Sonntag, August 14, 2011

50 Jahre Mauerbau aus der Karnickelperspektive

Da das Thema Mauerbau in den letzten Tagen ausführlich besprochen wurde - auch zum streng riechenden Pamphlet dieser Helden wurde einiges geschrieben -, werde ich mich dazu nicht mehr äußern. Meinen Standpunkt zur Verharmlosung des DDR-Faschismus kennt man.

Was ich aber den Castollux-Lesern nicht vorenthalten möchte:

Gestern Nacht wurde im Bayerischen Fernsehen die deutsch-polnische Dokumentation Mauerhase wiederholt (Oscar-Nominierung 2010 in der Kategorie Kurzfilm), über die der Sender auf seiner Internetseite schreibt:

Der Dokumentarfilm von Bartek Konopka und Piotr Rosolowski nimmt die "Perspektive" dieser "Mauerhasen" ein, die ohne jeden Argwohn ein paradiesisches Dasein inmitten üppigen Grüns führen. Mögliche Feinde hält ein großer Zaun ab, später dann die unüberwindbare Mauer. Bewaffnete Wächter übernehmen persönlich die Verantwortung für das Wohlergehen der possierlichen Tiere.

Die enge Nachbarschaft von Grenzsoldaten und Kaninchen ["Auf Kaninchen hätte man nicht schießen dürfen"] fördert ein geradezu inniges Verhältnis. […]. Ein ungewöhnlicher Dokumentarfilm über Tiere und Menschen. Zum Lernen und Lachen.

Absolut sehenswert!

Hier oder auf die Abbildung klicken.


Teil 2

Teil 3

Teil 4 (unten) habe ich nur der Form halber angehängt, wegen des Abspanns.

Teil 4

Donnerstag, August 04, 2011

Ade, mein liebes Willishausen, ade!

Vorgestern hatten meine Freundin Anita und ich uns für eine Fahrradtour entschieden, die mich an den Ort meiner Kindheit erinnert, der für immer in meinem Gedächtnis haften wird: Ein uraltes Ferienheim im verschlafenen Willishausen, einem kleinem Dorf nahe Diedorf bei Augsburg.

Zum Vergrößern bitte die Bilder anklicken.

Ist es nicht schön?


Und verzaubernd heimelig?



Der Autor dieses Artikels in Bildmitte unten - vordere Reihe mit dem Edelweißstern auf dem Lederhosenlatz; Vierter von links (der Kleinste, etwas skeptisch dreinschauend, verschüchtert; ganz gegen meine Art heute).


Rechts neben mir mein zweitältester Bruder Manfred (draufgängerisch, heute politisch weit links stehend); ganz rechts knieend meine zweitälteste Schwester Lilo (unbekümmert mit dem Heiligen Geist im Gepäck); in der hinteren Reihe die Dritte von links meine älteste Schwester Waltraud (immer im Einsatz für das Karitative und Haushalterische). Der Zweite vorne links ist Oskar (lustig-trotzig), ein Sinti, der es sehr viel schwerer hatte als die anderen Heimkinder in der damaligen Zeit...; aber ab und zu hat er mir eine verpasst, wenn ich "Zigeuner" zu ihm sagte. Danach, als die Fronten abgesteckt waren, wurden wir die besten Freunde. Und ich lernte etwas für's Leben.


Man fährt Willishausen über entlegene kleine Wege an -
umsäumt von meterhohen Gräsern, Sonnenblumen und Sträuchern. Fast so wie vor gut 50 Jahren.

Zuerst passiert man bei Diedorf den Bahnhof, der in meiner Kindheitserinnerung wie Lummerlands Station von Michael Andes Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer aussah. Danach biegt man rechts ab, überquert die Schmutter, ein sich lieblich dahinschlängelndes Bächlein, und fährt geradewegs in den stillen Ort hinein.

Manches erinnert heute noch an die 1960er-Jahre: Die Kirche, der wohltuende Geruch von Kühen, die alten Odelwagen, die Frische des Waldes, die in das Paradies meiner Kindheit hineinweht, bröckelnde Fassaden, das standhafte Wirtshaus und manch’ ergraute Bewohner, die mir sagen: „Ach, Sie waren damals auch eines von den vielen Kindern des Evangelischen Waisenhauses Augsburg, die bei uns Ferien gemacht haben?“ Selbst an die amerikanischen Truppentransporter und Jeeps denke ich bisweilen, die uns überall hinkutschiert haben - auch nach Willishausen, nur um uns Kindern eine Freude zu bereiten.*

Zum Foto unten: Der Autor träumt vor sich hin und bastelt an irgendeinem zukünftigen Artikel, den er zwar schon im Kopf hat, aber noch nicht artikulieren kann (heute vielleicht auch nicht). Natürlich wieder der Kleinste (Dritter von rechts). Und irgendwie schauen wir alle unlustig drein. Was soll's: Ich bin heute trotzdem fröhlich. Und ich weiß warum.


Als Anita und ich die Fahrräder vor dem wie eh und je wunderschönen und vermodernden Holzgartenzaun geparkt hatten, der wohl seit Jahrzehnten [zum Glück] nie gestrichen worden war, sagte ich zu ihr: „Jetzt lass’ uns doch einmal den Nachbarn nach den Schlüsseln fragen“. Ein paar Minuten später kam er aus seinem Hof und erfüllte unseren Wunsch.

Es war unser vorerst letzter Besuch dort. Der freundliche Mann hatte uns gesagt, dass das Haus mittlerweile verkauft worden sei und dort eine Villa errichtet werden würde, so wie auf den Grundstücken daneben [ich wusste das vorher nicht]. Schade. Aber schön, dass ich Anita noch etwas aus meiner Kindheit zeigen konnte.

In den 1950er- Jahren hatte der Augsburger Arbeiterverein das Gebäude für unser Evangelisches Waisenhaus zur Verfügung gestellt und baulich unterhalten. Seit den 1990er-Jahren übernahm eine christliche Jugendgruppe der hiesigen evangelischen Augsburger Jakobskirche das Haus, führte eine Innenrenovierung durch und nutzte es als Freizeitheim. Langsam ging das Projekt aber den Bach runter.  

Ich wollte jedoch unbedingt wissen, ob mich die eine oder andere Räumlichkeit noch an die 1960er-Jahre erinnert. Anita hat sehr viel Geduld und Einfühlungsvermögen gezeigt!

Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass damals - in meinen Kindheitstagen - wegen Platzmangels mein zweitältester Bruder Manfred mit mir in ein Bett verfrachtet wurde: seine Füße an meinem Kopf und meine Füße an seinem. Lustig, gell? Wie Ölsardinen. Und gerangelt hatten wir uns wegen des Platzmangels auch, soweit ich mich erinnere - im Schlaf natürlich. Vielleicht ist er deshalb heute ein störrischer Marxist und ich ein unverbesserlicher Stockkonservativer ;-) Aber vielleicht kommen ja Kopf und Fuß irgendwann wieder zusammen, wenn auf beiden Seiten genügend Wille zur Versöhnung besteht.


Oder ich denke an meine Schwester Lilo, die als Hawaii-Mädchen posierte. Für mich eines der schönsten Fotos überhaupt in meinem Archiv (rechts).

