Sonntag, November 02, 2008

Sinkflug in die Durban II-Konferenz

Das Neueste zum Antirassismusdebakel der UNO

HonestReporting

Die 2001 von der UN im südafrikanischen Durban abgehaltene Konferenz gegen Rassismus bleibt als antiisraelisches und antisemitisches Hassfestival in Erinnerung. Wie NGO Monitor darlegt, wurde die erste Durban-Konferenz selbst (!) zum Instrument für Rassismus, im Besonderen gegen Israel gerichtet. Durban hatte einen enormen Anteil an der zunehmenden Dämonisierung und Delegitimierung Israels. Mit der Durban-Folgekonferenz, die April 2009 in Genf stattfinden wird, ist es zwingend notwendig, dass man eine Wiederholung von Durban I nicht zulässt. Während die Massenmedien die Vorbereitungen für diese Konferenz weitestgehend ignoriert haben, wird es umso mehr darauf ankommen, dass die Öffentlichkeit vor der drohenden Gefahr von Durban II gewarnt wird.

Jonathan Kay
von Kanadas National Post mit einem Blick auf die neueste Entwicklung:

Anfang dieses Monats erstellte ein UN-Komitee, gespickt mit Diktaturen wie Libyen, Iran, Kuba etc., ein „Vorläufige Entwurfsdokument“ für die im Frühjahr 2009 angesetzte „Durban-Folgekonferenz“ - ein internationales Schwätzchen, dazu gedacht, jenes „Handlungsprogramm“ auf den Weg zu bringen, das aus der verheerenden Weltkonferenz gegen Rassismus im Jahr 2001 im südafrikanischen Durban hervorging.

Da
Durban I ein Inbegriff für Antisemitismus und antiwestlichen Extremismus geworden ist, scheint die bevorstehende Durban II-Schwatzrunde zur Farce zu verkommen (Kanada und Israel haben bereits angekündigt, dass sie nicht teilnehmen werden). Und so scheinen sich verhältnismäßig wenige Experten durch die UN-typische, aufgeblasene dokumentarische Vorbereitung durchgearbeitet zu haben.

Angesichts der flauen Nachrichtenlage an diesem Tag entschloss ich mich, mir alles genauer anzusehen.


Vier Stunden später kann ich die Übung nicht weiterempfehlen. Das 5-teilige „Vorläufige Entwurfsdokument“ enthält 88 Seiten und 646 Klauseln. Die meisten davon bestehen aus Wiederholungen von Vorlagen derselben kleinen Handvoll von Themen (gut in diesem UN-Watch-Bericht aufgelistet) : (1) Rassismus gibt es überall, (2) Die Ursache dieser Probleme ist beim Westen zu suchen - wegen seines „genozidalen“ Erbes der Sklaverei und Kolonialisierung, (3) „Islamophobie“ und Diskriminierung von „Menschen afrikanischer Herkunft“ sind besonders weit verbreitet und schädlich, und (4) Israel ist ein Pesthauch für die Nationen (Die Paragraphen 114-117 in Abschnitt 1 sind zum Beispiel ausschließlich der Beschimpfung des jüdischen Staats gewidmet. Im ganzen Dokument wird kein anderes Land so herausgehoben erwähnt). In vielen Fällen werden komplette Paragraphen mehrere Male wiederholt, wie zum Beispiel ein sehr langer Roman von Jimmy Carter zu Israel, das eine „Neue Form der Apartheid“ fördert.

Lesen Sie bitte den vollständigen Artikel
hier.

Besuchen Sie bitte
NGO Monitor, UN Watch and Eye on the UN, um stets aktuell zu Durban II informiert zu sein.

Donnerstag, Oktober 30, 2008

US-Wahl: Von wem könnte das Treueversprechen stammen?

Von denen...>>>oder von denen...>>>

Oder gar von beiden?

Auflösung ganz unten. Bitte nicht spicken, sonst geht die Spannung verloren…


Ganz gleich, wer am 4. November das Rennen macht, diesen Mindeststandard sollte er wenigstens einhalten. Aktuell sieht es allerdings weder bei Republikanern noch Demokraten danach aus, dass Israel sich auf sie verlassen kann….


Hier die (von Castollux) einigermaßen vernünftig übersetzte Erklärung:

Seit mehr als drei Jahrzehnten haben Israelis, Palästinenser, arabische Führer und der Rest der Welt auf Amerika geschaut, wenn es galt, beim Bemühen für den Weg zu einem sicheren und dauerhaften Frieden die Führung zu übernehmen. Ausgangspunkt muss immer unsere enge Beziehung zu Israel sein, begründet in gemeinsamen Interessen und Werten, und eine klare, starke, elementare Verpflichtung zur Sicherheit Israels, unseres wichtigsten Alliierten und der einzigen Demokratie in der Region. Diese Verpflichtung, die von uns abverlangt, zu gewährleisten, dass Israel einen qualitativen Standard für seine nationale Sicherheit und sein Recht auf Selbstverteidigung behält, ist umso wichtiger, da wir uns wachsenden Bedrohungen in der Region stellen müssen - einem erstarkten Iran, einem chaotischen Irak, dem Wiederaufleben der Al-Qaida, der Machtfülle von Hamas und Hisbollah. Wir unterstützen die gemeinsame Absichtserklärung, die Israel 30 Milliarden Dollar für das folgende Jahrzehnt zusagt, damit es seine Sicherheit gewährleisten und erhöhen kann.


Es ist im vorrangigen Interesse aller Parteien, einschließlich der Vereinigten Staaten, dass wir eine aktive Rolle übernehmen, um zur tragfähigen Lösung des israelisch-palästinensischen Konflikts mit einem demokratischen, lebensfähigen Palästinenserstaat zu kommen, der sich verpflichtet, in Frieden und Sicherheit neben dem jüdischen Staat Israel zu leben. Um das zu verwirklichen, müssen wir Israel dabei helfen, jene Partner zu erkennen und zu unterstützen, die sich wahrhaftig dem Frieden verpflichtet fühlen, gleichzeitig diejenigen zu isolieren, die Konflikte und Instabilität schüren - und wir müssen auf der Seite Israels gegen jene stehen, die nach seiner Vernichtung trachten. Die Vereinigten Staaten und ihre Partner im Nahost-Quartett sollten weiterhin die Hamas isolieren, bis sie dem Terror abschwört, Israels Existenzrecht anerkennt und sich an bisher geschlossene Abkommen hält.
Eine nachhaltige amerikanische Führung im Interesse von Frieden und Sicherheit wird geduldige Anstrengungen und die persönliche Verpflichtung des Präsidenten der Vereinigten Staaten erfordern. Die Gründung eines palästinensischen Staates nach abschließenden Statusverhandlungen, zusammen mit einem internationalen Entschädigungsmechanismus, sollte die Frage der palästinensischen Flüchtlinge lösen, indem man ihnen erlaubt, sich dort niederzulassen - und nicht in Israel.

Jedem ist klar, dass es unrealistisch ist, zu erwarten, dass das Ergebnis der abschließenden Statusverhandlungen eine volle und vollständige Rückkehr zu den Waffenstillstandslinien von 1949 bedeutet. Jerusalem ist und bleibt die Hauptstadt Israels. Die Verhandlungspartner stimmten überein, dass Jerusalem Gegenstand abschließender Verhandlungen ist. Es soll eine ungeteilte Stadt bleiben, die für Menschen allen Glaubens zugänglich ist.


Und hier die Quelle.

Samstag, Oktober 25, 2008

Wann wird BAK.Shalom endlich erwachsen?

Der BAK (Bundesarbeitskreis) Shalom, Plattform der Jugendorganisation der Partei Die Linke, unterscheidet sich in einem Punkt diametral von Parteioberen wie Lafontaine, Jelpke, Paech, Wagenknecht und vielen anderen in der Mutterpartei (Gysi und Kipping ausgenommen): Er kämpft aktiv und unerschrocken gegen antiisraelische und scharf antizionistische Strömungen innerhalb seiner Partei sowie gegen die Laxheit der deutschen Politik und der deutschen Medien - selbstverständlich auch des Organs Neues Deutschland - im Umgang mit dem iranischen Klerikalregime und wird deshalb nicht selten "von oben" abgestraft und zurückgepfiffen, wie beispielsweise im Fall des "Politischen Reiseberichtes" von Prof. Dr. Norman Paech.

Umso unverständlicher die Stellungnahme von
BAK.Shalom zu kritischen Anfragen von Hans-Peter Uhl und Kristina Köhler aus der CDU/CSU-Bundestagsfraktion anlässlich der Beratung zu einem gemeinsamen Antrag gegen Antisemitismus zum 70. Jahrestages der Reichspogromnacht vom 9.November 1938.

Missverständnis? Schnellschuss?

Hier ein Auszug der (ersten) Presseerklärung von BAK.Shalom zum Thema (Link zum vollständigen Text):
Mit großer Verunsicherung müssen wir beobachten, wie aus der Idee eines gemeinsamen Antrages zum Gedenken an die Reichspogromnacht vom 10. November 1938 eine parteipolitische Auseinandersetzung durch die CDU/CSU entstanden ist.
Ein fraktionsübergreifender Antrag, um einen parteiübergreifenden Konsens zu erreichen, wäre ein wichtiges Zeichen aller Demokraten gerade als klares Signal im Kampf gegen alle Formen des historischen und modernen Antisemitismus.
„Wir fordern die Union daher auf, ihre parteipolitischen Spielchen sein zu lassen und sich bis zum 09.11. auf einen gemeinsamen Text, welcher für alle Akteure akzeptabel ist, zu einigen. Eine Gleichstellung der nationalsozialistischen Taten mit der Politik der DDR ist keinesfalls akzeptabel und würde die Einmaligkeit der systematischen Verfolgung und Vernichtung von 6 Millionen Juden verharmlosen. Die Berufung eines Antisemitismus-Beauftragten ist ein wichtiger Schritt im Kampf gegen Antisemitismus und sollte durch die Union nicht blockiert werden“ so Benjamin Krüger, Bundessprecher des BAK Shalom.
Ich kann die Haltung des BAK.Shalom in dieser Frage nicht bzw. nur sehr, sehr schwer nachvollziehen. Und ich bin ziemlich angefressen, weil ich die Arbeit des Arbeitskreises prinzipiell als eminent wichtig und überzeugend einschätze.

