Donnerstag, Februar 21, 2008

"Gestapo in Liechtenstein"

Ausnahmsweise übernehme ich einmal einen Beitrag des SPIEGEL, so wie er veröffentlicht wurde, auch wenn mich der SPIEGEL oft nicht mehr überzeugt. Diesmal allerdings schon:


LIECHTENSTEIN-AFFÄRE

Der SPIEGEL schreibt:

Oberster Schweizer Bankier vergleicht deutsche Steuerfahnder mit Gestapo

Liechtenstein als "Schurkenstaat", die Schweiz als "größter Bremser" im Kampf gegen Hinterzieher: In dem gigantischen Steuerskandal eskalieren die gegenseitigen Angriffe. Ein Schweizer Spitzen-Bankier warf Deutschland sogar "Gestapo-würdige Methoden" vor - bereut dies allerdings inzwischen.

Berlin/Genf - Der Besuch von Otmar Hasler hat nicht viel gebracht. Gestern war Liechtensteins Regierungschef zu Gesprächen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in Berlin. Sein Ziel: die Wogen im Steuerstreit glätten, gut Wetter machen, den Ruf des Fürstentums retten.

Haslers Mission ist gescheitert. Das wird spätestens heute klar, da sich alle Seiten mit neuen Angriffen übertreffen.

SPD-Finanzexperte Joachim Poß wirft Liechtenstein im SWR systematische Beihilfe zur Steuerhinterziehung vor.

"Das Verhalten erinnert schon eher an einen Schurkenstaat."

Das Anlocken deutscher Steuerflüchtiger müsse unterbleiben, die Zusagen Liechtensteins zur Bekämpfung der Steuerflucht reichten bei weitem nicht aus, das Stiftungswesen müsse dringend reformiert werden. Der Koalitionspolitiker macht damit deutlich:

Die Affäre Liechtenstein ist aus Sicht der Berliner Politik noch lange nicht vorbei. Die Steuerhinterziehung im großen Stil müsse gestoppt werden. Poß sagte, "dass hier im deutschsprachigen Raum der Steuerspartrieb stärker ausgeprägt ist als der Sexualtrieb".

Auch die andere Seite spart nicht mit drastischen Ausdrücken. Der Vorsitzende der Schweizerischen Bankiervereinigung, Pierre Mirabaud, schlug sich heute öffentlich auf die Seite Liechtensteins - und damit auf die der deutschen Steuersünder. Im französischsprachigen Sender des Schweizer Fernsehens brachte er das Vorgehen der deutschen Steuerfahnder mit dem Nationalsozialismus in Zusammenhang."

Das sind Methoden, die leider ein bisschen an Gestapo-würdige Methoden erinnern", sagte Mirabaud in einem Interview am Mittwochabend. Der Genfer Privatbankier vertritt mit rund 350 Schweizer Banken alle führenden Institute.

Mittlerweile hat Mirabaud seine Äußerungen bedauert. Im Gespräch mit manager-magazin.de sagte er, der Vergleich sei "unglücklich" (mehr...).

Die Schweiz selbst sieht Mirabaud nicht im Fadenkreuz der deutschern Ermittler. Allerdings zeigte Mirabaud auch kaum Kooperationsbereitschaft mit den deutschen Behörden. Auf die Frage, ob Schweizer Bankangestellte gegen Bezahlung bereit wären, in der aktuellen Affäre als Informanten zu fungieren, entgegnete er, dass das deutsche Steuersystem attraktiver gemacht werden müsse.

Laut einer Umfrage unterstützt die Mehrheit der Deutschen die Aufklärung der aktuellen Fälle von Steuerhinterziehung. 51 Prozent der Bundesbürger sind davon überzeugt, dass Steuersünder das gesamte Wirtschafts- und Gesellschaftssystem in Deutschland gefährden. Das ergab eine Forsa-Umfrage im Auftrag des Senders n-tv. 46 Prozent teilen diese Auffassung nicht. Besonders erschreckend: Eine Mehrheit von 63 Prozent der Deutschen glaubt nicht, dass härtere Strafen für Steuerhinterzieher eine abschreckende Wirkung auf Steuersünder haben.

Auch die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) mischt sich in die Affäre ein. Demnach habe Deutschland schon heute Möglichkeiten, alle Finanzströme nach Liechtenstein zu überwachen. Grundlage sei die Schwarze Liste der OECD, auf der das Fürstentum wie andere Steueroasen stehe, sagte OECD-Steuerexperte Lorenz Jarass den "Passauer Neuen Nachrichten".

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Konkret bedeute eine solche Überwachung, dass "jeder, der Geld nach Liechtenstein transferiert", dies gegenüber den Behörden begründen müsste. "Bei Beanstandungen könnten diese Zahlungen für illegal erklärt und gegebenenfalls auch eingezogen werden."

Der ehemalige Bundesfinanzminister Hans Eichel hat sich für ein weltweites Vorgehen gegen Steuerhinterziehung ausgesprochen. Es sei unglaublich schwierig, Steueroasen auszutrocknen, sagte der SPD-Abgeordnete im rbb-radioeins. Die Schweiz nannte er "den größten Bremser im Kampf gegen die Steuerhinterziehung".

Das Land sei zwar kein Mitglied der Europäischen Union. "Aber hinter ihm verstecken sich alle anderen und sagen, solange die Schweiz nicht Auskünfte an die Steuerbehörden der anderen Länder gibt, machen wir das auch nicht, weil das Geld dann bei uns abfließt", sagte Eichel. Das gelte vor allem für Luxemburg, Österreich und Belgien.

