Posts mit dem Label Lizas Welt werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Lizas Welt werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Mittwoch, September 19, 2012

Zwei Arschkriecher und ein standfester Verteidiger der Meinungsfreiheit



Feigheit und Opportunität

"Ich will dazu aufrufen, dass wir nicht auch noch Öl ins Feuer gießen. Zwar gilt in Europa die Presse- und Meinungsfreiheit. Die Meinungsfreiheit ist aber nicht grenzenlos".

Außenminister Westerwelle [lt.Presseberichten] zu den neuen Karikaturen im französischen Satireblatt Charlie Hebdo. DieWebseite ist logischerweise - aus welchen Gründen auch immer - momentan sehr schwer aufrufbar.


Dagegen mutige Prinzipientreue

"Wir veröffentlichen Karikaturen über jeden und alles jede Woche. Wenn wir es aber mit dem Propheten machen, wird es Provokation genannt" 

Stephane Charbonnier, Chefredakteur des Charlie Hebdo


Dann nochmals Feigheit und Opportunität

Ein ganz besonders schäbiges Beispiel für vorauseilende Unterwerfung konnte man kürzlich in Norwegen registrieren, wo ein hoher Polizeioffizier öffentlichkeitswirksam in eine Moschee ging, um sich bei jenen zu entschuldigen, deren Glaubensbrüder zu Mord und Totschlag griffen, weil sie sich wieder einmal beleidigt fühlten.

Doch wenn er schon stellvertretend büßen wollte:

Er hätte seinen dämlichen Fauxpas vermeiden können, wenn er stattdessen -
da er sich schon so eitel in Pose werfen wollte -, gegenüber den amerikanischen und israelischen Botschaften oder bei den Juden in Norwegen und weltweit Abbitte wegen falscher Schuldzuweisungen geleistet und vielleicht noch einen Tag über seine Aktion nachgedacht hätte.

Warum, sagen Stefan Frank auf dem Blog von Lizas Welt sowie HonestReporting tags zuvor.

In diesem Zusammenhang sei besonders auf Norwegens zutiefst antisemitische Politik verwiesen, die Manfred Gerstenfeld sorgfältig unter die Lupe genommen hatte. Er bezeichnet das skandinavische Land als das judenfeindlichste in Westeuropa. Und das nicht zu Unrecht, wie man bei HEPLEV nachlesen kann.

Hier das Canossa-Video (Untertitel in Englisch, leicht zu übersetzen). Ein Klick auf die Abbildung funktioniert hoffentlich auch.

Bootlicking at its best

Mittwoch, April 04, 2012

Fundstücke zum Sozen-SS’ler Grass und der Kommentierung seiner Dichtkunst

Heute gab es erfreulicherweise einige sehr gute Reaktionen auf SS-Günters Juden-Lyrik.


Ganz spontan:

Am besten hat mir die von Boris Yellnikoff gefallen, die heute auf Lizas Welt veröffentlicht wurde, weil so erfrischend mit GraSSens Dichtkunstwaffe gekontert: 

WAS GESAGT WERDEN MUSS:

Gedicht für Günter (unterstufenlyrisch)

Mit letzter Tinte ächzt der Alte
in ungereimter Poesie:
Dass die sich nicht mehr schlachten lassen,
verzeihe ich den Juden nie.

Der Jude will Atomraketen.
Der Jude will den Weltenkrieg.
Der Jude will uns alle meucheln.
Am Ende droht des Juden Sieg!

Da muss man doch was machen können,
und wenn nicht wir, dann der Iran.
Mahmud, mein alter Mullahkumpel!
I shout it out loud: Yes, you kann!
 

Der Günter fühlt sich ganz verwegen,
der Greis ist wieder jung, vital.
Die Lösung einst ging zwar daneben,
versuchen wir’s halt noch einmal!

So denkt’s im deutschen Dichterdenker.
Er rülpst und rotzt es aufs Papier.
Sein Wahn kennt keine Einsamkeit.
In Deutschland gilt: Vom Ich zum Wir.

Boris Yellnikoff
(der für dieses Gedicht den Nobelpreis verlangt)

===========
Weitere Lesetipps:


Malte Lehming:


Frankfurter Rundschau (sehr überraschend angesichts der sonst antiisraelischen Ausrichtung des stramm linken Zentralorgans):


Die taz in Person von Micha Brumlik und Klaus Hillenbrand - beide wohl wissend, dass sie sich in der momentan gereizten Stimmung nur blamieren könnten, falls sie gegensteuern sollten, was zumindest Brumlik in letzter Zeit geschmeidig praktiziert:

Der an seiner Schuld würgt (Micha Brumlik):
http://www.taz.de/Guenter-Grass-ueber-Israel/!90951/

Der alte Mann und das Stereotyp (Hillenbrand):
http://www.taz.de/Kommentar-Grass-Gedicht/!90981/


Die ZEIT (Josef Joffe):


Weitere Texte hier: http://www.achgut.com/dadgdx/index.php (Bitte durch die Überschriften klicken).

Donnerstag, Januar 19, 2012

"Deutsche Opfer sind keine Täter"

Leseempfehlung

Lizas Welt
: Karneval der Empörten

In Magdeburg wurde anlässlich einer Nazi-Demo und der Proteste dagegen vollends ununterscheidbar, wer auf welcher Seite steht.*

 
VON TJARK KUNSTREICH UND JOEL NABER

Die Häftlingsuniformen reichten nicht, auch die Gesichter hatten sie sich grau angemalt, um die Wohlstandsrosigkeit zu kaschieren: Eine Gruppe von Demonstranten, die gegen den Nazi-Aufmarsch in Magdeburg am 14. Januar protestieren wollten, hatte sich da etwas ganz Besonderes ausgedacht. Allerdings waren sie nicht barfuß unterwegs oder in Holzschuhen; so sieht man auf dem Foto oben die Markenschuhe, die Authentizität hat schließlich ihre Wettergrenzen. Wer nun vermutet, dass es sich hier um besonders radikale Gegner handelte, die zu jeder Form der Verhinderung eines Aufmarsches der Nazis bereit gewesen wären, hat weit gefehlt. Nicht nur, dass man sich schlicht auf die Straße legte, um sich wegtragen zu lassen. Um den Anschein allzu großer Identifikation mit den Opfern des Nationalsozialismus gar nicht erst aufkommen zu lassen, legten diese Leute eine Erklärung in Form eines Transparents vor, auf dem stand: »FÜR DAS ERINNERN – Wir trauern um jeden Menschen, den wir an den Faschismus verlieren«.

Erinnern an was? Und wer ist das »Wir«, das Menschen an den Faschismus verliert? Die Selbstverständlichkeit, mit der man sich an die Stelle der Opfer setzt und die schon für sich genommen pervers ist, setzt sich reibungslos fort in der Nonchalance, mit der im selben Moment die Opfer des Nationalsozialismus durch die Nazis ersetzt werden, »die wir an den Faschismus verlieren«. Was suggeriert das anderes als: Wir könnten uns doch, im ERINNERN, so gut verstehen! Diese Ergänzung des Nazi-Gedenkens an die Bombardierung Magdeburgs steht in der schlechten Tradition des DDR-Antifaschismus, der schon immer die Opfer der Vernichtung vereinnahmte und damit zugleich zum Verschwinden brachte – doch es geht noch eine Stufe weiter: Das kämpferische Moment der Kommunisten ist der Identifikation mit der den Opfern zugedachten Passivität gewichen, die als Unschuld imaginiert wird.

Ehemalige KZ-Häftlinge haben zu verschiedenen Gelegenheiten ihre Uniformen wieder angezogen – manchmal auch solche Überlebende, die nicht im KZ waren –, um beispielsweise gegen Berufsverbote zu protestieren oder für die Entschädigung ehemaliger Zwangsarbeiter zu demonstrieren. Schon das war fragwürdig, aber es war die Sache der Überlebenden. Allerdings war ihr Erscheinen vor dem Majdanek-Prozess oder anlässlich von IG-Farben-Aktionärsversammlungen Ausdruck ihres Interesses und ihrer Anliegen – gegen eine Gesellschaft, die die Tatsache, dass sie diese Uniformen einst trugen, verleugnete. Mit dem Tod der Überlebenden hat sich diese Form des moralischen Appells gegen das Vergessen erledigt. Nicht erledigt hat sich dagegen offenbar die Attraktivität des Opferstatus – die obszöne Verkleidung bringt schlafwandlerisch die neueuropäische Moral der Empörten zum Ausdruck, die sich von den Altnazis gestört fühlt, aber sie instinktiv auf ihrer Seite zu wissen wünscht. Denn an Gemeinsamem – dem ERINNERN an die Schrecken des alliierten Bombenkriegs und an die Gegenwart der fortdauernden Schrecken des globalisierten Kapitalismus – mangelte es doch nicht.
 
