Samstag, August 29, 2009

Grüne Filzpantoffeln

Liebe Leser,

wie Sie in den vergangenen Wochen festgestellt hatten, richtete ich etwas häufiger als geplant meine Aufmerksamkeit auf grüne Mandatsträger und "Spitzenpolitiker". Spätestens seit der von Tübingens OB Boris Palmer inszenierten Burleske um Felicia Langer hielten Kollegen und ich es für angebracht, ein wenig am grünen Hochmut zu kratzen, wie auch hier und dort geschehen.

In welche Richtung hat sich die Partei des grünen Patriarchen Joschka Fischer (siehe Abbildung rechts; Sreenshot/ Hiram7) entwickelt? Gibt es außer selbstgefälligen Statements des ewig grinsenden Hisbollah-Spezialisten und Spitzenkandidaten Trittin (siehe Abbildung unten, mit einer eindeutigen Geste, Sreenshot Hiram7) für die anstehende Bundestagstagswahl auch Positives zu vermelden?


So weit, so schlecht.

Nun hat sich ein Kollege aus der Blogosphäre ein wenig näher mit Cem Özdemirs grandioser Vita beschäftigt.

Um es klarzustellen: Ich respektiere Cem Özedmirs unaufgeregte, faire und sachliche Diskussionskultur.
Aber ob das allein reicht?

Einfach mal bei Hiram7 vorbeisehen.

Heißer Tipp: Dort auch das Joschka-Video ansehen: GREAT!


Dienstag, August 25, 2009

Giftstift des Tages

Aftonbladets antijüdische Kampagne hinterlässt Wirkung.

Chefredakteur Helin ("Ich bin kein Nazi!") reibt sich die Hände ob seines kalkulierten Auflagenzuwachses und Malte Lehming (Tagesspiegel) hat zum Thema einen läppischen Artikel geschrieben, was bei ihm sonst relativ selten vorkommt: Er zieht einen ganz und gar unangebrachten Vergleich zwischen dem Karikaturenstreit und der Meinungsfreiheit eines Blattes, was den Ritualmordvorwurf betrifft. Lizas Welt hat's kommentiert.


Cartoon In Qatari Paper: Israelis Steal Palestinian Martyrs' Organs, Trample Human Rights Charter

Cartoonist: Omayya Jouha Source: Al-Raya, Qatar, 25. August 2009

Anmerkung: Interessant, dass Schmierfink
Omayya Jouha die Internationalen Menschenrechte bemüht. Weiß er nicht, dass sie den Islamischen "Menschenrechten" nachgeordnet sind? Nett auch der Hinweis darauf, dass es sich um Organe eines Märtyrers handelt.

Augsburger Heimsuchungen

Es gibt zurzeit einige unwillkommene Überraschungen, die alle gleichzeitig eintreffen, so wie ein Blitz selten ohne Donner einschlägt: Ein technischer Defekt an meinem ansonsten überaus treuen Bianchi Spillo-Trekkingfahrrad, bei dem ich ausnahmsweise auf Hilfe des Fachmanns angewiesen bin, aufdringliche Post eines kunstbeflissenen Möchtegern-Psychiaters, der noch dazu mit seinen apokalytischen Sendschreiben halb IT-Deutschland belästigt und die Bohrmaschine des Handwerkers in der Wohnung unter mir, die seit 10 Tagen Angst und Schrecken im Haus verbreitet, weil sie eher an den Klang eines MG während meiner Bundeswehrzeit erinnert.

Was aber nicht zu toppen ist sind die Wahlkampfplakate der Grünen, die so etwas von potthässlich sind und in ihrer Aussage so selten dämlich, dass man sehnlichst den 28. September erwartet, den Tag, an dem dieser Schrott endlich wieder abgehängt wird.

Gut, wenn ich vom Balkon hinuntersehe, ist der Anblick von Frau Leutheusser-Schnarrenberger (unserer Koalitionspartnerin in Bayern) auch nicht das Gelbe vom Ei, da sie, wie die meisten anderen Kandidatinnen, fast bis zum Teenageralter zurückgeliftet wurde.

