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Donnerstag, November 29, 2012

"Jerusalem, du hochgebaute Stadt": Wo EKD draufsteht ist meistens Israel-Feindschaft drin


Der langjährige Israel- und Nahost-Korrespondent Ulrich Sahm (wohnhaft in Jerusalem) hat kürzlich eine Analyse zur letzten Orientierungshilfe der EKD (Evangelische Kirche Deutschland) erstellt, die wieder einmal entlarvt, wie antiisraelisch und antijüdisch man bei den gelackten und stromlinienförmig sozialisierten Damen und Herren der offiziellen Kirche denkt, welche durch die 68er-Bewegung, die auch ihre Theologie kontaminiert hatte, ihren "Heiligen [Un-] Geist" verinnerlicht hat.

Und ich frage mich wohl ebenso wie er, ob und wie lutherische Theologen (wie er und ich) in dieser Volkskirche noch eine Heimat haben können, wenn es allein um die Beziehung zu Israel ginge.

Wahrscheinlich - so könnte man fast resümieren - binden uns nur noch die Sakramente und das Glaubensbekenntnis an diese für mich fast schon als borniert empfundene Apparatschik-Organistation, gäbe es da nicht die zwischenmenschlichen Beziehungen zu Mitchristen im Pflege- und Seelsorgedienst vor Ort, die ihr Herzblut für den karitativen oder diakonischen Auftrag geben und Jesus Christus wirklich noch als den Auferstandenen und Retter erkennen.

Oh "Jerusalem, du hochgebaute Stadt, wollt' Gott ich wär' in dir", kann man da nur noch hoffnungsvoll singen angsichts des Zustandes dieser säkularisierten Kirche! ("Versaut" habe ich mir jetzt doch verkniffen). Wie ich in diesem Video gesehen habe, hat der Pfarrer kaum die Lippen bewegt. Erbärmlich!

Bin ich jetzt werkgerecht und hochmütig? Und können die Christen der Volkskirchen eigentlich noch aus vollem Halse singen, egal wie falsch, hauptsächlich überzeugt?

***
Ulrich Sahm ist wohl der einzige journalistisch ausgebildete evangelische Theologe vor Ort, der seit Jahrzehnten den Finger am Puls Israels und "Palästinas" hat und sich nicht vor den Karren der meist antiisraelisch berichtenden Mainstrem-und Voklskirchen-Medien spannen lässt.

Unten eine 1:1-Übernahme der Analyse Ulrich Sahms.

Und herzlichen Dank ihm für seine akribische und gewissenhafte Vorgehensweise! Man sollte den Text für eventuell folgende Diskussionen im kirchlichen Diskussionsspektrum abspeichern.

Zur Erläuterung der von mir unten vorgenommenen Formatierung, die im Originaltext Sahms so nicht vorliegt:

Die Auszüge aus dem Text der EKD habe ich der Übersichtlichkeit halber mittig eingerückt, damit sie als Zitation erkennbar sind. Ulrich Sahms Entgegnungen dann wieder im Blocksatz. Die eine oder andere Hervorhebung im Text von Ulrich Sahm "fett" durch mich (Castollux).


Die EKD und ihr problematisches Verhältnis zu Israel!


Die Orientierungshilfe der EKD kritisch betrachtet



„Gelobtes Land?“, die Orientierungshilfe der EKD, enthält zahlreiche Fehler. In diesem politisch wie theologisch sensiblem Gebiet ist Faktentreue entscheidend. Mit folgenden Hinweisen soll eine Diskussion angestoßen werden, damit gravierende Unstimmigkeiten verbessert werden.

Schon im Vorspann auf der Internetseite der EKD http://www.ekd.de/EKD-Texte/84257.html wird völlig einseitig nur die „Katastrophe“ der arabischen Bevölkerung erwähnt, aber eine entsprechende Katastrophe für eine Million aus der gesamten arabischen Welt vertriebenen Juden und in den von Arabern eroberten Gebieten (z.B. das jüdische Viertel in der Altstadt Jerusalems) völlig ausgeblendet.



Sahm – EKD-Leitfaden: Selig sind die Unwissenden

von Ulrich W. Sahm, Jerusalem, 23. Oktober 2012

Die evangelische Kirche Deutschlands hat eine Orientierungshilfe veröffentlicht unter dem Titel: „Gelobtes Land? Land und Staat Israel in der Diskussion“. Die 146 Seiten starke Broschüre wurde im Internet verbreitet.

Herausgegeben im Auftrag der Evangelischen Kirche in Deutschland, der Union Evangelischer Kirchen in der EKD und der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands, haben sie Präses Nikolas Schneider, Landesbischof Dr. Ulrich Fischer für die UEK und Bischof Gerhard Ulrich für die VELKD unterzeichnet. Aber ein verantwortlicher Autor oder Redakteur der mit Bildern und Landkarten angereicherten „Orientierungshilfe“ wird nicht genannt.

Das Werk wurde „im Vertrauen auf die Wahrheit und Kraft der biblischen Vision, die davon weiß, dass »Gerechtigkeit und Frieden einander küssen« (Ps 85,11)“ übergeben. Doch enthält die „Orientierungshilfe“ viele unsinnige und empörende faktische Fehler, sodass die Wahrheit auf der Strecke blieb.

„Mit seinem Staatswappen, einer Abbildung des siebenarmigen Leuchters, wie er auf dem Triumphbogen des römischen Feldherrn Titus in Rom als Beutestück zu sehen ist, nimmt der Staat Israel Bezug auf die Zerstörung des zweiten Jerusalemer Tempels im Jahre 70 n.Chr. und knüpft zugleich an die Zeit der in der Antike verloren gegangenen jüdischen Staatlichkeit an. In dieser Symbolik macht die Rückkehr der Juden in ihr altes Heimatland ab dem 19. Jahrhundert ihre Vertreibung aus der von den Römern nach dem Bar-Kochba-Aufstand so bezeichneten Provinz Syria Palaestina rückgängig.“

 1) Die Menora gab es schon beim Exodus unter Moses im Sinai und in biblischer Zeit im Tempel, lange vor der Zerstörung im Jahr 70. Wie Mosaiken und andere Grafiken aus der Zeit beweisen, war die Menora vor der Zerstörung das gewichtigste jüdische Symbol. Neben der Menora im Wappen gezeigten Olivenzweige symbolisieren Frieden und sind dem biblischen Propheten Zacharias nachempfunden. Es steht der EKD nicht zu, biblischen Symbolen der Juden/Israelis eigene Interpretationen aufzuzwingen.

