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Sonntag, Juni 19, 2011

Merkwürdige Medienberichterstattung: Des einen IDF ist des anderen Gadaffi

Übersetzt von Bernd D. [Castollux] aus dem Medien BackSpin von HonestReporting (achten Sie bitte besonders auch auf die große Grafik am Ende des Textes, den Vergleich Osama Bin Ladens mit Scheich Yassin betreffend).

Castollux übersetzt seit 2006 gemeinsam mit HEPLEV die medienkritischen Beiträge von HonestReporting.






Libyen-Berichterstattung: Doppelmoral der Medien

Simon Plosker
Chefredakteur von HonestReporting Media BackSpin
, 19. Juni 2011

Es ist immer wieder interessant festzustellen, wie im Zuge der Volksaufstände und Umbrüche in Nahost die Medien im Vergleich zur Berichterstattung über Israel zu Werke gehen. Besonders aufschlussreich angesichts einer Situation, in der westliche Nationen an einem Militäreinsatz beteiligt sind, ist die Berichterstattung im Vergleich zu ähnlichen Situationen, in denen sich Israel befunden hat.

Ein paar kleine Änderungen, unsererseits [meinerseits] rot und durchgestrichen und halbfett "manipuliert", an diesem Associated Press-Artikel, der eine NATO-Sprecherin zitiert, die über menschliche Schutzschilde in Libyen spricht, illustrieren es treffend:

"Wir verhindern jeden Tag zahllose Opfer an Menschenleben im ganzen Land", sagte sie. "Wir führen [unsere] Operationen mit höchster Sorgfalt und Präzision durch, um zivile Opfer zu vermeiden. Zivile Opfer, wie vom libyschen Regime Hamas-Regime angeführt, sind reine Propaganda."

libysche Regierungstruppen
Hamas-Terroristen "haben Städte unter Beschuss genommen, Häfen vermint und Moscheen sowie Kinderspielplätze als Schutzschilde missbraucht."


Die Stellungnahmen
der NATO-Sprecherin Lungescu des IDF-Sprechers richten sich gegen Vorwürfe von Libyens Ministerpräsident Al-Baghdadi al-Mahmoudi Hamas-Ministerpräsident Ismail Hanija, der die NATO die IDF am Freitag beschuldigt hatte, eine "neue Phase der Aggression" eingeleitet zu haben; und er sagte, das Militärbündnis hätte in den letzten Tagen absichtlich zivile Gebäude unter Beschuss genommen, darunter ein Hotel und eine Universität.

Es ist offensichtlich, dass das libysche Regime
die IDF dazu übergegangen ist, bewusst zivile Gebäude ins Visier zu nehmen. [...] "Dies ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit", sagte er gegenüber Reportern in der Hauptstadt.

Kommt Ihnen das bekannt vor?

Ersetzen Sie die Verweise auf NATO und Libyen in der Geschichte durch die Namen IDF und Hamas, und die Geschichte zeigt bemerkenswerte Parallelen mit der israelischen Operation Gegossenes Blei.

Aber hier erschöpfen sich auch schon die Ähnlichkeiten. Während der Operation Gegossenes Blei und dem nachfolgenden Fallout aus dem Goldstone-Bericht machte auch Israel deutlich, dass die Hamas sich hinter der Zivilbevölkerung verschanzt hatte, während weltweit die Medien vage Vorwürfe nachplapperten, die IDF hätte absichtlich auf Zivilisten geschossen und „Kriegsverbrechen“ verübt.

Warum gehen die Medien
dann bereitwillig davon aus, dass ein Feind zynischerweise Waffen in einem Gotteshaus lagert oder Raketen aus dem Areal einer Schule abfeuert und dieser Feind das libysche Regime ist, nicht aber jedoch davon, wenn die Hamas von Israel wegen des gleichen Verbrechens beschuldigt wird?

Warum bezweifeln die Medien zu Recht die Behauptungen, Oberst Gaddafis Opferzahlen betreffend, haben aber kein Problem damit, Zahlen zu hinterfragen, die von Hamas-Terroristen veröffentlicht worden waren?
Die NATO bestätigte am Samstag, dass ihre Flugzeuge irrtümlich eine militärische Fahrzeugkolonne nahe des libyschen Ölhafen von Brega angegriffen haben; und am frühen Sonntagmorgen zeigte die Gaddafi Regierung den Reportern einen abgebrannten Wohnblock, von dem es hieß, er sei wegen eines fehlgeleiteten NATO-Luftangriffes auf die Hauptstadt getroffen worden….