Das Schönste in Willishausen waren die Wanderungen in den Wald und die Felder ringsum, Tannenzapfenschlachten, Basteln von „Pfeil und Bogen“ sowie die gelegentlichen „Aushilfen“ bei der Heuernte, wo wir auf den Wagen sitzen durften, die teilweise noch von Pferden gezogen wurden.

Der „Echowald“ beeindruckte uns Kinder besonders: ein auf einer leichten Anhöhe gelegener Tannenwald (wie bei Hänsel und Gretel, der heute noch steht), der laut Auskunft der Ortsansässigen eine besondere Eigenschaft aufwies: Wenn man hineinrief, bekam man ein starkes Echo. Beispiel: „Was essen die Studenten?“ Antwort des Waldes: "E.E.E...Enten". Natürlich haben wir Kinder dann alle möglichen Wort- und Satzkombinationen reingerufen, die uns so einfielen (Wie man in den Wald reinruft so kommt es heraus).

All’ diese Erinnerungen sind seit vorgestern endgültig Geschichte: Anita und ich haben uns das Innere des Ferienhauses angesehen und [ich] habe festgestellt, dass außer den Raummaßen nichts mehr so ist wie es war: Überall Rigips-Renovierung und architektonische Kühle. Immerhin konnte ich noch feststellen, wo Manfreds und mein Schlafplatz war. War schon bewegend für einen kurzen Augenblick, gebe ich zu.

Fazit: Reisen in die Vergangenheit sind meistens desillusionierend, weil man als Kind ganz andere Vorstellungen von Raum und Zeit hatte, dazu ganz andere Sinnesempfindungen. Dazu gehören Bilderfahrungen, Gerüche, Geräusche, schwärmerische Emotionen, Wahrnehmungen im Kontakt mit der Natur etc.

Da machte ich mir vor der Radtour auch nichts vor. Dennoch will man aber den Sachen „auf den Grund gehen“, noch einmal wissen, wie es denn „wirklich war“. So geht es vielleicht vielen Lesern. Und da habe ich vorgestern abschließende Erfahrungen gesammelt:

„Lass’ die Vergangenheit da, wo sie hingehört, nämlich eben in dieser Zeit. Bewahre aber im Herzen all’ das, was dort gut war: schöne Sinneserfahrungen, liebevolle Gemeinschaft und Kraftquell für die Zukunft!“

In den nächsten Monaten wird das Ferienheim Willishausen abgerissen** und an seiner Statt eine Villa gebaut, die keine alte Geschichte haben wird - sicher aber eine neue für andere Kinder. Für viele ehemalige Waisenhauszöglinge mehrerer Generationen wird - wie für mich - ein Stück alte Heimat verloren gehen. Aber gleichzeitig wächst ein neues Stück Heimat für andere Menschen heran. Das sollte man respektieren und wertschätzen, auch wenn ich jetzt etwas wehmütig gestimmt bin.

Ich bin sehr dankbar dafür, dass mir diese Zeit in den 1960er-Jahren geschenkt wurde. Das muss und darf reichen.


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*Ganz abgesehen davon, wie viel Freude uns die amerikanischen "Besatzer" bereitet hatten, wenn sie uns zu Fest- und Feiertagen in die Kasernen und ihre Privatwohnungen eingeladen hatten und wunderschöne Tage bereiteten. Das werde ich nie vergessen!

**Wider Erwarten ist das Haus nun doch nicht abgerissen worden. Die neuen Grundstückseigentümer (ein junges Paar) haben zwar davor ein neues (Holz-) Haus gebaut, wollen das alte Gebäude vorerst aber stehen lassen. Sie sagten mir und Anita, dass sie dort vielleicht eine Übernachtungsmöglichkeit einrichten. Ich werde hier für meine Leserbriefschreiber bald ein neues Bild einstellen (muss ich noch fotografieren).

Dienstag, August 02, 2011

Che, S21, Geißler und der totale Krieg

Man muss wohl nicht groß kommentieren, welchen weltanschaulichen Horizont dieser Gegner von Stuttart 21 hat, wenn er das Konterfei des durchgeknallten Killers Che auf dem T-Shirt trägt.

Den Horizont Heiner Geißlers kennen wir aus seligen Generalsekretärzeiten ("Die Pazifisten haben Auschwitz erst möglich gemacht"). Dass der Mann nebst aller rhetorischen Brillanz (Jesuitenschüler) ab und zu "a Schepperle" hat, sollte man nie vergessen.

Jetzt glänzte er im Deutschlandfunk-Interview mit der These, dass in Stuttgart der "totale Krieg" anstehe. Klar: wo der Juchtenkäfer bedroht ist, muss sich der gesunde Volkszorn Bahn brechen, oder in Anlehnung an Geißlers Redekunst: "Nun Volk steh auf und Sturm brich los!"

Mehr Bilder von der friedlichen Demo der Käfer- und Baumschützer letzten Montag hier.

Quelle: RP-online.

Samstag, Juli 30, 2011

Schade um die Buchstaben: Hannes Stein zum Terroranschlag in Norwegen

Jetzt verstehe ich Hannes Stein überhaupt nicht mehr. Und nach seinem letzten Interview mit der taz geht er mir - ganz ehrlich gesagt - mehr und mehr auf den Geist mit seiner pastoral daherkommenden Gesinnungsethik. Hoffentlich kommt er bald wieder zur Besinnung. Sein taz-Interview spreche ich weiter unten an.

Vor wenigen Tagen hatte Hannes Stein einen - wie ich beim oberflächlichen Lesen dachte - relativ sachlichen Beitrag darüber geschrieben, wie Ulrich Sahms Meldung über eine antiisraelische Veranstaltung der sozialistischen Jugend auf der Insel Utøya bei Oslo zu bewerten sei - nämlich im Kontext der Ereignisse vor dem Terroranschlag.

Die Post-Analyse war teilweise zutreffend - ich hatte sie schon vor über drei Jahren ähnlich formuliert, als kaum ein Mensch darüber nachdachte, Hannes Stein erst recht nicht, weil er sich damals noch im Tiefschlaf befand, was das Thema betraf. Mittlerweile ist aber eine Menge Wasser den Hudson River bei ihm und den Lech hier bei mir im Voralpenland heruntergeflossen.

Hannes Stein begeht schon Fehler in der Diktion mancher Passagen, oder besser gesagt, in der Wortwahl generell - für einen erfahrenen Journalisten eigentlich ungewöhnlich. So schreibt er beispielsweise:
[…] Was ist die Ideologie des Mörders? Er hasst den Islam (nicht den islamischen Fundamentalismus, nicht Al Qaida, nicht die „Islamische Republik Iran“, sondern den Islam). Er hasst Muslime (nicht Achmadinedschad, nicht Osama Bin Laden, nicht Ayman al-Zawahiri, sondern alle Muslime von Indonesien über Indien bis Kurdistan). Er hasst „Marxisten“ (nicht Lenin, Stalin, Trotzki, Mao und Che Guevara, sondern alle Linken).
Was Hannes Stein hier von sich gibt, ist geifernder Unsinn, auch wenn er sich vordergründig auf den Täter bezieht, und journalistisch fast schon unredlich, weil ideologisch gestanzt (Sorry, Hannes!).
Er übernimmt - unwissentlich oder nicht - an dieser Stelle bedenkenlos und holzschnittartig Formulierungen wie „hasst den Islam“, „hasst Muslime“ und „hasst Marxisten“. Das ist so klar wie Kloßbrühe und trifft selbstverständlich auf die Person des Terroristen selbst zu, aber Stein kopiert hier sprachlich und spiegelbildlich genau dasselbe Vokabular derjenigen, die er bekämpft. Vielleicht bemerkt er diesen Fauxpas nicht einmal.

