Immer häufiger wird Israels Besatzungspolitik mit dem Antisemitismus-Argument gegen jede Kritik in Schutz genommen. Dadurch verliert der Begriff seine Bedeutung und das Thema seine Würde. All das nützt den wirklichen Judenfeinden - und es schadet Israel.
Freitag, Januar 25, 2013
Holocaust-Gedenktag übermorgen: Augsteins Pflichttermin?
Samstag, Januar 19, 2013
Mein "Dialog" mit der Webseite "Der Moslem"
Ich weiß nicht viel, was diese persönliche Auseinandersetzung betrifft, aber ich erkenne spätestens bei solchen Formulierungen, dass seitens Der Muslim sämtliche Essentials der journalistischen Fairness missachtet werden.
Und dieser (mein) Beitrag hatte sein Wutschnauben ausgelöst:
Sonntag, April 08, 2012
Quizfrage: Welche Nazis dürfen in welchen Leserforen ungeprüft Kommentare zu Grass hinterlassen?
Wie perfide und unaufrichtig das journalistische Ethik-Postulat oben Genannter in die Tat umgesetzt wird, zeigt sich in diesen Tagen besonders deutlich, wenn Grassens antisemitisches Œuvre von eben diesen “Qualitätsmedien“ einem breiten Spektrum vieler linker (und islamischer?) antisemitischer Leser zur Diskussion vorgelegt wird, ohne danach die eigenen Foren ebenso gründlich zu durchforsten, wie man es selbst von den politischen Gegnern als selbstverständlich voraussetzt.
Beitrag 2 von Leser Iffel 1
Henryk M. Broder hat in diesem Interview formuliert, dass Personen aus einem gewissen intellektuellen Milieu oder Feuilleton sich das Verschwinden Israels aus der Geschichte wünschten [Im Video ab 12:00], um endlich einen Schlussstrich ziehen zu können (Man lese dazu auch die teilweise unfassbar schmutzigen Kommentare unterhalb des Videos, die leider auch nicht mehr überraschen).
Er war und bleibt auch ein Objekt der Begierde der „Dummen Kerls“, wie es SPD-Frontmann August Bebel einmal skizziert hatte; schon allein deshalb, weil der intellektuelle Antisemitismus im Gewand des Antizionismus, wie Broder richtigerweise zusammenführt, ohne den Beifall und das Echo des ungebildeten Pöbels (Leserbriefe) nicht auskommt.
Hier greifen die Interdependenz-Mechanismen und Rädchen zwischen intellektuellen Verführern und bereitwillig folgenden „Verführten“, die qua pseudochristlicher, atheistischer, "aufklärerischer“ und islamischer Tradition eigentlich schon seit je her antisemitisch positioniert sind, perfekt ineinander.
Mittwoch, März 21, 2012
ZDF-Kleber: Canossa-Gang auf den Obersalzberg
Wer interviewt hier eigentlich wen?
Klicken Sie sich durch das Video (es sagt nicht viel Neues aus) und Sie werden zumindest die Frage nach dessen inhaltlicher Verwertbarkeit selbst beantworten können. Vox Populi unterhalb des YouTube*-Fensters.
Was in diesem Video gesagt wird liefert eigentlich keine wesentlich neuen Erkenntnisse über den neuen Verhandlungsstand mit dem Iran - (für mich klingt übrigens Persien wahrhaft authentisch) -, besser gesagt eigentlich nur eine kurze Bestandsaufnahme über die vielfach wiederholte und stets erfolgreich ausgetestete Verbal-Strategie eines totalitären religiös-faschistischen Systems, seine mit unendlich dämlicher Eselsgeduld ausgestatteten Verhandlungspartner mit allen Mitteln zu täuschen (China und Russland halten sich aus wirtschaftlichen Gründen bisher vornehm zurück, wie wir wissen).
Was in diesem Zusammmenhang erwähnenswert wäre:
Henryk M. Broder hat mehrmals und sicher auch zu Recht erwähnt, dass sich historisch eindeutig fixierbare und wissenschaftlich sorgfältig definierte Geschichtsverläufe nicht wiederholen können. Andernfalls verlören sie auch ihr Alleinstellungsmerkmal. Er artikulierte diesen Aspekt nicht zuletzt im Zusammenhang mit Chamberlains und Daladiers Kaffeefahrt Ende September 1938 in München, weil er darauf mehrmals in den letzten Jahren im Zusammenhang mit der (Radikal-) Pazifismusdebatte angesprochen worden war. Befördert wurde Letzere seit dem damals absolut notwendigen Nachrüstungsbeschluss der NATO Anfang der 1980er-Jahre durch eine mehr und mehr passiv-destruktive neo-radikalpazifistische Friedensdiskussion in Politik, Gesellschaft und Kirche, die heute erschreckenderweise wieder zunimmt.
