriften und schlägt einen scharfen Ton an - auch die Gebetsrichtung wird nun von Jerusalem nach Mekka geändert:

"Weil sie (die Israeliten) aber ihren Bund brachen, haben wir sie verflucht und ihre Herzen verhärtet. Sie entstellten die Worte. Und sie vergaßen einen Teil von dem, womit sie ermahnt worden waren. [...] Und mit denjenigen, die sagen: 'Wir sind Christen', schlossen wir einen Bund. [...] (Sure 5,13-14) oder "Hierauf, nachdem sich das ereignet hatte, verhärteten sich eure Herzen, so daß sie wie Steine wurden, oder sogar noch härter ... (Sure 2,75).

Festzuhalten ist, dass Mohammed (als Analphabet) bzw. seine Adepten keine differenzierte Bibelforschung betrieben, sondern sich in allgemeiner Standardkritik ergingen: Ablehnung der Trinität, Leugnung des Kreuzestodes Jesu etc. Das gipfelte schließlich darin, dass man in der Folgezeit Juden und Christen vorwarf, sie hätten die Bibel systematisch und sukzessive so verfälscht, dass sie sämtliche Hinweise entfernt hätten, die auf Mohammed als letzten Gesandten Gottes hinweisen würden.

Ein klassisches Beispiel dafür, wie man mit einem kleinen Kunstgriff eine Behauptung aus dem 7. Jahrhundert als von Christen verfälschten Text aus dem Anfang des 2. Jahrhunderts (sic!) uminterpretiert, liefert Johannes 15, 26-27:

Wenn aber der Tröster kommen wird, den ich euch senden werde vom Vater, der Geist der Wahrheit, der vom Vater ausgeht, der wird Zeugnis geben von mir. Und auch ihr seid meine Zeugen, denn ihr seid von Anfang an bei mir gewesen.

Vom Heiligen Geist ist hier die Rede - von nichts sonst (Pfingstereignis)

Wer ist der Tröster im Koran?

Hören wir, was dort in Sure 61, 6 gesagt wird:

"Und da sagte Jesus, der Sohn der Maria: 'O ihr Kinder Israels, ich bin Allahs Gesandter bei euch, der Bestätiger dessen, was von der Thora vor mir gewesen ist, und Bringer der frohen Botschaft eines Gesandten, der nach mir kommen wird. Sein Name wird Ahmad sein.' Und als er zu ihnen mit den Beweisen kam, sagten sie: "Das ist ein offenkundiger Zauber."

Wer glaubt, das sei alles graue Theorie, kann sich u.a. auch bei der (allgemein als "liberal" verstandenen) Ahmadiyya-Gemeinde kundig machen. Ich habe mit den Vertretern dieser islamischen Sekte auch schon diskutiert. Ergebnis: Zero - bestenfalls Versteifung auf den vorherigen Positionen. Unfassbar, dass diese Gruppierung bei Friedenskundgebungen deutschlandweit immer wieder hofiert wird.

Mit dem Aufkommen der "modernen Bibelkritik" im 19. Jahrhundert und der protestantisch initiierten Historisch-Kritischen (Methode) Exegese erwuchs dem Islam (unfreiwillig) ein Bundesgenosse, den er sich in seinen kühnsten Träumen nicht erhofft hatte:

Wenn sich nun Theologen wie David Friedrich Strauß oder Julius Wellhausen (Abb. links) und heute Gerd Lüdemann daran machten - um nur drei Beispiele aus einer großen Anzahl herauszunehmen -, eine über viele Jahrhunderte fast einhellig anerkannte Authentizität des heilsgeschichtlich-theologischen Kerns der Bibel bzw. die neutestamentliche Christologie in Frage zu stellen oder vermeintliche historische Unwahrheiten und Widersprüche zu "beweisen", dann spielten sie den muslimischen Apologeten in die Karten.

Gerd Lüdemann sagt z.B. von sich selbst, dass er (als (Theologe!) in erster Linie an historischen Fakten interessiert sei. Wie aber theologischer Kern und "historische" Fakten ("leeres Grab") in gelebtem Glauben zusammenkommen und erfahrbar werden, das verschweigt er - eine Unsitte, der viele Theologen verfallen sind.

Was folgt daraus?

