Samstag, April 21, 2012

Deutsche Friedensmarschierer: Antisemitischer Olfactus

"Links sein" hieß irgendwann in grauer Sozialdemokraten-Vorzeit (19. Jahrhundert), dass man sich zu allererst für Freiheit einsetzte und Termini wie „sozial“ etc. als weitere erstrebenswerte Ziele daneben stellte, eben weil man die Freiheit als Grundvoraussetzung für positive gesellschaftliche Veränderung erkannt hatte, wie Joachim Gauck zu Recht formuliert.

Heute heißt Links sein in erster Linie, dass man sich dem Diktum der weichgespülten und veröffentlichten Meinung/Presse andient, die in ihrer Terminologie den absolut ethischen und reinen Begriff "Freiheit" durch die Chimäre des "[totalen] Friedens" und vorauseilenden journalistischen Gehorsams [auch gegenüber der islamischen Community) ersetzt hat.
»Hinter dem Ruf nach Frieden verschanzen sich die Mörder«, sagte Paul Spiegel, der damalige Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, im Jahr 2002 anlässlich antiisraelischer und antiamerikanischer Demonstrationen hierzulande. Ein Satz, der heute immer noch stimmt.
So rekurriert es Alex Feuerherdt. Und wie er Recht hat!

Die Ostermarschierer und Grass-Adepten der letzten Wochen hatten das antisemitische Fanal des SS-Fossils schon Jahrzehnte zuvor intoniert, und sie wiederholen es jetzt wieder, weil sie sich jetzt auf der sicheren Seite wissen, da Vox Populi immer vehementer mitplärrt.

Ich finde, dass Paul Spiegels Satz (eigentlich schon eine Prophezeiung) heute mehr zutrifft denn je zuvor und dringlicher ins Gedächtnis gerufen werden müsste als nach 1945.

Hab’ Dank für deinen hervorragenden Artikel, Alex!

Hier im Original
 
Der ideelle Gesamtfriedensbewegte
Die deutsche Friedensbewegung verteidigt Günter Grass, attackiert Israel und nimmt den Iran in Schutz. Doch anders, als manche meinen, tut sie das nicht wider besseres Wissen, sondern weil die Parteinahme für die Feinde des jüdischen Staates fester Bestandteil ihre Ideologie ist.


Eines der ergreifendsten Komplimente für sein Gedicht »Was gesagt werden muss« hat Günter Grass aus dem Iran bekommen, wo die Presse – anders als hierzulande – noch nicht, wie Grass weiß, »gleichgeschaltet« ist und deshalb jeder ungehindert gegen Israel hetzen darf. Grass habe »die Wahrheit gesagt«, befand der stellvertretende iranische Kulturminister Jawad Shamakdari, der hofft, dass die Zeilen des Literaturnobelpreisträgers »das eingeschlafene Gewissen des Westens« aufwecken werden. Weiter lobte er: »Ich habe Ihr warnendes Gedicht gelesen, das auf so großartige Weise Ihre Menschlichkeit und Ihr Verantwortungsbewusstsein zum Ausdruck bringt. Mit ihrer Feder allein können Schriftsteller Tragödien eher verhindern als Armeen.«


Impression vom Ostermarsch 2012 in Berlin: Der Frieden braucht Grass, Israel dagegen ist verzichtbar (Foto: PA/Maurizio Gambarini)

Derselben Ansicht ist man bei der deutschen Friedensbewegung, die am Wochenende wieder ihre Ostermärsche veranstaltete und sich im Zuge dessen zu Grass’ Verteidigung aufschwang. Auf Plakaten und Transparenten auf den rund 80 Kundgebungen an den Ostertagen war unter anderem zu lesen: »Grass hat Recht!«, »Was gesagt werden muss!«, »Bleiben Sie stark, Herr Grass!« und »Ich lasse mich gerne als Antisemit beschimpfen, wenn es dem Frieden dient.« Grass-Portraits wurden mitgeführt, auch zahlreiche Redner auf den verschiedenen Kundgebungen sprangen dem Schriftsteller bei.

Das Netzwerk Friedenskooperative in Bonn, eine Art Dachorganisation, verkündete in einer Pressemitteilung: »Die Intervention durch Günter Grass im Irankonflikt hat trotz und vielleicht wegen der Kontroversen um das Gedicht die ­realen Gefahren bei einem Militärschlag gegen iranische Atomanlagen nochmals in den Fokus gerückt. Dafür ist ihm zu danken.« Der Sprecher der Frankfurter Informationsstelle Ostermarsch, Willi van Ooyen, ergänzte: »Was Grass angestoßen hat, kann nicht als antisemitisch unter den Teppich gekehrt werden. Es war ein richtiges Wort von ihm.« Und Kurt Bender, der Sprecher des Düsseldorfer Friedensforums, fragte auf ­einer Kundgebung in der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt gar mit geradezu bestechender Logik, ob nicht diejenigen, die Israel mit Waffen beliefern, »die wahren Antisemiten« seien.

Andreas Buro vom Netzwerk Friedenskooperative, einer der Mitbegründer der Ostermärsche, sprang Grass gleich mit einem eigenen »Gedicht« zur Seite. »Günter Grass hat vor Krieg ­gewarnt, Israel als eine Gefahr für den Weltfrieden bezeichnet«, textete Buro, um fortzufahren: »Wir hätten auch die USA, die Erfinderin der Achse des Bösen, genannt, aber auch die vielen arabischen und islamischen Staaten, die mit der Kalaschnikow spielen und aktuelle Konflikte anheizen.« Während der erste Teil des Satzes Grass’ antiisraelische Tiraden also noch um den Antiamerikanismus ergänzt, ist dem letzten Halbsatz deutlich anzumerken, wie sehr ihn sein Verfasser als lästige Pflichterfüllung empfunden haben muss.
Vor allem aber ist es eine groteske Verharmlosung, die gegen den jüdischen Staat gerichteten Pläne zur atomaren Bewaffnung des Iran, die fast täglichen Raketenangriffe auf Israel und die Schlächtereien des Assad-Regimes in Syrien zu einem »Spiel mit der Kalaschnikow« und einem bloßen »Anheizen aktueller Konflikte« zu verniedlichen. Doch Buro geht es ohnehin um etwas ganz anderes: »Schlammschlachten zur Abwehr der Lyrik von Günter Grass, über seine SS-Zugehörigkeit als 16jähriger Jugendlicher, sein angeblich gestörtes Verhältnis zu Israel oder gar zu dem Versmaß seines Gedichtes sollen von seiner Botschaft ablenken: Keine Politik, die zu einem Krieg im Iran-Konflikt führen kann!«, behauptet er – so, als wäre es nicht genau umgekehrt, als hätte nicht Grass selbst seine vermeintliche Sorge um den Weltfrieden bloß vorgeschoben, um seine antisemitische Suada gegen Israel moralisch zu salvieren. 