Denn wenn schon genug Anschauungsmaterial aus der erfolgreich vorexerzierten Historie vorhanden ist, warum sollten sich dann böse Buben nicht aus dieser reichhaltigen Asservatenkammer bedienen wollen, falls sie die Gelegenheit dazu bekommen?
Doch letzlich...
... geht es um wesentlich mehr als um dieses Video selbst, und dabei nicht allein um diesen oben abgebildeten Grimassenschneider mit seiner augenscheinlich zu Tage tretenden brutalen Physiognomie, die mit ziemlicher Sicherheit denjenigen Islamisten zeichnet, der 1979 bei der Geiselnahme der US-Botschaft in Teheran an vorderster Stelle beteiligt war.
Mir geht es nicht zuletzt um die selbstverschuldete und völlig unnötige Inszenierung einer GEZ-Veranstaltung in Teheran und um die Frage, warum das ZDF in Person Klaus Kleber unsere Rundfunkgebühren für eine peinliche Burleske strapazierte, wer für Vorverträge, Interview-Absprachen, Fragestellungen, Diskursverlauf und vor allen Dingen für das Gesamtkonzept verantwortlich zeichnete. Als gelernter Print- und Online-Redakteur weiß ich, dass das Sujet "Interview" zu den schwierigsten der Branche gehört und intensive Vorgespräche erfordert, weil der zu Interviewende so gut wie möglich dargestellt werden will.
Also kommt als Hauptakteur nur einer in Frage: Klaus Kleber selbst, der ja - bescheiden wie er ist - auch gerne selbst produziert (weiter unten).
Anmerkungen zu Klaus Kleber:
Anders jedoch als die beiden längst in die Jahre gekommenen und zu selbstherrlichem Altersstarrsinn neigenden Methusalems des Auslandsjournalismus, die ihre herzliche Abneigung gegen Amerikaner und Israelis heute noch stärker artikulieren als ehedem und dazu auch immer standen und schon allein dafür von den Deutschen geadelt werden, bürgt Kleber qua nomen für eine geschmeidige Schmier- und Klebefähigkeit und Indifferenz, wenn es gilt, sich den Fieslingen dieser Welt anzubiedern. Peter Scholl-Latour und Ulrich Kienzle waren und sind echte Kotzbrocken, aber im Gegensatz zu Kleber besitzen sie wenigstens ein kantiges Format und eine eigene Meinung - nicht so wie der geschwätzige Markus Lanz-Verschnitt des "Politischen" im ZDF-Spätschoppen für geistig Unterbelichtete.
Kleber wirkt besser als PATTEX - und seine Adepten kleben mit
Auf El-Baradeis Anweisung hin war im Jahr 2006 in enger Zusammenarbeit mit Ali Larijani und dem obersten iranischen „geistlichen“ Führer Ali Khamenei der allzu hartnäckig forschende IAEA-Chefinspekteur Chris Charlier zum Büroklammerzählen abkommandiert worden (Cicero-Redakteur Bruno Schirra hatte damals großartig recherchiert**). Im Jahr 2007 stand dann die iranische Fertigungskette, die zum Aufbau der Anlaufproduktion eines Atombombenprogramms unabdingbar ist, wie vom Regime selbst angegeben, bei knapp 3.000 Gaszentrifugen. Worin bestand also die Friedensleistung EL-Baradeis, außer dass er mit Klaus Kleber in New York ausgiebig beim Kaffeetrinken gefilmt worden war?
Heute schreiben wir den März im Jahr 2012, das Atomwaffenprogramm der iranischen Mullah-Diktatur steht quasi vor seiner Vollendung, die deutschen Geschäfte mit dem Iran boomen weiterhin auf höchstem Niveau, Madam Ashton vergleicht Gaza-Opfer mit dem Mord an jüdischen Schülern in Toulouse und der ehemalige Pop-Beauftragte der SPD setzt in bizarrer Dämlichkeit und Ignoranz (und das ohne Rücktrittsforderung!?) Israel, die einzige Demokratie des Nahen Ostens, mit dem ehemaligen südafrikanischen Apartheidregime gleich.
