Donnerstag, September 24, 2009

Rohrkrepierer des Tages

Schon drollig, was Cartoonist Ali Al-Bazzaz in Al-Ayyam (Bahrain) hier mit seiner Karikatur vermitteln will: (Echte) Schritte zum Frieden wären für die Araber nicht zumutbar. Seine ungewollte Demaskierung ist typisch für den inneren Zustand der arabischen Welt, die Selbstmitleid und Verantwortungslosigkeit für die größten Tugenden hält.

Mich würde mal’ interessieren, wie Ali Al-Bazzaz titeln würde, wenn Netanjahu statt des Arabers Bildsubjekt wäre.

Cartoon In Bahrain Paper: Obama Demands Arabs Move Towards Peace

Quelle: MEMRI

Montag, September 21, 2009

Peter Mezger (ARD) und die journalistische Sorgfaltspflicht

ARD-Reporter Peter Mezger (Abb. ; Quelle: BR) fällt wieder sehr unangenehm auf. Das erste Mal ist es nicht, dass er aus dem Iran Sätze wie diesen vom 13. Juni in den Äther schickt:
"Die bange Frage ist, ob die Anhänger Mussawis ihre Niederlage eingestehen werden".
Peter Mezger zählt zu seinen geschätzten Interviewpartnern Personen wie Avi Primor, den ehemaligen Botschafter Israels in Deutschland und Hamas-Versteher, sowie Marcel Pott, Israel-Hasser aus Passion.

Kein Wunder, dass er jetzt wieder mit mehreren üblen Patzern auffiel. Fathiyeh Naghibzadeh und Andreas Benl von Stop The Bomb haben Herrn Mezger in einem eindringlichen Brief noch einmal an seine journalistische Sorgfaltspflicht erinnert. Wenn er Israel oder die Juden nicht ausstehen kann und das für sich behält, ist das sein ganz persönliches Problem; unwahre Berichterstattung geht uns aber alle an.

Hier zum Brief:



Offener Brief an Peter Mezger, ARD-Korrespondent im Iran


Sehr geehrter Herr Mezger, Wir wissen nicht, wem es am diesjährigen „Al-Quds-Tag“ schlechter ging – dem iranischen Regime oder Ihnen, stellvertretend für die deutschen Medien? Jeder weiß spätestens seit dem Aufstand nach dem 12. Juni 2009, dass es keinerlei freie Berichterstattung aus dem Iran gibt. Es war also zu erwarten, dass Sie nur das über die Proteste am 18. September berichten würden, was das Regime ihnen erlaubt hat. Das erklärt aber noch nicht alles. Denn wir fragen uns, ob man Sie wirklich dazu gezwungen hat, das glatte *Gegenteil* der Wahrheit zu verlautbaren. In der Tagesschau vom 18.9. etwa bei Minute 9:20, behaupten Sie: „Auch die iranische Opposition ist für Palästina und gegen Israel“. Diese Aussage widerspricht ganz offensichtlich der zentralen Parole der oppositionellen Iraner – „Nein zu Gaza, Nein zu Libanon, mein Leben ist für Iran“, die in zahlreichen Internet-Videos dokumentiert ist.

Auf die Hassparolen „Tod Amerika, Tod Israel“ aus den Lautsprechern des Regimes antworteten die Menschen immer wieder mit „Tod Russland“ und „Tod China“ , womit sie ihre Gegnerschaft gegen alle ausdrücken, die Ahmadinejad und Khamenei unterstützen. Wenn Transparente mit den Konterfeis des libanesischen Islamistenführers Nasrallah gezeigt wurden, riefen die Menschen „Nieder mit dem Diktator“. Transparente für den „Kampf Palästinas“ wurden von der Menge abgerissen.

Sie werden sagen, man könne sich – zumal unter den Bedingungen der islamischen Diktatur – nur schwer einen vollständigen Überblick über alle Ereignisse jenes Tages im Iran verschaffen. Bekannt war jedoch bereits vorher, dass das Regime vor diesem Tag zitterte und dass die Revolutionsgarden drohten, mit aller Härte gegen Menschen vorzugehen, die den antiisraelischen Slogans des Regimes widersprechen. Die Regimepresse hat den oben zitierten Satz „Nicht Gaza…“ bereits aufgegriffen und behauptet, er wäre von „Zionisten“ verbreitet worden.

Nachdem die Mehrheit der Iraner in den Massendemonstrationen seit dem 12. Juni die politische Legitimität der Islamischen Republik vor den Augen der Welt zerstört hat, war der 18. September ein Stoß ins ideologische Herz des Regimes – ein offener Angriff gegen seinen Antisemitismus und seinen globalen Expansionismus im Namen der „muslimischen Gemeinde“. Auch wenn Sie, Herr Mezger, nur die Leute von Moussavi und Karroubi als Opposition anerkennen, müssen Sie zugeben, dass auch deren Versuche, andere, propalästinensische Parolen zu verbreiten, kläglich gescheitert sind und sie es nicht wagten, sich offen gegen die Parolen der Mehrheit der Demonstranten zu stellen. Natürlich gibt es auch unter Iranern viele unterschiedliche Meinungen über die Auseinandersetzung zwischen Palästinensern und Israelis. Die Palästinasolidarität nach Art des iranischen Regimes, in deren Namen Tausende von Menschen ermordet und für deren Terrorpolitik Milliarden von Dollar ausgegeben wurden, ist jedoch zum Inbegriff all dessen geworden, was an diesem Regime hassens- und verachtenswert ist. Wer auch immer mit dieser Politik identifiziert wird, hat in einem zukünftigen demokratischen Iran keine Chance.

Wir haben, wie gesagt, den Eindruck, dass dies nicht nur ein schwarzer Tag für das Regime war. Wir verstehen, dass der 18. September vielen (nicht nur) in Deutschland Kopfschmerzen und Depressionen verursacht hat. Man hat einen strategischen Partner im Geiste verloren. Denn was würde passieren, falls das Zentrum des islamistischen und antisemitischen Terrors von den Iranern gestürzt würde? Falls in der Folge sich eventuell sogar in Palästina Kräfte der Mäßigung und des Ausgleichs mit Israel durchsetzen würden?