Derlei Statements sind allerdings nicht verwunderlich, gehört Buro doch zu den Initiatoren einer Erklärung der Friedensbewegung mit dem Titel »Friedens- statt Kriegspolitik im Irankonflikt! Sanktionen und Kriegsdrohungen sofort beenden!«, die kurz vor Ostern als bezahlte Anzeige im Freitag und in der Süddeutschen Zeitung erschien und bislang von fast 2 000 Personen und Organisationen unterzeichnet wurde. In ihr wird der Stopp jeglicher Sanktionen gegen den Iran gefordert, das iranische Atomprogramm als bloße Reaktion auf die angebliche Kriegstreiberei Israels und der USA dargestellt und das Schweigen der iranischen Opposition nicht etwa auf die brutale Repression durch das Regime zurückgeführt, sondern vielmehr auf die vermeintliche Doppelmoral des Westens. Wörtlich heißt es in dem Aufruf: »Israels Atomarsenal und die militärische Einkreisung Irans durch die USA, die inzwischen in nahezu allen seinen Nachbarländern Militärbasen errichtet haben, sind wichtige Ursachen für die Rüstungsanstrengungen Irans. Mit der Tolerierung von Israels Atomwaffenarsenal bei gleichzeitiger Bekämpfung des iranischen Atomprogramms tragen USA und EU die Hauptverantwortung dafür, dass kaum ein Oppositionspolitiker im Iran es wagt, die Atompolitik der Islamischen Republik in Frage zu stellen.«

Micha Brumlik bezeichnete den Appell in der Taz zu Recht als »beschämenden Ausdruck von Geschichtsvergessenheit und politischer Dummheit«. Dass sich die Nachbarländer des Iran »durch die revolutionäre Außenpolitik der Islamischen Republik bedroht fühlen, erwägt die ›Erklärung‹ ebenso wenig, wie sie den einzigen Grund für die israelische Atomwaffen, die Verweigerung der Anerkennung durch einige seiner Nachbarn, auch nur andeutet«, kritisierte der Publizist und Erziehungswissenschaftler, der seinerseits »gegen einen von den USA geduldeten, von Israel ausgeführten Luftangriff auf die im Bau befindlichen iranischen Atomanlagen« ist. Auch der Publizist Detlef zum Winkel, der früher selbst der Friedensbewegung angehörte, kritisierte den Aufruf scharf. Früher hätten die Antimilitaristen in Deutschland den »Atomtod« bekämpft, schrieb er in einem offenen Brief an Andreas Buro. »Bekämpfen wir es jetzt nicht mehr, wenn Israel vom Atomtod bedroht wird?« 

Zum Winkel hat Buro gebeten, seine Unterschrift zurückzuziehen, Brumlik hat diese Forderung gleich an alle Unterzeichner der Erklärung gerichtet. Doch so löblich diese Aufrufe zur Distanzierung auf den ersten Blick sein mögen, so naiv ist die dahinter stehende Annahme, die Initiatoren und Unterstützer der Erklärung könnten hier etwas wider besseres Wissen oder gegen die eigene Überzeugung getan haben. Die Friedensbewegung war immer, wenn es um den Nahost-Konflikt ging, antiisraelisch. Sie hat sich nie auf die Seite des jüdischen Staates geschlagen, wenn dieser wieder einmal von Selbstmordattentätern oder Raketenangriffen heimgesucht wurde, sondern die Terrorattacken im Gegenteil stets Israel selbst angelastet. Und das ist kein Versehen, sondern vielmehr die Konsequenz aus der ideologischen Grundlage namens Antisemitismus.

Nichts könnte das besser deutlich machen als das Pamphlet von Günter Grass, dem ideellen Gesamtfriedensbewegten. »Hinter dem Ruf nach Frieden verschanzen sich die Mörder«, sagte Paul Spiegel, der damalige Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, im Jahr 2002 anlässlich antiisraelischer und antiamerikanischer Demonstrationen hierzulande. Ein Satz, der heute immer noch stimmt.

Montag, April 09, 2012

Wie es im Leser denkt

Was Judenhasser in der Regel auszeichnet ist ihr heldenhafter Mut. Sie schreiben meistens anonym. Hier ein "Leserbrief" zu diesem Beitrag, den ich gestern eingestellt hatte.

Zum Vergrößern auf die Abbildung klicken.


Sonntag, April 08, 2012

Spaßfaschismus

Sehen Sie sich das Video an, in dem ein paar selbstverliebte Zombies herumalbern, und lesen Sie dazu diesen treffenden Kommentar.
 

Wenn ich mir es so recht überlege:

Ich gehe beinahe jede Wette ein, dass Spaß-Derwische wie diese keinerlei Probleme mit Grassens antisemitischem Gedicht haben dürften.

Sehr aufschlussreich auch dieser Beitrag von Report München, der die Demokratietauglichkeit der Piraten-Piranhas unter die Lupe nimmt. Da sieht's ziemlich düster aus.

Wenn diese irrlichternden und infantil-dämlich grinsenden Freibeuter bei der nächsten Bundestagswahl ihren politischen Karfreitag erleben, wird es danach hoffentlich keine Auferstehung geben.

Wahrscheinlich wird es aber anders laufen. Bei solchen Deutschen muss man mit allem rechnen - immer schon.

Quizfrage: Welche Nazis dürfen in welchen Leserforen ungeprüft Kommentare zu Grass hinterlassen?

Die etablierten Medien monieren seit Monaten ziemlich konfus und meistens falsch, dass sich neonazistische und psychotische Gewalttäter wie Breivik auf prominente Islamkritiker und deren Blogs bzw. die Leserbeiträge dort berufen hätten. Im gleichen Atemzug wird immer wieder gefordert, dass man in den Foren islam-“feindliche“ Beiträge hätte löschen müssen. Islamkritisch wird dabei selbstredend immer mit Feindschaft gegenüber Moslems gleichgesetzt.

Die stetige Wiederholung einer Lüge wird aber nicht zur Wahrheit. Das weiß man spätestens seit Goebbels (Man muss eine Lüge nur so oft wiederholen, bis man selber daran glaubt).