Dass sich das in Magdeburg abspielt, jener Hochburg der Vereinigung von west- und ostdeutschem Antiimperialismus, ist kein Zufall: Von allem war die Rede vor diesem Nazi-Aufmarsch, nur nicht vom Antisemitismus und vom Hass auf Israel. Wer davon spräche, würde im Handumdrehen Demonstranten wie Gegendemonstranten vereint gegen sich sehen. Die europäische Unschuld, die heute lieber morden lässt, statt selbst zu morden, fühlt sich von den bösen ewiggestrigen Nazis, denen man zumindest zugestehen muss, dass sie negativ die Wahrheit der europäischen Geschichte repräsentieren, eben so sehr gestört, wie sie sie zur Selbstvergewisserung braucht. In wenigen Wochen wird sich das Gleiche in Dresden abspielen, eine Selbstversicherung für deutsche Antifaschisten, die ohne Nazis in eine Identitätskrise gerieten – nicht von ungefähr sah man auf der Seite der Gegendemonstranten kein Transparent, das die Lüge von den »alliierten Mördern« angegriffen hätte. Denn darin ist man sich einig: Deutsche Opfer sind keine Täter.

------------
Quelle: Lizas Welt

*Man beachte besonders die theaterreife Pieta-Darstellung der Figur links im Bild. Im Wohlstand lässt's sich halt doch am besten leiden.

Dienstag, Oktober 04, 2011

9/11: Die DNA bleiben!

In den USA gibt es eine Behörde, die seit Jahren mit immer neuen und verbesserten wissenschaftlichen Methoden versucht, sämtliche DNA-Spuren der Opfer von 9/11 zu untersuchen, um allen Angehörigen der Opfer die Gewissheit zu geben, wie ihre Lieben ermordet worden sind und wie man ihrer dementsprechend würdig gedenken und trauern kann.

Mehr will ich dazu momentan nicht sagen, weil ich noch recherchieren muss.

Die Arbeit dieser Behörde erfordert viel wissenschaftliche Akribie, Leidenschaft und Ausdauer für das Projekt. Wie Forensische Analyse generell abläuft, kann man hier nachlesen.

In Europa kann man derart Beispielhaftes (und menschlich unglaublich Großartiges, weil unintererssant für europäische Kolumnisten) nicht finden, ganz abgesehen davon, dass im islamischen Kulturkreis Forensik sowieso kein Thema ist: Verscharren, weg und vergessen.

Ja, und wir Westler:

So sind wir halt, in den Augen der radikalen Pazifisten und ihrer muslimisch-"zurückhaltenden" anthropologischen Entsprechungen:

Menschenverachtende Yankees und Verfechter der Freiheit sind wir, weil wir uns sogar um mikroskopisch kleine Leichenbestandteile kümmern, für die sich seit 10 Jahren kein Schwein dieser Erde mehr interessiert. Und das nur, weil unsere Liebe hinter diesem Bemühen steht; und die Sehnsucht danach, dass wir einen Ort des Trauerns brauchen.

In Kürze folgt ein Beitrag dazu.

Angestoßen zu meinem Vorhaben hat mich - indirekt - der großartige Beitrag von Lizas Welt gestern.

Freitag, Juli 29, 2011

Nachbetrachtung zu Norwegen: Ordnung und Struktur in die Debatte bringen

Ich selbst hatte eigentlich auch vor, zu den Schuldzuweisungen der Tugendwächter deutscher Medien, die nach den schrecklichen Ereignissen in Norwegen reflexartig und heuchlerisch - ja heuchlerisch! - gegen Autoren wie Henryk M. Broder, Gideon Böss und Richard Herzinger, um nur drei zu nennen, zu Felde gezogen waren und ihnen geistige Brandstifterschaft vorgeworfen hatten, etwas zu schreiben (Weiter unten wird darauf Bezug genommen). Im benachbarten Ausland kam, wie aufmerksame Leser wie Sie festgestellt haben dürften, diese Debatte so gut wie gar nicht auf. Irgendwie merkwürdig, nicht wahr?

Lizas Welt hat zu diesem komplexen Sachverhalt einen sehr gut durchdachten und äußerst sorgfältig formulierten Beitrag geschrieben - und viele meiner Gedanken quasi vorweggenommen. Vielen Dank dafür!

Zu Hannes Steins Beitrag auf Achgut (leicht kritikwürdig, würde ich sagen) werde ich im nächsten Castollux-Beitrag Stellung beziehen. Sein Kommentar kommt zwar versöhnlich daher, weist meines Erachtes aber einige argumentative Schwachstellen auf.


Paranoia mit Parallelen

Lizas Welt

(Bild rechts von Lizas Welt übernommen)

Zurzeit wird viel darüber räsoniert und spekuliert, was (und wer) Anders Breivik dazu getrieben haben könnte, erst eine Bombe zu zünden und dann mit stoischer Ruhe einen Massenmord an Minderjährigen zu verüben. Ist er ein isolierter Psychopath mit Allmachtsfantasien? Oder muss man ihn vielmehr als terroristische Speerspitze einer größeren, bedrohlichen Bewegung wider den Islam und den „Multikulturalismus“ betrachten? Vor allem der letztgenannte Erklärungsansatz hat in den vergangenen Tagen – genauer gesagt: seit dem Beginn der Verbreitung von Breiviks über 1.500 Seiten umfassender, als „Manifest“ deklarierter Kampfschrift – rasant an Popularität gewonnen. Denn in diesem wirren und irren Pamphlet nimmt der Mörder Bezug auf allerlei Denker, Ideen und Ideologien – und weil Immanuel Kant, George Orwell, Winston Churchill und John Stuart Mill es dummerweise versäumt haben, ihre Texte ins Internet zu stellen, stürzen sich zahlreiche Medien hierzulande auf von Breivik zitierte lebende Personen, allen voran auf Henryk M. Broder, und verkünden sogleich ihre Urteile, die von „Stichwortgeber“ bis zu „geistiger Brandstifter“ reichen (und eine Flut von widerwärtigen Droh- und Hassmails an Broder ausgelöst haben). Dieselben Leute, die noch bei jedem Anschlag oder Attentat einer islamistischen Terrororganisation zur Zurückhaltung mahnen, vor einem „Generalverdacht“ warnen oder gar ein gewisses Verständnis für die jeweilige Tat nicht verhehlen, können jetzt gar nicht schnell genug die vermeintlichen ideologischen Hintermänner (sowie gegebenenfalls deren Vereinigungen) eines wahnsinnig gewordenen, mörderischen, vom Herrenmenschentum besessenen Einzeltäters – und ein solcher ist Anders Breivik nach Stand der Dinge zunächst einmal – an den Pranger stellen.

Das Entsetzen über das Massaker wich in Deutschland bemerkenswert schnell einer (Mit-) Schuldzuweisung an so ziemlich alle, die sich jemals in irgendeiner Form kritisch oder ablehnend gegenüber dem Islam geäußert haben. Und da die vielen politischen Strömungen, die in dieser reichlich diffusen Menge vertreten sein sollen, dann doch erkennbar mehr trennt als eint, muss sich eine Klammer finden lassen, die sie dennoch unwiderruflich zusammenhält, etwas also, das über allem steht und den vermeintlich gemeinsamen Kampf gegen den Islam dominiert. Es war nur eine Frage der Zeit, wann jemand ausspricht, wer oder was denn diese Klammer sein soll, und so preschte die öffentlich-rechtliche Rundfunkjournalistin Bettina Marx vor: Die „Begeisterung für Israel“ eine „die linken und rechten Islamfeinde“, denn „in dem Land zwischen Mittelmeer und Jordan sehen sie den Brückenkopf des Westens im Nahen Osten und das Bollwerk gegen den Islamismus“. Ja, mehr noch: „Kritik an der Politik Jerusalems weisen sie als Antisemitismus zurück, die legitimen Ansprüche der Palästinenser gelten für sie nicht. Die Palästinenser werden pauschal als Terroristen verunglimpft.“ Und so lässt sich schließlich der ganz große Bogen spannen: „Von den christlichen Fundamentalisten in den USA und ihrer politischen Vertretung in der Tea Party über linke Antideutsche bis hin zu den neofaschistischen Parteien in Italien und Osteuropa reicht die Achse der islamophoben Israelfreunde.“ Fehlt noch jemand? Genau, das Objekt der Begeisterung höchstselbst: „Die Regierung in Jerusalem heißt all diese Unterstützer willkommen.“

Und gehört nicht auch Anders Breivik zu diesen Unterstützern? Man munkelt ja, er sei ausweislich seines „Manifestes“ ein Freund des jüdischen Staates und überhaupt der Juden. Dass Breivik die hellsichtigen Kritiken der Frankfurter Schule als das Werk destruktiver, linker, „kulturmarxistischer“ Juden betrachtet, die Europa eine „Political Correctness“ aufgezwungen und es in den „Multikulturalismus“ (also in den Untergang) getrieben hätten, dass er glaubt, die USA habe ein „Judenproblem“, dass er von einer „Holocaust-Religion“ fabuliert, die der Erkenntnis im Wege stehe, dass der Islam weitaus gefährlicher sei als der Judenhass und erheblich mehr Menschenleben gefordert habe als die Shoah – all dies und noch viel mehr wird schlichtweg ignoriert. Die Stellen im „Manifest“, wo Breivik sich auf bekannte Islamkritiker wie Henryk M. Broder bezieht, werden medial begierig aufgegriffen, um den Bezugsgrößen und ihrem Umfeld anschließend eine Komplizenschaft zu unterstellen und eine Mitschuld am Massenmord zu geben; die Passagen jedoch, in denen er sich antisemitisch äußert, unterschlägt man. Andernfalls würde ja auch die gar nicht einmal sonderlich subtil vermittelte Botschaft gefährdet, dass es mal wieder die Juden waren, die der Welt – in Person eines norwegischen Verbündeten und mit der Rückendeckung durch dessen Umfeld – ein mörderisches Unglück beschert haben.