Man könnte dann nicht mehr den Antisemitismus verharmlosen, indem man die antiisraelischen Tiraden Ahmadinejads zu „Übersetzungsfehlern“ deklariert. Es wäre zumindest schwieriger, Stimmung gegen Israel zu machen, indem man Israelhassern Orden verleiht – so wie der israelischen „Friedensaktivistin“ Felicia Langer, der die Bundesrepublik das Bundesverdienstkreuz verlieh, nachdem sie israelische Gefangenenlager als „Konzentrationslager“ bezeichnet hatte. Kurz: man könnte seine eigenen Ressentiments nicht mehr (oder nicht mehr so einfach) hinter der Misere des Nahen Ostens verstecken. Man müßte diese Ressentiments im eigenen Namen aussprechen – und es bleibt zu hoffen, dass viele Deutsche vor dieser Konsequenz dann doch zurückschrecken.

Auch deswegen wünschen wir der iranischen Opposition einen schnellen und vollständigen Sieg über die Islamische Republik Iran. Die Iraner würden damit nicht nur die Basis für eine humane Zukunft ihrer eigenen Gesellschaft schaffen, sondern einen zivilisatorischen Beitrag von globaler Bedeutung leisten – zum Ärger aller, die die Taliban für eine „Kultur“ und Ahmadinejad für einen würdigen Repräsentanten der Iraner halten. Mit freundlichen Grüßen, Fathiyeh Naghibzadeh und Andreas Benl, Mitglieder des Bündnisses „Stop the Bomb“, www.stopthebomb.net

Hattip: Fathiyeh Naghibzadeh und Andreas Benl (Stop The Bomb)

Crossposting mit FreeIranNow!


Sonntag, September 20, 2009

Der Blender: Yes we can puzzle!

Wie schnell doch ein Slogan abgewirtschaftet hat!

Zu dumm auch für Obama, dass seine Amtszeit nicht aus permanentem Wahlkampf besteht. Und selbst wenn heute Wahlen wären, dann...

Ob der Leim hält?

Cartoon In 'Al-Hayat': Obama Tries To Fix Broken 'Yes We Can' Slogan


Cartoonist: Habeeb Haddad

Source (via MEMRI): Al-Hayat, London, 18. September 2009

Donnerstag, September 17, 2009

Goldstones bestellter Pfusch

Wenn Dan Kosky im Guardian zur Feder greift, könnte man für einen Augenblick vergessen, dass das englische Traditionsblatt mit seiner Sparte "Comment Is Free" widerlichstem Antisemitismus Raum gibt.

Dan Kosky

Goldstones Unterlassungssünden

Die britische Tageszeitung The Guardian hat einen kritischen Kommentar zu dem Bericht der UN-Untersuchungsmission zur israelischen Militäroperation im Gaza-Streifen veröffentlicht. Er bemängelt nicht zuletzt, dass die Kriegsführung der Terrororganisation Hamas und ihre Strategie der menschlichen Schutzschilde nicht in das Gesamturteil mit einbezogen worden ist.

„Richard Goldstones lang erwarteter Bericht hat den Verdacht bestätigt, dass seine Untersuchung von einer Agenda der Isolierung Israels geleitet wurde. Der possenhafte Untersuchungsprozess hat einen Bericht hervorgebracht, der Israel diffamiert, aber kaum zu einem besseren Verständnis des Gaza-Konflikts beiträgt.

Zu Recht ist viel von dem einseitigen Mandat der Untersuchung die Rede gewesen, das die Schuldhaftigkeit der Hamas ausgelöscht hat. Das Gremiumsmitglied Christine Chinkin hat Israels Operation in Gaza noch vor Beginn der Untersuchung als „Kriegsverbrechen“ gebrandmarkt. Infolgedessen hat die israelische Regierung die Menetekel richtig erkannt und ist dem Goldstone-Prozess ferngeblieben.“

„Aber möglicherweise ist das, was fehlt, am aufschlussreichsten. Beim Lesen des Berichts würde man in Unkenntnis über die Hamas-Strategie der menschlichen Schutzschilde verharren, die erheblich zu den zivilen Toden in Gaza beigetragen hat. Goldstone zieht es vor, das Offensichtliche zu ignorieren. Obgleich er feststellt: „Bewaffnete palästinensische Gruppen waren während der Militäroperationen in städtischen Gebieten präsent und haben aus städtischen Gebieten Raketen abgefeuert“, weicht er der logischen Schlussfolgerung in Bezug auf den massiven Einsatz menschlicher Schutzschilde aus. Einzuräumen, dass die Hamas Bürger Gazas gefährdet hat, würde freilich eine Alternative zur israelischen Schuld bieten. Doch statt die unangenehme Wahrheit festzustellen, bekräftigt der Bericht die im Voraus gefällte Annahme israelischer Schuldhaftigkeit.“

„Abermals sind es die Unterlassungssünden, die die Empfehlungen Goldstones wahrhaft unterminieren. Während er Israels Militäreinsatz verurteilt, tut Goldstone wenig dafür, Lösungen zu bieten. Er legt Lippenbekenntnisse zu den Komplexitäten asymmetrischer Kriegsführung ab, wobei er den leichten Weg der Kritik bevorzugt. Statt zu empfehlen, wie man Gruppen wie die Hamas und den Islamischen Jihad, die mutwillig Zivilisten ins Visier nehmen, stoppen könnte, optiert Goldstone für eine freimütige Anprangerung Israel.

Selbstverständlich sind dies dieselben Dilemmata wie die, denen das Vereinigte Königreich und die Vereinigten Staaten auf fremden Kampfschauplätzen gegenüberstehen. Bis die Fragen ernsthaft angesprochen oder aber die Truppen in Afghanistan und im Irak derselben Kontrolle unterworfen werden, wird man Goldstone und die Nichtregierungsorganisationen und UN-Rahmenwerke, die ihr Gewicht für diese Mission in die Waagschale werfen, mit Misstrauen betrachten.“

Den vollständigen Artikel gibt es unter dem folgenden Link: http://www.guardian.co.uk/commentisfree/2009/sep/16/richard-goldstone-report-israel-gaza

(The Guardian, 16.09.09)

Update, 19.09.09: Nach Ansicht des Karikaturisten
Jihad 'Awartani von Al-Watan (Saudi Arabien) ist Goldstones Report nicht scharf genug.

Mittwoch, September 16, 2009

Protokolle aus der Hölle

Shiva Mahbobi über ihre Erlebnisse in iranischen Gefängnissen

Mein ausschweifendes Vorwort braucht es da nicht. Ich lass' alles so stehen, wie ich es von meiner Freundin Shayla bekommen habe, damit es authentisch und nicht geglättet ist. Und vergesst bitte wachsweiche und heuchlerische Solidaritätsbekundungen wie die von Claudia Roth oder ihrem Büroleiter Ali Mahdjoubi, die Regimegegner als Friedensfeinde abtun und damit den klerikalen Staatsterroristen in den Allerwertesten kriechen.