"Dem deutschen Recht fehlt die Autorität"

Renommierte Finanzexperten machen dagegen das deutsche Steuersystem mitverantwortlich für die Hinterziehung von Steuern. Der Heidelberger Experte Paul Kirchhof sagte der "Rhein-Neckar-Zeitung", er habe "Verständnis für denjenigen, der gegenüber dem deutschen Steuerrecht nur ein schwaches Rechtsbewusstsein ausbildet." Das Steuerrecht sei nicht verständlich, weil es zu viele Möglichkeiten biete, auszuweichen.

"Wieso sind Menschen, die beruflich sehr erfolgreich sind, die sehr viel Geld verdienen, bereit, ein so großes Risiko einzugehen", fragte Kirchhof mit Blick auf die aktuellen Fälle von Steuerhinterziehung. Bei Abwägung von Risiko und Chance dürfte dazu niemand bereit sein, "es sei denn, diesem Recht, das er beachten soll, fehlt die Autorität".

Ähnlich äußerte sich der Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Norbert Walter. "Wir haben nichts, was man Steuersystem nennen könnte. Das ist eine Katastrophe", sagte Walter im Deutschlandfunk. Die steuerlichen Regelungen seien nicht gerecht, sondern sorgten dafür, dass viele Menschen ihre Zeit mit der Frage verbrächten, wie sie die Zahlung von Steuern vermeiden können.

Quellen: wal/Reuters/AP/AFP/dpa/ddp

Mittwoch, Februar 20, 2008

London: Morddrohung gegen israelischen Fußballtrainer


Das war (leider) fast schon zu erwarten

Lizas Welt hatte Avraham Grant, dem Nachfolger José Mourinhos beim englischen Topclub FC Chelsea, im September 2007 einen ausführlicheren Beitrag gewidmet. Grant hatte von Anfang an Schwierigkeiten, bei Fans und Medien "anzukommen"; aber dass ihm jemand eine Morddrohung zukommen lässt, muss größte Besorgnis hervorrufen.

Antisemitische Anfeindungen gegen Grant hatte es schon unmittelbar nach seiner Einstellung bei Chelsea gegeben.

So schrieb im Evening Standard der ehemalige konservative Kulturminister David Mellor, dass Grant, der noch nie einen großen Club trainierte, nur "aus einem Grund" kam: "Er ist ein Israeli-Russe in einem Klub, der einem von Israel besessenen Russen gehört." Weiter hieß es in dem Artikel des 1992 wegen einer Sexaffäre zurückgetretenen Politikers: "Caligula machte sein Pferd zum Konsul, und Abramowitsch machte seinen Fußballdirektor, Gott hilf uns, zum Trainer."

Dass Formulierungen wie diese bei Antisemiten auf fruchtbaren Boden fallen würden, war unschwer zu erraten.

Wenn selbst Martin Samuel von der renommierten Times über das "jüdische Erbe" Grants schwadronierte, darf es auch nicht verwundern, wenn die eher zur rechten Klientel zählenden Fangemeinde des FC Chelsea in den Internetforen sich seither so richtig austobt. "Vielleicht wird er auf brutalen Angriff setzen", so ein Fan, "Das ist doch eine Taktik, die die Israelis gerne anwenden, besonders gegen Palästinenser." Oder ein weiterer Forenteilnehmer: "Grant ist nur einer von vielen Hebräern, die in den letzten Jahren gekommen sind, um unseren Club zu retten."

Die Saat muss nicht erst aufgehen. Sie keimte schon.

E. Hausen
von "Israelnetz" heute mit dieser Nachricht:


LONDON (inn) - Die britische Polizei ermittelt wegen Morddrohungen gegen den israelischen Trainer des Londoner Fußballvereins Chelsea, Avraham Grant (Abbildung) . Im Trainingsgelände im nahe gelegenen Cobham ging ein Briefumschlag ein, der ein weißes Pulver enthielt.

Wie die Zeitung "Daily Mail" am Mittwoch berichtet, öffnete ein Mitarbeiter die Postsendung. Darin fand sich ein Brief, in dem Grant als "hinterhältiger jüdischer Bastard" beschimpft wurde. "Wenn Du diesen Brief öffnest, wirst Du einen sehr langsamen und schmerzhaften Tod sterben", schrieb der anonyme Absender weiter. Eine zweite Botschaft enthielt sexuelle Drohungen gegen Grants Ehefrau Zofit und fügte hinzu: "Dann wird sie sterben."

Eine Untersuchung im Labor ergab, dass das Pulver unschädlich war. Grant und seine Mannschaft hielten sich nicht in England auf, als der Drohbrief eintraf. Sie waren für ein Champions-League-Spiel gegen Olympiakos in die griechische Hauptstadt Athen geflogen. Dieses fand am Dienstagabend statt und endete mit einem torlosen Unentschieden.

Der Israeli hatte den Posten des Cheftrainers bei dem renommierten Club im September von José Mourinho übernommen. Von manchen Fans, die diesen Schritt der Vereinsleitung missbilligten, wurde er mit rassistischen Parolen begrüßt. Mittlerweile hat er sich jedoch durch eine erfolgreiche Arbeit den Respekt vieler Anhänger erworben. Bei Chelsea steht unter anderen der deutsche Nationalspieler Michael Ballack unter Vertrag.

