Sonntag, Oktober 17, 2010

Da’wa und sanfte Sufi-Drohungen: Liebesgrüße aus der Castollux-Nachbarschaft

100 Meter von unserem Haus entfernt - neben der Industrie- und Handelskammer - steht die Kirche der Neuapostolischen: Eine Versammlung kleinkarierter christlicher Sektierer, die jeden Mittwoch und Sonntag allein schon durch streng reglementierte Bekleidung und religiöses Exklusivgehabe auffällt: Anzug mit Krawatte, merkwürdig versteiftes Gehen und – wenn man sich in persönliche Gespräche verwickeln lässt – stures Beharren auf die allein seligmachende Zugehörigkeit zu irgendwelchen desorientierten „Aposteln“ primitivster Provenienz, auf die sich die Sekte beruft. Aber sie sind ebenso harmlos wie die Amsel oder der Buntspecht, die sich regelmäßig auf dem Ahorn vor meinem Baum zanken. Wir gehen uns also aus dem Weg, und - was das Wichtigste ist - von der Neuapostolischen Kirche geht keine Bedrohung aus.

Aber:

Zwei weitere (islamistische) Steinwürfe entfernt steht ein heruntergekommenes Gebäude, das früher einen Obstgroßhandel beherbergte.

Aus diesem Gebäude kommen - wie ich jetzt recherchierte - seit Monaten seltsame Nachrichten, die meine Mailbox bzw. die Kommentarfunktion meines Blogs erreichten (ich schalte sie seit Wochen nicht mehr frei).

Die Abbildung zeigt eine (symbolische) Selbstdarstellung der Sekte, ist also kein willkürlich hinzugefügtes Foto. Hier die Quelle. Männergesellschaft?

Das liest sich dann in etwa so wie in den zwei unten zitierten Beispielen von vielen. Die Mails habe ich abgespeichert und besonders ärgerliche Stellen fett markiert
Pir Hasan Hüsamettin hat einen neuen Kommentar zu [....] hinterlassen:

Bruder Bernd,

wir sehen, dass Sie es zur Zeit sehr schwer haben in Ihrem Leben. Sie haben keine richtigen Brüder, die Sie halten und stützen. Kommen Sie zu uns, Sie werden hier die Brüderschaft und die Wärme finden, die Sie lange entbehrt haben. Es sind nur ein paar Schritte.

Bismillah IrRahman IrRahim. Im Namen Gottes, des Gütigen und Allerbarmers.

Ihr

Pir Hasan

Von Pir Hasan Hüsamettin am 14. Oktober 2010 22:52 unter Castollux eingestellt.

Hinweis:


Pir Hasan ist nicht der Absender der Zeilen, sondern Pseudonym und Bestandteil (Personenkult) des Namens einer aggressiven Sufi-Sekte, die jetzt in Augsburg ihr Unwesen treibt.

Sufis sind alles andere als harmlos, auch wenn in manchen atheistischen und verpennten christlichen Zirkeln und evangelischen Multikulti-Zirkeln auf deren angeblich kontemplative und mystizistische Lebensweise hingewiesen wird, die Verbindungen zur Kabbala oder christlichen Mystikern wie Meister Eckhart aufweisen solle (Letzterer würde sich im Grabe umdrehen ob solch' merkwürdiger Sympathisanten).

Alles Mumpitz, glauben Sie das bitte nicht!


Sich rasend schnell im Trance-Tanz um die eigene Achse zu bewegen macht vielleicht schwindelig und ziemlich doof im Hirn, führt aber sicher nicht zu höheren Bewusstseinsebenen und unmittelbar erfahrener Transzendenz oder gedanklichem Durchdringen einer Beziehung zu einem
deistisch-kalten und unpersönlichen "Es" in der dritten Person (ganz im Gegensatz zu Meister Eckharts kontemplativ verinnerlichter Suche nach Gottesnähe, dem "Du" des jüdischen Philosophen Martin Bubers, der einen wesentlichen Anteil daran hatte, die theologische Brücke zum Neuen Testament mit aufzubauen).

Sufi-Sekten wie die
Dergah stellen auch gerne ihre musikalische Folklore in den Vordergrund, betonen gleichzeitig aber (auf Türkisch natürlich; auf Deutsch kaum nachweisbar), dass die Scharia an vorderster Stelle ihres Glaubenslebens steht.

Mir außerdem zu unterstellen, dass meine Kritik an der Evang. Kirche einen Abwanderungsgedanken beinhalte, grenzt schon an frecher
Da'wa, wenn nicht an Größenwahn. Ich kritisiere meine Kirche, weil ich sie liebe und mir Sorgen um sie mache, und nicht, weil ich sie verlassen will.

Eine zweite E-Mail:
Lieber Bruder Bernd,

wir haben Dich schon mehrmals eingeladen. Wovor hast Du
Angst? Bete mit uns! Juden und Christen sind für uns Völker des Buches! Du bist nicht weit, wir sind Dir nah!