Gerade jetzt(!) wäre doch der richtige Zeitpunkt, sich dem Problem des "staatlich verordneten Antifaschismus" der Ex-DDR und ihrem politischen Verdrängungs-Fallout zu stellen. Doch scheint der parteiinterne (verordnete?) "Friede" wichtiger zu sein als eine klare Stellungnahme zum Antisemitismus in der Ex-DDR und dem heutigen Antizionismus der Alten, der auch seine Tücken hat, um es sehr höflich zu formulieren. Warum nicht heute eine kontrovers geführte Auseinandersetzung mit den Verwaltern des SED-Gedächtnisvereins? Vielleicht würde dies gerade jetzt eine Katharsis bewirken. Medizin schmeckt meistens sauer, aber meistens wirkt sie. Mit einer Stellungnahme wie der letzten kuscht man vor den Betonköpfen in der eigenen Partei und kehrt das Problem antiisraelischer Dispositionen bei Die Linke wieder einmal unter den Teppich, auch wenn man das bei BAK.Shalom sicher nicht will.

Erstaunlich eigentlich angesichts des Israel-Engagements von BAK.Shalom. Ergibt sich hier nicht ein Widerspruch? Lachen sich Leute wie Norman Paech, Sahra Wagenknecht und Ulla Jelpke jetzt nicht ins Fäustchen? Und wo bitte ist die Gleichstellung nationalsozialistischer Taten mit der Politik der DDR seitens der CDU/CSU zu erkennen? Einfach lächerlich. Das sieht eher nach dem ebenso billigen wie hilflosen Versuch aus, eine kritische Anfrage abzublocken, indem man dem Fragesteller unlautere Motive unterstellt. Fehlt nur noch, dass man Frau Köhler, Herr Uhl und Herr zu Guttenberg in die rechte Ecke stellt...; eigentlich eher eine beliebte Masche der stalinistischen Fraktion. Von der ist man das gewohnt, aber vom BAK?

Ein befreundeter Journalist und Blogger, wie ich Sympathisant des BAK, schrieb mir gestern:
Ich kann das ebenfalls nicht nachvollziehen. Man könnte zwar darauf hinweisen, dass die Erklärung der CDU/CSU zur Entschädigung der Juden in der DDR auf die alte Bundesrepublik auch zutrifft, wenn auch in einer anderen Art und Weise. Das tut der BAK aber nicht; stattdessen schreibt er, die CDU hätte die DDR mit dem Nationalsozialismus gleichgesetzt. Das hat sie in der Erklärung, um die es geht, aber nicht getan. Schon seltsam, wie eine Gruppierung, die sich dem Kampf gegen den Antisemitismus auch in den eigenen Reihen verschrieben hat, jetzt plötzlich den Schwanz einzieht. Offenbar geht den Damen und Herren des BAK die Parteiräson bisweilen doch über alles.
Dies trifft den Nagel auf den Kopf und schlüssiger geht es auch kaum. Wann emanzipiert sich BAK.Shalom endlich von der Parteispitze?

Freitag, Oktober 24, 2008

Ach diese schrecklichen Checkpoints!

Wohl kaum eine Frau aus den palästinensischen Autonomiegebieten wird in westlichen Friedenszirkeln, Kirchengemeinden, DIG’s und GCJZ’s so oft herumgereicht wie Professorin Dr. Sumaya Farhat-Naser (links im Bild zusammen mit Kollege Uri Avnery)

„Israel benutzt die Checkpoints, um den Palästinensern ihre Rechte zu verweigern und sie zu demütigen“.

Dieser Satz stammt wortwörtlich nicht von ihr, aber es vergeht kaum ein Tag und kaum eine Rede, kein Referat vor der andächtig lauschenden Gemeinde ihrer Verehrer in diversen Zirkeln ohne über "diese schrecklichen Checkpoints“ gesprochen wird. Dabei darf sich Frau Naser des Beifalls ihrer Jünger gewiss sein; und als kritisch nachfragender (störender) Zeitgenosse werde ich meist mit entrüsteten Zischlauten zurechtgewiesen. Aber was will man auch anderes von Leuten erwarten, die sich israelfreundlich geben, oft aber eine satt antizionistische Grundierung in ihrer politischen Farbenlehre aufweisen, was nichts weniger als die Ablehnung der Eyistenz des Staates Israel meint - den sie als „künstliches Gebilde“ oder „Jude unter den Völkern“ betrachten. "Israelfreundlich" ist meistens - so meine Beobachtung - auf folkloristische Elemente und Reiseberichte oder Gedächtnisveranstaltungen beschränkt; daher auch die ohrenbetäubende Ahnungslosigkeit oder trotzige Realitätsverweigerung, wenn's um historische Fakten geht.

Farhat Naser steht lediglich als einzelnes prominentes Beispiel für all diejenigen, die sich als Friedensapostel aufspielen, aber den Terror der palästinensischen Seite als Notwehrakt und wer weiß was alles sonst noch bezeichnen. Daher nur folgerichtig, dass in diesem sich stets neu erfindenden Wahrnehmungsvakuum eines der schlimmsten Übel immer wieder zur Sprache kommt, das die Menschheit und Frau Naser vorneweg heimsucht, nämlich die angeblich so menschenverachtende Praxis der Kontrollen an den israelischen Checkpoints. Klar doch, wenn Frau Naser nicht selten auch mal länger als eine Stunde am Checkpoint ausharren muss, weil es die Sicherheitskontrollen so erfordern. Und damit komme ich (endlich) zum Punkt: Es geht Frau Naser und Kollegen nicht vorrangig um die (leider meist selbst verschuldeten) Unannehmlichkeiten im palästinensischen Alltag, sondern allein um ihre Bequemlichkeit. Wenn sie es schon nicht aushalten kann, endlich durchgewunken zu werden, wie können es dann die Palästinenser?

Und die Zuhörer klatschen….


Mitchell Bard ärgert sich auch schon länger über die Krokodilstränen-Tourneen frei schaffender Friedensakrobaten und die weltfremde Rhetorik der sie nachäffenden Medien. Er hat dazu klare Worte gefunden. Castollux hat wie immer übersetzt und unwesentliche Einschübe vorgenommen, die inhaltlich aber keine Veränderung bewirken.

Mitchell Bard
MYTHEN UND FAKTEN

Es ist nichts Außergewöhnliches für (alle) Länder, wenn sie ihre Grenzen schützen und Checkpoints einrichten - unter anderem, um illegalen Einwanderern den Zugang zu verwehren und Spitzbuben davon abzuhalten, Verbrechen zu begehen. Auch die Vereinigten Staaten unterhalten Kontrollpunkte an ihren Grenzen und Flughäfen und, wie die Amerikaner bei 9/11 erfahren mussten, sind dies äußerst dringende, wenn auch nicht alle Gefahren ausschließende Sicherheitsmaßnahmen.

Was Israel betrifft ist die Notwendigkeit von Checkpoints durch das Verhalten der Palästinenser provoziert worden. Die Terroranschläge in Israel gegen israelische Bürger haben dem jüdischen Staat keine andere Wahl gelassen als Barrieren zu errichten, um es Terroristen so schwer wie möglich zu machen, in israelisches Territorium einzudringen oder durch die PA-Gebiete (Im Westjordanland) zu fahren und dort Anschläge zu verüben.

Für unschuldige Palästinenser bedeuten die Checkpoints Unbill, aber sie verhindern viele Terroranschläge und retten somit Menschenleben dies- und jenseits der Grenze.
So auch am 5. Oktober 2008, als am Hawara-Kontrollpunkt nahe Nablus zwei Rohrbomben in einem Paket entdeckt wurden, das ein Palästinenser in seinem Fahrzeug versteckt hatte. Oder am 8. Juni 2008, als ein 18-jähriger Palästinenser am selben Checkpoint Bekanntschaft mit Handschellen machte. Sein Problem: Er hatte in seinem Auto sechs Rohrbomben, jede Menge Patronen und einen Sack Schwarzpulver gebunkert. „Es gehört zum Alltag, dass wir hier Bomben finden…und jeden Tag beschlagnahmen wir Messer und andere Waffen“ so Korporal Ron Bezalel von der Militärpolizei.

Gerade drei Wochen zuvor war ein weiterer Palästinenser festgenommen worden, der seinen um den Leib geschnallten Sprenggürtel mit fünf Rohrbomben bespickt hatte.
Bei einem Vorfall am 2. November 2002 fuhr ein mit Jeans beladener Van am Checkpoint vor. Die Soldaten überprüften die Personalien der Passagiere und stellten fest, dass einer von ihnen ein gesuchter Verbrecher war. Also wurde der Lieferwagen ausgeladen und alle Kartons geöffnet. Ausgerechnet im letzten Karton wurde man fündig: In ihm war ein Sprengstoffgürtel gepackt, der einem Selbstmordbomber zugestellt werden sollte. Zwei Wochen später hielt ein Taxi am selben Kontrollpunkt. Die Soldaten fanden zwei Computer im Kofferraum. Ihnen fiel sofort auf, dass die Geräte ungewöhnlich schwer waren. Sie öffneten die Gehäuse und - qui vois-tu venir? - zum Vorschein kamen zwei Sprengstoffgürtel und ein Gewehr.

