Donnerstag, April 02, 2009

Freiheit statt Islamische Republik!

Am Rande der Afghanistan-Konferenz, die dieser Tage in Den Haag abgehalten wurde, traf sich der amerikanische Sonderbeauftragte Holbrooke hinter den Kulissen mit dem stellvertretenden iranischen Außenminister Mehdi Achundsadeh (Der heißt tatsächlich so). "Kurz und freundlich" sei das Treffen verlaufen, so ließ Außenministerin Clinton später verlauten, wobei ich ehrlich gesagt in diesem Fall auf das "kurz" mehr Wert lege als auf gepflegte Umgangsformen, wiewohl ich davon ausgehe, dass der "harte Hund" Holbrooke sich so schnell die Butter nicht vom Brot nehmen lassen wird. Hoffentlich.

Dennoch: Während in Isfahan, Natanz und Arak weiterhin mit Hochdruck an der Bombe geschraubt wird, beraten sich die USA nun doch inoffiziell mit dem Iran, welche Rolle Letzterer zur Befriedung Afghanistan beitragen könne, weil der seinen heroinabhängigen Bürgern keine Zukunft bieten kann. Eine brandgefährliche Situation. Denn die Tatsache, dass der Iran und die USA, was den Kampf gegen die Taliban betrifft, rein zufällig gleicher Meinung sind, weil zudem Mitglieder der schiitischen Hazara-Minderheit in Afghanistan gelegentlich von den wahabitischen Taliban massakriert werden, bringt die nuke-geilen Mullahs in eine komfortable Situation. Im Falle eine Kooperation mit den USA könnten die Amerikaner sich zu einer noch konzilianteren Haltung gegenüber dem Iran durchringen, was mehr als fatal wäre. Die Feinde Israels bejammern jetzt, dass Netanyahu in Israel am Ruder ist. Falls er eines Tages die iranische Bombe auf eigene Faust entschärfen sollte, weil er von seinen "treuesten" Bundesgenossen im Stich gelassen wird, könnte die (arabische) Welt ihm vielleicht noch einmal dankbar sein. So verrückt kann's manchmal zugehen.

Doch noch sind wir nicht so weit.

Die Aktion STOP THE BOMB zieht erfreulicherweise dennoch ihre Kreise und neue Aktionen werden ins Leben gerufen, so wie jetzt die Kundgebung Freiheit statt Islamische Republik! am 1. April 2009, bei der Daniel Fallenstein in seiner Eigenschaft als stellvertretender Vorsitzender von haKadima e.V. eine Rede hielt.

Er war so freundlich, der Veröffentlichung im Wortlaut auf Castollux zuzustimmen.

Dokumentation eines Redebeitrags zur Kundgebung Freiheit statt Islamische Republik! am 1. April 2009, den Daniel Fallenstein in seiner Eigenschaft als stellvertretender Vorsitzender von haKadima e.V. hielt.


Nur ein moralisch einwandfreies Ziel

Daniel Fallenstein

Liebe Anwesende,


Wir von haKadima e.V., Bildungswerk für Demokratie und Kultur, bedanken uns bei Stop the Bomb für die Möglichkeit, einige Worte zum Iran sagen zu können.

Es ist der 1. April 2009. Unsere Kundgebung gegen eine mordende, vergewaltigende und kriegführende Tyrannei ist auch im 21. Jahrhundert immer noch kein Aprilscherz. Wir begehen den heutigen 30. Geburtstag der Islamischen Republik Iran mit Bitterkeit.

Das seit 1979 herrschende Mullah-Regime ist ein Regime, dass seine Legitimation zur Gewalt direkt von Gott ableitet, und sich nicht um die Zustimmung seines Staatsvolks schert. Durch dieses angeblich göttliche Recht sehen sich die Mullahs befugt, ihre barbarischen Verbrechen gegen die Menschheit zu verüben. Sie verbreiten Terror nach Innen und Außen. 70 Millionen Iraner werden von der Herrschaft des Mullah-Regimes geknechtet. Viele weitere Millionen Menschen in den arabischen Staaten des Mittleren Ostens und in Israel leiden unter den Kriegen und Konflikten, die das Mullah-Regime mit Hilfe seiner Terroragenturen führt.

Der Terror nach Innen trifft die Bevölkerung im Allgemeinen und im Speziellen die Frauen, die Schwulen und Lesben, die Jugend, die Gewerkschaften, die ethnischen und religiösen Minderheiten.

Er begann direkt nach der islamischen Revolution damit, dass Frauen explizit zu Menschen zweiter Klasse erklärt wurden, die dem Mann untertan zu sein haben. Die Mullahs zwangen die Hälfte der iranischen Bevölkerung unter das Kopftuch. Sitzt das Kopftuch nicht streng genug, dient das den Handlangern der Mullahs als willkommener Vorwand, um die angebliche Sünderin zu misshandeln. Wird eine Frau gar des Ehebruchs für schuldig befunden, erwartet sie die Steinigung. Die Steinigung, eine der perfidesten gemeinschaftlichen Mordmethoden überhaupt, ist in der Sharia, dem geltenden Unrecht der Mullahs, als angemessene Strafe vorgesehen.

Mit der Durchsetzung dieser Geschlechter-Apartheid geben sich die Mullahs nicht zufrieden. Schwule und Lesben passen genauso wenig in ihr Weltbild. Sie werden gefoltert und auf barbarische Weise umgebracht. Das öffentliche Erhängen an Baukränen zu diesem Zweck ist eine weitere Ungeheuerlichkeit dieses Regimes.

Religiöse Minderheiten wie Bahai, Aleviten, Zarathostrianer, Juden, sunnitische Muslime, Christen sind ständig Repressalien ausgesetzt. Laut der „Verfassung“ können nur Angehörige einer bestimmten schiitischen Konfession vollwertige Bürger unter dem Mullah-Regime sein.