Was hat er da vom Stapel gelassen? Und welche Unterstellungen hat er hier vorgenommen?

Wäre es okay, wenn er in einem Aufwasch sämtliche Islamkritiker als „rechtsradikal“ einstuft, weil sie z.B. zu Recht Erdogans Slogan
„Der Islam ist vom Islamismus nicht zu unterscheiden. Es gibt nur den Islam“
ernst nehmen, was er [Hannes Stein] aber unausgesprochen als indiskutabel zu implizieren scheint?
Sind es dann die Kritiker, die man wegen der Zitation dieser Phrase zur Verantwortung ziehen muss, oder derjenige /diejenigen Muslime (Christen u.a. können es also schlecht sein), die diese Phrase herausposaunen?

War es Mohammed Atta, der den Koran zitiert hat, bevor er in die Twin Towers reingerauscht ist, oder war es Hannes Steins Phraseologie, die Atta im Nachhinein hilfreich das Gütesiegel „Islamismus“ aufgedrückt hatte, weil der vom edlen „Ur-Islam“ abgerückt sei, den man sowieso nicht zu scharf kritisieren solle, da ja so vielschichtig?

Hier zeigt sich die bedenkliche Naivität Hannes Steins in theologischen Fragen besonders deutlich. Er versteht davon überhaupt nichts.
Ist es in Ordnung, wenn Hannes Stein also mehr oder weniger stringent insinuiert, dass zwischen rechtsradikalen/extremen Islamkritikern auf der einen Seite und liberalen, konservativen und linken Islamkritikern auf der anderen Seite ein Zusammenhang bestünde?
Hannes Steins Vorgehensweise ist hier besonders indifferent, unausgegoren und schwatzhaft, so sehr ich ihn auch aufgrund mancher Kontakte in den letzten Jahren schätze. Mit Formulierungen wie dieser schafft Hannes Stein genau das, was er [selbst] möglicherweise vermeiden wollte - nämlich eine Weichzeichnung des Unterschiedes zwischen Mensch und Ideologie. Er sorgt nicht für Differenzierung, sondern zündet selbst ideologische Nebelkerzen.

Kaum jemand in unserer befreundeten Blogosphäre - und ich am allerwenigsten - hat die Notwendigkeit bestritten, zwischen persönlicher Beziehung zu Menschen und der Hinterfragung ihrer Ideologie sorgfältig zu unterscheiden. Genau diese Unterscheidung trifft Hannes Stein aber nicht mehr, weil er eine [mediale/blogosphärische] Absprache unter allen Islamkritikern unterstellt, die nicht dem Bild entsprechen, das er selbst sich von [Gesellschafts-] Islamkritikern macht. In seinem Rundumschlag lässt er alles vermissen, was einen guten Journalisten auszeichnet: Nachdenklichkeit, Reflexion und sorgsame Wortwahl.
Im taz-Interview antwortet Hannes Stein auf die Frage
Was verteidigen Sie denn?
Die offene Gesellschaft. Etwa die Meinungsfreiheit mitsamt der Freiheit, den Islam zu kritisieren. Flemming Rose von der dänischen Zeitung Jylland Posten hat dazu einmal gesagt: Er möchte, dass die Muslime in Europa integriert werden. Dazu gehört, dass man sich über ihre Religion genauso lustig machen kann wie über, sagen wir, den Katholizismus. Die Muslime haben, so komisch das klingt, ein Recht darauf.
Das wirkt auf mich fast schon abstoßend, wenn man das bisher diskutierte Sujet heranzieht und bedenkt, was unten folgt.

Hannes Stein unterstellt hier unausgesprochen, dass jegliche [Gewalt-] Reaktion der Muslime auf säkulare Kritik am Islam „erlaubt“ und Grundvoraussetzung einer "offenen" Gesellschaft sei - allerdings so, wie er sie halluziniert. Hier agiert er interesannterweise sehr radikal.

Ich behaupte das , weil er es an diesem Punkt nicht näher ausführt. Wäre er ein konsequent arbeitender Journalist, dann hätte er die konkreten Bedingungen angegeben, unter denen wechselseitige Kritik zwischen Islam und am Christentum stattfindet. Das hat er aber nicht gemacht, von der real existierend krassen Unverhältnismäßigkeit der Kritik an Christentum einerseits bzw. Islam andererseits ganz abgesehen. Das kann man am Alltagsleben ablesen (Essensvorschriften, Justizwesen, Schulordung, Scharia-Verharmlosung, Abschaffung christlicher Feiern in vorauseilendem Gehorsam etc.pp.).

Und weiter führt er aus:
Übrigens ist es bei den Verteidigern des christlichen Abendlandes mit dem Philosemitismus meistens schlagartig vorbei, wenn man auf Auschwitz zu sprechen kommt.
Das ist eine Ungeheuerlichkeit. Ich weiß selbst, dass es unter so genannten Israelfreunden Antisemiten gibt, und ich habe das auch selbst oft genug thematisiert, werde das auch immer tun. Aber dass Hannes Stein sich zu einer derart pauschal-primitiven und hässlichen Äußerung hinreißen lässt, hätte ich niemals erwartet. Und wieder wirft er alles in einen Topf. Ich kommentiere das weiter nicht, weil es Zeitverschwendung ist.

Sein Schlusssatz:
Ich antworte mit einer einfachen Unterscheidung, die wir von Karl Popper gelernt haben: Ideen sollen im öffentlichen Raum gegeneinander antreten, auch der Islam in all seinen Spielarten. Ideen brauchen keinen Schutz; Kritik an ihnen, auch erbarmungslose, auch irrtümliche, ist erlaubt. Mit Menschen ist es etwas anderes. Menschen müssen geschützt werden.
Das hört sich sehr, sehr nach einem Lippenbekenntnis an, wenn es denn tatsächlich darum ginge, dass auch Islamkritiker ein Recht auf Schutz haben!

Zum Schluss möchte ich noch kurz ein Gespräch erwähnen, das wir vor etwa zwei Jahren per E-Mail führten (ich verrate da keine Geheimnisse, bin also nicht indiskret). Es ging um einen Beitrag Navid Kermanis (des Ehemanns von Katajun Amirpur) in der NZZ: Er hatte sich damals in ziemlich obszöner Art und Weise über die Darstellung des Kreuzestodes Jesu Christi echauffiert. Gut, das kann man je nach Weltanschauung verschieden betrachten.