Natürlich trifft es zu, dass sich in manchen (rechts-) konservativen Foren sinistre Idioten herumtreiben, die ihre Primitivität und grobschittartige Indifferenz ausleben wollen. Und es trifft in einigen Fällen auch zu, dass Webseitenbetreiber mangelnde Sorgfaltspflicht an den Tag legen, was Löschungen betrifft.

Aber wie sieht es bei den Inquisitoren SPIEGEL, Süddeutsche, Der FreitagTagesspiegel und Genossen aus, und wie mit lässig durchgewinkten Leserbeiträgen linker und islamischer Leser, wenn es um Israels Selbstverteidingungs- und Existenzrecht geht? Israel ist der einzige Staat auf diesem Globus, dessen Existensrecht bestritten wird.

Wie perfide und unaufrichtig das journalistische Ethik-Postulat oben Genannter in die Tat umgesetzt wird, zeigt sich in diesen Tagen besonders deutlich, wenn Grassens antisemitisches Œuvre von eben diesen “Qualitätsmedien“ einem breiten Spektrum vieler linker (und islamischer?) antisemitischer Leser zur Diskussion vorgelegt wird, ohne danach die eigenen Foren ebenso gründlich zu durchforsten, wie man es selbst von den politischen Gegnern als selbstverständlich voraussetzt.

Ich habe mir in den letzten Tagen die Forenbeiträge bei SPIEGEL-Online angesehen (mehr Bio-Müll wollte ich mir nicht zumuten), und ich habe mich gefragt:  Bin ich jetzt auf der Webseite der NPD?

Hier zwei der abscheulichsten Beispiele, die ich im SPIEGEL-Forum allein (!)  zu diesem Beitrag gefunden hatte, die sicher auch in den 1930er-/1940er-Jahren im Stürmer oder Völkischen Beobachter zu finden gewesen wären. Es sind nur zwei Leserbriefe von vielen zu diesem SPON-Artikel. Ich habe sie mit Printscreen festgehalten, damit man sie später nicht dementieren kann. Hübsch auch solche einleitenden Phrasen wie "Ich bin ja zurzeit ein Wähler der Linken"... 



Hier der Rest von Irreal (bin grafiktechnisch nicht allzu sehr begabt; deshalb mit IrfanView zusammengeschustert):




Beitrag 2 von Leser Iffel 1


Henryk M. Broder hat in diesem Interview formuliert, dass Personen aus einem gewissen intellektuellen Milieu oder Feuilleton sich das Verschwinden Israels aus der Geschichte wünschten [Im Video ab 12:00], um endlich einen Schlussstrich ziehen zu können (Man lese dazu auch die teilweise unfassbar schmutzigen Kommentare unterhalb des Videos, die leider auch nicht mehr überraschen).

Broder hat es meines Erachtens zu konziliant formuliert:

Besser hätte er gesagt, dass gut zwei Drittel der Deutschen (und Europäer) kein Problem mit der Vernichtung des jüdischen Staates Israel hätten, weil er ihnen schlicht am Allerwertesten vorbeigeht.

Antisemitismus ist nicht allein im Revier der intellektuellen Elite zu verorten:

Er war und bleibt auch ein Objekt der Begierde der „Dummen Kerls“, wie es SPD-Frontmann August Bebel einmal skizziert hatte; schon allein deshalb, weil der intellektuelle Antisemitismus im Gewand des Antizionismus, wie Broder richtigerweise zusammenführt, ohne den Beifall und das Echo des ungebildeten Pöbels (Leserbriefe) nicht auskommt.

Hier greifen die Interdependenz-Mechanismen und Rädchen zwischen intellektuellen Verführern und bereitwillig folgenden „Verführten“, die qua pseudochristlicher, atheistischer, "aufklärerischer“ und islamischer Tradition eigentlich schon seit je her antisemitisch positioniert sind, perfekt ineinander.

Abschließend: Daniel Goldhagens Kritik an Grass hätte ich beinahe vergessen (neben der von Ralph Giordano auch sehr treffend). Ich hab' beide einfach sehr gern, nicht zuletzt wegen ihres mutigen Auftretens hier vor etlichen Jahren, als der GEZ-Stern und die Saat dieses unsäglichen Historien- und Operettenklempners Guido Knopp aufging.

Mittwoch, April 04, 2012

Fundstücke zum Sozen-SS’ler Grass und der Kommentierung seiner Dichtkunst

Heute gab es erfreulicherweise einige sehr gute Reaktionen auf SS-Günters Juden-Lyrik.


Ganz spontan:

Am besten hat mir die von Boris Yellnikoff gefallen, die heute auf Lizas Welt veröffentlicht wurde, weil so erfrischend mit GraSSens Dichtkunstwaffe gekontert: 

WAS GESAGT WERDEN MUSS:

Gedicht für Günter (unterstufenlyrisch)

Mit letzter Tinte ächzt der Alte
in ungereimter Poesie:
Dass die sich nicht mehr schlachten lassen,
verzeihe ich den Juden nie.

Der Jude will Atomraketen.
Der Jude will den Weltenkrieg.
Der Jude will uns alle meucheln.
Am Ende droht des Juden Sieg!

Da muss man doch was machen können,
und wenn nicht wir, dann der Iran.
Mahmud, mein alter Mullahkumpel!
I shout it out loud: Yes, you kann!
 

Der Günter fühlt sich ganz verwegen,
der Greis ist wieder jung, vital.
Die Lösung einst ging zwar daneben,
versuchen wir’s halt noch einmal!

So denkt’s im deutschen Dichterdenker.
Er rülpst und rotzt es aufs Papier.
Sein Wahn kennt keine Einsamkeit.
In Deutschland gilt: Vom Ich zum Wir.

Boris Yellnikoff
(der für dieses Gedicht den Nobelpreis verlangt)

===========
Weitere Lesetipps:


Malte Lehming:


Frankfurter Rundschau (sehr überraschend angesichts der sonst antiisraelischen Ausrichtung des stramm linken Zentralorgans):


Die taz in Person von Micha Brumlik und Klaus Hillenbrand - beide wohl wissend, dass sie sich in der momentan gereizten Stimmung nur blamieren könnten, falls sie gegensteuern sollten, was zumindest Brumlik in letzter Zeit geschmeidig praktiziert:

Der an seiner Schuld würgt (Micha Brumlik):
http://www.taz.de/Guenter-Grass-ueber-Israel/!90951/

Der alte Mann und das Stereotyp (Hillenbrand):
http://www.taz.de/Kommentar-Grass-Gedicht/!90981/


Die ZEIT (Josef Joffe):


Weitere Texte hier: http://www.achgut.com/dadgdx/index.php (Bitte durch die Überschriften klicken).