Die schlimmste Augsburger Heimsuchung ist jedoch dieses misslungene Photoshop-Experiment:

"Unsere" Claudia kandidiert wieder für den Stimmbezirk Augsburg - und das schon seit 1998!

Ich erspare mir den Kommentar zum Wahlkampfplakat und sage nur: "Ha, ha!"

Ansonsten bitte auch ich um ein wenig Mitgefühl.
Es ist ja nicht nur die Stadt, die darunter zu leiden hat.

Montag, August 24, 2009

Giftstift des Tages

Karikaturist Eliot von Al-Watan (Qatar) hielt sich wohl für ein schlaues Kerlchen, als er diese Karikatur anfertigte. Sie hat auch einen gewissen Proletencharme - zugegeben, und passt somit perfekt in das Weltbild scheuklappenbewehrter linker Radikalpazifisten.


Richtig trifft es jedoch Josef Joffe, Herausgeber der ZEIT:
Trotz des Taliban-Terrors sind viele Afghanen zur Wahl gegangen. Hand aufs Herz: Würden Sie für ein Kreuz auf dem Wahlzettel Ihr Leben riskieren?
Eine gemeine Frage, wie: „Wann haben Sie aufgehört, Ihre Frau zu schlagen?“ Umso mehr will WmdW [Abk. für Joffes Rubrik "Was macht die Welt", Castollux] ein Loblied auf die Afghanen singen, die hier schon wieder schlechtgeredet werden, um so den Abzug zu begründen („die wollen/können keine Demokratie“, „die Taliban sind auf dem Vormarsch“, „Afghanistan ist doch Beute der Warlords“).

WmdW fragt sich, wie viele Deutsche nach 1945 an die Urnen gegangen wären, wenn die Killer des alten Regimes die Wahllokale gebombt hätten. Tapferkeit gegen Terror – das ist schon mal ein guter Grund, dort zu bleiben, und Eigeninteresse ist es auch. Denn vor 2001 war Afghanistan in der Pacht von Al Qaida.

Freitag, August 21, 2009

@Roger Waters: Fare thee well, and if for ever

In Anlehnung an Pink Floyds "The Wall" werde ich dieser Gruppe bzw. Roger Waters zurufen: Fare thee well, and if for ever.

Warum ich Pink Floyd aus meinem Repertoire streiche:

Roger Waters hat sich dazu hinreißen lassen, einen von der UN gesponserten antiisraelischen Film zu kommentieren, der die Berliner Mauer mit der israelischen Sicherheitsbarriere (Sicherheitszaun) vergleicht.

Reiß' die Mauern in deinem Hirn ein, Roger Waters!

Dass Pink Floyd noch in meinem Musikblog sind ist meiner melancholischen Woodstock-Reminiszenz zu verdanken. Das war's dann aber auch schon.

Mittwoch, August 19, 2009

Israel für linke Loser zu erfolgreich

Stephanie Gutmann im Telegraph mit Ausführungen zum neuen Buch The Israel Test von George Gilder. Ins Deutsche übertragen von Castollux.


Israel für linke Loser zu erfolgreich
Stephanie Gutmann

Der unberechenbare, manchmal etwas clowneske, aber oft brillant schreibende Autor George Gilder hat ein neues Buch mit dem Titel The Israel Test herausgebracht. Gilder ist weithin bekannt wegen seines sehr große Resonanz erzeugenden Buches Wealth and Poverty (1981) - ein Leitfaden für beispielhafte Schaffung von Wohlstand und Unternehmertum, von dem manche sagen, dass es als Blaupause für Ronald Reagans Rettung der Wirtschaft nach der durch Jimmy Carter verursachten Malaise gedient haben könnte.

