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Dienstag, Juni 18, 2013

Hassan Rohani: Wirklich moderat?


Es gehört zur schlechten deutschen Journalistentradition, manchen Klerikern im iranischen Gottesstaat Prädikate wie moderat, gemäßigt oder gar liberal zu verpassen, um einen scheinbaren Kontrast zu so genannten Konservativen wie Chamenei zu suggerieren. So auch im Fall des neu gewählten Präsidenten Rohani. Was man von solchen Vorschusslorbeeren zu halten hat, beschreibt der Politikwissenschaftler Matthias Küntzel mit seiner gewohnt sorgfältigen Analyse.

Hassan Rohani - ein Mann mit guten Beziehungen nach Berlin


Die iranische Bevölkerung hat Grund zu feiern: Der befürchtete Wahlbetrug fand nicht statt. Der Wahlsieg Rohanis zeigt, dass die Mehrheit mehr Freiheit will. Und: Die Tage Ahmadinejads sind gezählt.

Doch auch Revolutionsführer Ali Khamenei hat Grund zu feiern. Er wollte dreierlei erreichen: keine Aufruhr, eine hohe Wahlbeteiligung und ein Kandidat, auf dessen Loyalität er sich hundertprozentig verlassen kann. Er hat dies erreicht. Die Unterdrückten ließen Dampf ab, das System wurde stabilisiert.

Mit Hassan Rohani wird ein zuverlässiger Verfechter des Gottesstaates Präsident. Nach eigener Darstellung hat der 1948 geborene bereits als 17-jähriger an der Seite Ruhollah Khomeinis gekämpft. Seit 1965 mehrfach verhaftet, verließ er 1977 das Land und bereitete später gemeinsam mit Khomeini dessen Rückkehr von Paris nach Teheran vor.[1]
Von 1989 bis 2005 leitete er den Nationalen Sicherheitsrats (NSR) des Iran. Nach dem Wahlsieg Ahmadinejds verlor er diese Position, blieb aber als persönlicher Vertreter von Revolutionsführer Khamenei Mitglied im NSR.

In einem wesentlichen Punkt teilt Rohani die Besessenheit seines Vorgängers Ahmadinejad nicht. Während sich dieser der Wahnidee von der Wiederankunft des „Zwölften Imams“ auslieferte und es als seine größte Aufgabe bezeichnete, günstige Umstände für die Ankunft des schiitischen Messias zu schaffen, sind Rohani derartige Wahnvorstellungen fremd. Schon 2008 mokierte er sich über die abergläubischen Vorstellungen der Kabinettsmitglieder um Ahmadinejad: „Wenn sie ein Gebet verrichten, breiten sie vor sich auch einen leeren Gebetsteppich für den Verborgenen Imam aus, oder sie stellen für ihn einen gefüllten Teller auf das Speisetuch, oder sie erklären, man solle irgendeine wichtige Sitzung auf den Freitag verlegen, damit sie ihre Beschlüsse im Beisein des Erlösers fassen können.“[2]

Dieser Unterschied zwischen Rohani und Ahmadinejad ist nicht unwesentlich. Doch heißt das, dass auch in der Frage des Atomkonflikts und des Terrorismus „ein neues Kapitel beginnen (kann)“, wie die Süddeutsche Zeitung schreibt?[3] Noch wissen wir dies nicht. Doch sind Einzelheiten über Rohanis Besuche in Deutschland bekannt – Einzelheiten, die erste Prognosen erlauben.

Rohani und die Mykonos-Morde

Im April 1993 empfingen Außenminister Klaus Kinkel und Bundeskanzler Helmut Kohl Hassan Rohani in Bonn. Es war ein Besuch von hoher Brisanz, hatten doch iranische Agenten nur wenige Monate zuvor das Restaurant Mykonos in Berlin-Wilmersdorf gestürmt und drei hochrangige Vertreter der iranischen Kurden und deren Dolmetscher ermordet.
Offiziell war Rohani vom Deutschen Bundestag in seiner Funktion als Vizepräsident des iranischen Parlaments eingeladen. „Tatsächlich war er als Sekretär des Obersten Nationalen Sicherheitsrates auch einer der Hauptverantwortlichen des iranischen Terrors und ein mutmaßlicher Drahtzieher der Mykonos-Morde“, heißt es in einer Doktorarbeit, die sich mit der Mykonos-Affäre befasst. Exiliraner in Deutschland hatten damals öffentlich behauptet, Rohani sei „am Beschluss zur Durchführung des jüngsten Anschlags … persönlich beteiligt“ gewesen.“[4]