Hat tip: Lizas Welt

Sonntag, Februar 17, 2008

I Saw Her Standing There


Alter schützt nicht vor Qualität

Paul McCartney in den 1980-er Jahren auf Tour

Seiner zweiten Frau Linda (links mit ihm) gebührt ein gerüttelt Maß Anteil daran, dass die Wings nach der Auflösung der größten Rockgruppe aller Zeiten - den Beatles, wer sonst - so gigantische Erfolge hatten.

Der schier unerschöpflichen Kompositionskunst Paul McCartneys ist es zu verdanken, dass die Popmusik bis heute um einen Hit nach dem anderen im unvergesslichen Sound der Beatles bereichert wurde.

Nach der Trennung der "Fab Four" und der Ermordung John Lennons war für viele Beatles-Fans - auch für mich - eine Welt zusammengebrochen.

Es schien beinahe unmöglich, dass der Sound der Beatles noch einmal wenigstens ansatzweise zu hören wäre.

Aber immer dann, wenn ich Paul, George Harrisson oder Ringo Starr hörte, lebte in mir das Gefühl weiter, dass sie doch noch zusammen sind.

Paul McCartney hat bei seinen Auftritten stets die alten Hits der Beatles gespielt.

Hier einer der größten Songs, den die Beatles jemals live gesungen haben:

I Saw Her Standing There
Los Angeles, 1986

Was mir am Publikum auffällt: Keine künstlich erzeugte Stimmung durch vorher verteilte Lichtkerzen, wie man das sonst so oft beobachten muss. Stattdessen impulsive und spontane Freude.

P.S.: Verzeiht mir meine "Beatlemania" oder weist mich in eine Beatles-Krankenhaus ein....


Samstag, Februar 16, 2008

"Du kannst jeden für alles einsperren"


Willkürliche Schattenjustiz im Iran

Die iranischen (und syrischen) Machthaber scheinen Justitia zu lieben, wie man anhand der Reaktionen nach dem unverhofften Ableben des Terrorfürsten Imad Moughniyah feststellen kann. So schnell konnte man gar nicht mit den Fingern schnippen, da kündigten sie schon an, dass sie den Anschlag auf den Hisbollah-Kommandeur gemeinsam untersuchen wollten, so die amtliche iranische Nachrichtenagentur IRNA am Freitag.

Überraschen muss es wahrlich nicht, wenn verbrecherische Regimes an der Aufklärung von Fällen wie dem oben angesprochenen ein gesteigertes Interesse haben, dessen Protagonisten Verbrecher und Gangster der übelsten Sorte sind, die auf diesem Globus ihr Unwesen treiben. Und ebenso folgerichtig ist daher, dass es in den Staaten Iran und Syrien selbst alles andere als rechtsstaatlich zugeht.

Human Rights Watch nimmt die Menschenrechtsverstöße des Iran schon seit Jahren näher unter die Lupe und beschäftigt sich im unten stehenden Beitrag mit der Willkür, der die iranische Opposition ausgesetzt ist. Castollux hat die Zusammenfassung übersetzt.

Herzlichen Dank an Nasrin Amirsedghi für die Anregung.


"Du kannst jeden für alles einsperren"

KurdishMedia.com

Zunehmend mehr Menschen aus politischen Gruppen im Iran werden wegen ihrer Aktivität und ihres friedlichen Widerstandes gegen die Regierung eingesperrt - aus Sicherheitsgründen, wie es heißt. Die Inhaftierten werden oft in Einrichtungen gefangen gehalten, die nicht der allgemeinen Gefängnisverwaltung unterstehen. Die berüchtigste ist die Sektion 209 im Teheraner Evin-Gefängnis, wo die Gefangenen Folter und brutalen Verhörmethoden ausgesetzt sind. Oft lassen die Behörden nach Wochen oder Monaten nur diejenigen frei, für die eine Kaution hinterlegt oder deren Gefängnisstrafe aufgehoben wird, wobei die Schergen stets mit der Wiedereinlieferung ins Gefängnis drohen, um die Häftlinge einzuschüchtern, sich forthin nicht mehr politisch zu betätigen oder offen abweichende Meinungen äußern.

Unterdrückung abweichender friedlicher Meinungsäußerungen war und ist ein Merkmal aller Regierungen der Islamischen Republik Iran, und es gab schon reichlich gesetzlichen Ermessensspielraum für die Verfolgung von Regimekritikern, als Mahmoud Ahmadinejad im August 2005 das Amt des Präsidenten übernommen hatte. Allem Anschein nach ist es die große Ausweitung in den Wirkungsbereich und die Zahl der Menschen und Organisationen hinein, die Ahmadinejads Amtszeit heute von den vorherigen unterscheidet.

Seit August 2005 haben iranische Sicherheitskräfte mindestens 35 Mitglieder der iranischen Frauenbewegung in Evin 209 inhaftiert. Sie sperrten auch Lehrer ein, die für bessere Gehälter und Altersvorsorge demonstrierten, Studenten und Aktivisten, die sich für soziale und politische Reformen einsetzten, außerdem Journalisten und Wissenschaftler, die sich politisch nicht aktiv betätigt hatten. In der Mehrzahl aller Fälle verbrachten die Inhaftierten einen Teil ihres Freiheitsentzugs oder die ganze Zeit über in Isolationshaft (manchmal monatelang) ohne die Möglichkeit, von ihren Familien besucht zu werden oder mit ihnen sprechen zu können; sie wurden massivem psychischen und physischen Druck ausgesetzt, um Geständnisse erpresst zu zu bekommen, ob wahrheitsgemäß oder nicht. Eine Reihe von Gesetzen im islamischen Strafgesetzbuch des Iran mit dem Titel "Verstöße gegen die nationale und internationale Sicherheit des Landes" ("Sicherheitsgesetze"), verschafft der Regierung breiten Spielraum, jegliche friedliche Aktion zu unterbinden, die sie als Kritik an ihrer Politik wahrnimmt.