Das lückenhafte und ideologisch sehr leicht durchschaubare Halbwissen eines seit Jahren ungehindert hyperventilierenden Absolventen der Arabistik und Politik versetzt im Forum des tagesschau.de-Blogs der ARD die Kinder und Enkel derjenigen, die damals im Berliner Sportpalast „Wir wollen den totalen Krieg“ brüllten, in einen neuen Freudentaumel, wenn es um die Frage geht, ob man das iranische Atomwaffenprogramm ausschalten dürfe oder nicht. Natürlich nicht....
Nun aber wollen sie, die Nachkommen, konsequent irrational, historisch miserabel ausgebildet, fremdgesteuert, orientierungslos und freiheitsverachtend wie immer sie auch plärren (also echte 68er-Zöglinge, die eine Freiheits-/Verantwortungsethik erst buchstabieren lernen müssen) - in indirekt proportionaler Umkehrung der Forderung ihrer Großeltern - den totalen Frieden, jenen aber gefälligst ohne die Existenz Israels***.
Was ihre Altvorderen mit deren originären Methode erreichen wollten, müssen sie selbst ja nicht dezidiert aussprechen, da sie politisch korrekt argumentieren: Es reicht, wenn sie ihr neues Projekt lediglich "Antizionismus" nennen, wenn nur das Ergebnis dasselbe bleibt. So etwas nennt man generationsübergreifende Enkulturation.
Willkommen in Pazi-Land!
*Mein Benutzername: Pollux89 (bei den Kommentaren bei etwa 17.45 )
**Mehr zur Denunziation und der Demontage Bruno Schirras durch deutsche Verfassungsorgane und seine berufliche Schädigung hier. 2005 waren Bruno Schirra und Wolfram Weimar (Letzterer damals CICERO-Chefredakteur, 2011 Chefredakteur beim FOCUS) Geheimnisverrat vorgeworfen worden - ungerechtfertigterweise, wie sich später herausgestellt hatte. An der journalistischen Beschädigung Schirras hatte das allerdings nichts geändert. Mehr als schäbig, wie man damals mit Schirra und Weimar umgesprungen war.
***Hier zitiere ich als Trost für alle Freunde Israels unsere Bibel mit nur einer von vielen Verheißungen (was natürlich beinhaltet, dass wir alle unsere Verantwortung wahrnehmen müssen: Wer dich angreift, wird um deinetwillen fallen... Keine Waffe, die gegen dich geschmiedet wird, soll es gelingen, und jede Zunge, die vor Gericht gegen dich aufsteht, wirst du schuldig sprechen (Jesaja 54,15-17]
Montag, Januar 09, 2012
Causa Wulff und Forderung nach Pressefreiheit: Ein Abgrund an Heuchelei
Das kann ich natürlich nicht dezidiert bestimmen, aber man muss da sehr fein zwischen Journalisten wie Broder und denen der Mainstream-Presse unterscheiden, die aus politischen Erwägungen heraus ihre Angriffe starteten: Er sagt, was er denkt, unabhängig von seinen Auftraggebern oder er sucht sich - wie früher beim SPIEGEL - eine Nische, in der er journalistisch tätig sein kann.
Und damit komme ich zum eigentlichen Thema: Wann setzen sich deutsche Journalisten für Pressefreiheit ein und wann nicht, und welche Risiken sind sie bereit, dafür auf sich zu nehmen? Vielleicht, dass sie ihr zweites Paar Schuhe für einen Leitartikel opfern?
Wobei wir auch schon bei Gepflogenheiten in der arabischen Welt wären und deren Entsprechung in einer Unterwürfigkeitsgeste der westlichen Medien, sprich, der selbst auferlegten Schere im Kopf nach der Veröffentlichung der Mohammed-Karikaturen im September 2005. Es geht nicht zuletzt um die Unglaubwürdigkeit derer, die heute lauthals Pressefreiheit einfordern, aber damals vor dem islamischen Mob kuschten, der sich weltweit in Gewaltorgien eben gegen diese Freiheit austobte.