"O Meine Diener! An diesem Tage sollt ihr keine Angst haben, und ihr sollt auch nicht traurig sein, ihr, die ihr an Unsere Zeichen glaubt und Uns ergeben seid. Tretet in das Paradies ein, ihr und euere Gattinnen, in Glückseligkeit!" Unter ihnen werden Schüsseln und Becher aus Geld kreisen, mit allem, was Seelen begehren und Augen ergötzt. Und ewig sollt ihr darin verweilen; denn das ist das Paradies, das euch zum Erbe gegeben wurde, (zum Dank) für euer Tun. Darin sind Früchte in Menge für euch, von denen ihr esst. (Sure az-Zuhkruf: 68-73)

Bruder Bernd, hast Du schon eine Gattin? Allah hilft! Bismillah IrRahman Ir Rahim!
Von der schwachsinnigen letzten Zeile abgesehen finde ich die einleitende Bemerkung
wir haben Dich schon mehrmals eingeladen. Wovor hast Du Angst? Bete mit uns! Juden und Christen sind für uns Völker des Buches! Du bist nicht weit, wir sind Dir nah!
besonders heftig.

Ich mag es nicht, wenn mir jemand, der eine gewalttätige Ideologie vertritt, sagt, dass er mir nahe ist. Das geht mir dann zu weit - gefährlich weit. Und Völker
des Buches sind Christen und Juden sowieso nicht, wie Wafa Sultan* (Im Video bei 2:49) schon völlig zutreffend anmerkte: Christen und Juden haben viele Bücher geschrieben - und die Bibel besteht auch aus vielen Büchern.

Ich hatte dem Verfasser der Mails vor etwa einer Woche eine Antwort auf seine vorherigen Mails geschickt, in der ich juristische Schritte anmahnte.


Das schien bisher nicht zu fruchten, also muss jetzt wohl beim nächsten Mal eine Anzeige wegen Stalking folgen. Ich habe keinen gesteigerten Bedarf an Freundschaftsbeweisen dubioser Gestalten, die nur 500 Meter von mir entfernt ihr finsteres Lager aufgeschlagen haben
.

Die sufistische Organisation, von der ich spreche, heißt
http://www.ravzam-augsburg.de/Ulasim.html

Den Namen eines verantwortlichen Mitarbeiters habe ich schon herausgefunden, will ihn aber (jetzt) nicht veröffentlichen, wenn er sich in den nächsten Tagen einsichtig zeigt.

Samstag, Oktober 16, 2010

Weiteres prominentes Unschuldslamm aus Guantánamo

Der SPIEGEL präsentiert wieder einmal ein Guantánamo-"Opfer".

Diesmal ist es David Matthew Hicks, ein gebürtiger Australier und Islam-Konvertit, der in diversen Al-Qaida-Camps seine friedenssichernde Ausbildung genossen und bis zum Eingreifen der internationalen Truppen 2001 dem Taliban-Regime hingebungsvoll gedient hatte.


Links das Wikipedia-Foto, rechts das hübsch gestylte vom SPIEGEL (Ahnen Sie etwas, was die Capture-Intention betrifft? Oh Lord, was muss dieser Hicks gelitten haben!)

Der SPIEGEL-Aufreißertitel "Sechs Jahre Hölle" inklusive mitleiderregender Fotostrecke (7 herzzerreißende Bilder
von Associated Press) soll wieder einmal suggerieren, dass ein vollkommen Unschuldiger inhaftiert war.

Ja, und die Haftbedingungen:

So etwas von grausam, da wird es selbst den Insassen von Santa Fu und den Häftlingen des echten (kubanischen) Guantánamo-Gefängnisses (
hat jemand schon davon gehört?), das nicht weit von Camp X-Ray entfernt ist, warm ums Herz. Ob des SPON-Beitrages werden sie vielleicht in Tränen ausbrechen - oder lauthals lachen, was wohl eher anzunehmen ist. Sicher aber ein Fall für Oberschwätzer und Sprachästhet Roger Willemsen, der immer dann nah am Thema dran ist, wenn es gilt, unbestätigte Aussagen von Terroristen in der ihm eigenen ganz speziellen Weise zu "dokumentieren".

SPIEGEL ONLINE:
Der Australier David Hicks gehörte zu den ersten Terrorverdächtigen, die im berüchtigten Camp X-Ray in Guantánamo inhaftiert wurden. Jetzt schildert der 35-Jährige in einem Buch die brutalen Haftbedingungen, Übergriffe der Wärter und seine eigene Angst und Verwirrung. Hamburg - "Mein Käfig", nennt David Hicks seine Zelle im Camp X-Ray in Guantanamo. Drei Schritte lang, drei Schritte breit war dieser Käfig im Freien.

Knapp sechs Jahre wurde der Australier in Guantanamo unter menschenunwürdigen Bedingungen gefangen gehalten, "sechs Jahre Hölle", wie er selbst sagt.

Wie ich bisher schon mehrmals auf meinem Blog mitgeteilt hatte, vertraue ich Wikipedia nur bedingt, weil dort oft auch antiisraelische und antisemitische redaktionelle Spielchen veranstaltet werden. Dennoch aber hier ein Auszug zu Hicks, weil er seriös nachprüfbar ist:
(born 7 August 1975) is an Australian who undertook combat training in al Qaeda-linked camps and served with the ruling Taliban regime in Afghanistan in 2001. He was then detained by the United States in Guantanamo Bay until 2007 when he became the first to be tried and convicted under the United States' Military Commissions Act of 2006. Hicks's treatment, the evidence tendered against him, his trial outcome, and the newly created legal system under which he was prosecuted, drew widespread criticism and political controversy.
SPIEGEL-Leser wissen mehr lautet ein Slogan der Augstein-Kamarilla seit den 1970er-Jahren. Ich klebte das mal auf meine Küchentüre....

