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Mittwoch, März 21, 2012

ZDF-Kleber: Canossa-Gang auf den Obersalzberg


 Wer interviewt hier eigentlich wen?

 

Klicken Sie sich durch das Video (es sagt nicht viel Neues aus) und Sie werden zumindest die Frage nach dessen inhaltlicher Verwertbarkeit selbst beantworten können. Vox Populi unterhalb des YouTube*-Fensters.

Was in diesem Video gesagt wird liefert eigentlich keine wesentlich neuen Erkenntnisse über den neuen Verhandlungsstand mit dem Iran - (für mich klingt übrigens Persien wahrhaft authentisch) -, besser gesagt eigentlich nur eine kurze Bestandsaufnahme über die vielfach wiederholte und stets erfolgreich ausgetestete Verbal-Strategie eines totalitären religiös-faschistischen Systems, seine mit unendlich dämlicher Eselsgeduld ausgestatteten Verhandlungspartner mit allen Mitteln zu täuschen (China und Russland halten sich aus wirtschaftlichen Gründen bisher vornehm zurück, wie wir wissen).

Was in diesem Zusammmenhang erwähnenswert wäre:

Henryk M. Broder hat mehrmals und sicher auch zu Recht erwähnt, dass sich historisch eindeutig fixierbare und wissenschaftlich sorgfältig definierte Geschichtsverläufe nicht wiederholen können. Andernfalls verlören sie auch ihr Alleinstellungsmerkmal. Er artikulierte diesen Aspekt nicht zuletzt im Zusammenhang mit Chamberlains und Daladiers Kaffeefahrt Ende September 1938 in München, weil er darauf mehrmals in den letzten Jahren im Zusammenhang mit der (Radikal-) Pazifismusdebatte angesprochen worden war. Befördert wurde Letzere seit dem damals absolut notwendigen Nachrüstungsbeschluss der NATO Anfang der 1980er-Jahre durch eine mehr und mehr passiv-destruktive neo-radikalpazifistische Friedensdiskussion in Politik, Gesellschaft und Kirche, die heute erschreckenderweise wieder zunimmt.

Dennoch will ich die oben angeführten Passagen etwas variieren, so weit mir das in den folgenden zwei Sätzen gelingt: 

Geschichte wiederholt sich selbstverständlich nicht stringent oder nach einer unabänderlichen Gesetzmäßigkeit, logischerweise auch nicht kongruent, aber sie retransformiert sich dennoch in den immer wiederkehrenden Post Mortem-Reanimationsbestrebungen totalitärer Personen, Staaten und Strukturen - sowohl heute als auch sicher in der Zukunft.

Denn wenn schon genug Anschauungsmaterial aus der erfolgreich vorexerzierten Historie vorhanden ist, warum sollten sich dann böse Buben nicht aus dieser reichhaltigen Asservatenkammer bedienen wollen, falls sie die Gelegenheit dazu bekommen? 

Doch letzlich...

... geht es um wesentlich mehr als um dieses Video selbst, und dabei nicht allein um diesen oben abgebildeten Grimassenschneider mit seiner augenscheinlich zu Tage tretenden brutalen Physiognomie, die mit ziemlicher Sicherheit denjenigen Islamisten zeichnet, der 1979 bei der Geiselnahme der US-Botschaft in Teheran an vorderster Stelle beteiligt war.

Mir geht es nicht zuletzt um die selbstverschuldete und völlig unnötige Inszenierung einer GEZ-Veranstaltung in Teheran und um die Frage, warum das ZDF in Person Klaus Kleber unsere Rundfunkgebühren für eine peinliche Burleske strapazierte, wer für Vorverträge, Interview-Absprachen, Fragestellungen, Diskursverlauf und vor allen Dingen für das Gesamtkonzept verantwortlich zeichnete. Als gelernter Print- und Online-Redakteur weiß ich, dass das Sujet "Interview" zu den schwierigsten der Branche gehört und intensive Vorgespräche erfordert, weil der zu Interviewende so gut wie möglich dargestellt werden will. 

Also kommt als Hauptakteur nur einer in Frage: Klaus Kleber selbst, der ja - bescheiden wie er ist - auch gerne selbst produziert (weiter unten). 

Anmerkungen zu Klaus Kleber:

Sein geschmeidiges Ego versprüht ein unstillbares Verlangen nach Interview-Terminen mit den Schurken dieser Welt, ähnlich wie es weiland Peter Scholl-Latour [Kürzel: PSL] (mit Chomeini) oder Ulrich Kienzle (mit Saddam Hussein) praktizierten.

Anders jedoch als die beiden längst in die Jahre gekommenen und zu selbstherrlichem Altersstarrsinn neigenden Methusalems des Auslandsjournalismus, die ihre herzliche Abneigung gegen Amerikaner und Israelis heute noch stärker artikulieren als ehedem und dazu auch immer standen und schon allein dafür von den Deutschen geadelt werden, bürgt Kleber qua nomen für eine geschmeidige Schmier- und Klebefähigkeit und Indifferenz, wenn es gilt, sich den Fieslingen dieser Welt anzubiedern. Peter Scholl-Latour und Ulrich Kienzle waren und sind echte Kotzbrocken, aber im Gegensatz zu Kleber besitzen sie wenigstens ein kantiges Format und eine eigene Meinung - nicht so wie der geschwätzige Markus Lanz-Verschnitt des "Politischen" im ZDF-Spätschoppen für geistig Unterbelichtete.

Klaus Kleber beim Arbeiten zugeschaut

Wer Herrn Kleber über die letzten etwa 15 Jahre hinweg halbwegs aufmerksam beobachtet hat (früher war er USA-Korrespondent), entdeckt recht bald, dass er zwei Rollen spielt:

Einerseits die des jovial und souverän agierenden Anchorman im Heute Journal, der uns zwischen 21.45 h und 22.15 h die Welt erklären will, und zum zweiten die glattgebürstete Bonsai-Ausgabe eines Richard Attenborough der deutschen Polit-Dokumentation. Man könnte glatt denken, wir wären mit Guido Knopps beinahe täglich dräuender Volksaufklärungs- und Beglückungsmaschinerie schon längst am Abgrund der völligen Banalisierung (oder Verblödung?) des politischen Soap-Bildungsprozesses angelangt. Aber dank Kleber und dessen ZDF-Kollegin M. Slomka, die bei BO-Frost sicher eine alternativ bessere Karriere hingelegt hätte, geht’s sogar noch billiger. 