In einer derart aufgeheizten Stimmung haben es besonnene und differenzierende Stimmen schwer. Eine davon gehört Richard Herzinger, der zu Recht feststellte: „Es wäre unsinnig, aus islamfeindlichen Einträgen des Massenmörders von Oslo in Internetforen zu folgern, es führe eine direkte Linie von auch hierzulande verbreiteten obsessiv muslimfeindlichen – oft zugleich auch antisemitischen – Affekten zu terroristischer Aktivität. Die Gefahr aber, dass sich fanatische Randgruppen unter dem Vorwand der Angst vor der (Selbst-)Auslöschung des ‚christlichen Abendlandes’ ihren islamistischen Antipoden – deren paranoiden Wahn sie in Wahrheit teilen – angleichen und ihre Methoden übernehmen könnten, ist nach dem Horror von Oslo nicht mehr von der Hand zu weisen.“ Gleichwohl gelte es, genau zu trennen, wie Herzinger in einem weiteren Beitrag ausführte: „Zunächst wäre zu fragen, was die Ankläger mit dem Begriff ‚Islamkritik’ eigentlich meinen. Diese Kampfvokabel schüttet den diametralen Gegensatz zwischen neonazistischen und rechtsnationalistischen Islamfeinden einerseits und andererseits aufklärerischen Säkularisten zu, die in den totalitären Zügen des politischen Islam eine akute Gefahr für die freiheitlichen Errungenschaften der offenen, pluralistischen Gesellschaft sehen. Während erstere Muslime als solche hassen, weil sie einem ‚fremden’ Glauben angehören beziehungsweise einem ‚fremden Kulturkreis’ entstammen, und von ihrer Deportation aus einem nunmehr wieder ‚artreinen’ Vaterland träumen, verteidigt die zweite Gruppe nicht zuletzt die Muslime selbst gegen autoritäre Strukturen in den islamischen Gemeinden, die den muslimischen Bürgern ihre Chancen auf Teilhabe an den Möglichkeiten der freien Gesellschaft beschneiden.“

Dieser Unterschied ist elementar, doch er wird nur von wenigen nachvollzogen. Nicht von den Rechtsnationalisten, die zwar erschrocken über die Terrortaten von Oslo und Utøya sein mögen, sich von ihnen distanzieren und sie verurteilen, aber an ihren xenophoben Phantasmagorien einer „Überfremdung“ Europas, die von linken „Multikulti“-Ideologen (wozu sie grundsätzlich alle zählen, die nicht dem rechtsnationalistischen Lager angehören) tatkräftig befördert werde, unverrückbar festhalten und sich bisweilen sogar in abstrusen Verschwörungstheorien ergehen – wie etwa jener, nach der es sich bei Breiviks Tat um eine „False Flag“-Operation mit dem Ziel, die Gegner des Islam zu diskreditieren, gehandelt habe. Und auch nicht von zahlreichen Medien und anderen Bescheidwissern, die auf ein Verbrechen wie jenes in Norwegen geradezu gewartet zu haben scheinen, um endlich die gesamte Islamkritik als ideologisches Rüstzeug des Teufels verdammen zu können. Dementsprechend lässt man nun bevorzugt „Experten“ wie Sabine Schiffer zu Wort kommen, eine „Medienpädagogin“, die nicht nur über gute Beziehungen zum deutschsprachigen Programm des staatlichen iranischen Rundfunks verfügt, sondern auch Sympathien für Verschwörungstheorien zu den Terroranschlägen des 11. September 2001 hegt und nicht zuletzt „jüdische Organisationen“ der „Verbreitung des antiislamischen Rassismus“ bezichtigt. Der Deutschlandfunk bat sie gestern zum Interview, und auch wenn es ausgesprochen mühsam ist, Schiffers Gestammel so etwas wie eine These zu entnehmen, lässt sich doch festhalten, dass sie nicht nur verschiedene Blogs, sondern allen Ernstes nahezu die gesamte Medienlandschaft der „Islamophobie“ zeiht und ihr somit eine Mitschuld an Breiviks Mordtaten zuweist.

Kaum jemandem fällt auf, dass es zwischen Anders Breivik und den Islamisten essenzielle Gemeinsamkeiten gibt (die Breivik sogar selbst benennt), ja, dass beide sozusagen Brothers in Crime sind. Als einer der wenigen neben Richard Herzinger hat das Bremer Aktionsbündnis gegen Wutbürger diese Parallelen erkannt und benannt: „In Wirklichkeit verhält es sich so, dass der Adorno wegen seiner ‚Studien zum autoritären Charakter’ hassende Breivik als Prototyp eines solchen den Islam zutiefst beneidet, weil der Islam eine gesellschaftliche Hierarchie, strenge Regeln und religiöse Werte im Einklang mit seinem kulturellen Erbe bietet, also all das, was Breivik in der europäischen Gesellschaft so schmerzlich vermisst. Breiviks Islamhass und sein wahnhafter Kampf gegen ihm übermächtig scheinende Gegner, gegen die nur ein Wunder helfe, erscheint als Ausdruck eines Gefühls der eigenen Ziel- und Wertlosigkeit. Letztendlich will er im Kampf gegen den Islam selbst in einer Gemeinschaft aufgehen, die der der Djihadisten ähnelt: zum Letzten entschlossen, skrupellos, gewalttätig und im festen Glauben an die Überlegenheit der eigenen Überzeugungen.“ Im Grunde genommen gleicht Breivik vor allem den Salafisten: Auch diese haben es zuvorderst auf „Abtrünnige“ in den eigenen Reihen, also auf „Feinde“ im Inneren abgesehen. Und so, wie die Salafisten weltlich orientierte Muslime (oder wen sie dafür halten) bedrohen, verfolgen und töten, zündete der norwegische Massenmörder erst im Regierungsviertel eine gewaltige Bombe, bevor er ein Feriencamp sozialdemokratischer norwegischer Jugendlicher heimsuchte, um dort eigenhändig und kaltblütig ein Massaker unter jenen anzurichten, die er in seinem irrationalen und fanatischen Weltbild für den „kulturmarxistischen“ und „multikulturellen“ Nachwuchs hält.

Diese frappierenden Parallelen bemerkte übrigens auch der norwegische Botschafter in Israel, Svein Sevje, nicht; im Gegenteil hielt er es für nötig und richtig, gegenüber einer israelischen Tageszeitung die Ansicht zu äußern, der (islamistisch geprägte) palästinensische Terror sei zwar ebenfalls „moralisch inakzeptabel“, verfolge aber immerhin „ein definiertes Ziel“, das „im Zusammenhang mit der israelischen Besatzung“ zu sehen sei – womit er ihn sowohl rationalisierte als auch faktisch entschuldigte. Dass Sevje zudem die Einbeziehung der Terrortruppe Hamas in Friedensverhandlungen für unverzichtbar hält, ist da nur folgerichtig. Echauffiert hat sich nicht nur hierzulande kaum jemand über diese unsägliche Trennung in einen schlechten und einen irgendwie nachvollziehbaren Terror. Man stelle sich dagegen vor, wie wohl die Reaktionen ausfielen, wenn der israelische Botschafter in Norwegen einer norwegischen Zeitung sagen würde, er verurteile Breiviks Terror zwar, doch habe dieser immerhin ein definiertes Ziel verfolgt, das im Zusammenhang etwa mit der norwegischen Einwanderungspolitik zu sehen sei. Das hat der israelische Botschafter selbstverständlich (!) nicht geäußert; im Gegenteil hat das offizielle Israel die Morde scharf verurteilt und den Opfern große Empathie entgegengebracht. „Wir in Israel können uns voll und ganz in diese Katastrophe hineinversetzen und sind zutiefst schockiert von diesem Verbrechen“, sagte beispielsweise Premierminister Benjamin Netanyahu. „Wir kennen den unerträglichen Schmerz der Familien und der Nation. Deshalb möchte ich den Menschen, der Regierung und dem Staat das aufrichtige Beileid der Menschen, der Regierung und des Staates Israel aussprechen.“ Man darf gespannt sein, wie die Reaktionen aus norwegischen Regierungskreisen ausfallen werden, wenn es im jüdischen Staat mal wieder zu einem Angriff von Terroristen kommt.