Das iranische Gesetz beinhaltet auch die Verweigerung eines fairen Verfahrens für Häftlinge, die aus Sicherheitsgründen eingesperrt sind. Obwohl die iranische Verfassung eine Strafprozessordnung kennt und das Gesetz für Bürgerrechte einige Vorschriften zum Recht der Inhaftierten und den Vernehmungsmethoden enthält, bietet das iranische Gesetz auch Grundlagen, diese Rechte vorzuenthalten und die vorgeschriebenen Bestimmungen zu missachten. Mehr als in jeder anderer Periode der neueren iranischen Geschichte haben die Behörden die Sicherheitsgesetze als Vorwand für politisch motivierte Festnahmen und Inhaftierungen angewandt. Oft gibt es weder Haftbefehl noch andere gesetzliche Grundlagen, mit der Festnahmen begründet werden; stattdessen verhören die Behörden die Inhaftierten ohne Beisein eines Rechtsanwaltes, mit der Absicht, ihm ein „Geständnis“ abzupressen.

Dieser [Human Rights Watch] Bericht skizziert das rechtsstaatliche Verfahren unter Berücksichtigung der iranischen Strafprozessordnung ebenso wie die sicherheitsrelevanten Vorkehrungen, die quasi die Rechte aushöhlen. Ein weiteres besonderes Merkmal politisch motivierter Inhaftierungen unter Ahmadinejads Regierung betrifft nicht nur die Aktionen Einzelner, sondern auch ihre Verbindungen zu ausländischen Institutionen, Einzelpersonen oder (finanziellen) Unterstützerquellen. Regelmäßig wendet die Regierung die allgemein konzipierten Sicherheitsgesetze an - gegen Frauenrechtlerinnen, Studentenführer und Gewerkschaftsfunktionäre, um nahezu jeden unter Anklage zu stellen, „Spionage“ zu betreiben, „gegen die nationale Sicherheit zu agieren“, „aus dem Ausland finanziert zu werden“ oder eine „geheime Revolution" zu planen. Die Regierungspolitik der USA, Unterstützungsfonds für einen "Regime Change" im Iran zu fördern, wurde von der iranischen Regierung aufgegriffen, unabhängige iranische Bürgerrechtler zu beschuldigen, Agenten ausländischer Pläne zu sein. Prominente iranische Aktivisten haben aufgezeigt, wie die iranische Regierung die US-amerikanische Unterstützung dieser Fonds propagandistisch ausbeutete, um ihr brutales Vorgehen gegen eine bürgerliche Gesellschaft zu intensivieren.

Human Rights Watch fordert die Regierung des Iran auf, die vagen Sicherheitsgesetze und andere Gesetzgebungsverfahren zu ergänzen oder abzuschaffen, die es der Regierung ermöglichen, Menschen wegen ihrer friedlich geäußerten politischen Meinung in Interessengruppen und Verbänden willkürlich zu unterdrücken und zu verfolgen - ; dies im Bruch mit den Verträgen zu den internationalen Menschenrechten, zu denen auch der Iran sich verpflichtet hatte. Human Rights Watch fordert ebenso die Regierung auf, die Inhaftierten in Übereinstimmung mit den internationalen Standards zu behandeln und Evin 209 entweder unter Aufsicht der regulären Gefängnisverwaltung zu stellen oder endgültig zu schließen. Human Rights Watch appelliert an die Regierung der USA, sich offen auf die Seite der iranischen Zivilgesellschaft bezüglich seiner Unterstützungsfonds zu stellen, damit die Unterstützung durch die USA kein bequemer Vorwand für weitere Unterdrückung ist.

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Update Iran: 90 Prozent der Reformer dürfen nicht kandidieren

Bei der iranischen Parlamentswahl sind 90 Prozent der wichtigsten Reformkandidaten nach Angaben ihrer Parteien nicht zur Wahl zugelassen worden. Die Koalition der Reformgruppen werde sich nach den Verboten des Wächterrates nur noch um 67 der 290 zur Wahl stehenden Sitze bewerben können, sagte ein Sprecher der Gruppe gestern. Der Rat überprüft die Kandidaten nach Kriterien wie Loyalität zum islamischen Staatssystem.

Beim ersten Durchgang hatten mehr als 2.000 der 7.200 registrierten Bewerber keine Zulassung erhalten. Die Islamische Republik wählt am 14. März ein neues Parlament. Die nächste Präsidentenwahl steht 2009 bevor.

Hat tip: Nasrin Amirsedghi

Dienstag, Februar 12, 2008

Runaway Boys


If Rockabilly, than the best ever...

Wenn man Rockabilly, Punk und New Wave aus den 1980er-Jahren in einem Namen zusammenfassen will, dann in The Stray Cats (Im Bild rechts Leadsänger Brian Setzer). Faszinierender und musikalisch treffender lässt es sich kaum beschreiben.

Wer von diesem Sound damals nicht mitgerissen war, muss sich wohl Stöpsel in die Ohren gesteckt oder stur auf Durchzug geschaltet haben. Sozusagen eine Wachablösung David Bowies auf einer anderen Ebene in der Darstellung der metrosexuellen Performance. Platon lässt aus seiner a-sexuellen Gruft grüßen. Nicht abwertend gemeint...; eher eine ästhetische Einschätzung.