Kleber wirkt besser als PATTEX - und seine Adepten kleben mit

Mich wundert Klebers devotes Gehabe im Umgang mit großkopferten Gangstern spätestens seit jenem Zeitpunkt nicht mehr, an dem er mit Ex-IAEA-Chef El-Baradei, der engste Beziehungen zum ehemaligen iranischen Atomunterhändler und Holocaustleugner Ali Larijani unterhalten hatte, ebenfalls im ZDF eine von ihm höchst selbst inszenierte Gefälligkeitsreportage im Hochglanzformat gemacht hatte.

Doch was fand Herr Kleber am "Friedens"-Nobelpreisträger El-Baradei, der Israel als Haupthindernis für eine nukleare Abrüstung gesehen hatte, so faszinierend?

Auf El-Baradeis Anweisung hin war im Jahr 2006 in enger Zusammenarbeit mit Ali Larijani und dem obersten iranischen „geistlichen“ Führer Ali Khamenei der allzu hartnäckig forschende IAEA-Chefinspekteur Chris Charlier zum Büroklammerzählen abkommandiert worden (Cicero-Redakteur Bruno Schirra hatte damals großartig recherchiert**). Im Jahr 2007 stand dann die iranische Fertigungskette, die zum Aufbau der Anlaufproduktion eines Atombombenprogramms unabdingbar ist, wie vom Regime selbst angegeben, bei knapp 3.000 Gaszentrifugen. Worin bestand also die Friedensleistung EL-Baradeis, außer dass er mit Klaus Kleber in New York ausgiebig beim Kaffeetrinken gefilmt worden war?

Heute schreiben wir den März im Jahr 2012, das Atomwaffenprogramm der iranischen Mullah-Diktatur steht quasi vor seiner Vollendung, die deutschen Geschäfte mit dem Iran boomen weiterhin auf höchstem Niveau, Madam Ashton vergleicht Gaza-Opfer mit dem Mord an jüdischen Schülern in Toulouse und der ehemalige Pop-Beauftragte der SPD setzt in bizarrer Dämlichkeit und Ignoranz (und das ohne Rücktrittsforderung!?) Israel, die einzige Demokratie des Nahen Ostens, mit dem ehemaligen südafrikanischen Apartheidregime gleich.

Das lückenhafte und ideologisch sehr leicht durchschaubare Halbwissen eines seit Jahren ungehindert hyperventilierenden Absolventen der Arabistik und Politik versetzt im Forum des tagesschau.de-Blogs der ARD die Kinder und Enkel derjenigen, die damals im Berliner Sportpalast „Wir wollen den totalen Krieg“ brüllten, in einen neuen Freudentaumel, wenn es um die Frage geht, ob man das iranische Atomwaffenprogramm ausschalten dürfe oder nicht. Natürlich nicht....

Nun aber wollen sie, die Nachkommen, konsequent irrational, historisch miserabel ausgebildet, fremdgesteuert, orientierungslos und freiheitsverachtend wie immer sie auch plärren (also echte 68er-Zöglinge, die eine Freiheits-/Verantwortungsethik erst buchstabieren lernen müssen) - in indirekt proportionaler Umkehrung der Forderung ihrer Großeltern - den totalen Frieden, jenen aber gefälligst ohne die Existenz Israels***.

Was ihre Altvorderen mit deren originären Methode erreichen wollten, müssen sie selbst ja nicht dezidiert aussprechen, da sie politisch korrekt argumentieren: Es reicht, wenn sie ihr neues Projekt lediglich "Antizionismus" nennen, wenn nur das Ergebnis dasselbe bleibt. So etwas nennt man generationsübergreifende Enkulturation.

Willkommen in Pazi-Land!

------------- 
*Mein Benutzername: Pollux89 (bei den Kommentaren bei etwa 17.45 ) 

 **Mehr zur Denunziation und der Demontage Bruno Schirras durch deutsche Verfassungsorgane und seine berufliche Schädigung hier. 2005 waren Bruno Schirra und Wolfram Weimar (Letzterer damals CICERO-Chefredakteur, 2011 Chefredakteur beim FOCUS) Geheimnisverrat vorgeworfen worden - ungerechtfertigterweise, wie sich später herausgestellt hatte. An der journalistischen Beschädigung Schirras hatte das allerdings nichts geändert. Mehr als schäbig, wie man damals mit Schirra und Weimar umgesprungen war.

***Hier zitiere ich als Trost für alle Freunde Israels unsere Bibel mit nur einer von vielen Verheißungen (was natürlich beinhaltet, dass wir alle unsere Verantwortung wahrnehmen müssen: Wer dich angreift, wird um deinetwillen fallen... Keine Waffe, die gegen dich geschmiedet wird, soll es gelingen, und jede Zunge, die vor Gericht gegen dich aufsteht, wirst du schuldig sprechen (Jesaja 54,15-17]

Dienstag, Februar 08, 2011

Ein Chamäleon beim Wort genommen: El-Baradei wird zitiert

Okay, Chamäleons wie El-Baradei kann man eigentlich nicht beim Wort nehmen. Sie wechseln sprunghaft ihre Farbe und sind ebenso dingfest zu machen wie Aale, die in Olivenöl getaucht worden sind.

Mohamed El-Baradei war von 1997 bis 2009 Chef der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO), für die er 2005 den Friedensnobelpreis wegen der erfolglosen Suche nach Massenvernichtungswaffen im Irak nach dem Sturz des Saddam-Regimes einheimste. Heute fragt sich nicht nur der Rest der halbwegs klar denkenden Welt, warum er diese Auszeichnung erhalten hat.

Er spielt eine zentrale Rolle in der aktuellen ägyptischen politischen Krise, die im Januar 2011 begann. Von mehreren Gruppierungen, darunter der Muslimbruderschaft, wird er als Führer der Opposition gegen den ägyptischen Präsidenten Hosni Mubarak angesehen und unterstützt.


Mitchell Bard hat im Folgenden eine Sammlung von Baradei-Zitaten zu Ägypten, den Vereinigten Staaten, Israel und zur Verbreitung von Atomwaffen unter die Lupe genommen.

Castollux
hat die wichtigsten Passagen von Baradei-Zitaten übersetzt und (teilweise) ganz unten kommentiert (Besten Dank an Mitch!).