2) „aus der von den Römern nach dem Bar-Kochba-Aufstand so bezeichneten Provinz Syria Palaestina“. Das ist Geschichtsklitterung. Da wird verschwiegen, dass die Römer den Bar-Kochba-Aufstand noch in ihrer Provinz „Judäa“ niedergeschlagen haben. Erst Hadrian hat diese Provinz 136 n. Chr. in „Palästina“ umbenannt. Die EKD-Gelehrten machen so gemeinsame Sache mit dem heidnischen Kaiser Hadrian, die Juden ihrer angestammten Heimat zu berauben, ein Bestreben, das sich wie ein roter Faden durch die gesamte „Orientierungshilfe“ zieht und bis heute von prominenten palästinensischen Pastoren betrieben wird, wie dem Präsidenten des Lutherischen Weltbundes, Munib Younan, und des preisgekrönten Pastors Mitri Raheb.

„Der hier ins Auge gefasste Zeitraum eines fast zweitausend Jahre langen jüdischen Exils verbindet sich in religiöser Perspektive mit dem alttestamentlichen Motiv der »Zerstreuung« des jüdischen Volkes »unter die Völker« (vgl. 5. Mose 4,27).“

Warum nicht gleich erwähnen, dass Gott im nächsten Satz auch droht: „sondern ihr werdet vertilgt werden“. Das kann als Gottes Zustimmung zu Auschwitz gewertet werden.

Nachdem die EKD hervorgehoben hat „Wir respektieren jüdisches Selbstverständnis, auch im Bezug auf das Land“, widersprechen sich die deutschen Theologen, indem sie die jüdischen Gründer des Staates Israel eines Besseren belehren. In der Unabhängigkeitserklärung steht »Im Lande Israel entstand das jüdische Volk.«.

Die Theologen kennen weder Bibel noch jüdisches Selbstverständnis, wenn sie behaupten: „Sie (Unabhängigkeitserklärung) steht damit freilich in einer Spannung zur biblischen Vorstellung von einer »Geburt« des jüdischen Volkes in Ägypten.“

Kein Jude würde das akzeptieren. Das Volk Israel entstand gemäß der eigenen Vorstellung und der biblischen Darstellung durch den Bund Abrahams mit Gott. Die im Lande Israel in Sichem (Nablus), Bethlehem und Hebron begrabenen „Erzväter“ machen keinen Sinn, wenn das Volk erst mit Moses im ägyptischen Exil entstanden sein soll.

Die evangelischen Bischöfe scheinen auch nicht zu wissen, dass zwischen „Israeliten“ und „jüdisches Volk“ fein säuberlich unterschieden wird. Das „jüdische Volk“ konstituierte sich erst mit Rabbi Akiba und der Zerstreuung nach der Zerstörung des Tempels. Gleichwohl handelt es sich um das gleiche Volk, gemäß jüdischem Selbstverständnis und der hebräischen Bezeichnung „Volk Israel“.

Wir Deutsche bezeichnen uns heute auch nicht mehr „Germanen“, obgleich die Engländer uns noch so nennen und die Franzosen uns für Alemanen halten.

„Für die Beschäftigung mit dem Judentum und der Situation im Nahen Osten spielt zudem eine Rolle, dass in der Bundesrepublik heute auch Muslime leben, die aus dieser Region stammen und somit in den Konflikt involviert sind.“

Wie bitte? Wenn in der Bundesrepublik überwiegend Muslime aus der Türkei leben, ist das ein Grund, sich mit dem Judentum zu beschäftigen? Und als Deutschland sich ganz besonders intensiv mit den Juden und deren „Endlösung“ beschäftigte, dürften Moslems nur in der Gestalt des Mufti von Jerusalem, Hadsch Amin el Husseini, eine besondere Rolle gespielt haben. Und wenn es die Gestapo in Griechenland und Rommel in El Alamein bis nach Palästina geschafft hätten, hätte auch das für die EKD ausreichender Grund sein dürfen, sich intensiver mit dem Glaubenbekenntnis ihres Heilands Jesus, dem Judentum, zu beschäftigen.

Seite 45:  „Dieser Solidaritätsgedanke beeinflusst die israelische Politik bis in die Gegenwart; ein eindrückliches Beispiel ist die Rettung der äthiopischen Juden vor Hungerkatastrophen in den Jahren 1984/1985 (»Operation Moses«) und 1991 (»Operation Salomo«).“

Das ist ein beeindruckendes Beispiel, aber es gibt beeindruckendere, die hier wohl wegen politischer Korrektheit unterschlagen werden: Die Aufnahme der Holocaustüberlebenden von rund 800.000 Juden aus arabischen Staaten in den 50ziger Jahren und einer Million Russen 1990.

„Am 19. Juni 1947 wurden die zionistischen Zugeständnisse in einem Brief der Jewish Agency an die orthodoxe Weltorganisation Agudat Israel formell bestätigt. Dieser Text, der die religionspolitischen Verhältnisse der Mandatszeit festschrieb und als »Status-quo-Brief« bekannt wurde, enthielt die Zusicherung, dass der zu gründende Staat den Sabbat als Ruhetag respektieren, in der Armee und allen staatlichen Institutionen eine koschere Küche einrichten und das religiöse Familienrecht sowie das autonome orthodoxe Schulwesen unangetastet lassen würde.“

Der Staat Israel hat den Sabbat nie zum offiziellen Ruhetag erklärt. Er gilt nicht in arabischen oder gemischten Städten wie Nazareth, Haifa und Beer Schewa. In Deutschland ist hingegen der Sonntag „gesetzlicher“ Ruhetag.

In Israel entscheiden Jude, Christ und Moslem jeweils, an welchem Tag sie ruhen wollen. Israel hat die christlichen Schulen unangetastet gelassen und den osmanischen Usus übernommen, das Personenstandsrecht den jeweiligen Religionsgemeinschaften zu überlassen (also Juden, Christen und Moslems).