Und nicht nur das: sie hatten offensiv gegen die Meinungsfreiheit des dänischen Jyllands Posten polemisiert, ohne dass sie selbst von islamischen Funktionären bei der Ausübung seines Rechts gehindert worden wären - vorauseilender Gehorsam sozusagen. Wer hatte eigentlich Georg Mascolo oder seinen Kollegen ein Messer an den Hals gesetzt, um sie zu einer freundlichen Berichterstattung über islamische Eiferer zu nötigen?
Worin besteht der Unterschied zwischen damals und heute?
Damals wurde das Recht auf Meinungsfreiheit dem Fetisch der angeblich zu schützenden Religionsfreiheit geopfert, weil man vor Feigheit schlicht in die Hosen geschissen hatte. Schon interessant, wie man den hehren Begriff 'Respekt' damals interpretiert hatte (Überbetonung eines bestimmten religiösen Anspruches) und heute postuliert (freie Berufsausübung der Medien).
Heute stellt sich die Situation so dar: ein waidwunder Bundespräsident zeigt Symptome politischer Inkontinenz und wird deshalb von den Mainstream-Medien erst recht aufs Korn genommen. Dabei strotzt die überwiegende Mehrheit der deutschen Journalisten nur so vor Mut, dass sie beinahe platzt.
Was soll man von einer Journaille halten, die ihre „Zivilcourage“ für investigativen Journalismus erst und nur dann entdeckt, wenn es für sie ungefährlich ist? Und wie kann man als Journalist der Tagespresse von moralischen Kategorien sprechen, wenn man nicht einmal in der Lage ist, sich für die redaktionelle Freiheit eines dänischen Karikaturisten einzusetzen?
Freitag, Juli 29, 2011
Nachbetrachtung zu Norwegen: Ordnung und Struktur in die Debatte bringen
Lizas Welt hat zu diesem komplexen Sachverhalt einen sehr gut durchdachten und äußerst sorgfältig formulierten Beitrag geschrieben - und viele meiner Gedanken quasi vorweggenommen. Vielen Dank dafür!
Zu Hannes Steins Beitrag auf Achgut (leicht kritikwürdig, würde ich sagen) werde ich im nächsten Castollux-Beitrag Stellung beziehen. Sein Kommentar kommt zwar versöhnlich daher, weist meines Erachtes aber einige argumentative Schwachstellen auf.
Paranoia mit Parallelen
Lizas Welt
(Bild rechts von Lizas Welt übernommen)
Zurzeit wird viel darüber räsoniert und spekuliert, was (und wer) Anders Breivik dazu getrieben haben könnte, erst eine Bombe zu zünden und dann mit stoischer Ruhe einen Massenmord an Minderjährigen zu verüben. Ist er ein isolierter Psychopath mit Allmachtsfantasien? Oder muss man ihn vielmehr als terroristische Speerspitze einer größeren, bedrohlichen Bewegung wider den Islam und den „Multikulturalismus“ betrachten? Vor allem der letztgenannte Erklärungsansatz hat in den vergangenen Tagen – genauer gesagt: seit dem Beginn der Verbreitung von Breiviks über 1.500 Seiten umfassender, als „Manifest“ deklarierter Kampfschrift – rasant an Popularität gewonnen. Denn in diesem wirren und irren Pamphlet nimmt der Mörder Bezug auf allerlei Denker, Ideen und Ideologien – und weil Immanuel Kant, George Orwell, Winston Churchill und John Stuart Mill es dummerweise versäumt haben, ihre Texte ins Internet zu stellen, stürzen sich zahlreiche Medien hierzulande auf von Breivik zitierte lebende Personen, allen voran auf Henryk M. Broder, und verkünden sogleich ihre Urteile, die von „Stichwortgeber“ bis zu „geistiger Brandstifter“ reichen (und eine Flut von widerwärtigen Droh- und Hassmails an Broder ausgelöst haben). Dieselben Leute, die noch bei jedem Anschlag oder Attentat einer islamistischen Terrororganisation zur Zurückhaltung mahnen, vor einem „Generalverdacht“ warnen oder gar ein gewisses Verständnis für die jeweilige Tat nicht verhehlen, können jetzt gar nicht schnell genug die vermeintlichen ideologischen Hintermänner (sowie gegebenenfalls deren Vereinigungen) eines wahnsinnig gewordenen, mörderischen, vom Herrenmenschentum besessenen Einzeltäters – und ein solcher ist Anders Breivik nach Stand der Dinge zunächst einmal – an den Pranger stellen.