Gilder scheint mit einem untrüglichen Instinkt für umstrittene Themen ausgestattet zu sein, und wieder einmal hat er eines gefunden, das die Kritiker ärgern wird. The Israel Test handelt hauptsächlich davon, dass die wirklichen Fragen hinter der Unterstützung (braucht keine bedingungslose zu sein), oder Ablehnung Israels (er spricht über erhebliche Missbilligung), mit den innersten Gefühlen der Menschen zu tun haben. Anerkennen Sie Leistung und Erfolg und glauben Sie, dass man dazu ermutigt werden soll? Oder misstrauen Sie reflexhaft, weil Sie denken, Erfolge kämen auf Kosten anderer Menschen zustande und Sie wollen ihnen deshalb Grenzen setzen?

Die Frage stellt sich deshalb, weil Israel entgegen schlechter Startchancen eine Kraftquelle der Hochtechnologie und speziell der Bioforschung geworden ist (Gilder bewundert die Industrietechnologien besonders), dazu auch noch führend auf den Feldern Musik, Architektur und Literatur.

„Das kleine Israel mit seiner Bevölkerung von 7,23 Millionen….kommt gleich hinter den USA bei technologischen Entwicklungen. Pro Kopf gesehen stellt Israel alle Nationen in den Schatten“, kräht Gilder. Aber hierin liegen auch die Probleme:
Weil sie davon ausgehen, dass Wohlstand von oben nach unten durch die Regierung verteilt und nicht durch Erfindungsreichtum und praktisches Wissen generiert wird, sehen Israels Kritiker [in akademischen Kreisen, und Organisationen wie EU und UNO] die Welt als Summe begrenzter Ressourcen. In der Annahme, dass sich Israel, wie die Vereinigten Staaten, zu vieler Weltressourcen bemächtigt hat, plädieren sie für riesige internationale Ausgleichs- und Umverteilungsprogramme. Ihrer Ansicht nach begründet sich Israels Wohlstand nicht auf….Kreativität und Genialität, sondern auf Schnorrer-Hilfe durch die USA, Landraub und Einverleibung anderer Ressourcen der Araber…; Dieses Denken in Nullsummenkategorien hat sich rund um den Globus festgesetzt. Vielleicht sogar bei dem einen oder anderen Leser dieser Zeilen….

Man glaubt, dass freier internationaler Handel ein zweischneidiges Schwert wäre, das viele Opfer hervorbringe. Man möchte viel von Israels Wohlstand an seine Nachbarn abgeben. Man glaubt, dass Israels Nachbarn - und die Welt - mehr von einer Umverteilung profitieren würden als von Israels fortschreitender wirtschaftlicher Stabilität und seiner Freiheit. Man glaubt, dass Israel eher zu groß als zu klein sei. Man glaubt (kaum zu fassen!), dass Armut nicht durch Neid und Raubwirtschaft, sondern durch Unternehmergeist und Eigentum verursacht wird - und dass diese Armut der größte Nebeneffekt von Wohlstand sei.
Wenn Gilder sich mit neuen Ideen befasst, wirkt er manchmal schroff und neigt zur Übertreibung, aber ich denke, dass er einen sehr wichtigen Aspekt angesprochen hat. Für mich ist es die grundlegende Feststellung, dass diese Haltung Israel gegenüber häufig nicht wirklich mit dem Land selbst zu tun hat, diesem kleinen Streitobjekt felsigen Landes, zusammengedrückt zwischen Jordan und Mittelmeer.

Nach mehreren Jahren Recherche zu einem Buch über die Nahost-Berichterstattung in den Medien begann ich zu ahnen, dass das Thema Israel/Palästina wie ein Rorschach-Test funktioniert, eine Projektionsfläche für die ganz persönliche Klage der Menschen. Da gab es die Hausfrau in Tennessee, die augenscheinlich all ihre Zeit zwischen Waschmaschine und Anrichten von Hamburger Helpers für ihre Kinder einer Website widmete, die haarklein Israels angebliches Unrecht gegenüber den Palästinensern auflistete. Da gab es den Pensionär im Staat New York, der in einem Leserbrief halluzinogene Nazibilder verwendete (“die Sturmabteilung steigt die Treppe herauf; heftiges Klopfen an der Tür…"), um zu beschreiben, was er über Israels täglichen Umgang mit den Palästinensern in der umstrittenen West Bank „wusste“.