Also bitte: Lautstärke voll aufdrehen oder Kopfhörer aufsetzen. Wenn Sie den Vollbildmodus haben wollen, klicken Sie bitte irgendwo neben den Pfeil. Ach, hätte ich fast vergessen: Brian Setzer spielt eine sensationell lässige Sologitarre.



Noch ein kleines Schmankerl hinterher. Man könnte fast geneigt sein zu sagen: "Stray Cats in Moll". Lässiger und entspannter gehts kaum noch.



Dank an den Wikipedia-Autor für die wichtigsten Details:

Stray Cats wurde im Sommer 1979 von Brian Setzer, Slim Jim Phantom und Lee Rocker gegründet. Im Juni 1980 siedelte die Band von Long Island Town Of Massapeaqua, New York, nach Großbritannien über, in der Erwartung, dass das europäische Publikum ihre Musik besser zu schätzen wisse als das amerikanische. Dave Edmunds übernahm dort die Produktion ihrer ersten Singles und Teile des ersten Albums.

1982 waren sie u. a. im Vorprogramm der US-Tour der Rolling Stones zu sehen.

1983 gelang der endgültige Durchbruch in Deutschland mit dem legendären Konzert auf der Loreley am 20. August.

1984 trennte sich die Gruppe zum ersten Mal, doch schon 1986 kam es zu einer ersten Reunion, die bis 1992 anhielt.

Bis zu einer weiteren Reunion im Jahre 2003/2004 gingen die einzelnen Mitglieder ihren Solo-Karrieren nach, wobei Brian Setzer mit dem Brian Setzer Orchestra am erfolgreichsten war. Besonders erwähnenswert ist dabei das 1998er Album The Dirty Boogie, welches mehrere Millionen Male verkauft und mit zwei Grammys prämiert wurde. Außerdem das 2005 erschienene Tribute To Sun Records mit dem der Gitarrist seinen musikalischen Vorbildern huldigte.

Am 5. Juli 2003 kam es in Hootenanny (Kalifornien) zu einem ersten Reunion-Konzert, dem eine Tour durch die USA und Europa folgte. Dabei wurde auch das Live-Album Rumble In Brixton samt DVD aufgenommen.

Dazu Brian Setzer:

„Rockabilly ging tiefer als der Blues. Er hatte ein eigenes Gesicht, ein eigenes Outfit, eine eigene Frisur und einen Sound, der in den Füßen krachte. Rockabilly war auffallend, hart und vielschichtig. Rockabilly hatte all die Dinge, die wir so mochten. “

Dem ist nichts hinzuzufügen.

Hat tip: Erika

Freitag, Februar 08, 2008

Do it again, McCain!


Es gibt wohl kaum einen Kandidaten bei der diesjährigen Wahl zum Präsidenten der USA, der von so vielen Medien, den Demokraten und der eigenen Partei angefeindet worden ist wie der Vietnam-Veteran McCain.

Und gerade deshalb mag ich ihn.

Selten ist ein Mann mit einer so großartigen Vita wie er in einer dermaßen miesen Art und Weise angegangen worden - auch jetzt in den Primaries ; sowohl von seinen rechtskonservativen „Freunden“ als auch von den „Demokraten“ - was auch immer man sich unter Demokraten im Dunstkreis von Washington vorstellen mag.

Mir geht die Hutschnur hoch, wenn ich konstatiere, wie man ihm übel nimmt, dass er als abgeschossener Jet-Pilot im Vietnamkrieg unmenschlich leiden musste, als er das berüchtigte „Hanoi-Hotel“ (Davon gibt es natürlich keine Bilder, logisch) überlebte, damals als schwer körperlich und psychisch geschädigter Kriegsgefangener entlassen, und wenn er sich heute gegen Foltermethoden einsetzt und gleichzeitig aber beispielhaft darauf verweist, wie schlimm es ihm selbst erging.

Sein Axiom, die amerikanische Politik weiterhin konsequent darauf auszurichten, den Killer Osama bin Laden ausfindig zu machen und gleichzeitig die Menschenrechte einzuhalten, ist für mich an Glaubwürdigkeit nicht mehr zu übertreffen und ich finde das überaus sympathisch. Ich glaube ihm, weil er selbst jahrelang unter unsäglichen Schmerzen durch die Folter der Vietcong immer daran geglaubt hat, dass er freikommen wird.

Er bezeugte damals: „Mein Gaube an Gott, die Gewissheit, dass man mich nicht vergisst und dass die USA mich irgendwann aus dieser Hölle herausholen wird.“

Sollte das jetzt alles vergessen sein?

Es war wohl von all’ jenem ein wenig, was ich oben angesprochen habe und wie er es selbst sagte, - "wenn man an Gott, die Vereinigten Staaten und an die Freiheit glaubt." (O-Ton McCain).

Ein Mann, der so viel (grauenhafte) existentiell schlimme Erfahrungen durchgemacht hat, der heute seine Arme zum Jubeln (wegen der Foltern damals) nicht mehr heben und nicht mehr richtig laufen kann, weil seine Beine von den Vietcong zerschmettert wurden, hat meinen größten Respekt, wenn er sich für das höchste Amt der Welt bewirbt.

Nein, nicht nur meinen, sondern von allen, die auf der Seite der USA und der Seite der Freiheit der Welt stehen. Den "Respekt" der anderen braucht er nicht.

Für mich ist er schon jetzt ein zweiter Roosevelt. Und man unterschätzt ihn (bis jetzt) grandios. Meine ganz große Anerkennung und Zustimmung hat er.

