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Dienstag, Juli 23, 2013

Iranische Kontinuität: Das Schiiten-Regime liebt seine Christen-Dhimmis


Christliche Gebete "gefährden" die nationale Sicherheit im Iran:


Quelle: IDEA

Im Iran wurden dieser Tage acht Protestanten zu langjährigen Freiheitsstrafen verurteilt, die Mitte Oktober in der zentraliranischen Stadt Schiras beim Gebet in der Kirche verhaftet wurden. Ihnen wird vorgeworfen, die nationale Sicherheit gefährdet und Propaganda gegen die Staatssicherheit verbreitet zu haben. Der Nationalrat der Kirche Irans protestierte, die Anklagevorwürfe entbehrten jeder Grundlage. Auch sei die Kirche im Einklang mit dem Evangelium apolitisch.


Bildquelle: Jewish Journal 

Man werde weiterhin als loyale Bürger für die Führung der Islamischen Republik Iran beten und sich für Frieden und Versöhnung im Land einsetzen. Es wird die sofortige und bedingungslose Freilassung der Verurteilten gefordert.

Vom iranischen Regime werden immer wieder religiöse Minderheiten wie Christen verfolgt, weil sie angeblich eine Staatsbedrohung darstellen würden. Ein „Abfall vom Islam“, das Konvertieren zum Christentum, gilt im Land als Verbrechen, welches nach der Scharia mit der Todesstrafe geahndet wird.

Dienstag, Juni 18, 2013

Hassan Rohani: Wirklich moderat?


Es gehört zur schlechten deutschen Journalistentradition, manchen Klerikern im iranischen Gottesstaat Prädikate wie moderat, gemäßigt oder gar liberal zu verpassen, um einen scheinbaren Kontrast zu so genannten Konservativen wie Chamenei zu suggerieren. So auch im Fall des neu gewählten Präsidenten Rohani. Was man von solchen Vorschusslorbeeren zu halten hat, beschreibt der Politikwissenschaftler Matthias Küntzel mit seiner gewohnt sorgfältigen Analyse.

Hassan Rohani - ein Mann mit guten Beziehungen nach Berlin


Die iranische Bevölkerung hat Grund zu feiern: Der befürchtete Wahlbetrug fand nicht statt. Der Wahlsieg Rohanis zeigt, dass die Mehrheit mehr Freiheit will. Und: Die Tage Ahmadinejads sind gezählt.

Doch auch Revolutionsführer Ali Khamenei hat Grund zu feiern. Er wollte dreierlei erreichen: keine Aufruhr, eine hohe Wahlbeteiligung und ein Kandidat, auf dessen Loyalität er sich hundertprozentig verlassen kann. Er hat dies erreicht. Die Unterdrückten ließen Dampf ab, das System wurde stabilisiert.

Mit Hassan Rohani wird ein zuverlässiger Verfechter des Gottesstaates Präsident. Nach eigener Darstellung hat der 1948 geborene bereits als 17-jähriger an der Seite Ruhollah Khomeinis gekämpft. Seit 1965 mehrfach verhaftet, verließ er 1977 das Land und bereitete später gemeinsam mit Khomeini dessen Rückkehr von Paris nach Teheran vor.[1]
Von 1989 bis 2005 leitete er den Nationalen Sicherheitsrats (NSR) des Iran. Nach dem Wahlsieg Ahmadinejds verlor er diese Position, blieb aber als persönlicher Vertreter von Revolutionsführer Khamenei Mitglied im NSR.

In einem wesentlichen Punkt teilt Rohani die Besessenheit seines Vorgängers Ahmadinejad nicht. Während sich dieser der Wahnidee von der Wiederankunft des „Zwölften Imams“ auslieferte und es als seine größte Aufgabe bezeichnete, günstige Umstände für die Ankunft des schiitischen Messias zu schaffen, sind Rohani derartige Wahnvorstellungen fremd. Schon 2008 mokierte er sich über die abergläubischen Vorstellungen der Kabinettsmitglieder um Ahmadinejad: „Wenn sie ein Gebet verrichten, breiten sie vor sich auch einen leeren Gebetsteppich für den Verborgenen Imam aus, oder sie stellen für ihn einen gefüllten Teller auf das Speisetuch, oder sie erklären, man solle irgendeine wichtige Sitzung auf den Freitag verlegen, damit sie ihre Beschlüsse im Beisein des Erlösers fassen können.“[2]

Dieser Unterschied zwischen Rohani und Ahmadinejad ist nicht unwesentlich. Doch heißt das, dass auch in der Frage des Atomkonflikts und des Terrorismus „ein neues Kapitel beginnen (kann)“, wie die Süddeutsche Zeitung schreibt?[3] Noch wissen wir dies nicht. Doch sind Einzelheiten über Rohanis Besuche in Deutschland bekannt – Einzelheiten, die erste Prognosen erlauben.

Rohani und die Mykonos-Morde

Im April 1993 empfingen Außenminister Klaus Kinkel und Bundeskanzler Helmut Kohl Hassan Rohani in Bonn. Es war ein Besuch von hoher Brisanz, hatten doch iranische Agenten nur wenige Monate zuvor das Restaurant Mykonos in Berlin-Wilmersdorf gestürmt und drei hochrangige Vertreter der iranischen Kurden und deren Dolmetscher ermordet.
Offiziell war Rohani vom Deutschen Bundestag in seiner Funktion als Vizepräsident des iranischen Parlaments eingeladen. „Tatsächlich war er als Sekretär des Obersten Nationalen Sicherheitsrates auch einer der Hauptverantwortlichen des iranischen Terrors und ein mutmaßlicher Drahtzieher der Mykonos-Morde“, heißt es in einer Doktorarbeit, die sich mit der Mykonos-Affäre befasst. Exiliraner in Deutschland hatten damals öffentlich behauptet, Rohani sei „am Beschluss zur Durchführung des jüngsten Anschlags … persönlich beteiligt“ gewesen.“[4]

Natürlich spielte dieses Attentat in Rohanis Gesprächen mit Kinkel eine zentrale Rolle. „Beide Dialogpartner ließen durchblicken: Bonn und Teheran wollten die Mykonos-Affäre Schulter an Schulter durchstehen.“[5]

Die Mykonos-Morde waren nicht die einzigen Terrorakte, die die islamische Republik im Ausland durchführen ließ – Terrorakte, für die Hassan Rohani als NSR-Sekretär eine Mitverantwortung trug. Doch auch beim Terror nach innen war Rohani engagiert – zum Beispiel bei der Zerschlagung der Studentenbewegung im Sommer 1999.

„Gestern erhielten wir den maßgeblichen revolutionären Auftrag, jede Bewegung dieser opportunistischen Elemente, wo immer sie auftritt, ebenso gnadenlos wie monumental zu zerschlagen“, rief Rohani im Juli 1999 den Teilnehmern einer regimefreundlichen Kundgebung zu. „Von heute an soll unser Volk erleben, … wie wir mit diesen … Elementen umgehen, wenn sie es auch nur wagen, ihre Gesichter zu zeigen.“ Im Anschluss an diese Kundgebung stürmten die Sicherheitskräfte die Studentenunterkünfte; zahllose Studierende wurden verhaftet, viele gefoltert, einige ermordet.[6]

2009 war Rohani an der blutigen Zerschlagung der Demokratiebewegung zwar nicht beteiligt, doch er schwieg. Nie hat er sich mit den damaligen Präsidentschaftskandidaten Mir Hossein Moussavi und Mehdi Karroubi solidarisiert. Erst im Wahlkampf setzte sich Rohanis für die Freilassung der politischen Gefangenen ein. Ob dies lediglich der Wählermobilisierung dienen sollte oder ernst gemeint war, wird sich zeigen.