Auch die politische Opposition gegen das Mullah-Regime im Iran wird brutal unterdrückt. Gewerkschafter und Oppositionspolitiker verschwinden regelmäßig in den Folterkellern der Handlanger des Regimes.

Der Terror nach Außen ist ebenso „vielfältig“. Die Terroragenturen der Mullahs sind im Irak, im Libanon und im Gazastreifen ständig aktiv und stehen rund um die Welt bereit. 1994 ermordete die Hizbullah 85 Menschen im jüdischen Gemeindezentrum der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires. Zwei Jahre zuvor ermordete Hizbullah im Auftrag des Regimes hier in Berlin iranische Oppositionelle und ist heute noch fähig, auf Befehl aus Teheran in Deutschland zu operieren.

Die Hizbullah im Libanon und die Hamas im Gaza-Streifen führen mit maßgeblicher logistischer und ideologischer Unterstützung des Mullah-Regimes eine seit Jahren andauernde Terrorkampagne gegen Israel, die bewusst nicht zwischen Zivilisten und Militär unterscheidet. Diese Terrorkampagne provozierte folgerichtig militärische Reaktionen Israels, den Libanon-Krieg 2006 und den Gaza-Krieg zum Jahreswechsel 2008/2009. Diese Kriege - von den Mullahs, von Hamas und von Hizbullah bewusst herbeigeführt - brachten enormes Leid über die palästinensische Zivilbevölkerung, das dann propagandistisch ausgeschlachtet wurde. Israel hätte auf diese Kriege verzichtet, wenn es gekonnt hätte. Etwas anderes zu behaupten, wäre infam.

Auch der Irak leidet unter einer andauernden Terrorkampagne, deren Folgen wieder die Zivilbevölkerung treffen. Nach der Jahrzehntelangen Terrorherrschaft Saddam Husseins und mehreren verheerenden Kriegen trägt das Mullah-Regime zur weiteren Instabilität in dieser jungen Demokratie bei, indem es Netzwerke unterhält, die Anschläge gegen irakische Institutionen, Zivilisten und damit gegen eine schnelle Einkehr der Normalität verüben.

Israel ist seit der Entstehung der Islamischen Republik im Iran Zielscheibe des Hasses der Mullahs. Die so genannten Moderaten unter den Mullahs unterscheiden sich von den Radikalen darin, dass sie für die Vernichtung Israels einen günstigeren Zeitpunkt abwarten würden. Gleichzeitig schafft das Regime sämtliche notwendigen Voraussetzungen, um Israel und Europa mit nuklear bestückten Raketen bedrohen zu können.

Nicht zuletzt weil Deutschland bremste, hat die Uneinigkeit und Unentschlossenheit der internationalen Staatengemeinschaft diese existentielle Bedrohung gefördert. Uneinigkeit und Unentschlossenheit sind die Voraussetzungen, unter denen bereits die Volksrepublik Nordkorea Nuklearwaffen erwerben konnte.

Während wir hier stehen, müssen Nordkoreas Nachbarländer ohnmächtig zusehen, wie diese Diktatur unter dem Schutz ihrer Atombombe einen Raketentest durchführt, bei dem man auch mit dem Schlimmsten - einem Nuklearschlag gegen ein Nachbarland - rechnen muss. Das darf sich nicht mit der Islamischen Republik wiederholen.

Würden Raketen Israel treffen, würde das auch die palästinensischen Gebiete vernichten. Trotzdem sind die Freunde der palästinensischen Sache keine lautstarken Gegner des Atomprogramms der Mullahs.

Die Stimmen, die immer wieder behaupten, das Mullah-Regime habe ein Recht auf die Atombombe, da Israel auch über nukleare Kapazitäten verfügt, ignorieren, dass Israels Atombomben die meisten Staaten in der Region nie motivierten, sich selbst atomar zu bewaffnen. Dass diese Staaten, wie die Türkei, Saudi-Arabien, Jordanien und Ägypten angesichts der Fortschritte der Mullahs beginnen, auch nach Nuklearwaffen zu streben, wirft ein bezeichnendes Licht darauf, vor wessen Bombe sie sich fürchten.

Ein atomares Wettrüsten in dieser Region würde die schon schwierige Lage nur weiter verschärfen. Diejenigen, die das Mullah-Regime aktiv und passiv unterstützen, sind deshalb durchaus als Kriegstreiber zu charakterisieren.

Man muss sich zu dieser Regierung gewordenen Bande verhalten.

Anstatt das moralisch Gebotene zu tun –nämlich, der Herrschaft des Unrechts Steine in den Weg zu rollen– betreibt die Bundesregierung das Gegenteil. Die Bundesregierung fördert aktiv den Handel deutscher Firmen mit Terrorstrukturen wie den Pasdaran. Diese Kollaboration mit dem in der Tat kriminellen und terroristischen Mullah-Regime ist ein verwerfliches Kapitel bundesdeutscher Außenpolitik.

Durch schlichtes Unterlassen könnte die Bundesregierung viel erreichen. Ein Abbruch der diplomatischen Beziehungen alleine würde den Iranern signalisieren, dass man die Herrscher nicht als ihre rechtmäßigen Repräsentanten sieht. Die Einstellung der Förderung für die Wirtschaftsbeziehungen würde, angesichts der Bedeutung Deutschlands für den Handel des Iran, die Lage der Mullahs drastisch verschlechtern. In der Vergangenheit haben sie, wenn überhaupt, reagiert, wenn sich ihre Situation verschlechterte.