„Das Jahr 1967 markiert den Beginn einer Trendwende im Kräfteverhältnis von säkularen und religiösen Strömungen im Staat Israel. Der Krieg des Jahres 1967 führte u.a. zur Eroberung Ost-Jerusalems und zur Besetzung der seit 1950 unter jordanischer Herrschaft stehenden Teile des ehemaligen Mandatsgebietes Palästina durch den Staat Israel.“

Hier wurde mal eben der Gazastreifen vergessen. Und ob es da wirklich eine „Trendwende“ gab, ist fraglich.

„Der zunehmende Einfluss der orthodoxen Organisationen und Parteien und ihr Versuch, immer mehr halachische Vorschriften in staatliches Recht zu überführen, führen innerhalb der israelischen Gesellschaft bis heute zu heftigen Kontroversen.“

Welche halachischen Gesetze wurden Staatsgesetz? Viele „halachische Gesetze“, wie „Du sollst nicht Morden“ sind Bestandteil des BGB. Stört sich die EKD etwa daran, dass sogar in Deutschland derart archaische jüdische Gesetze aus dem „Alten“ Testament gelten?

 „Die entschiedensten Vertreter dieses Teils der Orthodoxie sind die Neturei Karta (Wächter der Stadt), die die Errichtung des Staates Israel als eigenmächtiges Eingreifen in den Heilsplan Gottes deuten und öffentlich in den Vereinigten Staaten, aber z.B. auch im Iran gegen den Zionismus auftreten.“

Da beruft sich die EKD auf ein paar extremistische Familien, die freilich große Schlagzeilen machen. Ohne die Weltanschauungen zu vergleichen, wird hier dargestellt, als wären NVU oder Horst Mahler „entschiedene Vertreter“ Deutschlands. Ausgerechnet die Deutschen haben so einige „Extremisten“ und andere „entschiedene Vertreter des Deutschen Volkes“ hervorgebracht, die nicht ganz zur Idylle eines Goethe, Schiller, Lessing, Bach und Heine passen...

„Daneben gibt es andere orthodoxe Stimmen, wie z.B. Moshe Greenberg (1928-2010), die ausdrücklich vor einem Messianismus warnen,“

Wie gut, dass es Wikipedia gibt, um mehr über diese in Israel unbekannte Person zu erfahren.

S. 63: „Eine Pilgerfahrt nach Jerusalem ist für Muslime aus Ländern, die mit dem Staat Israel keine diplomatischen Beziehungen haben, gegenwärtig nicht möglich.“

Falsch. Israel lässt auch Menschen aus Ländern ohne diplomatische Beziehungen einreisen, sogar aus „Feindesländern“ wie Syrien und Saudi Arabien. Die Frage ist eher, welche Probleme sie später in ihren eigenen Ländern haben. Es befremdet, dass die EKD Verfasser nichts recherchiert haben und nichts von jenen mutigen Arabern gehört haben, Intellektuelle, Schriftsteller und andere, die Israel besucht haben und dann in Ägypten, Tunesien und anderen Ländern verfolgt wurden. (Nadia El Fani, Boualem Sansal, Ahmad Adnan) Es sind die arabischen Staaten, die Besuche in Israel verbieten und bestrafen.

„Im Umfeld der islamischen Reformbewegung, die gegen Ende des 19. Jahrhunderts in Reaktion auf den wirtschaftlichen, kulturellen und religiösen Niedergang in weiten Teilen der arabisch-islamischen Welt entstanden war (Muhammad Abduh, 1849-1905, u.a.), wurde im Namen aller Muslime Anspruch auf das Land Palästina erhoben und zum Kampf gegen den Zionismus aufgerufen.“

Da wurde also zum Kampf gegen den Zionismus aufgerufen, noch ehe der sich mit dem zionistischen Kongress in Basel 1897 etabliert hat?

S. 71 „Palästinensische Christen im Staat Israel haben als Bürgerinnen und Bürger des Staates die Rechte und Pflichten aller Staatsbürger, beklagen aber politische und gesellschaftliche Diskriminierungen. Christen in den besetzten Gebieten leiden unter der Isolierung, der häufigen Abriegelung der Gebiete und den eingeschränkten Bewegungsmöglichkeiten. Für sie ist die tägliche Demütigung an den Kontrollpunkten auf dem Weg zu Arbeitsplätzen, Schulen und Krankenhäusern Realität; der Zusammenhalt der Familien, die Verbindung der Gemeinden untereinander sowie der Zugang zu den heiligen Stätten in Jerusalem sind erschwert und teilweise unmöglich. Christen in Ost-Jerusalem leben unmittelbar an der Nahtstelle des politischen Konflikts, auch ihre Bewegungsfreiheit ist erheblich eingeschränkt, darüber hinaus droht ihnen etwa durch die Beschlagnahme von Personalausweisen der Verlust des Bleiberechts in Jerusalem. Als Folge dieser Einschränkungen sind in den vergangenen Jahren viele Christen aus der Region ausgewandert, sodass ihre Zahl laufend abnimmt.“

Dieser ganze Abschnitt strotzt vor Ungenauigkeiten, falschen Fakten und sogar Widersprüchen, etwa wenn die „eingeschränkten Bewegungsmöglichkeiten“ zur „täglichen“ Demütigung an den Kontrollpunkten auf dem Weg zu Arbeitsplätzen, Schulen und Krankenhäusern führt. Wer ist „isoliert“, wenn die täglich pendeln? Seitdem die Terrorgefahr dank der Kontrollen nachgelassen hat, sieht die Realität anders aus, als hier beschrieben. Für die Abwanderung gibt es nach palästinensischen Angaben ganz andere Gründe.

Alle Menschen, Juden, Christen und Moslems sind gleichermaßen betroffen. Mit „palästinensischen Christen“ sind offenbar sowohl arabische Christen in Israel wie palästinensische Christen (mit palästinensischem Pass) in den Autonomiegebieten gemeint.
„Palästinensische Christen im Staat Israel haben als Bürgerinnen und Bürger des Staates die Rechte und Pflichten aller Staatsbürger“ Rechte ja, aber „Pflichten“? Sie sind vom Militärdienst befreit und könne drei Jahre früher als ihre jüdischen Mitbürger studieren oder einen Beruf ergreifen.