Dienstag, Juli 19, 2011

Nahost: Das bestgehütete Geheimnis der NGO-Industrie

Beitrag von Tim Marshall, Sky News

Übersetzt von Castollux (wenige sprachliche Glättungen vorbehalten)

Kürzlich bemerkte ein afrikanischer UN-Mitarbeiter in der Westbank gegenüber einem gemeinsamen Freund: "Wenn die Leute mich herannahen sehen, dann nehmen sie eine ATM-Maschine wahr " (US-Englisch: Geldautomat, [Castollux]).

Auf der Fahrt durch Ramallah und Jericho am Tag darauf wurde ich an dieses Bonmot erinnert, als ich die schicken Restaurants, die glitzernden Fassaden der neuen Hotels und das Ausmaß der Bauarbeiten sah.

Sowohl die Palästinensische Autonomiebehörde als auch die israelische Regierung heben gerne die 8% Wirtschaftswachstum in der West Bank hervor - Letztere, um darauf hinzuweisen, dass die prosperierende palästinensische Autonomiebehörde ein besserer Verhandlungspartner sein könnte. Sie wissen auch, dass die Palästinenser mehr zu verlieren haben, wenn eine dritte Intifada ausbrechen sollte.

Woran uns die Palästinensische Autonomiebehörde nicht erinnert ist die Tatsache, dass in der Westbank und Gaza weit über 200 NGOs vertreten sind und 30% des Bruttoinlandproduktes internationaler Hilfe zuzuschreiben sind. Die Palästinenser gehören zu den am meisten finanzierten Menschen weltweit und ihre Region wird mit Geld überschwemmt.

Das grundsätzliche ökonomische Problem wird zudem kompliziert durch die Tatsache, dass die UNRWA den Anreiz schafft, dass nicht nur die Palästinenser, die aus ihren Häusern im Jahr 1948 flüchteten, unmittelbar Betroffene wären, sondern auch ihre Söhne und Enkel und auch deren Enkel in der Zukunft*.

In Palästina werden viele Menschen als Flüchtlinge geboren**.

Es gibt Menschen, die ein ganz spezifisches eigennütziges Interesse an dieser Geschichtsinterpretation haben. Im Jahr 1950 lebten 750.000 Palästinenser im Nahen Osten; heute sind es 4,8 Millionen (also der erste „Völkermord“ in der Weltgeschichte, der eine wundersame Vermehrung der Bevölkerung bewirkte [Castollux]). Die UNWRA wird als ’temporär arbeitende Organisation’ bezeichnet (sic!).

Selbst wenn die Palästinenser im September eine volle Eigenstaatlichkeit ausrufen sollten wären sie nicht wirklich unabhängig - nicht nur wegen der anhaltenden israelischen Besatzung, der Checkpoints, Einschränkung von Warenverkehr usw., sondern auch, weil 'Palästina' am Bedürftigkeitstropf hängt. Und so lange man süchtig bleibt, ist man seinem Dealer hörig.

Die Milliarden, die hier einströmen, bedeuten, dass die PA (Palästinensische Autonomiebe-hörde) sich nicht genötigt sieht, hart dafür zu arbeiten, die von ihren Wählern erwarteten Dienstleistungen [selbst] zu liefern; sie ersticken die Privatwirtschaft, blähen die Gehälter auf und verursachen eine interne Abwanderung von hochqualifizierten Arbeitskräften.

Vor dem Restaurant in Ramallah, das ich besuchte, stand eine Reihe teurer Autos, und etliche NGO-Mitarbeiter arbeiteten sich durch die Menükarte durch. Die NGOs leisten gute Arbeit, wenn es gilt, Hilfsprojekte mit fachlicher Kompetenz zu begleiten, aber sie rekrutieren auch die besten Kräfte vor Ort und nutzen ihre Gemeinnützigkeit, um von Steuererleichterungen zu profitieren.

Kein palästinensisches Unternehmen kann mit NGOs konkurrieren, die in der Regel das Dreifache von dem zahlen, was ein Unternehmen vor Ort bieten könnte. Viele NGOs bieten „Gefahrenzulagen“ und sogar „Härteleistungen“ - sowohl für ortsansässige als auch internationale Mitarbeiter, was die Privatwirtschaft vor Ort zusätzlich belastet. So erhalten die NGO-Mitarbeiter die lukrativsten und bestbezahlten Jobs - die privaten Unternehmen den Rest, aber ohne Steuerbefreiungen….

"Palästina ist das bestgehütete Geheimnis in der NGO-Industrie", wie ein medizinischer NGO-Mitarbeiter kürzlich This Week In Palestine mitteilte. "Die Menschen lechzen nach Events und „Palästina“ klingt cool und gefährlich, weil es als Kriegszone dargestellt werden kann, aber in Wirklichkeit ist es völlig sicher und bietet allen Komfort, den die internationalen Helfer wünschen".

Natürlich könnte sich das auch ändern. Wann immer auch die Westbank explodieren würde gibt es in der Tat Szenarien, die man sich nach einer Erklärung der Eigenstaatlichkeit oder Nichteigenstaatlichkeit ausmalen kann. Aber Palästina bleibt ein freundlicher Ort: einladend, gastfreundlich, ausgestattet mit Klimaanlagen, Stereoanlagen, WLAN-Internet und Wein. Auch Journalisten nehmen dies gerne in Anspruch, wenn sie zum Beispiel über Armut und Leid in Gaza berichten, bevor sie sich in die sündhaft teuren Hotels direkt am Meer zurückziehen - nach einem exzellenten Dinner in einem der teuren Fischrestaurants.

Hier soll nicht [so] argumentiert werden, dass NGOs überflüssig sind, aber sie verzerren den Wettbewerb vor Ort, und die Palästinenser verfügen weder über ein fundamental funktionierendes Wirtschaftssystem, noch sind sie völlig unabhängig, bis ihre Führer teilweise von ihrer Sucht nach dem Geld anderer Länder entwöhnt sind.

Autor: Tim Marshall, Sky News

----------------
*Man denke in diesem Zusammenhang nur an die Vertriebenendiskussion in Deutschland und deren Konsequenzen seit 1945 [Castollux].
**Kann man einen Flüchtlingsstatus vererben [Castollux]? Natürlich nicht!

---------------------
Abschließend ein wichtiger Quellennachweis:

Ich möchte auf zwei ältere Beiträge von Lizas Welt verweisen, die den dubiosen Machenschaften der UNRWA auf die Spur kommen. Der Blog griff dabei auf Nachforschungen von Tilman Tarach zurück:

http://lizaswelt.net/2009/01/19/die-hatschelkinder-der-uno-i/
http://lizaswelt.net/2009/01/20/die-hatschelkinder-der-uno-ii/

Crossposting mit Medien Backspin

Mittwoch, Juni 15, 2011

“PAX DIABOLI: Ora pro nobis!”

Ruft man die Webseite von PAX CHRISTI auf, dann liest man dort das hehre Axiom:
„Handeln aus dem Geist des Friedens und der Versöhnung“
Oh, mein ‏יהוה‎!

Wenn ich mich – wie so oft – frohgemut auf den Weg in ein Alters- und Pflegeheim in meiner Heimatstadt mache, um dort an zwei Tagen in der Woche ehrenamtlich eine Gesprächs-und Diskussionsrunde zu „leiten“ (das ist nicht einfach, glauben Sie’s mir!), stoße ich manchmal auf im Eingangsbereich des Hauses angebrachte Veranstaltungshinweise.

Selbstverständlich sind sie ausgesprochen hilfreich und sinnvoll, z.B. Informationsabende zu Demenzkrankheit, Pflege allgemein und gesellschaftspolitische Themata, die mit drängenden Fragen wie Altersversorgung, Gesundheit, Finanzen, Generationenvertrag, politischen Rahmenbedingungen etc. zu tun haben; natürlich auch Musikveranstaltungen, Lesungen usw. Alles prima.

Wenn da nur nicht hin und wieder diese merkwürdigen Plakatierungen für anti-israelische Propaganda einer hiesigen evangelischen Bildungseinrichtung zum Thema „Nahostkonflikt“ ausgehängt werden würden. Da geht es um Verfolgung und Diskriminierung (seitens der Israelis natürlich), schreckliche Mauern, die den Palästinensern den Atem nähmen, merkwürdig und unehrlich argumentierende arabisch-christliche Augenzeugen (Theologen vor Ort), „Checkpoint-Opfer“ und hofierte Autoren, die hier die Chance wittern, ihre anti-israelischen Pamphlete in bare Münze umzusetzen.