Kann Hannes Stein sich noch daran erinnern, wie er Kermanis "Bildbetrachtung" mir gegenüber verteidigt hatte? Die gröbsten Hässlichkeiten gegen das Christentum hat er als „Freiheit der Kunst“ zu verteidigen versucht. Ich hatte damals attestiert, dass diese Freiheit eine Selbstverständlichkeit wäre, Kermani aber sehr pingelig reagiere, wenn Islamkritik geäußert werden würde. Von Hannes Stein habe ich nie wieder etwas zum Thema gehört geschweige denn leise Kritik an Kermani….
Abgesehen von seiner übertriebenen Sympathie für den Iraner: Kann er mir mal erklären, warum er bei Islamkritik bzw. Kritik an Muslimen so hektisch reagiert und gleichzeitig beim Umgang mit christlichen Gefühlen bzw. verfolgten Christen so großzügig und gleichgültig, obwohl jedes Jahr mehr als 15.000 Christen weltweit von Muslimen ermordet werden?

Mensch Hannes: Dein einseitig vorgebrachter moralischer Rigorismus geht mir auf den Keks!
Und zitiere bitte erst dann wieder Karl Popper, wenn du ihn auch wirklich ernst nimmst.

Freitag, Juli 29, 2011

Nachbetrachtung zu Norwegen: Ordnung und Struktur in die Debatte bringen

Ich selbst hatte eigentlich auch vor, zu den Schuldzuweisungen der Tugendwächter deutscher Medien, die nach den schrecklichen Ereignissen in Norwegen reflexartig und heuchlerisch - ja heuchlerisch! - gegen Autoren wie Henryk M. Broder, Gideon Böss und Richard Herzinger, um nur drei zu nennen, zu Felde gezogen waren und ihnen geistige Brandstifterschaft vorgeworfen hatten, etwas zu schreiben (Weiter unten wird darauf Bezug genommen). Im benachbarten Ausland kam, wie aufmerksame Leser wie Sie festgestellt haben dürften, diese Debatte so gut wie gar nicht auf. Irgendwie merkwürdig, nicht wahr?

Lizas Welt hat zu diesem komplexen Sachverhalt einen sehr gut durchdachten und äußerst sorgfältig formulierten Beitrag geschrieben - und viele meiner Gedanken quasi vorweggenommen. Vielen Dank dafür!

Zu Hannes Steins Beitrag auf Achgut (leicht kritikwürdig, würde ich sagen) werde ich im nächsten Castollux-Beitrag Stellung beziehen. Sein Kommentar kommt zwar versöhnlich daher, weist meines Erachtes aber einige argumentative Schwachstellen auf.


Paranoia mit Parallelen

Lizas Welt

(Bild rechts von Lizas Welt übernommen)

Zurzeit wird viel darüber räsoniert und spekuliert, was (und wer) Anders Breivik dazu getrieben haben könnte, erst eine Bombe zu zünden und dann mit stoischer Ruhe einen Massenmord an Minderjährigen zu verüben. Ist er ein isolierter Psychopath mit Allmachtsfantasien? Oder muss man ihn vielmehr als terroristische Speerspitze einer größeren, bedrohlichen Bewegung wider den Islam und den „Multikulturalismus“ betrachten? Vor allem der letztgenannte Erklärungsansatz hat in den vergangenen Tagen – genauer gesagt: seit dem Beginn der Verbreitung von Breiviks über 1.500 Seiten umfassender, als „Manifest“ deklarierter Kampfschrift – rasant an Popularität gewonnen. Denn in diesem wirren und irren Pamphlet nimmt der Mörder Bezug auf allerlei Denker, Ideen und Ideologien – und weil Immanuel Kant, George Orwell, Winston Churchill und John Stuart Mill es dummerweise versäumt haben, ihre Texte ins Internet zu stellen, stürzen sich zahlreiche Medien hierzulande auf von Breivik zitierte lebende Personen, allen voran auf Henryk M. Broder, und verkünden sogleich ihre Urteile, die von „Stichwortgeber“ bis zu „geistiger Brandstifter“ reichen (und eine Flut von widerwärtigen Droh- und Hassmails an Broder ausgelöst haben). Dieselben Leute, die noch bei jedem Anschlag oder Attentat einer islamistischen Terrororganisation zur Zurückhaltung mahnen, vor einem „Generalverdacht“ warnen oder gar ein gewisses Verständnis für die jeweilige Tat nicht verhehlen, können jetzt gar nicht schnell genug die vermeintlichen ideologischen Hintermänner (sowie gegebenenfalls deren Vereinigungen) eines wahnsinnig gewordenen, mörderischen, vom Herrenmenschentum besessenen Einzeltäters – und ein solcher ist Anders Breivik nach Stand der Dinge zunächst einmal – an den Pranger stellen.

Das Entsetzen über das Massaker wich in Deutschland bemerkenswert schnell einer (Mit-) Schuldzuweisung an so ziemlich alle, die sich jemals in irgendeiner Form kritisch oder ablehnend gegenüber dem Islam geäußert haben. Und da die vielen politischen Strömungen, die in dieser reichlich diffusen Menge vertreten sein sollen, dann doch erkennbar mehr trennt als eint, muss sich eine Klammer finden lassen, die sie dennoch unwiderruflich zusammenhält, etwas also, das über allem steht und den vermeintlich gemeinsamen Kampf gegen den Islam dominiert. Es war nur eine Frage der Zeit, wann jemand ausspricht, wer oder was denn diese Klammer sein soll, und so preschte die öffentlich-rechtliche Rundfunkjournalistin Bettina Marx vor: Die „Begeisterung für Israel“ eine „die linken und rechten Islamfeinde“, denn „in dem Land zwischen Mittelmeer und Jordan sehen sie den Brückenkopf des Westens im Nahen Osten und das Bollwerk gegen den Islamismus“. Ja, mehr noch: „Kritik an der Politik Jerusalems weisen sie als Antisemitismus zurück, die legitimen Ansprüche der Palästinenser gelten für sie nicht. Die Palästinenser werden pauschal als Terroristen verunglimpft.“ Und so lässt sich schließlich der ganz große Bogen spannen: „Von den christlichen Fundamentalisten in den USA und ihrer politischen Vertretung in der Tea Party über linke Antideutsche bis hin zu den neofaschistischen Parteien in Italien und Osteuropa reicht die Achse der islamophoben Israelfreunde.“ Fehlt noch jemand? Genau, das Objekt der Begeisterung höchstselbst: „Die Regierung in Jerusalem heißt all diese Unterstützer willkommen.“

Und gehört nicht auch Anders Breivik zu diesen Unterstützern? Man munkelt ja, er sei ausweislich seines „Manifestes“ ein Freund des jüdischen Staates und überhaupt der Juden. Dass Breivik die hellsichtigen Kritiken der Frankfurter Schule als das Werk destruktiver, linker, „kulturmarxistischer“ Juden betrachtet, die Europa eine „Political Correctness“ aufgezwungen und es in den „Multikulturalismus“ (also in den Untergang) getrieben hätten, dass er glaubt, die USA habe ein „Judenproblem“, dass er von einer „Holocaust-Religion“ fabuliert, die der Erkenntnis im Wege stehe, dass der Islam weitaus gefährlicher sei als der Judenhass und erheblich mehr Menschenleben gefordert habe als die Shoah – all dies und noch viel mehr wird schlichtweg ignoriert. Die Stellen im „Manifest“, wo Breivik sich auf bekannte Islamkritiker wie Henryk M. Broder bezieht, werden medial begierig aufgegriffen, um den Bezugsgrößen und ihrem Umfeld anschließend eine Komplizenschaft zu unterstellen und eine Mitschuld am Massenmord zu geben; die Passagen jedoch, in denen er sich antisemitisch äußert, unterschlägt man. Andernfalls würde ja auch die gar nicht einmal sonderlich subtil vermittelte Botschaft gefährdet, dass es mal wieder die Juden waren, die der Welt – in Person eines norwegischen Verbündeten und mit der Rückendeckung durch dessen Umfeld – ein mörderisches Unglück beschert haben.