Man wird keinen Frieden schaffen, wenn man zu 70 Millionen Iranern, zu 30 Millionen Irakis, zu 7 Millionen Israelis, zu 4 Millionen Libanesen, zu 4 Millionen Palästinensern sagt:
„Gebt sie auf, eure Träume von Frieden und Freiheit, denn wir im Westen werden uns mit Euren Peinigern arrangieren, um unsere Ruhe zu haben.“
Nein! Im Umgang mit den Mullahs gibt es nur ein moralisch einwandfreies Ziel: Die Ablösung ihres Regimes im Iran durch ein säkulares, liberales Staatswesen.

Wem an einer Zukunft in Frieden und Freiheit gelegen ist, der muss dieser Bande jegliche Unterstützung versagen. Die bemerkenswert lebendige iranische Gesellschaft kann selbst einen unterstützungswürdigen Staat hervorbringen, wenn wir ihr zur Seite stehen, indem wir die totalitäre Herrschaft des Mullah-Regimes nicht weiter anerkennen, delegitimieren und damit untergraben.

Der Krieg, der nukleare Flächenbrand, den die Mullahs wollen, lässt sich so vielleicht noch verhindern.

Vielen Dank!

Hattip: Daniel Fallenstein

Sonntag, März 29, 2009

HonestReporting: Big Lies (II)

Während des letzten Gaza-Konflikts konnte es den Weltmedien nicht schnell genug gehen, Israel schlimmster Kriegsverbrechen zu bezichtigen, ohne abzuwarten, bis alle Fakten auf dem Tisch lagen.

Einmal wurde behauptet, Israel hätte eine UN-Schule bombardiert und 42 Zivilisten getötet. Wie unser Video zeigt war diese Geschichte eine reine Erfindung. Man war - wieder einmal - einer Lüge aufgesessen, weil die Headlines mit heißer Nadel gestrickt wurden. Und es sollte nicht der letzte unrühmliche Fall von Gossip-Journalismus in diesem Krieg bleiben.

Unterdessen rühmt Hamas-Sprecher Fawsi Barhum die Berichterstattung der Medien während des Konfliks.

Bitte klicken Sie auf die Abbildung unten oder hier.

HonestReporting


Dienstag, März 24, 2009

Audio-Info zu Durban 2 mit Alex Feuerherdt

Alex Feuerherdt nimmt in diesem Interview mit Radio Corax zur Durban 2-Konferenz Stellung. Bitte rechts oben auf der Seite zwischen den Buttons Download und Abspielen auswählen.

Für alle, die die englischen Originaltexte und unsere manchmal längeren schriftlichen Ausführungen zum Thema bisher nicht durchlasen, in diesem Audio-Interview noch einmal eine mündliche Zusammenfassung durch Alex Feuerherdt.

Er nimmt eingangs noch einmal kurz Bezug auf die Entstehungsgeschichte, die in Durban 1 (Südafrika) 2001 ihren unrühmlichen Ausgang nahm, als man eine Antirassismuskonferenz zum widerlichen Antisemitismusspektakel umfunktionierte.

(Das Pamphlet rechts kursierte während der Durban 1-Konferenz unter den [vorwiegend] islamischen Israelhassern)

Desgleichen spricht Feuerherdt die Praxis der islamischen Mitgliedstaaten des Menschenrechtsrats und seiner Unterstützer aus der Dritten Welt an (Ein Beispiel, wie dieser "Menschenrechtsrat" in der Regel funktioniert hier), mithife des künstlichen Kampfbegriffes "Islamophobie" und dem Verweis darauf, dass Religionskritik generell unzulässig sei, jegliche Kritik an der Scharia und ihrer archaischen Kopf-ab-Mentalität zu unterdrücken.

Im letzten Teil des Interviews gibt Alex Feuerherdt einen kurzen Ausblick auf die Frage, wie eine Alternative zum Menschenrechtsrat aussehen könnte. Hier kann man natürlich keine konkreten (Wünsche) Formulierungen abgeben, so lange das Hauptproblem - die Existenz des Menschenrechtsrates (früher Menschenrechtskommission bis 2006) in seiner bisherigen Form und Zusammenstellung - nicht kritisch hinterfragt und konsequent durch dessen Auflösung beantwortet wird.

Mehr Informationen zu Durban 2 hier auf meiner Webseite (Einfach "Durban" eingeben; Querverweise auch enthalten) oder auf den befreundeten Seiten in meiner Linkliste u.a: Lizas Welt, Zeitung für Schland, Wind in The Wires, Kritiknetz (Heinz Gess), Spirit of Entebbe, Achgut, Beer7, Gudrun Eussner, Heplev, Der Lindwurm etc....

UN Watch (mit Hillel Neuer), NGO Monitor und Pascal Bruckner, Mitinitiator des Aufrufs gegen Durban 2, nehmen sich des Themas natürlich auch sehr ausführlich an.

Ich bitte um Nachsicht, wenn ich nicht alle befreundeten Webseiten aufgezählt habe. Sie sind selbstredend dabei....

Montag, März 23, 2009

Ein Sarg zum 60. Geburtstag

Älter werden ist nicht schwer, älter sein dagegen sehr….

....könnte man denken, versetzte man sich in die Gefühlslage vieler Menschen in den Industrienationen, die das Altern oft schon ab dem dritten oder vierten Lebensjahrzehnt als eine Krankheit beschreiben, die unweigerlich zum nahen Tod führen müsse. Und wenn ich ehrlich bin, dachte ich früher auch manchmal in diesen Kategorien, wenn auch später....; aber wer in unseren Breitengraden eigentlich nicht?