Kritik an Israel ist legitim - wie Kritik an den USA, Großbritannien und Republik Neu-Guinea - aber es drängt sich schon der Verdacht auf, „dass da noch etwas anderes mitschwingt“, wie es der Psychologe sagen würde, wenn man das Maß an Passion und kochender Wut sieht, das meistens von Leuten aufgebracht wird, die kaum einmal in Nahost waren. Es gibt Dutzende Menschenrechtsfragen und umstrittene Gebiete weltweit, über die sie sich so richtig aufregen könnten - Darfur, Tibet, Kaschmir - aber der Israel/Palästina-Konflikt scheint die Leute anzuziehen wie ein Magnet. Unausgewogene Nachrichtenberichterstattung über die Berichterstattung der Ereignisse in Israel/in Palästina ist nicht selten zu beklagen.

Gilder identifiziert die übergroßen und deplatzierten Leidenschaften als Ergebnis eines anerzogenen Misstrauens gegenüber dem Leistungsdenken. Aber weltweite Haltungen basieren auch auf einer Kanonisierung (Heiligsprechung) der Opferrolle. In dieser Zeit kanonisierter Opferrollen ist Überleben immer eine suspekte Angelegenheit, besonders dann, wenn zum Zwecke der Selbstverteidigung Gewalt angewendet wird. Zu Beginn der zweiten Intifada erklärte ein palästinensischer Führer dem New York Times-Kolumnisten Tom Friedman, dass „wir diesen Konflikt gewinnen, weil wir besser [öffentlichkeitswirksamer, Castollux] sterben.“ Er hatte Recht.

Nach jedem Krieg verbreiten die islamistischen Hamas oder Hisbollah riesige (oft weit übertriebene) Zahlen von zivilen Opfern als Beweis dafür, dass Israel auf irgendeine Weise in einem sehr wechselseitigen Krieg getäuscht habe. Wenn die Menschen in Südisrael ihre Wohnzimmer verbunkern und Kindergärten mit Sandsäcken absichern und ein Leben führen müssen, in dem ein Ohr immer mit der Alarmsirene rechnet, die den Anflug einer der gut 8.000 Raketen meldet, die zwischen 2005 und 2008 aus dem Gazastreifen abgefeuert worden waren, wird es nicht als bewundernswertes Zeichen fürsorgender Zivilverteidigung und Stoizismus gesehen, sondern wieder als Beweis dafür, dass Israel etwas beabsichtigt, das hinterhältig und unfair ist, oder „unverhältnismäßig“.

In den Augen der linken Intelligenzbestien dieser Welt sterben die Israelis einfach nicht schön genug.

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Mehr zu George Gilders Buch hier.
Crossposting mit Arye Sharuz Shalicar

Montag, August 17, 2009

Schmutzfink der Woche

Diesmal ist es Karikaturist Mahmoud Al-Said von Al-Yawm Al-Sabi' (Ägypten), der sich für besonders witzig hält.

Er meint wohl, dass
Stürmer-Abziehbildchen bei seinen Lesern gut ankommen. Und so ganz falsch scheint er damit nicht zu liegen. Wie wir wissen ist die freudige Resonanz auf Vergleiche mit den Protokollen der Weisen von Zion in der arabischen Welt besonders groß - aber nicht nur dort.

Und wenn er schon "Palästina" als geografische Hintergrundstaffage nimmt, dann gleich richtig.


Quelle (via
MEMRI): Al-Yawm Al-Sabi' (Ägypten)

Donnerstag, August 13, 2009

Kopf ab: Warum sollten wir Somalis uns dafür entschuldigen?

Die Exekutierten waren doch nur Muslime, die zum Christentum konvertiert sind!
Four Christians working in Somalia to provide services to orphans have been executed by beheading by al-Qaida-linked interests who told their families that is the penalty for apostasy.