Samstag, März 31, 2012

Ralph Ehestädt und die Scharfrichter der 1968er-Generation: Versuch einer (selbstkritischen) Analyse unserer BRD-Verfasstheit

Zitat Ehestädt im Prozess gegen U-Bahn-Schläger, die einen Italiener in den Tod hetzten:


Ich weiß nicht, wann dieser in der Überschrift angesprochene und jetzt zu zweifelhafter Berühmtheit gelangte Mensch (Abbildung rechts, Bildquelle hier) das Licht der Welt erblickt hat, aber dem Foto entsprechend dürfte er meiner Altersklasse angehören, also Mitte der 1950er-Jahre oder kurz danach geboren sein. Ich werde weiter unten auf ihn und seinen pathologisch intendierten Urteilsspruch im Fall der Berliner U-Bahn-Schläger (Mörder?) zu sprechen kommen. 

Die zwei von mir oben angesprochenen wie Klettverschlüsse ineinander übergreifenden Altersgruppen oder miteinander negativ aufgeladenen korrespondierenden Konflikt-Generationen zwischen 1950 und 1970 kannten eigentlich nur zwei Enkulturations- oder Sozialisations-Themata:

Geschichtsunterricht mit Kreide an der Schiefertafel wie in meiner Kindheit bis zur 5. Klasse, beginnend mit dem deutsch-französischen Krieg im 19. Jahrhundert, übergehend zum Schlieffenplan des ersten Weltkrieges und endend mit stolzer und verlogener Helden-Mythologisierung der 6. deutschen Armee bei Stalingrad (alle Schlachtformationen schön aufgezeichnet) - dann aber abruptes Ende des Geschichtsunterrichts und Eingliederung ehemaliger NS-Funktionäre ins deutsche Wirtschaftswunderland.

In der DDR hatte man weniger Glück, was die freie Ausübung des Geschichtsunterrichts betraf: Dort wurde den Schülern nach Kriegsende die marxistische Variante des Totalitarismus eingebläut, was Honecker & Co freie Fahrt gab, bis Anfang der 1980er-Jahre etliche Nazis in die Nationale Volksarmee und SED aufzunehmen. Zweck und Ziel der Feindpropaganda: Förderung des sich mehr und mehr abzeichnenden schleichend praktizierten Frontalunterrichts in Sachen Radikal-Pazifismus im Westen, der sich in den 1968er-Jahren zum Credo des westdeutschen Sozial- und Geschichtskundeunterrichts entwickelt hatte.

Wie wohl hatte ich mich gefühlt, als ich Anfang der 1980er-Jahre mein Abitur über den Zweiten Bildungsweg nachholte und von Lehrern immer nur eines hörte: „Die Konservativen hatten Schuld an allem“. Das tat gut und ging runter wie Öl, denn schließlich wollte man nicht zur politischen Paria-Kaste gehören. Und ja, „die DDR ist Spitze, weil sie sich auf Rang 10 der Industrienationen hochgearbeitet hätte“ (Originalton eines evangelischen Pfarrers und Uni-Dozenten, der 1983 eine Reise unseres Lehrstuhls in die DDR leitete). Nachdem ich schüchtern Einspruch erhob, dass diese Zahlen geschönt sein könnten, auch keine individuelle Freiheit existiere und der unsägliche Dreck, der in Halle (ich nannte es damals „Hölle“) selbst bei schönstem Sonnenschein vom Himmel regnete, nicht unbedingt ein Beleg für Fortschritt sein könne, wurde ich gemieden wie die Pest, denn: was nicht sein darf, kann auch nicht sein, auch wenn alle objektiv wahrnehmbaren Sinne dagegen sprachen.

Und dennoch war ich damals so benebelt, dass ich Jahre brauchte (bis zum Ende des Studiums), um diesen Schwachsinn als politische Indoktrination und [pseudo-pädagogischen] Versuch zu entlarven, mich unmündig und stromlinienförmig zu machen bzw. meine Studienwahl zu beeinflussen (ich blieb dennoch bei Theologie und Politikwissenschaften, aber innerlich anders intendiert). Franz Alts Bestseller „Frieden ist möglich“ war ein Muss für meine Lektüre. Gott sei Dank hatte ich später die Kurve gekratzt. Und heute kann ich nur noch den Kopf schütteln über meine Naivität damals. Doch dazu später in einem andern Beitrag, falls erwünscht.

Michael Miersch, der bei Achgut schreibt (interessanterweise auch mein Jahrgang) ging es in seiner journalistischen Laufbahn ähnlich wie mir, und er hat das in einem grandiosen und epochalen Beitrag abgefasst, wie man ihn auch zukünftig nicht besser formulieren kann: „Ja, bin ich denn rechts?“ 

Wer auf meinen privaten Kommentarblog Castollux klickt, wird dort sehen, dass ich unter der Rubrik „Über mich“ diesen Text als mein Leitmotiv gewählt habe. So wird es auch bleiben - seit Jahren schon.

Fazit:

Wage ich mich jetzt zu weit aus dem Fenster, wenn ich sage, dass einer wie Richter Ralph Ehestädt, der in seiner Urteilsbegründung formulierte, dass ein von zwei tumben und [aus freiem Willen] vollgedröhnten Schwerverbrechern zu Tode gehetzter Italiener nicht das Prinzip der pazifistischen Entschleunigung befolgt habe, eigentlich ein gnadenloser Opportunitäts-Faschist im moralischen Sinne ist?

Nein, ich wage mich hier nicht zu weit aus dem Fenster, und je mehr Widerspruch ich ernten würde, desto mehr wäre ich mir gewiss, dass ich richtig liege:

Menschen wie Ehestädt sind gnadenlose Opportunitäts-Faschisten im moralischen Sinne und Ergebnisse einer selbstvergessenen 1968er-Generation. Sie sind Kinder einer grenzenlosen Spaßveranstaltung ohne die Gegenseite der Medaille - einer selbstverantworteten Freiheit, die im Zuwiderhandeln auch begründete Strafe kennt, wie es Joachim Gauck so erfrischend formuliert.