Sie sind nicht mehr in der Lage, eine vernünftige Predigt zu halten. Ein Bild des Jammers, das die moderne Gott-ist-tot-Theologie hier abliefert. Drewermann, Bultmann, Küng und modernes Chorgestühl lassen herzlich knarzen. Die Beziehung zum Jesus, dem Christos, wird von der transzendentalen und unmittelbar-emotionalen Ebene auf ein pädagogisch-psychotherapeutisches Erlebnisszenario abgeleitet. Post-christliches Couch-Potato sozusagen.

Da in den Werken vieler christlicher Theoretiker die Evangelien relativiert und in einen scheinbaren Widerspruch zueinander gebracht werden, brauchen sich die islamischen Gelehrten nur zu bedienen. Es gibt, so weit ich weiß, keine einzige originär islamische Historisch-Kritische Exegese biblischer Schriften - speziell der Evangelien. Warum auch? Die gibt es doch frei Haus von der (meiner) überwiegend protestantischen Fakultät.

Wie man die Historisch-Kritische Methode am wirksamsten aufgreifen und als Waffe gegen die Kirche einsetzen kann, zeigte neben anderen Muhammad M. Abû Zahra (1898-1974, Abb. rechts), der wie sein Vorgänger Muhammad Rashîd Ridâ (1865-1935) christliche Bibelkritik rezipierte, um die unterschiedlichen Entstehungsgeschichten und Variationen der Evangelien als "Beweis" für die Ungültigkeit der Bibel umzudeuten.


"Indizien" für eine Verfälschung der Schrift sah er in den Wirren der Christenverfolgungen, dem Einfluss der neuplatonischen Philosophie und dem - wie er meinte - synkretistischen Charakter des Christentums, da es angeblich hellenistische und polytheistische Traditionen mit dem Urchristentum zur Unkenntlichkeit der biblischen Botschaft vermischt habe. Eine entscheidende Rolle kommt nach Ansicht der islamischen Gelehrten schon etwa ab dem 10. Jahrhundert jedoch Paulus zu, der ihrer Ansicht nach "Verfälschungen" in die Bibel getragen habe.

"Der christliche Glaube ist eine Verfälschung der ursprünglichen Lehre"
höre ich immer wieder, wenn ich mit Muslimen rede. Sätze wie diese haben ihren Ursprung in der Adaption der Historisch-Kritischen Methode durch die islamischen Theologen und deren entstellende Weiterverbreitung.

Natürlich bestreite ich nicht, dass die christliche Forschung mit der modernen Bibelkritik viele nützliche Werkzeuge für das Verständnis der Schriften bereithält. Ich habe ja auch davon gelernt und profitiert. Und es wäre geradezu töricht, die Forschung auf diesem Gebiet mit einem Handstreich abzutun.

Dass sich aber in der Auseinandersetzung mit den christlichen Theologen heute die islamischen Gelehrten mehr denn je der Historisch-Kritischen Methode als apologetischer Waffe bedienen, ist leider Fakt und bestimmt die Gedankenwelt in der Umma. Das sollte eigentlich alle Christen nachdenklich stimmen.

Es ist für die Imame/Hodschas ein Leichtes - dank gnädiger Mithilfe vieler geschmeidiger christlicher Theologen - einen Gegensatz zwischen der Verkündigung Jesu bei den Synoptikern und der Christologie des Johannes/Paulus zu konstruieren, und dies wiederum erleichtert den "Dialog" zwischen den Vertretern des Islam und der Amtskirchen nicht, um es großzügig zu formulieren.

Eine theologische Diskussion mit islamischen Theologen/Juristen über Trinität, Christologie oder persönliche Gottesbeziehung (!) ist so lange kontraproduktiv, wie die islamische Seite immer auf ihrem sektererischen Standpunkt beharren wird. Und wir wissen: Sektierer dulden keinen Widerpruch- erst recht keine wissenschaftliche Auseinandersetzung.