The report on the outrage comes from International Christian Concern, which said the executions took place sometime after the kidnapping of the Christians July 27, but it only discovered the tragedy recently.

The organization identified the Christian orphanage workers as Fatima Sultan, Ali Ma'ow, Sheik Mohammed Abdi and Maaddey Diil. They had been kidnapped in the coastal Somalian town of Merca, about 50 miles from Mogadishu.

According to ICC, al-Shabaab, an Islamic extremist organization, claimed responsibility and said the Christians were killed when they refused to renounce their faith in Jesus.

The ICC report said a junior al-Shabaab militant notified the families Aug. 4 the four were beheaded for apostasy. ICC said the militant described the Christians as promoters of "fitna," a Muslim term for religious discord.
Danke SPIEGEL, danke SZ, danke Tagesspiegel, danke danke danke an alle überregionalen Tageszeitungen für die nicht stattgefundene Berichterstattung!

Pisst euch ins Knie!


Mittwoch, August 12, 2009

Martin Gehlens verbaler Bombenteppich

Wenn’s bei Martin Gehlen (Abbild. links, Quelle) dröhnt, sind nicht nur bei mir massive Kopfschmerzen angesagt - verursacht durch die Lektüre seiner Texte. Vor Jahren hätte man sich noch fragen können: „Wie kommt es, dass ein ausgewiesener Judenfeind wie Martin Gehlen sich in regelmäßigen Abständen im Tagesspiegel austoben darf?“

Heute, wenn die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes an Israelhasser eine Petitesse darstellt, konstatiert man jedoch:

„Warum eigentlich nicht?“

Wenn Martin Gehlen schreibt, bricht der Zweite Weltkrieg von neuem aus - in Gaza selbstverständlich. Hier wird er neu interpretiert und ein ebenso simpler wie erprobter Rollentausch vorgenommen:
„Über 5000 wurden verletzt. Auf deutschem Boden hätte eine Bombardierung mit solchen Opfern im gleichen Zeitraum 75.000 Menschen das Leben gekostet - eine Ausmaß an Todesopfern, was in etwa den deutschen Verlusten in einem Monat während des Zweiten Weltkriegs entspricht. Für die Menschen in Gaza war das Bombardement sozusagen ein kurzer Weltkrieg auf kleinster Fläche.“
Gehlen, der hier, wie manche Historiker, über den rhetorischen Umweg "Gaza" Dresden neu definiert und Menschen als Bomben einsetzt wie fett kursiv unterlegt oben (Dank an Björn für den erheiternden Hinweis), muss naturgemäß viele Fürsprecher haben, denn die Täter von einst werden schon längst wieder zu Opfern umgeschrieben. Wird ja auch langsam Zeit, oder?

Arye S. Shalicar hat den Text des notorischen Wiederholungstäters Gehlen auch gelesen und ihm in diesem Kommentar geantwortet:


Gastkommentar

Arye S. Shalicar

Martin Gehlen: Gaza – in den Köpfen dröhnen die Explosionen weiter
Tagesspiegel Online (Politik-International)


Herr Gehlen,

Ich muss mich sehr beherrschen, mich so diplomatisch wie möglich auszudrücken, denn was Sie in Ihrem neusten Bericht im Tagesspiegel von sich geben, ist schlicht und einfach ein Protokoll des Hasses. Damit meine ich keineswegs den Hass der palästinensischen "Verwundeten/Ärzte/Politiker/Experten" auf Israel und wie Sie schon in der Einleitung ihres Berichtes ziemlich einseitig ausdruecken, die "Bombardierung", sondern Ihren ganz persönlichen Hass auf die Juden und ihren Staat.

Verzeihung, ich möchte den letzten Gedankengang kurz abändern und aus "die Juden und ihren Staat", "uns Juden und unseren Staat" machen, denn ich bin einer dieser Juden und ich bin einer dieser von ihnen verschmähten "grausamen Israelis".

Mit ihrem Bericht spucken Sie mir, meiner Familie und meinen Freunden, Bekannten, eigentlich fast jedem israelischen Staatsbürger und fast jedem Juden weltweit ins Gesicht.