Die geistigen Väter eines Ralph Ehestädt hatten an ihre sozialistisch-muffigen Fahnen geheftet, dass alles, was nach 1945 konservativ oder liberal sozialisiert oder erzogen worden war, einem marxistischen Gleichschaltungsprozess unterworfen werden müsse:

Dazu dienten und dienen heute bei "Die Linke" Begriffe wie der schwammige Terminus Gleichheit (in der gesellschaftlich genormten Anlage ebenso wie in der angestrebten Quoten- und Geschlechterregelung; an sich schon faschistoid in der Diktion, wenn man den Gedanken konsequent durchzieht), [jüdisches] raffendes Finanzkapital (Lafontaine!), Elternbevormundung (Kindertagesstätten als sozialistische und generationsübergreifende ideologische Basisstation, die den Müttern die Fähigkeit zur Elternliebe und verantwortungsvollen Umgang mit Geld abspricht), Besteuerung des Eigenkapitals ohne Rücksicht auf Betriebskapital und dessen Reinvestitionskapazitäten besonders beim Mittelstand, (aktive) Sterbehilfe, Präimplantationsdiagnostik, Resozialisierung von Straffälligen (die ich prinzipiell nicht ablehne, aber auf die Gewichtung kommt es an) vor Opferhilfe und vieles mehr. Ich frage mich, warum der Weiße Ring bis heute noch ein mediales Schattendasein fristet und Täterhilfen weiterhin wie Pilze aus dem Boden spießen.

Ralph Ehestädts Ethik scheint - so lässt sein Gerichtsurteil jedenfalls vermuten - in diesem Nirwana der moralischen Orientierungslosigkeit immer mehr an Zustimmung zu gewinnen.

Man beachte nur die scheinbar läppischen Erfolge der Piraten, zu denen sich Dieter Nuhr treffend geäußert hat. 

ACTA sunt ad Acta 

Oder anders formuliert:  Die Ralph Ehestädts dieser Republik braucht man nicht mehr zu kaufen, die gibt’s umsonst - an jedem Strafgericht. Sie werden entern.

Schockierendes Update zum Prozess:

In der Online-Ausgebe der Taz stieß ich auf einen Leserbrief, der darauf hinweist, dass das Mordopfer (ja, man muss eigentlich von Mordopfer sprechen!) einen Davidstern getragen hatte und mit Israel sympathisierte:



Leserbrief von Rahel:

30.03.2012 11:49 Uhr
von Rahel:

Eine Bewährungstrafe für Täter, die sich eben nicht bewährt haben, da wiederholt kriminell, ist empörend, die Urteilsbegründung ein Beleidigung des Opfer, daß eben nicht Gewalt mit Gewalt beantworten wollte.

Hinzu kommt, daß Giuseppe M. einen Davidstern um seinen Hals trug, was einen antisemitischen Hintergrund vermuten läßt.

Ich bezweifle, daß das Urteil so mild ausgefallen wäre, hieße der Täter Torben P.
 

http://www.jg-berlin.org/beitraege/details/auf-der-flucht-vor-gewalttaetern-verunglueckt-i464d-2011-09-19.html

Mittwoch, März 21, 2012

ZDF-Kleber: Canossa-Gang auf den Obersalzberg


 Wer interviewt hier eigentlich wen?

 

Klicken Sie sich durch das Video (es sagt nicht viel Neues aus) und Sie werden zumindest die Frage nach dessen inhaltlicher Verwertbarkeit selbst beantworten können. Vox Populi unterhalb des YouTube*-Fensters.

Was in diesem Video gesagt wird liefert eigentlich keine wesentlich neuen Erkenntnisse über den neuen Verhandlungsstand mit dem Iran - (für mich klingt übrigens Persien wahrhaft authentisch) -, besser gesagt eigentlich nur eine kurze Bestandsaufnahme über die vielfach wiederholte und stets erfolgreich ausgetestete Verbal-Strategie eines totalitären religiös-faschistischen Systems, seine mit unendlich dämlicher Eselsgeduld ausgestatteten Verhandlungspartner mit allen Mitteln zu täuschen (China und Russland halten sich aus wirtschaftlichen Gründen bisher vornehm zurück, wie wir wissen).

Was in diesem Zusammmenhang erwähnenswert wäre:

Henryk M. Broder hat mehrmals und sicher auch zu Recht erwähnt, dass sich historisch eindeutig fixierbare und wissenschaftlich sorgfältig definierte Geschichtsverläufe nicht wiederholen können. Andernfalls verlören sie auch ihr Alleinstellungsmerkmal. Er artikulierte diesen Aspekt nicht zuletzt im Zusammenhang mit Chamberlains und Daladiers Kaffeefahrt Ende September 1938 in München, weil er darauf mehrmals in den letzten Jahren im Zusammenhang mit der (Radikal-) Pazifismusdebatte angesprochen worden war. Befördert wurde Letzere seit dem damals absolut notwendigen Nachrüstungsbeschluss der NATO Anfang der 1980er-Jahre durch eine mehr und mehr passiv-destruktive neo-radikalpazifistische Friedensdiskussion in Politik, Gesellschaft und Kirche, die heute erschreckenderweise wieder zunimmt.

Dennoch will ich die oben angeführten Passagen etwas variieren, so weit mir das in den folgenden zwei Sätzen gelingt: 

Geschichte wiederholt sich selbstverständlich nicht stringent oder nach einer unabänderlichen Gesetzmäßigkeit, logischerweise auch nicht kongruent, aber sie retransformiert sich dennoch in den immer wiederkehrenden Post Mortem-Reanimationsbestrebungen totalitärer Personen, Staaten und Strukturen - sowohl heute als auch sicher in der Zukunft.

Denn wenn schon genug Anschauungsmaterial aus der erfolgreich vorexerzierten Historie vorhanden ist, warum sollten sich dann böse Buben nicht aus dieser reichhaltigen Asservatenkammer bedienen wollen, falls sie die Gelegenheit dazu bekommen? 

Doch letzlich...

... geht es um wesentlich mehr als um dieses Video selbst, und dabei nicht allein um diesen oben abgebildeten Grimassenschneider mit seiner augenscheinlich zu Tage tretenden brutalen Physiognomie, die mit ziemlicher Sicherheit denjenigen Islamisten zeichnet, der 1979 bei der Geiselnahme der US-Botschaft in Teheran an vorderster Stelle beteiligt war.