Besonders „überzeugend“ ist das nicht, wenn man alte Menschen anspricht, die vom Nahost-Konflikt oft keinen blassen Schimmer haben und aufgrund ihrer
Enkulturation während der deutschen (!) Nazi-Diktatur heute massive politische Identitätsprobleme haben und das logischerweise oft nicht mehr diskutieren, respektive eingestehen wollen.

Was läuft da schief? Ist es eigentlich anständig, wenn man (anerzogene) antisemitische Ressentiments alter Heimbewohner, die aus einer unseligen Vergangenheit herrühren, schamlos für eigene Zwecke nutzt, weil intellektuelle Kapazität und Widerspruch seitens der oft überforderten Adressaten ausbleiben?

DEN Spitzenplatz, was widerliche Antisemitismus-Propaganda betrifft, nimmt zweifellos die im politischen Spekrum eigentlich links zu verortende katholische „Friedensorganisation“ PAX CHRISTI ein, die leider - und für mich nicht akzeptzabel - bei vielen evangelischen Veranstaltungen als Mitorganisator genannt wird. Es lohnt sich, diese „christlichen“ Landsknechte etwas näher unter die Lupe zu nehmen:

PAX CHRISTI ist (sei) – wie schon der Name verheißt – eine katholische Friedensbewegung, heißt es. Dumm nur, dass sie, was ihre Haltung zu Israel und Juden generell betrifft, genau das Gegenteil praktiziert. Ich will hier einige Beispiele aufzählen, die ganz und gar nicht vom „Heiligen Geist“ initiiert worden sein können:

1) Man muss auf der Zeitachse nicht weit zurückgehen, um festzustellen, wie PAX CHRISTI tickt. Lassen wir Wiltrud Rösch-Metzler sprechen, die Vizepräsidentin der deutschen Sektion von PAX CHRISTI, die die dubiose Flottille „Free Gaza“ unterstützt hat und aus ihrer Sympathie für die türkische Terrororganisation IHH kein Hehl macht. Nachzulesen bei Lizas Welt.

2) Machen wir danach einen kurzen Abstecher in das Jahr 2005:

Auf der Internetseite Kritiknetz wurde
damals folgender Artikel veröffentlicht: PAX CHRISTI in der Tradition des christlichen Judenhasses. Dort führte Soziologie-Professor Heinz Gess unter anderem auf:
„Christlicher Judenhass ist in Deutschland nichts Neues. Er ist auch nach Auschwitz keineswegs verschwunden, sondern hat seine Akzentuierung verschoben. Es wird auch fleißig daran gearbeitet, ihn ideologisch aufzupolieren. Einer, der sich dabei unter vielen anderen hervorgetan hat, ist der bekannte Kirchenkritiker, Theologie- und Religionspsychologe Eugen Drewermann.

Ich habe nicht die Absicht, dies hier weiter auszuführen, sondern zitiere zum Beleg nur zwei Stellen aus seinen Schriften "Der tödliche Fortschritt" und "Die Spirale der Angst". Dort schreibt Drewermann: "So ist die Naturvergessenheit und die Anthropozentrik der Bibel in ihrer Einseitigkeit besonders krass ersichtlich, und es ist psychologisch keine Frage, dass in der Naturfremdheit des Christentums im Erbe der Bibel (gemeint ist das "alte Testament" - HG)) bereits einer der Hauptgründe auch für die innere Unfähigkeit zum Frieden liegt [...]
Und weiter: (Heinz Gess zitiert hier - und wissenschaftlich sehr sorgfältig - den [sanften] Antisemiten und PAX CHRISTI-Sympathisanten Eugen Drewermann):
“ Auf solch kriegerische Weise ist das Volk der Bibel unter der Führung seines Gottes jahrhundertelang groß geworden, und es scheint in historischer Sicht, als sei es [...] nicht gelungen, dieses außerordentlich kämpferische Erbe des Alten Testaments nebst seines nationalegoistischen Erbes wirksam abzustreifen. Nicht zuletzt war gerade das Spätjudentum [...] im Kontrast zu seiner politischen Ohnmacht von einer außerordentlichen endzeitlichen Rachebegeisterung und Kriegswütigkeit..." (Spirale der Angst, Freiburg 1991, S. 185, 200) -

"Die Wüstenreligion des Alten Testaments, in Gestalt des Christentums zur Botschaft einer Weltkirche erhoben, müsste in der Tat die ganze Welt verwüsten." (Der tödliche Fortschritt, Freiburg 1991, S.194)“
Wer Heinz Gess’ Kritik komplett lesen will, klickt bitte hier (pdf-Datei; sehr lesenswert!)

3) Laden Sie einfach mal diesen pdf-Flyer hoch und gleichen ihn über mehrere Tage mit den Meldungen der israelischen Botschaft ab. Sie werden staunen, wie schamlos hier seitens der Christen das 8. Gebot („Du sollst nicht falsch Zeugnis reden“) gebrochen wird.

4) Von praktischer Solidarität ist im PAX-Flyer (oben) die Rede. Und das liest sich dann so:
Praktische Solidarität heißt für uns:

- Wir analysieren aktuelle Entwicklungen im Nahen Osten.
- Wir informieren durch Publikationen, Seminare, Vorträge und Reisen.

- Wir nehmen Stellung zu Siedlungsbau, Mauerbau, Landenteignung und anderen kontroversen Themen.
Die Punkte „Analyse“ und „Vorträge“ habe ich ganz oben gestreift. Das ist so widerlich, dass man es kaum noch kommentieren sollte.

5) Wie PAX CHRISTIs Friedensarbeit mit dem Israel-Hasser, Alibi-Juden und Kommunisten Uri Avnery redaktionell zusammengeführt wird, können Sie hier nachlesen.

6) Dass u.a. Olivenernten politisch instrumentalisiert werden, kann man auf der gleichen Seite (Permalink) nachlesen. Da wird’s einem schier unheimlich ob so viel Menschenfreundlichkeit. Wie solche Meldungen zu bewerten sind, kann man hier überprüfen.

7) PAX CHRISTI („Gewalt erzeugt noch mehr Hass“) erkärte der USA und der westlichen Welt in dieser Stellungnahme, wie sie auf 9/11 reagierten sollten. Unparteilichkeit pur - und an Infantilität kaum zu überbieten. Drewermann lässt grüßen.

8) Wer wissen will, wie Heuchelei und widerliche Äquidistanz geschmeidig formuliert werden, sollte sich noch einmal bei Frau Wiltrud Rösch-Metzler kundig machen (pdf), der Vizepräsidentin von PAX CHRISTI.

9) Die Verwalter (Verweser) des Friedens Christi versäumen natürlich nicht, auf Scheitan komm raus den katholisch-islamischen Dialog zu intensivieren (pdf), geht es doch um ein Bündnis für den Zukunft. Gegen wen? Klar, wir wissen es.

10) Wo PAX CHRISTI ist, kann Ruprecht Polenz nicht weit sein.

So, das muss für heute (ich hatte es gestern abgefasst) reichen. Wer sich für die Entstehungsgeschichte von PAX CHRISTI interessiert, kann das hier nachlesen.

Und wie es so schön in der Bibel heißt (Zweites Gebot): „Du sollst den Namen Gottes nicht unnütz gebrauchen“.

Donnerstag, Juni 02, 2011

Antisemitismus-Debatte: Belämmerte Visagen, fulminante Philippika und pööser Twitter-Beitrag

Die Erklärung zum Bild unten (Inge Höger feixend in der Mitte, zweite Reihe) ist schnell geliefert:
Capture: Hier sitzt die SED-Nachfolgeorganisation während einer Bundestagsanhörung zum Thema Antisemitismus bei „Die Linke“.

Deshalb in der Überschrift die Formulierung „Belämmerte Visagen“. Die MdB links im Bild [wie heißt diese Person eigentlich?] verpennt eben unsere Steuergelder.

Mein zweiter Einschub „fulminante Philippika“ bezieht sich auf CDU-Mann Mißfelder**, der just zu diesem Zeitpunkt den Sozen-Schlafmützen der SED/PDS/Die Linke die Leviten las.

Sehen Sie sich das Video an oder kicken Sie auf das Bild unten. Köstlich!

Dank an Achgut.tv für die Bereitstellung des Videos!

"Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen [beim Castollux-"Macho" gibt's kein taz-"I"). Zunächst möchte ich einmal wissen, wo Ihre Kollegen Gregor Gysi und Petra Pau sind "
Castollux lacht sich eins und weiß warum.


Zum Twitter-Eintrag komme ich weiter unten. So viel sei verraten: Es geht um Inge Höger (Die Linke).

Ich geb’s ganz offen zu:

Selten hat mich innerhalb weniger Tage eine Diskussion um linke Antisemiten so positiv gestimmt wie jetzt. Fast schon ein Paradigmenwechsel in Sachen Deutungshoheit zum Thema Judenhass - zumindest aber eine Fassaden-Bruchstelle, was linke Heuchelei betrifft. Und selten habe ich mich so darüber gefreut, dass es diesen Duzfreunden von Hamas, Fatah und Hisbollah so richtig warm am Arsch wurde.