Lassen wir besser Shayla sprechen:

Ich möchte gern eine kurze Zusammenfassung bzw. stichpunktartig das wiedergeben, was eine junge Iranerin namens Shiva Mahbobi in den Gefängnissen von Iran erleben musste, damit auch unsere nicht-iranischen Freunde ein besseres Gefühl bekommen, wie es hinter den Mauern Irans ausschaut.


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-Mit 16 wurde Shiva unter der Islamischen Republik Iran für ca. 3,5 Jahre inhaftiert.

-In dieser Zeit lernte sie ca. fünf unterschiedliche Gefängnisse von innen kennen, u. a. auch das berühmte Evin.

-Als sie später mit Freunden ausserhalb Irans sprach, erzählten diese ihr von ihrem grossem Tag, an dem sie 18 wurden. Wie sie besondere Parties veranstalteten oder sonstwie diesen besonderen Geburtstag feierten. Auch Shiva wurde gefragt, was sie zu ihrem 18. Geburtstag, den grossen Tag der Volljährigkeit, machte. Shiva schluckt, und in der Tat fällt ihr ein, dass sie an diesem besonderen Geburtstag im Gefängnis sass - im Evin - wo sie eine Zelle mit 16 anderen Gefangenen teilte.

-Das Essen war immer extrem knapp, so dass Hunger ein Dauerzustand war. Um auf das WC gehen zu können, musste man oftmals betteln oder sich schlagen lassen.

-Während Shiva an diese schlimme Zeit ihres 18. Geburtstages denkt, wird ihr bewusst, dass diese grausamen Erinnerungen nicht erst dann stattfanden. Sie waren da - seit ihrem 16. Lebensjahr - seit dem Tag, als man sie als junges Mädchen ins Gefängnis warf. Bereits am allerersten Tag liess man sie bis zum nächsten Tag nicht auf die Toilette, und sie krümmte sich regelrecht vor Schmerzen, weil sie auch vor lauter Angst so dringend musste.

-Wenn sie kamen, um sie zu verprügeln und zu foltern, banden sie Shiva mit ihren Händen und Füssen an ihrem Bett fest. Sie wusste nicht genau, womit man auf sie einprügelte, aber es war etwas sehr Hartes. Noch in diesem Augenblick, sobald sie ihre Augen schliesst, spürt sie regelrecht die Schläge und die Schmerzen in ihren Zehen. Sie schlugen sie direkt in die Mitte ihrer Fussohlen, das sich wie ein Elektroschlag durch ihren gesamten Körper anfühlte.

-Sie brachten sie in andere Gefängnisse. In einem Gefängnis (Kermanshah) hielt man sie sieben Monate gefangen, in einer Zelle, die ca. 1m x 1,5 m gross war. Von diesen sieben Monaten verbrachte sie sechs Monate, mit Ausnahme des Toilettenbesuchs, AUSSCHLIESSLICH in ihrer Zelle.

-Eines der schlimmsten Erinnerungen an diesem Gefängnis war, dass sie nachts Angst hatte, zu schlafen. Die Angst, nachts vergewaltigt zu werden. Sie wollte wenigstens wach sein, sollte dies geschehen, damit sie nicht völlig irre werden würde. (*ich hoffe, das hatte ich so richtig verstanden)

-Im nächsten Gefängnis (Kamyaran) verbrachte sie wieder mehrere Monate, wovon sie einen Monat lang in einer sehr kleinen Zelle verbrachte, wo es absolut kein Licht gab. Den Tag konnte sie durch den kleinen Sonnenstrahl durch das Mini-Gitterfenster erahnen, doch die Abende waren unendlich durch ihre Unfähigkeit, sehen zu können.

-Wenn sie ihr Essen brachten, so merkte sie nur anhand des Geruchs, dass es irgendwas zu essen war, und vor lauter Kälte umschlang sie ihren warmen Teller, um sich daran etwas aufzuwärmen.

-Wenn sie heute an ihre Jugend zurückdenkt, hat sie absolut keine positiven Erinnerungen. Erinnerungen von Gewalt, Angst, Folter, Sehnsucht nach ihrer Familie usw... all das sind die Erinnerungen, die Shiva heute an ihre Jugend hat.

-All die Qualen der Schmerzen durch die wiederholten und massiven Schläge hat sie heute vielleicht überwunden. Was sie nicht überwinden kann und wohl nie wird überwinden können, ist der seelische Schmerz, der Schmerz in ihrem Herzen.

-Aber es geht ihr nicht nur um ihre Erinnerungen, Schläge gegen sie, Folter gegen sie. Es sind auch die Erinnerungen an andere Menschen, die sie nicht loslassen. Wie z. B. ein junges Mädchen aus ihrer Zelle, das so dermassen gefoltert und vergewaltigt wurde, dass man durch den Geruch, der an ihr klebte, nicht mal richtig mehr atmen konnte. Dieses Mädchen wurde so schlimm misshandelt und vergewaltigt, dass sie völlig verrückt geworden war.

-Ein Mädchen aus dem Gefängnis Kermanshah fiel ihr auf, dessen Fussnägel regelmässig eiterten und abfielen. Shiva wunderte sich, warum das so war. Warum? Die Antwort sollte Shiva bald erhalten. Während dieses Mädchen bereits gefoltert und gequält wurde, drohte man ihr, etwas mit ihr anzustellen, das sie nie im Leben vergessen sollte. Man steckte Nadeln unter ihre Fussnägel und liess sie dort eine Weile stecken. Immer wieder passierte es, dass das Mädchen sich vor Schmerzen krümmte. Ihre Zehen eiterten, sie musste operiert werden. Danach tat man ihr das wieder an und wieder und wieder... Sie wird das wohl nie im Leben vergessen haben.

-Ein anderes wunderschönes Mädchen im Gefängnis Rezaie, das auch Gefängnis des Meeres genannt wird, über das erzählt wurde, dass sie ein sehr intelligentes Mädchen war, wurde so brutal misshandelt und gefoltert, dass sie völlig verrückt geworden war. Aus ihr kamen nur noch Tierlaute heraus. Und weil sie das tat, wurde sie, trotz dem ihre Zeit im Gefängnis abgelaufen war, nicht wieder freigelassen. Shiva sah sie wie eine beste Freundin - eine Freundin, die vor ihren Augen starb - und sie nur hilflos dabei zusehen konnte. Auch diese Erinnerungen lassen Shiva nicht mehr los.