Das Entsetzen über das Massaker wich in Deutschland bemerkenswert schnell einer (Mit-) Schuldzuweisung an so ziemlich alle, die sich jemals in irgendeiner Form kritisch oder ablehnend gegenüber dem Islam geäußert haben. Und da die vielen politischen Strömungen, die in dieser reichlich diffusen Menge vertreten sein sollen, dann doch erkennbar mehr trennt als eint, muss sich eine Klammer finden lassen, die sie dennoch unwiderruflich zusammenhält, etwas also, das über allem steht und den vermeintlich gemeinsamen Kampf gegen den Islam dominiert. Es war nur eine Frage der Zeit, wann jemand ausspricht, wer oder was denn diese Klammer sein soll, und so preschte die öffentlich-rechtliche Rundfunkjournalistin Bettina Marx vor: Die „Begeisterung für Israel“ eine „die linken und rechten Islamfeinde“, denn „in dem Land zwischen Mittelmeer und Jordan sehen sie den Brückenkopf des Westens im Nahen Osten und das Bollwerk gegen den Islamismus“. Ja, mehr noch: „Kritik an der Politik Jerusalems weisen sie als Antisemitismus zurück, die legitimen Ansprüche der Palästinenser gelten für sie nicht. Die Palästinenser werden pauschal als Terroristen verunglimpft.“ Und so lässt sich schließlich der ganz große Bogen spannen: „Von den christlichen Fundamentalisten in den USA und ihrer politischen Vertretung in der Tea Party über linke Antideutsche bis hin zu den neofaschistischen Parteien in Italien und Osteuropa reicht die Achse der islamophoben Israelfreunde.“ Fehlt noch jemand? Genau, das Objekt der Begeisterung höchstselbst: „Die Regierung in Jerusalem heißt all diese Unterstützer willkommen.“
Und gehört nicht auch Anders Breivik zu diesen Unterstützern? Man munkelt ja, er sei ausweislich seines „Manifestes“ ein Freund des jüdischen Staates und überhaupt der Juden. Dass Breivik die hellsichtigen Kritiken der Frankfurter Schule als das Werk destruktiver, linker, „kulturmarxistischer“ Juden betrachtet, die Europa eine „Political Correctness“ aufgezwungen und es in den „Multikulturalismus“ (also in den Untergang) getrieben hätten, dass er glaubt, die USA habe ein „Judenproblem“, dass er von einer „Holocaust-Religion“ fabuliert, die der Erkenntnis im Wege stehe, dass der Islam weitaus gefährlicher sei als der Judenhass und erheblich mehr Menschenleben gefordert habe als die Shoah – all dies und noch viel mehr wird schlichtweg ignoriert. Die Stellen im „Manifest“, wo Breivik sich auf bekannte Islamkritiker wie Henryk M. Broder bezieht, werden medial begierig aufgegriffen, um den Bezugsgrößen und ihrem Umfeld anschließend eine Komplizenschaft zu unterstellen und eine Mitschuld am Massenmord zu geben; die Passagen jedoch, in denen er sich antisemitisch äußert, unterschlägt man. Andernfalls würde ja auch die gar nicht einmal sonderlich subtil vermittelte Botschaft gefährdet, dass es mal wieder die Juden waren, die der Welt – in Person eines norwegischen Verbündeten und mit der Rückendeckung durch dessen Umfeld – ein mörderisches Unglück beschert haben.