Mir geht es nicht zuletzt um die selbstverschuldete und völlig unnötige Inszenierung einer GEZ-Veranstaltung in Teheran und um die Frage, warum das ZDF in Person Klaus Kleber unsere Rundfunkgebühren für eine peinliche Burleske strapazierte, wer für Vorverträge, Interview-Absprachen, Fragestellungen, Diskursverlauf und vor allen Dingen für das Gesamtkonzept verantwortlich zeichnete. Als gelernter Print- und Online-Redakteur weiß ich, dass das Sujet "Interview" zu den schwierigsten der Branche gehört und intensive Vorgespräche erfordert, weil der zu Interviewende so gut wie möglich dargestellt werden will. 

Also kommt als Hauptakteur nur einer in Frage: Klaus Kleber selbst, der ja - bescheiden wie er ist - auch gerne selbst produziert (weiter unten). 

Anmerkungen zu Klaus Kleber:

Sein geschmeidiges Ego versprüht ein unstillbares Verlangen nach Interview-Terminen mit den Schurken dieser Welt, ähnlich wie es weiland Peter Scholl-Latour [Kürzel: PSL] (mit Chomeini) oder Ulrich Kienzle (mit Saddam Hussein) praktizierten.

Anders jedoch als die beiden längst in die Jahre gekommenen und zu selbstherrlichem Altersstarrsinn neigenden Methusalems des Auslandsjournalismus, die ihre herzliche Abneigung gegen Amerikaner und Israelis heute noch stärker artikulieren als ehedem und dazu auch immer standen und schon allein dafür von den Deutschen geadelt werden, bürgt Kleber qua nomen für eine geschmeidige Schmier- und Klebefähigkeit und Indifferenz, wenn es gilt, sich den Fieslingen dieser Welt anzubiedern. Peter Scholl-Latour und Ulrich Kienzle waren und sind echte Kotzbrocken, aber im Gegensatz zu Kleber besitzen sie wenigstens ein kantiges Format und eine eigene Meinung - nicht so wie der geschwätzige Markus Lanz-Verschnitt des "Politischen" im ZDF-Spätschoppen für geistig Unterbelichtete.

Klaus Kleber beim Arbeiten zugeschaut

Wer Herrn Kleber über die letzten etwa 15 Jahre hinweg halbwegs aufmerksam beobachtet hat (früher war er USA-Korrespondent), entdeckt recht bald, dass er zwei Rollen spielt:

Einerseits die des jovial und souverän agierenden Anchorman im Heute Journal, der uns zwischen 21.45 h und 22.15 h die Welt erklären will, und zum zweiten die glattgebürstete Bonsai-Ausgabe eines Richard Attenborough der deutschen Polit-Dokumentation. Man könnte glatt denken, wir wären mit Guido Knopps beinahe täglich dräuender Volksaufklärungs- und Beglückungsmaschinerie schon längst am Abgrund der völligen Banalisierung (oder Verblödung?) des politischen Soap-Bildungsprozesses angelangt. Aber dank Kleber und dessen ZDF-Kollegin M. Slomka, die bei BO-Frost sicher eine alternativ bessere Karriere hingelegt hätte, geht’s sogar noch billiger. 

Kleber wirkt besser als PATTEX - und seine Adepten kleben mit

Mich wundert Klebers devotes Gehabe im Umgang mit großkopferten Gangstern spätestens seit jenem Zeitpunkt nicht mehr, an dem er mit Ex-IAEA-Chef El-Baradei, der engste Beziehungen zum ehemaligen iranischen Atomunterhändler und Holocaustleugner Ali Larijani unterhalten hatte, ebenfalls im ZDF eine von ihm höchst selbst inszenierte Gefälligkeitsreportage im Hochglanzformat gemacht hatte.

Doch was fand Herr Kleber am "Friedens"-Nobelpreisträger El-Baradei, der Israel als Haupthindernis für eine nukleare Abrüstung gesehen hatte, so faszinierend?

Auf El-Baradeis Anweisung hin war im Jahr 2006 in enger Zusammenarbeit mit Ali Larijani und dem obersten iranischen „geistlichen“ Führer Ali Khamenei der allzu hartnäckig forschende IAEA-Chefinspekteur Chris Charlier zum Büroklammerzählen abkommandiert worden (Cicero-Redakteur Bruno Schirra hatte damals großartig recherchiert**). Im Jahr 2007 stand dann die iranische Fertigungskette, die zum Aufbau der Anlaufproduktion eines Atombombenprogramms unabdingbar ist, wie vom Regime selbst angegeben, bei knapp 3.000 Gaszentrifugen. Worin bestand also die Friedensleistung EL-Baradeis, außer dass er mit Klaus Kleber in New York ausgiebig beim Kaffeetrinken gefilmt worden war?

Heute schreiben wir den März im Jahr 2012, das Atomwaffenprogramm der iranischen Mullah-Diktatur steht quasi vor seiner Vollendung, die deutschen Geschäfte mit dem Iran boomen weiterhin auf höchstem Niveau, Madam Ashton vergleicht Gaza-Opfer mit dem Mord an jüdischen Schülern in Toulouse und der ehemalige Pop-Beauftragte der SPD setzt in bizarrer Dämlichkeit und Ignoranz (und das ohne Rücktrittsforderung!?) Israel, die einzige Demokratie des Nahen Ostens, mit dem ehemaligen südafrikanischen Apartheidregime gleich.

Das lückenhafte und ideologisch sehr leicht durchschaubare Halbwissen eines seit Jahren ungehindert hyperventilierenden Absolventen der Arabistik und Politik versetzt im Forum des tagesschau.de-Blogs der ARD die Kinder und Enkel derjenigen, die damals im Berliner Sportpalast „Wir wollen den totalen Krieg“ brüllten, in einen neuen Freudentaumel, wenn es um die Frage geht, ob man das iranische Atomwaffenprogramm ausschalten dürfe oder nicht. Natürlich nicht....

Nun aber wollen sie, die Nachkommen, konsequent irrational, historisch miserabel ausgebildet, fremdgesteuert, orientierungslos und freiheitsverachtend wie immer sie auch plärren (also echte 68er-Zöglinge, die eine Freiheits-/Verantwortungsethik erst buchstabieren lernen müssen) - in indirekt proportionaler Umkehrung der Forderung ihrer Großeltern - den totalen Frieden, jenen aber gefälligst ohne die Existenz Israels***.

Was ihre Altvorderen mit deren originären Methode erreichen wollten, müssen sie selbst ja nicht dezidiert aussprechen, da sie politisch korrekt argumentieren: Es reicht, wenn sie ihr neues Projekt lediglich "Antizionismus" nennen, wenn nur das Ergebnis dasselbe bleibt. So etwas nennt man generationsübergreifende Enkulturation.