Natürlich spielte dieses Attentat in Rohanis Gesprächen mit Kinkel eine zentrale Rolle. „Beide Dialogpartner ließen durchblicken: Bonn und Teheran wollten die Mykonos-Affäre Schulter an Schulter durchstehen.“[5]

Die Mykonos-Morde waren nicht die einzigen Terrorakte, die die islamische Republik im Ausland durchführen ließ – Terrorakte, für die Hassan Rohani als NSR-Sekretär eine Mitverantwortung trug. Doch auch beim Terror nach innen war Rohani engagiert – zum Beispiel bei der Zerschlagung der Studentenbewegung im Sommer 1999.

„Gestern erhielten wir den maßgeblichen revolutionären Auftrag, jede Bewegung dieser opportunistischen Elemente, wo immer sie auftritt, ebenso gnadenlos wie monumental zu zerschlagen“, rief Rohani im Juli 1999 den Teilnehmern einer regimefreundlichen Kundgebung zu. „Von heute an soll unser Volk erleben, … wie wir mit diesen … Elementen umgehen, wenn sie es auch nur wagen, ihre Gesichter zu zeigen.“ Im Anschluss an diese Kundgebung stürmten die Sicherheitskräfte die Studentenunterkünfte; zahllose Studierende wurden verhaftet, viele gefoltert, einige ermordet.[6]

2009 war Rohani an der blutigen Zerschlagung der Demokratiebewegung zwar nicht beteiligt, doch er schwieg. Nie hat er sich mit den damaligen Präsidentschaftskandidaten Mir Hossein Moussavi und Mehdi Karroubi solidarisiert. Erst im Wahlkampf setzte sich Rohanis für die Freilassung der politischen Gefangenen ein. Ob dies lediglich der Wählermobilisierung dienen sollte oder ernst gemeint war, wird sich zeigen.

Rohani und Israel

Zum Abschluss seines fünftägigen Besuchs von 1993 erklärte Rohani gegenüber den Pressevertretern in Bonn, dass „die USA und das zionistische Regime die Haupturheber der gegen den Iran gerichteten Propaganda (seien).“[7]

Diese Neigung zur antisemitischen Verschwörungstheorie scheint auch zwanzig Jahre später noch sein Weltbild zu prägen. Dies belegt ein Interview, dass Rohani unmittelbar vor seiner Wahl der in London erscheinenden Zeitschrift al-Sharq al-Awsat gab. Israel, behauptet er hier in aller Ernsthaftigkeit, habe die Debatte um das iranische Atomprogramm „angeheizt und angeleitet …, um die internationale Aufmerksamkeit nicht nur von seinem eigenen heimlichen und gefährlichen Atomwaffenprogramm sondern auch von seiner destabilisierenden und unmenschlichen Politik und Praxis in Palästina und im Nahen Osten abzulenken.“ Bedauerlicherweise habe sich der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen diskreditiert, „als er es den USA erlaubte, dieses kontraproduktive israelische Programm durchzusetzen.“[8]

Aus seinem Hass auf Israel leitet sich auch Rohanis Haltung zum Assad-Regime ab: Syrien sei „das einzige Land in der Region geblieben, das der expansionistischen Politik Israels und dessen Praktiken widersteht.“[9] Natürlich werde der Iran auch weiterhin „die palästinensische Sache aus vollem Herzen unterstützten“. Eine Lösung der Palästina-Krise sei aber nur dann möglich, „wenn die Rechte des palästinensischen Volkes vollständig wiederhergestellt und dessen nationale Aspirationen verwirklicht“ seien. Full restauration of the rights of the Palestinian people klingt natürlich freundlicher als wipe Israel from the map. Gemeint ist aber das Gleiche.