Doch nun kurz zu den Herausforderern, und danach noch einmal zum persönlichen Schicksal McCains:

Wenn jemand als Alternative auftreten kann, dann Hillary Clinton. Nicht, weil sie einen größeren Apparat hinter sich hat. Nein. Sie kann in Fragen der nationalen Sicherheit - und das ist entscheidend - Demokraten und Republikaner hinter sich versammeln; vielleicht auch wegen des Bonus’, den sie von ihrem Mann aus der Amtszeit davor hat - sicher aber, weil sie die größere Sachkompetenz im Vergleich zum Rhetorik-Akrobaten Obama hat. Ich könnte sie also als Präsidentin noch relativ „verschmerzen.“

Zu Barack Obama: meiner Meinung nach ist er ein gigantischer Blender und Populist.

Warum?

Der „Vergleich“ (In den Medien) mit Kennedy hinkt gewaltig, weil Obama sich nur auf vage Visionen Kennedys beruft, aber nicht daran anknüpft bzw. etwas Neues darauf aufbaut. Er bietet keine neuen Ansätze, was die amerikanische Innenpolitik (Gesundheitsreform z.B.) betrifft. Das ist sein größter Schwachpunkt.

Das Gerede um seine muslimische Tradierung ist übrigens Unsinn. Daniel Pipes hat das sauber aufgelöst. Durchgeknallte "Islamkritiker" in Europa sollten sich das Thema endlich abschminken, wenn sie in Zukunft noch ernst genommen werden wollen.

Obama hat aber einen weiteren entscheidenden Nachteil: Er bezieht nicht eindeutig Stellung zu den amerikanischen Grundwerten des „Pursuit of Happiness“, die das Selbstverständnis der amerikanischen Nation ausmachen.

Er lässt das offen, weil er die "amerikanische Frage" per se in Frage stellt, wenn er die Internationalität des amerikanischen Kontinents in Frage stellt. Beispiel: Seine Haltung zu den Latinos. Das ist er in höchstem Maße unglaubwürdig.

Es wäre das erste Mal in der Geschichte, dass jemand so brutal Essentials der amerikanischen Lebensweise infrage stellt und einen Kontinent ideologisch teilt - ganz abgesehen davon, dass Obama (ungerechtfertigterweise) die Schwarzen versucht, auf seine Seite zu ziehen, die normalerweise Clinton wählen würden.

Sehr bedenklich.

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Ich will noch einmal auf McCain zurückkommen. Der ist für mich wichtiger:

Bei den Fernsehaufnahmen sieht man immer wieder, dass seine linke Gesichtshälfte angeschwollen ist.

McCain musste sich an dieser Stelle einigen komplizierten Operationen unterziehen. Schlimm genug. Aber der Krebs war bösartig und McCain kämpfte dagegen bisher erfolgreich. Was ich damit sagen will: Er hatte so viel Leid in seinem Leben zu ertragen und sich durch seinen Glauben immer wieder nach vorne gekämpft.

Für mich ist er ein Beispiel dafür, dass Menschen ein Segen sein können, wenn sie durchhalten und ihrer Linie treu bleiben, auch wenn sie durch die Hölle gehen müssen.

Sonntag, Februar 03, 2008

Ein guter Zeitpunkt


…für saubere Argumentation

Sulaiman Wilms schreibt in seinem Kommentar in der Islamischen Zeitung (iz) vom 30.01.08, dass „die Frage nach den muslimischen Jugendlichen ein Indikator für die Spiritualität der Muslime in Deutschland“ sei, was auch immer darunter zu verstehen ist.

Schon das Eingangsstatement machte mich stutzig. Welche Spiritualität meint der Konvertit Sulaiman Wilms, bei dem man wohl annehmen darf, dass er wie viele zum Islam übergetretene Westeuropäer einen religiösen Eifer an den Tag legt, der selbst bei geborenen Muslimen Kopfschütteln hervorruft? Und das will was heißen, nicht wahr?

„Jetzt wäre ein guter Zeitpunkt“, so titelt Wilms, um sogleich die Argumentationsrichtung vorzugeben, die einem Muster folgt, das (leider wieder einmal) generalisierend die Opferrolle für sich, respektive die islamische Welt und die Community in Deutschland schlechthin reklamiert. Oder wie soll man es sonst verstehen, wenn Wilms in seinem Eingangsstatement von einem „Angriff aus dem Äußeren“ spricht? Leider lässt uns Herr Wilms auch mit der Beantwortung der Frage allein, wie die „Konzentrierung auf das Innere“ auszusehen hat. Meint er spezifische Frömmigkeits- oder Meditationsformen oder eine orthodoxe Auslegung des Koran und seine damit meistens verbundene simple Rezitation und die gesellschaftspolitischen Konsequenzen und Probleme, die oft daraus entstehen?

Sulaiman Wilms hat - wie hin und wieder jeder von uns - die „Umstände als Ungleichgewicht zwischen Innen und Außen, zwischen sichtbarer und unsichtbarer Welt“ für sich in Anspruch genommen. Aber in welcher Hinsicht? Er beklagt, dass „seit Ende Dezember Migranten, und insbesondere die Muslime unter ihnen, mit dem Vorwurf konfrontiert“ seien, dass „ihre junge Generation per se eine Bedrohung für unser Gemeinwesen darstelle“. Zweifellos hat Sulaiman Wilms Recht, wenn er indirekt reklamiert, dass dieser Vorwurf im Allgemeinen und bei genauerem Hinsehen so nicht aufrecht zu erhalten ist (und "per se" schon gar nicht), und wenn er sich (nehmen wir das einmal an) für Migranten stark macht, dann ist daran überhaupt nichts auszusetzen - im Gegenteil. Doch muss man ihm entschieden widersprechen, wenn er quasi sämtliche Formen der Islamkritik in der Begrifflichkeit des „orientierungslosen Neokonservatismus' Deutschlands“ bündelt und sie als „Plattformen“ zu beschreiben versucht, die, so seine simple Milchmädchenrechnung, „aus einem allgemeinen gesellschaftlichen Problem“ ihre seiner Ansicht nach zweifelhafte Legitimation zu beziehen scheinen.