Maßlos übertreibende und groß aufgeblasene Medienberichte suggerieren, israelische Grenzschützer würden palästinensische Frauen belästigen oder schikanieren. Leider aber können auch palästinensische Frauen als potenzielle Sicherheitsbedrohung nicht ignoriert werden. So nahmen zum Beispiel Beamte eines Checkpoints im Norden Jerusalems eine Frau fest, die einen Kinderwagen schob, aus dem kein vergnügliches Glucksen oder aufmüpfiges Gequengel eines Babys zu vernehmen war. Stattdessen kamen so nette Spielzeuge wie eine Pistole, zwei gefüllte Munitionskästen und ein Messer zum Vorschein. Während einer Hausdurchsuchung nach einem flüchtigen Hamas-Kämpfer wurden die Truppen dessen Schwester gewahr, die seine Knarre in ihre Unterwäsche gesteckt hatte. Eine weitere Frau hielt während einer Hausdurchsuchung eine Handgranate unter ihrem Baby versteckt.


Handelsgüter, Lebensmittel, Medikamente, Krankentransporte und Rettungssanitäter unterliegen weiterhin keinen Einschränkungen; lediglich während fortgesetzter Anschläge kommt es vorübergehend zu gewissen Einschränkungen. Alle Palästinenser, die in Israel mit gültigen Papieren einer regulären Beschäftigung nachgehen, können die Kontrollposten passieren. Einschränkungen erfolgen (kurzfristig) nur, wenn die Sicherheitslage dies erforderlich macht.


Absperrungen werden nicht errichtet, um die Palästinenser zu demütigen, sondern die Sicherheit israelischer Bürger zu gewährleisten. Leider haben aber palästinensische Terroristen immer dann, wenn Israel seine Maßnahmen gelockert und Checkpoints aufgelöst hatte, die Gelegenheit dazu genutzt, neue Anschläge auf unschuldige Israelis zu verüben.

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Kurze Anmerkung zum Schluss: Während der letzten Wochen wurden im Westjordanland mehrere Dutzend Checkpoints aufgelöst. Reaktion in der westlichen Presse: Tendenz gegen Null.

Samstag, Oktober 18, 2008

Klage gegen Gott abgeschmettert

Ernie Chambers (71), seit 38 Jahren Parlamentsabgeordneter im Staat Nebraska, ist mit einer im letzten Jahr eingereichten Klage gegen Gott auf den Bauch gefallen. Er hatte Gott vorgeworfen, dass dieser zahlreiche terroristische Drohungen schwerster Art gegen unzählige Personen, den Kläger eingeschlossen, geäußert habe. Erbeben, Orkane, Überschwemmungen, Dürren, Plagen, Hungersnöte und andere Katastrophen seien die unmittelbaren Folgen dieser Verwünschungen gewesen. Das habe zu vielen Toten und Millionen von unschuldigen, terrorisierten Menschen geführt, nur zu dem Zweck, Angst und Schrecken zu verbreiten und Unterwerfung einzufordern. Und dies sei, so der Kläger, "in schriftlicher Form (Den Heiligen Schriften) niedergelegt und wurde und wird von seinen Agenten kommuniziert."

Zumindest vorerst wurde Chambers Einhalt geboten, denn ein US-Richter hat dem juristischen Kasperltheater ein vorläufiges und ebenso geniales wie überraschendes Ende bereitet. "Wer keine Adresse hat, dem kann man auch keine Anklageschrift zusenden", so die lapidare Begründung von Richter Marlon Polk. Und dagegen gibt es nichts einzuwenden, auch wenn im Englischen zwischen "Sky", also dem schönen weißblauen Himmel über meiner Heimat und dem transzendent verstandenen "Heaven" unterschieden wird, der eigentlich - und Alois Hingerl, Dienstmann und als "Münchner im Himmel" bekannt, kann das bestätigen - auch mit Wölkchen versehen ist, auf denen man von Petrus (Laut Ludwig Thoma) zum Hosianna-Singen verdonnert wird.

Nun gut, selbst Aloisus, wie er seit seiner Ankunft im "Heaven" hieß, konnte über die Hausnummer Gottes nichts Näheres mitteilen, auch wenn er wegen seines flegelhaften Benehmens beim Harfenspiel ("Mei lieber Luja, Sackl Zement Luja, dei Manna kannst selba saffa") direkt vor den Stuhl des Höchsten zitiert wurde, was ihm neben einer geharnischten Philippika ein Rückflugticket Richtung Erde und damit den Besuch in sein geliebtes Hofbräuhaus einbrachte, wo er - so wird's erzählt - angeblich noch heute sitzen soll und eine Maß nach der andern...na, du weißt schon. Auf jeden Fall "koa Manna".

Chambers führte ein Argument ins Feld, das bei Kritikern zum (eigentlich einfallslosen) Standardrepertoire gehört, wenn sie Christen und Monotheisten allgemein im Gespräch über ihren Glauben verunsichern wollen: Gott sei für alle Unbill dieser Welt verantwortlich, schaue weg und mache sich regelmäßig aus dem Staub, wenn seinen Geschöpfen Schlimmes widerfahre.

Vielleicht hatte der Richter ein wenig Mitleid mit Chambers, da er selbst wie wir alle wohl auch hin und wieder von Zweifeln geplagt ist und ihn seine Frau zuhause wohl mit ähnlichen Themen löchert, auf die er partout keine Antwort weiß. Aber wo Paragrafen walten muss es irgendwie zu einem begründeten Urteilsspruch kommen, und so kam ihm - Justitia sei Dank - die zündende Idee mit der fehlenden postalischen Adresse.

Chambers wollte das aber nicht so recht einleuchten und er hatte sich, wie es schien, auf eine abschlägige Antwort vorbereitet: "Da Gott alles weiß kennt er auch die Anklageschrift", so sein trotziges Kontra, und schließlich setze das Gericht mit seinem Glauben an die Existenz Gottes auch dessen Allwissenheit voraus.

Sehen wir das Ergebnis rein sportlich dann lautet das vorläufige Ergebnis Gott gegen Chambers 1:0, weil das Gericht die Nichtzuständigkeit in "Sachen Gott" festgestellt hat.

Zur Zuständigkeit noch ein Bemerkung: Chambers hatte seine Klage mit der Begründung beim Bezirksgericht Douglas eingereicht, dass Gott dort durch "zahlreiche Agenten unterschiedlicher Religionen und Kirchen vertreten" sei und damit "höchstpersönlch präsent". Manche dieser "Agenten" seien sogar der Meinung, nur sie würden ihn verteten - und was seinen Standpunkt noch stützen würde - der Angeklagte [Gott] habe sich nie von diesen Leuten distanziert.

Ob Chambers in Berufung gehen wird steht noch in den Sternen - bzw ist in irgendeinem Postfach der nächsten Galaxie links um die Ecke hinterlegt -, aber wenigstens konnte er mit einer schönen Schlussfolgerung aufwarten: "Da Gott allwissend ist, muss er auch Kenntnis von dieser Klage haben."

Stimmt. Wer das biblische Buch Hiob liest wird feststellen, dass Chambers in diesem Punkt sogar Recht hat. Aber Spaß beiseite: Die Geschichte zwischen Hiob und Gott entwickelt sich ganz anders und das Ergebnis ist ein höchst erfreuliches.

Sonntag, Oktober 12, 2008

Wie man Online-Schmierfinken im Web ausbremst

Im virtuellen Leben rumort es beinahe ebenso wie im realen: Verleumdungsprozesse landauf, landab. Überall, wo sich Bits und Bytes guten Tag sagen besteht heute - mehr denn je - die Gefahr, dass schlecht meinende Mitmenschen tonnenweise Schmutz über dich ausgießen, Sätze entstellen, aus dem Zusammenhang reißen und neu zusammenreimen oder schlicht nur ihrem mehr oder weniger platten Antisemitismus, ihrem offen oder versteckt vorgebrachtem Rassismus, ihrer borniert-linken Besserwisserei und ihrer strunzdummen rechtsradikalen Gesinnung Ausdruck verleihen und Kondolenzen ausschreiben, wie jetzt nach dem Ableben eines österreichischen Politikers, der „die Beschäftigungspolitik der Nazis eine gute Sache“ nannte und chiffriert über das "amerikanische Finanzjudentum" der Ostküste schwadronierte. (Im Bild links oben das Gemälde "Das Gerücht" von Paul Weber)

In Dortmund lebt ein Mann, dem es diebisches Vergnügen bereitet, meinen Blogfreunden, politisch nahe stehenden Autoren und mir (Er "widmet" mir gleich zwei konfus konstruierte Webseiten, kann aber heute noch nicht meinen Namen richtig schreiben), seit Jahren mit den unflätigsten Beleidigungen und seinem (Selbst-) Hass auf den Pelz zu rücken. Wenn ich nach meinem Real-Namen google, befinden sich unter den ersten 20 Einträgen einige seiner Verweise, was nach dem Google-Prinzip der Häufigkeit, wonach die meist aufgerufene Seite ganz oben steht (Konkurrierende Suchmaschinen listen manchmal nach anderen Kriterien auf), darauf hinweist, dass sein Schund den einen oder anderen dankbaren Abnehmer findet.

Doch genug davon vorerst. Um mich geht es nicht. Und Castollux-Leser wissen wahrscheinlich, wen ich meine. Im Unterschied zu ihm verbreite ich über meine politischen Gegner keine Falschmeldungen.