Conclusio:

Glaubwürdig wird unsere (Welt-) Kirche erst dann wieder, wenn sie predigen, beten und (geistlich) kämpfen lernt und lehrt und das Schwafeln abstellt. Pädagogisierende Predigten und Psychoklempnerei gehören nicht auf die Kanzel.
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Castollux-Lesetipp:
Christine Schirrmacher: Warum Muslime die Bibel für verfälscht halten

Dienstag, Oktober 02, 2007

Putins ultimativer O Goshi


Was Wladimir Putin anpackt gelingt meist - bisher. Der sich zuweilen bieder gebende russische Präsident vereinigt in sich Eigenschaften, die man nicht jedem seiner Konkurrenten, geschweige denn seinen Vorgängern im Amt attestieren kann. In Sankt Petersburg als Sohn eines Waggonbauers und einer Sanitäterin geboren lernte er in den ärmlichen Hinterhöfen seiner Stadt schnell, seine Talente Gewinn bringend einzusetzen und in einem atemberaubenden Karrieretempo das Zentrum der Macht in Moskau zu besetzen. Der Mann, dessen sportliche Fähigkeiten (Judo-Schwarzgurt) und ungebremster Karrieredrang, gepaart mit einer anständigen Portion Raffinesse und Rücksichtslosigkeit, für seinen katapultartigen Start in die Nomenklatur der sowjetischen und späteren Jelzin-Ära sorgten, steht wieder einmal auf der Matte und versucht, einen O Goshi (großer Hüftschwung) anzubringen.

Doch wie alle politischen Karrieristen erreicht auch Putin einmal die Wegscheide, die ihm abrupten Absturz oder nahezu lebenslange Machtfülle bescheren kann, auch wenn er sich in letzter Zeit des Öfteren in Posen ablichten ließ, die ungebrochene Kraft symbolisieren sollen. Kraftmeierei dieser Provenienz nutzt jedoch wenig angesichts der Tatsache, dass er es diesmal mit einem Gegner zu tun hat, den er schon im Griff hatte - der Duma. Die russische Volkskammer soll dem Präsidenten, der laut Verfassung im nächsten Jahr seinen Stuhl räumen muss, den Weg für eine dritte Amtsperiode ebnen. Wenn schon nicht gleich, dann wenigstens ab 2012. Dies allerdings würde eine Zweidrittelm
ehrheit und eine Verfassungsänderung durch die von ihm in den Wahlkampf geführte Partei Einiges Russland voraussetzen.

Das von Putins Anhängern angestrebte Szenario: Seine Partei erringt ob dessen derzeit überaus großer Popularität mehr als 300 der 450 Parlamentssitze und hievt ihn ins Amt des Ministerpräsidenten. Parteifunktionäre wie Andrej Worobjow schwelgen in Vorfreude angesichts dieser Aussichten, die an die Wiederauferstehung der KPDSU erinnern, wenn sie damit prahlen, dass sämtliche Wünsche der Kreml-Führung nur noch durchgewinkt werden brauchen. Putin bräuchte demnach nur bis 2012 zu überwintern und die nötigen Verfassungsänderungen durch seine Zweidrittelmehrheit durchpeitschen lassen.

Ganz so einfach wie von den Parteistrategen von Einiges Russland anvisiert dürfte der Durchmarsch allerdings nicht unbedingt werden. Den einen oder anderen Ippon (Höchster Wertungspunkt im Judosport) dürfte ausgerechnet der Mann erzielen, den Putin zu seinem Nachfolger auserkoren hat - und das auch noch mit einem Eigentor, um in die Fußballersprache zu wechseln: Viktor Subkow (66), der zwar auch, wie Putin, den Geheimdiensten und dem Militär nahesteht, aber in der Bevölkerung nur etwa 4-5% Unterstützung genießt.

Zwei Szenarien, die sich an Subkow festmachen, könnten für Putins Zukunft bestimmend werden: Zum einen ist es russische Gepflogenheit seit Ende der Dikatatur, dass jeder Präsident, sobald er installiert war, alle Machtfülle absorbiert hat, die ihm das Gesetz einräumte und so den Premier in Schach
hielt.

Eine andere Gefahr könnte Putin aus der Schwäche Subkows erwachsen, wenn diese auf Putins Regierungsgeschäfte abfärbt und ihn mit in die Bedeutungslosigkeit ziehen sollte.