Baradei sagt:

Zur Muslimbruderschaft

"Die Muslimbruderschaft ist immer wieder eine dieser falschen Fiktionen, die erfunden wurden, nämlich, dass sie, wenn sie einen religiösen Staat nach dem Vorbild des Iran gründete, Extremisten wie Al-Qaida hervorbringen würde. Die Muslimbruderschaft, wie man sie in den Straßen sieht, ist religiös konservativ, aber bereit, im Kontext eines zivilen Staates zu arbeiten im Rahmen einer Verfassung (1), die gleiche Rechte und Pflichten gewährleistet." (Wall Street Journal, Februar 2011.

"Die Muslimbruderschaft ist konservativ-religiös, sie stellt überhaupt keine Extremisten und sie wendet in keiner Weise Gewalt an .... Man kann sie in die Regierung einbinden wie Evangelikale in den USA oder orthodoxe Juden in Jerusalem." (ABC), Januar 2011


"Die Muslimbruderschaft hat nichts mit Extremismus zu tun ... Ich habe Kontakte zu ihr. Wir müssen sie einbeziehen." (CNN), Januar 2011


Zum Iran


"Wir haben viel Zeit mit den "Vorbedingungen" der Bush-Administration zur Aufnahme von Verhandlungen verloren, die nicht verhandelt werden sollten, bevor nicht alles, was zu positiven Verhandlungen geleistet werden würde, vorher zugesagt werden würde." (Huffington Post), August 2010

"Ich gehe nicht davon aus, dass die Iraner tatsächlich Atomwaffen produzieren." (Der Spiegel), Juli 2010 (2)


"Ganz allgemein wird die Gefahr eines nuklear bewaffneten Iran überschätzt." (Der Spiegel), Juli 2010


Zur Wahrscheinlichkeit eines Friedens zwischen Israel und Palästinensern


"Wir alle wissen, wie diese Lösung aussieht: Grenzen vor 1967, Teilung Jerusalems, Wiederansiedlung der Flüchtlinge. Nur darin besteht die Lösung. Nicht durch die Schaffung von mehr Unsicherheit, nicht durch mehr Demütigung." (Huffington Post), August 2010

"Wir sprechen seit den letzten 20 Jahren über Frieden, aber in der Palästina-Frage gibt es keine Fortschritte" - (Palästinensisches Information Center), Dezember 2010


"In Israel muss eine Regierung an die Macht kommen, die die Grenzen von 1967 anerkennt.“ - (Der Spiegel), Juli 2010


Zum Status Israels als jüdischem Staat


"Dazu gebe ich keine Stellungnahme ab." - (JTA), Februar 2009

Zur israelischen Blockade und Politik, Gaza betreffend


"[Die Blockade ist] ein Schandmal auf der Stirn aller Araber, aller Ägypter und jedes menschlichen Wesens." - Al Quds al Arabi, Juni 2010

"Wir müssen alles in unseren Kräften Stehende tun, um das Leid der Menschen [in Gaza] zu mindern: Öffnung der Grenzen, Ende der Blockade! "- (Der Spiegel), Juli 2010


"Unterdrückung ist keine Lösung." - (Der Spiegel), Juli 2010


"Zurzeit ist ... Gaza das größte Gefängnis der Welt." (3) - (Foreign Policy), Februar 2010


"Gaza erhält nur 31 der "lebensnotwendigen Güter" von der israelischen Seite, obwohl es Tausende von Produkten benötigt. Es bekommt keinerlei Baumaterialien. Es bekam 41 Lkw-Ladungen Baustoffe; alles liegt in Schutt und Asche. Das widerspricht meiner Meinung nach gegen die "Schutzpflicht", die mit viel Getöse im Jahr 2005 von allen Staatsoberhäuptern bei der UN angenommen worden war. Die Erfordernis, dass man Politik von humanitärer Hilfe und Schutz für die Zivilbevölkerung trennen muss, wurde vor hundert Jahren in den Haager und Genfer Konventionen etabliert."- (Foreign Policy), Februar 2010


"Die Politik gegenüber Gaza ist ein Fehlschlag. Mehr als das: welche Nachricht sendet diese Politik an den Rest der arabischen Welt aus? Gaza erlebte eine der ersten demokratischen Wahlen in der Region. (4) Und es ist in Schutt und Asche gelegt worden; seine Bevölkerung hungert wegen der scharfen politischen Auseinandersetzungen zwischen ihren gewählten Vertretern und Israel. " (Huffington Post), August 2010


"Vor allem aber müssen wir den eklatanten Verstoß gegen die Grundprinzipien des Völkerrechts festhalten, wie etwa das Recht auf einseitige Gewaltanwendung, Verhältnismäßigkeit von Selbstverteidigung und Schutz der Zivilbevölkerung während Feindseligkeiten, um eine Wiederholung der Blutbäder in der Zivilbevölkerung….in Gaza….zu vermeiden" - (Reuters, Februar 2009


Zum israelischen Angriff auf den syrischen Reaktor im Jahr 2007 (5)


"Was die Israelis taten, war Verletzung des Völkerrechts. Wenn die Israelis und die Amerikaner Informationen über eine illegale kerntechnischen Anlage gehabt haben sollten, hätten sie uns unverzüglich benachrichtigen müssen."[Es darf herzlich gelacht werden (bd)] - (Der Spiegel), Mai 2009

Zur ägyptischen Politik gegenüber Gaza


"Ich sehe ein großes Problem bezüglich [Ägypten] das weiterhin denen als Komplizen dient, die das palästinensische Volk demütigen." - (Der Spiegel), Juli 2010


Zu einem Militärschlag gegen den Iran


"Es wäre völlig verrückt, den Iran anzugreifen. Es würde die Region in einen großen Feuerball verwandeln, und die Iraner würden sofort damit beginnen, eine Bombe zu bauen."- (Der Spiegel), Mai 2009 [Wenn das nicht bittere Realsatire ist, was dann? (bd)].

"Konfrontation….würde absolut in einer Katastrophe enden. Ich sehe keine militärische Lösung. Die einzige dauerhafte Lösung sehe ich in Verhandlungen und Inspektionen. " (CNN) [Bitte nach Inhalt googeln (bd) , Oktober 2007 (5)


Zur US-Außenpolitik


"Sie sollten Mubarak fallen lassen, und sie müssen sich auf die Seite der Menschen stellen." - (CNN), Januar 2011.
Einwurf von Castollux:

Ich sehe in Ägypten sehr wenige Frauen demonstrieren. Im Iran war das anders: da sahen wir eine Unmenge hoffnungsvoller weiblicher Gesichter auf den Straßen, ohne Schleier, geschminkt und geradezu provokativ auftretend: "Wir sind da, wir sind die Jugend und Zukunft Persiens"!