SPIEGEL-Leser werden verarscht und bezahlen noch dafür passt seit einigen Jahren viel besser. Meine Küchentüre ist jetzt wieder sauber....

Wetten, dass es der SPIEGEL eines Tages schafft, sämtliche jemals in
Camp X-Ray inhaftierten Häftlinge zu Märtyrern mutieren zu lassen?

Mittwoch, Oktober 13, 2010

Befreiung hier und "Befreiung" dort

Dass man Begriffe wie Freiheit oder befreit werden unterschiedlich interpretieren kann, wird dieser Tage eigentlich besonders deutlich, wenn man versucht, in historischen Kategorien zu denken. Man sollte sich die Formulierungen der Kommentatoren heute neben den Badezimmerspiegel heften und sie mit dem abgleichen, was sie sonst so hergeben....

Zwei signifikante Beispiele:

Erkämpfte Freiheit und freies Atmen unfreiwillig Eingeschlossener zum wiedererlangten Leben in der Gemeinschaft eines demokratischen Staates wie in Chile hier:



Und dann hier aus dem Archiv:

Freie Wahl zur Legitimierung* der indigenen islamistischen Diktatur wie im Gazastreifen, was besonders gerne von deutschen "Friedens"-Aktivisten aller politischen Denominationen als Beleg für einen freiheitlichen Entwicklungsprozess dort gesehen wird:



Ich weiß:

Mein Vergleich mag manchem Leser auf den ersten Blick etwas gewagt oder ärgerlich erscheinen. Aber Vergleiche sind dazu da, angestellt zu werden - besonders dann, wenn sie eine empathische Berechtigung haben und spontan aus der Tiefe des Gewissens kommen.


Was denken Sie?
Hängt nicht auch sehr viel davon ab, wie man mit der Formulierung „frei machen“ bzw. „Weg zur Freiheit“ umgeht, oder etwa nicht?

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*Die freie Wahl zur Legitimierung der eigenen Unterdrücker wie 2007 bei der blutigen Machtübernahme der Hamas im Gazastreifen ist übrigens kein Einzelfall, siehe hier.

Dienstag, Oktober 12, 2010

Offener Brief an Deutschlandradio Kultur zum Thema Antijudaismus

Sehr geehrte Damen und Herren der Redaktion von dradio kultur,
in der Nacht vom vorgestrigen Sonntag auf Montag moderierte wieder einmal der sehr umtriebige Herr Dr. Joachim Scholl die Hörersendung „2254-2254“, in der oftmals Statements von links - ja, Sie haben richtig gelesen - links motivierten Hörern favorisiert werden, die sich antijüdisch oder mehr oder weniger offen antisemitisch äußern. Manchmal werden sie von diversen Moderatoren bereitwillig aufgegriffen oder hämisch kommentiert.

Ich hatte dazu im Dezember 2008 schon einen kommentierenden Beitrag geschrieben. Die Protagonisten aus der dradio-Redaktion von damals sind heute nicht mehr identisch mit denen heute, aber das Strickmuster ist dasselbe geblieben: Wenn man gegen Juden polemisiert oder unterschwellig polemisiert, hat man auch die Mithörer auf seiner Seite. Seit Jahren geht das jetzt so.


Ich ertrage das nicht mehr.


Entspricht es dem Auftrag der Öffentlich-Rechtlichen, Kommentatoren wie Bettina Marx, Sebastian Engelbrecht oder anderen Judenhassern
tagsüber die Kommentar- (Drecksarbeit) in den Nachrichtensendungen zu überlassen, um dann nachts das Thema „Palästina“ passend aufzubereiten und gleichzeitig ein Forum einzurichten, in dem sich der intellektuell gerierende Pöbel austobt, dem man dann auch noch schelmisch Beifall zollt, wenn man ihm schnippisch „alles Gute und bis bald“ wünscht (Dr. Scholl), während man islamkritische Hörerinnen wie eine Anruferin aus Berlin, die Henryk M. Broder und den mutigen Hamad Abdel-Samad zitierte, schlicht mit einem „Danke“ abwürgt, wie es Dr. Scholl getan hatte und wie es immer wieder geschieht?

Judenbashing als Volkssport zwischen 1.00 Uhr und 2.00 Uhr nachts, während die meisten Menschen nicht mehr zuhören?
Zeimlich bequem, nicht wahr?

In der von mir erwähnten Sendung
gestern (es ging um den Islam bzw, die von Bundespräsident Wulff ins Gespräch gebrachte Äußerung "Der Islam gehört zu Deutschland") sprach Herr Dr. Scholl wieder einmal davon, dass er von Theologie und vom Islam nichts verstehe; gleichzeitig brachte er aber wieder die von ihm schon einmal ins Spiel gebrachte These ins Spiel, dass das so genannte Alte Testament (was ist das eigentlich seiner Ansicht nach?) auf Auge um Auge, Zahn und Zahn fixiert sei und deshalb ein Rachekonzept inkorporiere (Dr. Scholl wortwörtlich!) . Wenn das keine antisemitische Stereotype ist, dann frage ich mich als evangelischer Theologe, der ein klein wenig von seiner Bibel versteht, was dann?