War ja auch langsam Zeit, oder etwa nicht?


Darf ich mich jetzt ob meiner lutherisch-derben Semantik jetzt noch Christ nennen? Aber ja doch! Mal bei Luther nachlesen, was er zu den Papisten sagt. Der senile Rest zu den Juden war allerdings Shit.

Während ich in den letzten Tagen am HC*-Mailing strickte, stieß ich zuerst auf Jan Fleischhauers einigermaßen gut gelungenen Artikel beim SPIEGEL, der mehr schlecht als recht von Eigenrecherche zeugte und zum wiederholten Male den Verdacht in mir aufkeimen ließ, dass er die Artikel zwischen Frühstück und erster Kaffeepause rauszuhauen pflegt. So ein bisschen Unentschiedenheit hier und Entschlosenheit da, wenn man das mit dem Verhältnis der Humanisten (Erasmus desideri) zu den protestantischen Reformatoren (Luther, Zwingli, Calvin) sprachlich in Bezug bringen würde.

Was soll’s: gut geschrieben und elegant formuliert war das Piece jedenfalls. Das kann er! Er bekommt ja Kröten für seinen Job und muss auf der Zeitschiene powern: ich für meinen etwas schwierigeren der kritisch beäugenden Nachbetrachtung bekomme nichts ;-).

Dafür darf ich auch frech und frei plappern. Letzteres hat Heine auch ähnlich erfahren, als er sich für seine letzten Jahre auf Siechtum und Bettlägerigkeit einstellen musste.
Zum Glück bin ich im Gegensatz zu ihm (Gott sei Dank!) noch körperlich fit.

Besonders gut hat mir wieder einmal Richard Herzinger gefallen: Was der Mann an erfrischender Klarheit, intellektueller Schärfe und zwingender Conclusio mitbringt, schafft so schnell kein zweiter.

Ich mag ihn einfach.

Jedenfalls kann ich mich kaum an einen Artikel von ihm erinnern, der bei mir nicht positiv reingehauen hätte wie ein Eins Plus. Er bringt exzellente Recherche und geschliffene Formulierungskunst auf einen Nenner.

Richard Herzinger verkörpert für mich den Typ des Rhetors wie in der Antike, der in der Polis den Leuten sagt, wo es lang geht.


Hier sein Blog (Klick drauf), alterntiv das Bild unten:

Diesmal hatte er sich mit der Frage beschäftigt, warum nur schlecht sein könne, was „rechts ist“:

Auszug aus seinem neuen Beitrag:
Die bekannte Politologin Seyla Benhabib hat mich in einem Aufsatz in den “Blättern für deutsche und internationale Politik” wegen eines Artikels, den ich Ende Februar im “Perlentaucher” veröffentlichte (siehe hier, vgl. auch hier) als einen Vertreter der “europäischen Rechten” und als “Konservativen” gebrandmarkt. Für deren Positionen biete mein Beitrag ein “besonders krasses Beispiel”. Thierry Chervel und Daniele dell´Agli haben darauf bereits sehr passende Antworten gegeben.

Mir persönlich ist es ehrlich gesagt mittlerweile einfach zu blöde, mich gegen Etikettierungen wie “rechts” und “konservativ” zu verteidigen. Wenn es Frau Benhabib für “rechts” und “konservativ” hält (für Edel-Linke wie sie sowieso dasselbe), dass man für pluralistische demokratische Gesellschaften, für strikte Trennung von Staat und Religion, für Frauen- und Minderheitenrechte etc. pp. in arabischen Ländern wie in der ganzen Welt eintritt, also für das klassische Programm von Aufklärung und Liberalismus und gegen deren Todfeinde wie die Muslimbrüder oder Hamas und Hisbollah – dann soll sie das doch meinetwegen “rechts” oder “konservativ” finden. Wenn sie sich dabei besser fühlt…
So, und jetzt zum Twitter-Beitrag, den ich so schön fand:

Lizas Welt konnte sich - entgegen seiner sonstigen vornehmen Zurückhaltung und peniblen Sorgfaltspflicht - nicht beherrschen und bastelte ein wenig mit Photoshop. Inspiriert dazu hatte ihn Inge Höger, die mittlerweile wohl beliebteste linke Antisemitin der „israelfreundlichen“ Bundesrepublik Deutschland. Das „beliebteste“ meine ich bitterernst - denn wie könnten sonst über 60% de Deutschen denken, dass Israel der gefährlichste Staat*** der Welt wäre?

Das hätte Liza der Komikfigur Alfred Neumann (MAD) nicht antun dürfen. Und biologistisch ist es auch noch ;-)

LizasWelt - Bei der Geburt getrennt
Bei der Geburt getrennt: Alfred E. Neumann (MAD) und Inge Höger (DIE LINKE).

----------------
*Auf Mißfelder war ich lange Zeit sehr schlecht zu sprechen, weil er vor Jahren (als JU-Vorsitzender) die unsäglich dämliche Frage gestellt hatte, ob man alten Menschen noch ein künstliches Hüftgelenk implantieren solle. Sauerei. Zwischenzeitlich hat er sich dafür entschuldigt und sogar eine Pro-Position für die Pflege eingenommen. Das ehrt ihn.


**Honestly Concerned

***Zum gefährlichsten Staat der Welt und dessen gefährlichster Armee hier ein paar Bilder, die bei Ihnen das kalte Grauen auslösen werden.

Mittwoch, September 15, 2010

Thomas Müller: (Nach-) Name verpflichtet

Im Juni dieses Jahres hatte ich Thomas Müller, den überaus sympathischen Shootingstar des FC Bayern, in höchsten Tönen gelobt und ihm eine Weltkarriere vorausgesagt, als kaum ein Mensch daran dachte. Dass ich damit richtig lag konnte ich selbst nur hoffen - aber auch ahnen.

Bild: Archivaufnahme

Manche Leser - vielleicht auch Bayern-Fans darunter - mögen mich damals ob meiner vorwitzigen Alalyse ein wenig belächelt haben, aber Wochen später bei der Weltmeisterschaft in Südafrika wurde Thomas Müller Torschützenkönig und bester Nachwuchsspieler: beinahe unfassbar selbst für hartgesottene Bayern-Fans wie mich (ich bin FCB-Fan seit 1967; damals war ich 14 Jahre alt).


Zufall kann dabei wohl kaum eine Rolle gespielt haben, denn heute schlug besagter "Zufall" im Spiel gegen den AS Rom in unnachahmlicher Weise zu und erzielte vom rechten Strafraumeck aus ein sensationelles Tor mit dem Außenrist – direkt in die gegenüberliegende linke Torwartecke. Jeder, der wie ich jahrelang aktiv gespielt hat, weiß, wie schwer so ein Schuss anzubringen ist.


Ich hatte mich Monate vorher schon gefragt: Ist mit Thomas Müller ein neuer deutscher Marco van Basten gekommen, einem der besten Stürmer aller Zeiten aus Holland?


Müller und van Basten sind letztlich doch nicht zu vergleichen, auch wenn beide Spieler Ähnlichkeiten in ihrer Spielweise aufweisen.
Thomas Müller (gerade mal 20 Jahre alt!) gleicht van Basten zwar in seinem Bewegungsablauf, auch in seiner Schusstechnik und Geschmeidigkeit, aber er scheint etwas zu haben, was sehr, sehr selten anzutreffen ist: Er vereint unbändigen Kampfgeist mit einer fast unverschämt anmutenden lockeren Unbekümmertheit, wie man sie bei einem deutschen Stürmer (eigentlich ist er offensiver Mittelfeldspieler) selten in den letzten 30 Jahren gesehen hat.

Bevor ich mich jetzt mit meinen Lobeshymnen überschlage komme ich gleich auch wieder zum Schluss, weil ich früh aufstehen muss; aber eine Anmerkung muss ich doch noch loswerden:


Wenn Thomas Müller nach einem Spiel wie heute vor den Mikrofonen steht, glaubt man, einen abgezockten Medienprofi vor sich zu sehen, der genau weiß was er sagt. Fast schon unheimlich professionell, dieser Thomas….


Man muss bei ihm aber keine Sorge haben, dass er abhebt: er kommt aus dem schwäbisch-bayerischen Memmingen, wenige Kilometer von meiner Heimatstadt Augsburg entfernt. Dort ticken die Uhren so: Mir san mir, Ruhm ist schön, aber bayerische Heimat, Alpen, Schuhplattler und Geborgenheit sind durch nichts zu ersetzen.


Bayern München wird noch viele Jahre Freude an Eigengewächsen wie Thomas Müller, Badstuber, Lahm, Contendo, Schweinsteiger u.a. haben.


Zu beneiden ist Sportdirektor Christian Nerlinger allerdings auch wieder nicht, denn bei ihm werden in den nächsten Jahren die Angebote von konkurrierenden europäischen Weltklasseklubs einhageln wie wütende Meteoriten.