Willkommen in Pazi-Land!

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*Mein Benutzername: Pollux89 (bei den Kommentaren bei etwa 17.45 ) 

 **Mehr zur Denunziation und der Demontage Bruno Schirras durch deutsche Verfassungsorgane und seine berufliche Schädigung hier. 2005 waren Bruno Schirra und Wolfram Weimar (Letzterer damals CICERO-Chefredakteur, 2011 Chefredakteur beim FOCUS) Geheimnisverrat vorgeworfen worden - ungerechtfertigterweise, wie sich später herausgestellt hatte. An der journalistischen Beschädigung Schirras hatte das allerdings nichts geändert. Mehr als schäbig, wie man damals mit Schirra und Weimar umgesprungen war.

***Hier zitiere ich als Trost für alle Freunde Israels unsere Bibel mit nur einer von vielen Verheißungen (was natürlich beinhaltet, dass wir alle unsere Verantwortung wahrnehmen müssen: Wer dich angreift, wird um deinetwillen fallen... Keine Waffe, die gegen dich geschmiedet wird, soll es gelingen, und jede Zunge, die vor Gericht gegen dich aufsteht, wirst du schuldig sprechen (Jesaja 54,15-17]

Montag, März 05, 2012

Heil Putin, Heil Steinmeier!



Frank-Walter Steinmeier liefert:


Quelle (SPIEGEL): http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,819218,00.html:

SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier erwartet vom zukünftigen russischen Präsidenten Putin demokratische Reformen. Das hohe Wahlergebnis zu dessen Gunsten zeige die Hoffnung der Russen auf Stabilität und Wachstum in ihrem Land, sagte Steinmeier in der ARD-Sendung "Bericht aus Berlin".
Danke, lieber Herr Steinmeier, dass Sie uns endgültig Ihre (Sozen-) Demokratietauglichkeit abgeliefert haben!

Mittwoch, Februar 15, 2012

Guten Tag Herr Lüders,


Bildquelle: http://www.henryk-broder.de/html/schm_lueders.html

 Zu Ihrem Beitrag gestern auf Phoenix:

Wenn man nicht schon seit Jahren wüsste, wie Sie ganz persönlich politisch ticken, nämlich antiisraelisch und letztlich antisemitisch – noch dazu bedenkt, auf welcher politischen Seite Sie sich seit je her positioniert haben und sich schon einmal für einen ganz speziellen Orden qualifiziert hatten und darüber hinaus viele politisch unbedarfte Zeitgenossen – falls politisch kaum oder gar nicht interessiert – Ihre „Qualifikation“ in Sachen Nahost für bare Münze nehmen, könnte man fast glauben, dass Sie in Ihrer eloquenten (geschwätzigen) Attitüde das Nonplusultra für deutschen Betroffenheitspazifismus seien.

Dem ist aber nicht so.

Sie haben wieder einmal ein Beispiel dafür abgegeben, wie verkappter Antisemitismus sich in einer Sprache manifestiert, die sich des Sujets „Frieden“ in einer widerlich abstoßenden surrealistischen Form bedient.

Ich will Ihnen aus meinem Gedächtnisprotokoll der Phoenix-Sendung von gestern Abend (Siehe Link oben [Phoenix]) zwei Beispiele spiegeln, die beispielhaft für Ihren heuchlerischen moralischen Schlingerkurs sind:

Sie sagten in der Sendung unter anderem:

Der Iran würde mit einem Frontalangriff und Krieg auf sein Land konfrontiert werden, und die Bevölkerung würde dann geschlossen hinter der Ajatollah-Nomenklatur stehen.

Wenn Sie wirklich einen Anspruch auf seriöse politikwissenschaftlich-strategische Diagnose erheben wollen (Ich bin Evang. Theologe und Politikwissenschaftler; deshalb erlaube ich mir diese Formulierung):

Würden Sie dann allen Ernstes bestreiten, dass es um punktierte Gewaltanwendung auf strategische Ziele im Iran ginge, wie es im Verlauf der Diskussion auf Phoenix angesprochen worden war – also kein Krieg gegen ein Territorium oder Volk, sondern um punktuelle strategische Anlagen, die selbst Iran-Kritiker im Westen nicht ausschließen?

Und wissen Sie eigentlich, wie die Opposition im Iran wirklich tickt?

Und was israelische Alleingänge betrifft, die Sie moralisch verwerflich finden:

Soweit ich Ihrem Geburtsdatum entnehmen kann, waren Sie schon halbwegs erwachsen, als israelische Kommandoeinheiten die von deutschen und palästinensischen Terrorgruppen entführten Juden einer Air-France-Maschine am Flughafen von Entebbe (Uganda) in einer spektakulären Befreiungsaktion retteten. Damals wurde im Flugzeug fleißig nach Juden selektiert – von den Söhnen und Töchtern der Väter, die an der Auschwitzrampe über Tod und Leben entschieden.

War einer Ihrer Verwandschaftsangehörigen dabei, der das Vergnügen hatte, von deutschen und palästinensischen Terroristen selektiert oder verschont zu werden, weil er (k)einen jüdischen Pass hatte?

Oder hätten Sie als eventuell Betroffener dem Schlächter Idi Amin damals zugestanden, dass er die ugandische Integrität über die Rettungsaktion stellte?

Wenn Sie den heutigen Iran in Zusammenhang mit geo- und religionsspezifischen Axiomen interpretieren, vergleichen Sie Äpfel (Gleichgewicht des [rationalen] Schreckens in den 1950er bis 1980er-Jahren) mit einer diametralen Kriegsführung und einer kulturhistorischen und religiös fundierten höchst [irrationalen] fragilen Gemengelage eines neuen geistesgeschichtlichen Äons (Zeitalters).


Können Sie mir folgen?

Es geht um den radikalen Schiitismis (eschatologischen Mahdi-Glauben), den sowohl Ahmadinejad als auch Chamenei versuchen, in die Tat umzusetzen. Wenn das nicht irrational gefährlich ist, was dann?

Hier geht es nicht allein um rationale Dispositionen von Regimes, die ihre geopolitischen Claims abstecken wollen, wie Sie in unglaublich naiver Weise darzustellen versuchen, sondern, wie Matthias Küntzel zu Recht sagt, um die Verwirklichung bzw. Herbeiführung einer rückwärts gerichteten schiitischen Apokalypse, die allen säkularen Konfliktlösungsansätzen ein deutliches Harmaggedon entgegensetzt, weil sie eschatologisch, also endzeitlich ausgerichtet ist und alles hinwegfegen will, was sich ihrer barbarischen Islamisierung widersetzt.