Langsam reicht es mir, was die nach unten gerichtete Unwissenheits- und Ignoranzspirale betrifft, besonders wenn ich an Dr. Scholl denke.


Wenn ein promovierter Germanist wie er nicht die geringste Anstrengung unternimmt, sich den
(auf den ersten Blick) exegetisch umstrittenen Bibeltext „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ wissenschaftlich einigermaßen sorgfältig vorzunehmen, dann frage ich mich, wofür das Logo dradio kultur eigentlich sonst noch steht außer (oft) belanglosen Buchbesprechungen.

Für das, was ein ziemlich desorientierter und offensichtlich anitjüdischer Hörer wie H. Westhoff* gegen 1:50 sagte?

„Auge um Auge, Zahn um Zahn bedeutet, dass man das Eins zu Eins ausgleichen muss“
Und Herr D. Joachim Scholl meinte auch noch pflichtschuldigst-jovial, wie es seine Art ist, dass ihm [einem promovierten Antijuden und Gnostiker] nichts Besseres eingefallen wäre, als „belehrt“ worden zu sein.

Und hier ein Angebot von Hagalil:

Antijüdisches Klischee


Dämlicher und widerlicher geht es kaum noch, was die Ignoranz des Herrn Dr. Scholl betrifft - sowohl, was die eigene Unwissenheit als auch die Ignoranz gegenüber seinen Hörern betrifft.


Aber wie ich eingangs schon andeutete:


Vielleicht geht es mit dradio kultur sowieso schon seit Jahren den Bach runter – sowohl intellektuell als auch moralisch, von Empathie für die wirklich brennenden Probleme in unserer Welt heutzutage (Darfur, Nordkorea, Kongo, Südafrika, Tschad und in der islamischen Hemisphäre etc.) ganz zu schweigen.
 


Donnerstag, Oktober 07, 2010

Was hat Uli Sahm mit dem Times Square gemeinsam?

Ganz einfach:

Er wurde dort weltweit über Leuchtreklame bekannt.

Ich will jetzt nicht großartig erklären, wie es dazu kam (das steht mir auch nicht zu), aber am Times Square mit Bild und Text zu erscheinen ist schon ein Hammer und ein Beleg größter journalistischer Klasse Ulrich Sahms, die weltweit Aufsehen erregt.

Ulrich Sahm ist 1950 in Bonn als Sohn eines deutschen Diplomaten geboren. Aufgewachsen in London, Paris, Bonn, Heppenheim (1968 Abitur an der Odenwaldschule), Moskau und Ankara. Studium der evangelischen Theologie, Judaistik und Linguistik in Bonn, Köln und an der kirchlichen Hochschule in Wuppertal. Ab 1970 Studium der Hebräischen Literatur an der Hebräischen Universität in Jerusalem.


Ulrich Sahm hat kürzlich einen Artikel verfasst, der sich mit Marc Daniels beschäftigt, einem amerikanischen Juden, der eine Kampagne gegen Hass startet und dafür kabbalistische Ideen zur Diskussion stellt.

Castollux
hat Ulrich Sahms Beitrag 1:1 eingestellt und lediglich ein paar Tippfehler ausgebessert.

Vom Korrespondenten zur Leuchtreklame


Eine etwas absurde Karriere
Ulrich Sahm


Ein amerikanischer Jude startet eine Kampagne gegen den Hass, benutzt dafür kabbalistische Ideen, ein Foto von „Schindlers Liste“ und stößt in Deutschland auf Bedenken. „I have a dream“ (Ich habe einen Traum) hatte der amerikanische Schwarzenführer Martin Luther King in Washington gerufen und Afroamerikaner motiviert, gegen die in Amerika übliche Rassentrennung von Schwarzen und Weißen anzukämpfen.

Den mitreißenden Slogan Kings hat jetzt Marc Daniels für eine eigene Kampagne aufgegriffen, um „Hass zu jäten“. Daniels, ein amerikanischer Jude, spricht fließend Deutsch. Er reist oft nach Deutschland und Israel. Sein Großvater hatte einen Gartenbaubetrieb und ein Gerät erfunden, das Wasser mit Dünger den Wurzeln eines Baumes zuführt. Der Gartenbauexperte Daniels kennt die deutschen Hersteller von Schaufeln und Hacken sowie israelische Experten für Tröpfchenbewässerung. Die führt Pflanzen in exakten Dosen Wasser zu und bewirkt Wunder.


In Israel hatte Daniels noch andere „Geschäfte“. Er suchte die spirituellen Wurzeln seines Judentums und fand die Kabbalah, wie sie Michael Laitman verbreitete. "Ich entdeckte die Brücke zwischen meiner Familie und meinen kulturellen wie spirituellen Stammbaum.” Er wollte die Geheimlehren der Kabbalah metaphorisch Gärtnern zugänglich machen. “Macht Euch die Finger dreckig, um Unkraut auszureißen, und so symbolisch den Hass in der Welt auszurotten”, formuliert Daniels.