Rohani und Israel

Zum Abschluss seines fünftägigen Besuchs von 1993 erklärte Rohani gegenüber den Pressevertretern in Bonn, dass „die USA und das zionistische Regime die Haupturheber der gegen den Iran gerichteten Propaganda (seien).“[7]

Diese Neigung zur antisemitischen Verschwörungstheorie scheint auch zwanzig Jahre später noch sein Weltbild zu prägen. Dies belegt ein Interview, dass Rohani unmittelbar vor seiner Wahl der in London erscheinenden Zeitschrift al-Sharq al-Awsat gab. Israel, behauptet er hier in aller Ernsthaftigkeit, habe die Debatte um das iranische Atomprogramm „angeheizt und angeleitet …, um die internationale Aufmerksamkeit nicht nur von seinem eigenen heimlichen und gefährlichen Atomwaffenprogramm sondern auch von seiner destabilisierenden und unmenschlichen Politik und Praxis in Palästina und im Nahen Osten abzulenken.“ Bedauerlicherweise habe sich der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen diskreditiert, „als er es den USA erlaubte, dieses kontraproduktive israelische Programm durchzusetzen.“[8]

Aus seinem Hass auf Israel leitet sich auch Rohanis Haltung zum Assad-Regime ab: Syrien sei „das einzige Land in der Region geblieben, das der expansionistischen Politik Israels und dessen Praktiken widersteht.“[9] Natürlich werde der Iran auch weiterhin „die palästinensische Sache aus vollem Herzen unterstützten“. Eine Lösung der Palästina-Krise sei aber nur dann möglich, „wenn die Rechte des palästinensischen Volkes vollständig wiederhergestellt und dessen nationale Aspirationen verwirklicht“ seien. Full restauration of the rights of the Palestinian people klingt natürlich freundlicher als wipe Israel from the map. Gemeint ist aber das Gleiche.

Rohani und das Atomwaffenprogramm

Anfang 2003 verfügte die IAEA erstmals über Beweise, dass Teheran den Atomwaffensperrvertrag in verschiedener Hinsicht gebrochen hatte. Eine Überweisung der Iran-Akte an den UN-Sicherheitsrat stand bevor. Um dies – und die damit drohenden Sanktionen – zu verhindern, erklärte sich Hassan Rohani als iranischer Verhandlungsführer im Atomkonflikt zu einem Bauernopfer bereit: Er rief Jack Straw, den Außenminister Großbritanniens, Dominique de Villepin, den Außenminister Frankreichs sowie Joschka Fischer, den deutschen Außenminister nach Teheran und ließ sie mit Zustimmung des Revolutionsführers die sogenannte „Erklärung von Teheran“ unterschreiben. Darin versprach die iranische Führung, ihre Aktivitäten zur Urananreicherung vorübergehend zu suspendieren und das IAEA-Zusatzprotokoll über strengere Kontrollen zu unterschreiben. Im Gegenzug blockierten die Europäer die Einschaltung des Sicherheitsrats und erkannten das Recht des Iran auf friedliche Verwendung der Atomenergie an.

Vordergründig sah es so aus, als habe der Iran unter der Führung Rohanis ein Zugeständnis gemacht. Eben dies warfen ihm seine Kontrahenten während der jüngsten Wahlauseinandersetzungen auch vor. Rohani konterte diesen Vorwurf, indem damit prahlte, wie gut es ihm gelungen sei, die Staatengemeinschaft zu täuschen und das Atomprogramm heimlich voranzutreiben.

In der Tat hatte sich Rohani schon zwei Tage nach der Unterzeichnung der „Erklärung von Teheran“ über die Naivität der Europäer lustig gemacht. Er erklärte, dass man gar nicht daran denke, das unterschriebene Zusatzprotokoll in Kraft zu setzen. Vergnügt fügte er hinzu, dass auch für die Suspendierung der Urananreicherung kein Zeitlimit vereinbart worden sei, sodass sie „nicht einmal einen Monat dauern brauche.“[10]

Später wurde Rohani noch direkter. Um die Überweisung der Iran-Akte an den UN-Sicherheitsrat zu verhindern, habe man die Europäer überlisten und den Abbruch der Atomarbeiten vortäuschen müssen, erklärte er nun. In Wirklichkeit habe man den Stopp an der einen Baustelle durch umso intensivere Arbeiten an einer anderen Baustelle kompensiert: „Dadurch, dass wir die Situation [mit dem Teheraner Protokoll] beruhigten, waren wir in der Lage, die Arbeiten [an der Uran-Konversionsanlage] in Isfahan abzuschließen.“[11]

Hier haben wir es mit einem Verhandlungsmuster zu tun, dessen Anwendung auch bei zukünftigen Atomgesprächen zu erwarten ist. Beim Schach spricht man von Gambit, wenn es darum geht, durch ein kleines Opfer einen sehr viel gewichtigeren Vorteil herauszuholen. Bei seiner Begegnung mit Joschka Fischer und dessen Kollegen hatte Rohani hervorragend Schach gespielt. Während die eigenen „Zugeständnisse“ keinen wirklichen Wert darstellten, da man sie nach Belieben wieder rückgängig machen konnte, fungierten die Verhandlungen als Kulisse, hinter der das iranische Atomprogramm da, wo es am nötigsten war, vorangebracht werden konnte. Gleichzeitig wurde Europa gegen die USA ausgespielt: „“Europa stand an der Seite des Irans“, betonte Rohani, „als die USA darauf bestanden, das Iran-Dossier an den Sicherheitsrat zu überweisen.“[12]

Rohani will die internationale Gemeinschaft spalten

„Rohanis moderate Stimme könnte dazu dienen, die internationale Gemeinschaft zu spalten“, warnt das Wall Street Journal zu Recht.[13] Als Rohani am 19. September 2007 auf Einladung der Körber-Stiftung nach Berlin kam, nahm er nicht nur an deren Veranstaltung teil, sondern sprach auch mit Vertretern der Bundesregierung.[14]

Das Erstaunliche an dieser Reise war, dass sie während der Ära Ahmadinejad stattfand, dessen taktischer Umgang mit dem Nukleardossier sich von Rohanis Diplomatie deutlich unterschied. Doch es war der Revolutionsführer selbst, der Rohani nach Berlin entsandte, was die Gruppe um Ahmadinejad zu wütenden, jedoch erfolglosen Protesten veranlasste.

Wir sehen: Obwohl der Revolutionsführer immer wieder Partei für Ahmadinejad ergriff, suchte er gleichzeitig die diplomatische Cleverness seines langjährigen Vertrauten Hassan Rohani zu nutzen. Dies zeigt, dass Rohani außenpolitisch ein Mann Khameneis war und ist. Wir können davon ausgehen, dass der Revolutionsführer das Risiko einer Präsidentschaft Rohanis auch heute für gut beherrschbar hält.

Die Episode von 2007 zeugt zudem von dem Interesse und von dem Potential Rohanis, Deutschland im Atomstreit gegen andere westliche Mächte auszuspielen. So bestand der Zweck seiner Reise darin, mithilfe einer Einflussnahme auf die Bundesrepublik die Verabschiedung einer weiteren Sanktionsresolution im UN-Sicherheitsrat zu verhindern.[15] Ob es nun auf die Einflussnahme Rohanis zurückzuführen war oder nicht: Tatsache ist, dass sich die fünf Vetomächte des Sicherheitsrats und Deutschlands am 27. September 2007 auch aufgrund der deutschen Positionierung auf einen gemeinsamen neuen Sanktionsvorschlag nicht hatten einigen können. „Im Atomstreit mit Iran läuft der europäische Verbündete Deutschland von der Fahne“, kommentierte damals die FAZ.[16]

Und heute? Der Westen hungert förmlich nach guten Nachrichten aus dem Iran. Was kann es da Schöneres geben, als einen lächelnden Mullah, der über Mäßigung im Atomstreit spricht? In Wirklichkeit ist die Erwartung, dass ausgerechnet Rohani, einer der Väter des iranischen Atomprogramms, den Atomstreit mit dem Westen beenden könne, „völlig unbegründet“, konstatiert die Neue Zürcher Zeitung.[17] Rohani wird mit gleicher Vehemenz wie Ahmadinejad, jedoch mit größerer Intelligenz und mit einem besserem Gespür für die Möglichkeiten, das westliche Lager auseinander zu dividieren, für die vollständige Realisierung der iranischen nuklearen Option kämpfen.