Sie wurden schnell weggeprügelt, verschleppt, ermordet und von unseren Medien vergessen.

Zufall?

Gibt es da nicht auch Berührungsängste seitens der Friedensbewegung und Medien getreu der Maßgabe: "Frauen sollten nicht in die Berichterstattung über Demos eingebunden werden, weil die Scheichs das nicht wollen?"

Gibt es hier nicht auch Berührungsängste, weil man glaubt, präkolonioale "Sünden" aufarbeiten zu müssen? Wenn das so wäre, fände ich das mehr als schäbig - sowohl gegenüber den Leidenden in Ägypten als auch gegenüber der Leserschaft hier im Westen.

Abgesehen davon fand am 12. Juni 2009 im Iran das erste Mal! eine groß angelegte Demonstration gegen ein islamisches Regime statt.

Heute passiert in Ägypten eine Revolution ähnlichen Ausmaßes gegen ein diktatorisches Regime, das nicht (!) islamisch gestützt war, sondern sich vielleicht auf dem Weg zum sunnitischen Klerikalfaschismus befindet, wenn nach der friedlichen Revolution nicht die richtigen Weichen gestellt werden.

Hat der Westen prinzipiell ein Problem damit, wenn es um Solidarität mit Menschen geht, die gegen ein islamisches Regime aufstehen?

Ja, und ich davon bin überzeugt davon, weil sich unsere Intellektuellen, unsere Behörden und Kirchen mit der islamischen Bedrohung arrangiert haben. Sie haben aufgegeben....

Anders kann man sich die Vehemenz, mit der die Medien jetzt vorgehen, kaum erklären, denn: es geht ja darum, unsere eigenen Beziehungen zu Mubarak und anderen Despoten in Frage zu stellen, und nicht darum, was der Islamismus in den heute zur Frage stehenden Umbruchländern vorbereitet bzw. in den Köpfen reformbereiter Jugendlicher anstiftet.

Ich behaupte ganz frech: Die Demokratiebewegung in Ägypten - und ich unterstelle ihr einmal, dass sie tatsächlich eine ist -, wird hauptsächlich von muslimischen und antisemitischen Männern bestimmt. Wer das nicht sieht ist blind - auch Broders Freund Hamed Abdel-Samad (siehe Fußnote (1), der am Sonntag von Anne Will hofiert wurde und teilweise dummes Zeug daherredete. War ich im falschen Film?

Noch weiter mit El-Baradei:


"Amerika pusht Ägypten und die ganze arabische Welt geradezu in eine Radikalisierung mit dieser plumpen Politik der Unterstützung von Repression." - New York Times, Januar 2011


"Was können Sie von [einer Bush] -Administration erwarten - einer Mixtur aus Ignoranz und Arroganz -, unzählige diplomatische Möglichkeiten auslassend und übergehend? Der gesamte Nahe Osten wurde in ein Riesen-Chaos verwandelt."- (Der Spiegel), Mai 2009


"Die Amerikaner dachten, sie könnten dem Iran mit der großen Keule drohen und zur Aufgabe zwingen. Aber die Arroganz, ein Land wie den Iran wie einen Esel zu behandeln, führt zu einer Verhärtung der Positionen." (5) - (Der Spiegel), Mai 2009


Zur Nichtverbreitung von Kernwaffen


"Die US-Regierung fordert, dass andere Nationen nicht über Atomwaffen verfügen sollten. Inzwischen bewaffnen sie sich selbst." - (Reuters), August 2003


"[Nichtverbreitung] muss bei den Besitzern von Atomwaffen beginnen: USA, Russland vorweg. Sie gingen bisher nicht mit gutem Beispiel voran. (6). Sie verbreiteten weiterhin die Botschaft....dass sie in völligem Widerspruch zu den im Jahr 1970 vereinbarten Vereinbarungen zur atomaren Abrüstung stehen."- Academy of Achievement, September 2010


"In Wahrheit gibt es keine guten oder schlechten Atomwaffen. Wenn wir nicht aufhören, mit zweierlei Maß zu messen, werden wir am Ende mit mehr Atomwaffen dastehen" - (Reuters), August 2003


"Israel ist die größte Bedrohung für den Nahen Osten wegen seiner Atomwaffen." - (Nachrichtenagentur IRNA), Oktober 2009


"Was das Problem verschlimmert hat, ist, dass das Gebot zur Nichtverbreitung von Atomwaffen seine Legitimität in den Augen der arabischen Öffentlichkeit bezüglich Israel, des einzigen Staates in der Region außerhalb des Non-Prolifaration-Treaty (NPT) verloren hat, des einigen Staates außerhalb des NPT-Abkommens, von dem man weiß, dass er Atomwaffen besitzt."- (Reuters), Februar 2009


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1) Hamed Abdel-Samad, der sonst gerne letztes Jahr mit Henryk M. Broder durch Deutschland tingeln ging und schöne Scherzchen riss, illustriert hier unverständlicherweise (und unverhohlen?) das Bild einer Muslimbruderschaft, die reformfähig wäre. Ganz ehrlich: Nach dieser Sendung pfeife ich auf alles, was er bisher an positiven Verlautbarungen zu Israel und Demokratie schlechthin rausgelassen hat. Er agiert höchst indifferent. Einfach nur naiv.

Ich kann ihm nicht mehr glauben, insbesondere auch deshalb, weil er Netanjahu in Anne Wills Sendung Unaufrichtigkeit unterstellt hatte. Er hätte sich zudem vorher besser informieren sollen.


2) 2006 hatte Al-Baradei mit seinen Freunden in der iranischen Führungsspitze, darunter Ali Larijani, dem Chefunterhändler des Teheraner Mörderregimes, eine Absprache getroffen, die seinem ihm unterstellten Chefinspektor Chris Charlier sämtliche weiteren Untersuchungen verwehren sollte. Charlier Fehler: Er hatte schlicht und einfach zu genau geprüft und musste dann Büroklammern zählen.

3) Zu Gefangenenlager bzw. semantischer Steigerung siehe hier.


4) Das kannten wir schon, siehe in diesem äußerst interessanten Diskussions-Video ab Minute 4:45: Ralph Giordano und Daniel Goldhagen haben völlig Recht.