Rabbi Michael Laitman, ein russischer Ingenieur, hat sich mit kabbalistischen Lehren ein weltweites Millionenheer von Anhängern geschaffen. Von einem Industriegebäude nahe Tel Aviv aus lenkt Laitman mit Fernsehstudios und Internetauftritten ein Imperium.


Daniels hatte meine Artikel gelesen und verstanden, dass ich in jüdischen Angelegenheiten bewandert sei. Wir verabredeten ein Treffen. Zwei Stunden lang versuchte er erfolglos, mich von Laitmans Lehren zu überzeugen. Daniels schlug vor, den Rabbi „exklusiv“ zu interviewen. Nur bat er mich, den Rabbi nicht zum Thema Holocaust zu befragen.


Klicken sie einmal auf das Bild unten: dort wird Ulrich Sahm mit seiner Message abgebildet.

Der Text-Stream darüber....; und das am Times Square. Eine wesentlich bessere Bildauflösung hier:


Zum Abgleich:

In der Kabbalah-Zentrale saßen Dutzende „Freiwillige“ in Kabuffs von einer Größe 1 Quadratmeter bei künstlicher Beleuchtung und übersetzten die Predigten des Rabbi in alle möglichen Sprachen. Der Rabbi selber war gekleidet wie ein Rabbi, aber schnell stellte sich heraus, dass er kein gelernter Rabbiner war. Wie versprochen, befragte ich ihn nicht zum Holocaust, sondern nur, weshalb er über das Thema nicht reden wolle.

Der vermeintliche Rabbi meinte, dass Massenmorde und Krieg Teil eines Gottesplanes seien, Hitler also eine „Marionette Gottes“. Damit war für mich das Interview beendet.


Daniels hielt weiter Kontakt. Er hatte die Idee entworfen, Kindern beizubringen, den Hass auszurotten, so wie man Unkraut jätet. In den USA fand er er Anhänger für ein Projekt, Kleinkinder Unkraut jäten zu lassen, um so symbolisch den Hass zu tilgen und sie gleichzeitig der Natur näher zu bringen. Auch der Präsident im Weißen Haus wurde aufgefordert, in seinem Garten Unkraut zu jäten.


Inzwischen hatte Daniels mein Buch „Alltag im gelobten Land“ gelesen und darin das Kapitel entdeckt, wie ich den mit Dokumenten gefüllten Koffer des Oskar Schindler vom Tel Aviver Flughafen abhole, während die Polizei in den Räumen der Stuttgarter Zeitung nach dem Koffer fahndet. Ehe ich auftragsgemäß den Koffer an die Holocaust-Gedenkstätte Jad Vaschem übergab, lagen die Materialien in meinem Wohnzimmer, mitsamt Originalen von „Schindlers Liste“. Die sind durch den gleichnamigen Spielberg-Film weltberühmt geworden.

So entstand das Foto, wie ich „Schindlers Liste“ studiere. Das Bild schmückte ausgerechnet am 11.9. eine Leuchtreklame auf dem New Yorker Times Square. So warb Marc Daniels für seine Kampagne „Weed Out Hate“ (Jätet den Hass). Die geballte Symbolik war Absicht.


Ausgerechnet in Deutschland stieß Daniels auf Widerspruch. Grüne beklagten, dass Unkraut doch Teil der Natur sei und geschützt werden müsse. Andere bemängelten, dass Nazis die Juden zum Unkraut erklärt hätten, das ausgerottet werden müsse. Daniels, der amerikanische Jude und Kenner der deutschen Mentalität, hätte nicht damit gerechnet, dass seine gut gemeinte Kampagne gegen Hass ausgerechnet bei deutschen Naturfreunden und Geschichtskennern auf Bedenken stoßen würde.


(C) Ulrich W. Sahm, 30. September 2010

http://www.hagalil.com/01/de/Israel.php?itemid=3077

http://www.n-tv.de/politik/politik_kommentare/Weltmacht-Kabbalah-article40502.html
http://www.prnewswire.com/news-releases/journalist-and-schindlers-list-facilitator-ulrich-sahm-endorses-weed-out-hate-initiative-102679589.html

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Herzlichen Dank an Uli für die Bereitstellung des Artikels und das Angebot, es bei Castollux veröffentlichen zu lassen.

Dienstag, Oktober 05, 2010

Absteigen gilt nicht

Letzen Samstag habe ich einen (lange Zeit vergessenen) stetig ansteigenden Berg vor Zusamzell (36 Kilometer westlich von Augsburg) mit dem Bike begutachtet, um meine Fitness zu testen. Ich glaube kaum, dass ich da allzu große Konkurrenz fürchten muss, weil ich bei Tagestouren etwa 80-100 Kilometer im Schnitt zurücklege.

Während meiner letzten großartigen Radtour mit meinem "großen Bruder" Hans die Elbe rauf bis Prag im August gab es wesentlich schwierigere Passagen, die manch andere Biker zum Absteigen gezwungen hatten.


Wenn ihr euch das Foto (unten) anseht und dann den kleinen Ausschnitt ganz hinten im Bildhintergrund-Mitte, wo ein entfernt liegender Wald unterhalb der Steigung erkennbar ist: Wie stark, schätzt ihr, war die Steigung und wie lange führte sie?