Die Zeichen stehen also auch in Zukunft auf Sturm. Mahmoud Ahmadinejad hatte das iranische Atomprogramm mit einem rasenden Zug ohne Bremsen verglichen. Wenn Rohani nunmehr ankündigt, das Verhältnis zum Westen und zur Welt verbessern zu wollen, wird er jene Bremsen zwar mit einbauen und bei Bedarf sogar nutzen – ansonsten wird er die Fahrt auf denselben Schienen und in dieselbe Richtung fortsetzen. Vermutlich wird er hierbei Gesprächspartner finden, die sich nur allzu gern hereinlegen und mit Hilfe neuer Gambits besiegen lassen. Schon heute ruft die Frankfurter Allgemeine zur „Lockerung der Sanktionen“ auf – natürlich nur, um Rohani im „Kampf“ gegen dessen konservative Umgebung zu stärken.[18]


[1] So referiert die englischsprachige Wikipedia-Plattform Rohanis Autobiographie.
[2] Zit. nach Amir Hassan Cheheltan, Warten auf den Verborgenen Imam, in: Frankfurter Allgemeine, 12. März 2008.
[3] Rudolph Chimelli, Hoffnung in Teheran, in: Süddeutsche Zeitung, 16. Juni 2013.
[4] Norbert Siegmund, Der Mykonos-Prozess, Münster 2001, S. 124
[5] Siegmund, a.a.O., S. 128.
[6] Sohrab Ahmari, Behind Iran’s ,Moderate’ New Leader. Hassan Rohani unleashed attacks on pro-democracy student protesters in 1999, in: Wall Street Journal, June 16, 2013.
[7] Archiv der Gegenwart, 30. April 1993, S. 37870.
[8] Ali. M. Pedram, In conversation with Hassan Rouhani, in: al-Sharq al-Awsat, June 13, 2013. http://en-maktoob.news.yahoo.com/conversation-hassan-rouhani-182743986.html
[9] Ebd.
[10] Elaine Sciolino, A Change of Heart in Tehran? Is It Time to Talk?, in: New York Times, 29. Oktober 2003.
[11] Elaine Sciolino, Showdown at U.N.? Iran Seems Calm, in: New York Times, March 14, 2006.
[12] Secretary of Iran’s Supreme National Security Council, Hassan Rohani: The World Must Accept Iran’s Membership in the World Nuclear Club, in: MEMRI, Special Dispatch Series – No. 678, March 11, 2004.
[13] Jay Solomon and Farnaz Fassihi, West to Press Iran on Nukes, in: Wall Street Journal, June 16, 2013.
[14] http://www.koerber-stiftung.de/internationale-politik/politische-fruehstuecke/hintergrundgespraeche/2007/19092007.html
[15] Y. Mansharof and A. Savyon, Signs of a Possible Rift in the Iranian Leadership on the Nuclear Issue, in: MEMRI, Inquiry and Analysis Series – No. 391, September 20, 2007.
[16] Matthias Rüb, Im irakischen Treibsand, in: FAZ, 1. November 2007.
[17] Andreas Rüesch, Ein Ventil für Irans Theokratie, in: Neue Zürcher Zeitung, 16. Juni 2013.
[18] Rainer Hermann, Eine Chance für Iran, in: Frankfurter Allgemeine, 17. Juni 2013.

Samstag, Juli 07, 2012

Matthias Küntzel nimmt Michael Lüders Iran-Analyse auseinander


Ja, es stimmt:

Mit meinem Kommentar zur neuesten Buchbesprechung von Dr. Matthias Küntzel (Im Bild rechts, Quelle: Mideastforum) des von Michael Lüders’ als „wissenschaftlicher Arbeit“ deklariertem Ammenmärchens zum Konflikt mit dem Iran bin ich vier Tage zu spät dran. Erschienen ist Küntzels Rezension am 3. Juli auf seiner Webseite.

Aber es lohnt sich allemal, Matthias' Zeilen zu lesen, weil sie exzellent durchdacht und sehr gut verständlich sind. Eigentlich sollte man den Permalink (oben) bookmarken.

Dieser Politikwissenschaftler, Publizist und Iran-Kenner zeichnet sich durch Eigenschaften aus, die ihn von etlichen Kollegen unterscheiden: saubere, fast penible Herangehensweise an wissenschaftliche Themata, wohltuende Sachlichkeit, sehr gewissenhafte Recherche, klares Urteilsvermögen und eine verständliche Sprache, fein gewürzt mit gelegentlich eingestreuter Ironie; vor allen Dingen aber durch profunde Kenntnisse, was die (gesellschafts-) politische und religiöse Verfasstheit des Iran betrifft*.

Nun hat er sich [besten Dank dafür] Michael Lüders vorgenommen - einen mehr als umstrittenen Roman- und Sachbuchautor, der in seinem Œuvre grundsätzlich keine Quellen benennt [so Küntzel]. Zum Vergleich: Castollux, der Autor dieses Artikels, zitierte in seiner Magisterarbeit „Die radikale Reformation. Täufer in Augsburg und Münster“ 204 Quellen.
 
Michael Lüders, links im Bild; man beachte sein joviales Grinsen (Quelle: Deutsche Welle)

Für einen allseits gefragten TV- und Tageszeitungen-Interviewpartner wie Lüders in Deutschland (wer und wo sonst?), der mittlerweile, obwohl er sich seine Welt zusammenstrickt wie die Radikalpazifisten ihre regenbogenfarbenen Schals und Pullover, von den Öffentlich-Rechtlichen und Privaten ebenso hofiert wird wie Peter Scholl-Latour, dessen mediale Präsenz in letzter Zeit aber eher gegen Zero tendiert, müsste das mehr als peinlich sein. Ist es aber nicht.

Also: Eine Wachablösung in den Medien, was die Personalfrage betrifft? Und warum wird Lüders immer wieder lau angeboten wie ein Stück Pizza Margherita, obwohl er von sauberer wissenschaftlicher Arbeit nichts versteht oder diese Arbeitsweise schlicht ignoriert? Er tritt ja nicht als Journalist auf, sondern als "Fachmann"! Haben wir zu wenig unabhängige und gute Journalisten, die "beide Seiten" interpretieren können?

Ja, leider!

Eigentlich kann es nicht überraschen, dass Michael Lüders bei nahezu allen Medien so gut “ankommt“: Er formuliert, oder besser gesagt, schwadroniert relativ unterhaltsam (Antisemiten schwadronieren gerne) -; also ganz so, wie man sich einen Guido Knopp vorstellt, der seit Jahren zeitgeschichtliche Dokumentationen für Couch-Potatoes** am Fließband herstellt und damit eher für passive Konsumentenhaltung sorgt denn für aktives Mitdenken, von aktiver gesellschaftspolitischer Beteiligung ganz zu schweigen.

Doch nun genug des Prologs. Hier geht’s zur exzellenten Rezension von Matthias Küntzel.  

Herzlichen Dank an ihn



============
*Dazu hätte noch einige andere Autoren nennen können, wie z.B. Dr. Wahied Wahdat-Hagh, Dr. Stephan Grigat, Dr. Gudrun Eussner, die Webseite Free Iran Now u.a. Weitere Autoren sowie viele Blogs und manche Freie Autoren wie Simone Dinah-Hartmann bitte ich um Verständnis, da ich keine ausführliche Liste anfertigen will und hier allein Matthias Küntzels neueste Arbeit hervorgehoben werden soll.

**Das ist selbstverständlich nicht verallgemeinernd gemeint: Viele Menschen kommen aufgrund diverser beruflicher und privater Verpflichtungen einfach nicht dazu, sich besser zu informieren, geschweige denn selbst initiativ zu werden oder zu positionieren.


Sonntag, Juni 13, 2010

Kommentar zum Iran: Der Freiheitskampf geht weiter!

Gestern jährte sich zum ersten Mal, dass die Herrschaft eines brutalen Regimes im Iran (Persien), das seit 1979 alle Perser knechtet und mit Tod bedroht, mit allen Mitteln der Täuschung, Manipulation und Gewaltanwendung (vorläufig) vor der Weltöffentlichkeit zemetiert wurde.

Hunderttausende Freiheitsliebende demonstrierten daraufhin mehrere Monate im ganzen Land. Viele wurden niedergeknüppelt, eingesperrt, gefoltert und ermordet. Noch jetzt sitzen viele Demonstranten im Gefängnis.