Vor ein paar Wochen bin ich im Time Magazin auf einen interessanten Beitrag von Anita Hamilton gestoßen, der das Problem „Verleumdung im Internet“ behandelt. Die Ausführungen Hamiltons verdienen es, gelesen zu werden, auch wenn sie von den Gegebenheiten in der angelsächsischen Medienlandschaft ausgehen. Sie sind aber, was die inhaltliche Diktion betrifft, jederzeit auf den deutschsprachigen Web-Markt übertragbar.
Castollux hat den Beitrag (sehr gerne, etwas verspätet nach dem Urlaub) übersetzt. Ich habe mir wenige sprachliche Glättungen und Einschübe vorbehalten, ohne dezidiert den Inhalt zu verändern.

Anita Hamilton

Online verleumdet? Wie man Web-Attacken begegnet

Hässliche Trennungsrituale, in der Öffentlichkeit ausgetragen, sind schon schlimm genug. Aber was, wenn die/der Ex anfängt, im Internet vor Millionen Ihre dreckige Wäsche auszubreiten? So geschehen am 10. April, als die britische Schauspielerin Tricia Wash-Smith das erste von drei YouTube-Videos einstellte, in welchem sie ihren Bald-nicht-mehr-Ehemann wegen seines fragwürdigen Charakters und seiner unzulänglichen sexuellen Potenz vor seiner Familie, der sie in herzlicher Abneigung verbunden war, zum Clown abstempelte. Tricia Walsh-Smiths Videos, die zusammengerechnet von mehr als 4 Millionen Menschen gesehen wurden, spiegeln mehr als die Verzweiflung einer verschmähten Frau wider. Sie sind Teil eines größeren und rapide wachsenden Problems, das da heißt: Online-Rufmord.

Eine herabwürdigende Äußerung gibt es immer mal wieder, und im realen Leben ist sie meist auch schnell wieder vergessen. Die gleiche Boshaftigkeit kann online gestellt aber eine unerwünscht große und dauerhafte Wirkung entfalten. „Nun müssen wir uns mit diesem gigantischen Megaphon namens Internet herumplagen und -schlagen, weil schon das leiseste Räuspern wenig später bei Google aufzufinden ist“, so Matt Zimmerman, führender Anwalt bei der Electronic Frontier Foundation.
Heute, wenn mehr und mehr Menschen soziale Networks wie Facebook aufsuchen, auf Seiten wie TripAdvisor.com und Yelp.com mit anderen Usern diskutieren und Kommentare schreiben oder ähnliches mehr, wird alles viel ernster genommen als jemals zuvor. Streithändel eskalieren - manchmal vor Tausenden Zeugen - und die Reaktionen der Beleidigten fallen entsprechend harsch aus. Viele versuchen, ihre Peiniger lahm zu legen, indem sie eine Widerlegung der kompromittierenden Anfälle veröffentlichen oder Webmaster auffordern, verleumderisches Material zu löschen. Einige Leute überziehen ihre Kritiker mit Unterlassungsklagen. Andere wiederum greifen zum letzten Mittel und beauftragen Firmen, die darauf spezialisiert sind, die verloren gegangene Online-Reputation wiederherzustellen. Aber das kostet…nicht nur Geld.

Stellen Sie sich vor, Sie hätten die Ressourcen, jede Attacke mit einem Gegenangriff zu beantworten: Barack Obama z.B., frustriert wegen der Gerüchte um seine Abstammung und religiöse Vergangenheit, richtete im Juni eine Webseite namens Fight The Smears ein, um wirksam reagieren zu können. Doch mit Ärger verbundene Dinge selbst in die Hand zu nehmen kann manchmal ganz schön stressig sein, besonders dann, wenn man seine eigentliche Arbeit dadurch vernachlässigen muss.


Berühmt-berüchtigt war der Fall des Wikipedia-Gründers Jimmy Wales im Jahr 2005, der versucht hatte, den eigenen Eintrag auf der Seite zu seinen Gunsten zu manipulieren: Wiki-User hatten spitz bekommen, dass er Quellenangaben seines Co-Gründers Larry Sanger gelöscht hatte, und - noch peinlicher - Hinweise auf eine von ihm gegründete Rechercheseite gefunden, die u.a. pornografischen Inhalt enthielt. Heute versucht das Programm WikiWatcher, ähnliche Entgleisungen bei anderen Wiki-Einträgen aufzudecken - beispielsweise, als ExxonMobil versuchte, die Auswirkungen des Valdez-Ölteppichs auf die Umwelt herunterzuspielen, oder als das FBI daran dachte, Luftaufnahmen von Guantánamo zu löschen, obwohl das Gefangenenlager selbst diese Bilder auf seiner Webseite eingestellt hatte.

Wenn Sie Ihre Kritiker selbst nicht zum Schweigen bringen können scheint der Gang zum Kadi und eine damit verbundene Verleumdungsklage das effektivste Mittel zu sein, ein Problem zu lösen. Aber um einen Rechtsstreit gewinnen zu können müssten Sie nachweisen, dass absichtlich falsche Behauptungen wesentlich mehr als nur Ihre Gefühle verletzt haben. Sie müssten auch genau wissen, wen Sie verklagen wollen (können), was angesichts so unübersichtlich vieler anonymer und pseudonymer Web-Beiträge - speziell auf Tratschseiten wie Juicy Campus, Faceliss und The Dirty - nahezu unmöglich ist, ohne eine ganze Armee von Webmastern aufmarschieren zu lassen. Darüber hinaus befreit der 1996 erlassene Communications Decency Act (Ähnlich wie der Haftungsausschluss hier in Deutschland) von irgendeinem Obligo für Beiträge, die Besucher auf der Webseite hinterlassen haben. „Lächerlich, dass Sie für etwas im Internet nicht zur Rechenschaft gezogen werden können“, so Chris Martin, Gründer von Reputation Hawk*, einem Dienstleister, der für die Wiederherstellung eines ramponierten Ansehens im Web zuständig ist.**

Das Hauptanliegen von Dienstleistern wie Reputation Hawk ist, die erste Seite aller Google-Suchresultate mit negativen Einträgen oder Links zu löschen. „Die ersten 5 Einträge bezeichnen wir als Gefahrenzone“, erklärt Chris Martin, „weil Sie nicht nach unten scrollen müssen um sie zu sehen“. Für 1.500 Dollar monatlich erstellt Reputation Hawk neue Webseiten, die keinen Hinweis auf negative Manipulationen enthalten (In der Regel mit dem eigenen Namen in der URL), richtet Links zu positiven Erwähnungen im Netz auf Seiten wie Digg und Del.icio ein und bringt positive Blogs auf Blogger oder Wordpress, was natürlich nicht von der eigenen Verantwortung für die weitere Pflege der Seite befreit.
„Sie nehmen alle diese neuen Informationen, die wir einstellen und üben so einen immensen Druck auf die Top-10-Resultate aus, die nach unten abgedrängt werden“, so Martin, der hinzufügt, „dass es Monate dauern kann, bis ein Online-Image wieder aufgepäppelt ist“. Aber „wenn man einmal aus den (negativen) Top 10 rutscht ist das schon ganz okay“. Eine perfekte Lösung ist das natürlich nicht, denn Leser, die sich durch mehrere Seiten durchklicken, finden immer noch etwas, das ihnen nicht passt.

Wenn Sie nicht Tausende Dollar übrig haben ist es wohl am besten, ihre Verleumder direkt anzugehen. „Die Antwort auf schlechte Rede ist mehr Rede“ formuliert Matt Cutts von Google, verantwortlich für das Ranking von Suchergebnissen. Für den Anfang empfiehlt er, Google Alerts mit dem eigenen Namen als Suchbegriff einzurichten. Jedes Mal, wenn Ihr Name auf einer Web- oder Blogseite erscheint, werden Sie automatisch per E-Mail benachrichtigt. So wissen Sie wenigstens, ob Sie ein Problem haben, und wenn, dann mit wem.

Wenn Sie schließlich Ihre Kritiker aufgespürt haben, sollten Sie sich ihre Antwort gut überlegen:

Selena Kellinger, Besitzer eines Ladens für Partyservice im kalifornischen San Jose, entschuldigte sich bei einer Kundin, die sich auf der Webseite Yelp kritisch über ihr Unternehmen geäußert hatte. Die Kritikerin Jumoke Jones war von Kellingers Antwort so beeindruckt, dass sie ihren negativen Beitrag durch einen positiven ersetzte. Karl Idsvoog, Journalistik-Professor an der Kent State University Ohio, wählte einen mehr konfrontativen Weg: Er antwortete auf den Vorwurf eines Studenten auf der Seite Rate My Professors (Bewertungsseite, auf denen die Studenten Noten für ihre Professoren verteilen), er sei ein „unverschämter, respektloser, anmaßender Snob“, indem er auf der Webseite Professors Strike Back dem Studenten entgegenhielt: „Wir sind hier nicht beim Babysitten. Wir sind hier, um Fachleute auszubilden. Werden Sie endlich erwachsen“.


Die (positive) Kehrseite der brodelnden Online-Gerüchtküche ist, dass zumindest jenen Gerechtigkeit widerfährt, die sich zu Recht ihren schlechten Ruf eingehandelt haben. „Jeder dahergelaufene Gauner denkt, dass wir hier sind, um ihm aus der Patsche zu helfen“, sagt Robert Russo, Geschäftsführer von Defend My Name. Für Halunken kann das Web-Megaphon ein nützliches Instrument sein. Für alle anderen aber ist es gut zu wissen, dass man zurückschlagen kann, wenn die Virtual Community ihre Geräuschkulisse erzeugt.


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*Momentan nicht aufrufbar.

**In Israel wurde diesbezüglich vor ein paar Monaten ein Gesetzesentwurf eingebracht, der vorsieht, Blogger ebenso wie offizielle Medien für deren Beiträge auch juristisch zur Verantwortung zu ziehen.