5) Darüber hatte ich 2007 geschrieben. Weitere Infos bei Lizas Welt und Heplev. Bitte googeln, weil die beiden Genannten zu WordPress wechselten).


6) Schön, dass El-Baradei hier wieder Verhandlungslösungen anbietet. Wie wir wissen, kennt er sich darin besonders gut aus.


7) El-Baradei ist mit einer Iranerin verheiratet. Das allein muss nicht viel sagen. Aber die Frechheit, anderen Mächten anzukreiden, dass sie den Iran (Persien!) wie Esel behandeln würden, muss man sich einmal auf der Zunge zergehen lassen, wenn man sich ansieht, wie die Mullahs mit ihrem(?) Volk umspringen. Da schaltet El-Baradei auf Blindflug. Ist seine Frau komplett verschleiert?


8) Wieder eine Lüge von El-Baradei, der es nun wirklich genau wissen müsste: Das Abkommen START (Stratetic Arms Reduktion Talks) zur Reduzierung von Atomwaffen wurde von Ronald Reagan (er wäre übrigens dieses Jahr 100 geworden) initiiert und vom amerikanischen Kongress sowie Duma abgesegnet.
Das Chamälon sollte (und muss) eigentlich wissen, warum Israel aus seinem Nuklear-Gemeimnis kein öffentliches macht. Wieder einmal ein ganz dickes Minuszeichen für ihn. Wenn er denn schon so viel weiß, warum diskutiert er dann Israels militärstrategische Interessen nicht öffentlich?

Donnerstag, Dezember 03, 2009

Iran: Auch Gespenster können kommunizieren

Michael Ledeen, der bei Pajamas Media schreibt, fragt sich weiter unten, wie die Antwort des Westens auf die Tricksereien des Iran aussehen könnte. Die IAEA sabberte weiter und verkündete lauthals (Überraschung, Überraschung), dass der Iran nicht wirklich auf die starken Forderungen der Großmächte reagiert hatte. Nobelpreisträger El-Baradei, endlich auf seinen Ruhestand zusteuernd, verkündete großspurig, dass die Nachforschungen am „Dead End“ angekommen seien. Wer Baradeis Kumpanei mit dem iranischen Regime in der Vergangenheit richtig einzuschätzen weiß, wird zu einer ganz anderen Bewertung dieses „ehrlichen Maklers“ kommen.

Wie dem auch sei: Die Mullahs haben den Stinkefinger gezeigt, eine Ausweitung ihres Atomprogramms angekündigt und dazu auch die Zusammenarbeit mit Obama, die er in seiner „New Policy“ angekündigt hatte.


Was nun?


Ziemlich verwirrend das alles, nicht wahr? Da Michael Ledeen niemanden kennt, der das aufdröseln könnte, hat er einen Verblichenen um Aufklärung gebeten. Wenigstens einmal funktionierte das Hexenbrett und flugs war er mit seinem Lieblingsgeist von James Jesus Angleton verbunden (abgekürzt hier JJA), dem ehemaligen Chef der CIA-Auslandsaufklärung. (Michael Ledeen abgekürzt als Ml)
.

Angleton rechts im Bild

JJA: Eben zeigt sich, wie einfach Täuschung funktioniert, auch wenn die Fakten offensichtlich sind.


Ml:
Wie können Sie von Täuschung reden, wenn Sie die Fakten nicht kennen?


JJA: Das ist ja der Witz daran. Und manchmal sind sie so schlau in ihrer Täuschungsmasche, dass du selbst dann verlierst, wenn du gewinnst. Nimm’ zum Beispiel die Story mit dem Qom-Reaktor. Wie üblich war es ein geheimes Projekt. Wir haben es enttarnt. Dann - und das ist weitaus alarmierender, haben sie erkannt, dass wir Bescheid wussten, und sie sind damit an die Öffentlichkeit gegangen. So sind sie uns zuvorgekommen, haben es zuerst verkündet und uns dann „eingeladen“, nachzusehen - Wochen später. In der Zwischenzeit haben sie die verdammten Beweise aus dem Weg geschafft. Was wir dann vorfanden war eine abgetakelte Fabrik und ein Geheimnis: Wie konnten sie wissen, dass wir es wussten? Haben sie uns infiltriert? Oder einen unserer Verbündeten? Oder die IAEA?

Ml:
Wissen wir es jetzt?


JJA:
Können Sie vielleicht annehmen, aber ich bezweifle das. Unsere Gegenspionage ist nicht so besonders gut. Das FBI scheint schließlich mehr an israelischer Lobbyarbeit interessiert zu sein als an amerikanischen Jihadisten….


Ml: Jetzt sagen die Iraner, dass sie 10 weitere Reaktoren hochziehen wollen.


JJA: Klar, und nach unserem Kenntnisstand haben sie schon längst damit begonnen. Oder zumindest zum Teil. Oder überhaupt nicht. Haha, erzähl’ keinen Quatsch; es ist unmöglich zu sagen, wann sie wirklich eine richtige Erklärung abgeben.

Ml: Es hört sich an wie der bekannte Zauberspruch, nicht wahr? Man weiß genau, wenn er sagt, dass „ich jetzt das Kaninchen aus meinem Hut verschwinden lasse…“

JJA: Genau. Wenn er den ausspricht, ist das Kaninchen längst verschwunden. So, wie wenn die Mullahs ihre Ärmel umkrempeln, ihren Stab schwingen und sagen, dass „wir jetzt 10 Reaktoren aus dem Nichts hervorzaubern“ und sie wahrscheinlich einige davon schon haben.


Ml: Wie sieht also die Lösung aus? Was sollte Obama tun?

JJA:
Zuerst einmal damit aufhören, er hätte geglaubt, dass seine Entscheidung die Welt verändert hätte. Die Iraner scheren sich einen Dreck um den Namen des amerikanischen Präsidenten, seine „Gastgeschenke“ oder seine rhetorischen Talente. Sie wollen Amerika vernichten.


Ml: Und dann gibt es noch die Geschichte. Jeder amerikanische Präsident von Jimmy Carter bis zum heutigen Präsidenten hat versucht, ein Abkommen mit dem Iran zu erreichen, und er scheiterte.

JJA: Genau. Das ist eine logische Folgerung aus dem ersten Punkt. Bleibt nur noch zu sagen, dass die Franzosen, Briten und Deutschen einige Deals aushandeln wollten. Ein weiterer Fehlschlag.


Ml: Also - Ist Krieg unvermeidlich?