Es war das erste Mal nach drei Monaten Luftangriffen, dass die Gaddafi-Regierung glaubwürdige Beweise dafür präsentiert hatte, was zivile Opfer der NATO-Angriffe direkt betrifft. Obwohl die Regierung oft große Zahlen ziviler Todesopfer angegeben hatte, konnte sie niemals zuvor Leichen oder harte Fakten dazu liefern.

Das zerstörte Gebäude lag im Gebier Souq al Juma – weit entfernt von jeglicher klar erkennbaren militärischen Einrichtung, und bekannt für seine Feindseligkeit gegenüber Oberst Muammar el-Gaddafi, und einige Anwohner, die nach wie vor gegen ihn sind, bestätigten die Regierungsberichte zum Luftangriff. Dennoch fanden Journalisten, die das Areal aufsuchten, keine Spuren einer Bombe. Die NATO wollte keine Stellungnahme abgeben und es war unmöglich, eine andere Erklärung auszuschließen.
So liest sich ein Bericht der New York Times.

Im Nebel des Krieges bleibt [vorerst] unklar, wie die oben erwähnten Umstände hinter den Vorgängen genau aussahen. Offensichtlich gibt es aber einen Grad an Akzeptanz, dass auch die technisch ausgereiftesten Militärmaschinen Fehler machen und die Feinde dies in absichtlich irreführender Propaganda für sich verwenden.

Sky News schreibt zum Beispiel:
Es konnte nicht sofort sicher überprüft werden, ob die drei Leichen aus dem zerstörten Gebäude im Stadtteil Arada stammen.

Arada ist ein Viertel im Souq al-Juma Bezirk, der für seine Anti-Gaddafi-Haltung bekannt ist.

Vor Ort berichtete ein Mann Reportern, dass in unmittelbare Nähe Flak-Geschütze installiert gewesen seien, was den Verdacht bestärkt, dass der Luftschlag sich auf ein Ziel nahe dem Einschlagsort gerichtet haben könnte.

Zwei Wochen zuvor waren libysche Regierungsvertreter von einem Mitarbeiter am selben Krankenhaus in einer Notiz an Journalisten beschuldigt worden, die Verletzung eines Kindes bei einem Autounfall als Opfer eines NATO-Angriffes deklariert zu haben.
Dennoch klagt niemand (außer dem libyschen Regime) die NATO an, absichtlich auf Zivilisten gefeuert zu haben, und niemand ruft nach einer Goldstone-Untersuchung. In ähnlicher Weise unterliefen der NATO Fehler wie in Afghanistan mit dem Hinweis auf „Kollateralschäden“.

Warum also diese Doppelmoral?

Libyen ist nicht das einzige Beispiel. Werfen Sie einen Blick auf die Vorgehensweise der Medien bezüglich Israel, als Hamas-Führer Scheich Yassin getötet worden war und vergleichen Sie das mit der Tötung Osama bin Ladens durch die USA. (Mit freundlicher Genehmigung von The Israel Project).

Zur Vergrößerung der Abbildung bitte zweimal draufklicken.

Mittwoch, Mai 11, 2011

Peace, Peace und nochmals Peace: Die EKD in Bonhoeffers und Richard Wurmbrands* Tradition?

Entschiedenes Nein!

Was mein protestantisches Selbstverständnis zum Gewaltmonopol des Staates betrifft, erkenne ich mich in meiner Kirche (auch in etlichen Meinungsäußerungen der Katholischen Fraktion) schon seit langem nicht mehr wieder.

Mir geht es ähnlich wie einem Liebenden, dem man einen Teil seines Herzens herausgerissen hat - das Evangelium von Jesus Christus.

Der sagte, das Gesetz und die soziale Gemeinschaft betreffend:
Ihr sollt nicht wähnen, dass ich gekommen bin, das Gesetz [also die soziale Ordnung und das Gemeinwesen; [Castollux]) oder die Propheten aufzulösen; ich bin nicht gekommen, aufzulösen, sondern zu erfüllen. (Matthäus 3.15) (Römer 3.31) (1. Johannes 2.7).