In einer derart aufgeheizten Stimmung haben es besonnene und differenzierende Stimmen schwer. Eine davon gehört Richard Herzinger, der zu Recht feststellte: „Es wäre unsinnig, aus islamfeindlichen Einträgen des Massenmörders von Oslo in Internetforen zu folgern, es führe eine direkte Linie von auch hierzulande verbreiteten obsessiv muslimfeindlichen – oft zugleich auch antisemitischen – Affekten zu terroristischer Aktivität. Die Gefahr aber, dass sich fanatische Randgruppen unter dem Vorwand der Angst vor der (Selbst-)Auslöschung des ‚christlichen Abendlandes’ ihren islamistischen Antipoden – deren paranoiden Wahn sie in Wahrheit teilen – angleichen und ihre Methoden übernehmen könnten, ist nach dem Horror von Oslo nicht mehr von der Hand zu weisen.“ Gleichwohl gelte es, genau zu trennen, wie Herzinger in einem weiteren Beitrag ausführte: „Zunächst wäre zu fragen, was die Ankläger mit dem Begriff ‚Islamkritik’ eigentlich meinen. Diese Kampfvokabel schüttet den diametralen Gegensatz zwischen neonazistischen und rechtsnationalistischen Islamfeinden einerseits und andererseits aufklärerischen Säkularisten zu, die in den totalitären Zügen des politischen Islam eine akute Gefahr für die freiheitlichen Errungenschaften der offenen, pluralistischen Gesellschaft sehen. Während erstere Muslime als solche hassen, weil sie einem ‚fremden’ Glauben angehören beziehungsweise einem ‚fremden Kulturkreis’ entstammen, und von ihrer Deportation aus einem nunmehr wieder ‚artreinen’ Vaterland träumen, verteidigt die zweite Gruppe nicht zuletzt die Muslime selbst gegen autoritäre Strukturen in den islamischen Gemeinden, die den muslimischen Bürgern ihre Chancen auf Teilhabe an den Möglichkeiten der freien Gesellschaft beschneiden.“

Dieser Unterschied ist elementar, doch er wird nur von wenigen nachvollzogen. Nicht von den Rechtsnationalisten, die zwar erschrocken über die Terrortaten von Oslo und Utøya sein mögen, sich von ihnen distanzieren und sie verurteilen, aber an ihren xenophoben Phantasmagorien einer „Überfremdung“ Europas, die von linken „Multikulti“-Ideologen (wozu sie grundsätzlich alle zählen, die nicht dem rechtsnationalistischen Lager angehören) tatkräftig befördert werde, unverrückbar festhalten und sich bisweilen sogar in abstrusen Verschwörungstheorien ergehen – wie etwa jener, nach der es sich bei Breiviks Tat um eine „False Flag“-Operation mit dem Ziel, die Gegner des Islam zu diskreditieren, gehandelt habe. Und auch nicht von zahlreichen Medien und anderen Bescheidwissern, die auf ein Verbrechen wie jenes in Norwegen geradezu gewartet zu haben scheinen, um endlich die gesamte Islamkritik als ideologisches Rüstzeug des Teufels verdammen zu können. Dementsprechend lässt man nun bevorzugt „Experten“ wie Sabine Schiffer zu Wort kommen, eine „Medienpädagogin“, die nicht nur über gute Beziehungen zum deutschsprachigen Programm des staatlichen iranischen Rundfunks verfügt, sondern auch Sympathien für Verschwörungstheorien zu den Terroranschlägen des 11. September 2001 hegt und nicht zuletzt „jüdische Organisationen“ der „Verbreitung des antiislamischen Rassismus“ bezichtigt. Der Deutschlandfunk bat sie gestern zum Interview, und auch wenn es ausgesprochen mühsam ist, Schiffers Gestammel so etwas wie eine These zu entnehmen, lässt sich doch festhalten, dass sie nicht nur verschiedene Blogs, sondern allen Ernstes nahezu die gesamte Medienlandschaft der „Islamophobie“ zeiht und ihr somit eine Mitschuld an Breiviks Mordtaten zuweist.

Kaum jemandem fällt auf, dass es zwischen Anders Breivik und den Islamisten essenzielle Gemeinsamkeiten gibt (die Breivik sogar selbst benennt), ja, dass beide sozusagen Brothers in Crime sind. Als einer der wenigen neben Richard Herzinger hat das Bremer Aktionsbündnis gegen Wutbürger diese Parallelen erkannt und benannt: „In Wirklichkeit verhält es sich so, dass der Adorno wegen seiner ‚Studien zum autoritären Charakter’ hassende Breivik als Prototyp eines solchen den Islam zutiefst beneidet, weil der Islam eine gesellschaftliche Hierarchie, strenge Regeln und religiöse Werte im Einklang mit seinem kulturellen Erbe bietet, also all das, was Breivik in der europäischen Gesellschaft so schmerzlich vermisst. Breiviks Islamhass und sein wahnhafter Kampf gegen ihm übermächtig scheinende Gegner, gegen die nur ein Wunder helfe, erscheint als Ausdruck eines Gefühls der eigenen Ziel- und Wertlosigkeit. Letztendlich will er im Kampf gegen den Islam selbst in einer Gemeinschaft aufgehen, die der der Djihadisten ähnelt: zum Letzten entschlossen, skrupellos, gewalttätig und im festen Glauben an die Überlegenheit der eigenen Überzeugungen.“ Im Grunde genommen gleicht Breivik vor allem den Salafisten: Auch diese haben es zuvorderst auf „Abtrünnige“ in den eigenen Reihen, also auf „Feinde“ im Inneren abgesehen. Und so, wie die Salafisten weltlich orientierte Muslime (oder wen sie dafür halten) bedrohen, verfolgen und töten, zündete der norwegische Massenmörder erst im Regierungsviertel eine gewaltige Bombe, bevor er ein Feriencamp sozialdemokratischer norwegischer Jugendlicher heimsuchte, um dort eigenhändig und kaltblütig ein Massaker unter jenen anzurichten, die er in seinem irrationalen und fanatischen Weltbild für den „kulturmarxistischen“ und „multikulturellen“ Nachwuchs hält.