„Faltenreich“ heißt eine
Ausstellung mit dem doppelsinnig-sympathischen Titel, die im Leipziger Grassimuseum gezeigt wird und interessante Perspektiven zum Thema Altern, Jugendideal oder den Umgang der Generationen miteinander zum Thema hat. Eigentlich eine Exhibition, die - in dieser Form - längst überfällig war. Zu Zeiten, in denen ein gewisser Herr Mißfelder von der Jungen Union in widerlicher Propaganda-Rethorik dafür plädiert, dass die Krankenkassen den 85-Jährigen keine neuen Hüftgelenke mehr bezahlen sollten (Hartz-IV-Empfängern sollte zudem das Rauchen und Saufen per Subvention gestrichen werden) und auf der anderen Seite VdK-Präsident Walter Hirrlinger unterschiedslos alle Rentner gegen die jüngere Generation ausspielt, kann man Differenzierungskompetenzen eigentlich kaum noch ausmachen, es sei denn, man legt sich mit der eigenen (Wähler-) Klientel an und ist auf einen neutralen Blick bedacht.

Aber wer will das schon?


Um die politische Auseinandersetzung zum Thema soll es hier ausnahmsweise aber nicht gehen.

In seinem Buch „Der Papalagi“(Papalagi steht für den weißen Gott, der mit dem Schiff vom Meereshorizont kommt) greift Erich Scheurmann die fiktiven Gedanken des Südseehäuptlings Tuiavii aus Tiavea zu den Themen Zeit und Älterwerden auf, und er reibt sich verwundert die Augen, als er (der „Exot“) Anfang des 20. Jahrhunderts Europa besucht und sich über die „wahren Exoten“ der westlichen Industrienationen wundert, die, wie er konstatiert, sich so weit vom ursprünglichen (Insulaner-) Leben und seinen Selbstverständlichkeiten entfernt haben, dass es für ihn fast schon groteske Züge annimmt. So auch, wenn es um die Fragen Zeit und Altern geht:
Der Papalagi [...] liebt vor allem aber auch das, was sich nicht greifen lässt und das doch da ist - die Zeit. Er macht viel Wesens und alberne Rederei darum. Obwohl nie mehr davon vorhanden ist, als zwischen Sonnenaufgang und Untergang hineingeht, ist es ihm doch nie genug. Der Papalagi ist immer unzufrieden mit seiner Zeit, und er klagt den großen Geist dafür an, dass er nicht mehr gegeben hat. Ja, er lästert Gott und seine große Weisheit, indem er jeden neuen Tag nach einem ganz gewissen Plane teilt und zerteilt. Er zerschneidet ihn geradeso, als führe man kreuzweise mit einem Buschmesser durch eine weiche Kokosnuss.

Alle Teile haben ihren Namen: Sekunde, Minute, Stunde. Die Sekunde ist kleiner als die Minute, diese kleiner als die Stunde; alle zusammen machen die Stunden [...]. 'Die Zeit meidet mich!' - 'Die Zeit läuft wie ein Ross!' - 'Gib mir doch etwas Zeit' - Das sind die Klagerufe des weißen Mannes. [...] Es gibt Papalagi, die behaupten, sie hätten nie Zeit. Sie laufen kopflos umher, wie Besessene, und wohin sie kommen, machen sie Unheil und Schrecken, weil sie ihre Zeit verloren haben. Diese Besessenheit ist ein schrecklicher Zustand, eine Krankheit, die kein Medizinmann heilen kann, die viele Menschen ansteckt und ins Elend bringt. Weil jeder Papalagi besessen ist von der Angst um seine Zeit, weiß er auch ganz genau, und nicht nur jeder Mann, sondern auch jede Frau und jedes kleine Kind, wie viele Mond- und Sonnenaufgänge verronnen sind, seit er selber zum ersten Male das große Licht erblickte. [...]
Alle Kulturen haben unterschiedliche Auffassungen und Erlebniswelten- (Erfahrungen), was das Thema „Altern“ betrifft. In Europa (und den Industrienationen generell) misst man in Zahlen von der Geburt weg, und ab einem bestimmten Alter stellt man fest, dass „die Lebenszeit bald abgelaufen ist“. Testamente werden geschrieben und Streitigkeiten zwischen potentiellen Erben sicherheitshalber notariell vorgebeugt, was natürlich auch sein Gutes hat. Einverstanden, das geht nun mal nicht anders.

Ganz schrill wird es jedoch, wenn man sieht, wie sich im kalifornischen Sun City die „Alten“ über 55 ein eigenes Refugium schaffen, in dem sie der „Unsterblichkeit“ nahekommen wollen. Glückliches Altwerden auf diese Weise und mit Pillen, wenn man unter sich bleibt? Zweifel sind angebracht. Eigentlich eine sehr ungesunde Einstellung - und da gebe ich dem Südseehäuptling Recht, auch wenn es verträumt-idealistisch klingen mag. Wer liegt also näher an der Wahrheit, wer näher in einer natürlichen Einschätzung des Prozesses Altwerden?

Sinngemäß formuliert Tuiavii:
„Wenn sich die Zeiger an den großen Gebäuden drehen und eine volle Zeit vorbei ist, die sie (Die Europäer) Stunde nennen, vergleichen sie diese mit den kleinen Maschinen, die sie an ihrem Handgelenk tragen. Und wenn der Zeiger viele Tage, Monde und Jahre durchlaufen hat, sagen sie, dass es Zeit ist zu sterben. Und dann sterben sie auch“.
Weil sie ihren Lebenswillen mit der verronnenen Zeit (wie sie glauben) abgegeben haben, wenn sie nicht unheilbar krank waren?

In manchen Kulturen wird Zeit am körperlichen und qualitativen Wachstum des Menschen beschrieben, an seinem Heranreifen, seiner zunehmenden Weisheit etc. Wenn er also töricht bleibt, ist er nicht gealtert. In der Tat….