Heftig, heftig.


Mein Foto hatte ich am Scheitelpunkt aufgenommen. Dort schnaufte ich schon ein wenig durch, auch wenn ich relativ “locker“ noch mehr gepackt hätte.

Wichtig ist: immer im richtigen Moment runterschalten, sowohl was die vorderen als auch die hinteren Zahnkränze betrifft. Am besten beim Anstieg gleich auf den mittleren Kranz vorne und dann langsam weiter...den kleinen Kranz vorne erst nehmen, wenn es eng wird und kurz bevor der Puls noch heftiger ansteigt.

Wenn man das „intus“ hat, spart man viel Kraft und Sauerstoff für die nächsten Steigungen und kann die Muskulatur lockern. Ansonsten sind bei jeder Trecking-Tour Magnesium, Traubenzucker sowie Eiweißriegel angesagt, um dem so genannten „Hungerast" vorzubeugen.
Und: rechtzeitig essen!

Man sieht bei dieser Aufnahme, wie der Asphalt plötzlich nach unten „abbricht“. So viel kann ich sagen: 18% Steigung waren es nicht, aber auch nicht viel weniger, dafür aber auf einer elend langen Strecke.


Ich freue mich schon auf eine Tour in den Alpen – vielleicht in den Appenzellern?
Wer die schafft ist reif für die Tour de France ;-))

Apropos „freuen“: Man kann man sich generell auf Anstrengungen und Entbehrungen freuen; und erst recht dann, wenn man sie gemeinsam mit echten Freunden gemeinsam meistert! Aber ein wenig „Reinhold-Messner-Mentalität“ sollte schon vorhanden sein. Und vor allen Dingen: unbedingte Zuverlässigkeit in Gefahrensituationen wie bei Bergtouren ist allererste Voraussetzung.
Sonst "bisch verratzt", wie man bei uns im Voralpenland sagt.

Freudige Überraschungen gibt es natürlich immer wieder: Als ich von meiner Elbe-Radtour nach Augsburg zurückfuhr, musste ich über das oberfränkische Sonnefeld nach Bamberg und dann weiter nach Süden. Eigentlich lächerliche 65 Kilometer: aber Wolkenbrüche wie am Äquator, rapider Temperaturabfall und böig-kalter Gegenwind; ich fuhr grimmig vor mich hin wie eine Maschine - hadernd mit dem Wetter und stetigen Gedanken ans Aufhören bzw. Unterkommen an der nächsten Raststätte. Und am Horizont nur grauer Frust…


Auf einmal sah ich auf halber Strecke nahe der Basilika Vierzehnheiligen einen Punkt in der Landschaft, der sich genauso abplagte wie ich und immer langsamer wurde. Das wurde mein Reisebegleiter bis Bamberg – ein Student aus Jena, der auf dem Weg zu seiner Liebsten nach Nürnberg war. Ich sagte ihm einfach: „Komm, jetzt pack’ mer’s zusammen“, und glücklich war er ob so viel Spontaneität, und ich auch.


Bis Bamberg haben wir viel miteinander gesprochen, unsere Brotzeiten gemeinsam verzehrt und alles um uns vergessen. So kann gelebte Gemeinschaft aussehen.


Witzig: Mein Begleiter (Sven) hatte einen prall gefüllten, riesigen Bundeswehrseesack auf dem Buckel, weil er mit einem Mountainbike ohne Gepäckständer(!) gestartet war und sowohl die Entfernung als auch die auf ihn zukommenden Bedingungen falsch eingeschätzt hatte. Er war ist erst 20….


Man stelle sich das einmal vor: etwa 40 Kilo auf dem Rücken - und die drücken permanent auf den Sattel bzw. auf das geschundene Körperteil, das darauf Platz nimmt. Ich wüsste nicht, ob ich das lange durchgehalten hätte. Kompliment, Sven, falls du dies einmal lesen solltest.


Nach Bamberg trennten sich dann leider unsre Wege. Kurios - wie meistens - auch die Unterbringungsmöglichkeit, die wir vorfanden: Auf der Durchfahrt sah ich einen Fahrradladen und dachte mir sofort: „Hey, die wissen bestimmt eine Übernachtungsmöglichkeit“. Und so war es dann auch. Ein Musikgeschäft wenige Häuser weiter verkaufte nicht nur Gitarren und alles sonst, was mit Musik zu tun hat, sondern vermietete auch perfekt eingerichtete Einzelzimmer für 35 Euro die Nacht. Ist doch okay, oder, wenn TV, Bad, Fahrradabstellraum und Frühstück inklusive sind?


An interessierte Fahrradfreaks oder sonstige Bayern-Touristen: Wenn ihr jemals im südlichen Bayern unterwegs seid und die Welt dort mit dem Fahrrad kennen lernen wollt, macht euch keine Sorgen: in meiner Heimat und im Voralpenland kann man zu jeder Tageszeit preiswerte Übernachtungen buchen - auch ad hoc bei einer Durchfahrt mit dem Fahrrad.

Und den Föhn inklusive glasklarem Blick auf die Alpen gibt's auch umsonst.

Einfch bei mir nachfragen :-)

Montag, Oktober 04, 2010

Quo Vadis Anno MMX, FC Bayern?