Sie „beklagen politische und gesellschaftliche Diskriminierungen.“ Ja. Das tun auch Neueinwanderer, äthiopische und marokkanische Juden, Russen, Moslems, Araber, Beduinen. Und in Deutschland beklagen Wolgadeutsche, Roma und Sinti, Türken und andere „Deutsche mit Migrationshintergrund“ ebenso Diskriminierungen, obgleich sie dank ihrer deutschen Staatsbürgerschaft „gleichberechtigt“ sind. Warum sollte das in Israel anders sein?

Immerhin werden Juden in den „palästinensischen Gebieten“ nicht diskriminiert, weil es dort keinen einzigen Juden gibt... Heute wachen palästinensische Checkpoints darüber, dass Juden sich nicht in die palästinensisch selbstverwalteten Autonomiegebiete verirren.

„Christen in Ost-Jerusalem leben unmittelbar an der Nahtstelle des politischen Konflikts, auch ihre Bewegungsfreiheit ist erheblich eingeschränkt“

Das ist eine grandiose Lüge. Jerusalemer Christen haben einen israelischen Ausweis, können sich frei in Israel bewegen und zudem ohne jede Beschränkung die besetzten Gebiete besuchen, während es Juden verboten ist, die palästinensischen Autonomiegebiete zu betreten. Katholische Christenführer verfügen sogar über diplomatischen Status und haben CD-Nummern an ihren Autos. Derartige Privilegien hat kein Rabbi und kein Imam.
„darüber hinaus droht ihnen etwa durch die Beschlagnahme von Personalausweisen der Verlust des Bleiberechts in Jerusalem“
Da muss genau geprüft werden, wie oft und aus welchen Gründen das passiert. In Deutschland hat Mehmet sein Bleiberecht verloren...
„Als Folge dieser Einschränkungen sind in den vergangenen Jahren viele Christen aus der Region ausgewandert, sodass ihre Zahl laufend abnimmt.“
Ein beliebtes propagandistisches Klischee. Nur - warum ist die Zahl der Christen in Israel und Jerusalem stetig gewachsen, während im Wesentlichen Christen aus den „palästinensischen Gebieten“ ausgewandert sind, aus ganz anderen Gründen? Die Autoren der EKD-„Orientierungshilfe“ scheinen sich völlig der palästinensischen Propaganda unterworfen zu haben. Selbst palästinensische Quellen haben sie nicht geprüft, von israelischen ganz zu schweigen.
S. 73 „Aufgrund der jüdischen Einwanderungen und des generellen Bevölkerungswachstums im Staat Israel nimmt allerdings der prozentuale Anteil von Christen an der Gesamtbevölkerung von 2,89 % im Jahr der Staatsgründung 1948 auf ca. 2 % im Jahr 2010 ab.“
Deshalb sollte man nicht mit Prozenten spielen. Denn die Zahl der Türken in Deutschland hat 1990 prozentual auch schlagartig abgenommen, mit der Wiedervereinigung. Zudem stimmen auch die erwähnten Prozentzahlen nicht, wenn man die rund 200.000 christlichen Gastarbeiter und die rund 300.000 nicht-jüdischen russischen Einwanderer hinzuzählt.
„Die Besonderheit Israels gegenüber anderen modernen Demokratien liegt darin, dass dieser Staat sich nicht nur als »demokratisch«, sondern auch als »jüdisch« definiert. Der »jüdische Staat« garantiert allen Jüdinnen und Juden das Recht auf Einwanderung, der Sabbat ist der wöchentliche Feiertag,“
Wo liegt das Problem? Deutschland betrachtet sich als „deutsch“ und gewährt Wolgadeutschen usw. automatisch die Einwanderung.
Sabbat? Wie schon oben erwähnt ist in Deutschland der Sonntag „gesetzlicher“ Ruhetag. In Israel kann jeder seinen Ruhetag auswählen: Freitag, Samstag oder Sonntag. Deutschland ist „theokratischer“ als die EKD es hier Israel unterstellt.
„das Personenstandswesen wird nicht staatlich, sondern – alten osmanischen Rechtsprinzipien folgend – durch das Rabbinat geregelt.“
Schwachsinn. Seit wann regelt das Rabbinat Ehen und Begräbnisse bei Moslems oder Christen? Entsprechend osmanischer Tradition überlässt der Staat Israel das Personenstandswesen Moslems ´(mit ihrer Scharia) und Christen (entsprechend mittelalterlichem Kirchenrecht). Die EKD-Experten sollten sich mal bei ihrem Propst der Erlöserkirche informieren.
„Palästinensische Israeli beklagen die schlechteren Zugangsmöglichkeiten zu Ausbildung und Beruf, weil sie aus Sicherheitsgründen vom Wehr- und Sicherheitsdienst ausgeschlossen sind.“
Nein, sie sind nicht ausgeschlossen, sondern davon befreit. Sie können sich freiwillig melden, wie es Mona Abdo aus Haifa getan hat. Es existiert auch keine Diskriminierung bei der „Ausbildung“. Tausende Araber studieren an israelischen Universitäten, sogar in Ariel.


Glossar

Am Israel (Volk Israel)
„Heute wird diese Wendung im Hebräischen zur Bezeichnung des jüdischen Volkes gebraucht.“
Völlig korrekt, „heute“, seit etwa 5000 Jahren, seit biblischer Zeit

Bilder

„Die Grabeskirche wird auch als Auferstehungskirche bezeichnet. Sie ist nicht nur Sitz des griechisch-orthodoxen Patriarchen von Jerusalem und des katholischen Erzpriesters der Basilika des Heiligen Grabes, sondern bietet auch Platz für den Franziskaner-Orden...“
Der Sitz des griechischen Patriarchen befindet sich in einiger Entfernung von der Grabeskirche. Offiziell vertreten allein Franziskaner die Katholiken in der Grabeskirche.
„Das Gebäude des Obersten Gerichtshofes liegt zwischen der Knesset, mit der es durch einen direkten Gang verbunden ist, und dem Wohnsitz des Premierministers. Es symbolisiert damit die Verbindung zwischen Legislative und Exekutive.“
Der Wohnsitz des Premierministers befindet sich in einer Entfernung von etwa drei Kilometern.... Zudem hatte der Autor einen Knick in der Optik. Die Knesset liegt zwischen Gericht und Residenz!

Karte 1 und 2
Warum sind in Karte 2 die Waffenstillstandslinien von 1949 eingezeichnet, nicht aber in Karte 1?

