Mittwoch, September 01, 2010

Das Terror-Gen der ARD

Die ARD hat, wie nahezu alle westeuropäischen Medien und einhellig alle Bundestagsparteien vor einigen Wochen, Israel eines Terrorangriffes auf ein Schiff bezichtigt, das türkische "Friedensfreunde" an Bord hatte, die mehr als fragwürdiges Heil über Gaza bringen wollten.

Erinnern Sie sich daran?

Heute wurden vier Israelis ermordet, weil sie einfach nur mit dem Auto bei
Kirjat Arba nahe Hebron fuhren:

http://www.jpost.com/Israel/Article.aspx?id=186640

Abgesehen davon, dass abgesprochene Killeraktionen wie diese zum Sabotage-Ritual arabischer Terroristen (Palästineser gibt es nicht!) vor Friedensgesprächen mit Israel gehören und das uns überhaupt nicht wundert, wenn es um's Konkrete geht:

Sehen sie mal, was die ARD auf Seite 121 ihres Bildschirmtextes jetzt schreibt, bevor sie es löscht:


Fällt Ihnen etwas auf?

Terrorangriff wurde in An- und Abführungszeichen gesetzt.

Da hilft es auch nichts, wenn die ARD auf ihrer Webseite das Wort Terrorangriff vernebelt, wenn sie von erschossenen statt von ermordeten Israelis spricht.

Alles klar?

Bis bald in diesem Medientheater.

Freitag, August 27, 2010

Freiheit für Shiva Nazar Ahari!

Meine Blog-Freunde Shir o Xorshid und Iranian German haben auf ihren Webseiten eine Petition für Shiva eingestellt und zu einer Unterstützungsaktion für die iranische Journalistin und Menschenrechts-Aktivistin aufgerufen, der nach einem Prozess in den nächsten Tagen nichts weniger als die Hinrichtung droht.

Klar, dass man bei den Grünen, der SPD und Die Linke nichts von Schicksal der mutigen Shiva wissen will.


Man kümmert sich stattdessen lieber um innenpolitische “G’schmäckle“, weil man seinem marxistischen Kurs auf Teufel komm raus treu bleiben will.

Zur Unterzeichnung der Petition bitte hier klicken.

Shir o Xorshid
hat noch ein Video eingestellt, das uns Shiva ein wenig näher bringt; siehe unten.

Bitte auf die Abbildung klicken.


Sonntag, August 22, 2010

Verstand ausschalten und spenden: 120 Milliarden jährlich an NGO's vergeudet?

Pakistan braucht wieder einmal Hilfe, und Empathie für die Opfer der aktuellen Monsterflut sowie schnelles Handeln ist mehr als angebracht und okay. Anne Will diskutierte in der letzten Stunde darüber auch mit Sabatina James.

Doch kein Mensch fragt danach, wie diese Hilfe organisiert wird und warum dieses Land über Jahrzehnte hinweg lieber an der Atombombe (u.a. gegen Indien) baute und sämtliche Maßnahmen gegen Hochwasserkatastrophen fahrlässig unterlassen und damit die Sicherheit seiner Bürger fahrlässig auf's Spiel gesetzt hatte.

David Harnasch verweist auf einen hochinteressanten Buchtitel der niederländischen Autorin Linda Polman (Die Mitleidsindustrie), der bei ZDF-Aspekte mit einem treffenden Kommentar versehen worden war.

Vielleicht werden Sie Ihre Meinung zu den einen oder anderen NGO's noch einmal überdenken....

Zum Filmbeitrag bitte hier oder auf die Abbildung links klicken.

Besten Dank an David Harnasch für den Tipp!

Samstag, August 07, 2010

Kommentar: Afghanistan und seine Innenpolitik: Nur Vieh geht's besser?

Der SPIEGEL sprang vor wenigen Tagen auf ein Thema auf, das andere Blogger und ich vorher schon angesprochen hatten: Den Umgang der [so genannten gemäßigten] Taliban mit ihren Frauen und Töchtern.