Und eigentlich entspricht dieser positive Zeitbegriff auch dem der Antike, denn Alter galt damals als etwas Verehrenswürdiges, wenn es mit zunehmender Weisheit, Güte und Kompetenz einher ging. Wird heute, im Zeichen des demografischen Wandels in den Industrienationen, dem Zusammenleben zischen Jung und Alt, den Potentialen des Alterns und den Chancen, die ein positives Altersbild bieten, endlich auch Rechnung getragen? Wird in unseren Gesellschaften dennoch fälschlicherweise nicht auch immer davon ausgegangen, dass Alter gleichbedeutend ist mit politischer Reife und Verantwortung für die Polis?


Oder sollten wir Peter Scholl-Latour, Jimmy Carter, Uri Avnery u.a., die bedingungslose Gespräche mit dem Iran und der Hamas fordern, kindisches Zeug plappern, attestieren, dass sie, wie der Papalagi sagt, reif genug sind? Erhebliche Zweifel sind angebracht.


Es gibt übrigens auch andere Formen, mit dem Altwerden umzugehen, die selbst dem Häuptling von den Südseeinseln ein weinig surrealistisch vorkommen dürften, so er denn heute lebte und davon wüsste:


In manchen Gegenden Chinas schenkt man Menschen, die 60 geworden sind, einen verzierten Sarg und stellt ihn in deren Wohnung auf. Das wäre mir dann allerdings doch ein wenig zu viel der Ehrfurcht vor dem Alter. Denn der Sarg erinnert schließlich auch tagtäglich daran, dass die Sekunden, Minuten, Stunden, Tage, Monate und Jahre unwiederbringlich verrinnen.

Und daran muss ich wirklich nicht jeden Tag erinnert werden. Bei aller Demut.

Mittwoch, März 18, 2009

Roger Cohen und seine iranischen Juden

Roger Cohen hat in den letzten Tagen nichts dazugelernt. Jetzt schrieb er eine „Apologetik“, die bei den Amirpurs dieser Republik besonders gut ankommen dürfte. Ein paar Kostproben:
I was based in Berlin for three years; Germany’s confrontation with the Holocaust inhabited me. Iran’s Islamic Republic is no Third Reich redux. Nor is it a totalitarian state.
Totalitarian regimes require the complete subservience of the individual to the state and tolerate only one party to which all institutions are subordinated. Iran is an un-free society with a keen, intermittently brutal apparatus of repression, but it’s far from meeting these criteria. Significant margins of liberty, even democracy, exist. Anything but mad, the mullahs have proved malleable.

Munich allowed Hitler’s annexation of the Sudetenland. Iran has not waged an expansionary war in more than two centuries.

Most of Iran’s population is under 30; it’s an Internet-connected generation. Access to satellite television is widespread. The BBC’s new Farsi service is all the rage.

Of course, Israel’s unfinished cycle of wars has been with Arabs, not Persians, a fact that explains some of the discrepancy. (Dümmer geht's kaum noch)

One Iranian exile, no lover of the Islamic Republic, wrote to me saying that my account of Iran’s Jews had brought “tears to my eyes” because “you are saying what many of us would like to hear.” (Muss wohl ein Verwandter von Amirpur sein)

Jews elect one representative to Parliament, but can vote for a Muslim if they prefer. A Muslim, however, cannot vote for a Jew. (grübel...)
Dass es im Iran anders aussieht als von Cohen beschrieben kann man unter anderem hier, hier und hier nachlesen.

Weitere interessante Informationen (Homepages, nicht Permalinks) zum Iran bei Lizas Welt, Heplev, Zeitung für Schland, Wind in Wires, Matthias Küntzel , Achgut und Kritiknetz. Ich bitte um Nachsicht, wenn ich mich auf diese Adressen beschränkt habe.

Sonntag, März 15, 2009

Sderot: 5 Sekunden für ein Karussell und 5 Sekunden gegen Haman

Vor einem Jahr regneten fast täglich Raketen auf die israelische Grenzstadt herunter und längst war jede Bushaltestelle mit Betonplatten abgesichert, jeder denkbar gefahrenträchtige Ort wurde, so weit es ging und die finanziellen Mittel vorhanden waren, in die Sicherheitsmaßnahmen einbezogen. Viele Prominente statteten vor- und nachher Sderot einen Solidaritätsbesuch ab; - etliche sicher aus Neugier, manche der Etikette wegen und andere aus echtem empathischen Antrieb heraus. Zu Letzteren gehört sicher Stanley M. Chesley, Präsident des Jewish National Fund (JNF). Als er während seines Aufenthalts in Sderot Kinder draußen spielen sah, reagierte er schnell. (Das Bild rechts habe ich von Heplev "geklaut". Der weiß von seinem Glück noch gar nichts. Original: DryBones)

Chesley ist ein hartgesottener Anwalt aus Ohio, und er befand, dass sofort gehandelt werden musste, weil die Kinder mehr Schutz brauchten. Er hatte eine Idee.

„Diese Kinder können nicht in einem Park draußen spielen, also bauen wir einen Park, in dem sie sicher spielen können“, erinnert er sich daran, wie er mit seinem Kollegen Russell F. Robinson, dem Geschäftsführer der 107 Jahre alten zionistischen Organisation übereinstimmend feststellte. In Synagogen und jüdischen Einrichtungen weltweit gingen die Sammelbüchsen um.

So entstand im Gewerbeareal von Sderot ein Riesenbunker, in dessen Innerem ein knapp 2000 Quadratmeter großes Freizeitzentrum (hier 6 Fotos) mit einem kleinen Fußballplatz, Computerraum zum Videospielen, Zerrspiegel, Kletterwand und Räumen für Geburtstagsfeiern eingerichtet wurde. Zusätzlich wurde für 1,5 Millionen Dollar Eisenbeton zum Schutz verbaut.

Einweihung war rechtzeitig vor dem Purimfest und die Kinder freuten sich natürlich gleich doppelt.