-Als Shiva freikam, versprach sie sich selbst, dass sie dafür sorgen würde, dass kein einziges junges Mädchen oder Junge jemals solche Erfahrungen in ihrer/seiner Jugend, ihren/seinen besten Jahren machen sollte wie sie das einst durchleben musste.

-Erinnerungen der Stimmen ihrer alten Klassenkameradinnen, 12, 13, 14 Jahre alt damals, die man festnahm, folterte, vergewaltigte, exekutierte.
Die Pasdaran (Regime-Polizei), die die jungen Mädchen vergewaltigten, kauften danach einen Karton "Shirini" (süsses Gebäck), brachten es der Mutter der Vergewaltigten mit den Worten:
"Ich habe Deine Tochter geheiratet."

-"Ich will ihre Stimme sein, ich war ihre Stimme und werde immer ihre Stimme sein", sagt Shiva Mahbobi.

shiva.mahbobi@gmail.com

Hier das Video.


Und ich sage: Danke Shiva, dass Du Deine Geschichte, die mir so unendlich Gänsehaut bereitet, mit uns teilst. Dass Du bereit bist, durch Deine Erzählungen und Erinnerungen jedes Mal von Neuem durch diese Schmerzen und Qualen zu gehen, um die Stimme all der Shivas im Iran zu sein. Ich danke Dir, und ich verbeuge mich vor Deinem Mut!

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Hattip: Shayla

Crossposting mit FreeIranNow!

Montag, September 14, 2009

Was haben Boris Palmer und der Muslim-Markt gemeinsam?

Zumindest einen Freund und eine gute Bekannte. Ein wenig Googeln reicht schon:

Wie ich eben in einem Rundbrief erfahren habe, rühmt sich die islamische Judenhasser-Webseite
Muslimmarkt nicht nur, dass sie Felicia Langer als Gesprächspartnerin gewinnen konnte, sondern auch ihrer Kontakte zu diversen Universitäten und wissenschaftlichen Einrichtungen. Unter den Aufgelisteten befindet sich auch das Institut für Friedenspädagogik Tübingen e.V. Sicher reiner Zufall (?), dass sowohl Frau Langer als auch Herr Palmer freundschaftliche Beziehungen zu diesem Institut haben (s. unten). Zum Vergrößern bitte aufs Bild klicken.

Nun ist es auf den ersten Blick nichts Verwerfliches, wenn man einem Institut nahe steht, das auch Frau Hamm-Brücher zu seinen Unterstützerinnen zählt (auch das FDP-Gewissen kann irren), aber sollte beim Aufzählen der Kombinationen Tübinger Institut und Muslim-Markt, Langer zum Interview beim Muslim-Markt, Palmer und Langer nicht ein Aha-Erlebnis eintreten? Sucht man den Namen des Tübinger Oberbürgermeisters zusammen mit dem Verweis, erhält man diesen Eintrag:
Boris Palmer ist Mitglied des Landtages von Baden-Württemberg, stellvertretender Vorsitzender der Fraktion „Bündnis 90 / Die Grünen“ und im Oktober 2006 neu gewählter Oberbürgermeister der Stadt Tübingen.
"Mir gefällt, dass das Institut für Friedenspädagogik Frieden nicht nur als hehres Ziel pflegt, sondern auch ganz lebenspraktisch deutet. Frieden machen kann jede(r). Das Institut bietet dazu vielfältige mediale Unterstützung und mehrt den Ruf der Friedensstadt Tübingen.
Danke und auf die nächsten 30 Jahre. Alles Gute!"
Weiß Herr Palmer eigentlich, welche "Friedensabsichten" der islamische Kooperationspartner des Friedensinstitutes hat und dass vor Jahren vom Betreiber der Webseite in Form eines verklausulierten "Gebetes" zum Mord an einem Islamkritiker aufgerufen wurde? Dass das Institut selbst nicht wüsste, mit wem es zu tun hat, klingt ein wenig komisch, oder?

Also noch einmal: Weiß Herr Palmer, welche Kontakte das von ihm hoch gepriesene Friedensinstitut pflegt?

Auch hier hilft ein wenig Googeln weiter:
Sucht man den Namen der Israel-Hasserin Langer zusammen mit dem Verweis auf das Tübinger Institut, wird man wieder fündig. So - und jetzt erzähle mir jemand, dass Palmer und Langer sich dort nie begegnet sind und zwischen ihnen niemals ein Wort über Langers Interview beim Muslim-Markt gefallen ist. Wie gesagt - Palmer kennt nach eigener Aussage Frau Langer sehr lange und sehr gut.

Freitag, September 11, 2009

9/11: Erinnerung, Verharmlosung, Rechtfertigung und Verhöhnung

Vielen meiner Freunde und Leser geht es wohl ähnlich wie mir - sie können sich noch ziemlich genau daran erinnern, was sie am 11. September 2001 in den Stunden der Anschläge erlebten, wo sie sich befanden und womit sie in dieser Zeitspanne beschäftigt waren.

An jenem Tag stieg ich nachmittags kurz nach 15 Uhr, von der Redaktion kommend, aus der U-Bahn, um in den Münchner Hauptbahnhof zu gelangen. Oben angekommen sah ich im Eingangsbereich eine große Menschentraube, die gebannt auf die Videotafel sah. Auch ich blieb stehen, und ich sah einen Sprecher des ZDF, dazu den getroffenen und rauchenden Nordturm des WTC und pausenlos Zwischenschaltungen zu Korrespondenten in den USA und weltweit. Relativ bald erfasste ich, was passiert war: Es konnte nur ein Anschlag gewesen sein. Als das zweite Flugzeug knapp 17 Minuten später in den Südturm raste, konnte ich meine Wut und Trauer nicht mehr zurückhalten und ich weinte. Ich sah um mich - kaum eine Regung, aber alle Münder offen.

Da ich meinen Anschlusszug nicht verpassen durfte und sowieso nur eine halbe Stunde von München bis zu meinem Wohnort brauchte, entschloss ich mich, mit den anderen Pendlern den Zug zu besteigen, um mich daheim weiter zu informieren. Noch im Zug fiel mir auf, wie teilnahmslos und beinahe gelassen die meisten Mitreisenden wirkten. Ich sprach (vollkommen aufgelöst) meine Sitznachbarn an - keine Reaktion, Mobiltelefon am Ohr und Walkman eingeschaltet. Das begreife ich heute noch nicht.