Rohani und das Atomwaffenprogramm

Anfang 2003 verfügte die IAEA erstmals über Beweise, dass Teheran den Atomwaffensperrvertrag in verschiedener Hinsicht gebrochen hatte. Eine Überweisung der Iran-Akte an den UN-Sicherheitsrat stand bevor. Um dies – und die damit drohenden Sanktionen – zu verhindern, erklärte sich Hassan Rohani als iranischer Verhandlungsführer im Atomkonflikt zu einem Bauernopfer bereit: Er rief Jack Straw, den Außenminister Großbritanniens, Dominique de Villepin, den Außenminister Frankreichs sowie Joschka Fischer, den deutschen Außenminister nach Teheran und ließ sie mit Zustimmung des Revolutionsführers die sogenannte „Erklärung von Teheran“ unterschreiben. Darin versprach die iranische Führung, ihre Aktivitäten zur Urananreicherung vorübergehend zu suspendieren und das IAEA-Zusatzprotokoll über strengere Kontrollen zu unterschreiben. Im Gegenzug blockierten die Europäer die Einschaltung des Sicherheitsrats und erkannten das Recht des Iran auf friedliche Verwendung der Atomenergie an.

Vordergründig sah es so aus, als habe der Iran unter der Führung Rohanis ein Zugeständnis gemacht. Eben dies warfen ihm seine Kontrahenten während der jüngsten Wahlauseinandersetzungen auch vor. Rohani konterte diesen Vorwurf, indem damit prahlte, wie gut es ihm gelungen sei, die Staatengemeinschaft zu täuschen und das Atomprogramm heimlich voranzutreiben.

In der Tat hatte sich Rohani schon zwei Tage nach der Unterzeichnung der „Erklärung von Teheran“ über die Naivität der Europäer lustig gemacht. Er erklärte, dass man gar nicht daran denke, das unterschriebene Zusatzprotokoll in Kraft zu setzen. Vergnügt fügte er hinzu, dass auch für die Suspendierung der Urananreicherung kein Zeitlimit vereinbart worden sei, sodass sie „nicht einmal einen Monat dauern brauche.“[10]

Später wurde Rohani noch direkter. Um die Überweisung der Iran-Akte an den UN-Sicherheitsrat zu verhindern, habe man die Europäer überlisten und den Abbruch der Atomarbeiten vortäuschen müssen, erklärte er nun. In Wirklichkeit habe man den Stopp an der einen Baustelle durch umso intensivere Arbeiten an einer anderen Baustelle kompensiert: „Dadurch, dass wir die Situation [mit dem Teheraner Protokoll] beruhigten, waren wir in der Lage, die Arbeiten [an der Uran-Konversionsanlage] in Isfahan abzuschließen.“[11]

Hier haben wir es mit einem Verhandlungsmuster zu tun, dessen Anwendung auch bei zukünftigen Atomgesprächen zu erwarten ist. Beim Schach spricht man von Gambit, wenn es darum geht, durch ein kleines Opfer einen sehr viel gewichtigeren Vorteil herauszuholen. Bei seiner Begegnung mit Joschka Fischer und dessen Kollegen hatte Rohani hervorragend Schach gespielt. Während die eigenen „Zugeständnisse“ keinen wirklichen Wert darstellten, da man sie nach Belieben wieder rückgängig machen konnte, fungierten die Verhandlungen als Kulisse, hinter der das iranische Atomprogramm da, wo es am nötigsten war, vorangebracht werden konnte. Gleichzeitig wurde Europa gegen die USA ausgespielt: „“Europa stand an der Seite des Irans“, betonte Rohani, „als die USA darauf bestanden, das Iran-Dossier an den Sicherheitsrat zu überweisen.“[12]

Rohani will die internationale Gemeinschaft spalten

„Rohanis moderate Stimme könnte dazu dienen, die internationale Gemeinschaft zu spalten“, warnt das Wall Street Journal zu Recht.[13] Als Rohani am 19. September 2007 auf Einladung der Körber-Stiftung nach Berlin kam, nahm er nicht nur an deren Veranstaltung teil, sondern sprach auch mit Vertretern der Bundesregierung.[14]

Das Erstaunliche an dieser Reise war, dass sie während der Ära Ahmadinejad stattfand, dessen taktischer Umgang mit dem Nukleardossier sich von Rohanis Diplomatie deutlich unterschied. Doch es war der Revolutionsführer selbst, der Rohani nach Berlin entsandte, was die Gruppe um Ahmadinejad zu wütenden, jedoch erfolglosen Protesten veranlasste.