JJA: Er ist nicht nur unvermeidlich, er ist schon im Gange. Seit dreißig Jahren schon. Aber kein Präsident hat das je zugegeben. Irgendjemand muss den Fokus von den Raketen - wo sie uns jederzeit täuschen können - lenken auf den Krieg, von dem wir bereits eine Menge wissen und noch mehr erfahren könnten, wenn die Gegner des Regimes gesehen hätten, dass wir zurückschlagen.

Ml:
Wie?


JJA:
Die meisten Iraner, einschließlich der Funktionäre in der höchsten Führungsetage des Regimes, würden davon ausgehen, dass wir nicht besiegt werden könnten, wenn wir uns entschieden, zurückzuschlagen. Sie würden versuchen, uns zu helfen… manche haben das jetzt schon versucht.


Ml: Jene Abtrünnigen, die sich das Regime am wenigsten zurückwünscht.


JJA:
Richtig, und Sie können sicher sein, dass es weitere gibt im Iran, die den Israelis Informationen geben, die Franzosen, die Briten….


Ml: Nun zu uns. Ich traf einige von denen zuletzt 2001 und erhielt einige sehr wertvolle Informationen über iranische Aktivitäten in Afghanistan.


JJA:
Aber, wie ich schon sagte, die politischen Entscheider wollen davon nichts wissen. Sogar Tenet war verärgert.


Ml: Ja, aber er hat in seinem Buch jede Menge Unsinn darüber erfunden.


JJA:
Okay (das Hexenbrett verlor langsam seine Wirkung und Angletons Stimme verhallte), wenn Sie die Wahrheit nicht hören wollen….


Und weg war er. Ich bekam nicht einmal die Chance, ihn zu fragen, wie er sich unsere Möglichkeit vorstelle, zurückzuschlagen.


Bis dann also….

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Castollux hat das fiktive Interview aus dem Englischen ins Deutsche übertragen. Hier die Quelle.

Dienstag, Mai 26, 2009

El-Baradeis unrühmlicher Abgang und die Leiche im Keller

Lebenslügen haben zu allen Zeiten Hochkonjunktur; sie unterliegen nie Schwankungen

Abbildung: El-Baradei im vertrauten Tête-à-tête mit Laridschani. Klicken Sie auf das Bild (rechte Maustaste "Link in neuem Tab öffnen") und Sie werden sehen, wie "lustig" Laridschani sein kann, wenn er den Westen am Nasenring führt.

Mohamed El-Baradei, 66, Generaldirektor der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEA) und (Gott sei Dank) vermutlich im November 2009 nach seiner dritten Amtszeit aus dem Amt scheidend, zeigt im SPIEGEL-Gespräch [Englische Ausgabe] mit Dieter Bednarz und Nahost-„Spezialist“ Erich Follath, dass er mit dem ehemaligen iranischen Chefunterhändler und Holocaustleugner Ali Laridschani* in Sachen iranisches Atomprogramm zwei Charaktereigenschaften teilt - Trickserqualitäten und Farbenspiele eines Chamäleons.

Und er plant (leider) auch nach seinem Ausscheiden aus dem Amt eine aktive Rolle zu spielen, da „die atomare Bedrohung zu groß ist, als dass ich mich zurückziehen könnte“. Wer’s glaubt bekommt vom IAEA-Chef höchstpersönlich eine vergoldete Büroklammer geschenkt.

Kritische Selbstreflexion? Fehlanzeige!

Auf die SPIEGEL-Frage, ob er gescheitert sei, antwortet er im Brustton der Überzeugung eines eitlen Stutzers, der weiß, dass er alles richtig gemacht hat:
Ich habe viel erreicht [und]....alle anderen haben versagt
womit er die Internationale Gemeinschaft meint, die zugegebenermaßen und in selten naiver Einmütigkeit seiner Verharmlosungsstrategie gefolgt war und noch heute anhängt.


Dass er mit seinem politischen Zickzackkurs einen wesentlichen Beitrag dazu geleistet hat, dem Iran zum zügigen Ausbau seines Nuklearwaffenprogramm zu verhelfen, lässt er nicht gelten, denn....
Die Internationale Gemeinschaft hat unsere Warnungen ignoriert […], unsere Bemühungen, Nordkorea in konstruktive Abrüstungsverhandlungen einzubeziehen, scheiterten; […]; und die Vorbedingungen, die an Gespräche mit dem Iran geknüpft wurden, waren für das Regime unannehmbar.
Ja? Vorbedingungen auch für El-Baradei unannehmbar?

Dieser Eindruck musste sich während der letzten Jahre zumindest partiell aufdrängen.
Redet so der oberste Funktionär einer Behörde wie der IAEA, die eigentlich die international vorgegebene Aufgabe hatte, einer nach Atomwaffen strebenden Ajatollahkratur durch eine hartnäckige Überwachung der Vorgänge in Natanz, Arak, Isfahan und Buschehr die Daumenschrauben anzuziehen, Nordkorea jetzt einmal außen vor gelassen?

Wofür wurde der IAEA - und damit auch El-Baradei - 2005 der Nobelpreis verliehen? Eine der meist berechtigten Fragen überhaupt, wenn man sich das Geschacher der iranischen Delegation um Ali Laridschani und die freundschaftlichen Beziehungen des Baukran-Regimes zu El-Baradei vor Augen führt (Achtung: Schockierendes Video).

Den Rest des Interviews bitte hier weiterlesen, weil es für Kenner der Materie außer Selbstbeweihräucherung nichts substanziell Neues bringt und ich keinen Bedarf habe, Frau Amirpurs Aufmerksamkeit zu erhaschen, die Hängung als Fortschritt im Vergleich zu Steinigung apostrophiert hatte.


Doch nun zur Leiche im Keller

So viel vorweg: El-Baradeis Leiche lebt, auch wenn er sie besser hütet als die Queen ihre Kronjuwelen im Tower.

Ich will einen Vorgang ins Gedächtnis zurückrufen, der 2006 relativ kleine Wellen schlug, aber ob seiner Brisanz zu den Schlüsselsituationen, die El-Baradeis Vorgehen und seine Beweggründe, sich in der Frage der atomaren Aufrüstung des Iran eben genau so zu positionieren, wie er es tat, erhellenden Aufschluss gibt.