Ein Jahr danach:

Der SPIEGEL-Journalist und Autor Henryk M. Broder veröffentlichte sein Buch „Kein Krieg, nirgends: Die Deutschen und der Terror“ (Die Abbildung links oben zeigt das Cover des Buchdeckels).

Er beschäftigte sich darin mit den Reaktionen vieler Deutscher auf die Terroranschläge - Prominenter und Leserbriefschreiber -, ihrer fassungslos machenden Gleichgültigkeit und gnadenlosen Empathielosigkeit, ihrer Täter-Opfer-Umkehrung und den sie umtreibenden Motiven - naiver Friedenssehnsucht, gepaart mit Verständnis für den Terror der „Underdogs“, veritablem Hass auf amerikanische Lebensweise und selbstverständlich
schlecht kaschiertem Antisemitismus im Schlepptau.

Henryk M. Broder hatte genau hingesehen und hingehört und dankenswerterweise zu Papier gebracht, was vielen unserer Freunde und mir auch aufgefallen war: Das anfängliche Mitgefühl schlug bald (bei einigen wie Drewermann und Sloterdijk schon nach Stunden) in kaum verhüllte Schadenfreude und Hass gegen die USA und Israel um -
Manifestationen bornierten Schwachsinns und selbstgerechter deutscher Nabelschau, oder wie Broder auf Seite 184 titelte:

So was kommt von was. Deutsche Trauer und deutsche Leiden


Ich bringe hier der Einfachheit halber einige Zitate im Original mit geringfügigen Kürzungen, die Broder ab Seite 184 in seinem Buch zusammengestellt hat; dazwischen wenige Einschübe aus anderen Kapiteln. Sie sprechen für sich und müssen nicht kommentiert werden. Die meiner Ansicht nach perversesten Interpretationen Karlheinz Stockhausens, Eugen Drewermanns und Wolfgang Benz' vorneweg (adjektivische und andere Zusätze neben den Namen [außer den Quellenangaben natürlich] stammen von mir):

Karlheinz Stockhausen
(Zwölfton-Komponist und Ästhet), zitiert nach dpa

Was da geschehen ist, ist - jetzt müssen Sie alle ihr Gehirn umstellen - das größte Kunstwerk, das es je gegeben hat. Dass Geister in einem Akt etwas vollbringen können, was wir in der Musik nicht träumen könnten, dass Leute 10 Jahre üben wie verrückt, total fantastisch, für ein Konzert und dann sterben….Da sind also Leute, die sind so konzentriert auf eine Aufführung, und dann werden 5.000 Leute in die Auferstehung gejagt […]. Das könnte ich nicht. Dagegen sind wir gar nichts, als Komponisten…Ein Verbrechen ist es deshalb, weil die Menschen nicht einverstanden waren. Die sind nicht in das „Konzert“ gekommen.

Eugen Drewermann (kath. Theologe und prominentes Weltgewissen neben Hans Küng) live im Rundfunk (SFB) noch am 11. 9.2001, (im Buch auf Seite 25):
[…] Terror ist die Waffe der Ohnmächtigen […]. Wann lernen wir, die Sprache des Hasses als ein Betteln und Bitten darum zu verstehen, dass man sich auseinandersetzen müsste über die Gründe einer solchen inneren menschlichen Entfernung. Es gibt keinen Hass, schon unter Individuen, der etwas anderes wäre als eine enttäuschte Liebe. Menschen möchten dazugehören, das ist der Sinn dieser ganzen irrsinnigen Aktionen […].

Islam- und "Antisemitismus-Spezialist“ Wolfgang Benz damals über die Twin Tower als „Machtsymbole“ (Im Buch auf Seite 39):
[…] aber es sind Symbole von Stolz und Reichtum und Arroganz. Solche Gebäude aufzurichten, das ist die äußerste Arroganz, und die Verletzlichkeit ist damit mit eingebaut. Und die Attacke gegen diese Gebäude, mit dieser Attacke kann man eigene Ohnmachtsgefühle und eigene Demütigungen auslöschen und in die Ohnmacht und die Demütigung des Gegners verwandeln….Und das evoziert die drastischen und die dramatischen Reaktionen, und das macht es so gefährlich und so verheerend, gerade diese Symbole anzugreifen und zu zerstören.

Peter Sloterdijk, Welterklärungskassandra und Ästhetik-Zumutung einer fehlgeleiteten Woodstock-Generation aus Karlsruhe, im Focus vom 24.09.2001 (Nichts gegen Woodstock - ich weiß als Betroffener, was man aus dieser Zeit lernt)
Haben wir immer noch nicht verstanden, dass die westliche Demokratie jene Lebensform ist, in der man für seinen Feind verantwortlich ist - weil dieser die eigene Praxis widerspiegelt?

Flugblatt der PDS Hamburg
So was kommt von so was.

Leserbrief in Die Woche vom 19.10.2001
Wenn die amerikanische Politik dieses Drama zum Anlass nimmt, ihren Umgang mit anderen Staaten und Kulturen zu überdenken und zu begreifen, dass McDonald’s und Pepsi keine Kulturgüter, sondern schnöder und ungeschminkter Kapitalismus sind; es zum Anlass nimmt, nicht anderen Völkern vorschreiben zu wollen, dass nur der amerikanische Weg der Weg des Glücks ist […], dann war der Tod der Tausenden in New York nicht ganz so sinnlos, wie er sich heute darstellt.

Endzeit-Revoluzzer Klaus Theweleit in der taz vom 19.09.2001
Was dabei gerne übersehen wird, ist, dass ausgerechnet jemand wie Bush die Wahlen nur mit den Stimmen aus dem Bible Belt gewinnen konnte: den Stimmen von fundamentalistischen Amerikanern, von religiösen Fanatikern….Bush wundert sich dann, wenn aus anderen Teilen der Welt diese religiös bewaffneten Antworten zurückkommen.

Leserbrief im Freitag vom 26.10.2001
Selbst ich verspüre Ansätze von Genugtuung, dass auch die USA etwas verunsichert werden in ihrem selbstherrlichen Gefühl von Unverletzbarkeit. Es ist einfach nicht gut, alle Welt mit Hamburgern, MTV und Bomben traktieren und sich auf seinem Kontinent in absoluter Sicherheit wiegen zu können.