In den Ohren mancher besonders auf Gerechtigkeit und Ausgewogenheit bedachten Friedensfreude mag ungerecht klingen, dass einige israelische Kinder in Sicherheit spielen können, während israelische Kampfflugzeuge nach wiederholtem Raketenbeschuss aus Gaza versuchen [müssen], Tunnel zu zerstören, die dem Waffenschmuggel dienen.

Es gibt einen Ausweg. Und die Gegenseite weiß das nur zu gut….

Der Freizeitpark befindet sich in einem leerstehenden Textilwarenhaus, das für 5 Millionen Dollar renoviert und mit freundlichen Farben bemalt wurde. Obgleich nicht jeder Teil des Daches gegen Raketen geschützt ist, hat das Gebäude viele verstärkte Bauabschnitte, die auch als Funktionsräume dienen können, einschließlich des Kickerfeldes und des Computerraums. Allgemein gilt bisher: Wenn eine Rakete im Anflug ist, ertönt eine Sirene und die Einwohner haben 15 Sekunden Zeit, in Deckung zu gehen. Diejenigen, die sich im Freizeitzentrum befinden, sind also besser dran.

Eigentlich sollte noch ein Karussell eingebaut werden, aber das Zeitfenster, innerhalb dessen man es stoppen und die Kinder in Sicherheit bringen könnte, würde 20 Sekunden überschreiten. Zu riskant also.

In Sderot weiß man, was den Unterschied von 5 Sekunden ausmacht - vor allen Dingen, was sie wert sind. Bei vielen Pazifisten nicht. Die verbringen lieber Stunden an Sicherheitszäunen in Diskussionen mit israelischen Soldaten, obwohl ihre Ansprechpartner woanders zu finden sind.

Stündlich fahren vom Stadtzentrum aus Shuttlebusse zum Freizeitzentrum, denn wenn man schon eine Attraktion besitzt muss diese auch genutzt werden. So schwärmte Stanley Chesley von der größten Blue Box der Welt, als die ersten Kinder in ihren Purim-Kostümen das Gebäude stürmten, und Ronald S. Lauder, Vorsitzender des JNF, sagte in einem Interview, dass er von den historischen Parallelen überwältigt sei, die Purim in ihm hervorrief. Der Feiertag, der seinen Ursprung im biblischen Buch Esther hat, erinnert an die Befreiung der Juden von einem persischen König, der, so die Überlieferung, auf Anraten seines Beraters Haman alle Juden töten sollte.

Heute hegen Persiens Führer ebenso schlechte Absichten gegen Israels Nachkommen, wie man an der Aufrüstung von Hisbollah und Hamas und ihren Hasstiraden ablesen muss. „Ist es nicht verblüffend, wie sich Geschichte wiederholt?“ so Lauder.

Schön, wenn Hamas und Fatah endlich an ihre Kinder denken würden. „Soziale Einrichtungen“, die nur der Heranzüchtung und Rekrutierung der nächsten Terroristengeneration dienen, sind damit nicht gemeint, auch wenn das im Westen wieder einmal falsch interpretiert wird.

Kontrolliere er also, dass die 4,5 geschenkten Milliarden Dollar sinnvoll investiert werden. Die innnerpalästinensische Entwicklung lässt aber Schlimmstes befürchten - nämlich die zunehmende Akzeptanz der Hamas im Westjordanland und die gleiche Entwicklung wie im Gazastreifen. Dann sind nicht nur 4,5 Milliarden im Eimer, sondern bis auf Weiteres alle Hoffnungen palästinensischer Kinder auf ein glückliches Leben.


Quelle: NY Times

Donnerstag, März 12, 2009

Obama ernennt El-Baradei zum US-Geheimdienstchef

Wie Castollux aus zuverlässiger Quelle erfahren hat, will Obama dem IAEA-Hausmeister El-Baradei zu einem ultimativen Karrieresprung verhelfen. Er soll Dennis Blair ablösen, den Chef der Nationalen US-Geheimdienste, der zuletzt immer wieder das wie geschmiert laufende Nuklearprogramm des Iran madig gemacht und steif und fest behauptet hatte, dass der Iran bis mindestens 2010 nicht in der Lage sei, die Bombe zu bauen. Dabei hatte die National Intelligence Estimate doch eine viel optimistischere Prognose abgegeben, als sie sich wieder einmal im Dezember 2007 zur alljährlichen Patience getroffen und den Stichtag 2015 für das ausgebrütete iranische Atomei angepeilt hatte.

El-Baradei genießt beim (übers Internet gewählten) US-Präsidenten, der selbst eine glänzende, 45 Jahre andauernde Karriere als außenpolitischer Sachverständiger vorweisen kann (Aufspüren von Verwandten in Kenia, Irland, China, in der Wüste Gobi und am Südpol), großes Vertrauen, da seine Voraussagen zum iranischen Rüstungsprogramm immer zugetroffen hatten, die Seherkugel immer blitzblank und sein Gänseblümchenabzählreim nicht zu toppen ist: „Sie liebt mich, sie liebt mich nicht, sie liebt mich, sie liebt mich nicht" usw.

50% Trefferquote. Beinahe unschlagbar.

Obama weiß solche Fähigkeiten zu schätzen, geht aber als Mann, der, wie wir alle wissen, schon 1962 die Kubakrise gemeistert und gut 100 Jahre zuvor die Sklaverei abgeschafft hatte, auf "Nummer Sicher", auch wenn El-Baradei mit seiner Prognose „Der Iran wird spätestens 2185 eine Atombombe haben“ ziemlich gut im Rennen liegt und das Spiel „Ein lästiger IAEA-Nörgler verschwindet immer spurlos“ perfekt beherrscht wie kein Zweiter - im vertrauensvollen Zusammenspiel mit der iranischen Führung. So auch, als man bisher erfolgreich allzu kritische Inspektoren ausgebootet hatte.