Diese frappierenden Parallelen bemerkte übrigens auch der norwegische Botschafter in Israel, Svein Sevje, nicht; im Gegenteil hielt er es für nötig und richtig, gegenüber einer israelischen Tageszeitung die Ansicht zu äußern, der (islamistisch geprägte) palästinensische Terror sei zwar ebenfalls „moralisch inakzeptabel“, verfolge aber immerhin „ein definiertes Ziel“, das „im Zusammenhang mit der israelischen Besatzung“ zu sehen sei – womit er ihn sowohl rationalisierte als auch faktisch entschuldigte. Dass Sevje zudem die Einbeziehung der Terrortruppe Hamas in Friedensverhandlungen für unverzichtbar hält, ist da nur folgerichtig. Echauffiert hat sich nicht nur hierzulande kaum jemand über diese unsägliche Trennung in einen schlechten und einen irgendwie nachvollziehbaren Terror. Man stelle sich dagegen vor, wie wohl die Reaktionen ausfielen, wenn der israelische Botschafter in Norwegen einer norwegischen Zeitung sagen würde, er verurteile Breiviks Terror zwar, doch habe dieser immerhin ein definiertes Ziel verfolgt, das im Zusammenhang etwa mit der norwegischen Einwanderungspolitik zu sehen sei. Das hat der israelische Botschafter selbstverständlich (!) nicht geäußert; im Gegenteil hat das offizielle Israel die Morde scharf verurteilt und den Opfern große Empathie entgegengebracht. „Wir in Israel können uns voll und ganz in diese Katastrophe hineinversetzen und sind zutiefst schockiert von diesem Verbrechen“, sagte beispielsweise Premierminister Benjamin Netanyahu. „Wir kennen den unerträglichen Schmerz der Familien und der Nation. Deshalb möchte ich den Menschen, der Regierung und dem Staat das aufrichtige Beileid der Menschen, der Regierung und des Staates Israel aussprechen.“ Man darf gespannt sein, wie die Reaktionen aus norwegischen Regierungskreisen ausfallen werden, wenn es im jüdischen Staat mal wieder zu einem Angriff von Terroristen kommt.

Freitag, Juli 22, 2011

Augsburger Fußball-Idol Helmut Haller: Alles Gute zum 72. Geburtstag, “Hemad“!

Die scherzhafte Umschreibung „Hemad“ (Hemdchen; schmalbrüstig oder „Büable“ auf schwäbisch-bayerisch) wurde dem Augsburger Fußball-Genie Helmut Haller verpasst, weil er meist der Schmächtigste in der ehemaligen Mannschaft des BC Augsburg (BCA) im Arbeiterviertel Augsburg Oberhausen war - des Klubs, der in den 1970er-Jahren den Vereinsnamen wechselte. Damals spaltete sich der Verein in FC Augsburg und TSV Schwaben Augsburg auf (bei beiden Vereinen spielte der Autor Castollux in der Jugend).

Im Bild rechts: Helmut Haller (weißes Trikot) im Luftkampf gegen einen argentinischen Abwehrspieler in der Partie Argentinien-Deutschland (0:0) bei der WM in England 1966. Schöne Aufnahme!

Es ist still geworden um den stets zurückhaltend und bodenständig agierenden Helden, der 1966 im Londoner Wembley-Stadion im
WM-Endspiel England-Deutschland das 1:0 für Deutschland geschossen hatte. (Hier alle Spiele der deutschen Mannschaft der WM 1966 im Zeitraffer).

Ein schwerer Herzinfarkt am zweiten Weihnachtsfeiertag 2006 und eine komplizierte Operation an der Hauptschlagader im August 2009 setzten dem Ausnahmefußballer Grenzen, die nur das profane Leben schreibt.


Der „Hemad“ ist für treue Augsburger Fußballfans so etwas wie ein Nationalheiligtum, an das selbst andere in Augsburg geborene Weltstars wie Bernd Schuster niemals ranschmecken konnten - eher noch der ehemalige Rekordnationalspieler und Rekordtorschütze Ernst Lehner oder Uli Biesinger (Weltmeister 1954; Ersatzspieler), weil in ihren Zeiten medial nicht so präsent.

Helmut Haller war, als er 1962 in einer sensationellen Transferaktion zum zum FC Bologna wechselte (Damals unglaubliche 300.000 D-Mark Handgeld), neben Albert Brülls und Karl-Heinz Schnellinger einer der wenigen ersten Deutschen, die in der italienischen Liga spielten.

Brülls war als vielseitig einsetzbarer Offensivspieler beim
FC Modena, danach bei Brescia Calcio und beim schweizerischen Young Boy Bern am Ball, Schnellinger ein knochenharter Weltklassevorstopper (so nannte man das damals) beim AC Mailand und seinerzeit sicher einer der weltbesten Verteidiger.

Beide hatten
jedoch, von Schnellingers Ausgleichstor im legendären Halbfinalspiel gegen Italien bei der WM 1970 im Aztekenstadion abgesehen (legendäres Video), niemals die Ausstrahlung und überragende Spielintelligenz, die Haller eine Nominierung in die beste deutsche Nationalmannschaft aller Zeiten beschert hatte (Unter anderem in einer Umfrage der Süddeutsche Zeitung 1999), dazu die Auszeichnung zum besten ausländischen Spieler in der italienischen Liga im Jahr 1964.

Herbert Schmoll, Ex-FCA-Spieler und Sportredakteur bei der Augsburger Allgemeine, bemerkte gestern:
[...] (S) ein Lächeln, für das ihm in Italien die Herzen der Tifosi zugeflogen waren. Für die dortigen Gazetten war er „20 Jahre nach der Besetzung Mittel- und Oberitaliens durch die Nazitruppen der erste große Deutsche“ auf dem Apennin. Durch seine Art Fußball zu spielen genoss „Il Biondo“ jenseits des Brenners eine Bewunderung, wie er sie in der Heimat eigentlich nie erfuhr. „In Bologna haben sie ihm die Füße geküsst“, erzählt sein Freund Sepp Fuchs.
Man könnte es auch so formulieren: Nicht ein besenhart an seiner Partitur klebender Wilhelm Furtwängler des bis dato als höchst unsympathisch bekannten Deutschland spielte auf, sondern der leicht beschwingte und freisinnige Vivaldi aus bayerisch-rebellischen Gefilden.

Herbert Schmolls Zitation der italienischen Hommage ist prinzipiell stimmig, wenn auch seine Formulierung „Nazitruppen“ nicht ganz passt: schließlich waren es keine undefinierbaren Truppen vom galaktischen Stern „Nazien“, sondern die deutsche(!) Wehrmacht im Verbund mit SS-Einheiten. Man sollte die Verbrecher schon beim Namen nennen. Sei’s drum: Der SPIEGEL, die Frankfurter Rundschau, der Tagespiegel und die Süddeutsche hätten es auch nicht anders formuliert....

Helmut Haller führte nicht nur den FC Bologna 1962 zum italienischen Meistertitel, sondern auch Juventus Turin (1972 und 1973). Spätestens ab diesem Moment wurde er in Italien so vergöttert, wie Michel Platini und Zinédine Zidane Jahrzehnte danach. In der Ahnengalerie der Größten der „alten Dame“ Juve wird das "Hemad" für immer einen Ehrenplatz behalten.

Seine Rückkehr in meine Heimatstadt Augsburg Ende 1973 führte dort zu einer wahren Fußballbegeisterung, wenn nicht sogar Hysterie (ich war Augenzeuge und selbst infiziert). Eigentlich sonst so zurückhaltend-bayerische Schwaben wie ich (bitte nicht mit den Baden-Württemberg-Schwaben verwechseln; dort leben die Stuttgart21-Hysteriker und Juchtenkäfer-Idioten) sahen in ihm so etwas wie einen heimgekommenen Sohn - fast einen Fußball-Messias.