Wir sehen: Obwohl der Revolutionsführer immer wieder Partei für Ahmadinejad ergriff, suchte er gleichzeitig die diplomatische Cleverness seines langjährigen Vertrauten Hassan Rohani zu nutzen. Dies zeigt, dass Rohani außenpolitisch ein Mann Khameneis war und ist. Wir können davon ausgehen, dass der Revolutionsführer das Risiko einer Präsidentschaft Rohanis auch heute für gut beherrschbar hält.

Die Episode von 2007 zeugt zudem von dem Interesse und von dem Potential Rohanis, Deutschland im Atomstreit gegen andere westliche Mächte auszuspielen. So bestand der Zweck seiner Reise darin, mithilfe einer Einflussnahme auf die Bundesrepublik die Verabschiedung einer weiteren Sanktionsresolution im UN-Sicherheitsrat zu verhindern.[15] Ob es nun auf die Einflussnahme Rohanis zurückzuführen war oder nicht: Tatsache ist, dass sich die fünf Vetomächte des Sicherheitsrats und Deutschlands am 27. September 2007 auch aufgrund der deutschen Positionierung auf einen gemeinsamen neuen Sanktionsvorschlag nicht hatten einigen können. „Im Atomstreit mit Iran läuft der europäische Verbündete Deutschland von der Fahne“, kommentierte damals die FAZ.[16]

Und heute? Der Westen hungert förmlich nach guten Nachrichten aus dem Iran. Was kann es da Schöneres geben, als einen lächelnden Mullah, der über Mäßigung im Atomstreit spricht? In Wirklichkeit ist die Erwartung, dass ausgerechnet Rohani, einer der Väter des iranischen Atomprogramms, den Atomstreit mit dem Westen beenden könne, „völlig unbegründet“, konstatiert die Neue Zürcher Zeitung.[17] Rohani wird mit gleicher Vehemenz wie Ahmadinejad, jedoch mit größerer Intelligenz und mit einem besserem Gespür für die Möglichkeiten, das westliche Lager auseinander zu dividieren, für die vollständige Realisierung der iranischen nuklearen Option kämpfen.

Die Zeichen stehen also auch in Zukunft auf Sturm. Mahmoud Ahmadinejad hatte das iranische Atomprogramm mit einem rasenden Zug ohne Bremsen verglichen. Wenn Rohani nunmehr ankündigt, das Verhältnis zum Westen und zur Welt verbessern zu wollen, wird er jene Bremsen zwar mit einbauen und bei Bedarf sogar nutzen – ansonsten wird er die Fahrt auf denselben Schienen und in dieselbe Richtung fortsetzen. Vermutlich wird er hierbei Gesprächspartner finden, die sich nur allzu gern hereinlegen und mit Hilfe neuer Gambits besiegen lassen. Schon heute ruft die Frankfurter Allgemeine zur „Lockerung der Sanktionen“ auf – natürlich nur, um Rohani im „Kampf“ gegen dessen konservative Umgebung zu stärken.[18]