Dank an Pesach Benson von HonestReporting, der durch einen Hinweis auf seinem Blog Media BackSpin mich dazu bewogen hat, diesen Beitrag zu schreiben und den Text von Anita Hamilton zu übersetzen.

Freitag, Oktober 03, 2008

Terug uit het bramen- en kruisspinnenland (Deel 2 en einde)

In Teil 1 meines „Reiseberichtes“ (Bilder in diesem Bericht zur Vergrößerung bitte anklicken) hatte ich meine Heimfahrt in die durch den Wahlausgang schwer gebeutelte bayerische Heimat beschrieben und dabei beinahe vergessen, über den Urlaub selbst zu schreiben. Das will ich hiermit in einigermaßen zusammenhängendender Form nachholen.


(Im Bild oben ein wunderschöner Blickfang während unserer Radtour)


Am 2. September war ich mit dem Nachtzug in Tilburg angekommen, wo mich mein Bruder Hans und seine Frau Elly (wie immer mit hübschen roten Backen) auch schon abholten.

Wer am Tilburger Bahnhof sein Fahrrad abstellt sollte sich - wie grundsätzlich überall in Holland - sehr sorgfältig einprägen, wo er es abgestellt hat, weil die überwiegende Anzahl der vielen Hundert Drahtesel sich zum Verwechseln ähnlich sieht, denn hier sieht es so aus wie am Bahnhof in Utrecht, Rotterdam, Den Haag oder Amsterdam; nur dass es dort extra bewachte Fahrrad-Parkhäuser gibt.


Hans und Elly hatten unweit von Chaam (liegt etwa 25 Kilometer südöstlich von Breda, also in der Provinz Nord-Brabant) einen Bungalow in einer Feriensiedlung gemietet - sehr geräumig, mit gutem Komfort (und ziemlich teuer) sowie Blick auf einen stillen See, an dessen Ufer sich andere Urlauber mehr oder weniger erfolgreich als Angler versuchten. Ich bewundere die Geduld dieser Menschen - auch ihre Fähigkeit zur Kontemplation. Und was eignet sich für diese Versenkung manchmal besser als Angeln? Wer’s mag…; ich setze mich lieber auf´s Fahrrad.


In der unmittelbaren Nachbarschaft unseres Ferienhauses innerhalb der Anlage schien es sich zwischen Elstern (sehr häufig in Holland anzutreffen), Feldhasen, Enten und Eichelhähern herumgesprochen zu haben, dass dort „gut leben“ ist und die Urlauber einem nicht nach dem Fell bzw. Gefieder trachten.

Und hier links unten eine der seltenen schönen Gelegenheiten, dem Autor Bernd zwischen die Ohrwatscheln zu fotografieren. Danke, du Bernd-Schafskopf, du depperter!
Was schreibst' auch laufend für einen Mist zusammen. Määähhh!

Von Chaam aus ist es nicht weit bis Baarle-Nassau, einer belgischen Enklave. Bis heute wusste ich nicht, dass es belgische Enklaven in Holland (!) gibt. Und noch verwunderlicher - in den belgischen Enklaven wiederum gibt es holländische Enklaven (!). Die spinnen, die Holländer (und die Belgier; in diesem Fall Flamen), kann ich da nur konstatieren.

Rechts unten ein wunderschönes Haus in Chaam, das nur 6 Kilometer von der belgischen Enklave Baarle-Nassau entfernt liegt. Erinnert mich ein wenig an die Fassaden der Häuser unserer ältesten Sozialsiedlung der Welt hier in Augsburg, der Fuggerei.


Zwischendurch unternahm ich eine kleine 70-Kilometer-Tagestour nach Turnhout (keine Angeberei: 70 Kilometer schaffe ich locker; hatte erst mittags begonnen und kam abends wieder zurück); eben einer dieser (katholisch dominierten) belgischen Enklaven, und ich merkte sehr schnell, dass man sich auf dem Weg nach „Flandernland“ befand: Der Radweg links gegen (!) die Fahrtrichtung der Viehtransporte und alle Autos, deren Gegen- und Seitenwind mich schier vom Fahrrad blies (Bild links unten), und ein penetranter Gestank von Gülle, der im wahrsten Sinne des Wortes schlicht atemberaubend war.

Interessant auch die Einfahrt in den Vorort von Turnhout, der wahrscheinlich dem vieler im flandrischen Belgien gleicht: Eine architektonische Silhouette wie in den 1950er-Jahren - oder vielleicht noch besser in Szene gesetzt - die charmante Tristesse flämisch-belgischer Architektur, die ein wenig von dem verrät, was die Belgier im Norden ihres Landes auszeichnet: „Soll die Vorstadt doch aussehen, wie sie will. Hauptsache, wir leben und schlagen uns irgendwie durch. Lass’ uns die Häuser 50 Jahre später renovieren…“. In der Stadtmitte tauchten aber dann die wahren Kostbarkeiten auf: Wunderschöne Altstadtwinkel aus den 14. bis 16. Jahrhundert….; und ein großartiger Kirchenbau, der mich natürlich sofort zum Besuch animierte. Kunsthistorik in Verbindung mit kirchengeschichtlicher Interpretation ist eines meiner "Steckenpferde"...

Und dann die endlos weiten Brombeer-„Strauchwälder“ in Brabant. Man könnte man fast geneigt sein zu sagen, dass Holland Exportweltmeister in Sachen „Brombeeren“ wäre, gäbe es diesen Titel zu vergeben. Doch Brombeeren (ndl.: Bramen) zu pflücken kann viel Schmerzen und Gesichts- sowie Handwunden verursachen, und die Bekanntschaft mit mehr oder weniger großen Kreuzspinnen (kruisspinnen) übertrifft schon nach wenigen Tagen locker die Zahl derer, die man bisher im ganzen Leben zuhause zu Gesicht bekommen hat. Hans - und mittlerweile auch ich - können ein Lied davon singen. Hier rechts unten ein schönes Makro (Klick' mal auf's Bild). Vielleicht nehmen die Holländer und Belgier auch deshalb Abstand davon, Brombeeren in großem Stil zu pflücken.


Wenn ich in Holland mit dem Rad unterwegs bin macht es mir einfach viel mehr Spaß als hier in Augsburg. Natürlich kommt man auch hier sehr schnell in die Natur (Augsburg ist umsäumt von Naherholungsgebieten und Wäldern), wenn man 5 Kilometer aus der Stadt heraus fährt, aber dieses ungezwungen-spielerische Zusammenspiel zwischen ländlicher Idylle und Verbundenheit zwischen Menschen- und Tierwelt (Jan Vermeer) ist im mit Beton versiegelten urbanen schwäbisch-bayerischen Raum nicht so spürbar wie in Holland, wo man schon nach ein paar Minuten Radfahren die ersten Pferde und Kühe, Gänse, Enten und Ziegen sieht. Ich habe in Amsterdamer Vorgärten Ziegen, Pferde und Kühe gesehen! Stellt euch das einmal in München vor…Vielleicht gibt es das in Niedersachsen. Das kann ich nicht beurteilen. Vielleicht ist es aber wegen der ländlichen Struktur und der Nähe zu Holland dort ähnlich. Habt ihr schon einmal eine weiße sitzende Kuh gesehen? Ich schon! Bei Amersfoort:

Waltraud (meine älteste Schwester) und Eugen (Ihr Mann; ein Geduldsmensch mit viel Sinn für Humor vor dem Herrn) waren auch in Chaam. Ich war sehr froh, dass wir uns nach etlichen Jahren Trennung wieder gesehen haben. Bei unseren gemeinsamen Radtouren begegnete uns auch die eine oder andere Überraschung; z.B entdeckte ich bei einer Pinkelpause, dass Don Quichotte die Miniaturausgabe seines Pferdes Rosinante in einem Gehege längs der Strecke abgestellt hatte - ein kleines Pony - wohl noch unter den Nachwirkungen einer Erkältung leidend. Natürlich musste ich Waltraud und Eugen auch unbedingt die größte Schleußenanlage der Welt zeigen - das Delta-Projekt, eine Anlage, die sich über knapp 8 Kilometer (!) entlang der Nordsee entlang streckt - Eine Ingenieursleistung der Jahrhundert-Superlative, die ihresgleichen sucht.

Das erwähnte (geharnischte) Pony Rosinante darf ich euch nicht vorenthalten. Ist es nicht schnuckkkkkkelig?
Klick' auch drauf...

Die eine oder andere Unstimmigkeit zwischen Geschwistern lässt sich nach vielen Jahren nicht wegdiskutieren (warum auch, bei sehr vielen Geschwistern und divergierenden Biografien?) Aber wir haben uns zusammengerauft…; und ich denke, dass es uns allen nicht an gutem Willen fehlt, die familiären Bindungen wieder neu mit Leben zu erfüllen.

Am 12. September, nachdem Waltraud und Eugen (leider) wieder nach Hause fuhren, sind Hans, Elly und ich wieder nach Soest (Schwesterstadt des deutschen Soest bei Utrecht) zurückgekehrt.


Hans und ich hatten noch vor, einem vorangegangenen Abstecher in die Umgebung von Utrecht-Süd und die wunderschöne Flusslandschaft der Vecht (auch grandios!; siehe Foto links unten bitte anklicken, weil es so schön ist und mein Bruder und ich es fast gleichzeitig gemacht haben) eine Fietstour (Radtour) zum südlichen Rand des Ijsselmeers nach Emmeloord (Markermeer) folgen zu lassen.