Dirk Maxeiner hatte erstmals bei Achgut auf einen TIME-Artikel hingewiesen, den neben mir einige Bloggerfreunde verbreitet und kommentiert hatten.


Zu konstatieren ist: Mittlerweile hatte sich der SPIEGEL (nach uns und anderen; wir nehmen uns da nicht aus) bequemt, auch über die wahren Opfer in Afghanistan zu sprechen, weil es unvermeidbar war.


Soll man sich glücklich schätzen, wenn Mainstream-Medien endlich einmal ein Wort über die Schwachen in Afghanistan verlieren?


Nein und abermals nein, weil es viel zu spät kommt.


Ich frage mich, warum viele führenden deutschen Medien das Horrorthema „Islamistische Gewalt in der afghanischen Gesellschaft“ nicht schon früher aufgegriffen hatten:

War es wirklich so neu, dass in Afghanistan Frauen und Mädchen oft schlimmer behandelt werden als niederstes Vieh?


Bitte untenstehenden Artikel/Link genau durchlesen (bei Bedarf übersetze ich ihn)


http://www.bozemandailychronicle.com/news/article_3710781a-37a4-11df-97b2-001cc4c03286.html

Und ich frage mich noch einmal, warum der afghanische Premier (und korrupte Verbrecher) Hamid Karzai so beredsam schweigt, wenn es um exakt dieses Thema geht, ja er vielmehr eine Allianz mit „gemäßigten“ Taliban anstrebt und alle ISAF-Aktionen desavouiert. Ist er eigentlich an einer demokratischen Stabilisierung seines Landes interessiert - als Paschtune?
Ich bezweifle das. Aus dem Amt mit ihm!

Ungeachtet der innenpolitischen Erwägungen und sinistren Ränkespiele in Afghanistan: Mich bedrückt – ja, mich
widert an, wenn Menschen hierzulande nur über die Risiken für die deutsche oder europäische Politik sprechen und gleichzeitig vergessen, wie schäbig sie sich denjenigen gegenüber verhalten, denen sie seit 2001 ihre Hilfe zugesagt hatten, nämlich den Frauen und Kindern in diesem geschundenen Land.

Von Exit-Strategie ist pausenlos bei allen deutschen Parteien die Rede – so, als würde es nur darum gehen, sich so gut wie möglich aus der Verantwortung zu stehlen, weil man dem hiesigen Wahlvolk die Schleimrute geben will.


Warum hat man sich dann überhaupt engagiert?


In Afghanistan sind in den letzten 8 Jahren etwa 1,5 Millionen Kinder eingeschult worden, darunter viele Mädchen; es wurden Brunnen und Schulen gebaut, soziale Vernetzungsstrategien über manche NGO's konzipiert und verwirklicht (wenn auch schwierig aufrecht zu erhalten), Männer wurden von ihren archaischen Denkstrukturen befreit, Frauen sitzen im Parlament und so nach und nach beginnen auch die einen oder anderen Warlords, den Wert einer ach so schrecklich kapitalisierten Demokratie als Chance zu begreifen.


Und ist es denn so tragisch, wenn demokratische Strukturen über marktwirschaftliche Mechanismen Einzug halten?


Darüber könnte man leidlich diskutieren, stimmt. Aber Strukturen, die über islamistische oder kommunistische Parteien installiert wurden, kennen wir bereits zur Genüge, oder nicht?

Was wir unbedingt lernen müssen:

Der Demokratisierungsprozess in Afghanistan (und Pakistan) - selbst in den bescheidensten Ausformungen - wird womöglich unsere Lebenszeit und die unserer Kinder und Enkelkinder überdauern, aber wir müssen ihn durchziehen, denn das Rückzugsszenario, das uns die Gegner im Deutschen Bundestag und in Brüssel empfehlen, wird ein Choas nach dem anderen erzeugen.