Roger Willemsen, Berufsschwätzer und Verbalpornograf in Die Woche vom 9.11.2001
Eine der bitteren Fragen zum Attentat auf das World Trade Center lautet: Hätte die Welt ähnlich getrauert, wenn die Opfer in einem anderen Bauwerk, etwa, wenn sie auf offenem Feld umgekommen wären? Anders gefragt: Teilte sich die Symbolkraft des Ortes, an dem über arm und reich entschieden wird, der Form und Stärke des Trauerns mit?

Wiglaf Droste im Kriegstagebuch der taz am 12.11.2001
So bedauerlich der Tod von 7.000 Menschen in New York ist, gemessen an dem, was sonst noch geschieht auf der Welt, handelt es sich um eine Lappalie.

J. W. Möllemann, Fallschirmjäger a.D., bei Sabine Christiansen am 4.11.2001
Wir müssen die Besetzerpolitik Israels gegenüber Palästina attackieren.

Leserbrief eines um Deutschland überaus Besorgten in der Berliner Zeitung, 15./16.9.2001
Schwer geschockt von den Ereignissen, stelle ich mir nun die Frage: Was passiert, wenn sich verrückte Terroristen entscheiden, ihren Flieger nicht in einen Wolkenkratzer, sondern in ein Kernkraftwerk zu steuern? Obwohl die Verluste an menschlichem Leben erschütternd sind, ist offensichtlich, dass die Angriffe symbolischen Zielen galten. Was passiert aber, wenn uns jemand wirklich hart treffen will?

Wieder Klaus Theweleit im Tagesspiegel vom 20.9.2001
Die Blockhütte liegt in Asche. 6000 Gute sind skalpiert, die Verfolger holen die Gewehre aus dem Regal und satteln ihre Marschflugkörper. Bloß sind keine Indianer greifbar. Greifbar ist das ständig wachsende Loch „ausbleibender Vergeltung“. So muss die stündlich wiederholte Versicherung helfen, die Twin Towers wieder aufzubauen, größer, schöner, sicherer.

Leserbrief in DIE WELT, 19.09.2001
Ein Symbol der westlichen technologisierten Welt stürzt zusammen und begräbt Tausende von Menschen unter sich. Die Welt trägt halbmast. 200.000 Menschen zeigen in Berlin nicht nur ihre Loyalität und Solidarität, sondern auch ihre Mentalität…und in Afrika sterben Kinder. Kinder, die noch nie ein Schulbuch in der Hand hielten, Kinder, für die Internet ein Fremdwort ist; in Frankfurt steigt ein Kinderschänder ins Flugzeug nach Thailand […], Bushs Raketentests geraten in Vergessenheit, die Weltklimakonferenz kühlt ab, und wir trauern. […] Und auf einmal sind wir alle Amerikaner (ich habe noch niemanden sagen hören, dass er Afrikaner sei).

Leserbrief in der Frankfurter Rundschau vom 19.09.2001
War die Vernichtung von Hiroshima und das Nagasaki und das dadurch entstandene Leid notwendig? […] Mit welchem Recht unterstützen wir die, die das palästinensische Volk seit 53 Jahren unterdrücken und vertreiben? Schürt das nicht Verzweiflung und Hass in den muslimischen und arabischen Ländern? Tragen wir mit unserer Wirtschaftspolitik nicht zur Verarmung der Dritten Welt bei?

Leserbrief in DIE WELT, 19.09.2001
Die Opfer nun mögen mir verzeihen, aber beim Anblick der zerstörten Gebäude Pentagon und Twin Towers huscht mir auch ein Lächeln über das Gesicht. Bislang haben die Amerikaner der USA immer nur Zerstörungen außerhalb ihres Landes angerichtet. Jetzt erfahren sie einmal selber, was es heißt, Opfer zu sein.

Leserbrief in der Süddeutsche Zeitung vom 24.9.2001
Wir Mitarbeiter vom Goethe-Institut Freiburg halten das Wort vom “Kreuzzug“ gegen die Terroristen für nicht hilfreich. Wer zur Begründung militärischer Aktionen die Religion…. bemüht, instrumentalisiert sie in unzulässiger Weise für politisch-militärische Aktionen und argumentiert auf der Ebene jener, die terroristische Gewalt mit dem „Heiligen Krieg“ rechtfertigen.

Nochmals Schrott-Germanist Roger Willemsen eine Woche nach 9/11 zu Besuch bei Alfred Biolek (Im Buch auf Seite 50)
[....] Und ich warte auf die Zeit, wo die brennenden Türme zum ersten Mal in einem Pop-Video auftauchen….ich bin nicht ganz sicher, ob das wirklich erschreckende Bilder waren; ich glaube, die Monumentalität oder die Erhabenheit der Katastrophe entspricht der Erhabenheit unserer Schaulust. Was erschreckend wäre, wäre eine algebraische Formel, 500mal am Abend gezeigt.

Leserbrief in DIE WELT, 19.09.2001
[...] Wer hinterfragt schon…., warum ausgerechnet die USA von dem unbändigen Hass aus der Dritten Welt heimgesucht worden sind? Gilt nicht auch hier der abgewandelte Spruch „Wer Armut sät, wird Hass ernten?“

Boris Becker (BumBum) in der STERN-Ausgabe vom 22.11.2001 (im Buch auf Seite 156)
Eigentlich war ich überrascht, dass es so lange gedauert hat, bis eine Katastrophe passiert.

Leserbrief in der Berliner Zeitung, 22./23.9.2001
Sicherlich ist die Anzahl der Opfer in den USA erschreckend hoch, jedoch gab es in den letzten Jahren genug Katastrophen, wie beispielsweise die Wirbelstürme und Überschwemmungen oder den Bürgerkrieg in Somalia. Diese Ereignisse haben das öffentliche Leben oder die Berichterstattung nicht annähernd so stark eingeschränkt wie der Terrorakt, obwohl sie weitaus mehr unschuldige Opfer gefordert haben.

Leserbrief in der Berliner Zeitung, 22./23.9.2001
Der Tod der Menschen im World Trade Center mahnt nicht zur barbarischen Rache. […] Ein Angriffskrieg der USA macht die Welt noch unsicherer; er würde die Toten des World Trade Center noch einmal töten.

Anzeige im Neues Deutschland vom 2.10.2001
Nein zum Mord an Unschuldigen. Offener Brief an Bundeskanzler Schröder

Sehr geehrter Herr Bundeskanzler, wir….verurteilen den verbrecherischen Terrorakt in den USA aufs schärfste und fordern die Bestrafung der Schuldigen. Bei aller Trauer und verständlichen Wut muss der Artikel 1 der UN-Charta, „den Weltfrieden und die internationale Sicherheit zu wahren“ vor der UNO zur Anwendung kommen. Nicht die NATO, die UNO ist gefordert….Bis zur eindeutigen Klärung der Schuldfrage ist der Bündnisfall nach Artikel 5 des Washingtoner Vertrages für die NATO-Staaten nicht gegeben!....Wir haben den Zweiten Weltkrieg und seine Auswirkungen miterlebt und möchten unseren Kindern und Enkeln dieses Trauma ersparen.