Wir packten also die Fahrräder auf den Arsch des VW Touran meines Bruders und ab ging die Post nach Almere, wo wir das Auto abstellten und auf die Fahrräder stiegen. (Ich war zu diesem Zeitpunkt durch unvorsichtige Radlerbekleidung schon leicht erkältet). Almere und das die Retortenstadt umgebende Naturgebiet sind für mich eine der größten städtebaulichen und landschaftsarchitektonischen Leistungen, die Menschen jemals auf die Beine gestellt haben:

Unglaublich, was die Holländer quasi aus dem Nichts dort geschaffen haben. Ich müsste eigentlich einen eigenen Aufsatz darüber schreiben. Wir fuhren mit dem Rad durch Wälder, die vor knapp über 20 Jahren nicht einmal im Traum existierten (nur Wasser damals!), aber das Gefühl vermittelten, man bewege sich im Bayerischen Wald. Mannshohe Gräser inmitten von Waldgebiet; Naturschutzgebiet von berückender Schönheit und eine Stille, die den Geist und das Herz zum Jubilieren brachte.


Wunderschön, wenn man einen Bruder und eine Schwägerin hat, die diese Erlebnisse mit dir teilen und ihren Gefühlen auch entsprechend Ausdruck verleihen. Was machen dann schon zwischenzeitlich sehr heftige Gegenwinde und kleine giftige Steigungen aus (Gibt es in Holland auch, wenn auch nur ganz kurz).

Auf dem Rückweg von Emmeloord (und schon vorher auf dem Weg dahin über Lelystad in der Provinz Flevoland) musste ich meiner Erkältung ein klein wenig Tribut zollen, weil ich zusätzlich einen kräftigen Sonnenbrand bekam.


Aber ich jammere prinzipiell sehr gerne und sehne mich oft gerade dazu, bemitleidet zu werden. Das hinderte uns aber nicht daran, am letzten Tag noch schnell „locker“ 105 Kilometer zu fahren, weil mein Bruder die beneidenswerte Gabe hat, auch „Todkranken“ Motivation einzuhauchen; mindestens 20 Kilometer der Strecke zum Schluss knallhart gegen die Windmühlen, die in Nordostholland das Landschaftsbild beherrschen.


Eine ultimative Mitteilung für alle an dieser Stelle, die das gerne gehegte Vorurteil pflegen, dass es leicht wäre, in Holland Rad zu fahren, weil es dort flach ist:

Wünscht euch lieber, ihr fahrt gegen einen Berg in Deutschland als gegen die Winde der holländischen Küste! Wenn ihr gegen den Nordwind nicht absteigt seid ihr wahre (Fahrrad-) Helden.
Bei unserer vorletzten Radtour 2006 die Nordsee entlang und 2003 um das IJsselmeer haben Hans und ich auf manchen Streckenabschnitten nicht mehr als 7 km/h geschafft; natürlich mit Ausrüstung bzw. Zelten auf den Fahrrädern, was erschwerend dazu kam. Aber abgestiegen sind wir niemals. Ein Dahlenburg steigt nie vom Fahrrad ab, wenn kein zwingender Grund dafür vorliegt. Jawohl!

Zurück in Soest freuten wir uns schon darauf, mit Kees (Hans’ Buddy) und seiner Frau Hettie zusammenzutreffen.
Kees (Sammler von Harley-Maschinen) und Hans gaben mir noch (wie alle Jahre wieder) eine Lektion in Sachen „Tafeltennis“ (Tischtennis), und Hettie gab’ mir ein wenig Gesangsunterricht - nach meiner anfänglichen Schüchternheit.

Sie kann alles singen - vom rauchigen Jazz über Rock zu Kirchenchor. Einfach wunderbar ihre Stimme und ihre ansteckende Fröhlichkeit! Ich hatte die Ehre, sie stimmlich ein wenig zu begleiten…; sehr gerne würde ich mit ihr weitere Lieder aufnehmen.


So, jetzt bin ich nach knapp 1.450 Kilometern "Fietsen" (Augsburg eingerechnet) schon wieder fast an dem Punkt angelangt, an dem ich wieder nach Augsburg zurückfahren musste.


Ja, Tränen....der Trauer wegen des Abschieds, aber hauptsächlich Tränen der Dankbarkeit, dass ich meine Geliebten wiedersehen durfte und Gott uns Gemeinschaft geschenkt hatte.


Ich sage niemals "Ade". Das gibt es für mich nicht.

Für mich zählt nur ein
"Auf Wiedersehen".

Es waren drei Wochen voller Glück und kleinem, manchmal heftigem „Geschwisteraustausch“, der bei Familientreffen so üblich ist; aber ich wünsche mir sehr gerne mehr davon als gar keine.

Mehr als sehr gerne…

Ich danke Gott für die wunderschöne Gemeinschaft, die wir hatten und im Gebet festigen durften.

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Da mein Bruder und ich auf dieser Reise sehr, sehr viele Fotos geschossen haben, die ich natürlich in diesem Bericht unmöglich unterbringen kann, habe ich mich (wie 2006) dazu entschlossen, die schönsten Bilder beim Internet-Servive „Photobucket“ einzustellen. In den nächsten 14 Tagen wird alles abrufbar sein - natürlich mit Begleittext versehen.

Dienstag, September 30, 2008

Terug uit het bramen- en kruisspinnenland* (Deel 1)

Jetzt ist es fast genau eine Woche her, dass ich von meinem geliebten Bruder Hans, meiner geliebten Schoonzus (Schwägerin) Elly und unseren Verwandten und Freunden wie Hettie und Kees, Pieter und Anneke Abschied nahm und mit dem DB-Zug der City Night Line (Nur zu empfehlen; kicher!) zurückgefahren bin, der auch - wie kann es anders sein - den Namen Pollux trug (wie auf der Hinfahrt am ersten September).

Wie ich auf die holländische Überschrift komme?

Ich weiß nicht, ob ich das in diesem ersten Teil noch auflösen kann (oder will). Vielleicht auch erst im zweiten oder dritten Teil...schluchz...fishing for compliments... Wir werden sehen. Es kann aber auch sein, dass es Fachleute unter uns gibt, die sehr gut Niederländisch "praten". Ich bin gespannt darauf, ob mir in Deutschland jemand die Überschrift richtig übersetzt. Vielleicht habe ich sie auch falsch geschrieben.

...dan zal het noch moeilijker zijn...misschien


Abfahrt Utrecht Hauptbahnhof (ein sehr moderner Bahnhof; großzügig gestaltet in der Architektur):


Ja - das (historisch sicherlich bedeutende) Zugstreckenschild (meistens am Einstieg neben der Toilette angebracht) hatte ich mir schon Oktober 2006 vom Zugbegleiter geklaut, als ich ihm kurz vor Augsburg die Bitte vortrug, er möge es mir doch bitte schenken, da der Zug und mein Kater den gleichen Namen trügen. Er entsprach damals meiner flehentlichen Bitte.


Das war diesmal jedoch nicht nötig.


Zu viele positive Erlebnisse und aufkeimende Wiedersehensfreude für 2009 oder 2010 hatten meinen Blick (neben den Abschiedstränen wegen Hans und Elly) auf das gelenkt, was ab 21.03 h Utrecht Centraalstation (Ja, mit zwei „aa“; kein Tippfehler) für die nächsten Haltestellen dafür sorgen sollte, dass ich nicht einschlafen konnte: Ein sehr hübsches unschuldiges (Kettenraucher**)-Mädchen im Alter von 36 Jahren - zum Glück vergeben, wie sich später herausstellen sollte, und ein später zugestiegener Kleinunternehmer (oder Aufschneider?) aus Stuttgart, der über verwinkelte Wege von Koblenz und Luxemburg in Utrecht zugestiegen war (Wie geht das eigentlich?).


Das holde Mädchen (Foto von ihr schicke ich [vorerst auf Anfrage] nur an Hans und Elly) konnte auch nicht schlafen. Was Wunder - in einem 2. Klasse-Abteil und mit einem Mann, der sie so faszinierte und vollschwätzte (ich, wer sonst?), und einem Mitreisenden, der den geschätzt doppelten Umfang meines Leibesdurchschnitts hatte und uns schon nach 10 Minuten ein Foto seines englischen, sündhaft teuren Sportwagens (Aston Martin, wow, werd’ i’ narrisch) unter die Nase hielt, den er eigenen Angaben zufolge in Stuttgart geparkt hatte. Wie schade (für uns). Warum hatte er seinen Aston Martin nicht für seine komplette Reise genutzt? Wär' super g'wes'n.

Sei’s drum: Wir alle hatten uns die Reise wohl etwas anders vorgestellt: Keine versifften Toiletten und Lärm in den Nachbarkojen. Aber was macht man nicht alles, wenn man Anfang August bucht, um den besten Preis herauszuschlagen. Ich zahlte für Hin- und Rückreise knapp 122 Euro. Die Rückreise war für 39.- Euro ab Utrecht veranschlagt (inklusive) - mit Ruhesitzen, so die telefonische Auskunft.

War aber nicht so, wie sich herausstellen sollte.
Ruhesitze im City Night Line sind eigentlich ganz hervorragend - wenn man sie denn bekommt, weil man sie verstellen und darin (eventuell) schlafen kann. Wenn...

Wir saßen aber in ausrangierten und muffigen Abteilen der Zweiten Klasse der berühmten DB. Und jetzt beschwer' dich mal während der Fahrt…; hihihi...

Aussteigen?


Ich will nicht nörgeln: Die Anwesenheit der Schönheitskönigin entschädigte doch für einige Schweißausbrüche des hinzu gekommenen Nachbarn neben mir.
Was mich überraschte: Während er kurz einnickte - so zwischen Mainz und der nächsten Station - erzählte sie mir, dass sie Epileptikerin sei. Und gleichzeitig beichtete sie mir, dass sie Kettenraucherin wäre. Daraufhin sagte ich ihr, dass ich 1992 auch einmal einen ähnlichen Anfall hatte (wohl aus gesundheitlichen Gründen), aber seitdem nicht mehr. Flugs waren ihre und meine
Tabletten kein Thema mehr. Wir haben sie fast gleichzeitig eingenommen.