Karte 4
Wieso gibt es hier nur eine Karte über palästinensische und keine der jüdischen Flüchtlingsbewegungen aus der arabischen Welt in der gleichen Periode?

Karte 9
Da sind die „Grüne Linie“ oder auch „Waffenstillstandslinien“ zu den besetzten Gebieten als „Staatsgrenzen Israels“ eingezeichnet. Dort gibt es keine international anerkannte Staatsgrenze.

Ich sehe da alle möglichen Landesbezeichnungen, sogar Gaza und Westjordanland. Nur der Name „Israel“ scheint wieder aus der Kopiermaschine herausgefallen zu sein, wie es EKD Sprecher Christoph Vetter 2007 bei der denkwürdigen Reise der EKD Bischöfe ins Heilige Land formuliert hatte. (Hagalil)

(C) Ulrich W. Sahm

Samstag, Juli 30, 2011

Schade um die Buchstaben: Hannes Stein zum Terroranschlag in Norwegen

Jetzt verstehe ich Hannes Stein überhaupt nicht mehr. Und nach seinem letzten Interview mit der taz geht er mir - ganz ehrlich gesagt - mehr und mehr auf den Geist mit seiner pastoral daherkommenden Gesinnungsethik. Hoffentlich kommt er bald wieder zur Besinnung. Sein taz-Interview spreche ich weiter unten an.

Vor wenigen Tagen hatte Hannes Stein einen - wie ich beim oberflächlichen Lesen dachte - relativ sachlichen Beitrag darüber geschrieben, wie Ulrich Sahms Meldung über eine antiisraelische Veranstaltung der sozialistischen Jugend auf der Insel Utøya bei Oslo zu bewerten sei - nämlich im Kontext der Ereignisse vor dem Terroranschlag.

Die Post-Analyse war teilweise zutreffend - ich hatte sie schon vor über drei Jahren ähnlich formuliert, als kaum ein Mensch darüber nachdachte, Hannes Stein erst recht nicht, weil er sich damals noch im Tiefschlaf befand, was das Thema betraf. Mittlerweile ist aber eine Menge Wasser den Hudson River bei ihm und den Lech hier bei mir im Voralpenland heruntergeflossen.

Hannes Stein begeht schon Fehler in der Diktion mancher Passagen, oder besser gesagt, in der Wortwahl generell - für einen erfahrenen Journalisten eigentlich ungewöhnlich. So schreibt er beispielsweise:
[…] Was ist die Ideologie des Mörders? Er hasst den Islam (nicht den islamischen Fundamentalismus, nicht Al Qaida, nicht die „Islamische Republik Iran“, sondern den Islam). Er hasst Muslime (nicht Achmadinedschad, nicht Osama Bin Laden, nicht Ayman al-Zawahiri, sondern alle Muslime von Indonesien über Indien bis Kurdistan). Er hasst „Marxisten“ (nicht Lenin, Stalin, Trotzki, Mao und Che Guevara, sondern alle Linken).
Was Hannes Stein hier von sich gibt, ist geifernder Unsinn, auch wenn er sich vordergründig auf den Täter bezieht, und journalistisch fast schon unredlich, weil ideologisch gestanzt (Sorry, Hannes!).
Er übernimmt - unwissentlich oder nicht - an dieser Stelle bedenkenlos und holzschnittartig Formulierungen wie „hasst den Islam“, „hasst Muslime“ und „hasst Marxisten“. Das ist so klar wie Kloßbrühe und trifft selbstverständlich auf die Person des Terroristen selbst zu, aber Stein kopiert hier sprachlich und spiegelbildlich genau dasselbe Vokabular derjenigen, die er bekämpft. Vielleicht bemerkt er diesen Fauxpas nicht einmal.

Was hat er da vom Stapel gelassen? Und welche Unterstellungen hat er hier vorgenommen?

Wäre es okay, wenn er in einem Aufwasch sämtliche Islamkritiker als „rechtsradikal“ einstuft, weil sie z.B. zu Recht Erdogans Slogan
„Der Islam ist vom Islamismus nicht zu unterscheiden. Es gibt nur den Islam“
ernst nehmen, was er [Hannes Stein] aber unausgesprochen als indiskutabel zu implizieren scheint?
Sind es dann die Kritiker, die man wegen der Zitation dieser Phrase zur Verantwortung ziehen muss, oder derjenige /diejenigen Muslime (Christen u.a. können es also schlecht sein), die diese Phrase herausposaunen?

War es Mohammed Atta, der den Koran zitiert hat, bevor er in die Twin Towers reingerauscht ist, oder war es Hannes Steins Phraseologie, die Atta im Nachhinein hilfreich das Gütesiegel „Islamismus“ aufgedrückt hatte, weil der vom edlen „Ur-Islam“ abgerückt sei, den man sowieso nicht zu scharf kritisieren solle, da ja so vielschichtig?

Hier zeigt sich die bedenkliche Naivität Hannes Steins in theologischen Fragen besonders deutlich. Er versteht davon überhaupt nichts.
Ist es in Ordnung, wenn Hannes Stein also mehr oder weniger stringent insinuiert, dass zwischen rechtsradikalen/extremen Islamkritikern auf der einen Seite und liberalen, konservativen und linken Islamkritikern auf der anderen Seite ein Zusammenhang bestünde?
Hannes Steins Vorgehensweise ist hier besonders indifferent, unausgegoren und schwatzhaft, so sehr ich ihn auch aufgrund mancher Kontakte in den letzten Jahren schätze. Mit Formulierungen wie dieser schafft Hannes Stein genau das, was er [selbst] möglicherweise vermeiden wollte - nämlich eine Weichzeichnung des Unterschiedes zwischen Mensch und Ideologie. Er sorgt nicht für Differenzierung, sondern zündet selbst ideologische Nebelkerzen.