Die Unterzeichner sind ehemalige Offiziere der bewaffneten Organe der DDR.

taz-Kommentar vom 27.9.2001
Die US-Politik hat in der Nachkriegszeit mehr Menschenleben gekostet als alle Terroranschläge der Welt zusammen, zuzüglich jener, die mit US-Unterstützung begangen wurden.

Leserbrief in der Berliner Zeitung, 29./30.9.2001
Die wachsende Kluft zwischen armen und reichen Ländern schürt Neid und Hass auf den Westen. […] Der “Feind“ darf nicht als das Böse entmenschlicht werden. Solange die Welt immer nur in Schwarz und Weiß, in Gut und Böse eingeteilt wird, wird es Kriege geben. “Auge um Auge, Zahn um Zahn“, heißt es im Alten Testament. Wie lange wird das gehen? Wie viele Zähne haben wir übrig?

Leserbrief im Tagesspiegel, 14.10.2001
Parallel zu dem legitimen Versuch, den weltweiten Terrorismus zu bekämpfen, müssten die USA, müsste die westliche Allianz einen Beitrag dazu leisten, die legitimen Interessen der Palästinenser zu befriedigen, oder mit anderen Worten: Israel endgültig zu einer friedlichen Lösung des Palästinaproblems zu bewegen, denn die Fackel, die immer wieder das Feuer des von islamischen Fundamentalisten ausgehenden Terrorismus entfacht, liegt zweifelsohne im israelisch-palästinensischen Konflikt.

taz-Kommentar „Osama bin Laden wird zur Ikone - und die USA helfen ihm dabei“ vom 12.10.2001
[...] jetzt spielt al-Kaida das Spiel weiter: gegen die hochgerüsteten Flugzeugträger, Bomber und Spezialeinheiten Großbritanniens und der USA stehen einfach gekleidete Leute, die mit einer Kalaschnikow irgendwo im Gebirge auf dem Boden sitzen, zum Kampf gegen einen übermächtigen Gegner aufrufen und jetzt auch noch klare Kriegsziele formulieren: Befreiung Palästinas, Rückzug der USA aus Saudi-Arabien, Ende der Sanktionen gegen den Irak.

Leserbrief im Neues Deutschland vom 25.10.2001
Es wird das Gedenken an die Tausenden Toten geschändet, wenn ihr Tod für einen Akt von monumentalem Staatsterrorismus missbraucht wird. Müsste ihrem Sterben nicht Sinn gegeben werden durch die Erkenntnis, dass nur eine menschenwürdige Politik […] Frieden auf Erden schaffen kann? Globale Solidarität gegen globale Herrschaftsansprüche.
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Ich könnte noch viel mehr Zitate bringen, aber eine rhetorische Frage zum Schluss sei erlaubt: Wie hätte Obama am 11. September 2001 reagiert?

Quelle:

Henryk M. Broder: Kein Krieg, nirgends: Die Deutschen und der Terror
(Gebundene Ausgabe)
214 Seiten
Verlag: Berlin Verlag (2002)
ISBN-10: 382700442X
ISBN-13: 978-3827004420

P.S.: Meine Rezension zum Buch vom 16. November 2002 hier. Ich war einigermaßen überrascht, dass die Bewertungen überwiegend zustimmend ausfielen.

Mittwoch, September 09, 2009

Charles Manson & Helter Skelter: Keine Hippieveranstaltung

Wissen Sie, welcher Häftling weltweit die meisten E-Mail-Zuschriften erhält? Nicht schwer zu raten, sein Name steht in der Überschrift.

Der nur 1,63 große, äußerst aggressive und mehrfach vorbestrafte Rassist Charles Manson (bei dieser Abbildung bitte nicht erschrecken) und seine nach ihm benannte "Family", die aus eingeschüchterten und drogenabhängigen Teenagern sowie weiteren Kriminellen bestand, stehen wohl für die entscheidende Zäsur in der Hippie-Bewegung und deren jähes Erwachen aus allen Träumen - nach Ansicht einiger Musikhistoriker ist Manson auch ihr Totengräber.

Das 40-jährige Woodstock-Jubiläum wurde in diesem Jahr weltweit - ob zu Recht oder Unrecht - rauf und runter gefeiert, auch am Originalschauplatz in White Lake bei Bethel im Bundesstaat New York. Für meinen Teil würde ich, der damals Jugendlicher war, sagen: Musik okay (auch heute noch), ansonsten endlich abhaken. Wenn manche Oldies wehmütige Reminiszenzen an Hippiezeiten haben, kann ich das zwar nachvollziehen, aber mehr als eine Sehnsuchtsblase, die immer wieder den „Totalen Frieden“ beschwört, ist das auch nicht mehr.

Manche Zeitgenossen wollen Woodstock und die Hippiebewegung generell in irgendeinen Zusammenhang zu den grauenhaften Morden stellen, die im selben Jahr von Mansons „Family“ und ihm an Roman Polanskis Frau Sharon Tate u.a., darunter auch dem Ehepaar LaBianca, begangen worden waren. Und je länger die Ereignisse zurückliegen, desto wilder blühen die Spekulationen. Eine der am häufigsten kolportierte ist die, dass Charles Manson, der sich während der Haft ein Hakenkreuz auf die Stirn tätowiert hatte, zu den Morden besonders vom Beatles-Song Helter Skelter aus dem berühmten White Album inspiriert worden sei (Helter Skelter meint in Deutsch eine spiralförmige Rutsche in englischen Vergnügungsparks wie in der Abbildung oben aus dem 19. Jahrhundert; Manson kannte diese aus dem Britischen kommende Bedeutung nicht. Als Amerikaner übersetzte er mit Holterdiepolter, Chaos).