Und dann können wir gleich alles hinschmeißen.

Die Kinder in Afghanistan, die heute noch auf uns hoffen, würden das sehr, sehr genau registrieren.

Donnerstag, August 05, 2010

Hamas und die ausgebrochenen arabischen Gäule

Hamas-Führer Khaled Mash'al kämpft aus dem syrischen Exil wie ein Berserker um seine (Mörder-) Schäfchen in der arabischen Welt.

Er dürfte wie immer etliche Zuhörer finden.

Hier das Transkript und dort das Video...


Allein schon die Stimmlage zeugt von abgrundtiefem Hass.


Bitte hier oder auf die Abbildung klicken.

Hattip: MEMRI TV

Dienstag, August 03, 2010

Afghanistan: Love is all around

My Babe!

Das Bild zeigt afghanische Mädchen mit ihren wenige Wochen alten Kindern. Es dokumentiert den Ausschnitt einer Fotoserie, die mir Elvira geschickt hat.


Capture (Bildunterschrift):

Unter der Burka können die Kinder den Blick der Mutter nicht wahrnehmen; ihr Gesicht existiert nicht, ihre Stimme ist verfremdet und es gibt keinen Körperkontakt.
Die Taliban erlauben den Müttern nicht einmal, dass sie Augenkontakt mit ihren Kindern haben.

Mädchen, die sich nicht daran halten, werden körperlich verunstaltet oder getötet.


Noch einmal meine ganz dringende Frage:

Dürfen wir Afghanistan und die vergewaltigten Menschen dort im Stich lassen?


NEIN!

Freitag, Juli 30, 2010

Was passiert wenn wir Afghanistan verlassen

Auf diesen Beitrag bin ich durch die Notiz "So kann Journalismus aussehen" von Dirk Maxeiner gestoßen.

Aus dem
Tagesanzeiger (CH):

Das verstörende Titelbild des «Time Magazine»

Auf dem Titel ihrer aktuellen Ausgabe zeigt die amerikanische Zeitschrift das Bild einer verstümmelten Frau aus Afghanistan - und druckt dazu ein klares Bekenntnis ab. Vom Titelbild des aktuellen «Time Magazine» blickt eine junge Frau, eine Afghanin mit dunklen Augen und vollen Lippen. Wo ihre Nase sein sollte, klafft ein Loch. Talibankämpfer haben die 18-Jährige verstümmelt, weil sie die Familie ihres Mannes verlassen hat. Diese Lebensgeschichte in zwei Sätzen steht unter dem Bild, dazu die Schlagzeile: «Was passiert, wenn wir Afghanistan verlassen.»

(Bildquelle: TIME)

Ein klares Bekenntnis, das die Zeitschrift für den Krieg in Afghanistan abgibt – und ein Bild, das haften bleibt.
«Time» ist sich der Wirkung des Bildes bewusst.

«Wir haben lange darüber nachgedacht, ob wir dieses Bild auf das Titelblatt des Magazines setzen sollen», wendet sich der Chefredaktor im Vorwort an seine Leser. «Das Bild ist machtvoll, schockierend und verstörend.» Sie hätten das Bild abgedruckt, so der Chefredaktor, «weil es Teil unserer Arbeit ist, grausame Dinge, die Menschen widerfahren, zu betrachten und zu erklären».

Die weiteren Bilder im Text werden begleitet von einer Reportage über das Leben der Frauen in Afghanistan, die vielfach seit der Schwächung der Extremisten aufgeblüht seien.


Zum vollständigen Artikel hier.
Und zur Fotogalerie Women of Afghanistan: Living Under the Taliban Threat hier.

Mittwoch, Juli 28, 2010

Lutherischer Weltbund: Neuer Außenposten der Palästinenser und radikalen Linken?

Hamas and Islamic supremacism in general has been great for Christian Arabs in the P.A.