Kaum jemand in unserer befreundeten Blogosphäre - und ich am allerwenigsten - hat die Notwendigkeit bestritten, zwischen persönlicher Beziehung zu Menschen und der Hinterfragung ihrer Ideologie sorgfältig zu unterscheiden. Genau diese Unterscheidung trifft Hannes Stein aber nicht mehr, weil er eine [mediale/blogosphärische] Absprache unter allen Islamkritikern unterstellt, die nicht dem Bild entsprechen, das er selbst sich von [Gesellschafts-] Islamkritikern macht. In seinem Rundumschlag lässt er alles vermissen, was einen guten Journalisten auszeichnet: Nachdenklichkeit, Reflexion und sorgsame Wortwahl.
Im taz-Interview antwortet Hannes Stein auf die Frage
Was verteidigen Sie denn?
Die offene Gesellschaft. Etwa die Meinungsfreiheit mitsamt der Freiheit, den Islam zu kritisieren. Flemming Rose von der dänischen Zeitung Jylland Posten hat dazu einmal gesagt: Er möchte, dass die Muslime in Europa integriert werden. Dazu gehört, dass man sich über ihre Religion genauso lustig machen kann wie über, sagen wir, den Katholizismus. Die Muslime haben, so komisch das klingt, ein Recht darauf.
Das wirkt auf mich fast schon abstoßend, wenn man das bisher diskutierte Sujet heranzieht und bedenkt, was unten folgt.

Hannes Stein unterstellt hier unausgesprochen, dass jegliche [Gewalt-] Reaktion der Muslime auf säkulare Kritik am Islam „erlaubt“ und Grundvoraussetzung einer "offenen" Gesellschaft sei - allerdings so, wie er sie halluziniert. Hier agiert er interesannterweise sehr radikal.

Ich behaupte das , weil er es an diesem Punkt nicht näher ausführt. Wäre er ein konsequent arbeitender Journalist, dann hätte er die konkreten Bedingungen angegeben, unter denen wechselseitige Kritik zwischen Islam und am Christentum stattfindet. Das hat er aber nicht gemacht, von der real existierend krassen Unverhältnismäßigkeit der Kritik an Christentum einerseits bzw. Islam andererseits ganz abgesehen. Das kann man am Alltagsleben ablesen (Essensvorschriften, Justizwesen, Schulordung, Scharia-Verharmlosung, Abschaffung christlicher Feiern in vorauseilendem Gehorsam etc.pp.).

Und weiter führt er aus:
Übrigens ist es bei den Verteidigern des christlichen Abendlandes mit dem Philosemitismus meistens schlagartig vorbei, wenn man auf Auschwitz zu sprechen kommt.
Das ist eine Ungeheuerlichkeit. Ich weiß selbst, dass es unter so genannten Israelfreunden Antisemiten gibt, und ich habe das auch selbst oft genug thematisiert, werde das auch immer tun. Aber dass Hannes Stein sich zu einer derart pauschal-primitiven und hässlichen Äußerung hinreißen lässt, hätte ich niemals erwartet. Und wieder wirft er alles in einen Topf. Ich kommentiere das weiter nicht, weil es Zeitverschwendung ist.

Sein Schlusssatz:
Ich antworte mit einer einfachen Unterscheidung, die wir von Karl Popper gelernt haben: Ideen sollen im öffentlichen Raum gegeneinander antreten, auch der Islam in all seinen Spielarten. Ideen brauchen keinen Schutz; Kritik an ihnen, auch erbarmungslose, auch irrtümliche, ist erlaubt. Mit Menschen ist es etwas anderes. Menschen müssen geschützt werden.
Das hört sich sehr, sehr nach einem Lippenbekenntnis an, wenn es denn tatsächlich darum ginge, dass auch Islamkritiker ein Recht auf Schutz haben!

Zum Schluss möchte ich noch kurz ein Gespräch erwähnen, das wir vor etwa zwei Jahren per E-Mail führten (ich verrate da keine Geheimnisse, bin also nicht indiskret). Es ging um einen Beitrag Navid Kermanis (des Ehemanns von Katajun Amirpur) in der NZZ: Er hatte sich damals in ziemlich obszöner Art und Weise über die Darstellung des Kreuzestodes Jesu Christi echauffiert. Gut, das kann man je nach Weltanschauung verschieden betrachten.

Kann Hannes Stein sich noch daran erinnern, wie er Kermanis "Bildbetrachtung" mir gegenüber verteidigt hatte? Die gröbsten Hässlichkeiten gegen das Christentum hat er als „Freiheit der Kunst“ zu verteidigen versucht. Ich hatte damals attestiert, dass diese Freiheit eine Selbstverständlichkeit wäre, Kermani aber sehr pingelig reagiere, wenn Islamkritik geäußert werden würde. Von Hannes Stein habe ich nie wieder etwas zum Thema gehört geschweige denn leise Kritik an Kermani….
Abgesehen von seiner übertriebenen Sympathie für den Iraner: Kann er mir mal erklären, warum er bei Islamkritik bzw. Kritik an Muslimen so hektisch reagiert und gleichzeitig beim Umgang mit christlichen Gefühlen bzw. verfolgten Christen so großzügig und gleichgültig, obwohl jedes Jahr mehr als 15.000 Christen weltweit von Muslimen ermordet werden?

Mensch Hannes: Dein einseitig vorgebrachter moralischer Rigorismus geht mir auf den Keks!
Und zitiere bitte erst dann wieder Karl Popper, wenn du ihn auch wirklich ernst nimmst.

Mittwoch, Juni 29, 2011

Hundekatzt behütet

Mein Bruder Hans war kürzlich mit seiner holländischen Hilfsorganisation für Waisenkinder im weißrussischen Pribor und hat sich dort nützlich gemacht.

Eine sinnvolle Flottilla also!

Dort hat er auch diese beiden schönen Bilder aufgenommen. Zum Vergrößern bitte anklicken. Herrlich!



Update:


Uli hat auch sehr schöne Bilder - schier unglaubliche Videos!

Bitte hier und hier oder auf die Abbildung unten klicken!

Donnerstag, Oktober 07, 2010

Was hat Uli Sahm mit dem Times Square gemeinsam?

Ganz einfach:

Er wurde dort weltweit über Leuchtreklame bekannt.

Ich will jetzt nicht großartig erklären, wie es dazu kam (das steht mir auch nicht zu), aber am Times Square mit Bild und Text zu erscheinen ist schon ein Hammer und ein Beleg größter journalistischer Klasse Ulrich Sahms, die weltweit Aufsehen erregt.