Was Wilms hier betreibt könnte man beim ersten „Drüberlesen“ schnell übersehen: Er wirft sämtliche Islamkritiker unterschiedlichster politischer Couleur in einen Topf, rührt etwas darin herum und präsentiert als Ergebnis: „Seht her, alle Islamkritiker sind“ - weil Gegner des Islam - „Feinde aller muslimischen Menschen und der Migranten im Allgemeinen.“ Er bedient sich dabei exakt der gleichen Masche wie seine Gegner im Lager rechtsaußen, die unter Islam „Muslime = schlechte Menschen und Migranten alle raus“ subsumieren. Vereinfachende Formulierungen allerorts.

Die Spitze setzt Wilms aber dann drauf, wenn er vom Islam als „imaginiertem Feind“ spricht. Eigentlich ein billiger Kunstgriff, aber auch hier könnte man beim Lesen ins Stolpern geraten: Die suggestiv in Szene gesetzte Formulierung soll den Eindruck erwecken, dass sämtliche Kritik am (politischen) Islam als Ergebnis eines gestörten Verhältnisses zu einer doch „durch und durch guten Religion“ zu werten ist und die Kritiker sich bitte fragen sollten, ob sie sich nicht Halluzinationen hingäben und ein Feinbild aufbauten, denn merke: „Kritik am (politischen) Islam bedeutet feindseliges Verhalten gegenüber den Muslimen“, so die unausgesprochene Botschaft Wilms und der Mehrzahl aller islamischen Intellektuellen und Konvertiten, ob sie ehemaliger deutscher Botschafter sind oder Sulaiman Wilms heißen.

Dass diese Methode immer wieder erfolgreich praktiziert werden kann, liegt zu einem wesentlichen Teil daran, dass die politische Variante der islamischen Doktrin es meisterhaft beherrscht, auf der „Was-seid-ihr-doch-schuld“- Klaviatur zu spielen, deren Partitur dem Westen spätestens seit dem 11.09.2001 und jedem folgenden Anschlag danach permanent als Philippika um die Ohren gehauen wird, nachdem man eben wieder eine Bombe im Namen Allahs und seines Propheten hochgehen ließ und in Erklärungsnöten steckt. Aus dem
„Was-seid-ihr-doch-schuld“ wird dann ein "Was-sind-wir-doch-schuld" vieler westlicher Intellektueller in Leitartikeln, Sonntagsreden und politischen Entscheidungen. So lässt sich auch der Umgang der westlichen Gesellschaften mit den (originär!) islamisch motivierten Terrorangriffen in den Jahrzehnten davor besser verstehen, dachte man doch noch in den 1990er-Jahren allen Ernstes, dass die Terroranschläge z.B. des vor kurzem verstorbenen Terrorführers George Habash in erster Linie marxistisch (!) oder antiimperialistisch motiviert waren. Das „Lebenswerk“ Habashs fand übrigens entsprechende „Würdigung“ durch „kompetente Verehrer“.

Doch zurück zu Sulaiman Wilms: Er greift wieder den (Ariadne-) Faden auf, den er zu Beginn seines Kommentars ausgelegt hat: Da es „um die Zukunft als Muslime in Deutschland“ geht, müssen der „Entwicklung und spirituellen Ausbildung unserer Jugend“ Rechnung getragen und „entsprechende Maßnahmen“ ergriffen werden. Und wieder bleibt Wilms die Antwort darauf schuldig, wie dies abzulaufen hat. Fehlt es an der Pädagogik? Denn die, so konstatiert der "IZ"-Autor, „gehört nicht zu den am weitesten entwickelten Wissenschaften des islamischen Kanons“, um aber sofort zurückzurudern und zu versichern, dass es „nach Ansicht von heutigen Gelehrten nicht an einem Mangel an Wissen um die erfolgreiche Erziehung von Kindern“, sondern - und jetzt kommt’s - am Fehlen einer „funktionierenden muslimischen Gemeinschaft“ liegt, in der gesunde (sic) Kinder und Jugendliche heranwachsen können.

Nun wird wohl kaum jemand, der noch halbwegs bei Trost ist und das Grundgesetz kennt, den Muslimen ihren Glauben verbieten wollen (können), aber bei so viel Gesundheitsvisionen muss Herr Wilms sich schon die Frage gefallen lassen, ob und welchen politischen Raum diese von ihm beschworene islamische Gemeinschaft in unseren Gesellschaften einnehmen will. Wobei sich die Umma darüber im Klaren sein sollte, dass „Ob“ und „Welchen“ weiterhin sehr kritisch hinterfragt werden müssen, wenn die Verfassungstreue der islamischen Gruppierungen nicht eindeutig geklärt und gelebt wird.