Bischof Munib Younan. (Quelle: Tundra Tabloids)
„Heiliges Land“ nennen meine lutherischen Kollegen das Land zwischen Jordan und Mittelmeer, weil sie politischen Stellungnahmen gerne geschmeidig ausweichen. Sind sie eigentlich so "unpolitisch" wie sie vorgeben zu sein?

(Im Bild: Bischof Munib Younan, links, mit Holocaustleugner Abu Mazen [Abbas])

Was als unabhängiges Credo konzipiert sein könnte, gerät schnell zur politischen Karikatur, denn erstens ist das Land zwischen Jordan und Mittelmeer alles andere als „heilig“, was seine
politisch-theologische Strukturierung betrifft, und zweitens schwingt in dieser Formulierung eine gehörige Portion Heuchelei mit, wenn man berücksichtigt, wen der Lutherische Weltbund zu seinem neuen Präsidenten ernannt hat: Bischof Munib Younan, einen Judenhasser, wie man ihn sich besser kaum malen könnte.

Der Zweck heiligt die Mittel - und welche?

Die ökumenische Konkurrenz (Radio Vatikan) meldete sich diesmal pflichtschuldigst, denn was die Einstellung zu Juden betrifft ist man sich unter Volkskirchenchristen weitestgehend einig:
Der neue Präsident des Lutherischen Weltbundes hat zu einer politischen Lösung im Konflikt zwischen Israel und Palästina gemahnt. Die arabischen Christen in Israel rief Bischof Munib Younan zum Bleiben auf. Der neue Bischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Jordanien und im Heiligen Land äußerte sich direkt nach seiner Wahl zur Nahost-Situation. Als Ziele seines Amtes benannte das Oberhaupt von 70 Millionen Christen den Kampf gegen Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus, Islamophobie und Aids. In der Kontroverse über die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare und die Ordination Homosexueller rief Younan zu Geduld auf. Man solle dazu das Ende des 2007 begonnenen Beratungsprozesses abwarten. Dem LWB drohte über diese Frage zuletzt die Spaltung.
Immer wieder spannend ist es, zu verfolgen, wie arabische Christen, seien sie jetzt Protestanten, Katholiken oder Orthodoxe, ihre pro-palästinensische politische Agenda in westliche Kirchengremien einbringen.

Gehen wir doch einmal die oben zitierte Passage durch:

Die politische Lösung, die Munib Younan anmahnt, geht von einem Rückkehrrecht aller Flüchtlinge aus. Sie entspricht somit dem Wunsch aller Heimatvertriebenenverbände hierzulande, dass Vertriebene (besser gesagt Flüchtlinge) ein Rückkehrrecht geerbt hätten.

Auf ewig?

Frau Erika Steinbach würde wohl freudig mit dem Kopf nicken - und einige Deutsche mit ihr.
Denn das arabische Naqba ist mittlerweile zu einem Kampfbegriff mutiert, der sich auch bei deutschen Revisionisten jeglicher Coleur herumgesprochen hat.

O-Ton Steinbach:

"Ohne jede Habe, heimatlos, völlig verzweifelt, aber immer noch mit der festen Hoffnung im Herzen auf Rückkehr. So gelangte auch ich als Kleinkind aus Westpreußen hierher, in den westlichen Teil Deutschlands.

Dass Steinbachs Eltern über die nationalsozialistische Ostgau-Siedlungspolitik (der Vater stammte aus Hanau, die Mutter aus Bremen) sehr gerne nach Polen (angeblich Westpreußen) gezogen sind, um dort das Reich rassisch rein zu erweitern, soll hier ausnahmsweise nur ein Nebenaspekt sein, der aber, was die palästinensischen Ansprüche auf Rückkehrrecht betrifft, eine äußerst interessante Parallele findet.

Lesen Sie bitte diesen Beitrag!

Verstehen Sie jetzt, warum viele Deutsche eine so hemmungslose Sympathie für die palästinensische Naqba haben? Ahnen Sie jetzt, warum ein Linker wie Grass seinen Roman Im Krebsgang schreiben konnte?