Denn ich sage euch wahrlich: Bis dass Himmel und Erde zergehe, wird nicht zergehen der kleinste Buchstabe noch ein Tüttel [in diesem Fall "Punkt"; Anmerkung Castollux; manchmal auch "Jota"] vom Gesetz, bis dass es alles geschehe. (Lukas 16.17)

Wer nun eines von diesen kleinsten Geboten auflöst und lehrt die Leute also, der wird der Kleinste heißen im Himmelreich; wer es aber tut und lehrt, der wird groß heißen im Himmelreich. (Jakobus 2.10)

Denn ich sage euch: Es sei denn eure Gerechtigkeit besser als der Schriftgelehrten und Pharisäer, so werdet ihr nicht in das Himmelreich kommen. (Matthäus 23.2-33)
Jesus betont hier die Stellung des Gesetzes aus einem sehr dringlichen Anliegen heraus: Er will keine Anarchie der „Liebe“, die bar jeglicher Vernunft sämtliche sozialen Ordnungen über den Haufen wirft. Jesus weiß, dass viele Menschen nicht aus der Liebe leben können; deshalb brauchen sie das Gesetz als Richtschnur und Regulativ - so, wie der (demokratische) Staat es eben vorsieht. Aber derjenige, der in seinem privaten Rahmen in der Liebe lebt und diese auch weitergeben kann, der hat das Gesetz nicht nötig, weil er es übererfüllt.

Also ein Tanz auf dem Vulkan, wenn man es so sehen will. Das Gesetz als übergeordneter sozialer Rahmen [in einem demokratisch legitimierten Staat] bleibt aber bestehen, um die Bösewichter in Schach zu halten. Wenn wir das negieren würden, müssten wir auch die Polizei abschaffen. Klar?

Reversion

Zur Spitze getrieben mit der Jesus-Absenz hat es wieder einmal die EKD in der letzten Debatte um Osamas unvermeidlichen und völlig verdienten Weg alles Irdischen, den [zufälligerweise?] auch Gregor Schmitz [ich war überrascht!] treffend kommentiert hat (man achte auf die Foren-Beiträge; die sprechen für sich).

Doch vorerst einen kurzen Blick zurück zu den hehren Zielen meiner Volkskirche.

Dilemma

Die EKD fällt immer wieder in die alte protestantische Denkhaltung der laschen Gnesio-Lutheraner zurück, die mit der letzten Denkschrift von 1981 wenigstens ansatzweise überwunden schien (es gibt dazu mehrere kontrovers zitierte Quellen; bitte googeln) – nämlich dem Anspruch auf Geltung christlicher Individual-Ethik in äußerst komplexen politischen Prozessen.


Zur Denkschrift von 1981 ein wichtiger Hinweis:

Da ich als „stockkonservativer“ lutherischer Theologe (darauf bin ich sogar stolz!) mit „Denkschriften“ meiner EKD des Öfteren merkwürdige Erfahrungen der außerirdischen Art gemacht habe, überraschte es mich in den letzten Tagen auch nicht, dass selbst auf den Seiten der EKD zum Papier von 1981 nur noch verweisende Hinweise zu finden sind (wo sind die Online geblieben?), die die öko-pazifistische Dialektik des indifferenten Sowohl-als-auch zum Nonplusultra erklären, siehe hier:
Längst nicht alle Grundsätze sind überholt, die das Vorläuferdokument von 1981 und seither veröffentlichte Texte prägten. Zwar stand die Denkschrift von 1981 unter dem Eindruck des Kalten Kriegs und des atomaren Wettrüstens. Aber der christliche Auftrag, den Frieden zu wahren, zu fördern und zu erneuern, wie es in der Denkschrift aus den 1980er Jahren heißt, ist geblieben. Unverändert gilt auch, dass Frieden und nicht Krieg Ziel christlicher Ethik ist.
Oh ja, das weiß ich auch. Nichts Neues und nichts Altes. Typisch post-reformatorische Ethik für den Lego-Baukasten.