Ich will ehrlich sein. Mir fiel sehr schwer, Ihren Bericht zu lesen, in erster Linie, aufgrund der Tatsache, dass Worte wie "Sderot", "Gilad Schalit", "Terror der Hamas" und "israelische Tote" nicht ein einziges Mal in Ihrem Text auftauchen, sondern weil man von jemandem, der an zwei hochrangigen Universitäten studiert hat, unter anderem an der Hebräischen Universität in Jerusalem, mehr erwarten könnte und sollte.

Sie geben mir mit ihren Hassparolen das Gefühl, dass Sie entweder den Nahen Osten, die arabische Welt und den islamischen Terror nicht annähernd verstanden haben, oder, und das nehme ich eher an, dass Sie wissen, wie Europa und der Nahe Osten funktioniert, und Ihre Leser, die ihre Meinung unter anderem auch auf Ihren Bericht aufbauen, bewusst irreführen wollen, mit antisemitischer/antiisraelischer Propaganda.

Die wenigsten Deutschen sind Nahost-Experten und verstehen die Komplexität der Region. Ich selber verstand den Nahen Osten auch nicht wirklich, bevor ich vor achteinhalb Jahren aus Deutschland nach Israel gezogen bin, in der israelischen Armee gedient habe und an der Hebräischen Universität studierte. Im Laufe meines Armeedienstes und Studiums habe ich die Realität Israels und besonders Jerusalems hautnah miterleben dürfen. Ich habe hier gelebt, als Busse in der Hauptstadt Jerusalem in die Luft gesprengt wurden; ich war im Land, als die Hezbollah den Norden Israels unter Beschuss nahm; ich habe das "Volk Israel" gefühlt, als Gilad Schalit von Terroristen entführt wurde und ich war und bin immer noch hier, um "live" mitzukriegen, wie meine Familie in Ashkelon, Sderot und Ashdod leben musste, während die Hamas sie im Januar aus dem Gazastreifen unter Beschuss nahm. Wieso taucht in ihrem Bericht nicht ein Wort darüber auf?

Wie kann es sein, dass Sie über das traurige Schicksal von palästinensischen Kindern erzählen, aber nicht ein Wort darüber verlieren, wie viele israelische Kinder, seitdem die Hamas vor mehr als 8 Jahren angefangen hat, Israel zu beschießen, verwundet, verletzt, traumatisiert und getötet wurden? Ganz abgesehen von psychischen und materiellen Schäden.

Verstehen Sie mich nicht falsch, ich weiß, dass die Bevölkerung des Gazastreifens in einer unerträglichen Welt lebt, woran nicht Israel oder der "böse Westen", Kapitalismus oder Kommunismus schuld sind, sondern klipp und klar die Palästinenser selbst, bzw. ihre Repräsentanten, die Hamas und die Fatah.

Um nochmal kurz auf Ihren Bericht einzugehen, und ich habe nicht vor, jede antisemitische/antiisraelische Textstelle aufzulisten, aber auf einen Punkt würde ich schon sehr gerne zu sprechen kommen. Sie schreiben in Ihrem Bericht: "Keinen einzigen Sack Zement hat Israels Regierung seit Ende des Krieges hereingelassen, auch keine Glasscheiben, Ersatzteile, Computer und vieles andere mehr". Nicht nur, dass das eine Lüge ist, wie man in der israelischen Tageszeitung Yedioth Achronot vom 29.7.2009 nachlesen kann (auch hier) sondern, dass Sie sich nicht einmal die Mühe gemacht haben, zu erwähnen, aus welchem Grund es eine Blockade gab bzw. gibt. Die Hamas weiß, dass es an ihr liegt, Israel zu überzeugen, die Blockade aufzuheben. Sie braucht Israel nur Gilad Schalit auszuhändigen. Ich denke, Sie wissen, dass Gilad Schalit seit über 3 Jahren in Gefangenschaft sitzt und man nicht einmal weiß, ob er noch am Leben ist.