Weiter im Text:

Die arabischen Christen sollen bleiben,


sagt Younan. Wie peinlich und zynisch:

Sein ohrenbetäubendes Schweigen zur Diskriminierung, Verfolgung und Ermordung der Christen in der West Bank und im Gazastreifen schien ein Empfehlungsschreiben für den Lutherischen Weltbund zu sein, der sich schon über Jahrzehnte blamiert hat, was die Unterstützung seiner Pfarrer im kommunistischen Machtbereich betraf.

Mehr dazu kann man
hier nachforschen.

Und:


Kampf gegen Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus, Islamophobie und Aids….

Wirklich nett!

Gegen Aids sind wir alle, gegen Antisemitismus hat Herr Younan aber höchst selten ein Wort verloren, seine Stimme indes oft genug zusammen mit dem lateinischen Kirchenführer Michel Sabah erhoben, der PLO und Hamas als Freiheitskämpfer deklarierte.

Younan hat verständlicherweise Angst vor den Islamisten, die ihn an der Gurgel haben. Muss er dann aber auf Reisen ins westliche Ausland permanent israelische Checkpoints als das Hauptübel bzw. größtes Hindernis für einen Nahostfrieden bezeichnen, die noch dazu unter Netanjahu um mehrere Hundert Posten abgebaut wurden [teilweise auch unter Olmert]? Hat er vergessen, dass unter Netanjahus erster Amtszeit das Westjordanland teilweise geräumt wurde, unter Olmert aber kein Quadratzentimeter? Und hat er vergessen, dass die PA in den letzten zwei Jahren einen enormen Wirtschaftsaufschwung erleben konnte, weil israelische und palästinensische Behörden relativ reibungslos zusammengearbeitet hatten?

Wenn er Angst hat, dann soll er weingstens schweigen und nicht die Sprache seiner islamistischen Unterdrücker sprechen.

Antisemitismus und Islamophobie

Dass der Lutherische Weltbund dieser platten Formulierung nicht widerspricht zeugt schon von einer gehörigen Portion Unwissenheit und/oder Ignoranz. Immerhin liegt die Meldung schon einige Tage auf dem Server von Radio Vatikan.

Hier macht sich Younan die widerliche Sprachregelung deutscher Linker zu eigen, die Antisemitismus und Islamophobie (was ist Letzteres eigentlich?) zu einem Minus-Saldo verschmelzen will, nämlich dem, dass alle Islamkritiker ebenso einzuschätzen wären wie diejenigen deutschen Nazis, die in den 1930er-Jahren die Juden verfolgten.

Dazu ist genug geschrieben worden. Deshalb erspare ich mir jeglichen Kommentar.

Interessant auch der Schluss:


In der Kontroverse über die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare und die Ordination Homosexueller rief Younan zu Geduld auf. Man solle dazu das Ende des 2007 begonnenen Beratungsprozesses abwarten. Dem LWB drohte über diese Frage zuletzt die Spaltung.


Gleich, wie man dieses Thema bewertet – höchst interessant ist doch zumindest, wie es in der Stellungnahme gewichtet wird: Der Zusammenhalt des Lutherischen Weltbundes wird über die Frage, ob man „homosexuelle Paare segnen soll“ zur Diskussion gestellt. Ob Israels Existenzrecht eine Rolle spielt interessiert den Lutherischen Weltbund anscheinend herzlich wenig.

Alles eine Frage der Agenda und deren Abarbeitung, nicht wahr?

Freitag, Juli 23, 2010

Wildgänse rauschen durch die Nacht wo Zigeuner hausen bald

Wo hausen Zigeuner und Wildgänse?

Haben Sie schon einmal sozial mit Demenzkranken gearbeitet oder zu tun gehabt, die über 70 oder 80 Jahre alt sind?