Schrecklich und zum Haareausraufen, was man als eingefleischter Bayern-Fan in den letzten Wochen mitmachen muss: Die Mannschaft des niederländischen Trainers van Gaal scheint entweder politisch korrekten grünen Biosprit getankt zu haben (was oft zu Stottern im Motor führt) oder ihr „Mir-san-mir“-Gefühl ist ihr vorübergehend abhanden gegangen.

Wann gab es das schon einmal, dass mein
ruhmreicher FCB ausgerechnet während der Wies’n-Hochsaison, wenn die Gegner seit Jahrzehnten regelmäßig ins Weißbier-Delirium gespielt werden, dermaßen ins Straucheln gerät wie in der Saison 1977/78, als man den läppischen 12. Platz „errang“?

Da bin ich momentan ebenso ratlos wie viele meiner Leidensgenossen.

Die Bayern-Hasser haben also wieder einmal für ein paar Wochen Hochkonjunktur. Von mir aus - kein Problem:

Sehen wir uns die Statistiken der Bundesliga an: Danach folgt auf eine schlechte Bayern-Saison oft eine Demütigung für die Liga-Konkurrenz, von gelegentlichen Ausnahmen abgesehen (Gladbach in den 1970er-Jahren, HSV Anfang der 1980er-Jahre und Bremen in den 1990er-Jahren).


Eigentlich war aber das heute verlorene Spiel in Dortmund (0:2) nur noch das I-Tüpfelchen auf eine fast niederschmetternde Diagnose, die man schon in den letzten Wochen hätte stellen können, wäre die WM in Südafrika nicht gewesen und die danach fehlende Regenerationszeit für die Mehrzahl der Stammspieler des Teams, die – man sollte das nicht vergessen – dort Semifinale und Finale gespielt hatten.


Van Gaal und die Spieler selbst betonten in der äußerst knapp bemessenen Vorbereitungszeit, dass es Startschwierigkeiten geben könnte. Man war also „vorgewarnt“. Die Frage ist nur, ob man das Anfang Oktober immer noch gelten lassen kann. Leise Zweifel - auch an manchen Mannschaftsumstellungen heute - (Pranjic als "6" und Schweinsteiger hinter der Spitze) sind erlaubt.

Weil die einzelnen Spieler sehr wohl wissen, um was es geht und sie ihrem Verein gegenüber die größte Loyalität schulden (der bezahlt sie schließlich), glaube ich aber, dass das Team ein mentales Problem hat:

Permanent gewinnen macht zwar unheimlich viel Spaß, aber als ehemaliger Aktiver weiß ich auch, dass sich nach (großen) Erfolgen ein gewisser Schlendrian einschleicht, auch wenn er nicht gewollt ist. Die Motivation fehlt einfach, und das ist menschlich sehr gut nachvollziehbar.

Jetzt haben die Bayern einige Kopfnüsse eingesteckt. Das verursacht Schmerzen, richtig. Aber danach wird durchgestartet. Die Mannschaft hat ein unglaublich großes Potential. Sie muss es jetzt nur noch abrufen.

Und: Mal sehen, wo Mainz und Dortmund nach dem 34. Spieltag stehen.
Mainz wird nach der ersten Niederlage ins Grübeln kommen, nach der zweiten erst recht (wie Hoffenheim damals). Und Dortmund ist (dieses Jahr) noch nicht meisterschaftsreif.

Abgesehen davon werden für meinen Geschmack manche Mainzer "Jungstars" zu früh in den Himmel gelobt, auch wenn ich ihnen alles Gute wünsche.


Also: abwarten.

Ich bin zwar sauer, aber meinen FCB jetzt schon abschreiben? Nein!

Der Stern des Südens leuchtet immer und ich gehe nicht davon aus, dass sich die Astrophysiker hinsichtlich dieser Selbstverständlichkeit irren.

Samstag, Oktober 02, 2010

Slideshow: Legendäre Schwarzweiß-Fotografie

Besten Dank an meinen wie immer nachdenklichen Freund Paul Uri Russak für die Zusendung dieser sensationellen Fotoserie!

Zum Vergrößern
(Fullscreen) bitte auf den Button links unten in der Menü-Leiste klicken.

Wenn (Google-Blogger) -User wissen wollen, wie man Powerpoint-Präsentationen in seine Beiträge einbauen kann, dann können sie das hier nachlesen. Ganz einfach....; ich wusste bisher nichts von dieser Möglichkeit. Klasse!

Wie es bei WordPress funktioniert kann ich nicht sagen. Bis dato habe ich noch nicht danach gesucht.


5 Euro mehr im Monat: Dekadenz oder Verarschung?

Im Bayerischen Rundfunk wurde das vor wenigen Tagen heiß diskutiert. Ich beziehe dazu meinen ganz speziellen Standpunkt, der hier nicht zur Diskussion steht, bitte aber meine Leser, sich bei der Lektüre des unten angeführten Podcasts ein eigenes Bild zu machen.

Bitte hier oder auf die Abbildung klicken.


Wichtiger Hinweis: Bei der Auflistung bitte bis zum Beitrag
„Hartz IV - 27.09.2010 5 Euro mehr für Hartz-IV-Empfänger: Ist das gerecht? Zu Gast bei Stephanie Heinzeller: Prof. Walter Hanesch, Armutsforscher an der Hochschule Darmstadt“
runterscrollen.