[1] So referiert die englischsprachige Wikipedia-Plattform Rohanis Autobiographie.
[2] Zit. nach Amir Hassan Cheheltan, Warten auf den Verborgenen Imam, in: Frankfurter Allgemeine, 12. März 2008.
[3] Rudolph Chimelli, Hoffnung in Teheran, in: Süddeutsche Zeitung, 16. Juni 2013.
[4] Norbert Siegmund, Der Mykonos-Prozess, Münster 2001, S. 124
[5] Siegmund, a.a.O., S. 128.
[6] Sohrab Ahmari, Behind Iran’s ,Moderate’ New Leader. Hassan Rohani unleashed attacks on pro-democracy student protesters in 1999, in: Wall Street Journal, June 16, 2013.
[7] Archiv der Gegenwart, 30. April 1993, S. 37870.
[8] Ali. M. Pedram, In conversation with Hassan Rouhani, in: al-Sharq al-Awsat, June 13, 2013. http://en-maktoob.news.yahoo.com/conversation-hassan-rouhani-182743986.html
[9] Ebd.
[10] Elaine Sciolino, A Change of Heart in Tehran? Is It Time to Talk?, in: New York Times, 29. Oktober 2003.
[11] Elaine Sciolino, Showdown at U.N.? Iran Seems Calm, in: New York Times, March 14, 2006.
[12] Secretary of Iran’s Supreme National Security Council, Hassan Rohani: The World Must Accept Iran’s Membership in the World Nuclear Club, in: MEMRI, Special Dispatch Series – No. 678, March 11, 2004.
[13] Jay Solomon and Farnaz Fassihi, West to Press Iran on Nukes, in: Wall Street Journal, June 16, 2013.
[14] http://www.koerber-stiftung.de/internationale-politik/politische-fruehstuecke/hintergrundgespraeche/2007/19092007.html
[15] Y. Mansharof and A. Savyon, Signs of a Possible Rift in the Iranian Leadership on the Nuclear Issue, in: MEMRI, Inquiry and Analysis Series – No. 391, September 20, 2007.
[16] Matthias Rüb, Im irakischen Treibsand, in: FAZ, 1. November 2007.
[17] Andreas Rüesch, Ein Ventil für Irans Theokratie, in: Neue Zürcher Zeitung, 16. Juni 2013.
[18] Rainer Hermann, Eine Chance für Iran, in: Frankfurter Allgemeine, 17. Juni 2013.

Mittwoch, März 21, 2012

ZDF-Kleber: Canossa-Gang auf den Obersalzberg


 Wer interviewt hier eigentlich wen?

 

Klicken Sie sich durch das Video (es sagt nicht viel Neues aus) und Sie werden zumindest die Frage nach dessen inhaltlicher Verwertbarkeit selbst beantworten können. Vox Populi unterhalb des YouTube*-Fensters.

Was in diesem Video gesagt wird liefert eigentlich keine wesentlich neuen Erkenntnisse über den neuen Verhandlungsstand mit dem Iran - (für mich klingt übrigens Persien wahrhaft authentisch) -, besser gesagt eigentlich nur eine kurze Bestandsaufnahme über die vielfach wiederholte und stets erfolgreich ausgetestete Verbal-Strategie eines totalitären religiös-faschistischen Systems, seine mit unendlich dämlicher Eselsgeduld ausgestatteten Verhandlungspartner mit allen Mitteln zu täuschen (China und Russland halten sich aus wirtschaftlichen Gründen bisher vornehm zurück, wie wir wissen).

Was in diesem Zusammmenhang erwähnenswert wäre:

Henryk M. Broder hat mehrmals und sicher auch zu Recht erwähnt, dass sich historisch eindeutig fixierbare und wissenschaftlich sorgfältig definierte Geschichtsverläufe nicht wiederholen können. Andernfalls verlören sie auch ihr Alleinstellungsmerkmal. Er artikulierte diesen Aspekt nicht zuletzt im Zusammenhang mit Chamberlains und Daladiers Kaffeefahrt Ende September 1938 in München, weil er darauf mehrmals in den letzten Jahren im Zusammenhang mit der (Radikal-) Pazifismusdebatte angesprochen worden war. Befördert wurde Letzere seit dem damals absolut notwendigen Nachrüstungsbeschluss der NATO Anfang der 1980er-Jahre durch eine mehr und mehr passiv-destruktive neo-radikalpazifistische Friedensdiskussion in Politik, Gesellschaft und Kirche, die heute erschreckenderweise wieder zunimmt.

Dennoch will ich die oben angeführten Passagen etwas variieren, so weit mir das in den folgenden zwei Sätzen gelingt: 

Geschichte wiederholt sich selbstverständlich nicht stringent oder nach einer unabänderlichen Gesetzmäßigkeit, logischerweise auch nicht kongruent, aber sie retransformiert sich dennoch in den immer wiederkehrenden Post Mortem-Reanimationsbestrebungen totalitärer Personen, Staaten und Strukturen - sowohl heute als auch sicher in der Zukunft.

Denn wenn schon genug Anschauungsmaterial aus der erfolgreich vorexerzierten Historie vorhanden ist, warum sollten sich dann böse Buben nicht aus dieser reichhaltigen Asservatenkammer bedienen wollen, falls sie die Gelegenheit dazu bekommen? 