Bruno Schirra vom Cicero (Herzlichen Dank nachträglich!) hatte im Juli 2006 in seinem Artikel „Der Mann, der zuviel wusste“, eine beispiellose Sauerei aufgedeckt:


Chris Charlier, der Leiter des Inspektorenteams, das Irans Nuklearprogramm untersuchen sollte, war von El-Baradei kaltgestellt worden, weil der Iran es so gefordert hatte.

Doch schön der Reihe nach:

Als Charlier im April 2006 in Teheran ankam, um die Atomanlagen Teherans zu untersuchen, musste er folgende deprimierende Erfahrung machen:

Wo immer wir hingingen, was immer wir getan haben, sie waren immer hinter uns, haben uns mit Videokameras überwacht, jedes einzelne unserer Gespräche aufgenommen, uns keine Sekunde lang aus den Augen gelassen, uns immer über die Schulter geschaut. Wie zum Teufel sollen wir da vernünftig arbeiten können?
Wie reagierte sein Chef El-Baradei?

Als er - ebenfalls im April 2006 - zu Konsultationen nach Teheran fuhr, verlangte Ali Laridschani, sein direkter Gesprächspartner und Chefunterhändler des schiitischen Gottesstaates, ultimativ die Ablösung von Chris Charlier.
Und El-Baradei kam der Forderung bereitwillig nach.

Wie kann man dem Kussfreund Laridschani eine Bitte abschlagen? Dabei hatte Chris Charlier seit seiner ersten Visite in Teheran nichts anderes gesagt als dies:
Ich bin kein Politiker, ich bin Techniker, und als solcher interessiert mich bei meinen Inspektionen nur eines: Ist das Nuklearprogramm des Iran ein ziviles oder eine militärisches?
….und dass er zu folgender Erkenntnis gelangt sei:
Ich glaube, dass sie ihr Nuklearprogramm und ihre wahren Aktivitäten verstecken. Es ist sehr wahrscheinlich, dass Teheran auf dem nuklearen Feld Dinge betreibt, von denen wir bis heute keine Ahnung haben….
Halten wir also fest (O-Ton Bruno Schirra):
In unzähligen Vermerken und Arbeitsberichten hat Charlier die Ergebnisse seiner Inspektionen festgehalten, hat die Tricks und die Täuschungsmanöver der Teheraner Machthaber aufgelistet, hat recherchiert, was einen seiner Inspekteure in Wien zu einer einzigen Schlussfolgerung führt: "Selbstverständlich baut Teheran die Bombe, und Charlier hat die Puzzleteile zusammengetragen, die das belegen. Dafür zahlt er nun den Preis".
Wie ich oben schon angesprochen habe, war Wahrhaftigkeit und konsequente Anwendung wissenschaftlich-akribischer Untersuchung sowie deren Veröffentlichung nie das Steckenpferd El-Baradeis. Doch wenn Laridschani Blut geleckt hatte, dann richtig. Lassen wir also wieder den exzellenten Rechercheur und Journalisten Bruno Schirra zu Wort kommen:
Im Gespräch mit der "Welt am Sonntag" bestätigte Charlier, was europäische Diplomaten in Wien nur hinter vorgehaltener Hand erzählen. Bei seinem letzten Besuch in Teheran habe Mohammed El-Baradei nicht nur in die Ablösung seines Chefinspekteurs eingewilligt. Ali Laridschani, der engste Vertraute Ali Chameneis, des obersten geistlichen Führers Irans, bestand darüber hinaus darauf, es nicht bei der Entbindung Chris Charliers von seinen Aufgaben zu belassen. Künftig dürfe Charlier auch nicht mehr Einsicht in die iranische Atomakte in Wien nehmen.
Dass dem Chef der IAEA Kritik aus der eigenen Behörde am Allerwertesten vorbei ging (und heute noch geht), zeigt auch das verzweifelte Resümee eines Mitarbeiters der Zentrale in Wien:
Das ist eine Bankrotterklärung unserer Arbeit, sagt ein Wiener Atom-Inspekteur. Mohammed El-Baradei knickt den Mullahs gegenüber ein, lässt uns im Regen stehen. Warum lassen wir das iranische Atomprogramm nicht gleich durch Teheran selbst kontrollieren?
Die halbherzig hinterher geschobene „Erklärung“ eines IAEA-Adlanten El-Baradeis macht’s auch nicht besser, wenn er verlauten lässt, dass "es stimmt, dass Chris Charlier seit April dieses Jahres nicht mehr in den Iran fahren darf, […] Teheran hat seine Ablösung verlangt."

So etwas nenne ich Spitzendiplomatie. Wow!


Die Heuchelei der IAEA folgt auf dem Fuße in einem Gespräch mit der WELT-Redaktion:

Die Publikation gefährdet Chris Charlier und setzt darüber hinaus die `Arbeitsgrundlage` unserer Inspekteure aufs Spiel.
„Welche Arbeitsgrundlage?“, kontert Charlier völlig zu Recht:
Die ist allein dadurch aufs Spiel gesetzt worden, dass Mohammed El-Baradei ohne Not der Erpressung durch Teheran stattgegeben hat. De facto ist das das Ende einer halbwegs vernünftigen Kontrolle des iranischen Nuklearprogramms durch die IAEA.
Am 1. August 2005 [also 9 Monate vorher; Castollux] sprach der Bruder des iranischen Chefunterhändlers Ali Laridschani offen über die wahre Natur des iranischen Nuklearprogramms. Der iranischen Nachrichtenagentur ILNA gegenüber sagte er:
Der Atomwaffensperrvertrag ist tot. Der Streit zwischen dem Iran und dem Westen um das iranische Nuklearprogramm dreht sich nicht darum, ob der Iran den nuklearen Brennstoffkreislauf schließt. Der Streit geht darum, ob der Iran nukleare Waffen bauen darf oder nicht. Wir streiten uns mit den Europäern darüber, ob wir hochwertiges Uran anreichern dürfen oder nicht. Wenn unsere blutdürstigen Feinde wie Amerika und Israel uns bedrohen, dann haben wir das Recht, uns nuklear verteidigen zu dürfen, und wir sind nicht bereit dieses Recht aufzugeben.
El-Baradei, Bruder im Geiste Ali Laridschanis, hatte die Botschaft seiner islamischen Brüder verstanden. Er ließ Charlier in Wien Büroklammern zählen.

Leider kann man El-Baradei den Friedensnobelpreis nicht mehr aberkennen. Hat er mildernde Umstände verdient, weil er vielleicht, wie manch' radikalpazifistisch indifferente "Friedensfreunde" und antizionistische Besitzstandswahrer hierzulande, die Süddeutsche Zeitung liest?