Mannheim kam. Und Mannheim zuckelte langsam wieder vorbei - "aufregend" wie immer seit 26 Jahren. Zwischendurch stieg ein Mann ein, der die Maße eines der Wildecker Herzbuben hatte. So genau konnte ich zwischen 200 und 180 Kilo nicht mehr unterscheiden, weil ich zu müde war. Aber er schnarchte nur relativ leise, und ich kann mich seit 2006 nicht mehr beschweren - auch, weil mein Bruder mich des Öfteren wegen Schnarchens im Trekkinghaus aufweckte (Das Sensibelchen; er hört die Grillen zirpen):

Einsteigen, nach dem Platz fragen, sich breit machen und schnarchen. Besser geht’s kaum. Selten habe ich einen derart dicken Mann im Zugabteil so leise schnarchen hören...; aber das war ja auch egal, weil die Heimat in "weiter Ferne" nahte, so komisch sich das auch anhört.


Zur Erläuterung: Zuhause bin ich im Zug, wenn Augsburg noch etwa 300 Kilometer weg ist. Irgendwo nach Mannheim kommt Bayern. Stuttgart und Karlsruhe sind nur Übergangshaltestellen in Richtung Bayern, weil die irgendwie zu uns 'ghörn.
...;

Ja, mi hasch' kaut...; Sackl Zement no amoi...


Nach Karlsruhe kommt Bayern. Stuggard (Stuttgart) wird net mitzeut (mitgezählt). Des g'hört eh' zum Süden. Und Bayern hoaßt Heimat. So einfach ist des.


Und mir san mir.


Und wer schläft da gerne ein, wenn das Augsburg naht, dessen Hauptbahnhof vor Jahren den Preis des "Schönsten" der Republik [Neoklassizismus] erhalten hatte, aber auch - was nicht verschwiegen werden darf - noch immer nicht behindertengerecht ausgebaut worden ist?


Wo sammer...?
(Für die Preiß'n auf Deutsch: Wo sind wir jetzt?)


Irgendwann kam Stuttgart, und ich wusste, dass ab da Schlafen keinen Sinn mehr machen würde, weil danach Ulm und mein geliebtes Augsburg kommen; und dass der etwas weniger beleibte Stuttgarter von seiner von ihm hoch gelobten Armbanduhr, die irgendwie seinem Aston Martin ähnelte, geweckt werden würde. So kam es denn auch: Aston Martin sei Dank. Stuggard war da - besser gesagt Ludwigsburg. Dort genau hatte er sein Spielzeug geparkt.


Ach ja, das habe ich noch vergessen: Er sagte, dass er nur aktiven Urlaub bevorzuge. Und auf meine Nachfrage ergänzte er sinngemäß (etwa 4:45 h war's mittlerweile, wie in Stein gemeißelt): "Meine Frau regelt alles, bis ich nach Hause komme. Dort spanne ich aus (Mit Espresso und Wellness-Massagen [regelt auch meine Frau], und nebenbei erledige ich die nächsten Termine. Danach fahre ich wieder ab".


"Danke, Tschüss und Doei"
, dachte ich mir. "Und Gottes Segen auch noch", dachte ich mir im Stillen. War wirklich ernst gemeint. Besser nicht eine Diskussion über seinen Lebensinhalt anfangen, sonst verpasst er noch seinen nächsten Anschluss - der Wichtige. Aber eines konnte ich mir doch nicht verkneifen, bevor er ausstieg: "Schonen Sie sich", rief ich ihm nach. Aber sein Trolley war schon unterwegs mit ihm....


Ich warf wieder einen Blick auf mein Mädchen: Sie war weggedöst und schnarchte ganz sanft. Wie eine Grille oder eine Heuschrecke, der man die Kiefern abgebunden hat.


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Teil 2 demnächst….denn Stuggard is no weit...weischt scho. Oder au' net. Weisch scho; gell?

Jo, i' weiß - jetzt wird’s spannend. Aber a' bisserl müsst ihr schon noch warten.

Und die eigentliche Reiseerzählung folgt ja au' no. I' seh' scho - mir geht's wie dem Waldi Hartmann vom Bayerischen Rundfunk: Der redet au' immer so lang, bis ihm einer das Wort abschneidet. Aber zum Glück hab' i' meinen eigenen Blog - und bin net so dick.


Grüße an alle Leser

Bayerisch-Übersetzung auf Anfrage


P.S.: Die Webseite uitmuntend.de ist meines Erachtens die beste Seite für Menschen, die Holländisch lernen wollen; oder auch für Niederländer, die Deutsch lernen wollen.
Auch für Henryk, falls er Nachholbedarf hat.

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*Bitte raten. Auf Anfrage wird überstzt ;-))
**An allen größeren Haltestellen hält die DB ein oder zwei Minuten länger, um den Rauchern die Gelegenheit zu geben, auf dem Bahnsteig schnell eine zu paffen. Das wusste ich bis zum 22. September auch nicht. Mein amerikanischer Begleiter (Von Utrecht bis Köln; mit Obama-T-Shirt) musste natürlich sofort ein Foto machen. Obama wird’s ihm danken, wenn er 2012 einen neuen vergeblichen Anlauf startet.
Wusstet ihr, dass die DB an größeren Bahnhöfen eine Raucherpause einlegt? Für mich war das wirklich neu.

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Update: Von allerhöchster (glatzköpfiger) familiärer Stelle wurde mir mitgeteilt, dass meine Überschrift falsch war. Sie wurde geändert wie oben. Das zur Richtigstellung.
Ich brauche dringend einen Holländisch-Kurs für weit Fortgeschrittene. Und so etwas muss ich mir von meinem Bruder gefallen lassen. Beim nächsten Tischtennismatch (ndl.: Tafeltennis) verliert er. Basta!! (vielleicht, wenn ich es erlaube...)

Sonntag, September 28, 2008

Schiitischer Messianismus und Ahmadinejads Kampfrhetorik

Die vom iranischen Präsidenten Dienstag vergangener Woche während der UN-Vollversammlung vorgetragenen Hasstiraden gründen in einer religiös-messianischen Vorstellungswelt.

Auf dem Bild rechts steht in Persisch (linke Bildhälfte; frei übersetzt; Dank an Nasrin Amirsedghi): Oh Du, Sohn des Propheten. Gibt´s einen Weg Dich zu besuchen? Und auf dem Bild weiter unten links (rechte Bildhälfte): Eines Nachts fiel ein Stern vom Himmel herab und brachte die Botschaft, (dass) der Morgenschein kommen wird! (dass der Tag seiner Erscheinung bald kommen wird)...

Inmitten seiner aggressiven Rhetorik, in der er Israel als "Kloake" und die Vereinigten Staaten als "Terrorstaat" bezeichnete , erneuerte er seinen Ruf nach einer baldigen Wiederkunft des schiitischen Messias, der die Unterdrücker bezwingen und die Welt zur Vollkommenheit führen soll.

Für schiitische Muslime ist die endgültige Rückkehr des Imam Mahdi ein Glaubensartikel - ähnlich wie die Wiederkunft Christi für nahezu alle Christen. Während wenige iranische Politiker in der Öffentlichkeit diese messianische Weltanschauung artikulieren, haben Herr Ahmadinejad und seine Helfershelfer immer wieder herausgestellt, dass ihre Regierung vom [Geist des] Mahdi geleitet sei. Glaubensvorstellungen wie diese leiten Ahmadinejad sowohl bei innen- als auch außenpolitischen Entscheidungen und liefern (mit) eine Erklärung für sein stures Beharren auf dem iranischen Nuklearprogramm, seinen Widerwillen, der Forderung nach Einstellung seiner atomaren Aufrüstung nachzukommen und nicht zuletzt der fortwährenden Unterstützung antiisraelischer und antiamerikanischer Terroristen durch seine Regierung im Mittleren und Nahen Osten.

Präsident Bush hatte am Dienstag seine Rede einige Stunden vor dem iranischen Staatschef gehalten, den Iran wegen dessen Unnachgiebigkeit in Sachen Urananreicherung scharf angegriffen und härtere Sanktionen verlangt [zu denen es nun doch nicht gekommen ist].

Kritiker im Iran - einige davon Kleriker - kritisieren Ahmadinejads Überzeugung, dass das "Ende der Zeiten" bevorstehe; sie befürchten, dass der Irrationalismus ihres Präsidenten sie unweigerlich in einen Krieg mit den USA und Israel führe.

"Nichts stellt eine engere Bindung mit den Zuhörern her als das permanente Reden über die Bedrohung", so Kurt Anders Richardson, Experte für schiitische Theologie an der McMaster University in Hamilton, Ontario.

"Wenn man [fanatisch] glaubt erfährt man es als große und heroische Sache, mit der Bedrohung zu leben. Die komplette Lebenswelt ändert sich: Politik, Ethik und kollektives Erleben - alles wird überdimensioniert gedeutet und erfahren. Zudem dient diese Haltung hervorragend als Mittel gegen weltliche Alltagssorgen und Ablenkungen. Statt Angst vor der islamischen Moralpolizei zu empfinden schwelgt man in Euphorie - eine durchdringende und stetige Verlockung. Diese Leute werden durch die Vorstellung motiviert, sie seien privilegiert, noch zu ihren Lebzeiten die Wiederkunft des Mahdi zu erleben."
Der Glaube, dass bald ein "ultimativer Erlöser" zurückkehren wird, wurde speziell seit Ahmadinejads Amtsantritt 2005 zum großen Thema. Drei Jahre zuvor wurde er zitiert, Finanzbeamte, die sich mit der Etatüberschreitung befasst hatten, mit folgenden Worten zu beruhigen: "Sorgen Sie sich nicht. Der Imam [Mahdi] wird in zwei Jahren kommen und alle Probleme werden beseitigt".