Die Empörung der Freien Welt beschränkte sich bis zum heutigen Tag auf verharmlosende "intellektuelle" Grenzziehungen und betuliche Beschwichtigungsformeln: Man müsse weiterhin im Gespräch bleiben, so die Vorgabe des US-Präsidenten Obama, der sich mehr an seine Kairoer Ergebenheitsadresse an die islamische Welt hielt, statt Realpolitik zu betreiben - und so auch im Schlepptau die westlichen Alliierten, die bis heute noch keinen glaubwürdigen Schulterschluss in Sachen "Verschärfte Sanktionen" gegen den Iran gefunden haben.

Zufall?

Nein!


Meine Freunde aus dem Exil, verbündete Blogs und wir (Free Iran Now!) haben die Entwicklung bis heute sehr aufmerksam verfolgt und sehr akkurat dokumentiert (was wir auch weiterhin tun werden).

Wir wurden immer wieder mit niederschmetternden Ergebnissen konfrontiert:


1) Einer Hasspropaganda gegen unsere Freunde aus dem Exil, unsere verbündeten Blogs und gegen uns selbst.

2) Einer wütend und hysterisch ausfallenden Reaktion vieler Linker auf unsere Forderung nach einem freien und säkular ausgerichteten Staat Iran (Persien). Haben Linke etwas gegen Freiheit und Trennung von Staat und Religion?

3) Einer erschreckenden Gleichgültigkeit in den "etablierten" Medien. Bis heute wird dort meistens noch der Eindruck erweckt, als handele es sich bei den Verbrechen im Iran um ein vorübergehendes singuläres Ereignis, das man vielleicht heute schon relativieren und in einen Zustand der Bedeutungslosigkeit herunterschreiben könne.

4) Der bis heute anhaltenden Verschleppungstaktik der IAEA, den USA und der Freien Welt, Chinas und Russlands, wirklich harte und einschneidende Sanktionen gegen das Atomwaffenprogramm des iranischen Mörderregimes zu verhängen.

5) Dem Versuch einer heimtückischen Gleichstellung von außen, zwischen uns, die die Freiheitsbewegung bedingungslos unterstützen, und denen, die eine "Islamische Republik Light" haben wollen, einen Zusammenhang herzustellen. Keiner von uns und niemand unserer Unterstützer will, dass mit Mördern wie Karroubi und Moussawi, die sich als Reformer gerieren, ein Neuanfang gestartet wird. Dann wären alle Bemühungen umsonst gewesen.

6) Einer zunehmenden Interesselosigkeit, je mehr sich der 12. Juni 2009 vom heutigen Tag entfernt. Als Nicht-Iraner, der sich hauptsächlich mit der Entwicklung des Nahost-Konflikts befasst, kann ich das sogar irgendwie nachvollziehen. Aber warum dieses Splitting beim Hinsehen? Warum schaut man bei Nahost hin und beim Iran weniger?

Meine Besorgnis:

Ich vermute, dass manche Unterstützer Israels den Zusammenhang zwischen der inneriranischen Entwicklung und dem Fortgang im Nahost-Konflikt nicht richtig gewichten bzw. falsch einschätzen: Sie glauben, dass diese beiden Paradigmenfelder relativ wenig miteinander zu tun hätten. Zwar wissen sie, dass der Iran die Terrororganisationen Hisbollah und Hamas unterstützt, verkennen oder unterschätzen gleichzeitig aber, wie sehr sich die innenpolitische Entwicklung im Iran auf ein zukünftiges Szenario in Nahost auswirken könnte. Es gilt also für alle Freunde Israels, drei Brennpunkte gleichzeitig im Auge zu behalten - Teheran, Gaza City und Ramallah.

Schlussbemerkung:


Wir realisieren, dass die Freiheitsbewegung ins Stocken geraten ist, sind also keine Träumer. Und wir wissen deshalb, dass noch eine Menge Wegstrecke vor uns liegt. Umso wichtiger, dass wir durchhalten, nicht verzagen oder müde werden. Das sind wir den Menschen im Iran schuldig.

Es gibt Bilder wie die aus den ersten Tagen der Freiheitsdemonstrationen nach dem 12. Juni 2009, die sich für immer in unseren Köpfen und in unserem Gewissen eingegraben haben. Wer ein lebendiges und warmes Herz in seiner Brust schlagen spürt, darf nicht aufhören, die iranische Freiheitsbewegung zu lieben und zu unterstützen.


Im März dieses Jahres haben Free Iran-Autoren in Zusammenarbeit mit Freunden ein Buch herausgegeben, das die Freiheitsbewegung im Iran dokumentiert. Diese Freiheitsbewegung hat sozusagen eine ISBN-Nummer, so tragisch das auch klingen mag. Weitere Bücher könnten folgen, müssen aber nicht, wenn unser Weg zu einem erfolgreichen Ziel führt. Wir würden gerne über positivere Dinge schreiben.

Freiheit für den Iran!
Weg mit dem Mullah-Regime!
Weg mit Ahmadinejad!

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Crosslinking mit Free Iran Now!

Donnerstag, Dezember 03, 2009

Iran: Auch Gespenster können kommunizieren

Michael Ledeen, der bei Pajamas Media schreibt, fragt sich weiter unten, wie die Antwort des Westens auf die Tricksereien des Iran aussehen könnte. Die IAEA sabberte weiter und verkündete lauthals (Überraschung, Überraschung), dass der Iran nicht wirklich auf die starken Forderungen der Großmächte reagiert hatte. Nobelpreisträger El-Baradei, endlich auf seinen Ruhestand zusteuernd, verkündete großspurig, dass die Nachforschungen am „Dead End“ angekommen seien. Wer Baradeis Kumpanei mit dem iranischen Regime in der Vergangenheit richtig einzuschätzen weiß, wird zu einer ganz anderen Bewertung dieses „ehrlichen Maklers“ kommen.

Wie dem auch sei: Die Mullahs haben den Stinkefinger gezeigt, eine Ausweitung ihres Atomprogramms angekündigt und dazu auch die Zusammenarbeit mit Obama, die er in seiner „New Policy“ angekündigt hatte.


Was nun?


Ziemlich verwirrend das alles, nicht wahr? Da Michael Ledeen niemanden kennt, der das aufdröseln könnte, hat er einen Verblichenen um Aufklärung gebeten. Wenigstens einmal funktionierte das Hexenbrett und flugs war er mit seinem Lieblingsgeist von James Jesus Angleton verbunden (abgekürzt hier JJA), dem ehemaligen Chef der CIA-Auslandsaufklärung. (Michael Ledeen abgekürzt als Ml)
.

Angleton rechts im Bild

JJA: Eben zeigt sich, wie einfach Täuschung funktioniert, auch wenn die Fakten offensichtlich sind.


Ml:
Wie können Sie von Täuschung reden, wenn Sie die Fakten nicht kennen?


JJA: Das ist ja der Witz daran. Und manchmal sind sie so schlau in ihrer Täuschungsmasche, dass du selbst dann verlierst, wenn du gewinnst. Nimm’ zum Beispiel die Story mit dem Qom-Reaktor. Wie üblich war es ein geheimes Projekt. Wir haben es enttarnt. Dann - und das ist weitaus alarmierender, haben sie erkannt, dass wir Bescheid wussten, und sie sind damit an die Öffentlichkeit gegangen. So sind sie uns zuvorgekommen, haben es zuerst verkündet und uns dann „eingeladen“, nachzusehen - Wochen später. In der Zwischenzeit haben sie die verdammten Beweise aus dem Weg geschafft. Was wir dann vorfanden war eine abgetakelte Fabrik und ein Geheimnis: Wie konnten sie wissen, dass wir es wussten? Haben sie uns infiltriert? Oder einen unserer Verbündeten? Oder die IAEA?

Ml:
Wissen wir es jetzt?


JJA:
Können Sie vielleicht annehmen, aber ich bezweifle das. Unsere Gegenspionage ist nicht so besonders gut. Das FBI scheint schließlich mehr an israelischer Lobbyarbeit interessiert zu sein als an amerikanischen Jihadisten….


Ml: Jetzt sagen die Iraner, dass sie 10 weitere Reaktoren hochziehen wollen.


JJA: Klar, und nach unserem Kenntnisstand haben sie schon längst damit begonnen. Oder zumindest zum Teil. Oder überhaupt nicht. Haha, erzähl’ keinen Quatsch; es ist unmöglich zu sagen, wann sie wirklich eine richtige Erklärung abgeben.