Prompt wurde in der folgenden Regionalliga-Saison - die Regionalliga war damals die zweithöchste Klasse im DFB - die Meisterschaft errungen und der Aufstieg in die erste Bundesliga angepeilt, was ganz knapp misslang.

Ein schier unglaubliches Ereignis passierte dann im August 1973, das alle bisherigen Fußballstatistiken gesprengt hat und wohl nie mehr in dieser Dimension stattfinden wird: Der FC Augsburg (Kurzform „FCA“) gastierte im Münchner Olympiastadion gegen den TSV 1860 München (Endergebnis 1:1). Man hatte optimistisch mit 60.000 Zuschauern gerechnet (sowieso unglaublich für ein Regionalligaspiel). Dann aber wurde das Stadion mit 80.000 brechend voll, und vor dem Stadion waren noch etwa 25.000 Fans im Anmarsch. Das Video unten vermittelt noch einmal ein Feeling dafür, wie es damals ablief. Ich war übrigens nicht dabei. Grund: ich musste zum gleichen Zeitpunkt selbst ein Punktspiel bestreiten. Stinksauer war ich damals....

Zum Ansehen des Videos hier oder auf die Abbildung klicken.



Helmut Haller, der Ball-Wegzauberer

Wie schlitzohrig das „Hemad“ übrigens auch war, zeigt eine Episode, die sich nach dem WM-Endspiel England-Deutschland 1966 (4:2) zugetragen hatte. Wikipedia berichtet darüber in dürren Zeilen:
Als das WM-Finale von 1966 im Londoner Wembley-Stadion abgepfiffen wurde und Deutschland 4:2 verloren hatte, lag der Final-Ball direkt vor den Füßen Hallers. Dieser nutzte die Gelegenheit und schnappte sich das wertvolle Erinnerungsstück. Helmut Haller schüttelte mit unter den Arm geklemmtem Ball sogar noch Queen Elizabeth die Hand. Während einer Feierstunde am Rande der Europameisterschaft im Jahre 1996 gab Haller dann seine "Beute" dem Englischen Fußballverband zurück.
So war er, unser „Hemad“: Ein Held auf und außerhalb des Platzes: Ein genialer Spielgestalter mit einem überaus sympathischen Unterhaltungswert. Wo gibt es heute noch so etwas?

Zinédine Zidane fiel im WM-Enspiel 2006 dadurch auf, dass er seinen Gegenspieler Mazzerati durch einen Kopfstoß bewusst schwer verletzten wollte. Vorausgegangen war eine Beleidigung Mazzeratis, wie später im STERN berichtet wurde.

Klassespieler? Ja!
Vorbild? Niemals!


Dir, lieber Helmut, alles Gute für deine weiteren Lebensjahre!

Und Freunde hast du genug in Augsburg. Da mach' dir mal keine Sorgen. Wenn jemand ein Vorbild im Augsburger Fußballsport war, dann DU!

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Post Scriptum:

Herzlichen Dank an Herbert Schmoll von der Augsburger Allgemeine, der mich durch seine Artikel zu Helmut Haller dazu inspiriert hat, ein wenig auf meinem Blog dazu beizutragen, dass der Ruhm eines der besten und sympathischsten deutschen Fußballspielers aller Zeiten nicht in Vergessenheit gerät.

Donnerstag, Juli 21, 2011

Gazastreifen: "Das Warschauer Ghetto im Vergleich dazu ein Heilbad"

Als im März 2007 eine Delegation der Bischöfe der Katholischen Kirche Deutschlands das Westjordanland besuchte, sah sich der eine oder andere bemützte und vornehm gekleidete Würdenträger in Lila bemüßigt, einen Zusammenhang zwischen Ramallah und dem Warschauer Ghetto herzustellen.

Bild rechts, Quelle (Warschauer Ghetto): Google.

Die vollgefressenen Würdenträger um Bischof Hanke hatten wohl vergessen, dass im Warschauer Ghetto die Juden wie Tiere eingepfercht worden waren, um sie einer späteren Bestimmung in Auschwitz, Treblinka, Sobibor und anderen Vernichtungslagern zuzuführen.


Deutsche vergessen sehr schnell, wenn es um eigene Schandtaten geht. Stattdessen dürfen dann Australier (Aborigenes), US-Amerikaner (Indianer), Neuseeländer (Maoris) und andere herhalten, weil sie hinter der eigenen Haustür im Zuge des Wiederaufbaus ach so sauber geputzt haben.


Mittlerweile wissen wir, dass Ramallah und die West Bank einen exorbitanten Wirtschaftsboom erleben (8% Wirtschaftswachstum zurzeit), dort eine Protzvilla nach der anderen erstellt wird und Abu Mazen (Mahmoud Abbas) und Konsorten glücklich sind, eine relative Phase des Friedens mit Israel genießen zu können. Wie diese Verhältnisse u.a. zustande kamen, kann man hier nachlesen.

Wie sieht es aber im Gazastreifen aus, dem modernen Inferno Dantes, hysterisch von den Mainstream-Medien hinausposaunt?

Da man seitens der „Friedensbewegung“ den „humanitären Kriegsschauplatz“ im Westjordanland heute nicht mehr „dokumentieren“ kann, verlagert man die Mitleidsindustrie nach Gaza.

Furchtbar muss es dort aussehen:

Den Rest der Bildreportage über das entsetzliche Elend in Gaza können Sie sich hier ansehen. Sie werden auch unschwer erkennen, dass in den Regalen einige israelische Produkte stehen.

Boykott?

Dienstag, Juli 19, 2011

Nahost: Das bestgehütete Geheimnis der NGO-Industrie

Beitrag von Tim Marshall, Sky News

Übersetzt von Castollux (wenige sprachliche Glättungen vorbehalten)

Kürzlich bemerkte ein afrikanischer UN-Mitarbeiter in der Westbank gegenüber einem gemeinsamen Freund: "Wenn die Leute mich herannahen sehen, dann nehmen sie eine ATM-Maschine wahr " (US-Englisch: Geldautomat, [Castollux]).

Auf der Fahrt durch Ramallah und Jericho am Tag darauf wurde ich an dieses Bonmot erinnert, als ich die schicken Restaurants, die glitzernden Fassaden der neuen Hotels und das Ausmaß der Bauarbeiten sah.

Sowohl die Palästinensische Autonomiebehörde als auch die israelische Regierung heben gerne die 8% Wirtschaftswachstum in der West Bank hervor - Letztere, um darauf hinzuweisen, dass die prosperierende palästinensische Autonomiebehörde ein besserer Verhandlungspartner sein könnte. Sie wissen auch, dass die Palästinenser mehr zu verlieren haben, wenn eine dritte Intifada ausbrechen sollte.

Woran uns die Palästinensische Autonomiebehörde nicht erinnert ist die Tatsache, dass in der Westbank und Gaza weit über 200 NGOs vertreten sind und 30% des Bruttoinlandproduktes internationaler Hilfe zuzuschreiben sind. Die Palästinenser gehören zu den am meisten finanzierten Menschen weltweit und ihre Region wird mit Geld überschwemmt.