Doch letzlich...

... geht es um wesentlich mehr als um dieses Video selbst, und dabei nicht allein um diesen oben abgebildeten Grimassenschneider mit seiner augenscheinlich zu Tage tretenden brutalen Physiognomie, die mit ziemlicher Sicherheit denjenigen Islamisten zeichnet, der 1979 bei der Geiselnahme der US-Botschaft in Teheran an vorderster Stelle beteiligt war.

Mir geht es nicht zuletzt um die selbstverschuldete und völlig unnötige Inszenierung einer GEZ-Veranstaltung in Teheran und um die Frage, warum das ZDF in Person Klaus Kleber unsere Rundfunkgebühren für eine peinliche Burleske strapazierte, wer für Vorverträge, Interview-Absprachen, Fragestellungen, Diskursverlauf und vor allen Dingen für das Gesamtkonzept verantwortlich zeichnete. Als gelernter Print- und Online-Redakteur weiß ich, dass das Sujet "Interview" zu den schwierigsten der Branche gehört und intensive Vorgespräche erfordert, weil der zu Interviewende so gut wie möglich dargestellt werden will. 

Also kommt als Hauptakteur nur einer in Frage: Klaus Kleber selbst, der ja - bescheiden wie er ist - auch gerne selbst produziert (weiter unten). 

Anmerkungen zu Klaus Kleber:

Sein geschmeidiges Ego versprüht ein unstillbares Verlangen nach Interview-Terminen mit den Schurken dieser Welt, ähnlich wie es weiland Peter Scholl-Latour [Kürzel: PSL] (mit Chomeini) oder Ulrich Kienzle (mit Saddam Hussein) praktizierten.

Anders jedoch als die beiden längst in die Jahre gekommenen und zu selbstherrlichem Altersstarrsinn neigenden Methusalems des Auslandsjournalismus, die ihre herzliche Abneigung gegen Amerikaner und Israelis heute noch stärker artikulieren als ehedem und dazu auch immer standen und schon allein dafür von den Deutschen geadelt werden, bürgt Kleber qua nomen für eine geschmeidige Schmier- und Klebefähigkeit und Indifferenz, wenn es gilt, sich den Fieslingen dieser Welt anzubiedern. Peter Scholl-Latour und Ulrich Kienzle waren und sind echte Kotzbrocken, aber im Gegensatz zu Kleber besitzen sie wenigstens ein kantiges Format und eine eigene Meinung - nicht so wie der geschwätzige Markus Lanz-Verschnitt des "Politischen" im ZDF-Spätschoppen für geistig Unterbelichtete.

Klaus Kleber beim Arbeiten zugeschaut

Wer Herrn Kleber über die letzten etwa 15 Jahre hinweg halbwegs aufmerksam beobachtet hat (früher war er USA-Korrespondent), entdeckt recht bald, dass er zwei Rollen spielt:

Einerseits die des jovial und souverän agierenden Anchorman im Heute Journal, der uns zwischen 21.45 h und 22.15 h die Welt erklären will, und zum zweiten die glattgebürstete Bonsai-Ausgabe eines Richard Attenborough der deutschen Polit-Dokumentation. Man könnte glatt denken, wir wären mit Guido Knopps beinahe täglich dräuender Volksaufklärungs- und Beglückungsmaschinerie schon längst am Abgrund der völligen Banalisierung (oder Verblödung?) des politischen Soap-Bildungsprozesses angelangt. Aber dank Kleber und dessen ZDF-Kollegin M. Slomka, die bei BO-Frost sicher eine alternativ bessere Karriere hingelegt hätte, geht’s sogar noch billiger. 

Kleber wirkt besser als PATTEX - und seine Adepten kleben mit

Mich wundert Klebers devotes Gehabe im Umgang mit großkopferten Gangstern spätestens seit jenem Zeitpunkt nicht mehr, an dem er mit Ex-IAEA-Chef El-Baradei, der engste Beziehungen zum ehemaligen iranischen Atomunterhändler und Holocaustleugner Ali Larijani unterhalten hatte, ebenfalls im ZDF eine von ihm höchst selbst inszenierte Gefälligkeitsreportage im Hochglanzformat gemacht hatte.