Pfiffiges Kerlchen, dieser „Bami“!

Er hat zur Absicherung und Assistenz - als El-Baradeis „Rechte Hand“ sozusagen - den Mann ausgesucht, der schon als Unterhändler des Iran in Sachen iranische Atomaufrüstung große Erfolge auf internationalem Parkett einheimsen konnte – Larifari Laridschani, auch Chamäleon genannt. In dem Job braucht man Nerven wie Drahtseile und muss auch mal unbequeme Dinge ansprechen. Was man nicht braucht: Ehrlichkeit, wie auch sonst recht selten in der großen Politik nachgefragt. Und da Larifari überdies ein Schöngeist ist (gelernter Philosoph und Kant-Verehrer), passt er sowieso besser in den Wilden Westen als in die muffige Umgebung der Mullahs.

Unlängst steckte er mir in einer schwachen Minute (El-Baradei war mittels Skype-Konferenz zugeschaltet und beschwerte sich natürlich gleich, weil ich ihn nicht nach seinen guten Beziehungen zu Ban ki-Moon befragt hatte), dass es ihm wahnsinnig auf den Senkel gegangen war, als Claus Peymann damals mit seiner Theatertruppe in Teheran aufkreuzte und eine noch miesere Stimmung verbreitete als sie vor seiner Ankunft sowieso bestand. Warum mussten sich diese Shakespeare zitierenden Feministinnen Kopftücher umbinden? Waschlappen!

So ganz nebenbei würde Obama auch Ahmadinejad einen großen Gefallen erweisen, wenn er einen seiner potentiellen Nachfolger aus dem Verkehr zieht, denn Khamenei soll auf „Achbinichfad“ sauer sein, weil dieser wieder die iranische Nationalbank beschissen hatte. Wenn das nur mal gut geht. Das kommt davon - jede Menge Baukräne zur Volksbelustigung bestellen und dann nicht sauber abrechnen.

Wo san mer denn?

Obama wäre nicht Obama, wenn er nicht noch eine weise Entscheidung in petto hätte: Ihn betrübt schon seit Bushs Zeiten, dass es mit dem Heimatschutzministerium nicht zum Besten bestellt ist, und er hat auch hier vorgesorgt. Mal’ richtig den Luschen Beine machen; geht ja nicht so weiter. Keine Disziplin, kein Anstand, nix. Also sofort die Graswurzler damit beauftragt, über's Internet den Omar zu erwischen. Sollen sie doch zeigen, dass der Wahlkampf keine virtuelle Eintagsfliege war und sie einen gemäßigten Taliban auftreiben, auch wenn so ein Exemplar nur in der Fantasie dieses Herrn und für ihn selbst existiert.

Für die Innere Sicherheit hat „Obarmer“ sich also den Paschtunen Mullah Omar aus Afghanistan ausgeguckt - jenen stolzen Kämpfer und Halsabschneider, der schon weiland mit Kara Ben Nemsi wertvolle Erfahrungen ausgetauscht hatte. Omar beratschlagt sich zurzeit mit den domestizierten Taliban aus der Provinz Absurdistan, die selbst nicht so genau wissen, was „gemäßigt“ heißt und wie man auf Obamas vernünftige Vorschläge antworten soll. Er mag zwar die Iraner nicht besonders („Jubelperser“) und verrichtet sein afghanisches "Aufbauprojekt" stets im Geheimen, wobei er jetzt geschickt seine Talibanchen im saudischen Riad auf den Busch klopfen lässt, wie weit wohl die Internationale Gemeinschaft gehen mag.

Aber in einem Punkt weiß er sich mit den Teheraner Tugendwächtern einig: No Mercy!

Mal sehen, was Obama sonst noch so alles einfällt, und wem außer Malte Lehming er sonst noch ein X für ein U vormachen kann. Auf El-Baradei und Larifari ist jedenfalls Verlass.

Samstag, März 07, 2009

Purim, Purim

Heplev hat wieder einmal eine Karikatur des unvergleichlichen Yaakov Kirschen zu Purim ins Netz gestellt und die Sprechblasen übersetzt.

Wie das funktioniert?

Mit Windows Paint kann man die Sprechblasen bearbeiten. Ich bin meistens zu faul dafür.

Danke Heplev!

Zur Geschichte von Purim hier mehr.

Hattip: Heplev

Yassers moderates Abziehbildchen

Warum geht in den Medien noch immer das Gerücht um, die palästinensische Führung unter Abbas (Abu Mazen, rechts im Bild mit seinem Ziehvater) sei gemäßigt, und warum hat der palästinensische Ministerpräsident Salam Fayyad, der nicht ganz zu Unrecht auch im Westen Ansehen genießt, nun die Brocken hingeworfen, obwohl wieder einmal kollektive Amnesie bei den Geberländern nach einer hysterisch verlaufenden Geldvernichtungskonferenz in Sharm el-Sheikh den dreistesten Bittstellern der letzten 60 Jahre den x-ten Marshallplan bescherte?

Gehen wir ein paar Monate zurück…


Noch kurz vor den offen ausgetragenen mörderischen Kämpfen zwischen Hamas und Fatah im Gazastreifen 2007 hielt Abbas eine Rede zum 42. Jahrestag der PLO-Gründung (1964), in der er eindringlich die Einheit zwischen den rivalisierenden palästinensischen Mörderbanden beschwor:
"Wir alle sind ein Volk, unabhängig von Meinungsverschiedenheiten. Meine oberste Priorität ist die Bewahrung der nationalen Einheit, weil Kämpfe und Blutvergießen zwischen Palästinensern eine rote Linie kennzeichnen, die nicht überschritten werden darf. Wir haben ein legitimes Recht, unsere Gewehre gegen die israelische Besatzung zu richten.“
Das ewig gleiche Ritual absurder „Identitätsstiftung“.