Doch geht es nach Garry
Kasparow, dem Spitzenkandidaten des Bündissses Das andere Russland, wird der Kampf diesmal auf dem Schachbrett und nicht auf der Judomatte ausgetragen und Gegner Putin sein Eröffnungsspiel nach allerhöchster Wahrscheinlichkeit mit Rochade und Matt beenden. Im März kommenden Jahres werde es noch zu keinen großen Veränderungen kommen, sagte er, der bereits mehrfach das Ende der Putin-Ära verkündet hatte. In einem Interview mit der Moskauer Zeitung Nowaja Gaset räumte er nun ein, dass die Mächtigen noch genug Ressourcen haben, ihre Position zu sichern.

Nur werden diese Potentaten dann unter Umständen weder Putin noch Subkow sein, wenn sich erstgenannter doch noch dazu durchringen könnte, unter den Vizepräsidenten Sergej Iwanow und Dmitri Medwedew seinen Nachfolger auszuloben, denn schließlich stammt von ihm selbst ja der Satz "Ich kann mir vorstellen, im Team mit einem anständigen Präsidenten selbst Ministerpräsident zu sein".

Ippon für Putin
hieße das dann - und der Punkt wäre sogar verdient, auch wenn ihm Iwanow und Medwedew den Weg zurück an die Macht für immer versperren sollten.

Montag, Oktober 01, 2007

Warum Castollux?

Da ich bei der Erstellung meines Blogs im Oktober 2006 nicht lange über einen möglichst originellen Namen nachdenken wollte (dabei kommt meistens sowieso nichts Gescheites heraus), entschied ich mich dafür, die Namen meiner beiden Katerbrüder zu einem zusammenzuführen:

Castor & Pollux = Castollux.



Bild: Im Hintergrund auf dem Bildschirm meines Monitors Polly und Boris, die Katzen meines Bruders Hans und seiner Frau in Holland. KLICK auf den Hyperlink - ein wunderschönes Bild!

Im Vordergrund Pollux, mein über alles geliebter Schreibtischtäter, im September 2006.


Er wurde 18 Jahre alt. Am 9. Juli 2007 trennten wir uns vorläufig in dieser Welt. Schon 2005 musste ich ihn beinahe "aufgeben", weil er eine ganz schlimme Verletzung am rechten Hinterlauf erlitten hatte [alles war kaputt], und ich stand vor der Wahl zwischen Amputation, Einschläferung oder "alles versuchen". Letzeres hat wunderbarerweise Erfolg gehabt, weil letztlich die gegenseitige Liebe zur Genesung reichte und selbst die Sehne am rechten Hinterkörper punktgenau zusammenwuchs, was eigentlich eine Sensation war.

Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie Pollux eines Tages zum Sprung ansetzte....

Vorher kraxelte er immer ein wenig am Bett und der Couch herum und machte unglaublich kämperische Klimmzüge;  - es wurde sukzessive besser. Diese Gefühle kann ich ich nicht beschreiben; auf jeden Fall sind damals jede Menge Freudentränen geflossen, als es "schwupp" machte und er wieder meine Tastatur in Beschlag nahm.

Ich hatte ihn während meines Urlaubs in andere Hände gegeben (Katzen-"Spezialisten" mit eigenen Katzen!). Würde ich nie mehr machen. Die Katze muss während der eigenen Abwesenheit im Urlaub immer zuhause versorgt werden!

Sein Bruder Castor wurde 13 Jahre alt...; er sah genauso aus, hatte auch weiße Pfoten und ein größeres weißes Lätzchen, war aber ein wenig voluminöser und auf eine bewundernswerte Art eitel. 

Das muss ich unbedingt loswerden:

Ich habe grundsätzlich etwas gegen besserwisserische und übereifrige so genannte Katzenfachleute und "Tierschützer". Die haben Castor im Jahr 2002 zusätzlich geschwächt, als er ein Krebsgeschwür hatte, weil se ihn auf Diät setzten (Ich befand mich damals auch im Urlaub). Und Pollux erreichte nur deshalb ein so biblisches Alter, weil ich ihn den Fängen dieser grünmenschlichen Besserwisser entreißen konnte (den Namen nenne ich wegen damals eventuell anstehender juristischer Schwierigkeiten besser nicht).

Liebe Tier- und Katzenfreunde: Traut Leuten oder Pet-Organisationen nicht, die euch sagen, sie wüssten, was gut für eure Tiere ist!

Nur ihr selbst wisst das.

Oder Alfi ;-)