In einer derart aufgeheizten Stimmung haben es besonnene und differenzierende Stimmen schwer. Eine davon gehört Richard Herzinger, der zu Recht feststellte: „Es wäre unsinnig, aus islamfeindlichen Einträgen des Massenmörders von Oslo in Internetforen zu folgern, es führe eine direkte Linie von auch hierzulande verbreiteten obsessiv muslimfeindlichen – oft zugleich auch antisemitischen – Affekten zu terroristischer Aktivität. Die Gefahr aber, dass sich fanatische Randgruppen unter dem Vorwand der Angst vor der (Selbst-)Auslöschung des ‚christlichen Abendlandes’ ihren islamistischen Antipoden – deren paranoiden Wahn sie in Wahrheit teilen – angleichen und ihre Methoden übernehmen könnten, ist nach dem Horror von Oslo nicht mehr von der Hand zu weisen.“ Gleichwohl gelte es, genau zu trennen, wie Herzinger in einem weiteren Beitrag ausführte: „Zunächst wäre zu fragen, was die Ankläger mit dem Begriff ‚Islamkritik’ eigentlich meinen. Diese Kampfvokabel schüttet den diametralen Gegensatz zwischen neonazistischen und rechtsnationalistischen Islamfeinden einerseits und andererseits aufklärerischen Säkularisten zu, die in den totalitären Zügen des politischen Islam eine akute Gefahr für die freiheitlichen Errungenschaften der offenen, pluralistischen Gesellschaft sehen. Während erstere Muslime als solche hassen, weil sie einem ‚fremden’ Glauben angehören beziehungsweise einem ‚fremden Kulturkreis’ entstammen, und von ihrer Deportation aus einem nunmehr wieder ‚artreinen’ Vaterland träumen, verteidigt die zweite Gruppe nicht zuletzt die Muslime selbst gegen autoritäre Strukturen in den islamischen Gemeinden, die den muslimischen Bürgern ihre Chancen auf Teilhabe an den Möglichkeiten der freien Gesellschaft beschneiden.“
Dieser Unterschied ist elementar, doch er wird nur von wenigen nachvollzogen. Nicht von den Rechtsnationalisten, die zwar erschrocken über die Terrortaten von Oslo und Utøya sein mögen, sich von ihnen distanzieren und sie verurteilen, aber an ihren xenophoben Phantasmagorien einer „Überfremdung“ Europas, die von linken „Multikulti“-Ideologen (wozu sie grundsätzlich alle zählen, die nicht dem rechtsnationalistischen Lager angehören) tatkräftig befördert werde, unverrückbar festhalten und sich bisweilen sogar in abstrusen Verschwörungstheorien ergehen – wie etwa jener, nach der es sich bei Breiviks Tat um eine „False Flag“-Operation mit dem Ziel, die Gegner des Islam zu diskreditieren, gehandelt habe. Und auch nicht von zahlreichen Medien und anderen Bescheidwissern, die auf ein Verbrechen wie jenes in Norwegen geradezu gewartet zu haben scheinen, um endlich die gesamte Islamkritik als ideologisches Rüstzeug des Teufels verdammen zu können. Dementsprechend lässt man nun bevorzugt „Experten“ wie Sabine Schiffer zu Wort kommen, eine „Medienpädagogin“, die nicht nur über gute Beziehungen zum deutschsprachigen Programm des staatlichen iranischen Rundfunks verfügt, sondern auch Sympathien für Verschwörungstheorien zu den Terroranschlägen des 11. September 2001 hegt und nicht zuletzt „jüdische Organisationen“ der „Verbreitung des antiislamischen Rassismus“ bezichtigt. Der Deutschlandfunk bat sie gestern zum Interview, und auch wenn es ausgesprochen mühsam ist, Schiffers Gestammel so etwas wie eine These zu entnehmen, lässt sich doch festhalten, dass sie nicht nur verschiedene Blogs, sondern allen Ernstes nahezu die gesamte Medienlandschaft der „Islamophobie“ zeiht und ihr somit eine Mitschuld an Breiviks Mordtaten zuweist.
Kaum jemandem fällt auf, dass es zwischen Anders Breivik und den Islamisten essenzielle Gemeinsamkeiten gibt (die Breivik sogar selbst benennt), ja, dass beide sozusagen Brothers in Crime sind. Als einer der wenigen neben Richard Herzinger hat das Bremer Aktionsbündnis gegen Wutbürger diese Parallelen erkannt und benannt: „In Wirklichkeit verhält es sich so, dass der Adorno wegen seiner ‚Studien zum autoritären Charakter’ hassende Breivik als Prototyp eines solchen den Islam zutiefst beneidet, weil der Islam eine gesellschaftliche Hierarchie, strenge Regeln und religiöse Werte im Einklang mit seinem kulturellen Erbe bietet, also all das, was Breivik in der europäischen Gesellschaft so schmerzlich vermisst. Breiviks Islamhass und sein wahnhafter Kampf gegen ihm übermächtig scheinende Gegner, gegen die nur ein Wunder helfe, erscheint als Ausdruck eines Gefühls der eigenen Ziel- und Wertlosigkeit. Letztendlich will er im Kampf gegen den Islam selbst in einer Gemeinschaft aufgehen, die der der Djihadisten ähnelt: zum Letzten entschlossen, skrupellos, gewalttätig und im festen Glauben an die Überlegenheit der eigenen Überzeugungen.“ Im Grunde genommen gleicht Breivik vor allem den Salafisten: Auch diese haben es zuvorderst auf „Abtrünnige“ in den eigenen Reihen, also auf „Feinde“ im Inneren abgesehen. Und so, wie die Salafisten weltlich orientierte Muslime (oder wen sie dafür halten) bedrohen, verfolgen und töten, zündete der norwegische Massenmörder erst im Regierungsviertel eine gewaltige Bombe, bevor er ein Feriencamp sozialdemokratischer norwegischer Jugendlicher heimsuchte, um dort eigenhändig und kaltblütig ein Massaker unter jenen anzurichten, die er in seinem irrationalen und fanatischen Weltbild für den „kulturmarxistischen“ und „multikulturellen“ Nachwuchs hält.