Das grundsätzliche ökonomische Problem wird zudem kompliziert durch die Tatsache, dass die UNRWA den Anreiz schafft, dass nicht nur die Palästinenser, die aus ihren Häusern im Jahr 1948 flüchteten, unmittelbar Betroffene wären, sondern auch ihre Söhne und Enkel und auch deren Enkel in der Zukunft*.

In Palästina werden viele Menschen als Flüchtlinge geboren**.

Es gibt Menschen, die ein ganz spezifisches eigennütziges Interesse an dieser Geschichtsinterpretation haben. Im Jahr 1950 lebten 750.000 Palästinenser im Nahen Osten; heute sind es 4,8 Millionen (also der erste „Völkermord“ in der Weltgeschichte, der eine wundersame Vermehrung der Bevölkerung bewirkte [Castollux]). Die UNWRA wird als ’temporär arbeitende Organisation’ bezeichnet (sic!).

Selbst wenn die Palästinenser im September eine volle Eigenstaatlichkeit ausrufen sollten wären sie nicht wirklich unabhängig - nicht nur wegen der anhaltenden israelischen Besatzung, der Checkpoints, Einschränkung von Warenverkehr usw., sondern auch, weil 'Palästina' am Bedürftigkeitstropf hängt. Und so lange man süchtig bleibt, ist man seinem Dealer hörig.

Die Milliarden, die hier einströmen, bedeuten, dass die PA (Palästinensische Autonomiebe-hörde) sich nicht genötigt sieht, hart dafür zu arbeiten, die von ihren Wählern erwarteten Dienstleistungen [selbst] zu liefern; sie ersticken die Privatwirtschaft, blähen die Gehälter auf und verursachen eine interne Abwanderung von hochqualifizierten Arbeitskräften.

Vor dem Restaurant in Ramallah, das ich besuchte, stand eine Reihe teurer Autos, und etliche NGO-Mitarbeiter arbeiteten sich durch die Menükarte durch. Die NGOs leisten gute Arbeit, wenn es gilt, Hilfsprojekte mit fachlicher Kompetenz zu begleiten, aber sie rekrutieren auch die besten Kräfte vor Ort und nutzen ihre Gemeinnützigkeit, um von Steuererleichterungen zu profitieren.

Kein palästinensisches Unternehmen kann mit NGOs konkurrieren, die in der Regel das Dreifache von dem zahlen, was ein Unternehmen vor Ort bieten könnte. Viele NGOs bieten „Gefahrenzulagen“ und sogar „Härteleistungen“ - sowohl für ortsansässige als auch internationale Mitarbeiter, was die Privatwirtschaft vor Ort zusätzlich belastet. So erhalten die NGO-Mitarbeiter die lukrativsten und bestbezahlten Jobs - die privaten Unternehmen den Rest, aber ohne Steuerbefreiungen….

"Palästina ist das bestgehütete Geheimnis in der NGO-Industrie", wie ein medizinischer NGO-Mitarbeiter kürzlich This Week In Palestine mitteilte. "Die Menschen lechzen nach Events und „Palästina“ klingt cool und gefährlich, weil es als Kriegszone dargestellt werden kann, aber in Wirklichkeit ist es völlig sicher und bietet allen Komfort, den die internationalen Helfer wünschen".

Natürlich könnte sich das auch ändern. Wann immer auch die Westbank explodieren würde gibt es in der Tat Szenarien, die man sich nach einer Erklärung der Eigenstaatlichkeit oder Nichteigenstaatlichkeit ausmalen kann. Aber Palästina bleibt ein freundlicher Ort: einladend, gastfreundlich, ausgestattet mit Klimaanlagen, Stereoanlagen, WLAN-Internet und Wein. Auch Journalisten nehmen dies gerne in Anspruch, wenn sie zum Beispiel über Armut und Leid in Gaza berichten, bevor sie sich in die sündhaft teuren Hotels direkt am Meer zurückziehen - nach einem exzellenten Dinner in einem der teuren Fischrestaurants.

Hier soll nicht [so] argumentiert werden, dass NGOs überflüssig sind, aber sie verzerren den Wettbewerb vor Ort, und die Palästinenser verfügen weder über ein fundamental funktionierendes Wirtschaftssystem, noch sind sie völlig unabhängig, bis ihre Führer teilweise von ihrer Sucht nach dem Geld anderer Länder entwöhnt sind.

Autor: Tim Marshall, Sky News

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*Man denke in diesem Zusammenhang nur an die Vertriebenendiskussion in Deutschland und deren Konsequenzen seit 1945 [Castollux].
**Kann man einen Flüchtlingsstatus vererben [Castollux]? Natürlich nicht!

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Abschließend ein wichtiger Quellennachweis:

Ich möchte auf zwei ältere Beiträge von Lizas Welt verweisen, die den dubiosen Machenschaften der UNRWA auf die Spur kommen. Der Blog griff dabei auf Nachforschungen von Tilman Tarach zurück:

http://lizaswelt.net/2009/01/19/die-hatschelkinder-der-uno-i/
http://lizaswelt.net/2009/01/20/die-hatschelkinder-der-uno-ii/

Crossposting mit Medien Backspin

Sonntag, Juli 17, 2011

Ping Pong-Danny

So etwas habe ich noch nie gesehen -; und wie so oft bin ich zufällig darauf gestoßen, als ich nach einem Beitrag zu Tischtennis suchte:

Der Spieler im Hintergrund macht einen schönen Punkt und tanzt danach wie ein Hutzelmännchen. Na, seht selbst. Vielleicht war es auch abgesprochen - egal.

Einfach köstlich!

Bitte hier oder auf die Abbildung klicken.

Richtiges Weltklasse-Tischtennis sieht aber so aus. Unglaublich!

Wo sich Fledermäuse und Zauneidechsen Gute Nacht sagen: Ökologismus-Hysterie in Freiberg

Im sächsischen Freiberg lassen dieser Tage grüne und andere diverse Umwelt-Esoteriker wieder die Sektkorken knallen, weil sie eine große "Mordaktion" verhindert haben.

Und so kam’s:

Das Bundesverwaltungsamt hat auf Antrag von Naturschützern eine geplante Ortsumgehung gestoppt.

Urteilsbegründung:
Die Schadstoffbelastung für Teiche im Naturschutzgebiet "Oberes Freiberger Muldetal" [ist] nicht ausreichend ermittelt und bewertet worden. Zudem machten sie [die Richter] Fehlbeurteilungen beim Schutz von Fledermausarten und Eidechsen aus.
Und weiter: Es werde noch etwa ein Jahr (!) dauern, bis man die Flugbewegungen der Fledermäuse und Wanderbewegungen der Zauneidechsen abschließend erforscht habe.

Heiliger Bimbam!

Dass vorher die Einwände der Anlieger, die von einer Umgehungsstraße betroffen wären, abgeschmettert wurden, interessiert keine ökologische Wildsau, ganz abgesehen von den infrastrukturellen Nachteilen für die Stadt.


Wie das scheinheilig vorgebrachte Anliegen von „Naturschützern“, man wolle das Aussterben bestimmter Tierarten wie Juchtenkäfer (Stuttgart 21), Hufeisennase (Dresdener Waldschlösschenbrücke [wird nun doch gebaut]), Hirschkäfer (Frankfurter Flughafen) u.a. verhindern, zu bewerten ist, hat Michael Miersch schon letztes Jahr überzeugend dargelegt.