Aber warum sollten die heimischen Bayern-Stars gehen, wenn sie bei einem der weltbesten Klubs aller Zeiten spielen, bei meinem FCB (
Herzlichen Dank an Liza für die Bereitstellung des schönen Videos!)

Mittwoch, Juni 04, 2008

Selbstkritische Töne aus der arabischen Welt? Das gibt es wirklich!

Eigentlich müsste schon Weihnachten auf Ostern und Chanukka fallen, bis aus der arabischen Welt Töne zu vernehmen sind, die man als selbstkritisch bezeichnen könnte, was das eigene innenpolitische Handeln oder die Sicht auf den Nahostkonflikt betrifft.

Letzteres lässt natürlich wegen des aktuellen Stands der Dinge auf sich warten, aber Ehud Olmerts politische und persönliche Krise und seine „Ich-fahr-doch-gegen-die-Wand-Politik“ schien doch den einen oder anderen arabischen Redakteur dazu bewogen haben, über den eigenen Schatten zu springen und die Vorzüge der einzigen Demokratie im Nahen Osten - nämlich Israel, was für jeden einigermaßen aufgeklärten Menschen eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein müsste - ein wenig fairer als bisher zu beleuchten. Und das fiel in manchen Kommentaren ziemlich deutlich und positiv für Israel aus.

Lizas Welt war natürlich fix und fleißig wie immer und hat ein paar Stimmen gesammelt, die mehr als deutlich das widerspiegeln, was die meisten Araber von ihren Potentaten halten, aber bisher diskret zurückgehalten haben - nämlich wenig bis gar nichts.

Herzlichen Dank an Lizas Welt für die Informationen und die Erlaubnis zur Veröffentlichung.

Hier sein Beitrag:

Lizas Welt

Abweichler!

Vielleicht hat die derzeitige Korruptionsaffäre um Ehud Olmert auch ihre guten Seiten: Zum einen werden die Israelis durch sie womöglich den von ihnen wenig geschätzten Premierminister los, und zum anderen scheint es in der arabischen Welt teilweise einen gewissen Respekt vor der Offenheit zu geben, mit der die Vorwürfe gegen den Kadima-Politiker sowie die Konsequenzen beleuchtet und debattiert werden. Einem Beitrag der israelischen Tageszeitung Jerusalem Post zufolge haben zahlreiche arabische Medien über die Causa Olmert berichtet und dabei Leserreaktionen ausgelöst, die nicht selten vernehmliche Forderungen nach ähnlicher Transparenz und Diskussionsbereitschaft auch in den eigenen Ländern enthielten. Repräsentativ mögen sie nicht sein, doch angesichts der sonst obligatorischen Hasstiraden gegen den jüdischen Staat lohnt es sich allemal, diese dissidenten Stimmen der Vernunft bekannt zu machen. Sie zeigen, dass die autoritären und zutiefst korrupten arabischen Regimes durchaus keine ungeteilte Zustimmung in ihrer Bevölkerung genießen. Nachfolgend eine Auswahl aus den Zuschriften, auf die Khaled Abu Toameh bei seiner Recherche gestoßen ist:*

„Zeig mir ein arabisches oder islamisches Land, in dem ein Premierminister oder ein Regierungsmitglied jemals wegen Korruption oder Bestechung verhört worden ist.“ (Majed, Nachname und Land unbekannt)

„Bevor wir Israel verfluchen, müssen wir von seinem demokratischen und juristischen System lernen. Dort steht niemand über dem Gesetz.“ (Abdel Karim, Saudi-Arabien)

„Wir hätten diese Art von Rechenschaft und Transparenz gerne auch in der arabischen und islamischen Welt.“ (Mahmoud al-Bakili, Jemen)

„Ich glaube nicht, dass wir jemals den Tag erleben werden, an dem die Polizei einen arabischen Führer wegen sexueller Belästigung seiner Sekretärin oder wegen Bestechung verhört. Und auch unsere Kinder und Enkel werden diesen Tag nicht erleben. Was in Israel geschieht, wird niemals in einem arabischen Land geschehen.“ (Abdel Aziz Mahmoud, Ägypten)

„Es gibt Korruption sowohl in Israel als auch in der arabischen Welt. Der Unterschied ist, dass die Israelis ihre Politiker zur Rechenschaft ziehen, während wir Araber einfach schweigen.“ (Abu Hadi, Irak)

„Es heißt, Olmert habe etwa 3.000 Dollar pro Jahr erhalten. Das zeigt, dass er ein anständiger Mann ist. Diese kleine Summe bekommt jedes arabische Regierungsmitglied täglich als Bestechungsgeld. Unsere Führer stehlen Millionen Dollar, und niemand wagt es, sie zur Rechenschaft zu ziehen.“ (Abu Atab, Marokko)

„Unsere Führer in der arabischen Welt nehmen weniger als eine Million Dollar an Bestechungsgeld gar nicht erst an. Und das Geld muss dann auf einem geheimen Konto in der Schweiz deponiert werden. Olmert ist ein Narr, wenn er bloß so einen geringen Betrag angenommen hat.“ (Ein Leser aus Algerien, Name unbekannt)

„Nur ein paar tausend Dollar? Was für ein Narr! Das ist der Betrag, den ein ägyptischer Minister an einem Tag bekommt, ein saudischer Firmenchef in 45 Minuten, ein kuwaitisches Regierungsmitglied in fünf Minuten und der Arzt eines Emirs in Katar alle 30 Sekunden.“ (Ahmed, Nachname unbekannt, Jordanien)

„Warum beantragen Sie nicht eine arabische Staatsbürgerschaft, Herr Olmert? Hier können Sie so viel Geld annehmen, wie Sie wollen. Und selbst wenn man den Diebstahl entdeckt, wird man Ihnen ein Denkmal auf einem öffentlichen Platz errichten.“ (Jasser Abdel Hamid, Land unbekannt)

„Israel ist ein Staat, der es verdient, zu existieren. Er verdient unseren tiefen Respekt. Ich wünschte, ich wäre ein Bürger dieses Staates.“ („Israel Lover“, Name unbekannt, Saudi-Arabien)

„Das ist echte Demokratie! Schluss mit den Diktaturen in der arabischen Welt! Wir sollten uns ein Beispiel an Israel nehmen und von seiner Demokratie profitieren.“ (Hani, Nachname unbekannt, Ramallah)

„Ich schwöre, Israel ist ein Staat, der weiterhin Erfolg haben wird. Dort verurteilt man den Premierminister wegen einiger zehntausend Dollar. Was ist mit den Millionen, die Mahmud Abbas und die Palästinensische Autonomiebehörde veruntreut haben? Wie kommt es, dass das palästinensische Volk immer noch hungert?“ (Rashid Bohairi, Kuwait)

* Übersetzung und Hattip: Lizas Welt

Dienstag, Mai 20, 2008

Lahmer Dalai meets Rote Heidi

....und ausgetretene Latschen

Schön, jetzt wissen wir alle, dass Frau Wieczorek-Zeul ein großes Herz für alle Religionsführer dieser Welt hat und mit ihnen unbedingt erörtern will, was so alles falsch läuft auf unserem Planeten, denn - so sagte sie nach dem Treffen mit dem ewig grinsenden Karma-Spezialisten aus Tibet, sei dies ein "sehr gutes, fruchtbares Gespräch" gewesen und selbstverständlich habe sie sich auch als „Vertreterin der Bundesregierung" mit dem Mann getroffen, der - das verschweigt sie oder weiß es leider nicht (was eher zu vermuten ist und auch peinlich) - so ganz nebenbei für eine der brutalsten tibetischen Mönchsdynastien des 19. und 20. Jahrhunderts steht, ganz gleich, wie man die aktuelle chinesische Politik heute im Vergleich dazu sieht.

Vom Dalai Lama (Ganz irdisch und profan als Tenzin Gyatso auf diesem Planeten Erde geboren) stammt zum Beispiel der „erheiternde“ Satz, dass, (nicht wörtlich, aber sinngemäß vollkommen korrekt zitiert) „die Juden selbst Schuld am Holocaust und an ihrer Vernichtung in Europa hatten, weil sie ein schlechtes Karma, also mieses Vorleben“ haben.

Das muss man sich einmal auf der Zunge zergehen lassen: Karma auf den Deckel - Geschichte und Holocaust erledigt. So einfach kann das mitunter sein.


Es geht auch noch mindestens genauso gut weiter, wenn der überirdisch ethisch formulierende Dalai Lama für „Verfehlungen“ großes Mitgefühl zeigt, ganz im Zeichen der deutsch-tibetischen Solidarität:
„Wir Tibeter haben traditionsgemäß schon immer für die Underdogs Partei ergriffen und meinten auch, dass die Deutschen gegen Ende der vierziger Jahre von den Alliierten genügend bestraft und gedemütigt worden waren. Wir fanden, man sollte sie in Ruhe lassen und ihnen helfen.“ (zitiert nach Goldner, S. 83); Dank an Liza für die beiden Hinweise in seinem Blog)
Ja, genau.