Herr Gehlen, haben Sie eigentlich Kinder? Wie würden Sie, Ihre Familie und Ihr Volk sich fühlen, wenn Ihr Sohn, bzw. ein "Volksgenosse" vom Erzfeind entführt, und womöglich misshandelt und gefoltert werden würde?

Bitte seien Sie doch Experte genug, um Ihre ganz persönliche Weltanschauung nicht im Namen des Tagesspiegels zu veröffentlichen.

Südzonen-Auftragsschreiber: Zensur inklusive

Entweder man ist in der Forenmoderation der Süddeutsche Zeitung zu dumm, einfachste Sätze zu kapieren oder redaktionell hoffnungslos gleichgeschaltet - oder beides, was sich gegenseitig nicht unbedingt ausschließt.

Mein Verbrechen: Ich hatte zu diesem Artikel H. Leyendeckers einen Leserbrief geschrieben, der es gerade mal' auf etwa 1 Minute Lebenszeit brachte, ein anderer Leserbrief hingegen, der die Auslöschung aller "Parias"forderte (gemeint waren alle Amerikaner) , 24 Stunden Halbwertszeit zugestanden bekam und auch nur gelöscht wurde, weil ich energisch protestiert hatte.

Worum ging es? Leyendecker hatte behauptet, "dass die Bush-Regierung wenig ausgelassen hat, um den Wirrköpfen (Sauerlandgruppe) einen entsprechenden Vorwand zu liefern."
Und ein gewisser "Jörg" hatte sich pflichtschuldigst Leyendeckers Meinung im Forum angeschlossen.

Daraufhin meine Wenigkeit im SZ-Forum:


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@Jörg

Sie schreiben: Und dass die hanebüchene Sicherheitspolitik der USA/der Bush-Regierung hier eine große Rolle gespielt hat, ist doch wohl nicht zu bezweifeln.

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Das ist schlicht Unsinn - wie übrigens auch Leyendeckers "Begründung".


Folgt man dieser Logik hätte es keine islamisch motivierten Anschläge vor 2001 geben dürfen. Gab es aber zuhauf. Und wenn man sauber zurückrechnet, schon seit den 1970er-Jahren. Selbst die Attentäter von München hatten schon islamistische Motive (neben vorgeschobenen sozialistischen). Und wenn man noch sauberer zurückrechnet sogar bis in die 1930er Jahre des 20. Jahrhunderts, als auch in "Palästina" eingewanderte amerikanische Juden von Henkersknechten des Muftis von Jerusalem (Hitlers Freund) massakriert wurden.

Der Hass der Sauerlandtäter speist sich zum einen aus eben diesen Motiven (Konvertiten sind meist 150-Prozentige) und zweitens aus dem Geist der 68er-Generation, die alles dämonisiert, was auch nur im Entferntesten nach dem großen Satan (USA) und dem kleinen Satan (Israel) riecht. Gäbe es in den USA und Israel keine Juden, hätten die linken Antisemiten keinen Grund, beide Staaten zu hassen.

Herr Leyendecker hat ein Problem, das anzusprechen.

Warum, lässt sich relativ leicht erklären, wenn man sich die Realität ansieht, die von der "USA-und israelkritischen" Meinungsführerschaft dominiert wird.


Wie war das noch vor wenigen Monaten? Am 9. November wie jedes Jahr noch Gedenken für die toten Juden zur Reichspogromnacht von 1938 heucheln und Wochen später auf den Straßen "Juden ins Gas" rufen, weil der einzige Staat in Nahost sich gegen eine Mörderbande gewehrt hat. Hier liegt das Problem.
Wurde mein Leserbrief vielleicht gelöscht, weil ich Palästina in An- und Abführungszeichen gesetzt hatte?

Nein, sicher nicht: Man hat mich wohl rausgeschmissen, weil ich darauf hingewiesen hatte, dass es auch linke und muslimische Antisemiten gibt. Das passt schlicht nicht in die Landschaftspflege der SZ.