Mittwoch, Januar 30, 2008

Schwarzbraun ist die Haselnuss

Rechtsdeutsche „Islamkritiker“
Wenn man als Blogger mit halbwegs geöffneten Augen durch die (t)deutsche Welt geht und sich die Szene der so genannten Islamkritiker ansieht, kommt man nicht umhin, eine Bewegung auszumachen, die sich im Windschatten der öffentlichen Diskussion eine neue Nische schafft - die neue Rechte, oder besser gesagt, die neuen „Stolznationalen“.
Bar jeglicher Vernunft versuchen sie uns einzureden, dass Deutschland und Europa von zig-Millionen Muslimen „überrannt“ oder „überschwemmt“ werden würde. Bekannte Termini, kennen wir doch, oder?

Neuerdings sind auf diversen Blogs generell Ausländer gemeint, weil das Islam-Sujet für holzschnittartige Beschreibungen ausgereizt zu sein scheint - und sie berufen sich auf Auguren, die uns weismachen wollen, wie Europa doch endlich zu einem „rechten“ Kontinent mutieren soll, statt sich auf demokratische Werte und deren innewohnende Kräfte zu besinnen.
Sie - und ihre Leser und etliche Blogger im Schlepptau oft hilflos nachplappernd - reden pausenlos von Risiken statt von Chancen. Sie machen alles schlecht, was auch nur im Entferntesten an ein Miteinander zwischen Kulturen denken ließe. Sie sind borniert, blind und von Hass getrieben. Sie verweigern alle positiven kulturellen Erfahrungen, die in den letzten Jahrhunderten zwischen West- und Osteuropa und den Menschen ausgetauscht worden sind.

Sie machen den Islam zum Türken, den Türkischstämmigen und sonst wen zum Ausländer und den Ausländer zu einem „Geziefer“, den es auszurotten gilt. Sie deklarieren linke und liberale Islamkritiker als „Berufsjuden“ (sic!), und so geht’s weiter in der nach unten offenen - bisher noch verbalen - Schwachsinns- und Gewaltspirale.


Manche Blogbetreiber formulieren es etwas vornehmer: Sie raunen von ethnischen und genetischen Defiziten der Afrikaner und dem Rest der Welt, um so die (t)eutsche Überlegenheit herauszukehren. Sie fordern in fast unüberbietbarer Scheinheiligkeit die Hassprediger in den Foren zur „Zurückhaltung“ auf, indem sie ihnen versprechen, dass ein gesellschaftlicher Wandel eintritt, der ihre Mordgelüste irgendwann befriedigen wird, wenn alles „treudeutsch“ abgewickelt sein wird.

Sie sprechen niederste Instinkte an, wenn sie
in den Foren politische Gegner sophisticated zum „physischen Abschuss“ freigeben, und sie lehnen sich genüsslich zurück, wenn die Klicks auf ihrer Webseite zunehmen, obwohl sie genau wissen, dass sie ein „Mord(s)geschäft“ betreiben, das sich über kurz oder lang (vielleicht für sie) auszahlen wird. Sie betreiben Blogs, die sich „israelfreundlich“ gerieren (Unverschämtheit), aber jeder halbwegs schlaue Mensch erkennt, dass hinter diesen Blogs oft verkappte Antisemiten stecken, die nur so lange still halten, bis ihrer „rechten Sache“ zum Durchbruch verholfen ist.

Diese „Stolzdeutschen“ wissen was sie tun und sie spielen damit; sie sind auch noch stolz darauf, wenn sie Menschen gegen Menschen hetzen können, wie es die politische Wetterlage eben hergibt.
Im Zweifelsfall - wenn die öffentliche Diskussion zu ihrer Agenda passt, oder die Argumente ausgehen - ist ihr Axiom immer genauso faszinierend blöd wie einfach: „Ausländer raus“, und alle Probleme sind beseitigt.

Man könnte fast meinen, dass die alle einen an der Waffel haben.

Sieht man sich jedoch die Klientel, Impressi oder Buchtipps etlicher Blogger dieser Gattung an, vergeht einem schnell das Lachen. Hier tummeln sich Ex-NPD'ler, Schwulenhasser, Beschneidungsgegner, Antisemiten und Ausländerhasser in einem Pool, der sich jetzt „Pro Köln, pro X-Stadt oder sonst was nennt. Diese „Pro’s“ sind nichts Positives für unsere Gesellschaft. Sie sind etwas zutiefst Negatives und zerstören (unsere) jegliche seriöse Bemühung, sich mit dem Islam ernsthaft auseinanderzusetzen.

Sie sind primitiv und von gestern.

Ignoriert diese Leute endlich und gebt ihnen die rote Karte.

Per-Olov Kindgren spielt "Capricho Arabe"

Per-Olov Kindgren spielt das geniale "Capricho Arabe" des unübertroffenen Meisters Francisco Tarrega.

Das konnte ich auch einmal, lang ist's her - aber bei weitem nicht so gut und gefühlvoll.

Für die Kenner: Achtet mal' auf den chromatischen Lauf nach dem Moll-Teil.

Und wer die besondere Gabe hat, Bild- und Tonsequenzen miteinander zu verbinden, der wird erkennen, dass sich der Autor (Gitarrist) sehr große Mühe gemacht hat, Bild und Ton miteinander in Einheit zu bringen. Besonders liebevoll hat er das an dem Beispiel der Enten inszeniert.

Wer Augen hat, der sehe, und wer Ohren hat, der höre.

Wer Augen und Ohren gleichzeitig einsetzen und zusammendenken kann, der darf sich gesegnet schätzen.

Die schönen Bildimpressionen stammen nicht aus Per-Olovs schwedischer Heimat, sondern aus Dänemark.

Aber die Musik stammt vom ihm, dem unvergleichlichen Per-Olov.