Wenn Sie, Herr Lüders, das nicht begreifen [können], sollten Sie schnellstens einen Kurs in vergleichenden Religionswissenschaften besuchen.

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b) Sie wiederholen das allseits bekannte Argument, dass der gesamte Nahe Osten – also auch Israel – sich einem Verbot von Atomwaffen unterwerfen solle.

Mit dieser Formulierung zeigen Sie doch mehr als deutlich, dass Sie Israels Existenzrecht nicht anerkennen wollen, weil Sie

1) einem demokratisch gewählten Staat das Recht auf eine ultimative Abschreckung nicht zugestehen wollen und damit

2) Diktaturen den uneingeschränkten Zugriffe auf Nukes einräumen.

Abschließende Frage:

Würden Sie sagen, dass Ihre Verlautbarungen bei Phoenix antisemitisch intendiert waren oder nicht?

Mir brauchen Sie nicht zu antworten, weil ich weiß, wie Sie ticken.

Antworten Sie Ihrem Gewissen.

Bernd Dahlenburg, M.A.
Evang. Theologe / Politikwissenschaftler
Freier Redakteur

Donnerstag, Januar 19, 2012

"Deutsche Opfer sind keine Täter"

Leseempfehlung

Lizas Welt
: Karneval der Empörten

In Magdeburg wurde anlässlich einer Nazi-Demo und der Proteste dagegen vollends ununterscheidbar, wer auf welcher Seite steht.*

 
VON TJARK KUNSTREICH UND JOEL NABER

Die Häftlingsuniformen reichten nicht, auch die Gesichter hatten sie sich grau angemalt, um die Wohlstandsrosigkeit zu kaschieren: Eine Gruppe von Demonstranten, die gegen den Nazi-Aufmarsch in Magdeburg am 14. Januar protestieren wollten, hatte sich da etwas ganz Besonderes ausgedacht. Allerdings waren sie nicht barfuß unterwegs oder in Holzschuhen; so sieht man auf dem Foto oben die Markenschuhe, die Authentizität hat schließlich ihre Wettergrenzen. Wer nun vermutet, dass es sich hier um besonders radikale Gegner handelte, die zu jeder Form der Verhinderung eines Aufmarsches der Nazis bereit gewesen wären, hat weit gefehlt. Nicht nur, dass man sich schlicht auf die Straße legte, um sich wegtragen zu lassen. Um den Anschein allzu großer Identifikation mit den Opfern des Nationalsozialismus gar nicht erst aufkommen zu lassen, legten diese Leute eine Erklärung in Form eines Transparents vor, auf dem stand: »FÜR DAS ERINNERN – Wir trauern um jeden Menschen, den wir an den Faschismus verlieren«.

Erinnern an was? Und wer ist das »Wir«, das Menschen an den Faschismus verliert? Die Selbstverständlichkeit, mit der man sich an die Stelle der Opfer setzt und die schon für sich genommen pervers ist, setzt sich reibungslos fort in der Nonchalance, mit der im selben Moment die Opfer des Nationalsozialismus durch die Nazis ersetzt werden, »die wir an den Faschismus verlieren«. Was suggeriert das anderes als: Wir könnten uns doch, im ERINNERN, so gut verstehen! Diese Ergänzung des Nazi-Gedenkens an die Bombardierung Magdeburgs steht in der schlechten Tradition des DDR-Antifaschismus, der schon immer die Opfer der Vernichtung vereinnahmte und damit zugleich zum Verschwinden brachte – doch es geht noch eine Stufe weiter: Das kämpferische Moment der Kommunisten ist der Identifikation mit der den Opfern zugedachten Passivität gewichen, die als Unschuld imaginiert wird.

Ehemalige KZ-Häftlinge haben zu verschiedenen Gelegenheiten ihre Uniformen wieder angezogen – manchmal auch solche Überlebende, die nicht im KZ waren –, um beispielsweise gegen Berufsverbote zu protestieren oder für die Entschädigung ehemaliger Zwangsarbeiter zu demonstrieren. Schon das war fragwürdig, aber es war die Sache der Überlebenden. Allerdings war ihr Erscheinen vor dem Majdanek-Prozess oder anlässlich von IG-Farben-Aktionärsversammlungen Ausdruck ihres Interesses und ihrer Anliegen – gegen eine Gesellschaft, die die Tatsache, dass sie diese Uniformen einst trugen, verleugnete. Mit dem Tod der Überlebenden hat sich diese Form des moralischen Appells gegen das Vergessen erledigt. Nicht erledigt hat sich dagegen offenbar die Attraktivität des Opferstatus – die obszöne Verkleidung bringt schlafwandlerisch die neueuropäische Moral der Empörten zum Ausdruck, die sich von den Altnazis gestört fühlt, aber sie instinktiv auf ihrer Seite zu wissen wünscht. Denn an Gemeinsamem – dem ERINNERN an die Schrecken des alliierten Bombenkriegs und an die Gegenwart der fortdauernden Schrecken des globalisierten Kapitalismus – mangelte es doch nicht.
 
Dass sich das in Magdeburg abspielt, jener Hochburg der Vereinigung von west- und ostdeutschem Antiimperialismus, ist kein Zufall: Von allem war die Rede vor diesem Nazi-Aufmarsch, nur nicht vom Antisemitismus und vom Hass auf Israel. Wer davon spräche, würde im Handumdrehen Demonstranten wie Gegendemonstranten vereint gegen sich sehen. Die europäische Unschuld, die heute lieber morden lässt, statt selbst zu morden, fühlt sich von den bösen ewiggestrigen Nazis, denen man zumindest zugestehen muss, dass sie negativ die Wahrheit der europäischen Geschichte repräsentieren, eben so sehr gestört, wie sie sie zur Selbstvergewisserung braucht. In wenigen Wochen wird sich das Gleiche in Dresden abspielen, eine Selbstversicherung für deutsche Antifaschisten, die ohne Nazis in eine Identitätskrise gerieten – nicht von ungefähr sah man auf der Seite der Gegendemonstranten kein Transparent, das die Lüge von den »alliierten Mördern« angegriffen hätte. Denn darin ist man sich einig: Deutsche Opfer sind keine Täter.

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Quelle: Lizas Welt

*Man beachte besonders die theaterreife Pieta-Darstellung der Figur links im Bild. Im Wohlstand lässt's sich halt doch am besten leiden.