Diese frappierenden Parallelen bemerkte übrigens auch der norwegische Botschafter in Israel, Svein Sevje, nicht; im Gegenteil hielt er es für nötig und richtig, gegenüber einer israelischen Tageszeitung die Ansicht zu äußern, der (islamistisch geprägte) palästinensische Terror sei zwar ebenfalls „moralisch inakzeptabel“, verfolge aber immerhin „ein definiertes Ziel“, das „im Zusammenhang mit der israelischen Besatzung“ zu sehen sei – womit er ihn sowohl rationalisierte als auch faktisch entschuldigte. Dass Sevje zudem die Einbeziehung der Terrortruppe Hamas in Friedensverhandlungen für unverzichtbar hält, ist da nur folgerichtig. Echauffiert hat sich nicht nur hierzulande kaum jemand über diese unsägliche Trennung in einen schlechten und einen irgendwie nachvollziehbaren Terror. Man stelle sich dagegen vor, wie wohl die Reaktionen ausfielen, wenn der israelische Botschafter in Norwegen einer norwegischen Zeitung sagen würde, er verurteile Breiviks Terror zwar, doch habe dieser immerhin ein definiertes Ziel verfolgt, das im Zusammenhang etwa mit der norwegischen Einwanderungspolitik zu sehen sei. Das hat der israelische Botschafter selbstverständlich (!) nicht geäußert; im Gegenteil hat das offizielle Israel die Morde scharf verurteilt und den Opfern große Empathie entgegengebracht. „Wir in Israel können uns voll und ganz in diese Katastrophe hineinversetzen und sind zutiefst schockiert von diesem Verbrechen“, sagte beispielsweise Premierminister Benjamin Netanyahu. „Wir kennen den unerträglichen Schmerz der Familien und der Nation. Deshalb möchte ich den Menschen, der Regierung und dem Staat das aufrichtige Beileid der Menschen, der Regierung und des Staates Israel aussprechen.“ Man darf gespannt sein, wie die Reaktionen aus norwegischen Regierungskreisen ausfallen werden, wenn es im jüdischen Staat mal wieder zu einem Angriff von Terroristen kommt.
Sonntag, Juli 03, 2011
Pathologisch gesundes Gewissen

"Zweitens ist die Linkspartei die Verkörperung des pathologisch gesunden Gewissens. Sie sind Antifaschisten in einem Land, in dem es keinen Faschismus gibt. Sie sind heute gegen die Nazis, obwohl die Nazis heute nur noch als Kostümnazis irgendwo hinter Rostock auftreten.Die Leute in der Linkspartei haben vergessen, dass niemand so schnell zu Nazis übergelaufen ist wie die Kommunisten.
Heute rot, morgen braun. Es ist das klassische antisemitische Motiv der 20er, 30er Jahre. Damals war der Antisemitismus der Kitt, der die Parteien zusammenhielt, sozusagen der kleinste gemeinsame Nenner. Das hat die Linke auch versucht. Einen Spagat zwischen links und rechts über das Mittel des Antisemitismus."
[...]. Der linke Antisemitismus ist deshalb so schlimm, weil er so herzig daher kommt, weil er sich seiner selbst nicht bewusst ist und weil er nicht anerkennen will, dass man das antisemitische Potential par ordre de mufti nicht aus der Luft schaffen kann. Und nachdem sich das antisemitische Potential heute nicht mehr auf den einzelnen Juden konzentrieren kann, konzentriert es sich auf das jüdische Kollektiv.
Hervorhebungen durch Castollux.
Das vollständige CICERO-Interview mit Henryk M. Broder hier.
Abb. oben: Wahlslogan von Die Linke in Kronach.