Ulrich Sahm ist 1950 in Bonn als Sohn eines deutschen Diplomaten geboren. Aufgewachsen in London, Paris, Bonn, Heppenheim (1968 Abitur an der Odenwaldschule), Moskau und Ankara. Studium der evangelischen Theologie, Judaistik und Linguistik in Bonn, Köln und an der kirchlichen Hochschule in Wuppertal. Ab 1970 Studium der Hebräischen Literatur an der Hebräischen Universität in Jerusalem.


Ulrich Sahm hat kürzlich einen Artikel verfasst, der sich mit Marc Daniels beschäftigt, einem amerikanischen Juden, der eine Kampagne gegen Hass startet und dafür kabbalistische Ideen zur Diskussion stellt.

Castollux
hat Ulrich Sahms Beitrag 1:1 eingestellt und lediglich ein paar Tippfehler ausgebessert.

Vom Korrespondenten zur Leuchtreklame


Eine etwas absurde Karriere
Ulrich Sahm


Ein amerikanischer Jude startet eine Kampagne gegen den Hass, benutzt dafür kabbalistische Ideen, ein Foto von „Schindlers Liste“ und stößt in Deutschland auf Bedenken. „I have a dream“ (Ich habe einen Traum) hatte der amerikanische Schwarzenführer Martin Luther King in Washington gerufen und Afroamerikaner motiviert, gegen die in Amerika übliche Rassentrennung von Schwarzen und Weißen anzukämpfen.

Den mitreißenden Slogan Kings hat jetzt Marc Daniels für eine eigene Kampagne aufgegriffen, um „Hass zu jäten“. Daniels, ein amerikanischer Jude, spricht fließend Deutsch. Er reist oft nach Deutschland und Israel. Sein Großvater hatte einen Gartenbaubetrieb und ein Gerät erfunden, das Wasser mit Dünger den Wurzeln eines Baumes zuführt. Der Gartenbauexperte Daniels kennt die deutschen Hersteller von Schaufeln und Hacken sowie israelische Experten für Tröpfchenbewässerung. Die führt Pflanzen in exakten Dosen Wasser zu und bewirkt Wunder.


In Israel hatte Daniels noch andere „Geschäfte“. Er suchte die spirituellen Wurzeln seines Judentums und fand die Kabbalah, wie sie Michael Laitman verbreitete. "Ich entdeckte die Brücke zwischen meiner Familie und meinen kulturellen wie spirituellen Stammbaum.” Er wollte die Geheimlehren der Kabbalah metaphorisch Gärtnern zugänglich machen. “Macht Euch die Finger dreckig, um Unkraut auszureißen, und so symbolisch den Hass in der Welt auszurotten”, formuliert Daniels.


Rabbi Michael Laitman, ein russischer Ingenieur, hat sich mit kabbalistischen Lehren ein weltweites Millionenheer von Anhängern geschaffen. Von einem Industriegebäude nahe Tel Aviv aus lenkt Laitman mit Fernsehstudios und Internetauftritten ein Imperium.


Daniels hatte meine Artikel gelesen und verstanden, dass ich in jüdischen Angelegenheiten bewandert sei. Wir verabredeten ein Treffen. Zwei Stunden lang versuchte er erfolglos, mich von Laitmans Lehren zu überzeugen. Daniels schlug vor, den Rabbi „exklusiv“ zu interviewen. Nur bat er mich, den Rabbi nicht zum Thema Holocaust zu befragen.


Klicken sie einmal auf das Bild unten: dort wird Ulrich Sahm mit seiner Message abgebildet.

Der Text-Stream darüber....; und das am Times Square. Eine wesentlich bessere Bildauflösung hier:


Zum Abgleich:

In der Kabbalah-Zentrale saßen Dutzende „Freiwillige“ in Kabuffs von einer Größe 1 Quadratmeter bei künstlicher Beleuchtung und übersetzten die Predigten des Rabbi in alle möglichen Sprachen. Der Rabbi selber war gekleidet wie ein Rabbi, aber schnell stellte sich heraus, dass er kein gelernter Rabbiner war. Wie versprochen, befragte ich ihn nicht zum Holocaust, sondern nur, weshalb er über das Thema nicht reden wolle.

Der vermeintliche Rabbi meinte, dass Massenmorde und Krieg Teil eines Gottesplanes seien, Hitler also eine „Marionette Gottes“. Damit war für mich das Interview beendet.


Daniels hielt weiter Kontakt. Er hatte die Idee entworfen, Kindern beizubringen, den Hass auszurotten, so wie man Unkraut jätet. In den USA fand er er Anhänger für ein Projekt, Kleinkinder Unkraut jäten zu lassen, um so symbolisch den Hass zu tilgen und sie gleichzeitig der Natur näher zu bringen. Auch der Präsident im Weißen Haus wurde aufgefordert, in seinem Garten Unkraut zu jäten.


Inzwischen hatte Daniels mein Buch „Alltag im gelobten Land“ gelesen und darin das Kapitel entdeckt, wie ich den mit Dokumenten gefüllten Koffer des Oskar Schindler vom Tel Aviver Flughafen abhole, während die Polizei in den Räumen der Stuttgarter Zeitung nach dem Koffer fahndet. Ehe ich auftragsgemäß den Koffer an die Holocaust-Gedenkstätte Jad Vaschem übergab, lagen die Materialien in meinem Wohnzimmer, mitsamt Originalen von „Schindlers Liste“. Die sind durch den gleichnamigen Spielberg-Film weltberühmt geworden.

So entstand das Foto, wie ich „Schindlers Liste“ studiere. Das Bild schmückte ausgerechnet am 11.9. eine Leuchtreklame auf dem New Yorker Times Square. So warb Marc Daniels für seine Kampagne „Weed Out Hate“ (Jätet den Hass). Die geballte Symbolik war Absicht.


Ausgerechnet in Deutschland stieß Daniels auf Widerspruch. Grüne beklagten, dass Unkraut doch Teil der Natur sei und geschützt werden müsse. Andere bemängelten, dass Nazis die Juden zum Unkraut erklärt hätten, das ausgerottet werden müsse. Daniels, der amerikanische Jude und Kenner der deutschen Mentalität, hätte nicht damit gerechnet, dass seine gut gemeinte Kampagne gegen Hass ausgerechnet bei deutschen Naturfreunden und Geschichtskennern auf Bedenken stoßen würde.