Ach du lieber Himmel!

*Auch: Larijani. Ich habe aber die Schreibweise beibehalten, die ich in früheren Beiträgen gebrauchte.

Quelle:
SPIEGEL

Donnerstag, März 12, 2009

Obama ernennt El-Baradei zum US-Geheimdienstchef

Wie Castollux aus zuverlässiger Quelle erfahren hat, will Obama dem IAEA-Hausmeister El-Baradei zu einem ultimativen Karrieresprung verhelfen. Er soll Dennis Blair ablösen, den Chef der Nationalen US-Geheimdienste, der zuletzt immer wieder das wie geschmiert laufende Nuklearprogramm des Iran madig gemacht und steif und fest behauptet hatte, dass der Iran bis mindestens 2010 nicht in der Lage sei, die Bombe zu bauen. Dabei hatte die National Intelligence Estimate doch eine viel optimistischere Prognose abgegeben, als sie sich wieder einmal im Dezember 2007 zur alljährlichen Patience getroffen und den Stichtag 2015 für das ausgebrütete iranische Atomei angepeilt hatte.

El-Baradei genießt beim (übers Internet gewählten) US-Präsidenten, der selbst eine glänzende, 45 Jahre andauernde Karriere als außenpolitischer Sachverständiger vorweisen kann (Aufspüren von Verwandten in Kenia, Irland, China, in der Wüste Gobi und am Südpol), großes Vertrauen, da seine Voraussagen zum iranischen Rüstungsprogramm immer zugetroffen hatten, die Seherkugel immer blitzblank und sein Gänseblümchenabzählreim nicht zu toppen ist: „Sie liebt mich, sie liebt mich nicht, sie liebt mich, sie liebt mich nicht" usw.

50% Trefferquote. Beinahe unschlagbar.

Obama weiß solche Fähigkeiten zu schätzen, geht aber als Mann, der, wie wir alle wissen, schon 1962 die Kubakrise gemeistert und gut 100 Jahre zuvor die Sklaverei abgeschafft hatte, auf "Nummer Sicher", auch wenn El-Baradei mit seiner Prognose „Der Iran wird spätestens 2185 eine Atombombe haben“ ziemlich gut im Rennen liegt und das Spiel „Ein lästiger IAEA-Nörgler verschwindet immer spurlos“ perfekt beherrscht wie kein Zweiter - im vertrauensvollen Zusammenspiel mit der iranischen Führung. So auch, als man bisher erfolgreich allzu kritische Inspektoren ausgebootet hatte.

Pfiffiges Kerlchen, dieser „Bami“!

Er hat zur Absicherung und Assistenz - als El-Baradeis „Rechte Hand“ sozusagen - den Mann ausgesucht, der schon als Unterhändler des Iran in Sachen iranische Atomaufrüstung große Erfolge auf internationalem Parkett einheimsen konnte – Larifari Laridschani, auch Chamäleon genannt. In dem Job braucht man Nerven wie Drahtseile und muss auch mal unbequeme Dinge ansprechen. Was man nicht braucht: Ehrlichkeit, wie auch sonst recht selten in der großen Politik nachgefragt. Und da Larifari überdies ein Schöngeist ist (gelernter Philosoph und Kant-Verehrer), passt er sowieso besser in den Wilden Westen als in die muffige Umgebung der Mullahs.

Unlängst steckte er mir in einer schwachen Minute (El-Baradei war mittels Skype-Konferenz zugeschaltet und beschwerte sich natürlich gleich, weil ich ihn nicht nach seinen guten Beziehungen zu Ban ki-Moon befragt hatte), dass es ihm wahnsinnig auf den Senkel gegangen war, als Claus Peymann damals mit seiner Theatertruppe in Teheran aufkreuzte und eine noch miesere Stimmung verbreitete als sie vor seiner Ankunft sowieso bestand. Warum mussten sich diese Shakespeare zitierenden Feministinnen Kopftücher umbinden? Waschlappen!

So ganz nebenbei würde Obama auch Ahmadinejad einen großen Gefallen erweisen, wenn er einen seiner potentiellen Nachfolger aus dem Verkehr zieht, denn Khamenei soll auf „Achbinichfad“ sauer sein, weil dieser wieder die iranische Nationalbank beschissen hatte. Wenn das nur mal gut geht. Das kommt davon - jede Menge Baukräne zur Volksbelustigung bestellen und dann nicht sauber abrechnen.

Wo san mer denn?

Obama wäre nicht Obama, wenn er nicht noch eine weise Entscheidung in petto hätte: Ihn betrübt schon seit Bushs Zeiten, dass es mit dem Heimatschutzministerium nicht zum Besten bestellt ist, und er hat auch hier vorgesorgt. Mal’ richtig den Luschen Beine machen; geht ja nicht so weiter. Keine Disziplin, kein Anstand, nix. Also sofort die Graswurzler damit beauftragt, über's Internet den Omar zu erwischen. Sollen sie doch zeigen, dass der Wahlkampf keine virtuelle Eintagsfliege war und sie einen gemäßigten Taliban auftreiben, auch wenn so ein Exemplar nur in der Fantasie dieses Herrn und für ihn selbst existiert.

Für die Innere Sicherheit hat „Obarmer“ sich also den Paschtunen Mullah Omar aus Afghanistan ausgeguckt - jenen stolzen Kämpfer und Halsabschneider, der schon weiland mit Kara Ben Nemsi wertvolle Erfahrungen ausgetauscht hatte. Omar beratschlagt sich zurzeit mit den domestizierten Taliban aus der Provinz Absurdistan, die selbst nicht so genau wissen, was „gemäßigt“ heißt und wie man auf Obamas vernünftige Vorschläge antworten soll. Er mag zwar die Iraner nicht besonders („Jubelperser“) und verrichtet sein afghanisches "Aufbauprojekt" stets im Geheimen, wobei er jetzt geschickt seine Talibanchen im saudischen Riad auf den Busch klopfen lässt, wie weit wohl die Internationale Gemeinschaft gehen mag.

Aber in einem Punkt weiß er sich mit den Teheraner Tugendwächtern einig: No Mercy!

Mal sehen, was Obama sonst noch so alles einfällt, und wem außer Malte Lehming er sonst noch ein X für ein U vormachen kann. Auf El-Baradei und Larifari ist jedenfalls Verlass.