Ahmadinejad ist auch zu vernehmen, wie er einem ranghohen Geistlichen erzählt, dass sein Kopf von einer „Lichtaura“* umgeben war, als er 2005 vor der UN-Vollversammlung sprach. Und im letzten Jahr habe ihn der Mahdi bei seinem umstrittenen Auftreten in der Columbia University geleitet. Der Präsident hatte sich gewehrt und behauptet, dass jene, die über ihn "spotteten", einem "irregeleitetem" Glauben anhingen. Doch in einer Ansprache letzten Monat zum Geburtstag des Mahdi bemühte sich Irans oberster religiöser Führer, Ayatollah Sayed Ali Khamenei, gut Wetter für die internationale Presse zu inszenieren, indem er einen scheinbaren Gegensatz zwischen sich und Ahmadinejad konstruierte: "Göttliche Religionen…haben den Menschen nie falsche Hoffnungen vermittelt", so sein schlichtes Credo.

Man sieht also - die Arbeitsteilung zwischen bigottem Präsident und Klerus läuft wie geschmiert; soll doch auch das Volk, der Lümmel, weiterhin einigermaßen still gehalten werden; denn nichts fürchten die Machthaber in Teheran mehr, als dass ihnen das Ruder im eigenen Land aus der Hand geschlagen wird.

Und weiter doziert Khamenei gnädig: "Heute richtet der Iran mehr als jemals zuvor seine Aufmerksamkeit auf das Mahdaviat" [Endzeitvorstellung und die damit verbundene menschliche Anstrengung, dem Mahdi den Weg zu bereiten], und mahnend fügt er hinzu: "Jene, die persönliche Ziele damit verfolgen, werden aus diesem Faktum einen Vorteil ziehen wollen".

Behauptungen, man sehe den Mahdi, "sind komplett falsch und beschämend" so Khamenei weiter, da Äußerungen, man habe "enge Kontakte mit dem 12. Imam, treffe sich mit seiner transzendenten Erscheinung oder bekomme Anweisungen von ihm", nicht bestätigt werden können. Von einer Art Kommission zur Klärung übernatürlicher Dinge also - wie die vom Vatikan eingesetzte, wenn es besonders dubios mit allerlei Marienerscheinungen und Spontanheilungen zugeht. Khameneis Warnung zielte auf Scharlatane ab, die versuchen, Profit aus ihrer behaupteten Kontaktaufnahme mit dem Mahdi zu schlagen, indem sie Geschäfte mit Postern machen, auf denen Gebete und an den Imam gerichtete Bitten um Geld abgedruckt sind. Nach Khameneis Rede schwärmten Polizisten aus, um dem Treiben ein Ende zu bereiten. Messianischer "Pragmatismus?" "Pragmatischer" Irrationalismus? Beide Umschreibungen treffen wohl zu - sowohl für das Verhalten des Staatsapparates als auch für das der Kleriker. So "erklärt" sich auch die für den Westen so undurchsichtig erscheinende Aufgabenverteilung.

Die schiitische Tradition geht davon aus, dass nach einer Abwesenheit über einen Zeitraum von mehr als 1.000 Jahren (Man glaubt, dass der Imam 874 nach Christus "entrückte"), niemand außer Allah weiß, wann der zwölfte Imam wiederkommt [Es gibt daneben noch andere Imam-Varianten, die ich hier nicht näher ansprechen muss). Denjenigen, die glauben, ihn gesehen zu haben, wird untersagt, sich darüber zu äußern.

Analytiker im Iran selbst gehen jedoch davon aus, dass Khameneis Worte auch gegen Ahmadinejad und seine Regierung gerichtet sind, es mit den eschatologischen Formulierungen nicht zu übertreiben. Dennoch unterstützt der mächtigste Mann des Iran den Präsidenten weiterhin, weil in den wesentlichen politischen Fragen Übereinstimmung besteht, wie kürzlich wieder beim Al-Quds-Tag eindrücklich demonstriert. Dem Kabinett teilte er vorsorglich schon vor Wochen mit, dass es sich nach den Präsidentschaftswahlen im Juni 2009 auf eine neue Amtszeit einrichten könne.

Doch zurück zum "Ablasshandel" mit den Heilserwartungen des gemeinen Volkes: "Die obersten religiösen Führer sind ob dieser Entwicklung sehr besorgt", ließ ein iranischer Offizieller verlauten. Die Rede Khameneis sei "eine Warnung…ein starkes Signal für den Präsidenten". Kritiker meldeten sich Juli in einem Zeitungsartikel zu Wort: Der Präsident äußere "abweichende" Behauptungen, wenn er seine Nähe zum Göttlichen herausstelle. "Glauben Sie, dass solche Reden das Missmanagement der Regierung entschuldigen können, die Inflation, steigende Preise, Unzufriedenheit und den Protest der Leute auf der Straße?", so Rasoul Montajabnia, Kleriker und Oppositionspolitiker - also einer, der nicht das Privileg besitzt, der Kamarilla um Ahmadinejad anzugehören.

Sicher bezweifeln wenige Gläubige im Iran, dass der "ultimative Erlöser" eines Tages kommen wird. Ahmadinejad sagt, dass der Mahdi alle ungerechten Herrscher vernichten wird, die "nicht mit den Himmeln verbunden sind und von den allmächtigen Propheten getrennt" [In außerkoranischen Schriften spricht man von mehreren Himmeln, deshalb der Plural]. Es dürfte kaum überraschen, dass Ahmadinejad mit den "ungerechten Herrschern" die USA, Israel und die westliche Welt meint.

Es gibt kein wichtigeres Thema, ließ Ahmadinejad während seiner Rede auf der Konferenz zur Mahdi-Doktrin verlauten.

Gott habe die Menschheit "aus Erde und Schlamm" erschaffen, aber bestimmt, dass er [Ahmadinejad] sich "zum Gipfel der Vollkommenheit und Gottgefälligkeit" entwickle. Ahmadinejad und etliche ranghohe Funktionäre waren bei der Konferenz anwesend, die vom in Qom beheimateten Bright Future Institut gesponsered worden war. Und sie wurde vom Büro des Präsidenten unterstützt, der Millionenbeträge für die Mahdaviat-Studien bereitgestellt hatte.

"Auch wenn schon 1.100 Jahre vergangen sind kann jede Stunde für jene, die empfinden, ein Jahrhundert bedeuten", philosophierte Masoud Poursayed-Aghaie, Direktor des Bright Future Instituts. "Die Regierung dient nur einem Zweck: Sie muss dem wiederkommenden Mahdi den Weg ebnen". Schöne Aussichten, wenn ein gefährliches und bigottes Monster einem Gespenst den Weg ebnet, denn Ahmadinejad legt nach:

"Aber diejenigen, die dieser Vision im Weg stehen, sind es, die bereit sind, die Menschheit [Menschlichkeit] zu opfern, um ihre eigenen teuflischen Interessen und Wünsche zu befriedigen und die tiefen Taschen der Kapitalisten zu füllen". Nur der Mahdi könne Gerechtigkeit wiederherstellen und die Gläubigen hätten bis dahin ein hartes Stück Arbeit vor sich. Stimmt - das eigene Volk weiterhin mit einer mörderischen Diktatur zu knebeln und zu vergewaltigen bedarf schon eines gehörigen Aufwandes, denn "Wir sollten unser Bestes geben, und wenn wir unsere Herzen und Gedanken ändern…dann wird dieses Glück verheißende Ereignis eintreffen."

Dann besser nicht das Beste geben, denn das Beste ist immer noch das Leben. Und daran hängt jeder halbwegs vernünftige Mensch.

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*Daniel Pipes schildert es wie folgt:

[...] Er [Ahmadinejad] brachte das Thema oft auf und nicht nur gegenüber Muslimen. Als er im September vor den Vereinten Nationen sprach, verwirrte er seine Zuhörerschaft aus Führern der Weltpolitik, indem er seine Ansprache mit einem Gebet zum Erscheinen des Mahdi schloss: „O allmächtiger Herr, ich bete zu dir das Erscheinen deiner letzten Quelle, des Versprochenen, des perfekten und reinen menschlichen Wesens zu beschleunigen, dem einen, der diese Welt mit Gerechtigkeit und Frieden füllen wird."

Bei der Rückkehr in den Iran erinnerte sich Ahmadinedschad an die Wirkung seiner Rede vor der UNO:
Einer von uns sagte mir, als ich begann zu sagen „Im Namen Gottes des Allmächtigen und Barmherzigen", da sah er ein Licht um mich und ich befand mich innerhalb dieser Aura. Ich spürte es selbst. Ich fühlte, wie sich die Atmosphäre plötzlich veränderte und diese 27 oder 28 Minuten lang zwinkerten die Führer der Welt nicht einmal... Und sie hielten den Atem an. Es schien, als ob eine Hand sie dort fest hielt und ihre Augen geöffnet hätte, um die Botschaft der Islamischen Republik zu erhalten.

Links zum Thema:


Michael Kreutz: Was treibt Ahmadinejad an?
Ulrich Sahm: Für die Rückkehr des Mahdi: Iran bastelt an der Bombe
Scott Peterson: What drives Ahmadinejad's combative rhetoric
Ders.: True believers dial messiah hotline in Iran
Matthias Küntzel: Ahmadinejads Welt
Daniel Pipes: Mystische Bedrohung durch
Ahmadinejad

Hattip:
Nasrin Amirsedghi, Heplev