Demenzkrankheit bedeutet in erster Linie "Vergessen" - ob in kurzen oder langen Zeitabständen spielt keine Rolle. Auch 50-Jährige können demenzkrank sein, wie ich bei einem Vortrag vor einigen Tagen erfuhr. Also kann es beinahe jeden meiner Leser und auch mich treffen - kein Spaß, wirklich nicht.


Dement sein heißt aber nicht zwangsläufig "Dumm sein" oder irrational zu argumentieren, wie viele Außenstehende annehmen könnten, weil sie sich mit dem sehr problematischen Sujet nicht befassen wollen - sei es aus Angst vor der eigenen (Alters-) Zukunft oder vor dem Umgang mit unmittelbar Betroffenen auch in der eigenen Familie.


Dement sein und die sich damit befassende Therapie heißt auch, Erinnerungen in fragmentarisch vorhandenen Gehirnsegmenten zu speichern und sie je nach emotionaler Ausrichtung in einer Rückholung der Therapie oder des Gespräches zu aktivieren. Diese Arbeit muss aber professionell geleistet werden.


Wie so etwas nicht funktionieren kann zeige ich an diesem Beispiel, das an meine Artikelüberschrift angelehnt ist: "Lustig ist das Zigeunerleben":


Ein befreundeter Blogger hat mir vor etwa zwei Jahren ein Buch zugeschickt.

Der Titel: Antiziganismus, Rassismus gegen Roma und Sinti im vereinigten Deutschland; von Änneke Winckel.


Natürlich habe ich das Buch nicht zur Diskussion gestellt, weil es viele Bewohner in ein Chaos getrieben und überfordert hätte (nicht wegen einer evtl. Schuldfrage, sondern weil sie schlicht gedanklich nicht fit gewesen wären).


Aber ich habe es sehr genau durchgelesen.

Gesungen wird bei uns auch häufig - meistens schöne alte Volkslieder, die meistens ihren Wert haben, aber auch Lieder, die problematisch sind, so wie dieses "Lustig ist das Zigeunerleben".


Ich konnte schon vor der Lektüre von Änneke Winckels Buch herzlich wenig mit diesem Text anfangen, weil uns zu CVJM-Zeiten (damals war ich 12 Jahre alt) beim Zelten nachts immer der Ruf aufschreckte: „Die Zigeuner kommen“.


Warum hat der CVJM dieses zum Hass aufstachelnde Lied nicht aus seinem Repertoire gestrichen, und warum wird ein von der SS begierig aufgegriffenes Lied wie „Wildgänse rauschen durch die Nacht, mit schrillem Schrei nach Norden, unstete Fahrt, habt Acht, habt Acht, die Welt ist voller Morden“, das geradezu als Hymne erhoben wurde, nicht aus dem deutschen Volksliedgut verbannt?


Doch zurück zu den „Zigeunern“:


Etwa 500.000 Sinti und Roma wurden von den deutschen Nazis in den Gaskammern ermordet.


Ende des Mittelalters, also in der Kirchengeschichtsschreibung ab Anfang des 16. Jahrhunderts, wurden „Zigeuner“ als christliche Pilger angesehen, weil sie als „Abbildung der heiligen Familie" interpretiert wurden. Man stelle sich das heute einmal vor: katholische Pilger auf dem Jakobsweg abgeschlachtet.


Würden Sie christliche Pilger ermorden?


Als die Juden ausgegrenzt, diskriminiert, verfolgt und ermordet wurden, folgten ihnen Sintis und Romas; immer auf Vertreibung, immer auf Wanderschaft und immer ohne festes Ziel - immer ohne feste Bleibe, weil sie überall verscheucht, stigmatisiert, verletzt oder getötet wurden.


Und jetzt komme ich wieder zu meinem Ausgangspunkt zurück:


Ich kann manchen Menschen das Vorurteil, Sinti und Roma wären schlechte Menschen, argumentativ nicht ausreden. Aber ich kann der Generation, die nach diesen Menschen kommt, einen neuen Start in Sachen „Mitmenschlichkeit“ geben.