Ml: Es hört sich an wie der bekannte Zauberspruch, nicht wahr? Man weiß genau, wenn er sagt, dass „ich jetzt das Kaninchen aus meinem Hut verschwinden lasse…“

JJA: Genau. Wenn er den ausspricht, ist das Kaninchen längst verschwunden. So, wie wenn die Mullahs ihre Ärmel umkrempeln, ihren Stab schwingen und sagen, dass „wir jetzt 10 Reaktoren aus dem Nichts hervorzaubern“ und sie wahrscheinlich einige davon schon haben.


Ml: Wie sieht also die Lösung aus? Was sollte Obama tun?

JJA:
Zuerst einmal damit aufhören, er hätte geglaubt, dass seine Entscheidung die Welt verändert hätte. Die Iraner scheren sich einen Dreck um den Namen des amerikanischen Präsidenten, seine „Gastgeschenke“ oder seine rhetorischen Talente. Sie wollen Amerika vernichten.


Ml: Und dann gibt es noch die Geschichte. Jeder amerikanische Präsident von Jimmy Carter bis zum heutigen Präsidenten hat versucht, ein Abkommen mit dem Iran zu erreichen, und er scheiterte.

JJA: Genau. Das ist eine logische Folgerung aus dem ersten Punkt. Bleibt nur noch zu sagen, dass die Franzosen, Briten und Deutschen einige Deals aushandeln wollten. Ein weiterer Fehlschlag.


Ml: Also - Ist Krieg unvermeidlich?


JJA: Er ist nicht nur unvermeidlich, er ist schon im Gange. Seit dreißig Jahren schon. Aber kein Präsident hat das je zugegeben. Irgendjemand muss den Fokus von den Raketen - wo sie uns jederzeit täuschen können - lenken auf den Krieg, von dem wir bereits eine Menge wissen und noch mehr erfahren könnten, wenn die Gegner des Regimes gesehen hätten, dass wir zurückschlagen.

Ml:
Wie?


JJA:
Die meisten Iraner, einschließlich der Funktionäre in der höchsten Führungsetage des Regimes, würden davon ausgehen, dass wir nicht besiegt werden könnten, wenn wir uns entschieden, zurückzuschlagen. Sie würden versuchen, uns zu helfen… manche haben das jetzt schon versucht.


Ml: Jene Abtrünnigen, die sich das Regime am wenigsten zurückwünscht.


JJA:
Richtig, und Sie können sicher sein, dass es weitere gibt im Iran, die den Israelis Informationen geben, die Franzosen, die Briten….


Ml: Nun zu uns. Ich traf einige von denen zuletzt 2001 und erhielt einige sehr wertvolle Informationen über iranische Aktivitäten in Afghanistan.


JJA:
Aber, wie ich schon sagte, die politischen Entscheider wollen davon nichts wissen. Sogar Tenet war verärgert.


Ml: Ja, aber er hat in seinem Buch jede Menge Unsinn darüber erfunden.


JJA:
Okay (das Hexenbrett verlor langsam seine Wirkung und Angletons Stimme verhallte), wenn Sie die Wahrheit nicht hören wollen….


Und weg war er. Ich bekam nicht einmal die Chance, ihn zu fragen, wie er sich unsere Möglichkeit vorstelle, zurückzuschlagen.


Bis dann also….

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Castollux hat das fiktive Interview aus dem Englischen ins Deutsche übertragen. Hier die Quelle.

Sonntag, Oktober 04, 2009

Hat man sich mit der iranischen Bombe abgefunden?

Es gibt keine nachvollziehbare Begründung für die Annahme, dass der Iran sein Urananreicherungsprogramm nicht für den Bau der Bombe nutzen will. Während die IAEA sich eher schlampig um die Beobachtung der Vorgänge in Natanz kümmerte, baute der Iran schon an seiner zweiten Anlage.

Erinnern wir uns: Die UNO hat im Südlibanon die UNIFIL
(United Nations Interim Force in Lebanon) mit der Maßgabe installiert, die Hisbollah in Schach zu halten und zu verhindern, dass sie nach dem Krieg mit Israel 2006 wieder durch den Iran mit Waffen versorgt wird. Eine zwecklose Aktion, da sie bis heute halbherzig gehandhabt wurde und zu dem Ergebnis führte, dass die Hisbollah heute stärker ist als vor Kriegsausbruch. Auf 40.000 Raketen wird der heutige Stand in den Verstecken der Hisbollah geschätzt. Und das alles vor der Nase der UNIFIL, die lieber israelische Aufklärungsflugzeuge abschießen wollte als den Waffenschmugglern auf die Pfoten zu hauen.

Was damals funktioniert hatte kann dem Iran
heute nicht schaden: Die UNO, eine über die Jahrzehnte stets schwächer und korrupter werdende Organisation, die zum Spielball halbseidener und krimineller Staaten geworden ist, macht sich auf, dem Iran einen Persilschein für die Bombe auszustellen. Sie weigert sich, die Realitäten wahrzunehmen, die von der iranischen Führung Stück für Stück offenbart und zunehmend dreister in offensiver Form als anzuerkennender Fakt in die „Gespräche“ eingebracht wurden. Sie will sich nicht der unangenehmen Wahrheit stellen, dass physische Gewalt notwendig sein könnte, um den Iran von seinem Vorhaben abzubringen.

Die letzten Gespräche in Genf bestätigten nur, was jeder schon vorher wusste: wahrscheinlich wird keine der geforderten Sanktionen den Iran von seinem verderblichen Weg abbringen. Keine Anreize, keine Schmeicheleien, die das Regime zum Umdenken bewegen könnten. Wann wird man den irrational-terroristischen Charakter des Regimes, der sich verstellend als logisch handelndes Subjekt geriert, als todbringende Gefahr wahrnehmen? Wann, wenn nicht jetzt?

Was hat man dem Teheraner Regime nicht alles angeboten: Vorschläge für einen „Grand Bargain“, der auf iranischem Boden eine unter multinationaler Aufsicht betriebene Urananreicherungsanlage vorsah, oder Anreize, dem Iran in der Welthandelsorganisation (WTO) Privilegien im Warenverkehr mit dem Westen einzuräumen, wenn er intensiveren Kontrollen durch die IAEA zustimmte. Nichts hat der Iran bisher akzeptiert. Im Gegenteil - die Weltgemeinschaft solle sich auf seine Vorbedingungen zubewegen.


Und was passiert, wenn es dabei bleibt?
Das ist der entscheidende Punkt und er führt uns zu der traurigen Gewissheit, dass die USA, der Westen und der Rest der Welt sich eigentlich schon mit der Entwicklung der iranischen Atombombe abgefunden haben.


Wie aber verhält sich Israel?

Michael Oren, israelischer Botschafter in den USA äußerte sich dazu in einer Ansprache an Kongressabgeordnete anlässlich der Feiern zu Yom Kippur:
„Israels Regierung hat [Obamas] Position zum Iran unterstützt, und das war nicht leicht“, so Oren gegenüber seinen Zuhörern. „Wir sind mit einer ablaufenden Uhr konfrontiert, und dennoch unterstützen wir es wegen der Zusicherungen, dass dies nicht eine offene Entwicklung ist, sondern dass bis zum Jahresende die [US] Administration gut genug darüber unterrichtet ist, wie weit der Iran mit seinem Programm ist, und dass bei einem Scheitern aller diplomatischen Bemühungen, das iranische Urananreicherungsprogramm zu stoppen, die Vereinigten Staaten die internationalen Anstrengungen, harte Sanktionen gegen den Iran zu verhängen, anführen werden.“