Aber ich vermisse im EKD-Positionspapier unabdingbare Zangen eines Begriffspaares, das Bonhoeffer und Richard Wurmbrand* immer wieder betont haben:

FREIHEIT und VERANTWORTUNG

- ich vermisse das entschiedene Wort theologischer Kollegen und Freunde, die die Begriffe FREIHEIT und VERANTWORTUNG endlich einmal konsequent durchbuchstabieren können

- ich vermisse das entschiedene Wort theologischer Kollegen und Freunde, was die klare Akzeptanz des Gewaltmonopols eines demokratischen Staates betrifft, so wie oben bei Mt. 5,17 zitiert

- ich vermisse das entschiedene Wort theologischer Kollegen und Freunde, eindeutig Schuld und Sühne zu benennen, statt internen und externen Kulturrelativismus zu betreiben und eine schäbige Täter-Opfer-Umkehrung zu betreiben

- ich vermisse das entschiedene Wort theologischer Kollegen und Freunde, was die klare Verkündigung des Evangeliums betrifft - also Verfehlungen deutlich zu benennen, die Gemeinde im Gottesdienst darauf anzuprechen und in Jesu Christi Namen im gemeinsamen Sündenbekenntnis Vergebung für persönliche Schuld zu erbitten. Für mich ist das eines der zentralen Themen persönlicher Freiheit. Vergebung macht frei. Die von Gott geschenkte Vergebung gibt uns auch die Kraft, einander zu vergeben. Anders geht's nicht - außer wir sind Übermenschen.

Es gäbe noch viel Glaubensfragen aufzuzählen, doch will ich zum Ist-Zustand zurückkommen:

Die EKD hat viel zu tun:

- Sie diskutiert (und praktiziert teilweise) ernsthaft die Segnung von Scheidungen; für mich ein Unding und ein weiterer Beitrag zur sakramentalen Begriffsverwirrung, auch wenn ich als Protestant die Ehe nicht als Sakrament betrachte (dennoch verstehe ich die katholischen Vorbehalte sehr gut!)

- Sie feiert den Geburtstag des Gründers eines islamischen Killersystems in ihrer Kirche

- Sie huldigt der neuen (Fascho?-) Religion Öko-Pazifismus

- sie - und der (marxistisch dominierte) Weltkirchenrat in Verbund mit dem lutherischen Weltbund - verschweigt seit Jahrzehnten beharrlich, dass sie während des Kalten Krieges Tausende christliche Prediger und Christen wie Richard Wurmbrand im kommunistischen Machtbereich in Absprache mit den Systemen dort elendiglich dahinsiechen ließ. Was für eine feige Bagage!

- Sie pädagogisiert und verharmlost das biblische Schuld- und Sündenverständnis in der sonntäglichen Predigt derart, dass vom Erlösungstod Jesu Christi kaum noch etwas zu erkennen ist: Wer hat Schuld? „Natürlich die Gesellschaft und die Umstände, ich aber nicht!“

- Sie mischt sich immer dann in Politik ein, wenn sie nicht gefragt ist; Beispiel Stuttgart 21: Was hat christliches Bekenntnis mit dem Widerstand gegen ein Bundesbahn-Projekt zu tun? Und was mit einer seltenen Spezies wie dem weltberühmten Juchtenkäfer?


Die Kirche und ihr Verhältnis zur Gewaltanwendung


Ich habe nicht umsonst Bonhoeffer in meiner Überschrift angeführt.

Was vielleicht wenige wissen:

Bonhoeffer hat in seinen frühen Formulierungen den Sieg der NSDAP und Hitlers Aufstieg - um es milde zu formulieren - nicht gerade verabscheut, auch wenn er dann ziemlich schnell ins Lager der bekennenden Kirche wechselte.

Ich kann und will hier über Bonhoeffer nicht den Stab brechen, weil mir dazu als kleinem Magister-Sack [Luther war übrigens auch einer] die Kompetenz fehlt. Das wäre auch mehr als hochmütig. Für mich ist er natürlich auch [fast] ein Heiliger - wenn es so etwas in meiner Kirche überhaupt geben sollte.

Eines weiß ich aber ganz sicher: Richard Wurmbrand, der mit einer jüdischen Frau verheiratet war, ist für seine Liebe zu seinen Mitmenschen und Jesus Christus von Anfang bis Ende seines Lebens eingestanden. Damit will ich Bonhoeffers Lebensleistung nicht schmälern.

Wer kannte Richard Wurmbrandt, bevor er meinen Beitrag gelesen hatte? Er hatte gelitten wie wie ein Tier; aber gekümmert hat sich um ihn niemand, weil er in kommunistischen Gefängnissen verrottete.

So viel zum Glaubens- und Liebesverständnis der offiziellen EKD. Und dennoch bleibe ich Teil von ihr, weil ich nur von innen heraus wirken kann und weiß, dass es auch gute Impulse innerhalb der Kirche gibt.