So ganz zufällig kommt diese unglaubliche Entgleisung nicht, die im seligen Dahinschwelgen des Hier und Jetzt des europäischen Schangri-La der Post-68er und mancher Psychedelic-Freaks (Ich steh’ selbst auf die Musik von damals, aber nur auf diese, und auch das hat sich einigermaßen gelegt) und der bewusst oder unbewusst westlich orientierten Buddhismus-Besoffenheit nicht wahrgenommen werden will.

Kennern der Szene wie Colin Goldner („Fall eines Gottkönigs“) und manchen Freikirchen - die Volkskirchen schlafen heute noch weitestgehend - war schon lange bekannt, welches Schlitzohr sich hinter dem als Weltfriedensapostel auftretenden „Uri Geller“ der Geheimnisse des Universums verbirgt. Und Schlitzohr ist noch viel zu kurz gegriffen. Eher ein ganz mieser Scharlatan oder Trickser, der sein Leben auf einer Lüge aufgebaut hat und diese Lüge konsequent weiterlebt, weil es sich damit am besten über die Runden kommen lässt.


Würde Heinrich Harrer, Erstbesteiger der Eiger Nordwand 1936, hoch dekorierter Nazi und SS-Obersturmbannführer, heute noch leben, dann könnte er sicher Einiges über die Unterrichtsstunden erzählen, die er dem jungen Dalai Lama in Sachen Rassenkunde gab und wie viel die glühende Theosophin und Antisemitin Blavatzky, verehrtes Vorbild des Waldorfschulen-Gründers Rudolf Steiner, dazu beigetragen hat. Wie gesagt, würde…vielleicht. Wahrscheinlich aber nicht, geht man von der Zähigkeit der Lüge aus, die Wahrheit zu umkurven, so lange die Menschen noch am Leben sind, die die Lüge in sich tragen.


So aber kriecht der zähflüssige Schleim der Geschichtsklitterung über alle politischen Sauereien und Päderasten-Fantasien, die unserer „Heiligkeit“ verabreicht wurden und die er bis heute geschickt kaschiert, und all diejenigen sind glücklich, die sich in ihrem Esoterik-Wahn bestätigt fühlen, wenn der große Meister auch nur einen Furz von sich gibt, wie zuletzt beim Mantra-Feeling in Berlin, wie es Reinhard Mohr treffend bemerkte -; nur um den Schwachsinn zu verinnerlichen, den man locker auch ohne „göttliche“ Eingabe selbst verzapft und dabei 45.- Euro eingespart
haben könnte.

Kann man wirklich so bescheuert sein?

Aber so ist das eben: Den Unsinn, den man zu faul oder zu blöd ist zu artikulieren, lässt man dann halt’ gern eine „Autorität“ ausformulieren, die sich für ihr Roboter-Stakkato auch noch fürstlich entlohnen lässt.


Information oder Recherche scheint Wieczorek-Zeuls Sache bzw. der ihrer Mitarbeiter auch nicht zu sein, denn hätten sie und ihr Ressort sich rechtzeitig kundig gemacht, was es mit diesem Dauergrinser auf sich hat, dann wäre es zu dieser Solo-Aktion der wie immer umtriebigen Ministerin, die immer dann besonders auf Draht ist, wenn es um Belange und Umschmeichelung von Tyrannenstaaten wie dem Iran oder Terrororganisationen wie der Hamas geht, wohl nicht gekommen.


Im weitgehend säkularisierten und religiös-sinnentleerten Westen wird die Fratze eines tibetischen Sonderweges, der in der brutalstmöglichen Form (um die Sprache des Lama-Jüngers Roland Koch aufzugreifen) des buddhistisch-tantrischen Vajrayana-Weges (Bei Wikipedia zweifellos von einem An(f)hänger geschrieben) bis in die 1950-er Jahre in Tibet praktiziert wurde, als Schangri-La gesehen - als Reich des irdisch erreichbaren Glücks, das dummerweise den Minderjährigen im brutal-vorsintflutlichen tibetanischen Mönchsregime weiß Gott nicht den reinen Segen brachte.


Vielleicht sollte Frau Wieczorek-Zeul einmal nur zwei der vielen Exzerpte Markus Hammerschmidts studieren, der in seiner Rezension Colin Goldners Buch (s.o.) zitiert, bevor sie das nächste Mal den Vertreter einer Päderasten- und frauenfeindlichen Dynastie einlädt:


1)Das Justizsystem der feudalen Mönchsdiktatur stammte zudem aus grauer Vorzeit, wie Goldner schrieb:

„Das tibetische Strafrecht leitete sich aus einem Gesetzeswerk Dschingis Khans des frühen 13. Jahrhunderts ab und zeichnete sich durch extreme Grausamkeit aus. Zu den bis weit in das 20. Jahrhundert hinein üblichen Strafmaßnahmen zählten öffentliche Auspeitschung, das Abschneiden von Gliedmaßen, Herausreißen der Zungen, Ausstechen der Augen, das Abziehen der Haut bei lebendigem Leibe und dergleichen. Obgleich der 13. Dalai Lama 1913 das Abhacken von Gliedern unter Verbot gestellt hatte, wurden derlei Strafen noch bis in die 1950er Jahre hinein vorgenommen. [...] Selbst die ansonsten gänzlich unkritische Autorin Indra Majupuria weist in ihrem Buch Tibetan Women auf historische Belege dafür hin, dass im ‚alten Tibet’ eine Frau bei Ehebruch völlig legal von ihrem Ehemann getötet werden konnte.“ (S. 24 f.)

und…

2) “Die als Sexgefährtinnen in Frage kommenden Frauen müssen bestimmte Kriterien erfüllen: Laut tantrischer Lehre solle die Songyum mit „Anmut und Jugend“ ausgestattet sein und aus gutem Hause stammen. Ihre Haut dürfe nicht zu dunkel und nicht zu hell sein und ihrer Vagina müsse ohne Unterlaß ein Duft wie von verschiedenen Lotusarten oder süßem Lilienholz entströmen. In einem Tantratext werden fünf Arten von Sexgefährtinnen - gerne auch Weisheitsgefährtinnen unerschieden:

"Die Achtjährige, die Zwölfjährige, die Sechzehnjährige, daneben die Zwanzig- und die Fünfundzwanzigjährige; jede Altersstufe diene ganz bestimmten Zwecken. Lama Chöpel (in der Lehre auch an den Dalai Lama weitergegeben [Castollux]) rät davon ab, „mit Gewalt in ein junges Mädchen einzudringen“, das sich zu sehr wehre; es könne dies die Geschlechtsteile verletzen (was sie womöglich für weitere Praktiken unbrauchbar mache). Ratsam sei es in solchem Falle, sich lediglich zwischen ihren Schenkeln zu reiben. Allemal empfehle es sich, Kinder vor dem Geschlechtsverkehr mit etwas Honig oder Süßigkeiten zu beschenken; ältere Mädchen, so ein Ratschlag an anderer Stelle, ließen sich sehr probat auch mit Wein gefügig machen. Im Übrigen sei es durchaus rechtens, ein Mädchen, das die sexuelle Vereinigung verweigere, dazu zu zwingen.

Mit Frauen fortgerückten Alters, so die Lehrer des Tantra, solle tunlichst nicht praktiziert werden: ab dreißig gelten Frauen als Manifestationen bösartiger Geister; ab Ende dreißig werden sie nur noch als Hundeschnauze, Saugfresse, Schakalfratze, Tigerdrachen, Eulengesicht und dergleichen betrachtet (S. 160)

An dieser Stelle höre ich auf, weil es nicht mehr viel zu argumentieren gibt und mir selbst schlecht wird vor dem, was ich hier zitieren muss, um die Wahrheit zu berichten.

Zusammenfassend nur so viel: Der „göttliche“ Dalai Lama hat sich immer geweigert, zu diesen Praktiken Stellung zu nehmen, geschweige denn zu seinen Aussagen über das „Karma der Juden“ und sein Verhältnis zu den Nationalsozialisten. Er hat auch keine klare Stellung bezogen zu den Fragen, die seine Verbindungen zu der japanischen Aum-Sekte und deren Anschlag auf die U-Bahn in Tokio 1995 betreffen. Er ist schlicht allen Fragen ausgewichen, wenn sie überhaupt auf ihn zukamen.

Dämlich grinsend natürlich - wie sonst?

Vielen Dank an Lizas Welt, M. Hammerschmidt und Gerhard Kern für Anregungen und Textstellen. Sie haben mich nicht zuletzt wegen des Hypes um „seine Heiligkeit“ dazu bewogen, auch einen Beitrag zu leisten.

Hattip: Lizas Welt, Religio (Eigenes Printmaterial); http://philolog.wordpress.com/category/conspiracy/page/3/