Und tatsächlich meinte Manson aus diesem Song, den er oft auch rückwärts abspielte, eine Botschaft herauszuhören, die seiner Meinung nur für ihn gedacht gewesen sei (später auch eine beliebte Methode, die man bei Black Sabbath, Judas Priest u.a. anwandte): Die Beatles, für ihn gleichbedeutend mit den 4 Engeln der Apokalypse, hätten den Song geschrieben, um auf unmittelbare Rassenunruhen hinzudeuten, die noch 1969 von der schwarzen Bevölkerung angezettelt werden würden. Am Ende stünde ihr Sieg gegen die Weißen. Aufgrund ihrer „unzulänglichen Rasseeigenschaften“ (hier begegnet uns übrigens auch Rudolf Steiners theosophischer Rassismus, wenn auch aus einer ganz anderen Ecke) wären sie jedoch unfähig, sich selbst zu führen. Deshalb würden sie ihn zu ihrem neuen Anführer wählen und zum Herrscher über die Welt machen. Das Ende käme dann, wenn Jesus und die 4 Engel (Beatles) sie in die Seligkeit entführten, wobei noch zu klären war, wie das vonstatten gehen sollte, wenn Manson sich für Satan und Jesus in einer Person hielt.

Man muss schon enorm obskure Fantasien entwickeln, um zu solch bizarren Schlüssen zu kommen; und ebenso verrückt mussten seine Anhänger sein, die mit ihm auf seine Ranch zogen, eine ehemalige total heruntergekommene Westernkulisse nahe Los Angeles. Gruppensex und LSD boten Manson die Gewähr, dass er seine Leute zusammenhalten konnte.

Manson und seine Verbrechen: Ein Produkt der Hippie-Bewegung?

Hatte der Song Helter Skelter ihn zum Mord getrieben? Dieser Standpunkt wird oft von Menschen vertreten, die das Böse bzw. böses Handeln gerne und oft ausschließlich nach außen verorten - an Satan, seine Einflüsterungen und alle möglichen anderen Versuchungen, nur nicht an die (Un-) Tiefen der eigenen Seele....

Das kann man so einfach nicht stehen lassen. Erstens ist jeder Mensch für seine Taten selbst verantwortlich, so lange er diese bewusst und/oder aus freien Stücken verübt. Zum Zweiten kam Manson mit zig-Strafstaten schweren Kalibers im Gepäck nach Los Angeles; er war also alles andere als unbeleckt, was kriminelle Energie betraf. Drittens gab es in der Hippieszene - von kleinen Gesetzesverstößen abgesehen, kein Verbrechen dieser Art. Altamont mit den Stones und dem Mord der Hells Angels an einem Konzertbesucher passierte Monate später und blieb ein Einzelfall. Die Stones verhielten sich damals aber sehr unverantwortlich.

Festzuhalten bleibt, dass aus der Vermischung zwischen Hippiebewegung und oft erschreckend infantiler Jesuskultur dubiose Gruppen wie die „Kinder Gottes“ (auch Mo-Sekte genannt), hervorgingen, die immer tiefer ins kriminelle Milieu abdrifteten - Flirty Fishing, um nur ein Beispiel zu nennen. Dass aus diesen Kreisen auch einzelne Mitglieder in Kontakt mit Manson und seiner „Family“ kamen und dort kurze oder längere Zeit verweilten, trifft zweifelsfrei zu. Dazu kam, dass der Bandenführer eine überaus starke und negative Anziehungskraft ausübte. So gaben ehemalige Mitglieder der „Family“ an, dass sie sich seiner Ausstrahlung - besonders seinem durchdringendem Blick - kaum entziehen konnten.

Mordmotiv: Verschmähte Eitelkeit

Manson war mit Dennis Wilson von den Beach Boys in Kontakt gekommen und wurde des Öfteren in dessen Haus eingeladen, wo es natürlich zu den obligatorischen Kiff-, LSD- und Sauforgien kam. Wilson hatte Manson ein wenig Hoffnung gemacht, dass er ihm eventuell einen Plattenvertrag vermitteln könne, und er arrangierte ein Treffen mit dem versnobten Sohn Doris Days, dem Musikproduzenten Terry Melcher. (Manson hielt sich für einen großen Songschreiber und Sänger; eine komplette Fehleinschätzung, auch wenn Wilson einen von Mansons langweiligen Songs auf einer Single-B-Seite veröffentlichte).

Melcher ließ jedoch Manson jedoch ziemlich kühl abblitzen. Von nun an reiften Mansons Mordpläne: Er wollte es dem L.A.-Establishment heimzahlen. Ungestraft sollte man ihn nicht brüskieren dürfen. Er schickte Gruppenmitglieder zum Haus Melchers. Sie sollten ihn und seine Familie töten. Der wohnte dort aber nicht mehr – Roman Polanski hatte zwischenzeitlich das Haus erworben. Der Rest ist bekannt.

Montag, September 07, 2009

Abendrot

Eines meiner schönsten Abendroterlebnisse in den letzten Jahren:

Südlich von Königsbrunn (nahe Augsburg). Natürlich mit meinem Bike abgefahren.

Vorher hatte ein etwas fülliger Freizeitsportler mit Claudia-Roth-Shirt vergeblich über ganz Königsbrunn versucht, meinen Schnitt durchzuhalten. Muss ohl ein Grüner gewesen sein...

Zur Info: Königsbrunn ist die kilometermäßig längste Gemeinde Deutschlands. Der Radweg entlang der Bundestraße ist mittlerweile sehr gut ausgebaut - Kompliment.



Ich bin nicht der größte Fotoshooter, aber eines bilde ich mir eitlerweise ein: Für Motive und Stimmungen habe ich ein Gefühl. Da muss man halt' ab und zu vom Fahrrad absteigen....;

Oft denke ich mir, dass ich die eine oder andere Aufnahme nachholen könnte, wenn ich vorbeihusche. Vergisst man aber meistens beim nächsten Mal.

Diese Aufnahme wurde kurz vor 20.00 h (in Bayern) gemacht; also nicht so einfach....; wegen der Belichtungszeit.

Meine (alte) Kamera:
Fuji S-304.

Danke Necla Kelek!

Hört mal Necla Kelek zu. Großartig!

Diesmal war sie bei Frank A. Meyer in der Sendung “Standorte” eingeladen.
Hier der Link (bitte auf den weißen Pfeil nach dem Runterscrollen klicken).

Ab und zu kann es nicht ausbleiben, dass Ruth Humbel (CVP), Präsidentin der SVP Schwyz, Judith Uebersax und Professor Georg Kreis, Präsident der Eidgenössischen Kommission gegen Rassismus, von Necla Kelek in dieser Diskussion ihre Grenzen aufgezeigt bekommen. Wir wissen sowieso: Jedes schlechte Wort gegen Ahmadinejad ist in der Schweiz mittlerweile verboten.