Vorerst ist meine Mitmenschlichkeit auch auf jene fokussiert, die in ihrem Leben keine Mitmenschlichkeit kannten oder kennen wollten, weil sie einem Verführer anhingen oder anhängen wollten und jetzt hilflos sind. Ich darf diese Menschen nicht allein lassen.


Wir werden sehen, wie die nächste Altersheim-Generation aussieht.
Wahrscheinlich ist es unsere.

Sonntag, Juli 18, 2010

Makro-Abenteuer: Die Schwebfliege und ihr Granny Smith

Als ich gestern Nachmittag während meiner Fahrradtour nahe Welden (nordwestlich von Augsburg) Pause machte und meinen Granny Smith vor mir auf den Tisch an der Raststelle legte, bemerkte ich, dass flugs eine Schwebfliege anschwirrte und neugierig die grüne Kugel umkurvte.

An alle aufmerksamen Leser: Ursprünglich dachte ich an eine Schlupfwespe: Leser Ranger hat mich jedoch berichtigt. Danke!


Klick' auf das Foto!


Jedenfalls surrte dieses kleine harmlose Insekt um meinen Apfel herum wie ein Hubschrauber, stand abwartend und peilend in der Luft herum und setzte dann ab, um seine Bohraktion durchzuführen.

Es ist schon sensationell, was sich in der Natur abspielt:

Du sitzt gerade einmal drei Minuten da, packst deinen Apfel aus, und schon kommt dieser wunderschön anzusehende Helikopter angerauscht. Welch' unglaublich gut funktionierende Sinnesorgane [von Gott geschenkt!] muss der haben, wenn er über zig Meter mitbekommt, dass
sich in Sekundenbruchteilen Nahrungsquellen vor ihm auftun!

12 Aufnahmen habe ich (damals) für dieses Makro verschossen - mit meiner Panasonic Lumix.

Und ich geb's zu: Ich wurde vom Jagdfieber gepackt. Und diese eine wurde gut. Ich bin aber kein Technik-Profi, eher ein Gelegenheitshai.

Heute habe ich eine Ricoh Capio R4 (Hat mir mein Bruder Hans [lebt in Holland] gschenkt). Das ist eine Weitwinkelkamera mit 28 bis maximal 200 Millimeter - also ein ganz anderes Kaliber für eine Digitalkamera. In der Preisklasse bis 300 Euro unschlagbar. Teste ich noch aus...

Makros mit lebenden Objekten sind nicht einfach zu machen, weil
immer deren Bewegung abgewartet werden muss, auch wenn es Techniken gibt, diese einzufangen. Aber man denkt oft nicht daran, wenn es schnell gehen soll. Mit einer guten Kamera können Objekte auch in der Bewegungsphase scharf abgebildet werden. Man braucht also viel Geduld.

Hans, ein hervorragender Fotograf und Maler (hauptsächlich expressionistisch und gegenständlich*) hat mich vor ein paar Jahren auf die Idee gebracht, Makros zu machen (liegt wohl in der Familie).


Das oben aufgenommene Beispiel ist nicht mein erstes, vielleicht aber eines der besseren und seltenen. Unten noch die Aufnahme einer Kreuzspinne, geschossen in Baarle-Nassau (Belgien) 2008. Auch nicht schlecht, oder?


Wer mehr Makros von mir haben will kann mich gerne anschreiben.
Ihr werdet staunen.

Übrigens: Mit ein wenig Geduld kann man auch in der eigenen Wohnung oder am Balkon Makros "schießen", wenn man die Blüten der gesetzten Pflanzen ins Visier nimmt.

Klick' wieder auf das Foto für die Kreuzspinne!



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*Sehr schöne [expressionistische] Malereien meines Bruders aus Holland kann man über mich bestellen. Fotos und Fortsetzungen natürlich auch.