(C) Ulrich W. Sahm, 30. September 2010

http://www.hagalil.com/01/de/Israel.php?itemid=3077

http://www.n-tv.de/politik/politik_kommentare/Weltmacht-Kabbalah-article40502.html
http://www.prnewswire.com/news-releases/journalist-and-schindlers-list-facilitator-ulrich-sahm-endorses-weed-out-hate-initiative-102679589.html

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Herzlichen Dank an Uli für die Bereitstellung des Artikels und das Angebot, es bei Castollux veröffentlichen zu lassen.

Freitag, August 07, 2009

Ulrich Sahm: Arafats mysteriöser Tod

GASTBEITRAG

Arafats mysteriöser Tod
ULRICH W. SAHM
Jerusalem, 7. August 2009


Hinweis: (Fast) alle Bilder können Sie durch Anklicken vergrößern.

Bis heute ist die Todesursache des PLO-Gründers und palästinensischen Präsidenten Jassir Arafat umstritten (Bild rechts: Inschrift auf Arafats Grab).

Am 12. Oktober 2004 brach Arafat nach einer Mahlzeit in seinem Hauptquartier in Ramallah, der Mukata, zusammen. Er wurde in ein Pariser Krankenhaus ausgeflogen. Erst nachdem das finanzielle Erbe Arafats, darunter eine monatliche Apanage für seine Witwe Suha in Höhe von 22 Millionen Dollar jährlich ausgehandelt war, erklärten die französischen Ärzte am 11. November 2004 Arafats Tod. Jordanische Hubschrauber brachten seinen Sarg nach Ramallah, wo er unter Tumulten im Hof der Mukata begraben worden ist.

Schlechtes Omen für Arafat: Während des Trauerzugs von Arafats Sarg bricht plötzlich eines der Pferde, das die Lafette zieht, tot zusammen.









Wegen des Chaos' beim Begräbnis wird Arafats Sarg senkrecht in die Grube herabgelassen. So ist gewiss, dass er nicht gen Mekka schaut, wie es sich für einen guten Moslem geziemt.


Jetzt hat die Autonomiebehörde beschlossen, neben seinem mehrfach umgestalteten Mausoleum für 1,2 Millionen Euro ein Museum zu errichten, finanziert durch Steuergelder der EU (siehe nächstens Bild unten links). Den Grundstein dazu will Abbas am Jahrestag von Arafats Tod legen.



Die unklare Todesursache Arafats wurde vom Neffen Arafats, dem ehemaligen Uno-Botschafter der PLO und Außenminister der Autonomiebehörde, Nassar el Kidwa, beim Fatah-Parteitag in Bethlehem thematisiert. Die zweitausend Delegierten erhoben sich und bestätigten mit erhobenen Händen „einstimmig“ die Feststellung, dass Arafat von Israel „vergiftet“ worden sei. Erwartungsgemäß wies Israel in einer offiziellen Erklärung diese „Verschwörungstheorie“ empört zurück.

Arafats Tod erhielt für die Fatah eine brisante politische Aktualität. Faruk Kadoumi, schärfster Kritiker von Abbas, der Autonomiebehörde und der Osloer Verträge mit Israel, PLO-Mitgründer und Leiter der „politischen Abteilung“, hatte behauptet, dass Abbas zusammen mit den Israelis Arafat vergiftet hätte. Für die Fatah ist Arafat eine Ikone und einziges Bindeglied. In Bethlehem tagt die zerstrittene Partei unter einem überdimensionalen Portrait ihres mythologischen Gründervaters. Obgleich el Kidwa und andere hochrangige PLO-Mitglieder den „mehrere hundert Seiten starken französischen Ärztebericht“ besitzen, wurde er von der Autonomiebehörde nicht veröffentlicht, heißt es am Freitag in Haaretz. Diese israelische Zeitung hatte den ihr ebenfalls vorliegenden Report im September 2005 auszugsweise veröffentlicht.

Das Gutachten wurde damals israelischen Ärzten vorgelegt. Daraus gehe hervor, dass in Paris keinerlei Gifte in Arafats Körper entdeckt worden seien. Gleichzeitig erwähnte der Report keine Ursache für die Krankheit Arafats. In den Hunderten Seiten des Gutachtens gebe es nach Angaben der israelischen Ärzte „nicht die geringste Andeutung, dass Arafat unter AIDS gelitten habe“, obgleich die beschriebenen Symptome typisch für für die Immunschwäche seien. Zudem kursierten in der Umgebung Arafats schon vor seinem Tod Gerüchte, wonach er mit HIV infiziert sei. Aus dem Report gehe hervor, dass Arafat wahrscheinlich an den Folgen einer Nahrungsmittelvergiftung gestorben sei.

Zu der Verschwörungstheorie, wonach Israel oder die PLO-Spitzen Arafat vergiftet hätten, schreiben die Reporter des Haaretz: „Die Vorstellung, dass der damalige Ministerpräsident Ariel Scharon gemeinsame Sache mit palästinensischen Politikern gemacht hätte, um Arafat umzubringen, entbehrt jeglicher Logik.“ Die Reporter empfehlen Abbas, den „vertraulichen“ Ärztereport zur Veröffentlichung freizugeben, „damit sich jeder ein eigenes Urteil“ bilden könne.

Die Zuverlässigkeit französischer Angaben muss freilich in Frage gestellt werden, wenn man Arafats offiziellen Totenschein prüft. Da wird Jerusalem und nicht Kairo als Geburtsort angegeben. Die Namen seiner Eltern werden als „unbekannt“ angegeben.

Aus eigener Erfahrung sei hier erwähnt, dass israelische Soldaten 2002 die Mukata Arafats umzingelt hatten und in einem Zimmer neben Arafats Sitzungssaal saßen. Im Jahr 2004 war es leichter, sich Arafat mit schweren Taschen zu nähern, als ein israelisches Restaurant oder Kaufhaus zu betreten. Die wachhabenden Sicherheitsleute verlangten von Journalisten nur, ihr Handy abzugeben und warfen keinen Blick in die Taschen mit Kameras und Aufnahmegeräten. In denen hätte man auch eine Pistole oder eine Handgranate verstecken können. Die Durchleuchtungsmaschine beim Eingang zu Arafats Hauptquartier war monatelang außer Betrieb und mit einer Plastikplane verdeckt.

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Dank an Ulrich Sahm!