Montag, September 27, 2010

Von Graffiti-Kultur zum Graduate und IDF-Sprecher: Arye Sharuz Shalicar

Die deutschen Leser können sich auf ein spannendes Buch freuen: Arye Sharuz Shalicar, dessen jüdische Familie aus dem Iran stammte, und der, vor zwei Jahrzehnten im Berliner Wedding aufgewachsen, jahrelang Mitglied mehrerer Jugendgangs, u.a. auch einer türkischen Bande war, die - wohl zu seinem Glück - lange nichts von seiner jüdischen Identität wusste, dient heute nach einem Studium an der renommierten Hebräischen Universität Jerusalem zu Internationalen Beziehungen, Nahostgeschichte und Politik und European Studies (M.A.) als Armeesprecher im Range eines Hauptmannes bei der IDF und hat seine (vorläufigen) Memoiren in einem Buch zusammengefasst.

Bis es dazu kam, war ein sehr bewegtes und gefährliches Leben zu meistern, denn Arye, der bis zu seinem 15. Lebensjahr seine jüdische Identität selbst nicht so richtig eingeordnet hatte, stieß überall auf äußerst aggressive Ablehnung, als er eines Tages seine Identität preisgegeben hatte: bedroht, gedemütigt, erniedrigt und physisch angegangen von in erster Linie
arabischen Jugendlichen im Wedding; aber auch schon zuvor war er für seine deutschen Altersgenossen ob seines südländischen Teints oft nur der Kanake.

Arye, dessen Leben unter meist muslimischen Altersgenossen fortan einem Spießrutenlaufen glich, begann nun zusehends, seine jüdischen Wurzeln zu entdecken.


In diesem lesenswerten Beitrag der WELT wird sein Werdegang in Auszügen dargestellt. Der Autor kommt selbst zu Wort.


Da ab und zu auch die taz einen halbwegs fairen Artikel zu Israel oder über (lebende) Juden schreibt (toter Israelis gedenkt sie geradezu inflationär, wie viele andere Medien) und die eine oder andere vernünftige Rezension bzw. Buchempfehlung wie diese von mir aufgegriffene veröffentlicht, soll auch darauf hingewiesen werden, dass sie Aryes Buch Ein nasser Hund ist besser als ein trockener Jude: Die Geschichte eines Deutsch-Iraners, der Israeli wurde sehr positiv bewertet hat.


Chapeau!


Dass man eine Buchbesprechung auch sehr sophisticated und hinterhältig schreiben kann, zeigt das marxistische Kampfblatt Der Freitag. Es schreibt unter der Headline Der rationale Kern der Islamophobie, die Arye komplett vereinnahmen will:
Das „Ticket nach Israel“, das er 2001 in Deutschland ohne Rückfahrkarte gelöst hat, erschien ihm als Ticket in die Freiheit. Was seine Lebensgeschichte über Antisemitismus, Islam und Migrationspolitik in Deutschland aussagt, was seine Karriere vom durchschnittlichen Weddinger Schüler zum erfolgreichen Akademiker für das Verhältnis von „Abstammung“, Erziehung und Gesellschaft bedeutet und welche Konsequenzen Bildungspolitiker aus seinen Alltagsansichten von Berliner Schulen ziehen müssten – darüber zu streiten wäre lohnender als über genetische Alltagsreligion.
Hier wird mehr oder weniger schlecht Arye Sharuz Shalicars emotional berührende Lebensgeschichte gegen Thilo Sarrazins nüchternes Zahlenmaterial ausgespielt und eine "Migrationsdebatte" nachgeschoben, ganz abgesehen davon, dass Aryes Entscheidung für einen Umzug nach Israel mit der zweideutigen Formulierung erschien zu einer individuellen Verlegensheitslösung uminterpretiert wird.

Ich kann mir schlecht vorstellen, dass dies Aryes Zustimmung findet. Da aber Jakob Augstein, der Sohn des SPIEGEL-Urgesteins und Zionistenhassers Rudolf Augstein, beim Freitag das Zepter schwingt (mit Pastor Schorlemmer u.a.), ist nicht unbedingt davon auszugehen, dass man bei den antijüdischen Kommunisten dieses Blattes beste Absichten hegt, wenn man Arye Sharuz Shalicar scheinbar wohlwollend ins Gespräch bringt.


Abschließend:


Aryes Buch beansprucht insofern eine Sonderstellung, da es den bisherigen Lebensweg eines noch jungen Mannes erzählt, der nicht von klein auf eine jüdische Sozialisation durchlaufen hat, sondern erst über Umwege dahin geführt wurde - eine "Post-Sozialisation", die von aggresiver Ablehnung seitens der deutschen Bevölkerung und der islamisch-arabischen Parallelgesellschaft in Berlin begleitet worden war.


Zu Aryes Biografie kann man auf dieser Seite noch ein paar Daten erfahren (in der rechten Spalte).
Vielleicht kann ich diese Information noch mit Aryes Hilfe präzisieren.

Wer Arye direkt per E-Mail kontaktieren will, kann das über mich tun: sola_gratia@web.de.

Bitte nur ernst gemeinte Zuschriften.