Intellektuelle Schmerzen erzeugen langfristig Erleichterung. Und so lange ich noch einen einzigen aufrichtigen Freund in der Kirche habe, bleibe ich dabei.

Sela.

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*Zu Richard Wurmbrands wahrhaftiger Märtyer- und Leidensgeschichte hier mehr. Die Webseite Hilfsaktion Märtyrerkirche gründet sich auf Wurmbrands wahrhaftiges Märtyrer- und Glaubensvermächtnis, trägt seinen Ruf nach christlicher Freiheit in alle Welt und hilft allen Christen, die von Verfolgung bedroht sind. Etwa 90 Millionen Christen werden weltweit akut verfolgt - die meisten davon in islamisch regierten Staaten.

Montag, Mai 02, 2011

Osama-Artikel: SPIEGEL-Nelles ins Auge geschaut und auf den Zahn gefühlt

Vorbemerkung:

Roland Nelles ist Mitglied der SPIEGEL-Chefredaktion. Was mich aber nicht davon abhält, zwei Passagen aus einem von ihm heute abgefassten Beitrag zu Osama bin Ladens Tötung zu kritisieren. Ich habe Herrn Nelles angeschrieben und ihn aufgeklärt.

Wie man an einem Titelfoto rechts aus dem Jahr 2002 erkennen kann, kennt sich der SPIEGEL in der Gestaltung aussagekräftiger Botschaften bestens aus. Da ist es auch unerheblich, wenn der Kontext grottenfalsch und antisemitisch konnotiert ist.


Guten Tag Herr Nelles,

Sie schrieben heute in Ihrem Beitrag Auge um Auge, Zahn um Zahn zur Tötung von Osama bin Laden Folgendes:

Nach dem aus der Bibel übernommenen uramerikanischen Grundverständnis ist mit Osamas Tod der Gerechtigkeit genüge getan: Auge um Auge, Zahn um Zahn.
Ich möchte Sie dringend bitten, sich zu vergegenwärtigen, was die Redewendung wirklich bedeutet:

Es handelt sich hier um ein so genanntes ius talionis, das nichts, aber auch gar nichts mit einem „mit gleicher Münze heimzahlen“ zu tun hat. Hier - in einer wissenschaftlichen Klarstellung der Universität Heidelberg – können Sie nachlesen, wie das zu verstehen ist. Geben Sie bitte Ihre Erkenntnis an die Kollegen in der SPIEGEL-Redaktion weiter und vor allen Dingen: bitte berichtigen Sie die fragwürdige Passage in Ihrem Beitrag, um nicht weiteren Schaden anzurichten.

Des Weiteren schrieben Sie am Ende Ihres leider auch sonst recht naiven Artikels, in dem Sie für den gesamten Maghreb locker-flockig Demokratien vorhersehen:
Amerika muss endlich für einen Frieden zwischen Israel und den Palästinensern sorgen. Sonst wird es wieder einen Osama geben.
Was soll denn dieser völlig an den Haaren herbeigezogene Zusammenhang zwischen Al-Qaida, dem Aufstand in der arabischen Welt und einem Friedensprozess zwischen Israel und den Palästinensern? Haben Sie irgendwann in den letzten Wochen gesehen, dass die Rebellen israelische Fahnen verbrannten, um damit Zusammenhänge zwischen der eigenen Situation und dem israelisch-palästinensischen Konflikt zu demonstrieren, wie es früher qua totalitärem Erlass regelmäßig angeordnet worden war?

Wenn jemand seit Jahrzehnten solche Zusammenhänge konstruiert, dann die westlichen Mainstream-Medien und - leider - Redakteure wie Sie.

Ihr Fazit „Sonst wird es wieder einen Osama geben“ zeugt überdies von einer ziemlich oberflächlichen Wahrnehmung der Zusammenhänge in Nahost. In diesem Beitrag (aber auch in vielen anderen) können Sie nachlesen, warum ich das sage.

Mit freundlichen Grüßen

XXX

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Update, 9. 5. 2011:


Herr Nelles hat nichts mehr von sich hören lassen. Auch sein Beitrag blieb unverändert so stehen. Da ich davon ausgehe, dass ich nicht der Einzige war, der ihn angeschrieben hatte, muss ich von böswilliger Vertuschung ausgehen.