Worte eines „Friedensfürsten“, der in jeglicher Hinsicht von seinem Mentor Arafat gelernt hatte: Im Ausland und den Weltmedien gegenüber auf Englisch Friedenswillen heucheln und zuhause auf Arabisch die Massen aufhetzen - ganz anders als in unserer Parteienlandschaft, in der das geflügelte Wort „Feind-Todfeind-Parteifreund“ seine umgekehrte, wenn auch ironisch zugespitzte Entsprechung findet.


Kann sich irgendjemand daran erinnern, dass Abu Mazen seine Worte zurückgenommen hat?


Am 16. April 2008, 6 Jahre nach dem entsetzlichen Blutbad im Park Hotel von Netanya und 3 Jahre nach einem weiteren mörderischen Anschlag im dortigen Einkauszentrum, lieferte der Holocaustleugner Abbas darüber hinaus eines der vielen beredten Beispiele dafür, dass „moderat“ nach palästinensischer Lesart einen ganz speziellen Touch hat, insbesondere dann, wenn man Terroristen einen Kranz windet.


Die Jerusalem Post berichtete damals, dass zwei Terroristinnen
(bzw. in Vertretung ihrer Angehörigen) der Al Quds-Orden, die höchste Auszeichnung, die von der PLO vergeben wird, verliehen werden sollte, weil sie am Mord an israelischen Zivilisten beteiligt waren: Ahlam Tamimi, eine der Hamas zugerechnete Terroristin, die wegen Beteiligung an einem Bombenanschlag im Jerusalemer Sbarro-Restaurant, bei dem 6 Menschen ermordet wurden, hinter Gittern saß, sowie Amra Muna, die Ophir Rahum übers Internet verführt und nach Ramallah gelockt hatte, wo er heimtückisch ermordet wurde.

Letztlich scheiterte Abbas’ makabres Orden-Festival zu seinem Leidwesen am Veto Israels, das diplomatische Konsequenzen angekündigt hatte.

Ein Chamäleon würde vor Neid erblassen, wenn es mit Abu Mazen wetteifern müsste.
Festzuhalten gilt, dass allein der Führer der PA darüber entscheidet, ob der Al Quds-Orden verliehen wird - niemand sonst.

Noch Fragen?

Damals, im April 2008, war abzusehen, dass diese bizarre Geschichte in den Medien kaum Widerhall finden würde - wie viele andere „verbale Ausrutscher“ des Mannes in der Muqata(1); mehr noch – das Adjektiv „moderat“ wird ihm regelrecht hinterher geworfen, so, als gäbe es keine unwiderrufene Doktorarbeit, keine Yasser Arafat Brigaden und keine schmierige Anbiederei an die Hamas. Wenn Abbas ankündigte - wie vor einem Jahr und nicht zum ersten Mal - , dass er nicht ausschließen könne, wieder zum bewaffneten „Widerstand“ zurückzukehren, zeigt sich Meister Prahlhans’ Variante in ihrer Janusköpfigkeit:
„Unsere PLO war die erste Organisation, die Israel angegriffen und die Hisbollah ausgebildet hat.“
Seine ganz persönliche Geschichte der Holocaustleugnung hatte ich oben schon angesprochen. Ein sehr erhellender Beitrag dazu von Tom Gross.


Warum eigentlich können die Mainstream-Medien nicht ihre Unsitte ablegen, israelische Politiker und Zivilisten jenseits der Green Line als „unversöhnliche, unerbittliche Hardliner“ und „Kompromissverweigerer“ zu bezeichnen, während sie gleichzeitig Abbas und seine Clique als moderat-konziliant laudatieren?


Beeindruckt diese Kranzniederlegung eines senilen Antisemiten die Weltöffentlichkeit wirklich so sehr, dass man denkt, mit der scheinbaren Domestizierung Yasser Arafats nach seinem Tunesien-Exil und posthumer Heiligsprechung wäre der Frieden ausgebrochen? Der kondolierende Erdnussfarmer damals:
„Arafat kämpfte für die Verbesserung der Lebenslage aller Palästinenser und setzte sich auch sonst für die Gerechtigkeit weltweit ein“.
Eines muss man Abbas lassen: Als Fundraiser zeigt er ganz große Klasse und ist seinem Mentor mindestens ebenbürtig. Ob man ihm deshalb schon zu Lebzeiten ein Mausoleum einrichten wird? Geld wäre genug vorhanden.

Doch warten wir mal ab, wie man das im libanesischen „Flüchtlingslager“ Nahr al-Bared sieht. Die hätten auch ganz gerne eine Scheibe vom 4,5-Milliarden-Kuchen.

Falls für sie nichts abfällt: Abu Mazen wird ihnen mal wieder den Allerwertesten küssen - und Israel die Schuld dafür zuschieben.

Wetten?

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(1) Der Begriff Muqata ist m.E. mit größter Vorsicht zu behandeln, wenn er in Wikipedia auftaucht.

Ich habe ihn dennoch der Fairness halber so übernommen, weil ich meinen Lesern nicht den Eindruck vermitteln will, dass ich Informationen zurückhalten will.

In diesem Beispiel wird er (von wahrscheinlich palästinensischen Autoren) als Angriff Israels gegen eine demokratische Institution interpretiert und propagandistisch ausgeschlachtet.

Machen Sie sich selbst ein Bild von den Geschehnissen damals, dann werden Sie schnell erkennen, dass die
Muqata alles andere als ein Hort der Demokratie war.

Sie war ein Hort des Terrors - nicht anderes.

Dank an Lizas Welt, Heplev und Henryk M. Broder für die Unterstützung bei der Quellensuche.