Doch was fand Herr Kleber am "Friedens"-Nobelpreisträger El-Baradei, der Israel als Haupthindernis für eine nukleare Abrüstung gesehen hatte, so faszinierend?

Auf El-Baradeis Anweisung hin war im Jahr 2006 in enger Zusammenarbeit mit Ali Larijani und dem obersten iranischen „geistlichen“ Führer Ali Khamenei der allzu hartnäckig forschende IAEA-Chefinspekteur Chris Charlier zum Büroklammerzählen abkommandiert worden (Cicero-Redakteur Bruno Schirra hatte damals großartig recherchiert**). Im Jahr 2007 stand dann die iranische Fertigungskette, die zum Aufbau der Anlaufproduktion eines Atombombenprogramms unabdingbar ist, wie vom Regime selbst angegeben, bei knapp 3.000 Gaszentrifugen. Worin bestand also die Friedensleistung EL-Baradeis, außer dass er mit Klaus Kleber in New York ausgiebig beim Kaffeetrinken gefilmt worden war?

Heute schreiben wir den März im Jahr 2012, das Atomwaffenprogramm der iranischen Mullah-Diktatur steht quasi vor seiner Vollendung, die deutschen Geschäfte mit dem Iran boomen weiterhin auf höchstem Niveau, Madam Ashton vergleicht Gaza-Opfer mit dem Mord an jüdischen Schülern in Toulouse und der ehemalige Pop-Beauftragte der SPD setzt in bizarrer Dämlichkeit und Ignoranz (und das ohne Rücktrittsforderung!?) Israel, die einzige Demokratie des Nahen Ostens, mit dem ehemaligen südafrikanischen Apartheidregime gleich.

Das lückenhafte und ideologisch sehr leicht durchschaubare Halbwissen eines seit Jahren ungehindert hyperventilierenden Absolventen der Arabistik und Politik versetzt im Forum des tagesschau.de-Blogs der ARD die Kinder und Enkel derjenigen, die damals im Berliner Sportpalast „Wir wollen den totalen Krieg“ brüllten, in einen neuen Freudentaumel, wenn es um die Frage geht, ob man das iranische Atomwaffenprogramm ausschalten dürfe oder nicht. Natürlich nicht....

Nun aber wollen sie, die Nachkommen, konsequent irrational, historisch miserabel ausgebildet, fremdgesteuert, orientierungslos und freiheitsverachtend wie immer sie auch plärren (also echte 68er-Zöglinge, die eine Freiheits-/Verantwortungsethik erst buchstabieren lernen müssen) - in indirekt proportionaler Umkehrung der Forderung ihrer Großeltern - den totalen Frieden, jenen aber gefälligst ohne die Existenz Israels***.

Was ihre Altvorderen mit deren originären Methode erreichen wollten, müssen sie selbst ja nicht dezidiert aussprechen, da sie politisch korrekt argumentieren: Es reicht, wenn sie ihr neues Projekt lediglich "Antizionismus" nennen, wenn nur das Ergebnis dasselbe bleibt. So etwas nennt man generationsübergreifende Enkulturation.

Willkommen in Pazi-Land!

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*Mein Benutzername: Pollux89 (bei den Kommentaren bei etwa 17.45 ) 

 **Mehr zur Denunziation und der Demontage Bruno Schirras durch deutsche Verfassungsorgane und seine berufliche Schädigung hier. 2005 waren Bruno Schirra und Wolfram Weimar (Letzterer damals CICERO-Chefredakteur, 2011 Chefredakteur beim FOCUS) Geheimnisverrat vorgeworfen worden - ungerechtfertigterweise, wie sich später herausgestellt hatte. An der journalistischen Beschädigung Schirras hatte das allerdings nichts geändert. Mehr als schäbig, wie man damals mit Schirra und Weimar umgesprungen war.

***Hier zitiere ich als Trost für alle Freunde Israels unsere Bibel mit nur einer von vielen Verheißungen (was natürlich beinhaltet, dass wir alle unsere Verantwortung wahrnehmen müssen: Wer dich angreift, wird um deinetwillen fallen... Keine Waffe, die gegen dich geschmiedet wird, soll es gelingen, und jede Zunge, die vor Gericht gegen dich aufsteht, wirst du schuldig sprechen (Jesaja 54,15-17]