Die Metapher der ablaufenden Uhr lässt sich gut auf Israels Geduld anwenden. Nicht wenige im Verteidigungsapparat gehen davon aus, dass der Iran bereits in ein paar Monaten die Existenz des jüdischen Staates atomar bedrohen kann. Die ehrenwerte Haltung der iraelischen Regierung nach dem Motto „Abwarten und dann handeln“ steht in krassem Kontrast zum Faktum, dass selbst ein massiver Schlag der israelischen Luftwaffe das iranische Atomprogramm nicht wirksam verlangsamen könnte und möglicherweise lediglich wenige Monate oder Jahre Zeit zum Durchatmen geben würde. Zu diesem Ergebnis kamen die USA, wie Times Online 2006 berichtete:
Die frühere zustimmende Haltung des Weißen Hauses für Militärschläge im Falle eines Versagens aller anderen Möglichkeiten kühlte nach Warnungen aus dem Pentagon und von Geheimdienstexperten, das Chancen-Risiko-Verhältnis wäre zu ungewiss, merklich ab. Bestenfalls 80% aller Ziele seien erfasst und das auch nur vage. Die „Kollateralschäden“ unter den Zivilisten könnten beträchtlich sein, so manche Quellen. „Entweder Sie sind zu 100% effektiv und schalten das Programm für 20 Jahre aus, oder Sie erreichen eine kurzfristige Verzögerung und können kein besseres Resultat liefern als das, was Sie jetzt vorfinden“, lautete die lakonische Feststellung eines Geheimdienstexperten. Bis dahin hatten die USA Flugzeugträger und Kampfeinheiten an den Persischen Golf und ins Mittelmeer entsandt. Während der folgenden neun Monate wurden Kräfte abgezogen.
Geschah auf höchsten Ebene in der Bush-Administration etwas, das militärische Aktionen unwahrscheinlicher werden ließ? Dies könnte eine Erklärung dafür liefern, warum das Hauptgewicht offensichtlich vom Militäreinsatz auf Verhandlungen verschoben wurde. Vergessen wir auch nicht diese "bombensicheren Geheimdiensterkenntnisse" aus dem Dezember 2007.

Aber mit dieser Verschiebung muss die Erkenntnis gekommen sein - die gleiche Erkenntnis, mit der die Obama-Administration nun konfrontiert ist -, dass keine Sanktionsmaßnahme den Iran von seinem Atomprogramm, das merkwürdigerweise trotz Monitoring immer noch geheim bleiben konnte, abhalten würde. Und während die Israelis bereit wären, bis zum Jahresende zu warten, kühlt das Druckszenario stetig ab. Doch was würden die Israelis unter „verschärften“ Sanktionen verstehen?


Die Achillesferse des Iran ist seine Benzinraffinierung. Obwohl er auf einem Meer aus Öl schwimmt, ist er nicht in Lage, mehr als 40% seines Eigenbedarfs an Kraftstoff selbst herzustellen. Also ein verlockendes Ziel für alle Sanktionen, den Iranern einen bedeutenden Anteil ihres Kraftstoffbedarfes abzuschneiden. Weiß Präsident Obama, dass er Russen und Chinesen in dieser Frage überzeugen muss?


Man kann davon ausgehen, dass ungelöste Konflikte zwischen US-Amerikanern und Iranern den Russen und Chinesen ganz gut ins Konzept passen. Putin könnte den Ölpreis hochhalten und seiner Politik im Kaukasus und sonst wo würde weniger Beachtung geschenkt. Für China bedeutete es eine weitere Wirtschaftsexpansion in Lateinamerika, Afrika und dem Rest der Welt, während die USA damit beschäftigt sind, ihre Verbündeten in Nahost zu schützen.
Dem Präsidenten kann all dies nicht verborgen geblieben sein - warum also die verwässerte UN-Runde in Genf, die keinerlei zählbare Fortschritte brachte? Ein weiteres Beispiel dafür, was vom Feigenblatt der Diplomatie verdeckt werden soll: ein nuklear bewaffneter Iran.

Wenn dies zutrifft - und vieles spricht leider dafür - steht Israel vor einer extrem schwierigen Herausforderung: Das erste Mal seit vielen Jahren müsste es ohne seinen ersten Bündnispartner in einen Waffengang ziehen. Vermutlich wird dies Israel nicht davon abhalten, die nukleare Infrastruktur des Iran auszuschalten, aber andere Maßnahmen, die der jüdische Staat für seine Verteidigung ergreifen muss, könnten erheblich beeinträchtigt werden.


Doch unbesehen davon, ob Obama oder der Westen Israel davon abhalten können, die erforderlichen Aktionen zu starten - früher oder später wird der Iran die Fähigkeit zum Bau der Atombombe erworben haben. Umso wichtiger, wer diesen Staat in Zukunft führt - eine Islamische Republik Light der Moussawis, Karroubis und Co, die auf die Bombe nicht verzichten würden, oder eine Regierung, die sich des Mullah-Terrors entledigt hat und sich zu einem stabilen Hort der Demokratie entwickelt, der Israel nicht mehr mit seiner Auslöschung droht und seine Energiepolitik glaubwürdig umgestaltet.

Für Israel bleibt eigentlich nur eine Chance, da die Alternativen wesentlich schlimmer ausfielen und außer Israel kein Staat der Erde willens ist, den religiösen Fanatikern in Teheran den Griff nach der Bombe zu verwehren. Israel wird im Falle einer Aktion seine Alliierten konsultieren, aber Albert Einsteins Lehrsatz E = mc² lässt sich nicht mehr undenkbar machen. Der Iran steht an der Schwelle zur höchst gefährlichen Umsetzung dieser Formel.


Quelle: Pajamas Media

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Mittwoch, September 16, 2009

Protokolle aus der Hölle

Shiva Mahbobi über ihre Erlebnisse in iranischen Gefängnissen

Mein ausschweifendes Vorwort braucht es da nicht. Ich lass' alles so stehen, wie ich es von meiner Freundin Shayla bekommen habe, damit es authentisch und nicht geglättet ist. Und vergesst bitte wachsweiche und heuchlerische Solidaritätsbekundungen wie die von Claudia Roth oder ihrem Büroleiter Ali Mahdjoubi, die Regimegegner als Friedensfeinde abtun und damit den klerikalen Staatsterroristen in den Allerwertesten kriechen.

Lassen wir besser Shayla sprechen:

Ich möchte gern eine kurze Zusammenfassung bzw. stichpunktartig das wiedergeben, was eine junge Iranerin namens Shiva Mahbobi in den Gefängnissen von Iran erleben musste, damit auch unsere nicht-iranischen Freunde ein besseres Gefühl bekommen, wie es hinter den Mauern Irans ausschaut.


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-Mit 16 wurde Shiva unter der Islamischen Republik Iran für ca. 3,5 Jahre inhaftiert.

-In dieser Zeit lernte sie ca. fünf unterschiedliche Gefängnisse von innen kennen, u. a. auch das berühmte Evin.

-Als sie später mit Freunden ausserhalb Irans sprach, erzählten diese ihr von ihrem grossem Tag, an dem sie 18 wurden. Wie sie besondere Parties veranstalteten oder sonstwie diesen besonderen Geburtstag feierten. Auch Shiva wurde gefragt, was sie zu ihrem 18. Geburtstag, den grossen Tag der Volljährigkeit, machte. Shiva schluckt, und in der Tat fällt ihr ein, dass sie an diesem besonderen Geburtstag im Gefängnis sass - im Evin - wo sie eine Zelle mit 16 anderen Gefangenen teilte.

-Das Essen war immer extrem knapp, so dass Hunger ein Dauerzustand war. Um auf das WC gehen zu können, musste man oftmals betteln oder sich schlagen lassen.

-Während Shiva an diese schlimme Zeit ihres 18. Geburtstages denkt, wird ihr bewusst, dass diese grausamen Erinnerungen nicht erst dann stattfanden. Sie waren da - seit ihrem 16. Lebensjahr - seit dem Tag, als man sie als junges Mädchen ins Gefängnis warf. Bereits am allerersten Tag liess man sie bis zum nächsten Tag nicht auf die Toilette, und sie krümmte sich regelrecht vor Schmerzen, weil sie auch vor lauter Angst so dringend musste.

-Wenn sie kamen, um sie zu verprügeln und zu foltern, banden sie Shiva mit ihren Händen und Füssen an ihrem Bett fest. Sie wusste nicht genau, womit man auf sie einprügelte, aber es war etwas sehr Hartes. Noch in diesem Augenblick, sobald sie ihre Augen schliesst, spürt sie regelrecht die Schläge und die Schmerzen in ihren Zehen. Sie schlugen sie direkt in die Mitte ihrer Fussohlen, das sich wie ein Elektroschlag durch ihren gesamten Körper anfühlte.

-Sie brachten sie in andere Gefängnisse. In einem Gefängnis (Kermanshah) hielt man sie sieben Monate gefangen, in einer Zelle, die ca. 1m x 1,5 m gross war. Von diesen sieben Monaten verbrachte sie sechs Monate, mit Ausnahme des Toilettenbesuchs, AUSSCHLIESSLICH in ihrer Zelle.

-Eines der schlimmsten Erinnerungen an diesem Gefängnis war, dass sie nachts Angst hatte, zu schlafen. Die Angst, nachts vergewaltigt zu werden. Sie wollte wenigstens wach sein, sollte dies geschehen, damit sie nicht völlig irre werden würde. (*ich hoffe, das hatte ich so richtig verstanden)

-Im nächsten Gefängnis (Kamyaran) verbrachte sie wieder mehrere Monate, wovon sie einen Monat lang in einer sehr kleinen Zelle verbrachte, wo es absolut kein Licht gab. Den Tag konnte sie durch den kleinen Sonnenstrahl durch das Mini-Gitterfenster erahnen, doch die Abende waren unendlich durch ihre Unfähigkeit, sehen zu können.

-Wenn sie ihr Essen brachten, so merkte sie nur anhand des Geruchs, dass es irgendwas zu essen war, und vor lauter Kälte umschlang sie ihren warmen Teller, um sich daran etwas aufzuwärmen.

-Wenn sie heute an ihre Jugend zurückdenkt, hat sie absolut keine positiven Erinnerungen. Erinnerungen von Gewalt, Angst, Folter, Sehnsucht nach ihrer Familie usw... all das sind die Erinnerungen, die Shiva heute an ihre Jugend hat.

-All die Qualen der Schmerzen durch die wiederholten und massiven Schläge hat sie heute vielleicht überwunden. Was sie nicht überwinden kann und wohl nie wird überwinden können, ist der seelische Schmerz, der Schmerz in ihrem Herzen.

-Aber es geht ihr nicht nur um ihre Erinnerungen, Schläge gegen sie, Folter gegen sie. Es sind auch die Erinnerungen an andere Menschen, die sie nicht loslassen. Wie z. B. ein junges Mädchen aus ihrer Zelle, das so dermassen gefoltert und vergewaltigt wurde, dass man durch den Geruch, der an ihr klebte, nicht mal richtig mehr atmen konnte. Dieses Mädchen wurde so schlimm misshandelt und vergewaltigt, dass sie völlig verrückt geworden war.

-Ein Mädchen aus dem Gefängnis Kermanshah fiel ihr auf, dessen Fussnägel regelmässig eiterten und abfielen. Shiva wunderte sich, warum das so war. Warum? Die Antwort sollte Shiva bald erhalten. Während dieses Mädchen bereits gefoltert und gequält wurde, drohte man ihr, etwas mit ihr anzustellen, das sie nie im Leben vergessen sollte. Man steckte Nadeln unter ihre Fussnägel und liess sie dort eine Weile stecken. Immer wieder passierte es, dass das Mädchen sich vor Schmerzen krümmte. Ihre Zehen eiterten, sie musste operiert werden. Danach tat man ihr das wieder an und wieder und wieder... Sie wird das wohl nie im Leben vergessen haben.

-Ein anderes wunderschönes Mädchen im Gefängnis Rezaie, das auch Gefängnis des Meeres genannt wird, über das erzählt wurde, dass sie ein sehr intelligentes Mädchen war, wurde so brutal misshandelt und gefoltert, dass sie völlig verrückt geworden war. Aus ihr kamen nur noch Tierlaute heraus. Und weil sie das tat, wurde sie, trotz dem ihre Zeit im Gefängnis abgelaufen war, nicht wieder freigelassen. Shiva sah sie wie eine beste Freundin - eine Freundin, die vor ihren Augen starb - und sie nur hilflos dabei zusehen konnte. Auch diese Erinnerungen lassen Shiva nicht mehr los.

-Als Shiva freikam, versprach sie sich selbst, dass sie dafür sorgen würde, dass kein einziges junges Mädchen oder Junge jemals solche Erfahrungen in ihrer/seiner Jugend, ihren/seinen besten Jahren machen sollte wie sie das einst durchleben musste.

-Erinnerungen der Stimmen ihrer alten Klassenkameradinnen, 12, 13, 14 Jahre alt damals, die man festnahm, folterte, vergewaltigte, exekutierte.
Die Pasdaran (Regime-Polizei), die die jungen Mädchen vergewaltigten, kauften danach einen Karton "Shirini" (süsses Gebäck), brachten es der Mutter der Vergewaltigten mit den Worten:
"Ich habe Deine Tochter geheiratet."

-"Ich will ihre Stimme sein, ich war ihre Stimme und werde immer ihre Stimme sein", sagt Shiva Mahbobi.

shiva.mahbobi@gmail.com

Hier das Video.


Und ich sage: Danke Shiva, dass Du Deine Geschichte, die mir so unendlich Gänsehaut bereitet, mit uns teilst. Dass Du bereit bist, durch Deine Erzählungen und Erinnerungen jedes Mal von Neuem durch diese Schmerzen und Qualen zu gehen, um die Stimme all der Shivas im Iran zu sein. Ich danke Dir, und ich verbeuge mich vor Deinem Mut!

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Hattip: Shayla

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Dienstag, August 04, 2009

Please don't forget Iran!

PLEASE!

Die Freiheitskämpfer im Iran erwartet möglicherweise die Todestrafe.

Bitte helft uns, in welcher Form auch immer, dass man indirekt Einfluss auf das Gerichtsurteil nehmen kann.


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Stay with us....!

Montag, Juli 27, 2009

Iran: Gefährliche außenpolitische Überraschungen inklusive

Heute, da bei vielen Menschen die Hoffnung steigt, dass die politischen Umwälzungen im Iran unweigerlich zu positiven Auswirkungen auf das dortige Regime führen, ist eine Warnung an den Westen angebracht: Wenn nahöstliche Staaten keinen Ausweg mehr sehen, tendieren sie dazu, blindlings außenpolitische Konflikte auszulösen.

Die arabische Welt hat in ihrem Bemühen, übermäßig viel Aufmerksamkeit auf Israel und dessen Konflikt mit den Palästinensern zu richten, erfolgreich das Ziel verfolgt, von innenpolitischen Schwierigkeiten abzulenken. Die iranische Regierung folgt allem Anschein nach dieser Taktik, was eigentlich nicht überrascht - Diktaturen reagieren meistens in dieser Form.


Selbst als Präsident Obama sich krampfhaft mühte, der Welt zu zeigen, dass die USA nicht hinter den politischen Veränderungen im Iran steht (siehe Karikatur oben rechts), warnte der Iran die Amerikaner davor, sich in seine inneren Angelegenheiten einzumischen. Dies führte zu weiteren Spannungen und dämpfte darüber hinaus die Aussicht auf erfolgreiche Weiterverhandlungen über das iranische Nuklearprogramm.

Wenn interne Spannungen anhalten oder zunehmen - und die Zukunft des Khamenei-Regimes ist ebenso unsicher wie nach dem Ende der Wahlen -, entwickeln sie eine Eigendynamik, die schnell zu hässlichen Ergebnissen führt.


Der Iran konnte z.B. die Beziehungen zu Großbritannien dramatisch verschlechtern und sich darauf verlassen, dass die Briten zu schwach für eine harte und entschlossene Antwort sind. Im März 2007 schnappten sich die Iraner mit Waffengewalt 15 britische Seeleute, hielten sie fast zwei Wochen fest und behaupteten, diese wären in iranisches Hoheitsgewässer "eingedrungen".


In beiden Fällen, diesem und der Inhaftierung britischer Botschaftsangehöriger, drohten die Briten mit ernsthaften Konsequenzen als Reaktion auf die iranischen Einschüchterungsversuche, gaben dann aber klein bei, sobald ihre Staatsangehörigen wieder frei waren.

Der Terror-Exporteur
Als größter staatlicher Terror-Promoter könnte der Iran seine Hilfstruppe Hisbollah mörderische Anschläge ausüben lassen. Die Hisbollah-Zellen operieren weltweit. Und vor kurzem warnte der stellvertretende New Yorker Polizeichef für Terrorbekämpfung, dass die Hisbollah gefährlicher sei als Al-Qaida.

Wenn die iranische Führung zum Ergebnis kommt, dass ihr politischer Unterbau nicht mehr trägt, wird sie Aktionen durchführen (lassen), die die Aufmerksamkeit der Internationalen Gemeinschaft umlenken, gleichzeitig wird sie die Opposition im eigenen Land noch brutaler unterdrücken und verfolgen.


Aktionen dieser Art können z.B. große Terroranschläge sein wie jener 1994 in Buenos Aires auf das Zentrum der Jüdischen Gemeinde. An der israelischen Nordgrenze könnten durch von der Hisbollah initiierte Anschläge neue Feindseligkeiten ausbrechen, erst recht, nachdem die „Partei Gottes“ bei den libanesischen Wahlen keine Mehrheit erringen konnte und sich weiterhin auf die Führerschaft Khameneis eingeschworen hat.


Dazu das iranische Atomprogramm und das Streben nach der Bombe: Israel hat mit großer Sorge darauf hingewiesen, dass der Iran sein Nuklearprogramm weiter beschleunigt. Wenn die Verhandlungen darüber weiterhin stocken, könnten sich die USA oder Israel gezwungen sehen, das Problem militärisch zu lösen.


Es handelt sich hier um Worst-Case-Szenarien, aber man bedenke, wie die inneriranischen Umwälzungen allerorten zu Unachtsamkeit führen könnten. Die westlichen Staaten sollten auf Szenarien wie die oben angesprochenen vorbereitet sein. Washington muss bei informellen und öffentlichen diplomatischen Verhandlungen härter auftreten, so wie es die Vorgängerregierungen im Balkan und Haiti erfolgreich praktiziert haben. Es muss der iranischen Führung klar zu verstehen geben, dass es weiß, was im Ernstfall zu tun ist und keine taktischen Manöver duldet.


Von Castollux ins Deutsche übertragen aus Christian Science Monitor. Autor: Joshua Gleis

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Donnerstag, Juli 23, 2009

"Sorry, aber da mische ich mich nicht ein!"

Braucht man nicht groß zu kommentieren. Es spricht für sich.

Hinweis zum Text am unteren Bildrand:
“To meddle” heißt so viel wie “[sich] ungefragt einmischen“.

Quelle: MEMRI

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Donnerstag, Juli 16, 2009

China - Zukünftiges Trumpf-As des Iran bei Wirtschaftssanktionen

Der Iran könnte ein As aus dem Ärmel zaubern, falls westliche Regierungen zusätzliche Sanktionen wegen der brutalen Niederschlagung der oppositionellen Demonstranten in Erwägung ziehen sollten. Welche Karte wird Teheran wahrscheinlich spielen?

China.

(Abb. rechts: Gasförderplattform von South Pars im persischen Golf)


Am 13. Juli verkündete das iranische Ölministerium, dass China zugesagt hätte, etwa 40 Milliarden Dollar in iranische Raffinerieanlagen zu investieren. Das Abkommen würde die Finanzierung der neuen Hormoz-Raffinerie im Südiran mit einschließen, die täglich etwa 300.000 Barrel Benzin und Kerosin produzieren soll, wenn das Bauvorhaben nach vier Jahren abgeschlossen sein wird. China würde auch die in die Jahre gekommene Raffinerie Abadan im Süden gründlich instand setzen, damit ihre Produktion um 29% gesteigert werden kann, so das Statement von Funktionären aus dem Ölministerium, die für dieses Projekt noch keinen Fertigstellungstermin angeben können.


Das Abkommen ist noch nicht unterzeichnet worden (und China muss es noch bestätigen), aber wenn es der Iran durchzieht, würde es dem Land die größten Kopfschmerzen ersparen. Trotz riesiger Erdölreserven und Ausfuhren importiert der Iran über 130.000 Barrel Benzin pro Tag, weil er zu wenige und dazu alte Raffinerien besitzt, die die Binnennachfrage nicht befriedigen können. Der Deal mit China würde buchstäblich die Fabriken, Häuser und Autos im Iran - in der Tat eine Nation von 66 Millionen Menschen - am Leben erhalten.

Noch sind die iranischen Benzinimporte nicht von US-Sanktionen oder internationalen, also UN-initiierten Sanktionen betroffen. Aber die Bereitwilligkeit anderer Länder, Benzin an den Iran zu liefern, schwankt, da wegen des iranischen Nuklearprogramms der politische Druck zunimmt. Indien, einer der Hauptlieferanten, hat neulich entsprechend der in Paris ansässigen Internationalen Energiebehörde seine Exporte in den Iran für einen kurzen Zeitraum unterbrochen.

"Wenn Sie wirklich einschneidende Sanktionen durchsetzen wollen, müssen Sie die Treibstoff-importe kappen“, sagt Erica Downs, Expertin für chinesische Energiepolititik am Brookings Institute in Washington. „Falls die Chinesen 40 Milliarden Dollar investieren und damit die Fördermöglichkeiten der iranischen Raffinerien dramatisch erhöhen, würde dies definitiv eine der Waffen im US-Arsenal untauglich machen."

Chinas Beziehungen zum Iran, die im letzten Jahrzehnt ständig intensiviert worden waren, haben sich in den letzten 18 Monaten noch einmal rapide entwickelt. Im Dezember 2007 unterzeichnete der chinesische Ölriese Sinopec Group ein Abkommen in Höhe von 70 Milliarden Dollar, um im iranischen Yadavaran-Fördergebiet, dessen Reserven auf ungefähr 17 Milliarden Barrel geschätzt werden, mit Bohrungen zu beginnen. Im Januar dieses Jahres erklärte sich Chinas größter Energieproduzent CNPC bereit, das Ölfeld Nord-Azadegan zu erschließen - ein Deal im Wert von etwa zwei Milliarden Dollar. Und letzten Monat, als Demonstranten mit Paramilitärs auf Teherans Straßen kämpften, flogen iranische Ölfunktionäre nach Peking, um mit CNPC über ein Abkommen in Höhe von 5 Milliarden Dollar für die neueste Erschließungsphase von South Pars zu verhandeln, des riesigen Erdgasfeldes im Persischen Golf. Schwer gezeichnet durch den Fall des Ölpreises von 147 Dollar/Barrel im Juli letzten Jahres auf 64 Dollar diese Woche "haben die Iraner einen immer akuter werdenden Kapitalbedarf“, so Erica Downs.

Und China schwimmt in Geld. Darüber hinaus legt das Land, das zig Milliarden Dollar in den iranischen Energiesektor investiert hat und stetiges Mitglied des UN-Sicherheitsrates ist, mit ziemlicher Sicherheit ein Veto gegen neue harte Iran-Sanktionen ein. Demgegenüber gibt es in den USA und Europa zunehmende Ängste wegen des iranischen Nuklearprogramms sowie Empörung über die Gewaltanwendung des Regimes im letzten Monat.

Große westliche Ölkonzerne, die im Iran operieren, darunter Total, Royal Dutch Shell und der italienische Konzern ENI, haben sich für einige Monate abstinent gehalten, was Verträge mit iranischen Ölfunktionären betrifft, weil sie vielleicht abwarten, ob Obamas Angebot an Teheran, Gespräche aufzunehmen, aus der politischen Sackgasse herausführt. Das Abkommen mit China über South Pars wurde unmittelbar nach TOTALs Absage (fürchtete politische Auswirkungen) geschlossen.

Diese Sorge trieb Peking selten um, und daran wird
sich so schnell auch nichts ändern.

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Quelle: TIME

Übertragen ins Deutsche von Castollux

Samstag, Juni 27, 2009

Johnnys Song für Neda mit persischen Untertiteln

Am 20. Juni fand Neda Agha-Soltans Leben in Teheran ein gewaltsames Ende.

Sie wurde heimtückisch ermordet, weil das Mullah-Regime im Iran etwas dagegen hat, dass die überwiegende Mehrheit seiner Bürger eine verschobene Wahl anfechten und in Freiheit leben wollen.

Hatttp: Mr. Moe

Danke Johnny!



Crossposted hier und hier.

Montag, Juni 22, 2009

Iran: Lochkarten auszählen


Sprechblase:


Sagen Sie dem iranischen Volk, dass wir eine Stellungnahme zu den Wahlergebnissen herausgeben werden, sobald wir die hängen gebliebenen Lochkarten ausgezählt haben.

Quelle:
Cagle; Cameron Cardow